Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 29.09.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Sa (Süd antizyklonal)

Agile EVA vs. gemütliche Jungs (ARNO/BORCHERT) - gediegener Septemberausklang
mit z.T. außergewöhnlich hohen Temperaturen. Am Donnerstag (1. Oktober) in der
Westhälfte Regenfälle und einzelne Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... wird ordentlich gepumpt. Nicht bei uns, sondern draußen auf dem
Ostatlantik, genauer knapp westlich von Irland. Dort hat sich äußerst
entwicklungsgünstig EVA in Stellung gebracht, von Beruf Bodentief, das sehr
harmonisch mit einem noch etwas weiter westlich positionierten Potenzialtrog
interagiert. Dieser hat gegenüber gestern seine Wellenlänge um einiges verkürzt
und weist eine wunderbar diffluente Vorderseite auf, in der Höhendivergenz ohne
Ende produziert wird. Und zwar genau da, wo das Bodentief liegt. Heißt im
Umkehrschluss Druckfall en masse und das ziemlich intensiv, so dass wir an
dieser Stelle von einer rapiden Zyklogenese sprechen können. Lag der Kerndruck
in der vergangenen Nacht (00 UTC) noch bei knapp unter 990 hPa, werden 24
Stunden später ca. 960 hPa angepeilt - rund 30 hPa innert 24 h, womit das
erforderliche Kriterium erfüllt ist.

Alles schön und gut und synoptisch auch hochinteressant, doch was hat das Ganze
mit uns zu tun? Nun, zunächst relativ wenig, wenn man mal davon absieht, dass
die gute EVA und der Trog reichlich Warmluft auf ihrer Vorderseite
nord-nordostwärts transportieren. Diese kommt dem Höhenrücken zugute, welcher
von NW-Afrika bis hinüber in den baltischen Raum gerichtet ist und quasi als
Gegenspieler zum o.e. Trog fungiert. Zusammenarbeiten tut der Rücken übrigens
mit zwei Bodenhochs, die bis Mittwoch aber zu einem Exemplar verschmelzen. Die
Rede ist einerseits von ARNO, der schon seit Längerem am Start ist und sich von
NW-Russland über den Balkan bis hinunter zum zentralen Mittelmeer erstreckt.
Hoch #2 ist etwas jüngeren Datums (in der Geburtsurkunde wird der gestrige
Montag ausgewiesen), hört auf den Namen BORCHERT und befindet sich heute Morgen
mit seinem Zentrum (immerhin 1030+X hPa) über Südnorwegen. Es wandert im
Tagesverlauf nordwärts, um schlussendlich an der NW-Flanke von ARNO anzudocken.

Deutschland liegt derzeit im Grunde genau zwischen den Stühlen, wie man so schön
sagt. "Links" das Tief und der Trog, "rechts" das Hoch und der Rücken. Bedeutet
in der Konsequenz eine (geostrophische) Süd-Südwestströmung in der Höhe und eine
(ageostrophische) Südost- bis Ostströmung im untersten Troposphärenbereich. Und
da die Entfernung zur zyklonalen Seite größer ist als umgekehrt, ist das Setup
bei uns zunächst noch weitgehend antizyklonal geprägt. So wird beispielsweise
die aktuell noch unweit der Nordseeküste analysierte Warmfront (sie markiert das
"untere" Ende eines langen Frontenzugs, der dem an Spitzbergen nordostwärts
vorbeiziehenden Tief DAPHNE angeschlossen ist) in den nächsten Stunden immer
weiter rausgedrückt, womit sich auch die aktuelle über der Deutschen Bucht noch
auftretenden Regenfälle und Gewitter verabschieden. Damit nimmt dann auch die
ohnehin nicht besonders ausgeprägte Regenwahrscheinlichkeit im Norden des Landes
weiter ab, während das mit der Bewölkung etwas länger dauert.

Hohe und mittelhohe Wolken (WLA oberhalb etwa 600 hPa) ziehen aber auch über
andere Landesteile hinweg, grob über die NW-Hälfte, so dass die Sonne dort nicht
gänzlich ungestört ihre Kreise ziehen kann. Je weiter im Süden und Osten, desto
weniger Wolken. Gerade vom Alpenrand über Oberfranken bis hinüber zur Lausitz
präsentiert sich der Himmel teilweise den ganzen Tag über wolkenlos.
Thermisch wird in der abgetrockneten Subtropikluft (xSp/cSp) weiterhin geklotzt,
auch wenn die 30°C-Marke heute wahrscheinlich nicht mehr überschritten wird. Die
850-hPa-Temperatur liegt zwischen 14°C im Nordosten und bis zu 18°C im Süden und
befindet sich damit dicht am 99%-Perzentil des gleitenden Modellklimas oder
anders ausgedrückt, nicht weit entfernt von den Rekordwerten für Ende September.
Allerdings sorgen der mittlerweile vergleichsweise niedrige Sonnenstand, die
Bewölkung sowie fehlende oder zu geringe Durchmischung dafür, dass die
Grundschicht nicht in dem Maße durchgeheizt wird wie noch vor wenigen Wochen.
Nevertheless, Höchstwerte von 24 bis knapp an die 30°C sind für Ende September
aller Ehren wert. Und selbst im Küstenumfeld sowie stellenweise im Südosten, wo
es nicht ganz so warm wird, muss man nicht wirklich frieren.
Kurz noch ein Satz zum Wind, der wie gesagt aus Südost- bis Ost weht und durch
den Tagesgang etwas angefacht wird. Warnschwellen werden dabei aber nicht
gerissen. Am ehesten begegnet man auf der offenen Nordsee oder im Erzgebirge mal
einer steifen Böe 7 Bft.

In der Nacht zum Mittwoch tut sich wenig an der großräumigen Rollenverteilung.
EVA nimmt bis zum Morgen noch ein paar Pfund ab, was sie in die Nähe der 950 hPa
im Kernbereich bringt - wow, was ein Gerät! Für uns hat das aber keine
nennenswerten Konsequenzen, sieht man mal von einem etwas schärferen
Druckgradienten ab, der sich aufgrund der Tageszeit (teilweise Entkopplung der
Grundschicht) aber kaum bemerkbar macht. Am ehesten zieht der Südostwind noch im
Erzgebirge an, wo evtl. Low-Level-Effekte mithelfen, höhere
Windgeschwindigkeiten (Böen 7-8 Bft, ICON-Lösung) zu generieren.

Ansonsten präsentiert sich die Nacht wie die letzte auch: durchziehende, meist
hohe, z.T. aber auch mittelhohe Wolkenfelder, nach Südosten hin gebietsweise
klar, wenig Nebel und trocken. Erhalten bleibt uns auch das heterogene
Temperaturniveau mit einem relativ milden Norden und Westen (Minima 18 bis 11°C,
lokal noch etwas darüber) und einem kälteren Südosten (teils unter 5°C). Dabei
ist aber nicht nur die horizontale Verteilung von Relevanz. Auch in der
Vertikalen können wegen der scharfen und tief liegenden Inversion zwischen
geschützter Mulden- und etwas höher gelegener Hanglage veritable Differenzen
auftreten.

Mittwoch... rückt der atlantische Trog infinitesimal dichter an den europäischen
Kontinent heran, wodurch die Höhenströmung bei uns geringfügig aufsteilt.
Darüber hinaus ändert sich aber noch nicht allzu viel. Das Zentrum des
inzwischen vereinigten Hochdruckgebietes befindet sich am Mittag mit 1035+X hPa
über Finnland, während Sturm-/Orkantief EVA in Richtung Island zieht. Dabei
beginnt sie sich nur ganz langsam aufzufüllen, so dass zum Datumswechsel noch
immer ein Kerndruck von unter 960 hPa zu Buche steht. Die zugehörige Kaltfront
macht wie der Trog auch etwas Boden nach Osten hin gut. Um 12 UTC dürfte sie den
größten Teil von UK/Irland hinter sich gelassen haben. Bedeutet, dass im ohnehin
wolkigen Westen die Bewölkung zum Abend hin weiter zunimmt und vielleicht
irgendwo die ersten präfrontalen Tröpfchen den Boden erreichen.

Ansonsten bietet der letzte Septembertag aber noch mal Spät-, oder wie der
Schweizer sagen würde Nachsommer par excellence, auch wenn sicherlich nicht von
überall "sky clear" gemeldet wird. Es bleibt dabei, die südliche Höhenströmung
lässt immer wieder hohe und mittelhohe Wolken über weite Teile der Republik
hinwegziehen mit der Faustformel, je weiter Richtung Südosten, desto weniger
davon. Und wie es sich für einen außerordentlichen Spätsommertag gehört, wartet
auch der morgige Mittwoch mit Temperaturen jenseits der 25°C-Marke auf (also
auch per definitionem ein Sommertag), im Westen und Südwesten lokal sogar wieder
in die Nähe der 30°C. Okay, es gibt auch Regionen, wo das Thermometer nicht ganz
so sportlich unterwegs ist. Die Rede ist vom Nordosten, der östlichen Mitte und
Teilen Bayerns, wo "nur 20 bis 25°C auf dem Zettel stehen (am kühlsten
Küstenabschnitte mit auflandigem Wind). Grund ist nicht mangelnde Einstrahlung,
sondern die Tatsache, dass aus dem Hoch in den untersten Schichten (noch
unterhalb von 850 hPa) eine etwas weniger warme Luftmasse ausfließt. Der
Südostwind, der das bewerkstelligt, lebt hin und wieder zwar leicht böig auf
(vor allem Richtung Meer und im Nordosten), bleibt aber deutlich unterhalb der
Warnschwellen. Auch im Erzgebirge sorgt die Tagesdurchmischung dafür, dass der
nächtliche, low-level-basierte Verstärkungseffekt getilgt wird und der Wind
wieder abnimmt.

In der Nacht zum Donnerstag wird es vorsichtig interessant, wenn nämlich Trog
und Kaltfront noch etwas dichter an den Vorhersageraum heranrücken. Zwar will
der komplette Übergriff noch immer nicht klappen, doch lasen sich mehr oder
weniger ausgeprägte präfrontale Zuckungen im Westen im Gegensatz zum Tage nicht
mehr negieren. Vor allem der Wasserdampfgehalt der vor der Front einfließenden
Warmluft macht einen deutlichen Satz nach oben auf z.T. um 40 mm PPW. Und da nun
auch die Hebungsimpulse zunehmen, kommt es etwa in einem vom westlichen NDS über
Rhein und Ruhr bis zum Oberrheingraben reichenden Korridor zu ersten
schauerartigen Regenfällen, die in Sachen Intensität wahrscheinlich aber noch
nicht die großen Funken sprühen lassen. Zumindest signalisieren die meisten
Modelle verhaltene Regenraten von meist unter 5 l/m² in der nächtlichen
Gesamtakkumulation. Dafür wird - staunen - das ein oder andere kurze Gewitter
feilgeboten, was angesichts einer abgehobenen Mischungsschicht und etwas MU-CAPE
auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist.

Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass es in der Osthälfte häufig gering
bewölkt oder klar und trocken bleibt bei geringer, aber nicht gänzlich fehlender
Nebelneigung. Die Spreizung der nächtlichen Tiefsttemperatur bleibt unvermindert
hoch mit einem vergleichsweise kühlen Südosten (Abkühlung stellenweise auf unter
5°C) und einem milden bis sehr milden Westen (19 bis 13°C).

Donnerstag... starten wir in den Oktober und frei nach dem Motto "neuer Monat,
neues Glück" tut sich was - endlich möchte man hinzufügen - in Sachen Regen.
Zwar entfernt sich die mittlerweile schwächelnde EVA (Mittagskerndruck "nur
noch" bei 970 hPa) immer weiter von uns, indem sie via Island die Irminger See
respektive die Dänemarkstraße ansteuert. Gleichwohl, die zugehörige Kaltfront
kommt trotz ihrer Neigung zum Schleifen weiter ostwärts voran. Gepusht wird sie
vor allem von einem Randtrog, der sich aus dem Hauptgebilde löst und nach
Benelux bzw. Nordfrankreich schwenkt.

Kurzum, die "Schönwetterzone" mit Sonne und Wärme wird peu a peu weiter nach
Osten gedrückt. So bleibt man zwischen Vorpommern und Oberbayern noch weitgehend
unbeeindruckt ob der Geschehnisse weiter westlich (abgesehen von den üblichen
präfrontalen hohen und teils mittelhohen Wolken) bei Tageshöchstwerten zwischen
21 und 26°C. Nach Westen hin nimmt die Bewölkung aber immer weiter zu und es
kommt zu gebietsweise durchaus veritablen, teils schauerartig verstärkten und
mit einzelnen Gewittern durchsetzten (oder vorgelagerten) Gewittern. Keine
Frage, die Vorhersage weist im Detail schon noch ein paar Fragezeichen auf was
z.B. die genaue zeit-räumliche Verteilung der Niederschläge inkl.
Intensitätsmaxima und -minima angeht. Wie stark schleift die Front, läuft an ihr
evtl. gar eine Welle ab, trocknet es im äußersten Westen/Nordwesten postfrontal
möglicherweise schon wieder ab - alles Fragen, die heute noch nicht final
beantwortet werden können.

ABER, die Chancen auf Regen nicht nur in homöopathischen Dosen, sondern
gebietsweise sogar im zweistelligen Bereich zwischen 10 und 20, örtlich
vielleicht sogar 30 l/m² innert 12 bis 24 Stunden stehen so gut wie schon lange
nicht mehr. Damit wird natürlich die z.T. katastrophal defizitäre
Niederschlagsbilanz nicht wirklich verbessert, aber bescheiden und demütig wie
wir Menschen sind (kleiner Scherz am Rande) sollten wir uns über jede Gabe der
Natur freuen. Zwar ist die Luft im Frontbereich alles andere als labil,
gleichwohl sind am warmen Rand des Regengebietes einzelne Gewitter mit
Starkregen ebenso möglich wie eingelagerte ungewittrige Starkregenschauer. Die
Temperatur kommt im Westen nur noch auf rund 20°C oder etwas darüber, was für
Anfang Oktober freilich noch immer sehr mild ist.

In der Nacht zum Freitag kommen die frontalen und konvektiv durchsetzen
Regenfälle noch etwas weiter nach Osten voran. Ob sie dabei in der
Oder-/Neißeregion zaghaft anklopfen, wie von ICON apostrophiert, oder eher etwas
defensiver unterwegs sind, ist noch offen. Wir dürfen nicht vergessen, dass von
Osten noch immer mächtig Blockade betrieben wird, was es der Front nicht einfach
macht, progressive Schlagzeilen zu schreiben. Ungeachtet dessen nehmen die
Hinweise zu, dass es ganz im Westen nicht nur abtrocknet, sondern zudem auch
auflockert. Fakt ist, dass der Spread der nächtlichen Tiefsttemperatur gegenüber
den Vornächten abnimmt. So werden in weiten Landesteilen 16 bis 10°C erwartet,
lediglich in den westlichen Mittelgebirgen (bei Aufklaren) sowie ganz im Osten
und Südosten sind noch einstellige Werte knapp unter 10°C denkbar.


Modellvergleich und -einschätzung
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Es ist alles geschrieben, sowohl das Klare als auch das Unklare.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann