Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HNFa
Anfangs über der Mitte, im weiteren Verlauf im Süden/Südwesten böiger, exponiert
auch stürmisch auffrischender Ostwind. Besonders in der Nacht zum Mittwoch und
Donnerstag im Osten verbreitet Luftfrost, bodennah durchweg und nahezu
deutschlandweit ein Thema. Besonders im Süden hohe bis sehr hohe
Waldbrandgefahr.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... dominiert weiterhin eine blockierende Antizyklone das Geschehen,
bodennah vom Hoch WINFRIED begleitet. Das Hochdruckgebiet wird über der Nordsee
analysiert und sollte sich noch etwas verstärkt. Derweilen wird ein zarter
Höhenrücken über Mitteleuropa aufgespannt, der mit einer subtropischen
Hochdruckzelle über Nordafrika interagiert. Ein über dem Ärmelkanal
west-südwestwärts ziehender Kaltlufttropfen interagiert mit einem Höhentief vor
Portugal, wobei dessen rasche Abschwächung einen klassischen Fujiwhara-Effekt
verhindert. Beide Systeme liegen eingebettet in einer Rinne geringeren
Geopotenzials und fungieren somit als ein stark positiv geneigter
Langwellentrog. Mit der retrograden Verlagerung des Kaltlufttropfens kann sich
der kräftige Höhenkeil über Nordeuropa im Verlauf der Kurzfrist zunehmend nach
Mitteleuropa ausweiten, wobei WINFRIED direkt nach Norddeutschland wandert. Die
Folge ist eine insgesamt sehr ruhige Kurzfrist, leider auch weiterhin ohne
Niederschläge.
Heute zeigt sich das Wetter in Deutschland zweigeteilt. Im Süden und Westen
driften wiederholt ausgedehnte hohe Wolkenfelder vorüber, die die Sonne
zeitweise auch etwas eintrüben. Diese werden durch den nach Westen abziehenden
Kaltlufttropfen bzw. durch an der Ostflanke des Langwellentroges nordost- bis
ostwärts ablaufende Kurzwellen hervorgerufen. Während die Bewölkung über der
Mitte im Tagesverlauf weiter auflockert, muss man im Süden zum späten Nachmittag
und Abend gar mit einer Bewölkungsverdichtung aus Süden rechnen. Im Zuge der
südwestlichen Anströmung schwappt eine leicht labile Luftmasse an die Alpen.
Gewitter sollten jedoch nur inneralpin entstehen, einzelne Schauer sind
allerdings am direkten Alpenrand sowie im Hochschwarzwald/Hotzenwald nicht ganz
ausgeschlossen.
Anders sieht es im Norden/Nordosten der Republik aus. Ein für die Jahreszeit
beachtlicher Kaltluftvorstoß über Skandinavien/Nordosteuropa tangiert mit
modifizierter kontinentaler Polarluft besonders den Nordosten (H85 bis -2 oder
-3 Grad), wobei PWs auf unter 10 mm zurückgehen. Vorhersagesoundings heben eine
durchmischte Schicht bis grob 800 hPa hervor, sodass zum Nachmittag entlang der
Inversion lockere Kumuli besonders von Vorpommern bis ins nördliche Brandenburg
auftreten. Abseits dieser Wolken verläuft der Tag aber meist wolkenlos und ja:
trocken.
Erwähnenswert ist der Wind aus Ost bis Nordost, der besonders über der Mitte bei
einem Gradienten von 8hPa/300 km im exponierten Bergland stark böig auffrischt
(Thüringer Wald auch stürmisch, Bft8) und auch im Umfeld der Eifel bis zum
Niederrhein treten am Nachmittag bei guter Durchmischung wiederholt Böen Bft 6
bis 7 auf. Im Norden und Süden verbleibt der Wind dank eines auffächernden
Gradienten unterhalb der Warnschwelle (dem Tagesgang folgend mäßig bis frisch).
Die Maxima liegen im Zustrom der polaren Luftmasse zwischen 10 und 14 Grad,
direkt an der Ostsee dank auflandiger Windkomponente meist um 9 Grad. Im
Binnenland nimmt die Temperatur jedoch von Nordost nach Südwest rasch zu und
erreicht Spitzen von 15 bis 24 Grad - die höchsten Werte entlang des Oberrheins.
In der Nacht zum Mittwoch kommt die modifizierte polare Luftmasse bis in den
Süden der Republik voran. Daher verläuft die Nacht meist klar und trocken, wobei
dank effektiver Ausstrahlung die Minima erneut weit zurückgehen. Besonders im
Norden und Osten schläft der Wind im Verlauf der Nacht ein, sodass recht
verbreitet mit leichtem Luftfrost zwischen 0 und -3 Grad zu rechnen ist.
Bodennah dehnt sich die Frostluft bis zu den zentralen Mittelgebirgen aus, wobei
im gesamten Osten auch mäßiger Frost in Bodennähe (bis -7 Grad) auftreten kann.
Frostfrei bleibt es nur im äußersten Westen.
Im Süden dominiert dichte Bewölkung den Nachthimmel und am direkten Alpenrand
kann es auch einige Tropfen Nass geben. Ansonsten schützt die Wolkendecke vor
einer nachhaltigen Abkühlung, sodass auch hier die Nacht durchweg frostfrei
verläuft (9 bis 4 Grad in 2 m Höhe).
Mittwoch... steigen das Geopotenzial und der Bodendruck von Norden weiter an,
sodass deutschlandweit ein sonniger Tag zu erwarten ist. Die Ausnahme ist etwas
Restbewölkung am direkten Alpenrand, sowie lockere Wolkenfelder im Nordosten.
Niederschlag fällt keiner.
Am Südrand der Antizyklone gelegen verbleiben wir in einem recht ausgeprägten
Bodendruckgradienten (12 hPa/450 km), sodass der Ost- bis Nordostwind im
gesamten Süden und Südwesten im Tagesverlauf teils stark böig auffrischt (Bft 6
bis 7). PWs um 6 mm, ein T-Td spread von teils über 20 Kelvin und eine bis knapp
800 hPa durchmischte Grenzschicht sind bei einer Waldbrandstufe 3 bis 4 im Süden
ein Hinweis, das bei Brandentwicklung mit rascher Ausbreitung zu rechnen ist. Im
exponierten Bergland (Thüringer Wald, Hochschwarzwald) treten zudem wiederholt
markante Böen (Bft 8) aus Ost auf. Im Norden weicht der Gradient rasch auf und
dort kommt der Wind meist nur mäßig aus Nordost. Zum Abend kommt es im Tiefland
zu einer raschen Entkopplung und Windabschwächung, während sonst der Wind
weiterhin böig aus Ost weht.
Zudem wird am Südrand der Antizyklone nochmals kältere Luft in den
Osten/Nordosten der Republik geführt, wo die Temperaturwerte in 850 hPa auf -2
bis -5 Grad zurückgehen (entspricht sub-10% Perzentilwerten zur
Hintergrundklimatologie). Dies drückt die Maxima im Nordosten auf kühle bis
milde Werte (10 bis 15 Grad), wobei die Deterministik deutlich unter den
MOS-Verfahren liegt. Im Süden und Westen bleibt es mit 17 bis 23 Grad mild bis
sehr mild.
Die Nacht zum Donnerstag hat nicht viel Neues zu bieten. Klar, trocken und kalt.
Dabei fokussiert sich aus heutiger Sicht die beste Ausgangslage für effektive
Auskühlung auf den (verlängerten) Ast der Divergenzachse, die in Richtung
Sachsen/Brandenburg gerichtet ist. Langwellige Ausstrahlung, eine polare
Luftmasse und eine schwache Windbewegung ergeben verbreitet leichten bis lokal
mäßigen Luftfrost (0 bis -5 Grad), bodennah möchte man in Richtung Lausitz gar
vereinzelt strengen Frost bis -10 Grad nicht gänzlich ausschließen. Mäßiger
Frost in Bodennähe ist im gesamten Osten ein Thema.
Etwas unsicher gestaltet sich die Abkühlungsrate im Nordosten (Vorpommern bis
Uckermark), die zunehmend auf die Nordflanke der Divergenzachse und somit in den
Zustrom höhenmilder Luft gelangen. Zudem breitet sich in 850-750 hPa von der
Ostsee eine feuchte Luftmasse süd- bis südwestwärts aus, die im Verlauf der 2.
Nachthälfte auch den Nordosten in Form von dichter mittelhoher Bewölkung und
Hochnebel erreichen kann. Dies könnte die Abkühlung dann bremsen. Dennoch muss
je nach zeitlichem und räumlichem Eintreffen der feuchten Luftmasse mit Minima
zwischen +3 und -1 Grad gerechnet werden, bodennah durchweg mit leichtem Frost
bis -4 Grad.
Der Luftfrost betrifft auch die östlichen und zentralen Mittelgebirge, den
Bayerischen Wald und das Alpenvorland, während es im Südwesten und Westen mit 7
bis 2 Grad in 2m Höhe frostfrei bleibt. Bodennah muss allerdings beinahe
deutschlandweit mit leichtem Frost gerechnet werden.
Donnerstag... dominiert Hochdruckeinfluss. Im Osten ziehen anfangs noch dichte
Wolkenfelder vorüber, die im Tagesverlauf rasch auflockern. Sonst scheint die
Sonne ganztags bei Maxima zwischen 14 und 23 Grad (im östlichen Bergland sowie
peripher der Ostsee etwas kälter). Die unveränderte Temperaturspanne bei den
Höchstwerten haben wir der Lage des Bodenhochs zu verdanken, das nun über
Norddeutschland liegt, sodass wir auch am Donnerstag noch auf dessen kalten
Südflanke mit 850 hPa Temperaturwerte zwischen -2 bis +8 Grad (Ost nach West)
verbleiben (von Westen rasch erwärmend).
Der Ostwind bleibt besonders im Südwesten ein Thema, wo dem Tagesgang folgend
erneut ein böig auffrischender Wind zu erwarten ist (Bft 6 bis 7, exponiert Bft
8, im Hochschwarzwald auch mal die Bft 9). Erneut sei auf die sehr hohe
Waldbrandgefahr hingewiesen (mittlerweile Stufe 4 bis 5 im Süden), wobei der
Wind eine rasche Ausbreitung ermöglichen dürfte. Im Norden und Osten kommt
dieser schwach bis mäßig aus Nordost bis Nord.
Für die Nacht zum Freitag kann man sich die Worte eigentlich sparen. Klar,
trocken, mit örtlich auftretendem Luftfrost im Süden/Südosten. Sonst 2m Minima
zwischen 9 und 1 Grad. Bodennah abseits vom Westen erneut leichter, im
Osten/Südosten auch mäßiger Frost. Die Kammlagen der süddeutschen Berge
weiterhin böiger Ostwind, Hochschwarzwald stürmisch.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle haben die Kurzfrist sehr gut erfasst, sodass es zu keinen größeren
Abweichungen kommt. Einzig die Ausbreitung der Bewölkung in der Nacht zum
Donnerstag im Nordosten wird noch recht variabel gezeigt. Allerdings erscheint
ein Übergreifen der Bewölkung zumindest bis nach Vorpommern/Oderumfeld recht
plausibel.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy