Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 03.07.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Am Samstag SW-Hälfte Vollsommer bei bis zu 30°C, NO-Hälfte Schmalspursommer,
zeit- und gebietsweise leichter Regen, unter 25°C.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland unterhalb einer weitgehend indifferent
konturierten nordwestlichen Höhenströmung. Impulsgebende Säulen sind ein von
Fennoskandien bis zum östlichen Mitteleuropa reichender Trog sowie ein breiter
Rücken über der Iberischen Halbinsel, der Biskaya und den Seegebieten westlich
davon. Nennenswerte Akzente gehen von der Höhe nicht aus, weshalb wir uns
schnell den Verhältnissen in Bodennähe widmen können. Da wäre auf der einen
Seite das weit nach Osten verschobene Azorenhoch (elliptisches Zentrum mit
1030+X hPa westlich der Bretagne), von dem aus sich ein wuchtiger Keil ostwärts
bis zum nördlichen Balkan erstreckt. Ihm gegenüber steht der Sommerwirbel ZOE,
ein Tief mit etwas unter 1005 hPa im Kern, welches das schwedische Festland
gerade hinter sich gelassen hat und nun die Rigaer Bucht bzw. Estland ansteuert.
Zwischen diesen beiden Druckgebilden hat sich im Norden und Osten des
Vorhersageraums ein veritabler Druckgradient aufgebaut, der als Motor für einen
windigen bis stürmischen Julitag fungierte. An der Ostsee sowie an der
schleswig-holsteinischen Nordseeküste wurden dabei glatte Sturmböen 9 Bft, teils
an der Grenze zu schweren Sturmböen 10 Bft aus West-Nordwest gemessen. Während
im Süden und Südwesten nahezu ungehindert die Sonne schien, die Temperatur aber
unterhalb von 30°C blieb (Rheinfelden 29,1°C), zogen über die Mitte und den
Norden mal mehr, mal weniger dichte Quellwolken hinweg, aus denen sich aber kaum
mal ein Schauer herausquetschen ließ.

In der nun folgenden Nacht zum Samstag fächert der Gradient allmählich auf, da
vor allem im Nordosten der Luftdruck mit Abzug des Tiefs etwas ansteigt. Hinzu
kommt der Tagesgang, so dass der Wind zunächst im Binnenland soweit nachlässt,
dass keine Warnungen mehr nötig sind. An der Küste dauert´s etwas länger,
allerdings lässt sich auch dort von Westen her ein Abwärtstrend konstatieren. Um
06 UTC dürften dann nur noch an der mecklenburg-vorpommerschen Küste Böen 7,
exponiert 8 Bft aus Nordwesten auftreten.

Bliebe noch zu erwähnen, dass sich weite Teile des Landes auf eine gering
bewölkte oder klare Nacht einstellen können, auch wenn sich die Tagesbewölkung
gerade im Norden unterhalb einer Inversion bei 850 bis 800 hPa nicht überall
vollständig auflöst. Außerdem zieht in Nachthälfte zwei von der Nordsee und den
Niederlanden mehrschichtige Bewölkung in den Westen und Nordwesten, aus der in
den Morgenstunden erste zaghafte Tropen zwischen Ems- und Ostfriesland,
vielleicht auch am Niederrhein fallen können. Warmluftadvektion (WLA) ist hier
das Stichwort, welche die Annäherung einer Warmfront ankündigt, die zu einer
flachen, Richtung Schottland ziehenden Welle gehört. Bei Taupunkten, die
vielfach unter 10°C, im Süden und Südwesten z.T. sogar unter 5°C liegen, sind
die Bedingungen für eine bezogen auf den Schlaf im wahrsten Sinne des Wortes
gesunde Abkühlungsrate optimal. So geht die Temperatur verbreitet auf 14 bis
8°C, in einigen Mittelgebirgssenken und -mulden sogar noch weiter zurück. Einzig
am Oberrhein (punktuell) sowie direkt an der See bleibt es etwas milder, aber
immer noch frisch genug.

Samstag ... bleibt die nordwestliche Höhenströmung bestehen, wobei sie einen
leicht antizyklonalen Touch bekommt. Nicht unüblich angesichts der Tatsache
hochreichender WLA, die einen wenn auch nur geringen Potenzialgewinn induziert.
Wer nun aber glaubt, dass das Wetter insgesamt antizyklonaler wird, befindet
sich auf dem Holzwege. Der infinitesimale Rücken, der sich in der
Isohypsendarstellung ausmachen lässt, wird spielend von WLA überlaufen, was
leichte Hebungsprozesse zur Folge hat. Hinzu kommt die Tatsache, dass die o.e.
Warmfront nicht nur auf den Vorhersageraum übergreift, sondern diesen auch
ost-südostwärts passiert (was endgültig aber erst in der Nacht zum Sonntag
abgeschlossen sein wird). Die zugehörige Welle hat sich mittlerweile dem Tief
AUSYNJA zwischen Island und Norwegen angeschlossen und ist nur noch als
Bodentrog auszumachen. Das aber nur der Chronistenpflicht halber.

Wettertechnisch muss sich die NO-Hälfte auf reichlich Gewölk einstellen, was
angesichts der gut gesättigten maritimen Subpolarluft (mPs; T850 um 7°C => Tmax
18 bis 24°C) kein Wunder ist. Hinzu kommt seichter stratiformer Regen oder auch
Nieselregen, der sich über NDS ost-südostwärts bis nach Sachsen ausbreitet. Sehr
wahrscheinlich wird es sich dabei nicht um ein flächig vollständig ausgefülltes
Regengebiet handeln, sondern vielmehr um ein fragiles System mit Lücken, das in
der Tagessumme nicht mehr als 5 l/m² maximal zusammenbringt. Einzig an der
Nordseeküste könnte der ein oder andere Liter mehr herausspringen. Weitgehend
trocken bleibt es im Nordosten, wo besonders an der vorpommerschen Küste die
Chancen für ein paar Sonnenstunden gar nicht schlecht stehen.

Noch besser stehen sie freilich im Süden und Südwesten der Republik, wo die
Warmfront nicht hinkommt und der Azorenhochkeil standhaft bleibt. Dort steigt
auch die Temperatur wieder an auf 25 bis knapp 31°C, wobei zwischen Mannheim und
Basel sowie rüber bis in den Raum Saarbrücken mit den höchsten Werten zu rechnen
ist.

Kurz noch ein Satz zum Wind, der gegenüber heute 1-2 Ligen absteigt. Zwar muckt
er aus westlichen Richtungen kommend an den Küsten sowie mit Durchgang eines
Bodentrogs an der Warmfront mitunter etwas auf. Böen 7 Bft dürften sich aber in
Grenzen halten, so dass Warnungen zumindest für den Zeitraum bis zum Abend
fraglich sind.

Erst in der Nacht zum Sonntag, wenn sich im Raum Oslo ein Teiltief am
Okklusionspunkt bildet und die Kaltfront die Deutsche Bucht und später den
äußersten Norden erreicht, zieht der auf Nordwest drehende Wind zunächst an der
Nord-, später auch an der Ostsee wieder an (Böen 7 Bft). Ansonsten kommt es in
der NO-Hälfte zu zeitweiligen Regenfällen, die sich punktuell gegenüber dem Tag
sogar etwas verstärken (> 5 l/m² innert 12 h). Nach Südwesten hin bleibt es
weiterhin trocken, allerdings wird es gebietsweise wolkiger. Das erklärt u.a.
auch, warum die Tiefsttemperatur mit 18 bis 11°C nicht mehr so niedrig ausfällt
wie die Nacht zuvor.

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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC

Sonntag ... Es gelten die Ausführungen der heutigen Frühübersicht.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Lage wird modellübergreifend sehr ähnlich eingeschätzt. Signifikante
Abweichungen sind nicht erkennbar.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann