Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Hochdruckwetter hält zunächst noch an, kommende Nacht gebietsweise nochmal
Frostgefahr. Nachfolgend wärmer, ab Samstag aus Nordwesten aber auch
unbeständiger mit ersten Schauern und Gewittern.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... geht ein sonniger, teilweise aber windiger Tag zu Ende, der die
Höchstwerte von oft 15 bis 20 Grad deutlich kühler hat anfühlen lassen. Es sind
die "Ausflüsse" des Hochs WINFRIED, die staubtrockene Kontinentalluft mit der
kräftigen Ostströmung in den Süden und Westen Deutschlands verfrachtet hat. Die
relative Feuchte lag heute Nachmittag vielerorts nur bei 20 bis 30%, ein Traum
für jeden mit einem großen Wäscheberg zum Trocknen mitsamt Handtüchern, Gardinen
und Bettwäsche. Der gute WINDFRIED erstreckt sich von Nordwest nach Südost vom
Skagerrak über Norddeutschland und Polen hinweg bis zum Balkan. Im Verbund mit
einer flachen Tiefdruckrinne über Zentralfrankreich kommt es zu dieser leicht
ruppigen Bisenlage, wobei die Böigkeit vielerorts in den Abendstunden immer mehr
nachlässt. Windig, exponiert stürmisch bleibt es längere Zeit vor allem noch auf
den Gipfeln des Schwarzwalds.
Gestützt wird das Hoch durch eine kräftige Antizyklone über der Nordsee, die im
Westen etwas unorganisiert von mehreren kleinen Höhentiefs (Raum Bordeaux,
unweit der Azoren sowie südwestlich von Irland), im Osten von einem massiven
Höhentrog über Osteuropa bis zur Adria reichend, flankiert wird. Somit ergibt
sich ein stabiles Omegamuster.
An der Ostflanke des Hochs wurde die Kaltluftzufuhr längst gekappt und über die
Ostsee gelangt mildere, aber nur unwesentlich feuchtere Luft in den Osten
Deutschlands. Dort, wo es tagsüber einzelne flache Quellwolken gab, ist
innerhalb der windschwachen Divergenzachse örtlich ein flaches Nebelfeld nicht
ganz ausgeschlossen. Nennenswerte Beiträge an WLA verbleiben weiter östlich auf
polnischer Seite.
Meist verläuft die Nacht also landesweit sternenklar. Während die unfassbar
tiefen Taupunkte (für die Vegetation glücklicherweise) ihr volles Potential bei
-5 bis -10 Grad aktuell im Süden und Westen aufgrund des zwar nachlassenden,
aber noch leichten bis mäßigen Ostwinds nicht voll entfalten können bei Tmin von
8 bis 2 Grad, herrscht vor allem am Alpenrand, von der Lüneburger Heide bis in
die Lausitz sowie in Tallagen der östlichen Mittelgebirge nochmals erhöhte
Frostgefahr. Der Höhepunkt mit -5 Grad und tiefer wie in der vergangenen Nacht
(Sohland/Spree, Dippoldiswalde) ist aber überschritten. Meist spielt es sich
zwischen 0 und -2 Grad ab.
Freitag ... steht einem sonnigen und im Westen nun auch sommerlich warmen
Maifeiertag nichts im Wege. Der Trogvorstoß über dem Nordmeer setzt sich fort,
gleichzeitig nähert sich der Höhentiefkomplex über dem Ostatlantik tendenziell
dem Festland bzw. den Britischen Inseln an, während der Osteuropatrog
quasistationär bleibt. Insgesamt verschiebt sich der Omega-Block dadurch ein
wenig nach Osten und beginnt leicht zu kippen; die Höhenantizyklone wird
abgebaut und weicht einem breiten Rücken, dessen Schwerpunkt sich aber nach wie
vor ziemlich genau über dem Vorhersagegebiet befindet. Unser Bodenhoch
"WINFRIED" nimmt nun eine zunehmend meridionale Ausrichtung an, dessen
Divergenzachse kommt tendenziell ein wenig nach Osten voran, was über dem
Vorhersagegebiet den Weg frei macht für niedertroposphärisch wärmere Luft von
Süden her.
Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa in der Westhälfte verbreitet auf
etwa 10 Grad, im Südosten/Osten auf 6 bis 9 Grad. Bodennah dauert
die Advektion trockener Festlandsluft weiter an, wobei die PPWs und die
Taupunkte mit Winddrehung auf Südost bis Ost doch schon ein klein wenig
ansteigen (PPW: 8 bis 13 mm).
Somit scheint nahezu landesweit die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel.
Mit der beginnenden Advektion wärmerer Luftmassen aus Südosteuropa wird es nun
teilweise deutlich wärmer als am Vortag; entlang und westlich des Rheins, im
Münsterland und im Weser-Ems-Gebiet reicht es recht verbreitet für den (dort)
ersten Sommertag des Jahres, am Niederrhein
werden Höchstwerte nahe 27 Grad erreicht. Auch sonst werden die 20 Grad
verbreitet überschritten, lediglich in mittleren Höhenlagen sowie an den Küsten
bleibt es teilweise etwas frischer. Der Wind frischt mit dem Tagesgang vor allem
im Südwesten und Westen böig aus Südost auf. In höheren Lagen kann es durchaus
noch einmal für steife Böen reichen, ehe er spätnachmittags/abends rasch wieder
abnimmt. Für die Ausgabe einer Warnung wird das voraussichtlich nicht - da zu
vereinzelt reichen.
In der Nacht zum Samstag kann sich das Höhentiefkonglomerat über dem nahen
Ostatlantik besser organisieren und greift Samstagfrüh als Randtrog auf Irland
bzw. auf den Nordwesten der Iberischen Halbinsel über. Unser Höhenrücken wird
dadurch weiter abgebaut und etwas nach Ostsüdosten gedrückt, bleibt aber robust
und dessen Achse reicht morgens vom westlichen Mittelmeerraum über den Süden und
Osten des Vorhersagegebietes bis zur südlichen Ostsee. Somit dreht die
Höhenströmung über West- und Nordwestdeutschland langsam auf Südwest, ein
erster, flacher kurzwelliger Troganteil verlagert sich nachts von
Zentralfrankreich zu den Niederlanden.
Unser Bodenhoch hat sich mit seinem Schwerpunkt derweil nach Südosteuropa
zurückgezogen, bleibt aber für den Großteil des Landes mit bodennah trockenen
Luftmassen wetterbestimmend. Lediglich in den Westen gelangt vorderseitig einer
schwachen Kaltfront, die im Laufe der Nacht von den Britischen Inseln auf die
Nordsee übergreift, etwas feuchtere und wolkenreichere Luft, es bleibt aber, mit
Ausnahme von schwachen Schauern bzw. einigen Regentropfen an der Grenze zu
Belgien bzw. zu den Niederlanden, noch trocken.
Ansonsten ist der Himmel erneut allgemein klar. Die Nacht fällt noch etwas
milder aus als die Vornacht, eventuell reicht es in der Lausitz, in den
Erzgebirgstälern sowie an den Alpen nochmals in ungünstigen Lagen für Werte nahe
0 Grad. Im Westen und Nordwesten bleibt die Nacht dagegen mit Minima zwischen 13
und 8 Grad schon recht mild.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... allmähliche Umstellung der Großwetterlage und im Westen und
Nordwesten im Tagesverlauf erste Schauer und Gewitter. Angesichts noch
vergleichsweise moderater Luftmasseneigenschaften und limitierter(m)
Scherung/Antrieb mehrheitlich markant, nicht unwetterartig. Von der Ostsee bis
zum Bodensee und den Alpen außer ein paar hohen Wolkenfeldern im Tagesverlauf
weiterhin sonnig und trocken. Dazu landesweit sommerlich warm bei 25 bis 29
Grad, ganz im Nordwesten eventuell etwas kühler.
Dabei mit den 12 UTC Läufen keine nennenswerten Änderungen gegenüber der
Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Bis einschließlich Samstag fahren die Modelle einen einheitlichen Kurs. Ab der
Nacht zum Sonntag werden die Differenzen allmählich größer, insbesondere, was
die schleifende Front über Nordwestdeutschland bzw. die südliche Nordsee sowie
die präfrontalen Konvektionsschwerpunkte angeht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen