Synoptische Übersicht Mittelfrist

Synoptische Übersicht Mittelfrist
ausgegeben am Freitag, den 23.07.2021 um 10.30 UTC Unbeständig mit Schauern und teils kräftigen Gewittern mit Starkregengefahr. Im Nordwesten mäßig warm, im Südosten schwülwarm.
----------------------------------------------------------

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 30.07.2021 Am Montag befindet sich Deutschland auf der Vorderseite eines ausgedehnten Langwellentrogs über Westeuropa, dessen Achse sich von der westlichen Nordsee bis zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Über Nordosteuropa liegt ein Höhenrücken, dessen Achse von Osteuropa über Skandinavien bis in die Norwegische See reicht. Diese Achsenneigung wird von einem in den Langwellentrog integrierten Randtrog über der Nordsee forciert, der für dynamische Hebungsantriebe über Deutschland sorgt. Korrespondierend legt ein Bodentief mit mehreren Drehzentren über der Nordsee, dessen Kaltfront relativ kühle Meeresluft im Nordwesten von feuchtwarmer Luft in der Südosthälfte trennt. Von der Nordsee über Vorpommern bis in den Südosten muss mit teils kräftigen Gewittern gerechnet werden. Bedingt durch die Hebungsimpulse des Randtrogs lebt auch im Westen die Gewittertätigkeit auf. Die Temperaturen steigen auf 24 Grad im Westen und bis 30 Grad im Osten. Am Dienstag kommt der Randtrog etwas ostwärts voran, löst sich dabei aber zusehends auf. Das dazugehörige Bodentief verlagert sich dabei Richtung Norwegische See und füllt sich dabei mehr und mehr auf. Gleichzeitig stößt ausgehend von Island ein mit Kaltluft angereichertes Höhentief nach Süden vor, welches am Boden über England ein neues Tief induziert und den Trog regeneriert. An der Luftmassenverteilung über Deutschland ändert sich dabei recht wenig mit kühlerer Luft im Westen (T850 um 9°C) und wärmerer Luft (T850 um 15°C) im Südosten. Im Südosten Bayerns ist erneut mit teils kräftigen Hitzegewittern zu rechnen, kurzwellige Troganteile lösen aber auch im Westen und Nordwesten teils kräftige Schauer und Gewitter aus, die mitunter auch organisierte Strukturen annehmen können. Am Mittwoch verlagert sich das mit Kaltluft angereicherte Höhentief weiter südostwärts und liegt am Abend mitten über Großbritannien. An dessen Vorderseite entsteht ein markanter Randtrog, dessen Achse bereits am Morgen über Westdeutschland angelangt ist und im Tagesverlauf rasch nordostwärts bis nach Südschweden vorankommt. Ihm folgt ein flacher Rücken nach, der für eine vorübergehende Wetterberuhigung sorgt. Durch den Randtrog bilden sich kräftige schauerartige, teils gewittrige Niederschläge, die vom Westen nordostwärts über die Nordhälfte hinwegziehen. Den Nordwesten erreicht damit ein weiterer Schwall kühler Meeresluft (T850 um 7°C), während im Südosten Bayerns die feuchtwarme Luft noch nicht verdrängt werden konnte (T850 bis 13°C), in der sich im Tagesverlauf abermals kräftige Schauer und Gewitter bilden können. Am Donnerstag verlagert sich das Höhentief zur Nordsee, die dadurch bedingte Zyklonalisierung (erneuter Randtrog) sorgt weiterhin über dem Nordwesten Deutschlands für Hebungsantriebe und die Luftmassengrenze bleibt Deutschland weiter erhalten mit T850 im Westen und Nordwesten von nur 6°C und 13 bis 15°C im Südosten. Nach einer kurzen Wetterberuhigung in der Nacht kommt es tagsüber zum einen bedingt durch den Randtrog im Nordwesten zu Schauern und Gewittern, während es auch im Südosten und Süden ("und täglich grüßt das Murmeltier") zu teils kräftigen Hitzegewittern kommen kann. Im Nordwesten wird es recht frisch mit nur noch um 20 Grad, während es im Süden und Osten weiterhin sommerlich warm bleibt. Am Freitag zieht das Höhentief weiter nach Südskandinavien. Korrespondierend dazu befindet sich am Boden ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über Skandinavien. An dessen Südseite ist im Norden ein weiterhin unbeständiger Wettercharakter zu erwarten. Im Süden hält sich weiterhin die feuchtwarme und zu Gewittern neigende Warmluft. Zwischen diesen beiden Gebieten bleibt es vorübergehend trocken. Der Blick in die erweiterte Mittelfrist
zeigt, dass erst zum Sonntag die Trogachse über Deutschland durchschwenkt und die Warmluft ausgeräumt wird. Anschließend gibt es vor allem im Norden Deutschlands noch recht viel Niederschlagssignale.
----------------------------------------------------------

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bis einschließlich Dienstag ist die Konsistenz zu den Vorläufen als gut einzuschätzen. Ab Mittwoch ergeben sich größere prognoserelevante Unterschiede. Im Vergleich zu den beiden Vorläufen wird das Höhentief über Großbritannien stärker simuliert und die Strömung ist zonaler als zuvor. Als Resultat zieht das Höhentief am Donnerstag zur Nordsee, während die Höhenkaltluft in den Vorläufen nach Deutschland gelangte. Demzufolge waren in der Nordhälfte die Vorläufe unbeständiger als der aktuelle Modelllauf. Am Freitag gehen die Läufe noch deutlich auseinander, sodass die Vorhersage dann als recht unsicher einzuschätzen ist.
----------------------------------------------------------

Vergleich mit anderen globalen Modellen Passend zu der IFS-Konsistenz unterscheiden sich auch die externen Modelle bis einschließlich Dienstag nicht wesentlich. Ab Mittwoch schert vor allem ICON aus, das den Trog über Westeuropa weiter nach Süden ausgreifen lässt, während IFS und GFS zonaler orientiert sind. Der beschriebene Randtrog am Mittwoch im Nordwesten wird nur von IFS simuliert. Alle Modelle stimmen beim Südost-Nordwest-Temperaturgefälle recht gut überein. Auch am Donnerstag nimmt ICON eine Außenseiterrolle ein mit einem sehr breiten Trog vom Atlantik bis nach Osteuropa mit eingelagerten kurzwelligen Anteilen, wodurch sich das Wetter über Deutschland unbeständig und mäßig warm gestaltet. IFS und GFS sind sich hingegen einig, dass sich im Südosten deutlich wärmere Luft hält als im Nordwesten, wobei IFS das Höhentief über der Nordsee schneller auf Deutschland übergreifen lässt.
----------------------------------------------------------

Bewertung der Ensemblevorhersagen Bis t+120 sind bei den Ensembles keine signifikanten Unterschiede zu erkennen, wobei der Trog über Westeuropa unterschiedlich markant ausgeprägt ist. In der erweiterten Mittelfrist
bis t+240 zeigen alle 5 Cluster, dass die Trogachse langsam Richtung Mitteleuropa vorankommt. Lediglich bei C5 (6 Member inkl. Kontrolllauf plus Hauptlauf) hängt der Trog stark nach Südwesten zurück, sodass wir demnach noch länger in einer südwestlichen Höhenströmung verbleiben würden. Bei den Rauchfahnen für Bremen zeigt sich bei den Temperaturen im Verlauf ein Abwärtstrend von im Mittel 12°C am Montag auf 7°C am Freitag, wobei der Spread vor allem bis Dienstag sehr gering ist. Auch beim Geopotential ist aufgrund des übergreifenden Trogs eine Abnahme zu erkennen. Ausschläge bei den Niederschlägen bestätigen den unbeständigen Wettercharakter. Auch bei München ist der Spread bis Dienstag gering, jedoch auf einem deutlich höheren Temperaturniveau um 13°C. Die erhöhte Gewitterneigung ist deutlich bei den Niederschlagsmengen erkennbar. Die GFS-Ensembles stützen obige Erkenntnisse.
----------------------------------------------------------

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Im gesamten Zeitraum teils kräftige Gewitter mit Unwetterpotential vor allem durch Starkregen, insbesondere im Süden und Südosten, im Westen und Nordwesten zudem organisierte Strukturen möglich mit der Gefahr von Sturmböen. COSMO-LEPS zeiget am Montag im Südosten geringe Wahrscheinlichkeiten für Niederschlagssummen über 25mm/12h.
----------------------------------------------------------

Basis für Mittelfrist
vorhersage IFS-EPS, MOSMIX
----------------------------------------------------------

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Dr. Markus Übel und Peter Hartmann