Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 17.02.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Kommende Nacht auch in der Mitte und im Süden wieder kälter, aber nur noch wenig
Neuschnee.
Morgen von Süden neue Niederschläge, in der Nacht zum und am Donnerstag auf die
Mitte übergreifend. Im Südwesten und Süden Übergang in Regen, dabei insbesondere
nachts bis Donnerstagvormittag Glatteis bis hin zu Unwetter möglich.
Sonst teils bis in tiefe Lagen Schnee, vom Westen über die Mitte bis nach
Nordbayern teilweise markante Neuschneemengen, dort gebietsweise unwetterartige
Mengen sowie im Bergland bei stürmischen Böen Schneeverwehungen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland an der Westflanke eines Langwellentroges,
der vom Nordmeer über weite Teile Skandinaviens bis ins östliche Mitteleuropa
reicht und von dort aus in ein Cut-Off-Tief über dem Balkan bzw. Griechenland
mündet, unterhalb einer nordwestlichen Höhenströmung. Darin eingebettet,
überquert ein kurzwelliger Troganteil im Laufe der Nacht den Osten und Südosten
des Landes südostwärts, gefolgt von einem weiteren Kurzwellentrog, der auf
nordöstlicherer Zugbahn morgens auf die westliche Ostsee übergreift.
Flankiert wird der Trog von einem Höhenkeil über Westeuropa, der im Laufe der
Nacht langsam die Britischen Inseln überquert.
Im Bodenfeld reicht nach wie vor eine nun schon längere Zeit quasistationäre
Tiefdruckrinne von der südlichen Nordsee ostsüdostwärts bis nach Südpolen. Diese
trennt kalte Festlandsluft über dem Nordosten Deutschlands (T850 hPa zwischen -6
und -9 Grad) von maritim erwärmter, potenziell instabiler, somit also gut
durchmischter und recht feuchter Polarluft (T850 hPa um -5 Grad) über dem Rest
des Landes. Auf der kalten Seite kommt es über dem Nordosten bei leichtem
Dauerfrost durch eine schwache Gegenstromlage aktuell noch zu geringen
Schneefällen, die aber mehr und mehr an Intensität einbüßen und keinen
nennenswerten Neuschnee mehr bringen. Ansonsten gestaltet sich der Wetterablauf
dagegen ziemlich wechselhaft mit Schauern, die vor allem mit Trogpassage bzw.
auf dessen Rückseite und insbesondere im Westen und Süden auch von vereinzelten
kurzen Graupelgewittern begleitet wurden. Innerhalb der gut durchmischten
Luftmasse (Maxima in den Niederungen zwischen 3 und 9 Grad) schwankt die
Schneefallgrenze aktuell - je nach Intensität der Schauer - meist zwischen 300
und knapp 800 m, aber auch darüber reicht es nur noch für wenige Zentimeter
Neuschnee, lediglich in einigen Staulagen (insbesondere Schwarzwald, Alpen und
Bayerwald, meist oberhalb von 1000 m) hat es auch kräftiger geschneit.
Die Tiefdruckrinne mündet nach Westen zu in einem nur noch flachen
Tiefdruckgebiet ("WALLY III") im Bereich der Ostfriesischen Inseln. Nachdem es
vom Trog überlaufen wurde, füllt es sich weiter auf und kommt rasch südostwärts
voran, morgens ist es über Polen kaum mehr auszumachen. Entsprechend wird auch
die Rinne von Westen her abgebaut, kommt nach Süden voran und erreicht morgens
die mittleren Landesteile. Rückseitig des Tiefs verschärft sich in den kommenden
Stunden der Gradient zunächst im Westen, später in den mittleren Landesteilen
vorübergehend und der Wind frischt mit Böen Bft 7, in den Gipfellagen einiger
Mittelgebirge Bft 8 aus West bis Nordwest auf. Später nimmt er aber wieder ab,
ebenso wie auf den Alpen- und Schwarzwaldgipfeln, wo es heute tagsüber noch
Sturm-, exponiert schwere Sturmböen gab.
Mit Annäherung des Höhenkeils steigt auch im Bodenfeld der Druck und sowohl der
Westen, als auch der Süden des Landes geraten in den Einflussbereich eines
flachen Bodenkeils. Dort klingen die Schauer im Laufe der Nacht rasch ab und es
bleibt, ebenso wie im Nordosten, überwiegend trocken. Sonst gibt es aber noch
einzelne Schauer, die mit Vordringen der kälteren Luftmasse von Norden her
rückseitig der Rinne allmählich bis in tiefe Lagen in Schnee übergehen. Meist
reicht es nur für wenige Zentimeter Neuschnee, oft auch nur für Glätte. In den
Staulagen von Harz und Erzgebirge kommen aber nochmals 5 bis 10 cm zusammen.
Mit Ausnahme einiger Niederungen im Westen, Südwesten und in der Mitte sinken
die Temperaturen nun fast überall in den Frostbereich. Im Nordosten und in
einigen Mittelgebirgen bzw. in den Alpentälern gibt es auch mäßigen Frost. Der
Höhenkeil wird bereits von WLA überlaufen und bereits im Laufe der Nacht greift
eine Warmfront von Südwesten her auf Frankreich über. Vorlaufend ziehen ausgangs
der Nacht im Südwesten Deutschlands wieder dichtere Wolken auf, es bleibt aber
noch trocken.

Mittwoch ... schwenkt der kurzwellige Troganteil über der westlichen Ostsee
rasch südostwärts, streift dabei auch den Nordosten Deutschlands und regeneriert
den Haupttrog über Polen. Vor allem am Vormittag kann es somit im Bereich der
sich weiter auffüllenden Tiefdruckrinne insbesondere im östlichen
Mittelgebirgsraum noch weiter leicht schneien, im Stau des Westerzgebirges
kommen bis zum Nachmittag stellenweise nochmals mehr als 5 cm zusammen, sonst
sind die Mengen nicht weiter erwähnenswert. Auch an der Ostsee sind vormittags
kurze Schneeschauer möglich.
Ansonsten bleibt es im Einflussbereich einer flachen Hochdruckparzelle, die im
Tagesverlauf über Norddeutschland Richtung Polen schwenkt, in weiten Teilen des
Landes trocken und vor allem im Nordwesten scheint auch länger die Sonne.
Dann aber gilt es, den Blick gen Südwesten zu richten. Zwar kommt der
Höhenkeilüber Frankreich und der Nordsee noch etwas nach Osten voran und
erreicht abends mit seiner Achse den Westen Deutschlands, allerdings wird er
einerseits durch den Trog über Skandinavien und Polen blockiert, andererseits
überquert an der Südflanke eines auf Irland zusteuernden hochreichenden Tiefs
ein markanter Kurzwellentrog die Biskaya und greift bereits abends auf
Westfrankreich bzw. den Ärmelkanal über. Somit verliert der Keil an Substanz und
wird von markanter WLA überlaufen, die auch den Westen und Süden des
Vorhersagegebietes erfasst.
Im Bodenfeld setzt somit im Tagesverlauf von Südwesten her wieder verstärkt
Druckfall ein und die Warmfront über Frankreich erreicht am Nachmittag/Abend
auch den Südwesten Deutschlands. Im Vorfeld setzen bereits am Vormittag etwa von
den Vogesen über den Schwarzwald bis zum Bodensee, eventuell auch bis ins Allgäu
Niederschläge ein, die zunächst vielerorts bis in tiefe Lagen als Schnee fallen,
vor allem im südlichen Oberrheingraben bzw. vom Hochrhein bis zum Bodensee
eventuell aber von Beginn an als Regen. Sollte es dort irgendwo in einem
"Kälteloch" noch längere Zeit Frost geben, ist auch die gefrierende Phase
denkbar.
Die Niederschläge kommen bis zum Abend langsam nach Nordosten und Osten voran,
erfassen weite Teile des Alpenvorlandes, fast ganz BaWü (außer den Nordosten)
sowie das Saarland und den Westen und Süden von Rheinland-Pfalz. Dabei gilt es,
die an den Kurzwellentrog gekoppelte Bodentiefentwicklung über Westeuropa zu
beachten, die noch unsicher ist. Nach Lesart des ICON-D2 und des GFS soll es am
Abend mit einem Kerndruck von etwa 985 hPa unmittelbar über der englischen
Südküste aufschlagen, ICON-EU und GEM simulieren es etwas schwächer und ein
wenig weiter südlich.
Wie auch immer, die WLA-induzierten Hebungsprozesse werden im Tagesverlauf durch
das sich verstärkende Tief zunehmend auch frontal gestützt und intensivieren
sich. Der Zeitraum der Intensivierung, aber auch die räumliche Ausdehnung der
Niederschläge ist aber im Detail noch unklar, ebenso wie die
niedertroposphärische Erwärmung und die Schneefallgrenzen. Im Südwesten steigt
die 850 hPa-Temperatur aber bereits nachmittags verbreitet auf über 0 Grad und
die Schneefallgrenze somit auch bis in die höchsten Lagen des Südschwarzwaldes
bzw. am Alpenrand auf über 1000 m. Weiter nördlich schneit es oft bis in tiefe
Lagen, lediglich am Oberrhein dürfte alsbald die flüssige Phase überwiegen. Bis
zum Abend halten sich die neuschneemengen aber noch allgemein in Grenzen;
lediglich im Schwarzwald, auf der Alb und im Allgäu kommen gebietsweise mehr als
5 cm in 6 bis 12 Stunden zusammen.
Während es im Norden und Osten vielerorts leichten Dauerfrost gibt, liegen die
Höchstwerte sonst meist zwischen 1 und 5 Grad, an Rhein und Neckar auch knapp
darüber.

In der Nacht zum Donnerstag wird der nur noch schmale Keil über dem
Vorhersagegebiet weiter in die Zange genommen. Der folgende Kurzwellentrog über
dem Westen Frankreichs wird allerdings ebenfalls blockiert und tropft über dem
Nordwesten Frankreichs ab, wobei er nach Südfrankreich und in den westlichen
Mittelmeerraum amplifiziert. Das Bodentief wird ebenfalls blockiert und kommt
über dem Ärmelkanal nur noch wenig nach Osten voran, wobei es sich langsam
auffüllt. Die WLA-induzierte Hebung auf dessen Vorderseite wird über dem
Südwesten des Vorhersagegebietes nun noch dynamisch gestützt, zudem wirken die
sich wieder verschärfenden Luftmassengegensätze im Bereich der Warmfront
frontogenetisch (T850 hPa im Südwesten und Süden am Donnerstag, 06 UTC zwischen
0 und +4 Grad, im Norden und Osten dagegen zwischen -3 und -8 Grad), so dass
sich die weiterhin nur langsam nach Nordosten vorankommenden Niederschläge
intensivieren. Im Südwesten und Süden gehen diese in Regen über, in Teilen
Bayerns beginnen diese eventuell sogar als Regen, dabei kann es gebietsweise
auch gefrierenden Regen mit Glatteis geben. Unwetterartige Entwicklungen
diesbezüglich sind durchaus möglich, aus aktueller Sicht aber noch nicht
abschätzbar. Am ehesten kommen wohl die Bereiche Schwäbische Alb, Mittelfranken,
Oberpfalz und Niederbayern bzw. das östliche Oberbayern in Frage.
In der Mitte fällt oft bis in tiefe Lagen Schnee, und das teilweise nicht zu
knapp. Vor allem von NRW über den zentralen Mittelgebirgsraum bis nach
Oberfranken kommen mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zumindest gebietsweise
markante neuschneemengen von über 5 cm in wenigen Stunden bzw. über 10 cm in
sechs bis 12 Stunden zusammen. Auch unwetterartige Mengen sind möglich,
insbesondere in den Südoststaulagen einiger Mittelgebirge. I-D2 simulierte im 12
UTC-Lauf im nördlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein sogar mehr als 20 l/m² in
12 Stunden als Schnee, diese Mengen wurden im 15 UTC-Lauf glücklicherweise
wieder deutlich reduziert.
Im Norden und Osten, etwa nordöstlich einer Linie südliches Emsland-westliches
Erzgebirge bleibt es am Südrand einer sich von Polen bis nach Südskandinavien
ausweitenden flachen Hochdruckzone trocken. Dabei verschärft sich der Gradient
im Bereich der Front bzw. Luftmassengrenze über den mittleren Landesteilen und
in den Kamm- und Gipfellagen der dortigen Mittelgebirge gibt es steife,
vereinzelt stürmische Böen, in Gipfellagen eventuell auch Sturmböen aus Südost.
Dann sind auch Schneeverwehungen denkbar.
Frostfrei bleibt es wohl in einigen Niederungen West- und Süddeutschlands, sonst
gibt es leichten, im Norden und Osten mäßigen, nach Nordosten zu bei teils
klarem Himmel über Schnee auch strengen Frost.

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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... steht das Wichtigste in der Frühübersicht, und auch mit den
aktuellen Läufen bleiben die Unsicherheiten bestehen. Für den Norden und Osten
sind sich die Modelle einig: Am Südrand der sich etwas verstärkenden
Hochdruckzone über Skandinavien bleibt es im Einflussbereich der von Osten
einströmenden kalten Festlandsluft trocken und teilweise setzt sich bei recht
verbreitetem Dauerfrost die Sonne durch. Ab der Mitte südwärts gibt es weitere
Niederschläge, die aber im Tagesverlauf deutlich an Intensität einbüßen. Das
Tief über Nordwestfrankreich muss aufgrund der Blockade nach Südosten, Richtung
Westalpen ausweichen und in der Nacht zum Freitag kommt das Hoch über
Skandinavien südwärts Richtung Polen voran, so dass auch die kalte Festlandsluft
an Boden nach Süden gut macht. Im Südwesten und Süden wird es aber zunächst noch
bis mittlere Höhenlagen etwas regnen, anfangs vor allem im Südosten teils auch
gefrierend. Im Südwesten können sogar wieder Höchstwerte von 5 bis 10 Grad
erreicht werden. In der Mitte fällt meist Schnee mit allerdings deutlich
abnehmender Intensität.
In der Nacht zum Freitag ziehen sich die Niederschläge dann nach Süddeutschland,
später ins Alpenvorland und zu den Alpen zurück und gehen wieder bis in tiefe
Lagen in Schnee über. An den Alpen dürfte es dann bis in den Freitag hinein
kräftig schneien.


Modellvergleich und -einschätzung
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Zwar steht der grobe Fahrplan, im Detail gibt es aber durchaus Modelldifferenzen
bzgl. der räumlichen Verteilung, Intensität und Phase der Niederschläge, da es
sich insbesondere in der Nacht zum Donnerstag überwiegend um relativ
kleinräumige markante bzw. unwetterartige Ereignisse handelt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff