Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
Nord antizyklonal (Na) - gestört durch Trogdurchgang in der Nacht zum Donnerstag
Zunächst vielfach ruhiges Herbstwetter mit nächtlichen lokalen Nebelfeldern, im
Süden und Südosten örtlich ersten Frösten. Mittwochabend und in der Nacht zum
Donnerstag vor allem im Nordwesten lokale Gewitter mit Starkregengefahr.
Nachfolgend aus Westen erneute Wetterberuhigung.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... steuern wir rasant auf den kalendarischen Herbstanfang zu und einige
Facetten, die einem in diesem Zusammenhang sofort in den Sinn kommen, werden uns
dabei beim aktuellen Wettergeschehen auch kredenzt. Das betrifft zunächst erst
einmal sämtliche Begleiterscheinungen, die mit ruhigem hochdrucklastigen
Herbstwetter einhergehen. Dass wir es zunächst mit einer Hochdruckrandlage zu
tun haben zeigt ein Blick auf die Höhenkarten, wo ein für die Jahreszeit
ungewöhnlich starker Höhenhoch (man kennt die ungewöhnlich hohen
Geopotentialanomalien ja noch aus den Sommermonaten) über der Iberischen
Halbinsel thront. Es richtet einen Keil über die Nordsee und Skandinavien hinweg
weit nach Norden bis Jan Mayen. Dieser wird flankiert von einem im Abtropfen
befindlichen, dipolartigen Höhentiefkomplex, der von Weißrussland bis ins
nördliche Griechenland reicht. Deutlich breiter angelegt ist der Trog an der
Westflanke über Grönland, der in seinem Südteil über dem nahen Ostatlantik etwa
bis auf 50 N reicht. Solange die WLA auf der Vorderseite für die Stabilisierung
des Keils funktioniert, passiert kaum was Signifikantes, was aber bereits morgen
Abend ändert. Doch dazu später mehr.
Während wir in der Höhe also eine nördliche Strömung zu verzeichnen haben, kommt
diese bodennah reibungsbedingt auf der Vorderseite des Bodenhochs mit Zentrum
über Benelux überwiegend aus nordwestlichen Richtungen. Damit gelangt von der
Nordsee vor allem in den Nordwesten des Landes recht feuchte Luft in der
Grenzschicht zu uns, die unterhalb der recht flachen Absinkinversion bei 900 hPa
zu ausgedehnten Stratocumulusfeldern, bei niedrigen Auslösetemperaturen zwischen
meist 12 und 16 Grad im Tagesverlauf teils aus Cu (cugen) bildend. Zusätzlich
befinden sich über uns auch noch in Auflösung begriffene Frontenreste, die in
den thermischen Feldern noch recht eindrücklich herauskommen. So springt die
Temperatur in 850 hPa sprunghaft von 2 Grad auf bis zu 10 Grad an, wenn wir
einmal vom Thüringer Wald bis rund 250 km nach Westen bis zur Eifel fahren.
Spuren von CAPE mit Ankratzen der Null Grad Grenze gibt es im Tagesverlauf von
Vorpommern bis zur Oberlausitz sowie im Südosten Bayerns, wo es ganz vereinzelt
für einen "Mini-Schauer" reichen kann.
Überwiegend freundlich hingegen ist es von der Ostsee bis in die Altmark. Dort
hilft kräftig der Skandinavienföhn mit und die Luft ist deutlich abgetrocknet.
Auch südlich der Bodenhochachse im Südwesten Deutschlands scheint längere Zeit
die Sonne. Dort wird es dann bei großen Tagesgängen (Frühwerte in Senken teils
nur wenig über 0 Grad) mit bis zu 23 Grad auch am wärmsten. Sonst sind es meist
16 bis 20 Grad, im östlichen Bergland kaum 15 Grad, die am Nachmittag erreicht
werden. Aus warntechnischer Sicht gibt es nichts berichtenswertes.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich die Keilachse in der Höhe minimal
ostwärts, das Bodenhoch macht sich über Deutschland breit. Dadurch schläft der
anfangs noch mäßige Nordwestwind selbst an der Ostseeküste bis zum Morgen immer
mehr ein, im großen Rest des Landes ist es häufig windstill und auch unter
Absinken oft gering bewölkt oder klar.
Folglich sind die Ausstrahlungsbedingungen ideal und die Temperaturen rauschen
ordentlich in den Keller. Super HD und Mos-Mix deuten unisono in einigen Tal-
und Muldenlagen abseits der Innenstädte in Teilen Bayerns den ersten "echten"
Luftfrost an. Aber auch in Nordhessen, dem Baruther Urstromtal und der
Lüneburger Heide wird es Ortschaften geben, die nur wenig Distanz zum
Gefrierpunkt aufweisen. Etwas milder mit teils zweistelligen Tiefstwerten bleibt
es lediglich auf den Inseln und vom Emsland bis ins Ruhrgebiet, wo sich noch
längere Zeit kompaktere Wolkenfelder halten können.
Stellenweise bildet sich teils dichter Nebel. ICON-RUC und WarnMos legen die
Akzente dabei vor allem auf Schleswig-Holstein und die Heide, Nordhessen, Unter-
und Mittelfranken sowie generell die Flusstäler. Moment: Schleswig-Holstein? Was
ist denn mit der trockenen Luft vom Skandiföhn? Legt man die Persistenz (heute
Morgen zahlreiche Stationen mit Sichtweiten 300-600 m) zugrunde und
berücksichtigt die bodennahe Rückdrehung des Windes auf West bis Südwest, macht
das durchaus Sinn.
Mittwoch... entwickelt sich mit Zusammenführung von Polar- und Subtropenfront
über dem offenen Atlantik ein stattliches Orkantief mit Kerndruck vorübergehend
nahe 950 hPa. Die kräftige WLA auf dessen Vorderseite setzt ein Downstream
Development in Gang, dass zu einem neuen Hochaufbau dicht westlich von Irland
und weiter stromab ein Auslenken der Frontalzone über Schottland südostwärts
führt. Letzteres generiert zum Abend einen sich fortwährend amplifizierenden,
recht scharfen Randtrog (schöne intensive IPV Schleppe in 300 hPa), der zum
Abend die Deutsche Bucht erreicht. Die Tiefentwicklung am Boden tendiert
hauptsächlich in Zugrichtung Südnorwegen und schickt einen langgestreckten Trog,
in den die Kaltfront eingebettet ist, Richtung Benelux.
In dessen Umfeld steigen nicht nur die PPW's auf über 30 mm an, auch die
Labilisierung der Luftmasse schreitet voran. Vor allem an der Südflanke sind -
wenig überraschend - auch die Scherwerte moderat bis hoch. Limitierende Faktoren
bleiben aber die Tageszeit (Eintreffen im äußersten Nordwesten erst nach 19
Uhr), zunehmend auch die Jahreszeit und die Einmischung trockener
Stratosphärenluft an der Südflanke. Die Vorhersagetemps von der Nordsee bis zum
Emsland besitzen aber durchaus Starkregenpotential im markanten Bereich.
Zuvor wird es aber unter dem sich langsam abbauenden Keil noch ein ruhiger Tag
mit längerem Sonnenschein, sobald sich die morgendlichen Nebelfelder im Laufe
des Vormittags aufgelöst haben. Neue Auslöse flacher Quellungen wird noch im
Osten (mit Nordwest knapp auf der Vorderseite des Bodenhochs) erreicht und die
nahende Front schickt im Tagesverlauf mehrschichtige Bewölkung in den Nordwesten
des Landes. Bei den Höchstwerten ändert sich kaum etwas.
In der Nacht zum Donnerstag bestimmt der Trogdurchgang und dessen rasches
Vordringen südostwärts das Wettergeschehen. Von Westen rückt nachfolgend ein
neuer kräftiger Rücken nach, der ein neues kräftiges Bodenhoch mit über 1025 hPa
über England und der südwestlichen Nordsee stützt. Insofern ist relativ sicher,
dass in der Südwesthälfte des Landes nicht allzu viel passiert und die Nacht
weitgehend ruhig, aufgelockert und trocken verläuft.
Alle weiteren Details sind - so muss man es in aller Deutlichkeit sagen -
aktuell für den Kurzfristzeitraum ungewöhnlich unsicher. So wird die genaue
Ausgestaltung des Troges (abgeschlossen oder eingebettet?, wie scharf?, wie weit
südlich?) noch sehr unterschiedlich bewertet. ICON und UK zeigen dabei die
aggressivste und südlichste Variante, bei der sich gar bodennah eine Rinne bis
weit zur Landesmitte und ansatzweise gar bis nach Bayern reinbohren würde. Bei
IFS und anderen hingegen würde das abgeschlossene Tief eindeutig über Seeland
verbleiben und lediglich die Kaltfrontpassage für schauerartige Regenfälle
sorgen. Selbst bei ICON ist es aber mit der Labilität in den Nachtstunden auch
nicht mehr weit her, so dass eingelagerte Gewitter die Ausnahme bleiben.
Zeitweilige Regenfälle bis zur zentralen und östlichen Mittelgebirgsschwelle
sind aber recht wahrscheinlich, meist aber in der Größenordnung 1 bis 5 l/qm,
punktuell bis 10.
Interessanter ist da fast noch die Windentwicklung, die mit Druckanstieg auf der
Rückseite des Tiefs einsetzt. So baut sich ein Sturmfeld auf, das zunächst die
Nordsee-, im weiteren Verlauf - zumindest nach IFS-Variante - auch die
Ostseeküste erfasst. Auch einige exponierte Gipfellagen springen vorübergehend
mit stürmischen Böen an.
Durch Wolken und Wind bleibt es in der Nordhälfte mit 14 bis 9 Grad milder als
zuletzt, im Süden geht's lokal bis 4 Grad runter.
Donnerstag... bestimmt das nachrückende Hoch ARNO das Wettergeschehen in der
Südwesthälfte Deutschlands mit längerem Sonnenschein und trockenen Bedingungen.
Im Prinzip sieht die Konstellation zum Abend ganz ähnlich dem Anfangszustand vom
heutigen Dienstag aus nur mit dem Unterschied, dass der südostwärts abziehende
Trog vor allem in der ersten Tageshälfte präsenter ist.
So fällt in einem Streifen von Schleswig-Holstein und der Ostsee über Ost- und
Mitteldeutschland hinweg bis zu den Alpen noch zeit- und gebietsweise Regen, der
zum Nachmittag immer mehr nachlässt. Staubedingt fallen an den Nordrändern von
Erzgebirge und Alpen teils auch etwas über 10 l/qm, sonst bleibt es deutlich
weniger. Die Schneefallgrenze sinkt in den Alpen bis zum Abend bis auf 2000 m
ab.
Der Nordwestwind ist spürbar und stark böig unterwegs, erreichten an den Küsten
und im höheren Bergland mit hoher Wahrscheinlichkeit bis in den markanten
Bereich hinein (ab Bft 8). Auch über der Norddeutschen Tiefebene sind einzelne
steife Böen (Bft 7) zu erwarten.
Die Temperaturen liegen zwischen herbstlich angehauchten 15 bis 18 Grad in
weiten Landesteilen, im Südwesten mit Sonnenunterstützung bei bis zu
spätsommerlich anmutenden 24 Grad im Breisgau.
In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog im Südosten endgültig Richtung Balkan
und Adria ab, die Keilachse folgt nach und das Hoch legt sich mit seinem
Schwerpunkt genau über Deutschland.
Demnach rücken erneut grenzschichtgetriebene Prozesse in den Vordergrund mit
lokalen Nebelfeldern im Süden und Westen bei einstelligen Temperaturen, teils
ausgedehnten Hochnebelfeldern (noch zu viel Wind) im Norden und Osten bei Werten
um 10 Grad. Schwache Niederschläge gibt es allenfalls in Ostseenähe sowie an den
Nordrändern der östlichen Mittelgebirge.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die ungewöhnlich großen Modellunterschiede bezüglich des Trogdurchgangs in der
Nacht zum Donnerstag sind bereits im Text ausreichend angesprochen worden. Hier
müssen einfach noch die nächsten Läufe abgewartet werden. Regenfälle im
Südwesten sowie markante Gewitter bis weit in die Nacht hinein sind eher
unwahrscheinlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen