Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 01.06.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Nach ruhiger Nacht am Dienstag erneut teils kräftige Schauer und Gewitter, aber
nur lokal auch Unwetter.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
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Aktuell ... hat das Wetter über Deutschland nach den zahlreichen Gewittern am
vergangenen Wochenende eine kurze Atempause eingelegt. Von langer Dauer ist
diese allerdings nicht, bereits am morgigen Dienstag wird die nächste Runde in
Sachen Konvektion eingeläutet.
Zuvor gestaltet sich die Nacht zum Dienstag aber noch ruhig. Mit der
untergehenden Sonne hauchen letzte Schauer und Gewitter im Südosten als
Überbleibsel des Gewittertiefs MECHTHILD ihr Leben aus, sodass der von einem
Azorenhoch ausgehende Keil sich landesweit durchsetzt. Unterstützt wird das von
einem recht flachen Höhenrücken, dessen Achse bis morgens bereits über
Deutschland hinwegschwenkt.
Da die eingeflossene Luftmasse subpolaren Ursprungs noch feucht ist und etwas
WLA aufkommt, gibt es trotz Absinken gebietsweise recht dichte mittelhohe bis
hohe Wolken. Nach Osten hin sind jedoch größere Auflockerungen möglich.
Bei nur schwachem Wind sinken die Temperaturen auf 16 Grad unter dichten Wolken
im Westen und bis 8 Grad bei größere Wolkenlücken im Osten.

Dienstag ... schwenkt der Rücken nach Osten durch und Deutschland gerät auf die
diffluente Vorderseite eines Trogs bei den Britischen Inseln. Bis zum Abend
weitet sich der Trog bis nach Benelux und Nordostfrankreich aus. Bodennah
korrespondiert er mit Tief NESRIN mit Zentrum über der Nordsee, dessen Warmfront
mit südlicher Strömung einen Schwall subtropischer Warmluft mit T850 hPa von 10
bis 13 Grad nach Deutschland lenkt.
Bereits in den Vormittagsstunden wird der Trog allerdings von einem Randtrog mit
einem kleinen IPV-Maximum umlaufen, der aus südöstlicher Richtung kommend den
Nordwesten Deutschlands überquert und dort erste Schauer, lokal eventuell auch
Gewitter auslöst.
Am Nachmittag greift dann verstärkt der Haupttrog ins Geschehen ein, wobei sich
die Gewitter bis auf eine Linie Emsland - Hessen - Allgäu ausbreiten. Bei der
Ausbreitung sind sich die Modelle nicht ganz einig, EZMW und AROME
beispielsweise sind etwas progressiver. Jedenfalls ist kräftige PVA zu
verzeichnen, die allerdings durch die Ankunft der Kaltfront von NESRIN am Abend
im Westen von KLA überlaufen wird. Zuvor wird jedoch stärkere Hebung generiert.
Bodennah ist eine Feuchteflusskonvergenz vorhanden, sodass die PPWs auf 25 bis
30 mm steigen. ML-CAPE wird bis rund 750 J/kg vorhergesagt, wobei die Scherung
zunächst eher mau ist, im Nachmittagsverlauf aber kräftiger wird. Mit diesen
Zutaten sind bei den Gewittern Starkregen lokal zwischen 15 und 25 l/qm in
kurzer Zeit zu erwarten, punktuell sind auch mehr als 25 l/qm (Unwetter) gering
wahrscheinlich. Daneben ist kleiner Hagel möglich, der örtlich bis etwa 2 cm
groß werden kann. Insbesondere nach Süden hin sind auch stürmische Böen um 70
km/h (Bft 8), lokal Sturmböen um 85 km/h (Bft 9) zu erwarten (Inverted-V). Nicht
ganz auszuschließen sind sogar vereinzelt schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft
10), vor allem, wenn sich die Gewitter organisieren. Mit der zunehmenden
Scherung sind rotierende Zellen, Linien- oder Bogensegmente durchaus plausibel.
Am Alpenrand sorgt ein weiterer kleiner Randtrog von Süden her für das
Übergreifen von Schauern und Gewittern ab dem Mittag, wobei Starkregen den
Hauptfokus bildet.
Im Osten gestaltet sich das Wetter dagegen ruhiger mit zeitweiligem
Sonnenschein, Schauer bleiben die große Ausnahme.
Der Wind weht abgesehen von Gewitterböen schwach bis mäßig aus südlichen
Richtungen.
Die Temperaturen steigen auf 18 Grad im Westen bis 27 Grad im Osten.

In der Nacht zum Mittwoch tropft aus dem Trog ein Höhentief ab, das in das
östliche Frankreich, das südwestliche Deutschland und in die Schweiz zieht. Im
Zuge dessen dringt die Kaltfront von NESRIN bis morgens bis etwa auf eine Linie
Deutsche Bucht - Erzgebirge vor, womit sich auch die Schauer und anfängliche
Gewitter dahin verlagern. Im Laufe der Nacht nehmen die Niederschläge zunehmend
skaligen Charakter an (nachlassende Hebung, Tagesgang, KLA), die Intensität
lässt nach und das Starkregenrisiko sinkt. Im Süden kann es in der ersten
Nachthälfte bei den Schauern und Gewittern noch windig oder stürmisch sein.
Weiter nordöstlich bleibt es präfrontal noch trocken. AROME und EZMW sind dann
nach wie vor progressiver, sodass die Niederschläge dort schon ankommen sollen.
Im Westen und Südwesten hingegen strömt aus Westen postfrontal subpolare
Meeresluft ein, die die T850 hPa auf 4 bis 7 Grad sinken lässt. Die Luft ist
nach wie vor feucht, folglich ziehen einige Wolken und hier und da auch Schauer
durch.
Der Wind weht schwach bis mäßig und dreht mit Frontdurchgang von südlichen auf
westliche Richtungen.
Die Temperaturen sinken auf 16 Grad im Nordosten bis 8 Grad im Westen.

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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Mittwoch ... zeigt ICON13 mit dem neuesten 12 UTC-Lauf zunächst keine großen
Änderungen im Vergleich zu den beiden Vorläufen, womit die Aussagen der
Frühübersicht weiterhin gültig sind. In der zweiten Hälfte der Nacht zum
Donnerstag wurden die schauerartigen und teils gewitterigen Niederschläge im
Westen dagegen deutlich zurückgerechnet. Das liegt vornehmlich an einem kleinen
Randtrog, der in den vergangenen Läufen deutlicher zu sehen war und im neuesten
Lauf auch etwas zurückhängt.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren im Prinzip ähnlich. Uneinigkeit herrscht allerdings
bezüglich des Vorankommens der Kaltfront nach Nordosten. Auf Unterschiede wurde
im obigen Text bereits eingegangen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler