Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 12.02.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Ws, Übergang zu TrM
Heute nur im äußersten Norden recht kalt und etwas Schnee, sonst sehr mild und
feucht.
Bis Freitagvormittag in einigen Mittelgebirgsregionen Südwest- und
Süddeutschlands noch Dauerregen bzw. Tauwetter.
Heute in der Südhälfte exponiert stürmische Böen, in Gipfellagen Sturm- bis
orkanartige Böen, kommende Nacht langsam abnehmend.
Ab Freitag von Norden allgemein kälter, vor allem ab Samstagabend an den Alpen
teilweise markante Neuschneemengen.


Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... reicht die Frontalzone nach wie vor auf recht südlicher Position
über den Bereich der Azoren und die Iberische Halbinsel hinweg bis in den
westlichen Mittelmeerraum bzw. nach Nordafrika. An deren Nordflanke hat sich
über dem Vorhersagegebiet eine südliche Westlage eingestellt, wobei eine von den
Britischen Inseln über Norddeutschland bis nach Nordostpolen recht kalte Luft
aus Nordeuropa, die nach wie vor auch für den äußersten Norden und Nordosten
Deutschlands wetterbestimmend ist, von sehr milder und feuchter Atlantikluft
trennt, die von Westen her in den Großteil des Vorhersagegebietes gelangt.
Dabei gelangte bereits am gestrigen späten Nachmittag/Abend das Bodentief
"ULRIKE" unter dem linken Ausgangsbereich des Jetstreams auf die
entwicklungstechnisch günstige Vorderseite eines sich von Westen annähernden
markanten Kurzwellentroges und konnte sich zu einem ausgewachsenen Sturmwirbel
entwickeln. Den Höhepunkt seiner Entwicklung erreichte es im Laufe der zweiten
Hälfte der vergangenen Nacht mit einem Kerndruck von etwa 972 hPa über dem
äußersten Norden/Nordwesten Frankreichs, befindet sich aktuell bereits über dem
belgisch-deutschen Grenzgebiet und zieht von dort aus über die Mitte des Landes
ostnordostwärts Richtung Tiefdruckrinne, die dadurch ein wenig nach Süden
gedrückt wird. Abends erreicht das Tief Brandenburg, wobei es sich nach wie vor
nur langsam auffüllt.
Gekoppelt an einen scharfen Bodentrog, hat an dessen Südwestflanke ein
ausgeprägtes Sturmfeld Südwest- und Südfrankreich in der vergangenen Nacht voll
erfasst, dort gab es verbreitet schwere Sturm- bis Orkanböen.
Hierzulande geht es glücklicherweise deutlich ruhiger vonstatten, da inzwischen
mit dem Vorstoß des Kurzwellentroges ins westliche Mittelmeer über dem Golf von
Genua eine Zyklogenese eingeleitet wurde. Dieses Tief ("ULRIKE II") zieht bis
zum Abend weiter Richtung Adria, und mit dieser Entwicklung ging bzw. geht auch
eine Auffächerung des Gradienten an der Südflanke von "ULRIKE I" einher. Somit
erreicht das Wind- bzw. Sturmfeld im Tagesverlauf die Südhälfte Deutschlands in
nur noch deutlich abgeschwächter Form. In den Niederungen gibt es im
Tagesverlauf von West nach Ost verbreitet steife, in freien Lagen stürmische
Böen aus West bis Südwest, exponiert, vor allem im südlichen Alpenvorland (durch
den Leitplankeneffekt), können auch Sturmböen auftreten. In den Kamm- und
Gipfellagen muss mit Sturmböen gerechnet werden, auf den Schwarzwald- und
höheren Alpengipfeln mit schweren Sturm- bis Orkanböen. Im Laufe des späten
Nachmittags, des Abends und eingangs der Nacht erfasst das Windfeld dann auch
noch die östliche Mitte und greift von dort aus etwas weiter nach Norden aus,
ehe der Wind dann von Westen her wieder abflaut.
Im Vorfeld des Tiefs hat ein okkludiertes Frontensystem mit vor allem präfrontal
auftretenden Regenfällen inzwischen den Süden und Westen des Landes überquert
und kommt nur noch langsam nordostwärts voran, wobei die Front in eine
vorlaufende, in die Tiefdruckrinne eingebettete Warmfront über Norddeutschland
läuft. Somit kommen die Niederschläge rasch auch bis in den äußersten Norden des
Landes voran. Während südlich der Tiefdruckrinne bei 850 hPa-Temperaturen
zwischen 0 und 3 Grad nach wie vor milde Atlantikluft in den Großteil des Landes
gelangt, bleiben der äußerste Norden und Nordosten nach wie vor im Zustrom
kälterer Luftmassen aus Nordeuropa. Zwar kommt die milde Luft mit Passage des
Tiefs kurzzeitig noch ein wenig nach Norden voran, dennoch fallen die
Niederschläge zumindest im Norden und Nordosten Schleswig-Holsteins durchwegs
als Schnee, zum Abend hin geht der Regen dann auch etwas weiter südlich, bis ins
nördliche Vorpommern in Schnee über. Die Mengen bleiben übersichtlich, dennoch
können bei Temperaturen um den Gefrierpunkt einige Zentimeter Neuschnee fallen,
bei vorübergehend stärkerer Intensität vielleicht auch um die 5 cm oder knapp
darüber, am ehesten wohl von der Flensburger Börde bis nach Eckernförde.
Ansonsten fällt Regen, und südlich der Luftmassengrenze taut es nach wie vor bis
in die höchsten Mittelgebirgslagen. Vor allem mit Durchschwenken des Bodentroges
geht zudem noch eine vorübergehende Intensivierung der schauerartigen
Niederschläge einher, für kurze Gewitter dürfte es aber wohl nicht reichen.
Auch in der Nacht regnet es noch vielerorts weiter, dann allerdings mit
abnehmender Intensität. Während im Lee der Mittelgebirge bis Freitagfrüh kaum
mehr als 5 l/m² zusammenkommen, fallen sonst 5 bis 15 l/m², in einigen Staulagen
bis 25 l/m², im Südschwarzwald in exponierten Staulagen nochmals bis an die 40
l/m². Zusammen mit der noch abtauenden Restschneedecke werden somit in einigen
Mittelgebirgen die Warnschwellen für Dauerregen bzw. Tauwetter nach wie vor
überschritten, wobei mehr oder weniger nur noch Warnungen vor Dauerregen Sinn
machen, da, außer vielleicht im Bayerwald, der Schnee inzwischen weitgehend
abgeschmolzen ist.
Während die Temperaturen im Norden und Nordosten Maxima zwischen 0 und +4 Grad
erreichen, bleibt es im Rest des Landes mild bis sehr mild mit Höchstwerten
zwischen 7 und 12, stellenweise 13 Grad.
Anzusprechen bleibt noch der Wind an der Nordflanke der Rinne. Dort weht er aus
Ost bis Nordost, frischt noch etwas auf und erreicht an windexponierten
Küstenabschnitten in Böen warnrelevante Bft 7.

In der Nacht zum Freitag überquert der Kurzwellentrog den Norden und die Mitte
Deutschland ostwärts und unmittelbar vorderseitig zieht Tief "ULRIKE" bis
Freitagfrüh nach Nordostpolen, wobei es sich nur langsam auffüllt. Auf deren
Rückseite kommt die Tiefdruckrinne über Norddeutschland zwar etwas nach Süden
voran, wird aber durch ein weiteres Tief, das sich morgens in etwa vor der
walisischen Küste befindet, in ihrer Südverlagerung eingebremst. Morgens reicht
sie in etwa vom Westmünsterland bis zur Uckermark. Nördlich davon verstärkt sich
niedertroposphärisch die Kaltluftadvektion deutlich, die Temperatur in 850 hPa
sinkt auf Werte zwischen -7 Grad an der dänischen grenze und -3 Grad im Bereich
der Rinne. Somit gehen die Niederschläge in der Norddeutschen Tiefebene von Nord
nach Süd in Schnee über, klingen allerdings auch langsam ab. Somit kommen wohl
kaum mehr als 1 bis 5 cm Neuschnee zusammen, teilweise reicht es auch nur für
Glätte durch Schneematsch.
Im Rest des Landes fällt, wie bereits weiter oben erwähnt, allgemein Regen,
wobei es vor allem im Lee einiger Mittelgebirge zunehmend abtrocknet. Die 850
hPa-Temperatur geht nach Passage des Troges auch in der Mitte und im Süden auf
knapp unter 0 Grad zurück, so dass auf den höchsten Mittelgebirgsgipfeln und an
den Alpen oberhalb von etwa 1000 bis 1200 m wieder Schnee fällt.
Anzusprechen bleibt noch der Wind. Der schwächt sich in der Südhälfte nur
langsam von Westen her ab, in freien Lagen kann es noch bis weit in die Nacht
hinein steife Böen aus West geben, in den Gipfellagen gibt es weiterhin Sturm-
und schwere Sturmböen, exponiert auch orkanartige Böen. An den Küsten von Nord-
und Ostsee muss mit steifen Böen aus Nordost gerechnet werden.
Im Norden sinkt die Temperatur vielerorts in den leichten Frostbereich und neben
etwas Neuschnee kann dort auch Glätte durch Überfrieren auftreten. Sonst bleibt
es noch frostfrei mit Minima zwischen 7 und 2 Grad.

Freitag... schwenkt ein weiterer Randtrog Richtung Frankreich, Iberische
Halbinsel und westliches Mittelmeer, darin eingebettet, erreicht ein
kurzwelliger Troganteil abends den Westausgang des Ärmelkanals bzw. die
Bretagne. Somit stellt sich über dem Vorhersagegebiet eine leicht flatternde
westliche Höhenströmung ein.
Tief "ULRIKE" zieht weiter Richtung Baltikum, während sich das Bodentief vor der
walisischen Küste - eigentlich ist es ein Dipol mit weiterem Kern westlich der
Biskaya - bis zum Abend nach Zentralfrankreich verlagert. Somit kann nun auch
die Tiefdruckrinne über dem Vorhersagegebiet langsam weiter nach Süden
vorankommen, füllt sich zwar langsam auf und erreicht abends aber noch die
südliche Mitte (etwa Saarland-Main-Erzgebirge). Rückseitig folgt die Kaltluft
aus Nordeuropa mit -3 bis -7 Grad in 850 hPa, während über Süddeutschland die
850 hPa-Temperatur vorderseitig des nach Frankreich ziehenden Tiefs wieder auf
knapp über 0 Grad steigt.
Zwischen dem abziehenden Tief über dem Baltikum und dem sich nähernden Tief über
Frankreich verliert die Luftmassengrenze vorübergehend an Wetteraktivität und
die Niederschläge klingen weiter ab. In der kalten Luft über Norddeutschland
bleibt es im Tagesverlauf meist trocken, in der Mitte gehen die leichten
Regenfälle in Schnee über, wobei es vor allem vom südwestlichen über das
mittlere Niedersachsen und das nördliche NRW bis nach Sachsen-Anhalt und
Brandenburg hier und da etwas Neuschnee geben kann, meist aber weniger als 5 cm,
lediglich im Weserbergland und im Harz können es etwas mehr sein.
Auch weiter südlich kommt nicht mehr viel an Regen zusammen, so dass die
Dauerregenwarnungen vormittags auslaufen können. Vor allem an den Alpen und im
Alpenvorland bleibt es meist trocken und dort kann sich auch zeitweise die Sonne
durchsetzen, ebenso vielleicht am Nachmittag auch an der Ostsee. Der Wind flaut
weiter ab und ist im Tagesverlauf auch in den Gipfellagen nicht mehr
warnrelevant.
Während die Höchsttemperaturen in der Nordhälfte meist Werte zwischen 0 und 3
Grad erreichen und auch in der Mitte im Tagesverlauf auf unter 5 Grad sinken,
wird es vor allem südlich von Main und Mosel nochmals sehr mild mit Maxima
zwischen 7 und 12 Grad.

In der Nacht zum Samstag kommt der Kurzwellentrog über Frankreich südostwärts
voran und tropft schließlich über dem Löwengolf bzw. Golf von Genua ab. Im Zuge
dieses Prozesses entwickelt sich irgendwo im Bereich Sardinien bzw. Korsika
erneut ein veritables Sturmtief, es bleibt also bis auf Weiteres sehr unruhig im
Mittelmeerraum.
Das nördliche Trogresiduum kommt allmählich Richtung Vorhersagegebiet voran.
Das Bodentief über Frankreich füllt sich im Zuge der Zyklogenese weiter südlich
zwar langsam auf, zieht aber noch Richtung Westalpen. Somit kommt auch die
Luftmassengrenze über dem Vorhersagegebiet zunächst nicht weiter nach Süden
voran. An deren Nordflanke fällt in der Mitte und in der Osthälfte noch etwas
Schnee, mehr als 1 bis 5 cm kommen aber kaum zusammen, im Norden und Westen
bleibt es weitestgehend trocken. An der Nordflanke des zu den Westalpen
ziehenden Tiefs greifen allerdings weitere Niederschläge auf den äußersten
Westen des Landes über (am ehesten Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordbaden), die
dort auch teilweise bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Die räumliche
Verteilung und Intensität der Niederschläge sind aber noch unsicher.
Ansonsten bleibt es aber im Süden und Südosten überwiegend trocken und vor allem
im Südosten Bayerns auch aufgelockert, teils gering bewölkt. Dort kann sich dann
örtlich Nebel bilden und auch leichten Frost geben.
Verbreitet frostig wird es dagegen in der Mitte und im Norden, bei
aufgelockerter Bewölkung kann es ganz im Norden auch mäßigen Frost geben. Im
Südwesten bis in die südliche Mitte bleibt es dagegen frostfrei. Der Wind legt
zwar mit dem in die Westalpen ziehenden Tief vor allem in der Mitte aus Nordost
wieder zu, erreicht aber höchstens in einigen Gipfellagen in Böen Bft 8.

Samstag... wird das weiterhin nur langsam auf Mitteleuropa übergreifende
Höhentrogresiduum durch rückseitig einlaufende Höhenkaltluft bzw. kurzwellige
Troganteile wieder regeneriert. Die Trogachse erfasst abends grade so den Westen
und Norden Deutschlands, somit bleiben der Süden und Südosten vorderseitig
unterhalb einer südwestlichen Höhenströmung, die sich noch etwas verstärken
kann.
Das Bodentief über den Westalpen füllt sich vollends auf, das Sturmtief bei
Sardinien zieht allmählich Richtung Mittelitalien und gleichzeitig kann sich ein
von der Biskaya über das westliche Mitteleuropa und die Nordsee bis nach
Südschweden reichender flacher Bodenhochkeil etwas verstärken. Entsprechend
stellt sich an dessen Südostflanke vor allem über dem Süden und Osten des
Vorhersagegebietes eine recht veritable Gegenstromlage mit nordöstlicher
Bodenströmung ein, wobei es in einigen Mittelgebirgskammlagen dort für steife,
auf den Alpengipfeln später eventuell für stürmische Böen reicht.
Die kalte Luft sickert bodennah nun rasch Richtung Südostbayern und Alpenrand,
wobei sich die Kaltluftadvektion niedertroposphärisch noch verstärkt. Abends
liegen die 850 hPa-Werte lediglich über Bayern und dem südöstlichen BaWü noch
über -5 Grad, sonst verbreitet zwischen -5 und -10 Grad. Durch den Gegenstrom
und Aufgleiten setzen zudem im Südwesten und in der Mitte des Landes verbreitet
Niederschläge ein, die, abgesehen von den tiefen Lagen Bayerns und vielleicht
auch vom Oberrhein, Hochrhein und Bodensee allgemein in Schnee übergehen. Im
Schwarzwald werden dabei 5 bis über 10 l/m² simuliert, so dass dort bis zum
Abend gebietsweise um 10 cm oder mehr Neuschnee zusammenkommen, sonst sind es
meist 1 bis 5 cm und nur stellenweise mehr.
Im Norden und Westen bleibt es dagegen trocken und aufgelockert bewölkt, im
Nordseeumfeld auch länger sonnig. Vielerorts gibt es dort leichten Dauerfrost,
ebenso wie im Bergland, während im Süden nochmals Höchstwerte von teilweise über
5 Grad erreicht werden.

In der Nacht zum Sonntag zieht der Höhentrog mit seiner Achse langsam über das
Vorhersagegebiet hinweg ostwärts. Der Bodenhochkeil kann sich - gestützt durch
einen nachfolgenden kurzwelligen Höhenkeil, der morgens die Nordsee erreicht,
noch etwas verstärken und erstreckt sich morgens über die Landesmitte hinweg
nordostwärts. Somit ziehen sich die Niederschläge in den Südosten des Landes
zurück und gehen auch dort allgemein in Schnee über. Vor allem an den Alpen und
im Alpenvorland fallen markante Mengen von über 10 cm, teilweise um 15 cm in 12
Stunden, sonst bleibt es zumeist bei eher geringen Mengen zwischen 1 und 5 cm,
stellenweise mehr.
Im Norden und Westen sowie in den mittleren Landesteilen bleibt es dagegen
trocken und die Wolken lockern weiter auf. Verbreitet gibt es dort leichten bis
mäßigen, bei Aufklaren im Nordosten kleinräumig eventuell sogar strengen Frost.
Auch im Südosten sinken die Temperaturen in den Frostbereich.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs. Kleinere Differenzen gibt es bzgl.
der simulierten Niederschläge, die aber teilweise auch der Modellauflösung
geschuldet sind. Die Warnungen für Dauerregen laufen erst einmal weiter, die
Tauwetter-Unwetterwarnung für den Südschwarzwald kann heute Mittag auslaufen,
auch für die Tauwetterwarnungen in Franken empfiehlt sich mangels Schnee eine
vorzeitige Aufhebung bereits am Nachmittag/Abend.
Etwas größer werden die Differenzen bzgl. der Niederschläge dann am
Samstag/Nacht zum Sonntag.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff