Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 08.02.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
SEa

Im Nordosten noch etwas Schnee, von Schleswig-Holstein und der Nordsee bis nach
Sachsen auch Schneeregen oder etwas gefrierender Regen mit entsprechender (meist
nur sehr moderater) Glätte. Im Tagesverlauf insgesamt nachlassende
Niederschläge.

Am Dienstag anfangs im Südwesten, später unter Abschwächung in der Mitte
gefrierender Regen nicht ausgeschlossen, im Verlauf der Nacht zum Mittwoch dann
den Nordosten erreichend. Im Südwesten eventuell Dauerregen und Tauwetter sowie
Sturmböen in den Hochlagen (alles noch unsicher).




Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... präsentieren sich das Druck- wie auch das Geopotentialfeld über
Deutschland wenig aufregend. Der westeuropäische Langwellentrog, der nach Süden
bis zur Iberischen Halbinsel und nach Nordafrika ausgreift und dort immer noch
verbreitet für beachtliche Niederschläge sorgt, macht noch keine Anstalten, auf
das europäische Festland überzugreifen. Und so sind es nur ein flacher Rücken,
der im 500 hPa-Niveau mit seiner 544 gpdm-Isohypse vom westlichen Mittelmeer im
äußersten Süden Deutschlands vorbeischaut und ein Randtrog über Osteuropa, der
(mit der 540er Isohypse) an der deutsch-polnischen Grenze anklopft, die einzigen
nennenswerten Geopotentialgebilde in den heutigen Frühstunden. Der Rücken kann
sich im Tagesverlauf immerhin etwas aufwölben und den Südwesten Deutschlands
überdecken, zusammen mit einem Höhenhoch über Südskandinavien bildet er dann ein
doch recht großräumiges Geopotentialmaximum, was allerdings die
Geopotentialgegensätze über Deutschland nicht vergrößert. Der polnische
Kurzwellentrog wird im Zuge dieser Entwicklungen abgebaut und zieht sich in der
Folge etwas weiter nach Ostmitteleuropa zurück.

In der bodennahen Strömungskonfiguration bleibt die über Europa weit nach Süden
verschobene Frontalzone erhalten. Das bedeutet tiefen Luftdruck über weiten
Teilen des Mittelmeeres mit mehreren, zumeist flachen Tiefkernen und tiefen
Luftdruck über dem Nordatlantik, korrespondierend mit dem Langwellentrog über
Westeuropa, aber auch mit tiefem Geopotential über dem gesamten Nordatlantik,
wobei das steuernde Zentraltief auf dem zentralen Nordatlantik zu finden ist und
sich im Tagesverlauf nur zögerlich nach Westen bewegt. Den beschriebenen
Tiefdruckgebieten steht eine kräftige Hochdruckzone über Nordosteuropa
gegenüber. Dieses lässt weiterhin bodennah bzw. insgesamt niedertroposphärisch
osteuropäische Kaltluft in die Nordosthälfte Deutschlands einsickern. Dort
liegen die 850er Temperaturen folglich in einer Spanne von 0 bis -3 Grad mit
leicht zurückgehender Tendenz, am Abend sollen es in Vorpommern sogar schon
wieder um -4 Grad sein. Dem steht eine in 850 hPa mit positiven Temperaturen
"gesegnete" Südwesthälfte gegenüber, 0 bis 2 Grad sind zwar auch nicht üppig,
aber immerhin ist der Südwesten so temperaturtechnisch in der Vorhand. In der
Kaltluft kommt es anfangs vor allem von Brandenburg bis nach Ostsachsen zu etwas
Schneefall. Etwas weiter westlich, etwa auf einer Linie Schleswig-Holstein -
Westsachsen, liegt noch immer eine sich weiter abschwächende Okklusion, die von
der Kaltluft sehr zögerlich nach Westen geschoben wird. In die Analysekarten hat
es die Okklusion in der Nacht aufgrund ihrer akuten Schwächesymptome nicht mehr
geschafft, gleichwohl produziert sie noch etwas Schnee auf ihrer kalten und
Regen auf der warmen Seite. Dazwischen ist auch Schneeregen und gefrierender
Regen mit von der Partie, bei sehr moderaten Niederschlagsraten sollten gelbe
Glättewarnungen aber reichen, eventuell ist kurzzeitig und lokal auch mal
markant nötig, das wird im Laufe des Tages bei weiterer Abschwächung aber immer
unwahrscheinlicher. Etwas Schnee könnte es auch im Ostseeküstenumfeld geben.
Sonst bleibt es trocken, wenn man mal von Nebelnässen absieht. Das allerdings
hat wiederum eine recht bemerkenswerte Verbreitung, bleibt es doch sehr
verbreitet neblig oder zumindest hochnebelartig bedeckt - und könnte bei im
Tagesverlauf länger frostigen Temperaturen auch gefrieren und somit für etwas
Glätte sorgen. Die größten Chancen auf Sonne bietet ein Streifen vom Westen über
den Südwesten bis an die Alpen (dort wohl am meisten Sonne), eventuell kann es
auch in der einen oder anderen Leelage mal freundlicher werden (z. B. Ostbayern,
zentrale Mittelgebirge). Die Temperaturen schaffen es dabei im äußersten
Nordosten nur mit Mühe und Not über die 0-Grad-Marke, im äußersten Westen werden
es mit Sonnenunterstützung bis zu 10 Grad. Die mauen Druckgegensätze lassen auch
den Wind insgesamt eher schwach rüberkommen. Einzig die Küstengebiete können mit
ageostrophischer Unterstützung böige auffrischenden Wind bieten, allerdings wohl
ohne dass dies eine Warnung nach sich ziehen würde.

In der Nacht zum Montag ändert sich an der Gesamtkonstellation nur wenig. Das
Nordosteuropäische Hochdruckgebiet zieht etwas nach Süden in Richtung Belarus
und Ukraine, und auch das zugehörige Höhenhoch verlagert sich in Richtung
Baltikum. Der langgestreckte Tiefkomplex vom Nordatlantik bis in den
Mittelmeerraum bleibt uns weiter erhalten. Die einsickernde Kaltluft kommt etwas
nach Südwesten voran, so dass ausgangs der Nacht die 850er Temperaturen wohl
auch in Ostbayern, an Werra und Fulda sowie in Ostfriesland unter 0 Grad liegen.
Gleichwohl (oder deswegen) bleibt es vom Emsland bis zu Pfalz - zumindest in
tieferen und mittleren Lagen - ebenso wie in den tieferen Lagen des Südwestens
und Südens frostfrei bei 3 bis 0 Grad, in den übrigen Gebieten werden 0 bis -3
Grad angepeilt. Von der Ostsee bis zu den Alpen kann man sich hier und da,
zumindest wenn man es winterlich mag, über etwas Schnee oder Schneegriesel in
insgesamt aber nur homöopathischen Dosen freuen. Damit reicht dort eine gelbe
Glättewarnung ebenso aus wie in den übrigen Landesteilen, in denen bei erneut
teils dichtem Nebel Reif ein Thema ist. Größere Wolkenlücken sind allenfalls im
Westen, Südwesten und in Alpennähe denkbar. Im Süden und der Mitte ist der Wind
schwach, im Norden immerhin mäßig, er dreht durch die Verlagerung des Hochs im
Norden etwas auf Südost und die Wahrscheinlichkeit für warnwürdige Böen nähert
sich beängstigend schnell der Null-Prozent-Marke.


Montag... setzen das Hoch und das Höhenhoch über Osteuropa ihre Reise fort und
erreichen die Ukraine (Bodenhoch) und die polnisch-belarussische Grenze
(Höhenhoch). Von Westen her kann der westeuropäische Langwellentrog Boden nach
Osten gutmachen. Seine Achse ist am Abend am Ostausgang des Ärmelkanals zu
finden. Auf seiner Vorderseite nimmt das Geopotentialfeld ein indifferentes,
leicht mäanderndes Muster an mit kurzwelligen Trog-Rücken-Mustern über
Mitteleuropa. Somit besteht zumindest zeitweise ein gewisses, aber doch sehr
limitiertes Hebungspotential. Von der Ostsee bis nach Mitteldeutschland könnte
dies wieder für etwas Schneegriesel sorgen - schön anzuschauen, aber kein Grund
zur Sorge. Rund ums böhmische Becken zeigt sich eine recht markante Inversion um
800/850 hPa, die das Hebungspotential nochmals limitieren sollte. Insofern
erscheinen die von ICON-D2 dort doch recht verbreitet angebotenen Pseuodsynops
für gefrierenden Regen etwas übertrieben - und selbst die enge Verwandtschaft in
Form von ICON-EU geht diesen Weg nicht mit. Damit sind die denkbaren
Niederschlagsereignisse aber auch schon erschöpfend beschrieben. Der Rest des
Landes bleibt trocken, wenn man von Nebelnässen absieht, denn wieder löst sich
der Nebel aus der Nacht heraus zumindest gebietsweise nur zögernd auf oder tritt
eine nachfolgende Karriere als Hochnebel an. Fairer Weise muss man aber
konstatieren, dass die Sonnenanteile im Südwesten zunehmen, auch die Leelagen
(Erzgebirge, Bayrischer Wald, vor allem aber wieder die Alpen) bekommen wohl
mehr Sonne als am Sonntag. Im Westen könnten jedoch schon wieder erste hohe und
mittelhohe Wolkenfelder des Westeuropatiefs den Sonnengenuss trüben. Die
Temperaturverteilung in 850 hPa entspricht etwa der der Nacht - vom Nordwesten
über den Westen und Südwesten bis in den Süden Werte knapp über 0 Grad, sonst
Werte knapp unter 0 Grad (dänische Grenze bis -5 Grad). Damit kann es im
Nordosten, insbesondere in Vorpommern, tagsüber im Einheitsgrau dauerfrostig
bleiben. Sonst sind es von Nordost nach Südwest 1 bis 9 Grad, am Oberrhein
werden knapp zweistellige Werte von den Modellen angedacht. Durch die
Verlagerung des Hochdruckgebietes dreht der Wind weiter auf Südost, und da im
Norden der ohnehin nicht sehr scharfe Gradient weiter auffächert, lässt der Wind
im Tagesverlauf auch dort nach, im Süden und der Mitte ist er ohnehin schwach
unterwegs.

In der Nacht zum Dienstag zieht sich das Hoch noch etwas nach Osten zurück, sein
Schwerpunkt erreicht dann Südrussland. Zusammen mit einem neuen Hochdruckkeil,
der von Grönland Richtung Nordmeer und Skandinavien gerichtet ist, mit einem
Tief über Nordskandinavien und dem Tief über dem Atlantik ergibt sich insgesamt
ein Viererdruckfeld, dessen Zentrum über dem Süden Skandinaviens positioniert
sein soll. Damit liegen wir etwas südlich dieses Sattelpunktes, und vom Atlantik
nähert sich die Warmfront des umfangreichen Zentraltiefs. Der Druck über
Deutschland fällt, in der 850er Temperatur macht sich die Warmfront aber noch
nicht bemerkbar - wohl aber in durch- bzw. aufziehender hoher und mittelhoher
Bewölkung. Ob auch tiefe Bewölkung mit erstem Niederschlag den äußersten Westen
oder Südwesten erreicht wird von den Modellen noch nicht einheitlich gesehen. So
bleiben GFS oder auch UK10 bis zu Morgen niederschlagsfrei, nach ICON oder IFS
sollen erste Regenfälle aber die Eifel, die Pfalz oder auch den südlichen
Oderrhein erreichen. Die Tageszeit bzw. Nachtzeit wäre natürlich wieder denkbar
ungünstig. Da nur der Westen und Nordwesten (Kölner Bucht bis Emsland) frostfrei
bleiben sollen (im Rest des Landes 0 bis -4 Grad, am Alpenrand auch darunter),
würde der Regen im Südwesten und Westen auf frostigen Boden treffen - die
nächste Glatteislage wäre dann in Reichweite. Immerhin: Der Rest des Landes
bleibt trocken, über dem Süden und der Mitte bildet sich wieder teils dichter
Nebel.


Dienstag... und in der Nacht zum Mittwoch verliert das osteuropäische Hoch
endgültig jeden Einfluss auf unser Wetter. Von Westen sinkt der Druck mit dem
von Westen heranziehenden und die Britischen Inseln erreichenden Zentraltief.
Der Geopotentialgradient verschärft sich, wobei sich über Europa wie auch über
dem Nordatlantik eine leicht wellende, insgesamt aber zonale Höhenströmung
einstellt, was auch zur nunmehr rascheren Zuggeschwindigkeit der Atlantiktiefs
beiträgt. Allerdings bleibt die Frontalzone weiterhin etwas nach Süden
verschoben.

Auf Deutschland greift die Warmfront des atlantischen Zentraltiefs über, wobei
auch dieses Tief eine zonale Ausrichtung annimmt und im Tagesverlauf sowie in
der Nacht in mehrere Kerne zerfällt. Die mit der Warmfront verbundenen,
insgesamt schwachen bis mäßigen Niederschläge kommen bis zum Abend bis nach
Niedersachsen und Mitteldeutschland voran - zumindest nach ICON oder UK10. Etwas
langsamer verlagern sich die Niederschläge nach IFS, noch zurückhaltender
präsentiert sich GFS. Da bei letztgenanntem Modell die Niederschläge erst am
Tage und damit bei insgesamt positiven Temperaturen auf Deutschland übergreifen
sollen, ist die Gefahr von gefrierendem Regen tagsüber recht gering. Bei den
anderen Modellen sieht das anders aus, wenngleich auch diese den gefrierenden
Regen im Tagesverlauf etwas herunterköcheln, dann in der Nacht zum Mittwoch im
Nordosten aber wieder hochfahren. Insgesamt ist es an dieser Stelle noch zu früh
für präzise Aussagen, spätere Modellläufe können hoffentlich Klarheit bringen.
Dies gilt auch für die sich im Laufe der Nacht (nach allen Modellen im Westen
und Süden deutlich intensivierenden) Regenfälle, dort dann aber durchweg als
Regen, da die Milderung entsprechend gegriffen haben soll. Dennoch gilt es hier
auf zwei Aspekte zu schauen: Einerseits auf den in Staulagen denkbaren
Dauerregen (westliche Mittelgebirge, Schwarzwald, Allgäu sind zumindest
gefährdet), andererseits auf mögliches Tauwetter. Dazu legt der Wind zu, in den
Hochlagen des Südwestens sind dann Sturmböen (Bft 8 bis 9) angedacht, ICON als
aggressivstes Modell prognostiziert auf dem Feldberg im Schwarzwald sogar
schwere Sturmböen (Bft 10). Die avisierte Milderung greift zumindest im Süden
und der Mitte, dort steigen die 850er Temperuren insgesamt an. Im Norden bleiben
diese aber bis zum Mittwochmorgen unter 0 Grad. Das bedeutet in der Nacht zum
Mittwoch nordöstlich der Elbe leichten Frost bis -2 Grad, auch im Südosten und
in den Hochlagen friert es leicht. Sonst bleibt es frostfrei bei bis zu 7 Grad
im Westen. Dazu ist die Südhälfte nebelaffin - zumindest abgesehen von den
windigen Ecken. Die Höchstwerte am Tage decken eine Spanne von 0 bis 11 Grad ab
(Rügen - Oberrhein).



Modellvergleich und -einschätzung
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Für heute und morgen simulieren die Modelle recht ähnliche Abläufe. Ab dem
Dienstag werden die Unsicherheiten dann aber deutlich größer, z. B. bezüglich
des möglichen gefrierenden Regens und der Niederschlagsintensität mit möglichem
Dauerregen und Tauwetter. Dabei sehen manche Modelle das Übergreifen der
Niederschläge schon aus der Nacht zum Dienstag heraus, andere Modelle simulieren
Niederschlag erst am Dienstag selbst. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf
die Niederschlagsphase im weiteren Tagesverlauf. Der Dienstag selbst könnte im
Südwesten Dauerregen und Tauwetter sowie Sturmböen in den Hochlagen bringen -
ebenfalls noch bei einiger Streuung der Modelle.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas