Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Bis auf Weiteres Hochrandlage (CHRISTIAN) mit z.T. scharfer Inversion. In
Sachsen mitunter prominent auftretender Böhmischer Wind. Ansonsten ereignisarm
mit zunehmender Abtrocknung/Sonnenanteile von Osten.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... sind die Rollen auf der europäischen Wetterkarte klar verteilt:
westlich von uns ein schmalbrüstiger, in Kürze über der Iberischen Halbinsel
abtropfender Höhentrog mit korrespondierender, sehr unscheinbar anmutenden
meridionalen Tiefdruckrinne. Knapp östlich dagegen ein potenter Höhenrücken mit
inzwischen abgeschlossener 568-gpdm-Isohypse über den baltischen Staaten und
einem nicht minder potenten Bodenhoch namens CHRISTIAN (1045+x hPa), das seine
Fühler von Russland aus keilförmig sowohl in Richtung Skandinavien als auch in
Richtung Balkan ausstreckt. Es bedarf keiner sonderlich ausgeprägten
meteorologischen Fantasie, dass wir damit inmitten einer hochwirksamen
Blockierung stecken, bei der atlantische Einflüsse bis auf Weiteres (wie weit,
das versucht die heutige Übersicht Mittelfrist herauszuarbeiten) abgemeldet
sind.
Blockierung ist das eine, Inversion das andere. Schaut man sich die
Mittagsaufstiege an, lässt sich vor allem im Osten und Süden eine veritable
Sperrschicht bei 900 hPa oder etwas darunter detektieren. Besonders in Bayern,
wo unter dem Hochnebel vielerorts Dauerfrost herrscht, ist die Inversion scharf
ausgeprägt (T850 um 8°C). Im Westen und Nordwesten hingegen ist die Sperrschicht
noch gar nicht angekommen, weil das Absinken noch nicht richtig greift und sich
noch keine Grundschicht ausbilden konnte. Stattdessen heute bei Sonne satt noch
mal Vorfrühling mit Temperaturen bis zu 12 oder gar 13°C.
In der nun in Kürze folgenden Nacht tut sich an der beschriebenen Konstellation
nicht viel. Der östliche Bodenwind verfrachtet den Hochnebel respektive den
tiefen Stratus, der zwischen Sachsen und Ostsee sowie in Bayern den Tag
bestimmte, langsam aber sicher gen Westen. Dort sowie im Südwesten kann sich
zuvor noch das ein oder andere Nebelfeld bilden, während sonst stärkere
Sichteinschränkungen auf die Hochlagen der Mittelgebirge durch aufliegende
Wolken beschränkt bleiben. Gering bewölkt oder klar geht die Nacht bis zum
Morgen in Lagen oberhalb etwa 700 m (im Osten etwas höher) sowie in Teilen
Westdeutschlands, insbesondere in NRW, über die Bühne. Lücken werden später auch
im Lee der östlichen Mittelgebirge (Ostbayern, Sachsen nordwärts) gerissen.
Bis auf den Norden sowie regional im Westen und Südwesten geht die Temperatur in
den leichten, im südlichen Bergland bei Aufklaren mäßigen Frostbereich zurück.
Vereinzelte Glätte kann es in klaren Gebieten durch Reif, bei Nebel durch
gefrierende Nässe geben. Unter dem Hochnebel/Stratus hingegen geht die
Glättegefahr gen null. Im südöstlichen Sachsen bleibt der Böhmische Wind treu
bei der Sache bzw. legt sogar noch etwas zu (Böen 7, vereinzelt 8, exponierte
Kämme bis 9 Bft), während er im Bereich der ostbayerischen Mittelgebirge weniger
garstig unterwegs ist.
Sonntag ... ändert sich die Strömungskonfiguration nur wenig. Wir verbleiben auf
der Westflanke von CHRISTIAN, der sein Zentrum noch etwas dichter an das
östliche Mitteleuropa heranschiebt. Dadurch verschärft sich der Druckgradient
gerade im Osten geringfügig, was im Verbund mit einem sich aufbauenden LLJ (925
und 850 hPa bis zu 50 Kt) dem Böhmischen Wind weiteres Futter gibt. Dieser
weitet sich nun auch weiter nach Westen aus und setzt im Erzgebirgsvorland
föhnige Impulse. Z.T. wird es richtig stürmisch und in Kammniveau würde sogar
eine Böe 10 Bft nicht vollkommen überraschend kommen. Etwas Böhmischer Wind
tritt auch an den ostbayerischen Mittelgebirgen auf, allerdings vorwiegend auf
einem Niveau, der über Böen 6-7 Bft nicht hinausgeht. Ähnlich sieht es am leicht
föhnigen Alpenrand aus, wo in anfälligen Tälern Böen gleicher Größenordnung
nicht ganz ausgeschlossen werden können.
Damit ist die einzige spannenden Geschichte, die morgen aus atmosphärischer
Sicht auf der Karte steht, auch schon auserzählt. Darüber hinaus gilt es nur
noch zu konstatieren, dass die Inversion von Osten allmählich absinkt und die
Grundschicht damit immer mehr gestaucht wird. Außerdem weht der östliche Wind
unterhalb der Inversion kontinuierlich eine trockenere Kontinentalluft mit
negativen Taupunkten heran. Abtrocknung von oben, Abtrocknung von der Seite -
kein Wunder, dass die Sonnenanteile von Ost nach West fortschreitend immer
weiter zunehmen. Weitgehend bedeckt oder trüb bleibt es im windschwachen
Südwesten etwa vom Saarland und dem Hunsrück bis hinunter ins westliche
Alpenvorland. Und auch im Nordwesten könnte es eine sehr lange Zeit in Anspruch
nehmen, bis das starke Gewölk auf die Nordsee bzw. in die benachbarten
Niederlande abgeschoben wird.
Thermisch läuft es in weiten Landesteilen auf eine Höchsttemperatur zwischen 0
und 5°C hinaus. Etwas milder mit 6-9°C leebedingt Teile von NRW, das
Erzgebirgsvorland sowie der Alpenrand. Leicht negativ dagegen der
Tageshöchstwert im Dauergrau Südwestdeutschlands.
In der Nacht zum Montag macht die Abtrocknung weitere Fortschritte, was
Deutschland bei klarem Himmel verbreitet leichten, im Südosten sowie der
östlichen Mitte mäßigen Frost bringt. Nur vereinzelt sind unmittelbar an der See
sowie im Westen noch wenige Zehntel über null möglich. Glätte (Reif) dürfte in
dieser trockenen Luft kaum noch eine Rolle spielen. Im Südwesten, grob zwischen
Eifel und bayerisch Schwaben, halten sich in den tieferen Lagen noch
Hochnebelreste, die sich nicht auflösen. "Richtiger" Nebel tritt auch am ehesten
im Südwesten auf, allerdings nur lokal.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... siehe Übersicht von heute Morgen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Keine Ergänzungen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann