Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 28.07.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM
Zunächst heißes und ruhiges Hochdruckwetter, am Donnerstag Südwestlage mit
Konvergenzdurchgang mit gewittern vor allem im Norden und Sturmböen auch abseits
von Gewittern.


Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... herrscht eine gestörte Zirkulation mit einem ausgedehnten
Grönlandblock. Demgegenüber steht eine negative Geopotenzialanomalie über dem
Nordatlantik, die sich vom Seegebiet südlich von Island bis nach Skandinavien
erstreckt. Davon ausgehend zieht sich ein Langwellentrog über dem Atlantik und
ein weiterer über Osteuropa. Über Südwest- und Mitteleuropa wölbt sich ein
flacher Keil auf, dessen Achse heute auf Deutschland übergreift. Dieser Keil ist
mit einer Hitzeglocke über Südwesteuropa verbunden. An der Westflanke des
korrespondierenden Bodenhochs, dessen Schwerpunkt sich über der Slowakei
befindet, wird diese heiße Luft mit einer südwestlichen Strömung nach
Deutschland advehiert. Dadurch steigt die 850-hPa-Temperatur von 12 °C im
Südwesten und 6 °C im Osten bis zum Abend auf 19 °C im Westen und 10 °C im
Nordosten an. Abgesehen vom Norden bleibt es unter Absinken somit sonnig oder im
Osten auch locker bewölkt bei Höchstwerten von 23 °C im Nordosten und bis zu 33
°C am Oberrhein.
Im Norden steht die Bodenströmung noch auf West, wobei oberhalb von 800 hPa
starke WLA einsetzt, während bodennah noch etwas kühlere und feuchtere Luft aus
der Nordsee einfließt. Unterhalb einer mächtigeren Aufgleitinversion auf 800 hPa
ziehen derzeit dichtere Cumulus- und Stratocumulusfelder in den Nordwesten, die
sich tagsüber nach Norden ausbreiten und immer löchriger werden. Allenfalls
ICON-RUC rechnet daran leichte Schauer.


Mittwoch... rückt der atlantische Langwellentrog weiter auf Europa vor. Auf
dessen Vorderseite hält die Advektion der heißen, nordafrikanischen Luftmasse
über Westeuropa an. Dadurch erreicht die 20-°C-Isotherme auf 850 hPa bis zum
Abend die Mitte Deutschlands. Wir befinden uns dabei westlich der Keilachse, die
sich etwas abflacht und über Tschechien und Polen liegt. Somit herrscht
weiträumiges Absinken vor. Im Südwesten bauen sich bis 1500 J/kg MU-CAPE auf,
die jedoch stark gedämpft ist, sodass es einen orographischen Auslöser wie die
Alpen braucht. Jedenfalls rechnen die hochaufgelösten Modelle am Nachmittag mit
einzelnen Zellen über den Alpen. Lediglich SuperHD lässt einzelne davon auf
Deutschland übergreifen, sodass dort bei nur schwacher Scherung vereinzelte
Gewitter mit lokalem Starkregen und stürmischen Böen nicht ausgeschlossen sind.

Ansonsten sind die von MOS-MIX prognostizierten Höchstwerte von 30 °C im
Nordosten und bis 38 °C am Oberrhein bei reichlich Einstrahlung und trockenen
Böden sehr realistisch.

Auch die Nacht zum Donnerstag verläuft klar. Dank der noch trockenen Luftmasse
kann es, abgesehen von den Ballungsräumen und einigen Leelagen und Bergkuppen,
noch großflächig unter 20 °C abkühlen.

Donnerstag... verlagert sich die der Langwellentrog weiter ostwärts, sodass wir
auf seine Vorderseite gelangen. Die Strömung intensiviert sich weiter, sodass
die 20-°C-Isotherme auf 850 hPa den Norden Deutschlands erreicht. Allerdings
greift bereits in den späten Vormittagsstunden eine scharfe Konvergenz auf den
Westen über. Sie wird von einem nachfolgenden IPV-Maximum in der Höhe gestützt
und überquert im Tagesverlauf Deutschland ostwärts. In ihr eingelagert sind
Gewitterreste aus Frankreich, die am Vormittag den Westen erreichen. Im Westen,
Südwesten und in der Mitte sind die ML-CAPE-Werte mit maximal 500 J/kg aufgrund
der sehr trockenen Luft gering, sodass sich die Gewitteraktivität dort noch in
Grenzen hält. Jedoch ist der Bodentrog mit einem massiven Drucksprung und einem
starken Low-Level-Jet verbunden. Die vorher sehr hochreichende, extrem trockene
Grundschicht (inverses V in Temps, D-CAPE bis 1000 J/kg) verstärkt somit das
Böenpotenzial. SuperHD rechnet in der Konvergenz auch abseits der Gewitter mit
einer Böenlinie, an der zum Teil schwere Sturmböen auftreten. Selbst ICON6
rechnet verbreitet mit stürmischen Böen. Am Nachmittag soll die Konvergenz an
ihrem Südende mit nachlassenden Böen in Richtung Mitte und Bayern auslaufen. Der
Nordteil wird allerdings aktiver mit teils schweren Gewittern simuliert. Dort
fließt bodennah etwas feuchtere Luft ein, sodass die ML-CAPE-Werte auf über 1000
J/kg bei recht hoher Low-Level-Scherung simuliert werden. Nach aktuellem Stand
könnte sich dort eine Squallline mit erheblichem Sturm- und Downburstpotenzial
(Unwetter) bilden. Aufgrund der schnellen Zuggeschwindigkeit sollte heftiger
Starkregen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Für weitere Details müssen
allerdings noch die Simulationen Lokalmodelle abgewartet werden.


Auf der Vorderseite der Konvergenz wird es noch einmal richtig heiß, sodass
Höchstwerte bis 39 °C erwartet werden. Lokal können auch Werte über 40 °C nicht
ausgeschlossen werden. Die eigentliche Kaltfront die auch für deutliche
Abkühlung in der Höhe sorgt, erreicht erst am späten Nachmittag den Nordwesten
und ist dann weitestgehend inaktiv und legt sich in der Nacht nahezu
strömungsparalel über die Mitte. Im Süden wird somit die heiße Luft nicht
ausgeräumt.

Modellvergleich und -einschätzung
Die Modellsimulationen sind im Wesentlichen sehr ähnlich. Bezüglich genauerer
Prognosen für Donnerstag sollte der ICON-D2-Lauf abgewartet werden.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold