Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
RAPUNZEL als Osterhase - abwechslungsreicher und windiger Sonntag mit großen
Temperaturunterschieden zwischen Süd und Nordwest. In diesem Sinne
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... braut sich unweit der Hebriden passend zum Anlass ein nettes
"Osterei" zusammen. Etwas seriöser formuliert handelt es sich um eine fette
Zyklogenese, die binnen kurzer Zeit aus einer offenen Welle (siehe Analyse von
heute 06 UTC) ein veritables Sturmtief macht (RAPUNZEL, int. Dave). Schön unter
der left-exit-region der Frontalzone gelegen (und ein bisschen auch unter dem
rechten Eingang eines weiteren Jetstreaks, was dem Tief eine gewisse Affinität
zu einer SK-Zyklone verleiht) wird ordentlich Höhendivergenz erzeugt und
entsprechend gepumpt, was sich in kräftigem Druckfall widerspiegelt. Bis
Mitternacht wird das Tief auf seinem Weg über Schottland in Richtung
Pentlands/Orkneys ca. 970 hPa Kerndruck erreichen, das sind um oder sogar etwas
über 30 hPa innert 18 Stunden - Prüfung zur rapiden Zyklogenese cum laude
bestanden.
Zwar wird die volle Wucht RAPUNZELs woanders zu spüren sein (UK/Irland, offene
Nordsee, später an Südskandinavien), aber auch wir hier in Deutschland werden
pünktlich zum ersten Osterfeiertag partizipieren. Los geht´s bereits in der
kommenden Nacht, wenn auch noch mit angezogener Handbremse. So wird die heute
bis in die mittleren Landesteile vorangekommene Kaltfront des Vorgängertiefs
QUIANA über der Norwegischen See rückläufig, weil sie in die Warmfront (WF) von
RAPUNZEL übergeht. Die WF überquert den Norden und Osten des Landes, wobei sie
nicht weiter auffällt. Einige Schichtwolken, nicht mal richtig zusammenhängend
als klassischer Aufzug, mehr ist da unter einem flachen Potenzialrücken trotz
WLA nicht zu holen.
In der Mitte und im Süden lösen sich die Wolken im breiten, antizyklonal
konfigurierten Warmsektor mehr und mehr auf. Vor allem an der unteren Donau
sowie am Bodensee + Hochrhein bildet sich stellenweise Nebel. Ansonsten gilt es
den Blick in Richtung Nordwesten zu richten, wo unweigerlich die Kaltfront (KF)
des Sturmtiefs auf dem Vormarsch ist und in den Frühstunden die deutsche
Nordseeküstenregion erreicht. Bereits im Vorfeld zieht mehrschichtige Bewölkung
auf, aus der am frühen Morgen zwischen Nordfriesland und Emsland ein paar
zaghafte Tropfen fallen können. Warum nicht mehr? - Zu wenig Support aus der
Höhe (dort wird fast alles in die Erziehung von RAPUNZEL gesteckt) und vor allem
über die Bodenfront hinweglaufende mitteltroposphärische KLA, deren
Lieblingssport nicht gerade das Anheben von Luftmassen ist.
Am schlagzeilenträchtigsten ist ohnehin der Wind, der aus Süd bis Südwest
kommend bis zum Morgen mit Ausnahme des Südostens zulegt. Vor allem auf und an
der Nordsee einschließlich des erweiterten küstennahen Binnenlands (SH, NDS)
wird ordentlich Gas gegeben mit Böen 7-8 Bft, an der nordfriesischen Küste bis 9
Bft. Betroffen aber auch die meisten Mittelgebirge sowie einige angrenzende
Leegebiete, wo ebenfalls Böen 7-8 Bft auf der Karte stehen. Absoluter Ausreißer
einmal mehr der Brocken im Oberharz, wo mit (schweren) Sturmböen 9-10 Bft,
ausgangs der Nacht vielleicht sogar orkanartigen Böen 11 Bft gehandelt wird.
Kurz noch ein, zwei Sätzchen zur Temperatur: Während der auflebende Wind und die
aufziehenden Wolken im Westen und Nordwesten eine Abkühlung auf unter 10°C
verhindern, muss im äußersten Osten (etwa Vorpommern bis Lausitz) sowie im Süden
(Donauregion bis Alpen) mit leichtem Frost in Bodennähe gerechnet werden.
Luftfrost hingegen tritt nur ganz vereinzelt auf.
Sonntag ... steht ganz im Zeichen von RAPUNZEL, die uns zwar nicht direkt
ansteuert, sondern den Süden Norwegens, wo sie zur Mittagszeit mit
quasisenkrechter Achse und somit nach Überschreiten ihres Karrierehöhepunkts mit
etwas unter 980 hPa im Kern aufschlägt. Die zugehörige KF schwenkt mit ihrem
fragilen, stark schauerartig geprägten Regenband gemächlich landeinwärts in
Richtung Mitte. Nicht ganz ausgeschlossen, dass im Norden an der Front eine ganz
flache Welle durchläuft, was dort die leicht erhöhten, aber selten über 5 l/m²
hinausgehenden Niederschlagsmengen erklärt. Das in Sachen Gewitter mitunter
recht verwegen daherkommende ICON-D2 bietet im Frontbereich sogar einzelne
elektrische Überentwicklungen an, die nicht völlig einer annehmbaren Grundlage
entbehren. Viel CAPE wird zwar nicht geboten und die fortlaufende KLA sorgt auch
für eine zunehmende Stabilisierung von Nordwesten her. Gleichwohl offerieren die
Prognosesoundings eine bis etwa 700/650 hPa hinaufreichende labile Unterschicht
mit Cloudtop-Temperaturen von etwas unter -10°C, was für ein paar elektrische
Entladungen notwendig ist, aber nicht zwingend hinreichend sein muss. Sollte es
tatsächlich mal für ein Gewitter reichen, wäre ocker aufgrund möglicher Böen 8,
worst case 9 Bft die Farbe der Wahl.
Gewitter könnten ab dem Spätnachmittag/Abend auch präfrontal im Süden, etwa vom
Hochrhein über Oberschwaben bis hinüber zum Bayerischen Wald, in den Fokus
rücken. Auf alle Fälle ist dort die Signaldichte der Numerik höher als für die
Frontgewitter. Labil genug ist die präfrontale Warmluft mit T850 bis zu 10°C im
südlichen Alpenvorland bzw. dem Alpenrand allemal, doch reicht es auch von der
Feuchte? Viel Wasserdampf enthält die Warmluft nicht, weshalb auch die
CAPE-Ausbeute limitiert bleibt. Ein Pro-Argument, was eine mögliche Auslöse
angeht, ist eine sich zum Abend hin etablierende Windkonvergenz mit Südwest- bis
Westwind im Alpenvorland und Nordwestwind etwas weiter nördlich (15/18 UTC).
Auch hier gilt, wenn´s kracht, dann markant wegen Wind (trockener Fuß, 8-9 Bft),
begleitet von kleinem Hagel, weniger von Starkregen.
Und was geht noch so an Ostern? - Nun, bevor das Thema Konvektion im Süden ein
Thema werden könnte, steht erstmal ein sonnenscheinreicher und warmer Tag auf
der Karte. Insbesondere in Bayern und BaWü, aber auch in der östlichen Mitte
bekommt die Sonne lange Auftrittszeiten, was Tageshöchsttemperaturen von 19 bis
24°C zur Folge hat. Ganz anders die Gefühlslage Richtung Nordwesten, wo von der
See her die Wolkendecke zwar zunehmend auflockert. Trotzdem, der
Luftmassenwechsel weg von leicht gealterter Subtropikluft (xSp) hin zu frischer
polarer Meeresluft (mP) geht nicht spurlos an der thermischen Entwicklung
vorbei, so dass im Norden und Westen bei 9 bis 16°C das Ende der Fahnenstange
erreicht ist (z.T. wird das Maximum schon gegen Mittag oder am späten Vormittag
erreicht, bevor es danach bergab geht).
Noch gar nicht erwähnt wurde der Wind, der natürlich die Geschichte der Nacht
fortschreibt. Nicht nur dass der Gradient noch etwas zulegt, auch die Kaltfront
hat ihren Anteil an einer verbreiteten, bis nach Süddeutschland spürbaren
Windzunahme (erst Südwest, später allgemein auf westliche Richtungen drehend).
Die KF korreliert mit einem LLJ von bis zu 40 Kt auf 925 hPa und bis zu 45 Kt
auf 850 hPa. Auch präfrontal, wo die Labilität größer ist, sind sehr sportliche
Höhenwinde unterwegs, die dem LLJ kaum nachstehen. Nimmt man noch orografische
Begebenheiten dazu, bekommt man ein sehr solides Windpaket, das Spitzenböen von
7 bis 8 Bft, in Einzelfällen sowie bei kräftiger Konvektion sowie an der See bis
9 Bft zulässt. Ganz im Norden wäre sogar eine 10er-Böe im Bereich des Möglichen.
Mit von der Partie - logisch - auch das gesamte Bergland, das je nach Höhe und
Exposition auf 8-9, vereinzelt 10 Bft, auf dem Brocken bis zu 11 Bft kommt. Mit
von Nordwesten südostwärts fortschreitenden Druckanstieg beginnt der Gradient am
Nachmittag aufzufächern, was dem Wind vor allem im Binnenland (Berge
ausgenommen) nicht schmeckt - er wird schwächer.
In der Nacht zum Ostermontag erreicht die Kaltfront den Süden, wo es ihr durch
den überlagerten Druckanstieg schwer an den Kragen geht. Sie löst sich nach
Westen hin auf und verliert gänzlich ihre Wirkung. Im Grunde übernimmt im
äußersten Süden die vorlaufende Konvergenz die tragende Rolle mit Schauern und
anfänglichen Gewittern, die sich bis zum Morgen aber immer weiter in die Alpen
zurückziehen. Weiter nördlich klingen die Schauer auch mehr und mehr ab, am
längsten bleibt noch mit leichtem Stau das Erzgebirge in der Show. Auch ist im
Nordosten anfangs noch ein einzelnes Gewitter möglich, weil der auf die
Kaltfront folgende, zunächst sehr flache Höhentrog beginnt zu amplifizieren.
Ansonsten lockert die Bewölkung in der frisch eingeflossenen, unter zunehmenden
Hochdruckeinfluss (QUIRIN) kommenden Polarluft vielerorts auf. Vereinzelter
leichter Luftfrost beschränkt sich aber auf das Bergland. Der Wind nimmt weiter
ab, einzig an den Küsten sowie in einigen Hochlagen (Oberharz, östliche
Mittelgebirge) bleibt er aus SW bis W kommend prominent unterwegs mit Böen 7-8
Bft, vereinzelt 9 Bft, Brocken anfangs 10 Bft.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... zunehmender Hochdruckeinfluss, im Nordosten aber noch sehr windig.
Mehr Details morgen früh wie immer mit der täglichen (auch Ostern)
Morgendepesche.
Modellvergleich und -einschätzung
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An der grundlegenden Entwicklung wird nicht gezweifelt. Das schließt kleine
Prognoseunschärfe z.B. hinsichtlich morgiger konvektiver Umlagerungen freilich
nicht aus. Da wird dann Nowcasting gefragt sein, wenngleich an dieser Stelle
nochmal darauf hingewiesen werden soll, dass der morgige Feiertag a priori nicht
von Gewittern, sondern von Wind und Sturm, vor allem im Süden aber auch von
Sonne und Milde geprägt sein wird.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann