Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 27.06.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Kommende Nacht im Nordwesten erhöhte UNWETTERGEFAHR durch heftige Gewitter mit
schweren Sturm- bis Orkanböen, heftigem Starkregen und größerem Hagel. Am
Sonntag im Tagesverlauf vor allem in einem Streifen von Südwest nach Nordost
teils schwere Gewitter. Schwül-heiß.

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... soll gleich zu Beginn festgehalten werden, dass sämtliche
synoptischen Ausführungen aus der Frühübersicht bezüglich Zutaten, Forcing,
beteiligte Luftmassen etc. weiterhin ihre Gültigkeit besitzen und daher auf
detaillierte Ausführungen diesbezüglich an der Stelle verzichtet wird. Bei
dieser historischen Hitzewelle im Juni 2026 gibt es aktuell 2 Schwerpunktthemen.
Das erste ist die Hitze selbst, die schnell abgehandelt werden soll.

So wurde heute der erst gestern gebrochene Allzeitrekord von 41,3°C in
Saarbrücken erneut getoppt. Neuer Spitzenreiter ist nun Möckern-Drewitz in
Sachsen-Anhalt mit 41,5°C gefolgt von erneut Saarbrücken-Burbach 41,4°C ebenso
wie Waghäusel-Kirrlach und Seehausen. Überhaupt hat die Hitzewelle nun sämtliche
Regionen und Dimensionen erreicht, dass einem selbst im klimatisierten
Großraumbüro schwindelig werden kann. Waren es am gestrigen Freitag noch 12
DWD-Stationen, die die 40°C-Marke geknackt haben, sind es heute satte 46
Stationen. Am morgigen Sonntag, soweit vorab, rücken wir im Osten nochmals in
die Nähe der Rekorde. Dass die 41,5°C aber erneut getoppt werden, darf
angesichts der zunehmenden Schwüle und Bewölkung aus Westen (Stichwort:
Outflowboundaries) doch arg bezweifelt werden.

Nun aber zu den Gewittern, wo die Modelle aufgrund der antriebsschwachen Lage
doch arge Probleme haben. Auch wenn die Inkonsistenzen groß sind, so sind
ICON-RUC (inkl. EPS) und AROME noch mit die besten Ratgeber aktuell. So gibt es
eingangs der Nacht vor allem 2 Regionen mit besonderem Interesse:
Zum einen die Superzelle bei Hamburg, die dicht südöstlich des Stadtgebietes am
Nachmittag golfballgroßen Hagel geworfen hat und nun zunehmend mit mehreren
Multizellen über der Altmark und Prignitz verschmilzt. Bei zögerndem ostwärts
Ausgreifen trifft sie neben ausreichend Warmluft auf eine sehr trockene
Grundschicht mit erhöhtem Böenpotential mit mindestens schweren Sturmböen.
ICON-RUC EPS bietet von der Mecklenburger Seenplatte bis zum Berliner Raum
immerhin 10% für Bft 10 an.

Der andere Schwerpunkt betrifft den Westen, insbesondere NRW, wo sich zahlreiche
Zellen wegen mangelnder Scherung der Orographie bedienen und so sich trotz
trockenen Entrainments längere Zeit erhalten können. In den kommenden Stunden
greift dort zudem ein flacher Randtrog in der Höhe, der sich von Benelux langsam
nähert. Dadurch verbessern sich die Scherungsbedingungen weiter auf teils bis 30
m/s DLS und 15 m/s LLS. So ist durch Verclusterung die Bildung eines MCS bis
Mitternacht ziemlich wahrscheinlich, der hierzulande vor allem einen Bereich vom
Niederrhein über Westniedersachsen bis zur Nordsee und Schleswig-Holstein
betreffen dürfte. Da Entwicklungen häufig etwas weiter in die warme Seite
ausgreifen, sind wahrscheinlich auch Bremen und Hamburg mit dabei.


Sonntag ... verabschieden sich letzte Gewitterreste an den Küsten nordostwärts.
Nachfolgend ist am Vormittag wie häufig üblich ein relatives Minimum der
konvektiven Aktivität zu finden.

Als erstes dürfte es im Bereich der Tiefdruckrinne im Osten Deutschlands sowie
über dem Bergland in der Mitte und im Süden wieder zünden. Aufgrund der
Luftmasseneigenschaften sind wir dabei lokal voraussichtlich wieder rasch im
Unwetterbereich angelangt, potentiell bei sämtlichen Begleiterscheinungen.
Zunächst bleibt es aber in der Fläche bei sehr isolierten Entwicklungen.

Im Laufe des Nachmittags richtet sich der Fokus dann auf den Südwesten, wo es
mit Annäherung eines weiteren, jedoch äußerst flachen unscheinbaren Randtroges
erneut verbreiteter zur Auslöse kommt. Sollte sich dieses Szenario in den
nächsten Läufen verfestigen, so bietet sich erneut eine Vorabinfo an, die
zeitlich gestaffelt vom Südwesten bis in die Nacht hinein in den Nordosten
Deutschlands reicht.

Den Nordwesten gänzlich außen vor empfiehlt sich zwar für die Vorabinfo, aber
ganz ist die Kuh noch nicht vom Eis, die Luftmasseneigenschaften immer noch
brauchbar und die Luftsäule gut gesättigt. Der Fokus liegt dann klar auf dem
Starkregen, bei allerdings auch hervorragenden Scherungsbedingungen und
niedrigem HKN. Bleibt zu hoffen, dass der Hauptteil der Energie in die
Entwicklung über der Landesmitte geht, einzelne isolierte und rotierende Zellen
sind aber durchaus auch im Nordwesten denkbar.

Im Südosten dagegen bleibt es abgesehen von Zellen über den Bergen noch lange
freundlich und trocken, dann aber mit der trockenen Grundschicht und
aufkommenden ersten Gewittern mit erhöhtem Böenpotential.

Die 40°C werden vor allem nochmal im Osten geknackt. Der Hotspot dürfte mit nahe
41°C über der Lausitz liegen. Sonst werden schwül-heiße 30 bis 39°C erreicht, an
der Nordsee angenehmere 24 bis 27°C.


In der Nacht zum Montag hält die rege Schauer- und Gewitteraktivität
unvermindert an, wobei aus Nordwesten zögernd eine weniger energiereiche
Luftmasse zu uns einfließt. Damit bleibt die Unwettergefahr außer im Nordwesten
auch in den Nachtstunden bestehen. Dabei könnte es durchaus größere Bereiche
geben, die auch mehrstündigen, teils ungewittrigen Starkregen von 30-50 l/qm,
lokal darüber bekommen. Die Quintessenz aus EPS und Deterministik auf Basis der
vorliegenden 12z Läufe betont vor allem Hessen, NRW, Thüringen und
Südniedersachsen. Details diesbezüglich sind aber noch sehr unsicher und hängen
maßgeblich von den Entwicklungen tagsüber ab!

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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Montag ... in der Nordwesthälfte Stabilisierung, in der Südosthälfte weiterhin
lokal teils schwere Gewitter mit Fokus auf Starkregen. Nicht mehr ganz so heiß,
aber schwül-warm und drückend. Keine wesentlichen Änderungen zur Frühübersicht.



Modellvergleich und -einschätzung
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Vieles bleibt Nowcasting und man muss sich vor allem von den Remote Sensing
Verfahren und konvektionserlaubenden Modellen leiten lassen. ICON-RUC mit einer
bis dato überzeugenden Performance.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen