Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
05er aus Meenz verpassen Sensation vs. Super-FCB - und das Wetter? Am Sonntag
Hochdruckeinfluss (VOLKER) mit viel Sonnenschein, dabei weiterhin trocken (wie
sollte es bei Sonne auch anders sein).
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... befindet sich Deutschland sozusagen zwischen den Stühlen, auch wenn
man das beim Wetter, vor allem aber bei der Verteilung der Wolken gar nicht so
wahrnimmt. Außer im äußersten Norden scheint überall die Sonne von einem nahezu
wolkenlosen Himmel. Sowohl das dafür verantwortliche Hochdruckgebiet -
zweiteilig bestehend aus den Herren VOLKER (Nordmeer, Nordsee, UK/Irland) und
WILFRIED (weiter westlich) - als auch der korrespondierende Potenzialrücken
befinden sich auf bzw. über dem Ost-Nordostatlantik. Der Keil, der die letzten
Tage über den Vorhersageraum südostwärts gerichtet war, hat sich etwas nach
Westen zurückgezogen. Dafür war Druckfall verantwortlich, womit wir beim zweiten
"Stuhl" wären. Die Rede ist von YLVI (kein Ikea-Stuhl!), einem nordischen Tief,
das heute Abend mit knapp unter 990 hPa im Kern den Ostteil des Finnischen
Meerbusens in Richtung Karelien passiert. Zwischen dem Tief und der
Hochdruckzone auf dem Atlantik (1020+x, im Nordteil 1025+x hPa) hat sich ein
veritabler Gradient entwickelt, der für einen lebhaften West-Nordwestwind
verantwortlich zeichnet. Auf deutscher Seite war und ist vor allem ein Korridor
betroffen, der von der Nordseeküste zwischen Butjadingen und Sylt bis hinüber
nach MV, ins nördliche BB sowie den Großraum Berlin reicht. Böen 7, Richtung
Küste auch 8, vereinzelt 9 Bft sind das, worüber wir hier reden, im Großen und
Ganzen alles wie geplant.
In der nun folgenden Nacht zum Sonntag kommt es bei unseren polnischen Nachbarn
zu einer Austrogung, die tendenziell nach Südosten gerichtet ist, so dass wir
davon so gut wie gar nicht betroffen sind. Mehr als eine indifferente, nach
Südwesten leicht antizyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung springt
dabei nicht heraus. Etwaige dynamische Impulse sind nicht zu erwarten. Auch die
initialisierende hochreichende und labil geschichtete Kaltluft stößt wenige
hundert Kilometer weiter östlich nach Süden vor, wodurch die Schichtung auf
deutscher Seite stabil bleibt. Das einzige zyklonale Element, das bei uns noch
mitspielt, ist die Kaltfront von YLVI, die aber alles andere als ein Ungeheuer
ist. Sie kommt in ihrem Ostteil bis zum Morgen in die mittleren Landesteile
voran, während sie nach Westen hin zurückhängt bzw. in stark frontolytischer
Umgebung alsbald von der Bildfläche verschwindet. Ohnehin hat die Kaltfront
nicht mehr zu bieten hat als ein fragiles Band tiefer Bewölkung, die bei etwa
900 hPa durch eine scharfe Inversion in ihrer vertikalen Mächtigkeit beschränkt
ist. Immerhin, das muss man der Front dann doch lassen, erfüllt sie ihre
Funktion als Luftmassengrenze. So führt sie rückseitig eine Portion trockener
Polarluft (xP; Rückgang T850 auf 0 bis -5°C) in die Nordosthälfte, in der es
verbreitet aufklart. Für Luftfrost wird es aber kaum reichen, weil der
Nordwestwind zwar nachlässt, aber nicht completto tutto einschläft.
Dafür kann es im präfrontalen Süden unter klarem Himmel in der inzwischen
urgealterten Polarluft bevorzugt in Senken und Mulden stellenweise leichten
Luftfrost geben. Frost in Bodennähe ist häufiger anzutreffen, übrigens auch
weiter nördlich.
Sonntag ... beginnt der Höhenrücken sich über dem nahen Atlantik zu
regenerieren, während gleichzeitig der o.e. Trog mit seinem Südrand das Schwarze
Meer erreicht. Für den Vorhersageraum bedeutet das weiterhin eine nordwestliche,
in ihrer Intensität recht schwache Höhenströmung, in die sogar ein ganz flacher
Sekundärtrog eingelagert ist. Abgesehen von hohen Wolkenfeldern, die vornehmlich
über den Westen und Süden hinwegziehen, wird das Trögelchen aber nichts
bewerkstelligen können, weil die Luftmasse im Land knochentrocken und gänzlich
ungeeignet für nennenswerte Wolkenbildung, geschweige denn für irgendwelchen
Niederschlag ist. Hinzu kommt Druckanstieg und Refresh des Bodenkeils, der sich
einmal mehr mit nordwest-südost-exponierter Divergenzachse genau über
Deutschland legt.
So wird der morgige Sonntag seinem Namen alle Ehre machen, indem nämlich die
Sonne dem Tag über weite Strecken ihren Stempel aufdrückt. Zwar halten sich in
einem von der Nordsee bis zur östlichen Mitte verlaufenden Korridor noch einige
Restwolken der ehemaligen Kaltfront oder es bilden sich aus der bis ca. 850 hPa
reichenden labilen Grundschicht einige flache Cum hum. Dass dadurch aber
nachhaltig die Tagesbilanz der Sonnenscheindauer versaut wird, kann man nicht
behaupten. Interessant dabei die Temperaturentwicklung gegenüber heute: Während
sich der Norden trotz frisch eingeflossener Polarluft aufgrund erhöhter
Einstrahlung auf höhere Temperatur freuen kann (12 bis 17°C, nur direkt an der
See bei auflandigem Wind weiterhin frischer), müssen die anderen Landesteile
leichte, aber akzeptable Einbußen hinnehmen. So fließt ganz flach auch in weite
Teile Süd- und Westdeutschlands etwas frischere Luft ein, was in Höchstwerte
zwischen 16 und 21°C mündet. Lediglich im äußersten Südwesten (Saarland,
Vorderpfalz, südlicher Oberrheingraben) ändert sich nicht viel mit erneut 21 bis
24°C.
Der Wind kommt je nach Lage zur Divergenzachse aus den Sektoren Nordwest bis
Nordost und lebt mitunter leicht böig auf (sogenannte Sonnenböigkeit), ohne aber
das Interesse der Warnmeteorologen zu wecken.
In der Nacht zum Montag ändert sich wenig an der Großwetterlage. Bei überwiegend
klarem oder nur gering bewölkten Himmel kommt die trockene Luftmasse zur Ruhe,
was erneut das Thema Frost auf den Plan ruft. Gebietsweise in der Luft,
flächendeckend am Boden, im Norden und Osten z.T. sogar mäßig (Boden).
Ausgenommen vom Frost die Ballungszentren und größeren Flusstäler West- und
Südwestdeutschlands, der unmittelbare Küstensaum sowie etwas höher gelegene
Gebiete. Aufgrund der Tatsache, dass die scharfe Inversion meist direkt
aufliegt, reichen schon wenige Dekameter in der Höhe, um aus einer negativen
eine positive Tiefsttemperatur zu machen. Noch nicht ganz klar ist, ob von der
Nordsee wieder mal tiefe Bewölkung reindriftet (wenn, dann dürfte sie aber nicht
weit kommen) oder ob nur etwas Feuchte advehiert wird, welche die Bildung von
Strahlungsnebel begünstigt oder ob am Ende überhaupt nichts passiert.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... gibt es den Ausführungen der heutigen Frühübersicht nichts
Substanzielles hinzuzufügen. Trotz einer sich anbahnenden Störung von der
Nordsee her, sollte sich die Erwartung im Hinblick etwaigen Regen in Grenzen
halten. Wobei das fast euphemistisch formuliert ist. Wahrscheinlich wird so gut
wie nichts passieren, weil schlichtweg die Luftmasse nicht passt.
Berücksichtigen wir die mittelfristigen Prognosen bis nächsten Donnerstag
(30.4.), dann zeichnet sich in weiten Landesteilen ein deutlich zu trockener
Monat ab. Lediglich im Osten und Nordosten wird die Bilanz aufgrund des
Stark-/Dauerregenereignis vom vergangen Sonntag und Montag positiv ausfallen.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Keine Ergänzungen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann