Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 08.09.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Vor allem im Süden starke, lokal schwere Gewitter, im Verlauf abschwächend und
Mittwoch abziehend, an der Nordsee nachfolgend Kaltluftgewitter, im Süden teils
mehrstündiger Starkregen. In der Nordwesthälfte zunehmend windig, an der Nordsee
stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... und am morgigen Mittwoch wird das Wetter in Mitteleuropa und somit
auch in Deutschland von einem markanten Trog geprägt. Am heutigen Abend liegt
dessen Achse ausgehend von den Höhentiefs westlich von Norwegen bzw. über
Nordostschottland noch südwestwärts über Südwestengland und dem Ostatlantik bis
nach Portugal. Resultierend liegt Deutschland auf dessen Vorderseite in einer
strammen und meist geradlinigen Südwestströmung. Bodennah korreliert die
Höhentiefs mit Bodentief an etwas gleicher Stelle. Ausgehend von dem Tief an der
norwegischen Küste zieht sich eine Kaltfront südwestwärts. Da diese überwiegend
Isobaren parallel liegt, sind die Verlagerungstendenzen gering. Derzeit soll die
Front mit ihren schauerartig verstärkten Regenfällen in der ersten Nachthälfte
auf den Nordwesten des Landes übergreifen. Mit Annäherung des Troges nehmen ab
dem Abend auch die dynamischen Hebungsimpulse im Westen und Südwesten zu.

Am Mittwoch soll der Trog ein Höhentief über Südfrankreich abspalten und selber
als Residuum über Deutschland hinwegschwenken. Einhergehend bekommt auch die
Kaltfront eine Schubkomponente und wird voraussichtlich am Mittag das Land nach
Osten verlassen. Durch PVA steht aber vor allem bis zum Nachmittag im Süden und
Teilen des Ostens noch signifikante dynamische Hebung zur Verfügung. Diese kann
schließlich regional auch noch mit der abziehenden Kaltfront interagieren.
Rückseitig des Tiefs dreht der Wind auf Nordwest und schiebt zunehmend nur mäßig
warme Luft polaren Ursprungs ins Land. Durch den ordentlichen Gradienten hinter
dem Tief kann auch der Wind von der Nordsee her stärker aufleben.

Was bedeuten die Strukturen und Prozesse nun für das Wetter und die Warnlage?!

In den kommenden rund 36 Stunden stehen zwei bis drei meteorologische Parameter
im Fokus. Zunächst sind dabei die Gewitter zu nennen. Während tagsüber aufgrund
des fehlenden dynamischen Antriebes, dem teils sehr trockenen Einschub und recht
hohen HKN kaum eine Auslöse zu beobachten war und allenfalls an der Alb sich
kurzzeitig mal ein Gewitter versuchte, aber bei den Rahmenbedingungen schnell
aufgab, kommt am Abend und in der Nacht mehr Schwung in die Wetterküche. Zu der
im Süden und Teilen der Mitte recht stark labilen Schichtung gesellt sich PVA
des näherkommenden Troges. Nachfolgend sollen sich teils kräftige Gewitter von
der Schweiz her in den Südwesten verlagern und weiter nach Bayern schieben, um
ausgangs der Nacht abgeschwächt auch Teile von Thüringen und Sachsen zu
erreichen. Vor allem in der ersten Nachhälfte stehen den Gewittern noch recht
gute Rahmenbedingungen zur Seite. PPWs von 24 bis 32 mm und MU Cape-Werte von
300 bis 1200 J/kg werden von einer hochreichenden Scherung 20-30 m/s garniert.
Aber auch bodennah sind Werte von 7-13 m/s zu verzeichnen. Nimmt man dann noch
den anfangs trockenen Fuß hinzu, kann es gebietsweise spannend werden. Vor allem
vom Schwarzwald und dem Hochrhein bis nach Zentralbayern sind auch kräftige,
teils unwetterartige Gewitter möglich. Nach derzeitigem Stand sind als
Begleiterscheinung Sturmböen und kleinkörniger Hagel sowie Starkregen um 15 l/qm
in kurzer Zeit wahrscheinlich, schwere Sturmböen, Hagel um 2 cm und Starkregen
um 20 l/qm möglich sowie orkanartige Böen, Hagel um 3 cm und Starkregen um 25
l/qm in kurzer Zeit nicht ausgeschlossen. Im Verlauf der Nacht sollen die
Gewitter zunehmend verclustern und schließlich zu einem schauerartigen, teils
gewittrigen Regen übergehen. Die einzelnen Gewitter, die in der zweiten
Nachthälfte auch Thüringen und Sachsen erreichen können, sollten aber kaum noch
Unwetterpotential besitzen und meist mit stürmischen Böen oder Sturmböen
einhergehen, Starkregen und kleinkörniger Hagel wären weniger wahrscheinlich.
Eine Ausnahme bildet der Nordosten, wo die Gewitter mit PVA-Unterstützung auch
in der Nacht örtlich noch kräftig sein können. Aber auch dort steht der Wind mit
Böen in Sturmstärke im Fokus, während Starkregen um 15 l/qm ebenfalls möglich
wäre. Nach dem Übergang zu schauerartigem, vielfach auch ungewittrigem Regen
besteht im Süden zumindest mehrstündig weiter die Gefahr vor Starkregen. Dieses
Potential würde auch am Mittwoch vor allem an den Alpen und dem Vorland
anhalten, wenn die Kaltfront zu schleifen beginnt und länger anhaltende,
schauerartig verstärkte Regenfälle auftreten. Für markanten Starkregen sprechen
sich dabei schon bis zu 60% der ICON-D2 Member aus und selbst für
unwetterartigen starkregen gibt es lokal einzelne Unterstützer. In der ersten
Tageshälfte des Mittwochs sollen dann im äußersten Südosten auch weiter einzelne
Gewitter mitspielen und dabei das
Starkregenrisiko auch auf kürzerer Zeitskala erhöhen. Ansonsten könnten bis zum
Nachmittag in den Resten der sehr warmen Subtropikluft auch in der Lausitz noch
einzelne Gewitter aufplustern. Im Tagesverlauf wird dann eine zweite
Gewitterbaustelle aufgemacht. Denn auf der Rückseite des Troges in der
nordwestlichen Strömung über die Nordsee hinweg sowie bei gewisser Labilität
sind auch im Nordseeumfeld sowie Ostfriesland neue Gewitter Marke Kaltluft im
Programm. Als Begleiterscheinung sind dann wohl nur die stürmischen Böen oder
Sturmböen zu nennen. Starkregen ist wie potentieller kleinkörniger Hagel nur
gering wahrscheinlich.

Nach der Gewitterbaustelle wollen wir uns nun noch dem zweiten signifikanten
Parameter, dem Wind zuwenden. Während dieser tagsüber bevorzugt im Südwesten
sowie auf den Gipfeln schon steife, teils stürmische Böen brachte, ist in der
Nacht eine weitere Verstärkung festzuhalten. Demnach soll der Wind bis
Mittwochabend im Umfeld der Kaltfront vor allem vom Westen in den Norden und
Nordosten spürbar zulegen und schließlich von der Eifel, dem Rothaargebirge und
dem Harz bis zur Nordsee mit steifen Böen einhergehen. In Hochlagen sowie an der
Nordsee sind auch stürmische Böen, in einzelnen Gipfellagen auch Sturmböen
möglich. Ab Mittwochabend frischt der Wind auch im Ostseeumfeld auf. Nachfolgend
muss auch dort mit steifen, exponiert auch stürmischen Böen gerechnet werden.

Bei der Temperatur ist analog zu den beschriebenen Prozessen eine Talfahrt zu
verzeichnen. Demnach starten wir am Dienstagabend in 850 hPa mit Werten von 7
Grad über Sylt und bis 22 Grad am östlichen Alpenrand. Die heiße Luft in der
Südhälfte brachte dort heute auch nochmals verbreitet Höchstwerte zwischen 29
und knapp 35 Grad. Doch der Hitze geht es mit der Kaltfront an den Kragen. Denn
schon am Mittwochabend sollen die Werte in 850 hPa nun noch zwischen 3 Grad über
Sylt und bis 9 Grad im Berchtesgadener Land liegen. Resultierend bewegen sich
auch die morgigen Höchstwerte nach einem Temperatursturz nur noch zwischen 17
und 23 Grad.

Mittwoch ... siehe oben

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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... und in den folgenden Tagen sind sich die EPS-Verfahren
überwiegend einig und weisen fast ausschließlich die Wetterlage Brücke
Mitteleuropa aus. Wenn auch die Wetterlage grundsätzlich ruhiges Wetter
verspricht, so kommt dieses aber nicht ganz störungsfrei daher. Vor allem der
Westen und Nordwesten werden immer wieder von verkümmerten Fronten tangiert, die
gebietsweise etwas Regen bringen so auch ab Donnerstagnachmittag. Zudem kann aus
der Höhe der ein oder andere Kurzwellentrog mitmischen und zusätzliche
Hebungsimpulse generieren. Der äußerste Süden kann ebenfalls Randtreffer
verzeichnen. Dort schiebt ein hochreichendes Tief bevorzugt ab Freitag über
Italien feuchtewarme Mittelmeerluft über die Alpen, sodass auch hierzulande
direkt an den Alpen etwas Regen auf der Agenda steht. Am Donnerstag sorgen
voraussichtlich am östlichen Alpenrand noch die Reste der abziehenden
Niederschläge für eine feuchte Witterung. Die meisten Sonnenstunden wird es
demnach von Donnerstag bis Freitag vom Südwesten über die südliche Mitte bis zur
Oder-Neiße-Region geben. Dafür ist bei nächtlichem Aufklaren sowie Absinken der
Tiefstwerte in den deutlich einstelligen Bereich vor allem in Tälern und Senken
sowie in Gewässernähe mit dem herbstlichen Phänomen Nebel zu rechnen. Bei den
Temperaturen in 850 hPa von meist einheitlichen 2 bis 9 Grad, kann vor allem die
Sonne die Höchstwerte auf 20 bis 25 Grad schieben, während es unter den Wolken
mit 17 bis 21 Grad kühler bleibt. Der Wind spielt kaum eine Rolle und frischt
allenfalls an der See vor allem auflandig mal stark böig auf.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die Luftdruck- und Geopotentialstrukturen vergleichbar.
Im Detail ergeben sich allenfalls Abweichungen bei der Intensität der
Niederschläge und des Windes. Zudem gibt es noch gering Unterschiede in der
Verlagerungsgeschwindigkeit der Kaltfront.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel