Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Abgesehen vom Norden allgemein, besonderes aber im Südosten lokal kräftige
Gewitter mit Unwetterpotential durch teils extrem heftigen Starkregen und
größere Hagelansammlungen sowie Orkanböen, nachts nachlassend. Am Mittwoch am
Oberrhein schwül-heiß und hohe Wärmebelastung und im Süden starke Gewitter mit
Unwetterpotential durch größeren Hagel und Hagelansammlungen, orkanartige Böen
und heftigen Starkregen.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... stehen sich im Geopotentialfeld vier Druckgebilde gegenüber, eine
Höhenhoch über dem südlichen Nordmeer etwa im Bereich der Färöer-Inseln sowie
ein weiteres Höhenhoch über dem nördlichen Algerien. Die beiden als Gegenspieler
fungierenden Höhentiefs drehen sich westlich der Biskaya sowie an der
deutsch-polnischen Grenze im Bereich der Oder. Der Bereich des bei dieser
Positionierung der Geopotentialgebilde unweigerlich zu erwartenden Sattelpunktes
befindet sich etwa über dem Ärmelkanal. Dort ist für die kommenden Stunden aber
Geopotentialfall zu erwarten. Zuzuschreiben ist dies einem weiteren, aktuell
noch sehr schwachen, sich aber etwas intensivierenden Höhentief, welches in der
Nacht über Dänemark und Ostfriesland hinweg an den Niederrhein zieht. Zusammen
mit dem nur sehr zögerlich nach Süden vorankommenden deutsch-polnischen
Höhentief bildet es einen Dipol, der die Nordhälfte Deutschlands in die Zange
nimmt. Dabei bilden beide auch den Schwerpunkt eines Troges, der von Ost nach
West über der Nordhälfte unseres Landes liegt. Schon hier sei darauf
hingewiesen, dass die genaue Positionierung der Protagonisten nicht trivial ist,
schon zwischen den 06 UTC Läufen von ICON und ICON-EU gibt es deutliche
Unterschiede, ICON stellt das Gesamtsystem dabei etwas weiter östlich auf als
dies bei ICON-EU der Fall ist.
Wie dem auch sei, nördlich der Trogachse, die die Höhentiefs verbindet, sickert
in den Norden trockenere und stabiler geschichtete Luft ein bzw. der Bereich, in
dem die entsprechende Luftmasse dominiert, wird im Laufe der Nacht größer. In
der Folge soll es bis zum Morgen nördlich einer Linie Berlin - Münster trocken
bleiben, was nicht nur ICON, sondern auch externe Modelle (z. B. UK10, IFS, GFS)
so sehen.
Südlich der genannten Linie kann es auch in der Nacht zu kräftigen, lokal auch
zu sehr kräftigen Gewitterentwicklungen kommen. Das Problem: Die
unterschiedlichen Modelle sehen für die Niederschläge verschiedene Trigger in
unterschiedlicher Intensität an unterschiedlichen Orten. Sicher ist, dass in der
Nacht ein kurzwelliger Troganteil von Belgien kommend über die Südhälfte
Deutschlands hinwegschwenkt und zum Morgen Niederösterreich und das Böhmische
Becken erreicht. Rückseitig des Kurzwellentroges soll die Höhenströmung
durchglätten, was dann, zumindest aus der Höhe, ein Nachlassen der
Hebungsimpulse bedeutet. Im Bodendruckfeld stehen einem klar ausgeformten Tief
westlich der Biskaya und einem ebenso klar ausgeformten Hoch über dem südlichen
Nordsee eine gradientschwache Sumpflage insbesondere über der Südhälfte
Deutschlands gegenüber. In dieser simulieren die Modelle sehr individuell
konvergente Zonen, die niedertroposphärische Hebungsantriebe liefern. Last but
not least reagiert ICON-EU stark auf die Anwesenheit des deutsch-polnischen
Höhentiefs und simuliert sehr kräftige konvektive Niederschläge in
Mitteldeutschland, eine Lösung, von der ICON-D2 aber nichts wissen will (jeweils
deterministische Läufe). Mit anderen Worten: Der Versuch, die
Niederschlagsschwerpunkte für die Nacht herauszuarbeiten gleicht dem Versuch
einen Pudding an die Wand zu nageln. Grobe Tendenz: Bayern ist am stärksten
betroffen, mit Abstrichen Mitteldeutschland und BaWü, nur noch wenig tut sich in
Hessen, RLP und dem Saarland. Grundsätzlich sollte die Intensität abnehmen, und
auch ungewittrige Cluster sind denkbar. Dennoch ist das Potential für heftigen
Starkregen ebenso weiterhin vorhanden wie das für größeren Hagel und Sturmböen.
In den Ballungsräumen im Süden und Südwesten des Landes kann es bei vielen
Wolken und keinem "Gewittervolltreffer" erneut für eine Tropennacht reichen.
Ansonsten werden am Morgen meist 18 bis 13 Grad gemessen, in Vorpommern teils
nur 10 Grad.
Mittwoch ... startet der Tag mit dem dipolartigen Höhentief, wobei das westliche
Zentrum über dem Niederrhein sich rasch abschwächt, es aber dennoch schafft, als
Sekundärtrog in Richtung Süddeutschland zu schwenken. Je nach Lesart kann man in
die Entwicklung auch hereininterpretieren, dass die beiden Kerne zu einem
Gesamtkern über der Mitte Deutschlands verschmelzen. Auf jeden Fall wird die am
Südrand des Höhentiefs befindliche potentiell feuchteste und instabilste
Luftmasse etwas nach Süden verschoben. Die Grenze (PPWs über 25 mm) dürfte etwa
entlang von Main und Mosel liegen, nördlich davon ist die Luftmasse trockener
und es sollten - wenn überhaupt - nur sehr vereinzelt kurze Schauer oder
Gewitter auftreten.
Natürlich ist auf der Südflanke erst einmal maßgebend, wieviel Konvektion aus
der Nacht heraus noch übrig ist beziehungsweise wieviel sich mit neuerlicher
Annäherung des Sekundärtroges aus Westen in den Frühstunden (abgehoben) neu
formieren kann. Vor allem über Baden-Württemberg und Oberbayern gibt es in der
Numerik (z. B. ICON-D2 und ICON-EU) Signale dafür. Es stellt sich umgekehrt aber
auch die Frage, wieviel Energie durch eventuelle Entwicklungen in der Nacht
schon abgebaut wurde.
Nach dem üblichen vormittäglichen Konvektionsminimum lebt die Aktivität dann in
den Nachmittagsstunden erneut auf. Die Luftmasseneigenschaften sind ohne
-wechsel ähnlich zum Vortag (PPWs 30 bis 40 mm, CAPE 1000 bis 1500 J/kg) der
Bereich, in dem die genannten Werte anzutreffen sind, wird aber peu à peu
kleiner, nachmittags erstreckt er sich von der Pfalz und dem Schwarzwald bis
nach Niederbayern. Dafür sind die Scherungsbedingungen aber passabel (im
Gegensatz zum Vortag) und durchaus eine Größenordnung höher mit vielfach
verbreitet 20 bis 30 m/s zwischen 0 und 6 km.
Die bodennahe Schicht mit östlichen Winden im Bereich der Rinne wird flacher,
vom Durchgang einer Druckwelle und Drehung auf West bis Nordwest sind wir aber
im Süden morgen weit entfernt. Damit nimmt morgen im Süden auch die Gefahr von
Großhagel und Böen bis Bft 11/12 (orkanartige Böen oder Orkanböen) deutlich zu
(was ICON-D2 auch deterministisch mit Bft 11, probabilistisch dagegen aber kaum
untermauert). Je nach Entwicklung der weiteren Läufe könnte eine Vorabinfo für
morgen im Süden angebracht sein.
Weiter nördlich kann das Höhentief mit der Luftmasse nicht mehr ganz so gut
interagieren, dort sind die Trockeneinschübe größer. Mithilfe der Orographie mag
es vereinzelte Überentwicklungen geben, meist verläuft der Tag dort aber bei nur
lockerer Quellbewölkung heiter und trocken bei einem zeitweise böig
auffrischenden Nordostwind. Die einzige Ausnahme ist der äußerste Osten,
insbesondere an der Neiße und von dort bis zum Oderbruch: Dort wird um das
Höhentief wieder feuchte Luft herumgeholt, die für einzelne Schauer und Gewitter
gut sein könnte.
Für 30 Grad und mehr reicht es gebietsweise noch in der Westhälfte des Landes,
meist werden es 25 bis 29 Grad - im Süden bei drückender Schwüle.
In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich das Höhentief kaum, ein
Dipolcharakter lässt sich eher aus der 500-hPa-Temperatur als aus den Isohypsen
ableiten. Auf der Ostflanke wird von Südosten feuchte (hochreichend gesättigte)
und auch leidlich instabil geschichtete Luft angesaugt. Diese Luftmasse wird im
Laufe der Nacht voraussichtlich in den Nordosten gesteuert, wobei bei der
räumlichen Ausbreitung, Intensität und Gewitteraktivität noch größere
Unsicherheiten vorhanden sind. Stand jetzt ist in Teilen Brandenburgs
mehrstündiger, teils gewittriger Starkregen nicht ausgeschlossen (ICON-D2-EPS um
10% für mehr als 20 mm/6h, ICON.EU und IFS bis 10% für mehr als 25m mm/12h).
Im Süden sind unterdessen noch weitere Gewitter (teils Unwetter) unterwegs, die
sich aber immer mehr zu den Alpen zurückziehen und spätestens nach Mitternacht
auch deutlich abschwächen, teils auch verclustern.
Sonst ist es oft nur locker bewölkt und meist trocken bei angenehmen 18 bis 10
Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... und in der Nacht zum Freitag wandert das Höhentief zur Nordsee,
Deutschland gelangt so wieder mehr auf die Vorderseite eines westeuropäischen
Langwellentroges. Von Südwesten steigen die Temperaturen und auch die Feuchte
an, entsprechend nimmt auch das Gewitterrisiko zu.
Details gibt es in der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die großräumigen Abläufe simulieren die Modelle ähnlich. Der Teufel steckt aber
wie so oft im Detail (genaue Lage der Kerne des Höhentiefs, exakte
Strömungskonfiguration in der Höhe, Lage eventueller bodennaher Konvergenzen).
Diese Unterschiede führen letztendlich zu teils deutlichen Unterschieden in den
prognostizierten Wetterabläufen. Die entsprechenden Unterschiede wurden
teilweise im Text angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas