Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Ruhige Hochdruckrandlage; trockenkalt mit meist leichten bis mäßigen, im
Südosten, ab der Nacht zum Freitag auch im Osten mit strengen Nachtfrösten.
Im Norden auffrischender Ostwind, an exponierten Küstenabschnitten ab Donnerstag
stürmische Böen.
In der Nacht zum Freitag im Westen/Nordwesten lokal gefrierender Regen nicht
ganz ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... ist das Geopotentialfeld von zwei bzw. drei markanten Höhentiefs
geprägt. Das erste (JAQUELINE) und zweite (KIRSTIN) sind in einen Langwellentrog
eingebettet, ersteres befindet sich unmittelbar westlich von Irland, das zweite
dagegen noch etwa 1500 km westlich von Irland auf dem Atlantik. Im Nachtverlauf
bewegt sich KIRSTIN rasch nach Osten in Richtung Südspitze Irlands, JAQUELINE
wandert etwas nach Norden, so das beide ausgangs der Nacht eine dipolartige
Struktur westlich von Irland bilden. Das ebenfalls erwähnte dritte Höhentief
liegt mit seinem Zentrum weitgehend ortsfest über Tunesien, beide Strukturen
sind dabei durch eine breite Geopotentialrinne verbunden. Vom östlichen
Mittelmeer bis nach Polen erstreckt sich dagegen ein Höhenkeil, der die
ostwärtige Verlagerung des westeuropäischen Langwellentroges blockiert. Dies
gilt auch über die Nacht hinweg, wenngleich auch im Bereich des Rückens, wie
auch auf seiner Rückseite und damit über Deutschland, das Geopotential sinkt.
Erwähnenswert ist auch noch ein markanter kurzwelliger Troganteil, der in der
Nacht von der Westspitze der Bretagne kommend über den westlichen Ärmelkanal
hinwegschwenkt und ausgangs der Nacht den Pas de Calais erreicht, wobei er durch
das Anlaufen gegen den Höhenkeil von einer anfangs östlichen
Verlagerungsrichtung in eine nordöstliche übergeht. Im Bodendruckfeld
korrespondiert mit den beiden im Langwellentrog eingelagerten Höhetiefs jeweils
ein Bodentief, wobei das vom Atlantik kommenden und damit wesentlich
bewegungsaffinere auch noch entwicklungsgünstiger liegt und sich bis zum Morgen
auf etwa 970 hPa vertieft, womit es im Dipol auf die erste Geige spielt. Für
unsere Wetterentwicklung ist dies jedoch weniger bedeutsam als die Tatsache,
dass auf der Ostflanke des Tiefs ein markanter Druckgradient aufgebaut wird, was
insbesondere für den Nordwesten und die Nordsee gilt, wo hoher Luftdruck über
Skandinavien als Gegenspieler zur Verfügung steht. Entsprechend lebt der Wind
dort auf, auf der offenen Nordsee, eventuell auch an exponierten
Küstenabschnitten Nordfrieslands oder auf den Halligen könnten mit dem
Morgengrauen schon erste Böen Bft 7 auftreten, zumindest sind diese nicht
gänzlich ausgeschlossen. Ebenfalls einzelne Böen Bft 7 wird es in der Nacht aus
dem Böhmischen Becken heraus geben, insbesondere das ostsächsische Bergland ist
beim dort vorherrschenden Südostwind anfällig. Ansonsten ist der Wind zumeist
schwach, allenfalls mäßig. Frostfrei bleibt es nur am Niederrhein (und eventuell
auf dem Ostfriesischen Inseln), leichten Frost bis -4 Grad erwarten die Modelle
vom Oberrhein über den Westen und den Nordwesten bis in den Norden. Während sich
im Südwesten zumindest lokal tiefe Stratusfelder halten, ziehen über den Westen,
Nordwesten und Norden hohe und mittelhohe Wolken der Okklusion von JAQUELINE
hinweg, die aber keinen Niederschlag bringen sollen. Die Wolken dämpfen aber die
Ausstrahlung, entsprechend bleibt es dort vergleichsweise mild. Im weit
überwiegenden Teil des Landes werden Minima von -5 bis -9 Grad erwartet, im
Osten Bayerns kann es auch strengen Frost bis -15 Grad geben. Nebel könnte im
Südwesten, eventuell auch im Süden auftreten, in den Nebelgebieten könnten es
dann auch durch Reif glatt werden. Ansonsten ist Glätte in der trockenen Luft
kein Thema.
Mittwoch ... schwenkt der Kurzwellentrog über England, Schottland bzw. die
westliche Nordsee nordwärts, das zu Tief KIRSTIN gehörende Höhentief erreicht am
Abend samt KIRSTIN selbst das Seegebiet südlich von Irland. Dadurch wird auch
der gesamte Langwellentrog, der abends von Südgrönland bis zur Biskaya bzw. zur
Iberischen Halbinsel reicht, regeneriert. Ein zu tiefem Geopotential über
Russland gehörender Randtrog über Finnland kann sich auf dem Weg zum Baltikum
und nach Südschweden noch etwas verstärken und ein wenig nach Westen
vorarbeiten. Insgesamt setzt sich somit der Druckfall über dem Vorhersagegebiet
weiter fort, wobei sich über die Mitte des Landes ein flacher Trog ostwärts
ausweitet. Gleichzeitig bleibt über Skandinavien hoher Luftdruck dominierend,
wodurch sich der Gradient über Norddeutschland insgesamt etwas weiter
verschärft. Über der Nordsee gibt es in der Folge etwas verbreiteter steife Böen
aus Ost, das gleiche gilt an exponierten Nordseeküstenabschnitten sowie auch an
der schleswig-holsteinischen Ostseeküste (und auch der Böhmische Wind bleibt uns
mit Böen Bft 7 erhalten). Atlantische Frontensysteme werden dabei nach wie vor
blockiert bzw. kommen bei einer südlichen Höhenströmung und einer südöstlichen
bodennahen Strömung nicht nennenswert nach Osten voran. Der äußerste Westen und
Nordwesten werden damit weiterhin von den Wolken der Okklusion des Tiefs
JAQUELINE behelligt, der Westen von Nordrhein-Westfalen im ungünstigsten Fall
auch von etwas Regen. Dies ist nach aktuellem Stand zumindest die Lesart des
IFS. Die geringen ICON-Niederschläge dürften kaum zu einem nennenswerten
anfeuchten des Bodens reichen, IFS oder auch UK10 lassen es trocken. Auch von
Norden her kommt dichte, stratusähnliche Bewölkung etwas weiter nach Süden voran
und könnte eventuell den Norden von Schleswig-Holstein oder Rügen erfassen.
Ansonsten scheint aber erneut überwiegend die Sonne, lediglich in einigen
Niederungen West- und Südwestdeutschlands hält sich der Hochnebel. Dort (sehr
lokal) sowie im Nordosten und im östlichen Bayern (jeweils gebietsweise) gibt es
Dauerfrost, wobei im Nordosten die kalte Grundschicht auch etwas an vertikaler
Mächtigkeit gewinnt. Sonst liegen die Höchstwerte meist zwischen 0 und 4 Grad,
in Teilen von Nordrhein-Westfalen, in höheren Lagen der südwestdeutschen
Mittelgebirge und im höheren Alpenvorland zwischen 4 und 8 Grad.
In der Nacht zum Donnerstag arbeitet sich der Höhentrog südlich von Irland über
die Biskaya nach Westfrankreich vor, in seinem südlichsten Teil erreicht er
durch Amplifizierung sogar das westliche Mittelmeer. Nach Osten kommt er aber
kaum voran, allerdings sinkt in seinem Vorfeld das Geopotential, so dass sich
zum Morgen des Donnerstags ein äußerst gradientschwaches Geopotentialfeld über
Mitteleuropa zeigt. Die Höhenantizyklone über Nordskandinavien bzw. dem
angrenzenden Nordmeer bleibt weitgehend ortsfest, auf ihrer Südflanke tropft der
skandinavische Randtrog - bei auch dort sehr flacher Geopotentialverteilung - in
etwa über der Südostküste Schwedens ab. Neben dem Geopotential fällt über dem
Vorhersagegebiet auch der Bodendruck noch geringfügig weiter, während das
Hochdruckgebiet über Skandinavien, dass nach Osten bis zum Ural reicht, sich
leicht kräftigt. Das führt zu einer weiteren Gradientverschärfung über
Norddeutschland, so dass es an den Küsten für steife Böen Bft 7 aus Ost bis
Südost reicht. Über der offenen Nordsee, aber auch an exponierten
Küstenabschnitten sind sogar stürmische Böen zu erwarten. Ansonsten ändert sich
nur wenig: Über den Westen und Nordwesten des Landes ziehen zeitweise hohe und
mittelhohe Wolkenfelder hinweg, es sollte aber weitestgehend trocken bleiben.
Mit dem sich etablierenden südskandinavischen Kaltlufttropfen wird die kalte
Grundschicht über dem Nordosten weiter angehoben, in 850 hPa sinkt die
Temperatur dort auf 0 bis -3 Grad. Somit kann sich die dichte Bewölkung etwas
weiter landeinwärts ausweiten und erfasst wahrscheinlich weite Teile
Schleswig-Holsteins sowie Teile Mecklenburg-Vorpommerns. Bis auf etwas
Schneegriesel sollte es aber auch dort trocken bleiben. In den Niederungen
Südwestdeutschlands hält sich weiterhin der Hochnebel bzw. Nebel, ansonsten
zeigt sich der Himmel aber klar bzw. gering bewölkt. Somit ändert sich an den
Minima und auch an der entspannten Glättesituation gegenüber der Vornacht kaum
etwas, im Südosten gibt es erneut relativ verbreitet strengen Frost.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... und in der Nacht zum Freitag bleibt eine grundlegende Änderung
der Großwetterlage aus. Der Kaltlufttropfen über Südskandinavien schafft es nach
Dänemark (eventuell ein paar Flocken im äußersten Norden), die Achse des
westeuropäischen Langwellentroges schwenkt über Irland und Nordfrankreich hinweg
nach Schottland, verliert dabei aber ihre Kontur bis nahe an die
Bedeutungslosigkeit und ist zum Freitagmorgen entsprechend nur noch als flacher
Randtrog unterwegs. Der Langwellentrog in seiner Gesamtheit wird durch einen
Kaltluftvorstoß in seine Rückseite regeneriert, und auch ein neues (Sturm-)Tief
erscheint auf der europäischen Wetterbühne, es liegt am Freitagmorgen mit einem
Kerndruck von etwas über 955 hPa westlich der Bretagne. In den äußersten Westen
schieben die Modelle in der Nacht zum Freitag recht halbherzig etwas
Niederschlag, gefrierender Regen ist dabei nicht auszuschließen (kann aber auch
gut sein, dass die Modelle die Niederschlagsprognosen wieder etwas
zurückrechnen). Im Bodenfeld ist der Bodentrog über Deutschland weiterhin
erkennbar, der Druck fällt zwar kaum noch, er steigt aber über dem Ostseeraum,
wodurch sich der Gradient weiter verschärf, so dass auch eine schwache Tendenz
zu mehr stürmischen Böen auch an der Küste erkennbar ist. Mit östlichem Wind
wird wieder kalte Festlandsluft advehiert, in der Osthälfte heißt das am Tage
sehr verbreitet Dauerfrost, im Südosten und in Mitteldeutschland in der Nacht
zum Freitag auch recht verbreitet strenger Frost unter -10 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die großräumigen Abläufe sehr ähnlich, Unterschiede im
Detail haben zumindest bis auf Weiteres keine Warnrelevanz (Ausnahme vielleicht:
Die noch unsichere Niederschlagsentwicklung mit nicht ausgeschlossenem
gefrierendem Regen in der Nacht zum Freitag).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas