Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 16.10.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Ab der Nacht an der Nordsee exponiert einzelne stürmische Böen, morgen
Nachmittag vorübergehende abnehmender Wind. Ab dem Abend an der Küste wieder
Windzunahme und allgemein Böen Bft 7 bis 9. Sonntagabend wieder Windabnahme.
Nachts im nördlichen Niedersachsen, im Hamburger Raum und im südlichen Holstein
Starkregen über 20 l/qm in mehreren Stunden nicht ausgeschlossen.
Im Südwesten von morgen früh bis zum späten Sonntagabend örtlich Dauerregen mit
Regenmengen zwischen 35 und 50 l/qm.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... In der Nacht zum Samstag nähert sich ein vom Nordmeer ausgehender
Trog über der Nordsee von Nordwesten weiter an. Seine Achse erreicht gegen
Morgen Holland. Die bisher wetterbestimmende Geopotentialbrücke wird etwas nach
Osten gedrückt, dort aber von dem hochreichenden Tief blockiert, so dass sie
immer schmaler wird und abgebaut wird. Auf der Vorderseite des Troges schwenkt
eine Bodentiefdruckrinne südostwärts und erreicht gegen Morgen eine Linie
Usedom-Bodensee. Das in ihr liegende Wellentief Irima zieht mit der Rinne
ostwärts über Norddeutschland hinweg.

Während im Vorfeld der Rinne der Wind weiter schwach aus Süd weht, frischt er
auf der Rückseite aus Nordwest bis Nord deutlich auf. In der gesamten West- und
Nordwesthälfte wird es dabei ziemlich windig. Im Binnenland beschränken sich
allerdings einzelne Böen der Beaufort 7 auf Hoch- und Kammlagen der
Mittelgebirge. Alles in allem müssen dort wohl keine Warnungen ausgegeben
werden. An der Nordsee gibt es jedoch zunehmend verbreitet steife Böen aus Nord,
in den auflandigen Küstenbereichen Ostfriesland auch stürmische Böen. Auch an
der Ostsee kommen von West nach Ost einzelne steife Böen auf.

Mit der Kaltfront ziehen auch die frontalen Regenfälle südostwärts bis auf eine
Linie Vorpommern-Pfälzer Wald. Meist fallen nur wenige Millimeter, regional
können aber im Norden auch mal 5 bis 15 l/qm zusammenkommen und über 20 l/qm
sind im nördlichen Niedersachsen, im Hamburger Raum und im südlichen Holstein
nicht ganz ausgeschlossen. Rückseitig der Front setzt ganz im Nordwesten bei
allmählichem Übergreifen des Troges Labilisierung ein, so dass es von der
Nordsee her auch zu ersten Schauern kommt.
Präfrontal können im Bereich Schwarzwald/Alb durch die trogvorderseitige Hebung
in der feuchteren Luft Schauer ausgelöst werden.

Im Südosten des Landes, auf der Vorderseite von Front und Rinne, ziehen zunächst
nur hohe und mittelhohe Wolkenfelder über den Himmel. Dort ist die Ausstrahlung
noch einmal stark genug, dass sich gebietsweise dichtere Nebel- und
Hochnebelfelder bilden können.

Dort geht die Temperatur noch einmal auf 7 bis 3°C zurück. In den übrigen
Regionen sind es dagegen meist 12 bis 7°C.

Samstag ... kommt der Trog nur noch langsam südostwärts voran. Dagegen weitet
sich ein neuer Rücken über Schottland ins Nordmeer aus. Damit kommt es zum
Abschnüren eines Kaltlufttropfens über dem Nordwesten Deutschlands. Im Bereich
der Deutschen Bucht kommt es dabei zu einer weiteren Labilisierung der
Schichtung.

Die bodennahe Tiefdruckrinne schwenkt recht rasch nach Südosten weiter, so dass
der mäßige, bisweilen frische Wind überall auf Nordwest bis Nord dreht. Die
Kaltfront muss aber zunehmend am hinteren Rand dieser Tiefdruckrinne analysiert
werden, die Regenfälle wiederum auf deren kalter Seite, so dass das Regengebiet
immer weiter hinter der Tiefdruckrinne liegt. Es zieht am Nachmittag aber
immerhin bis zur Lausitz und ins Alpenvorland, wobei es insbesondere im
südlichen Baden-Württemberg zu einigen Verstärkungen kommen kann. Meist fallen
bis zum Abend nur 2 bis 5 l/qm Regen, im Süden Baden-Württembergs können es aber
auch 10 bis 20 l/qm sein, am Hochrhein vereinzelt auch mehr (ICON-D2).

Auf der Rückseite der Front kommt es im Bereich des Troges und abtropfenden
Höhentiefs in der labilen Luftmasse zu Schauern, bisweilen im Nordseeumfeld auch
zu einzelnen Gewittern. Nicht ganz ausgeschlossen ist, dass auch im
nordwestlichen Binnenland bis nach NRW kurze Gewitter auftreten. Markante
Begleiterscheinungen sind nicht zu erwarten. Zwischen den Schauern kann im
Nordwesten, ab Mittag auch im Westen, auch ab und zu die Sonne herauskommen.
Auch auf der Vorderseite der Front, vor allem an den Alpen, kann es auch noch
etwas Sonne geben.

Die Temperaturen bekommen einen gewaltigen Dämpfer: Die Höchstwerte liegen nur
noch zwischen 13 und 16°C und damit eher in einer jahreszeitgemäßen Spanne.
Lediglich in Südostbayern sind 17 oder 18 °C möglich.

Der oben schon angesprochene Wind kann vor allem in den höheren Berglagen
einzelne steife Böen bringen, auch an der Nordsee reicht es zu steifen Böen aus
Nord, allerdings mit leicht abnehmender Tendenz im Laufe des Tages.

Spannend wird es am Abend: Kräftige Hebung an einem Kurzwellentrog, der auf der
Vorderseite des abgetropften Höhentiefs/Kaltlufttropen nordwärts zieht, lässt in
der Tiefdruckrinne östlich unseres Landes ein kleines Bodentief entstehen, das
sich wieder westwärts bewegt und am späten Abend im Bereich der Odermündung
(ICON-D2) liegen könnte. Dieses Tief sorgt für Gradientverschärfung und damit an
sämtlichen Küstenabschnitten (aber vor allem an der Ostsee) wieder für
auflebenden Wind, der Richtung Nordost dreht. Zudem verstärken sich auch die
Regenfälle über und an der Ostsee.

In der Nacht zum Sonntag zieht der abgetropfte Kaltlufttropfen südwestwärts
Richtung Belgien und Frankreich, das Trogresiduum (aus dem Abtropfprozess) ganz
im Norden schwenkt ostwärts über Finnland hinweg.
Für uns in Deutschland ist das kleine Tief relevant, das nach unseren Modellen
ins Grenzgebiet Mecklenburg/Holstein ziehen soll ähnlich wie UK10.
Bei GFS und Arome wandert das Tief schneller nach Westen in den Raum
Ostfriesland. Während an der Südflanke des Tiefs der Gradient schwach ist, gibt
es an der Nordflanke einen starken Gradienten, was auch dadurch zu Stande kommt,
dass Rücken und Hoch sich in Nordeuropa immer weiter ostwärts ausweiten. Über
der Nordsee kommt es dann zu steifen bis stürmischen Böen aus Nordost, über der
Ostsee sogar zu Sturmböen. Ob sogar schweren Sturmböen an der Ostsee auftreten,
ist noch nicht sicher abschätzbar. Derzeit gibt es dafür nur geringe
Wahrscheinlichkeiten. In den übrigen Landesteilen spielt der Wind dagegen meist
keine große Rolle mehr.

Mit dem kleinen Tief kann es entlang der Ostseeküste und im östlichen
Schleswig-Holstein zu kräftigen schauerartigen Regenfällen kommen, wobei bis zu
20 l/qm in 6 Stunden fallen können, nach Arome sogar über 30 l/qm. Ggf. muss im
Osten Schleswig-Holsteins oder in Mecklenburg an eine Starkregenwarnung gedacht
werden, wenn sich dies bestätigt. Auch im Südwesten regnet es kräftig weiter im
Bereich der schleifenden Front, wobei dort meist zwischen 5 und 15 l/qm
innerhalb von 12 Stunden fallen können.

In den übrigen Landesteilen fällt nur wenig oder kein Regen. Allerdings verläuft
die Nacht überwiegend bewölkt, teils mit hochreichender Bewölkung, teils mit
Nebel und Hochnebel. Die Chancen für zumindest anfangs klaren Himmel sind im
nördlichen Mittelgebirgsraum und im Westen am größten zwischen der schleifenden
Front im Süden und dem Tief im Norden. Die Temperaturen gehen auf 10 bis 2°C
zurück mit den tiefsten Werten im erwähnten Mittelgebirgsraum durch dort
fehlende Wolken.

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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC

Sonntag ... Die Aussagen vom Frühbericht haben weiter Bestand. Mit Abzug des
kleinen Bodentiefs in den Bereich Ärmelkanal (einige Modelle lassen es auch in
einen Bodentrog aufgehen (bzw. abschwächen) werden die Regenfälle im Norden
schwächer, so dass keine Regenwarnungen mehr nötig sind. Im Südwesten schleift
aber weiterhin die Front oder Frontreste im Randbereich des Höhentiefs, das
modellübergreifend bis Tagesende nach Nordfrankreich oder an die
nordfranzösische Küste zieht. Nach IFS sollen abermals im Raum Schwarzwald 10
bis knapp über 25 l/qm in 12 Stunden Regen fallen und danach soll der Regen in
der Nacht zum Montag nur zögernd schwächer werden. ICON-EU lässt es
hauptsächlich in den Vogesen regnen mit ähnlichen Mengen, die Lösung von UK10
liegt dazwischen. Die anderen Modelle simulieren deutlich weniger. Nur nach IFS
wäre eine Verlängerung der Dauerregenwarnung im Bereich des Möglichen (bis
Montag, 06 Uhr).
Mit dem Abzug des kleinen Tiefs schwächt sich an der Küste der Gradient ab, so
dass ab dem Abend wahrscheinlich nur noch eine gelbe Warnung für exponierte
Küstenabschnitte nötig ist.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die wichtigsten Unterschiede der Modelle wurden oben diskutiert.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden