Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Großräumige Umstellung der Großwetterlage, von Nordwesten deutlich kühler. Dabei
kräftige Schauer und Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... Vorderseitig eines sich über der Iberischen Halbinsel abschnürenden
Höhentiefs und des entsprechenden, zunehmend flacher werdenden Trogresidums über
Westeuropa wurde nochmals heiße und trockene nordafrikanische Luft nach
Deutschland gelenkt. Bei 850-hPa-Temperaturen von 23 °C im Süden Deutschlands
wurden Höchstwerte bis 39 °C erreicht. Allerdings nähert sich von Nordwesten die
Kaltfront eines Tiefdruckkomplexes über Skandinavien. Diese führt knapp
vorderseitig deutlich feuchtere Luft heran, sodasss sich wenige 100 J/kg CAPE
aufbauen. Gleichzeitig stabilisiert die Grandschicht mit dem nördlichen Wind
jedoch die Konvektion, sodass diese stark gedeckelt ist und größtenteils
elevated auftritt. Die gute 0-6 km Scherung zwischen 15 und 20 m/s reduziert
sich dadurch auf Werte knapp über 10 m/s effektive Scherung, sodass in
Zusammenhang mit wenig CAPE stärkere Entwicklungen unwahrscheinlich sind. In dem
Niederschlagsfeld, das aktuell über den Nordwesten zieht, gibt es somit nur
wenig Aktivität. Weiter südlich wurden einzelne Zellen an einer konvergenten
Bodenströmung ausgelöst. Dort ist die Grundschicht trockener und es besteht ein
ausgeprägtes inverses V. Den Gewittern mangelt es aber wegen der geringen
Feuchte auch hier an CAPE. Zudem ist die Scherung nur gering, sodass sich
Gewitter im Westen und Südwesten bisher kaum organisieren konnten. Die
Hauptgefahr geht bei D-CAPE-Werten von 1000 J/kg von Sturmböen aus, eventuell
bei stärkeren Entwicklungen auch von schweren Sturmböen mit bis zu 95 km/h.
Dafür fehlte es den Gewittern bisher an vertikaler Mächtigkeit. Mit dem
Durchgang der Konvergenz frischt der Wind im Westen vorübergehend stark böig auf
und dreht auf nördliche Richtungen.
In der Nacht rückt das Trogresiduum näher und greift als Kurzwellentrog auf den
Westen Deutschlands über. Gleichzeitig kommt die Kaltfront weiter südwärts
voran. Dadurch wird Niederschlag über der westlichen Mitte aktiviert. Aufgrund
der geringen MU-CAPE entstehen innerhalb des Niederschlagsbandes nur einzelne
schwache Gewitter, sodass keine größeren Niederschlagsmengen zu erwarten sind.
Des Weiteren ziehen einzelne Schauer über den Süden und Nordosten, die kaum
gewittrig sind und sich schnell auflösen.
Sonntag ... befindet sich Deutschland unter einem langgestreckten Trog in einer
westlichen Höhenströmung. Die zum Skandinavientief gehörende Kaltfront kommt
immer weiter nach Süden voran und wird bis zum Abend die Nordhälfte überqueren.
Rückseitig fließt deutlich erwärmte subpolare Luft ein, die allerdings etwas
trockener ist. Daher lösen sich die Wolken im Tagesverlauf auf und es bleibt
dort trocken. Vor der Kaltfront überquert zunächst das abgesetzte Schauerband
mit eingelagerten schwachen Gewittern am frühen Nachmittag die Südhälfte. Im
Anschluss lockert die Bewölkung auf und in der subtropischen Luftmasse bauen
sich bis zu 1000 J/kg ML-CAPE auf. Mit der Ankunft eines Kurzwellentroges am
späten Nachmittag wird der Deckel voraussichtlich zuerst in der westlichen Mitte
gesprengt, sodass sich von dort aus vermehrt Gewitter südostwärts ausbreiten.
Die Scherung wird nach Norden hin immer besser. Allerdings gibt es nur im
Bereich kurz vor der Kaltfront über der Mitte eine hinreichend gute Überlappung
von ML-CAPE und Scherung, sodass dort einzelne Superzellen möglich sind.
Simulierte UH-Trecks zeigen im ICON-D2 das höchste Potenzial von Südthüringen
bis zum Erzgebirge. Dort kann auch größerer Hagel auftreten. Mit der feuchteren
Grundschicht gehen die D-CAPE-Werte ansonsten auf etwa 500 J/kg zurück, sodass
das Downburstpotenzial etwas gedämpft wird. Einzelne Unwetter mit schweren
Sturmböen, heftigem Starkregen und Hagel sind vor allem in der Mitte
wahrscheinlich. ICON-D2 rechnet ab den späten Abendstunden mit einer
Verclusterung über Südthürinngen und Oberfranken und lässt die Gewitter als
schwache Linie mit nur wenig Windentwicklung über Sachsen und Nordostbayern
ostwärts ziehen. Die Scherung würde diese Entwicklung begünstigen. SuperHD
rechnet hingegen mit einzelnen kleineren Clustern, die in der Nacht über die
Südhälfte ziehen.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... amplifiziert sich der Trog über Mitteleuropa. Die Kaltfront kommt
weiter nach Süden voran und wird dabei immer diffuser. Die 15-°C-Isotherme auf
850 hPa wird zu den Alpen zurückgedrängt. Gleichzeitig kühlen auch die höheren
Luftschichten im Trog ab, sodass im Süden, wo noch genügend Feuchtigkeit
vorhanden ist, wieder mit 1000 J/kg CAPE gerechnet wird. Bei recht guter
Scherung von 0-6 km bis 20 m/s sind südlich der Donau auch stärkere
Entwicklungen und Superzellen möglich. Fraglich bleibt, inwiefern die bereits am
Vormittag vorhandene Konvektion der Luft am Nachmittag die Luft herausnimmt.
Weiter nördlich werden im Trogbereich weiterhin Schauer und einzelne Gewitter
vorhergesagt, wobei die Aktivität durch anfangs dichte Bewölkung ziemlich
gedämpft ist.
Modellvergleich und -einschätzung
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Es gibt noch größere Unsicherheiten in den Modellen bezüglich der morgigen
Gewitter.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold