Synoptische Übersicht Mittelfrist

ausgegeben am Freitag, den 29.08.2025 um 10.30 UTC



Weiterhin wechselhaft und mäßig warm.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 05.09.2025


In der neuen Woche setzt sich die wechselhafte und mäßig warme Südwestlage mit
hoher Wahrscheinlichkeit nahtlos fort. So bleibt sowohl die Blockade über
Südosteuropa, vor allem aber der sich stetig regenerierende Tiefdruckkomplex
über den Britischen Inseln in übereinstimmenden Berechnungen treue Begleiter.

Am Montag zunächst liegt das steuernde Tief mit einem Kerndruck nahe 980 hPa bei
den Hebriden. An dessen Südwestflanke wird eine neue Welle mit einbezogen, die
das Gesamtkonstrukt vital hält. Über Deutschland befindet sich eine weitgehend
strömungsparallele, thermisch ziemlich verwaschene Okklusion mit schwachem
Kaltfrontcharakter, wobei die postfrontale einfließende Atlantikluft mit T850
von ca. 8°C natürlich alles andere als kalt ist. Im Vorfeld lagert über der
Osthälfte noch eine leicht gealterte, in tieferen Luftschichten etwas
abgetrocknete xSp mit T850 zwischen 10 und 13°C.
Die "Front" besitzt also schleifenden Charakter, was auch mit einem Tief
zwischen den Balearen und Sardinien zu erklären ist, durch das sie
zurückgehalten wird. So kommt es primär in einem breiten Streifen von der
Nordsee bis nach Ostfrankreich und der Schweiz zu länger anhaltenden
Regenfällen, in die teilweise auch Starkregensegmente und/oder Gewitter
eingelagert sein können. Da PPW's sind mit über 30 mm weiterhin ziemlich hoch
und auch die Scherung (hauptsächlich Geschwindigkeits-) ist mit > 20 m/s
beachtlich. Die Labilität ist aber im Frontbereich beschränkt, präfrontal ist
die Schichtung stark gedeckelt. Allerdings muss man bereits jetzt festhalten,
dass zum 1. Mittelfristtag schon erhebliche Unterschiede in der genauen
Positionierung der Front bestehen (siehe Modellvergleich). Von Vorpommern bis
nach Niederbayern bleibt es voraussichtlich noch weitgehend trocken und sonnig
bei spätsommerlichen 25 bis 29°C. Im Regen liegen die Temperaturen um 20°C und
damit auch nicht wirklich im kühlen Bereich.

Am Dienstag schwenkt der Ausläufer unter Abschwächung ostwärts und erreicht
spätestens jetzt auch Oder, Neiße und untere Donau. Postfrontal folgen einzelne
Schauer nach. Im Vorfeld eines markanten, in den Englischen Kanal schwenkenden
Kurzwellentroges, in den am Boden auch die einstige Welle (inzwischen profundes
Tief) eingelagert ist, beruhigt sich das Wetter in weiten Landesteilen durch
kompensatorisches Absinken vorübergehend und die trockenen und heiteren Phasen
nehmen zu. Am längsten regnet es scherungsbedingt noch am Alpenrand, da sich
über Oberitalien inzwischen das Mittelmeertief eingenistet hat. Je nach Timing
sind aber auch von der Lausitz bis zum Oderhaff noch kräftige, teils gewittrig
durchsetzte Regenfälle zu erwarten. Die Höchstwerte liegen zwischen 18 und 24°C.


Von Mittwoch bis Freitag wiederholen sich die beschriebenen Muster und Abläufe
mehr oder weniger, wobei die stärkste Wetteraktivität mit den "aufprallenden"
neuen Randtiefs eindeutig westlich von uns über den Britischen Inseln und
Frankreich stattfindet. Gleichwohl überqueren Randtröge und eingelagert schwache
Störungen auch Deutschland unter Abschwächung ost-nordostwärts. Damit ist bei
uns vielleicht nicht der ultimative Hebungsantrieb und die größte Dynamik
verbunden, die Luftmasseneigenschaften sowie der leicht schleifende Charakter
der durchziehenden Störungen machen in Kombination mit der Jahreszeit aber
weiterhin teils gewittrige Starkniederschläge zumindest regional nicht
unwahrscheinlich. Für nähere Details dazu ist es selbstredend noch zu früh. Am
Temperaturniveau ändert sich derweil wenig. Auch die Nächte bleiben mit vielfach
15 bis 10°C vergleichsweise mild.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Das generelle Strömungsmuster wird bis einschließlich Freitag nächster Woche
recht laufübergreifend intakt wiedergegeben. Der Teufel liegt wie so häufig im
Detail. Bei der Front am Montag wurde im Vergleich zum gestrigen 0z Lauf
deutlich an Fahrt rausgenommen und Niederschläge betreffen kaum mehr die Ost-,
sondern vielmehr die Westhälfte.

Durch die gut ausgeprägte Frontalzone und den Einbezug tropisch angehauchter
Tiefs mit sehr energiereichen Luftmassen sind unliebsame "Überraschungen" in
Form großflächiger Starkniederschläge oder auch Sturmfelder durchaus im Bereich
des Möglichen, wenngleich letzteres für UK, Frankreich und Benelux deutlich
wahrscheinlicher als für Deutschland ist.

Je nach Aufsteilen der Strömung sind vor allem auf Basis der jüngsten 2 Läufe am
Montag im Osten und am Donnerstag im Süden durchaus nochmal heiße Tage mit Tmax
> 30°C möglich.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


ICON bleibt zwar im 0z Lauf noch bei der östlichen Variante am Montag,
Geopotential und Bodentrog weisen aber laufübergreifende eine starke Tendenz mit
Rückzug nach Westen auf. Es ist deshalb unter Berücksichtigung der übrigen
Modelle davon auszugehen, dass in Sachen Niederschlägen am Montag von Vorpommern
bis zum östlichen Alpenrand nicht allzu viel passiert.

Ansonsten ähneln sich die Berechnungen mit den handelsüblichen Unschärfen der
durchschwenkenden Randtröge, was zu mal mehr mal weniger intensiven Regenfällen
führt.

Auffällig ist jedoch, dass es immer mal wieder sehr fiese Lösungen mit sehr
bissigen Randtiefs gibt, die vereinzelt auch das Vorhersagegebiet bei uns
erreichen (Zugrichtung vom Englischen Kanal in die Deutsche Bucht). Derzeit ist
vor allem der 0z Lauf vom UK10 so ein Kandidat, bei dem es am Donnerstag von NRW
bis nach Bremen und Hamburg verbreitet zu Sturmböen um 80 km/h kommen würde. Das
muss man durchaus im Auge behalten.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


RAUCHFAHNEN:
Bei den Temperaturen tut sich wenig. Kurzum: Auf ähnlichem Niveau dürfte es auch
in der Mittelfrist weitergehen mit mäßig warmen und damit in etwa der Jahreszeit
entsprechenden Temperaturen zwischen 20 und 25°C. Ausreißer sind wenn dann eher
nach oben und vor allem im Süden und Osten zum Montag und Do/Fr zu erwarten,
wobei gerade zum Ende der Mittelfrist die Unsicherheiten auch bei der
Temperaturentwicklung deutlich ansteigen. So wächst der Spread beispielsweise in
Passau ab Do auf bis zu 15K in 850 hPa mit einer kleinen Mehrheit jedoch bei der
heißen Variante mit T850 > 15°C, die aber wahrscheinlich nicht sehr nachhaltig
wäre (nur ein kurzer Peak).

Bei den Niederschlägen stechen vor allem die kräftigen Ausschläge am Montag im
Westen ins Auge. Aber auch sonst geht es den Rest der Woche landesweit recht
"zappelig" weiter mit meist rund 5 mm / 24h im Mittel.


CLUSTER:
Die Trogvorderseite bleibt uns mit den 3 gebildeten Clustern in Übereinstimmung
bis zum Ende der Mittelfrist erhalten. Dabei wird durch Ausweitung des
Westeuropatroges nach Süden der Potentialaufbau über Osteuropa allerdings
sukzessive verstärkt. Das führt beim Übergang in die erweiterte Mittelfrist zu
einem beachtlichen Blocking, wobei sich das schwächere Zentrum über Südosteuropa
mit dem über Westrussland bis zur zentralen Arktis reichenden Block zu einer
Brücke zusammenschließt.

Die Tendenzen gehen daher ab übernächstem Wochenende (07.09.) zu
Abtropfprozessen und einer insgesamt retrograden Verlagerung des hohen
Geopotentials westwärts. Die niederschlagsreiche Periode könnte damit ihr
vorläufiges Ende erfahren, zumindest ist das derzeit das wahrscheinlichste
Szenario - ohne nennenswerte Temperaturänderung.


FAZIT:
Zunächst wenig Wetteränderung. Wechselhaft und mäßig warm, lokal noch immer
Starkregengefahr und einzelne Gewitter, zumindest zeit- und gebietsweise nass.
Ab übernächstem Wochenende könnte es wieder zu meist trockenem Wetter
umschlagen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


STARKREGEN/GEWITTER:
Am Montag gibt es in der Westhälfte schwache Hinweise auf regionalen Starkregen
mit Mengen zwischen 20 und 40 l/qm binnen weniger Stunden. Zum Nachmittag und
Abend nehmen auch im Allgäu die Hinweise für Starkregen zu, der aus sich
zusammenschließenden Gewittern resultiert.

Im restlichen Mittelfristzeitraum bleibt die Luftmasse zwar sehr feucht und
anfällig für Starkregenereignisse, genauere Hinweise findet man in den
Ensemblevorhersagen derzeit aber noch nicht. Für Details dafür ist es ohnehin
noch zu früh, bzw. verschmieren die Strukturen noch zu sehr.

STURM:
Bisher sind es nur Einzellösungen, aber Potential für großflächige Sturmböen
insbesondere im Nordwesten Deutschlands ist ab Wochenmitte durchaus gegeben. Die
derzeitigen Ensembles (einschließlich KI-Produkte) geben aber noch keine
ernstzunehmenden Signale darauf.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen