Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Nach heutiger - zarter - Konvektionsouvertüre Übergang zu wechselhaftem Wetter
atlantischer Prägung.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... neigt sich der erste Tag der sogenannten "warmen" Jahreszeit, an dem
es wie erwartet an mehreren Stellen die ersten konvektiven Testballons gestartet
sind, so langsam dem Ende entgegen. Damit wurde - wenn man so will - nicht nur
die Gewittersaison eröffnet (das eine Gewitter von gestern drücken wie hier mal
nonchalant in den Skat). Gleichzeitig sind die Schauer und Gewitter der
Startschuss für einen Wetterabschnitt, der von Wechselhaftigkeit mit
zeitweiligen Regenfällen/Schauer, windigen bis stürmischen Phasen und vor allem
zum Wochenende hin zurückgehenden Temperaturen (siehe dazu auch die Synoptische
Übersicht Mittelfrist) geprägt ist. Der große und breite Potenzialrücken, der
uns bisher einen verbreitet sonnenscheinreichen und trockenen März mit hohen
Tagesgängen der Temperatur beschert hat, haut nun in den Sack und zieht sich
immer weiter nach Osteuropa zurück, wo das korrespondierende Bodenhoch KONRAD
schon längst angekommen ist. Es übernehmen atlantische Tiefdruckgebiete, die
zwar nicht direkt Mitteleuropa respektive Deutschland ansteuern, die aber über
ausreichend Mittel verfügen, um hier vor Ort spürbare zyklonale Impulse zu
setzen.
Los geht´s heute Abend mit einem sehr kurzwelligen Trog-Keil-Trog-Keil-Muster in
der Höhe, das Teile von West- und Mitteleuropa überdeckt. Deutschland wird dabei
in den nächsten Stunden langsam von einem Sekundärtrog (im o.e. Muster die #3
von Osten aus betrachtet) überquert. Es handelt sich um das Residuum des
gestrigen Cut-Offs über dem Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Angeführt wird
das kleine Trögli von einer schwachen Kaltfront (kaum Baroklinität, eher ein
diffuses Feuchteband, das mit einer Front markiert wird) eines sich auffüllenden
Tiefs zwischen Jan Mayen und Spitzbergen. Die (Pseudo)Kaltfront kommt ebenfalls
ostwärts voran, wobei sie sich von Süden her mehr und mehr auflöst. Front hin,
Trog her, Fakt ist, dass im Vorfeld mit südwestlichem Wind etwas feuchtere und
labilere Luft insbesondere in die Westhälfte eingeströmt ist (Taupunkte teils um
10°C), in der sich einzelne Schauer und überwiegend leichte Gewitter bilden
konnten.
In der nun bevorstehenden Nacht zum Mittwoch verlagern sich die konvektiven
Elemente in die östlichen und südöstlichen Landesteile, wobei der Tagesgang für
eine gewisse Abschwächung sorgt. Diese macht sich vor allem durch eine
abnehmende Gewitterwahrscheinlichkeit bemerkbar. Frost und Nebel beschränken
sich auf den Südosten Bayerns und das voraussichtlich aber auch nur sehr
kleinräumig. Einsetzender Druckfall vor dem nächsten System, die Rede ist von
Sturmtief FRITAUN nebst zugehörigem Frontensystem und begleitendem KW-Trog,
sorgt für einen zunehmenden Druckgradienten, der sich zunächst aber nur in
einigen exponierten Hochlagen mit Böen 7 Bft, Feldberg/SW und Brocken 8 Bft aus
Südwest bemerkbar macht.
Mittwoch ... gibt sich nach längerer Abstinenz mal wieder ein "echtes"
Regengebiet die Ehre. Nicht nur sporadisch-konvektive Brosamen, nein, flächig
und weitgehend zusammenhängender stratiformer Regen. Absender ist besagte
FRITAUN, die zur Mittagszeit mit etwas unter 965 hPa knapp ost-südöstlich von
Island aufschlägt. Die zugehörige Okklusion mit Kaltfrontcharakter greift gegen
Mittag auf den Nordwesten über. Dicht dahinter folgt der recht scharf
geschnittene, mit diffluenter Vorderseite ausgestattete KW-Trog, der über ein
gut definiertes PVA-Maximum verfügt bzw. dieses generiert. Die PVA wiederum
interagiert äußerst harmonisch mit der Front, woran auch die trogvorderseitige
KLA nur bedingt was ändern kann.
Lange Rede, tiefer Sinn, noch im Laufe des Vormittags erreicht das stratiforme
Regengebiet den Westen und Nordwesten, um sich im weiteren Verlauf ostwärts
vorzuarbeiten. Am Abend regnet es dann in einem Korridor, der einmal mitten über
die Republik von Nordost (MV/Ostholstein) nach Südwest (BaWü) verläuft.
Akkumuliert über 12 h kommen im Westen gebietsweise 5 bis 10, vereinzelt
(Staulagen) bis zu 15 l/m² zusammen. In den präfrontalen Osten und Süden gelangt
zuvor eine Portion labil geschichteter und leidlich angefeuchteter Subtropikluft
(mPs; T850 um +3°C, T500 um -25°C). Diese wird zwar von einem kurzwelligen Keil
überlagert (viertes und letztes Element des o.e. T-K-T-K-Musters), mit Hilfe der
Orografie sowie zeitweiliger Einstrahlung lässt sie sich aber soweit aktivieren,
dass einzelne Schauer, im Süden vielleicht sogar ein oder zwei Gewitter dabei
herausspringen.
Stichwort präfrontal, im Zuge weiterer Gradientverschärfung bei gleichzeitig
labiler Schichtung und einem Low-level-Maximum (auf 850 hPa bis zu 45 Kt)
frischt der Süd-Südwestwind mit Ausnahme des Ostens und Südostens für wenige
Stunden böig auf. Steife Böen 7 Bft treten bevorzugt an der Nordsee, im Bergland
inkl. deren Nordränder (Lee) sowie in Teilen des norddeutschen Tieflands auf.
Exponiert sind auch einzelne stürmische Böen 8 Bft am Start, auf dem Feldberg
sowie dem Brocken (schwere) Sturmböen 9-10 Bft. Bereits im Laufe des Nachmittags
nimmt der Wind bereits wieder ab, wenn man mal wenige exponierte Hochlagen wie
z.B. den Brocken abzieht.
Thermisch geht´s im Süden und Osten nochmal hoch auf 14 bis 18°C, während sonst
11 bis 15, an der See bei auflandigem Wind teils nur 10°C oder noch etwas
weniger auf der Karte stehen.
In der Nacht zum Donnerstag überquert die Front den Norden und größtenteils auch
die Mitte, während sie im Süden schleifend zurückhängt. Liegt daran, dass der
anschiebende KW-Trog ebenfalls nach Südwesten geneigt ist und damit seinem
Nordpart hinterherhinkt. Es verwundert also nicht, dass es im äußersten Süden
nicht nur am längsten, sondern auch am meisten regnet. Vom Alpenrand bzw. dem
südlichen Vorland bis hinüber zum Schwarzwald fallen bis zum Morgen vielfach 5
bis 10, in Staulagen gar 10 bis 20 l/m². In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze
auf etwa 1200 m.
Ansonsten gilt es nur noch zu konstatieren, dass der Luftdruck in der
postfrontal einströmenden subpolaren Meeresluft (mPs; T850 um -1°C) steigt und
sich ein kleines Zwischenhoch aufbaut. Es trocknet ab, die Wolkendecke lockert
teilweise auf, es kühlt auf unter 5°C, aber nicht in den Frostbereich ab.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... Zwischenhocheinfluss, von den Alpen bis hinüber zum Bayerischen
Wald anfangs noch Tropfen oder Flocken. Später im Nordwesten merklich
auffrischender, an und auf der Nordsee teils stürmischer Südwestwind. Details
entweder in der heutigen oder - dann taufrisch - der morgigen "SynÜbKurz".
Modellvergleich und -einschätzung
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Die geschilderte Entwicklung wird modellübergreifend sehr ähnlich simuliert.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann