Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Am Samstag nur im Süden und Südosten einzelne kräftige Gewitter, lokal Unwetter,
nach Südosten abziehend.
Ab dem Sonntag im Süden erneut eine Wärmebelastung.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich ein positiv geneigter Langwellentrog über weiten
Teilen Nordwesteuropas. Sein Höhentief befindet sich zwischen Island und
Norwegen, es bleibt in der Nacht weitgehend ortsfest. Die Hauptachse des Troges
überquert die Britischen Inseln, zum Morgen erreicht er den Ostausgang des
Ärmelkanals und die Nordsee. Kurzwellige Troganteile sorgen im Vorfeld der
Hauptachse für Hebungsimpulse, ebenso wie ein kleinräumiges Tief. Dieses zieht
in der Nacht vom Süden Schleswig-Holsteins über Rügen hinweg zur zentralen
Ostsee. Im Bereich dieses Tiefs, auf der Südflanke und damit im Warmsektor und
darüber hinaus auch an der Kaltfront, die bis zum Morgen etwa auf eine Linie
Altmark - Nordhessen vorankommt, ist bis in die zweite Nachthälfte hinein mit
Gewitteraktivität zu rechnen. Zwar ist die thermische Labilität nicht sehr hoch
und entsprechend der Tageszeit liegen auch die CAPE-Werte über Mitteldeutschland
und dem Nordosten nicht in einem besorgniserregenden Bereich (CAPE-ML nach
ICON-EU bis 300 J/kg in der zweiten Nachthälfte, zu Beginn der Nacht um die 1000
J/kg), aber die Luftmasse ist mit PPW-Werten von bis zu 45 mm extrem feucht.
Kommt es zur Auslöse, so steht insbesondere der Starkregen im Fokus, auch
deswegen, weil die Höhenwinde, und dies gilt für den gesamten Vorhersagebereich,
schwach aufgestellt sind. Die Unwetterschwellen von mehr als 25 l/qm in kurzer
Zeit oder mehr als 35 l/qm in 6 Stunden sind schnell erreicht, und auch der
extreme Unwetterbereich liegt in Schlagdistanz. Da die Scherungswerte (DLS um 20
m/s) ebenfalls gut ausgeprägt sind, kann sich bis in die zweite Nachthälfte auch
organisierte Konvektion entwickeln bzw. erhalten. In der Folge können die
Gewitter auch von kleinerem Hagel oder von Sturmböen begleitet sein. Das
Problem: Die Niederschlagsmuster sind zum Teil noch deutlich unterschiedlich,
ICON-RUC und ICON-D2 ebenso wie AROME prognostizieren in der Spitze Mengen über
30 l/qm in 3 Stunden im südlichen Sachsen-Anhalt. ICON oder auch IFS sehen den
Schwerpunkt weiter südlich, GFS oder auch UK10 bleiben sogar weitgehend trocken.
Insofern gilt festzuhalten: Das Potential ist da, aber wann und wo genau sich
etwas entwickelt, ist noch nicht ausgemacht.
Diese Aussage gilt letztendlich auch für den Norden und damit für die
unmittelbar an den Tiefkern gekoppelten Regenfälle. Die PPWs liegen dort nicht
ganz so hoch wie im Bereich von der Uckermark bis zum Erzgebirge, auf PPWs um 35
mm kommt man aber auch im Küstenumfeld, und mit Scherungswerten jenseits der 20
m/s (DLS) ist auch wieder etwas Organisation möglich. Ihre Verlagerung beziehen
die Zellen aus der Verschiebung des Tiefs, letztendlich ist das
Starkregenpotential etwas geringer als im Osten, das Böen- und Hagelpotential
dagegen etwa gleichgroß.
Am leichtesten fällt vielleicht die Prognose im Bereich von der Nordsee bis zur
Eifel und zur Kölner Bucht. Dort sickert rückseitig der Kaltfront recht kalte
Luft ein, die für eine Stabilisierung der Schichtung sorgt. Dazu trocknet es
aus, die PPWs (knapp über 15 mm9 ebenso wie die Werte der spezifischen Feuchte
liegen weit niedriger als im Osten oder Süden. Damit bleibt es dort wohl
trocken, und die Tiefstwerte dürfen sich auch wirklich so nennen: 15 bis 10
Grad, da lässt es sich gut schlafen, und diese Werte werden auch für
Schleswig-Holstein, das zentrale Niedersachsen und Teile Mecklenburg-Vorpommerns
avisiert - also grob gesagt die postfrontalen Bereiche.
Eine weitere Baustelle ist die Konvektion aus Frankreich, und eventuell auch die
aus den Alpen. Aus Frankreich sehen insbesondere ICON und IFS Gewitter, die bei
PPWs von ebenfalls über 40 mm und DLS zwischen 15 und 20 m/s mit Sturmböen,
lokal mit Hagel und auch mit Starkregen nordostwärts zieht. Während ICON die
Zugbahn etwas weiter nördlich ansetzt, ist IFS etwas südlicher unterwegs. Das
Modell GFS will auf diesen Zug aber nicht so recht aufspringen, es simuliert die
Niederschläge deutlich schwächer als die zuvor genannten Modelle. Man muss somit
im Nowcast schauen, wann genau und wie organisiert der Cluster den Südwesten
erreicht und auch ein stärkeres konvektives Windereignis kann nicht
ausgeschlossen werden. Dieser Cluster soll nach Mitternacht in den Osten der
Republik ziehen, wobei sich daraus dann die für Mitteldeutschland und den Osten
skizzierten konvektiven Ereignisse (mit-)entwickeln sollen. Die nächsten
Fragezeichen gibt es südlich der Donau. Grundsätzlich ist die Luftmasse dort mit
PPWs um 35 dort etwas trockener, auch die Scherung ist nicht so ausgeprägt.
Sicherlich ist die Wahrscheinlichkeit für Gewitter dort niedriger als vom
Südwesten bis in den Osten, gänzlich ausschließen kann man sie aber nicht, und
auch ICON-D2 und UK10 machen genau das nicht. Das Potential der Gewitter ist bei
Starkregen oder Hagel nicht ganz so hoch wie im Rest des Landes, aber u.U. sind
ein paar Sturmböen mit dabei (Stichwort "Trockener Fuß"). Die Minima liegen
abgesehen vom Nordwesten bei 20 bis 15 Grad, abseits der Gewitter ist der Wind
schwach.
Samstag ... greift der Trog von Nordwesten her auf Norddeutschland über, bis zum
Abend kommt er bis in den Nordosten voran. Die mehr und mehr schleifende
Kaltfront kommt noch etwas weiter nach Süden voran, zum Abend kann man eine
Linie Erzgebirge - Saarland anpeilen.
Dabei beginnt der Tag in Mitteldeutschland und dem südlichen Brandenburg noch
mit den ostwärts ziehenden gewittrigen Clustern, die im Tagesverlauf, auch wenn
sich dort kein nennenswertes CAPE mehr aufbauen kann, durch die vorhandene
Scherung durchaus nochmal Organisation aufweisen können. Damit sind Starkregen,
Sturmböen und Hagel auch wieder ein Thema. Insgesamt werden die feuchten
Luftmassen aber immer weiter nach Südosten abgedrängt, die Gewittertätigkeit
lässt somit von Nordwesten mit der Verlagerung der Front nach. Nennenswertes
CAPE kann sich im Tagesverlauf nur am Alpenrand und im Vorland aufbauen, aber
auch dort gibt die Luftmasse nicht mehr so viel her wie noch am Vortag. Für
lokalen Starkregen kann es noch reichen, das Böen- und Hagelpotential ist durch
fehlende Scherung aber limitiert - so nicht alpines Pumpen die Scherung
verstärkt.
Dem gesamten Westen und Norden beschert das Bodenhoch PYTHAGORAS einen
freundlichen, streckenweise auch sonnigen und trockenen Tag und auch über der
Mitte und dem Nordosten lockert die anfangs dichte Bewölkung im
Nachmittagsverlauf allmählich auf. Das Schauerrisiko ist sehr gering. Die Maxima
liegen vom Norden bis zur Mitte zwischen 22 und 27 Grad und im Süden zwischen 27
und 31 Grad. Abseits der Konvektion weht der Wind aus Nordwest bis Nord meist
nur schwach bis mäßig.
In der Nacht zum Sonntag brodelt es am östlichen Alpenrand noch etwas, punktuell
mit markantem Starkregen, ansonsten sorgt seichter Geopotenzialanstieg für eine
überwiegend trockene und klare Nacht. Allerdings können von Südwesten zeitweise
dichte hohe Wolkenfelder besonders über den Westen nordwärts driften. Die Minima
liegen im Süden zwischen 18 und 13 Grad und im Norden zwischen 13 und 8 Grad,
bei einem kaum zu spürenden Wind aus Nordost, im Nordosten aus Südost.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... dreht mit erneutem Geopotenzialrückgang vor der Biskaya die
Höhenströmung etwas mehr auf Süd und drückt die über der südlichen Mitte
liegende (wetterinaktive) Kaltfront nun warmaktiv nach Norden. Diese sollte zum
Abend die nördliche Mitte erreichen.
Dabei strömt aus Südwesten erneut eine heiße Luftmasse bis zur Mitte und treibt
die Maxima südlich und entlang der zentralen Mittelgebirge auf 30 bis 34,
eventuell punktuell auch bis auf 35 Grad. Im Süden nimmt die Labilität
allmählich wieder zu, wenngleich die aktuellen Läufe etwas weniger CAPE
berechnen als die Vorläufe. Eventuelle Konvektion wird sich wohl aber so oder so
auf das direkte Alpenvorland beschränken, damit wird für die Meisten im Süden
ein sonniger und heißer Sonntag bevorstehen. Im Norden scheint neben lockerer
Quellbewölkung auch meist die Sonne und es bleibt trocken, was auch der Vorlauf
schon angedeutet hat. Mit 25 bis 30 Grad wird es hochsommerlich warm und der
Wind kommt nur schwach bis mäßig aus Nordost. Küstennah bleibt es kühler.
Für die Nacht zum Montag, die meist klar und trocken verläuft, ändert sich in
der Ansicht der Modelle nichts Wesentliches. Inwieweit sich in der südwestlichen
Höhenströmung einzelne Gewitter entwickeln war und ist noch unsicher, sollte
aber weiter im Auge behalten werden. Die Minima liegen im Süden und Westen
zwischen 20 und 16 Grad, im Norden und Osten zwischen 15 und 11 Grad und das bei
einem schwachen Wind aus überwiegend östlicher Richtung - das (alles) entspricht
weitestgehend den Aussagen der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die großräumigen synoptischen Felder durchaus recht
ähnlich. Daraus ergeben sich aber dennoch letztendlich deutlich unterschiedliche
Vorhersagen für die Verteilung und Intensität der zu erwartenden Schauer und
Gewitter. Dies wurde auch im Text thematisiert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas