Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Meist ruhiges Hochdruck- und Inversionswetter. In Sachsen, später auch in den
ostbayerischen Mittelgebirgen Böhmischer Wind, teils mit Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... ist die Strömung über Europa und dem nahen Ostatlantik stark
meridionalisiert, entsprechend behäbig ist das großräumige Muster und
eingefahren die Großwetterlage. Wir befinden uns in der Kurzfrist durchweg auf
der antizyklonalen Seite der Macht, was uns viele sehr ruhige Tage beschert.
Die beiden Hauptakteure auf der Wetterkarte sind schnell ausgemacht. Zum einen
reicht ein Rücken vom zentralen Mittelmeerraum bis zum Baltikum und nach
Westrussland. Dieser stützt ein kräftiges und sehr umfangreiches Hochdruckgebiet
CHRISTIAN, das seinen Schwerpunkt zwar weit östlich nahe des Urals hat, aber
einen wuchtigen Keil bis ins östliche Mitteleuropa und zum Balkan aufzuweisen
hat. Zum anderen reicht ein Langwellentrog vom Nordmeer über Westeuropa bis zur
Iberischen Halbinsel. Die korrespondierende, rinnenartige Tiefdruckzone hat mit
einem leider namenlosen Tief bei Irland ihr Drehzentrum. Die Kaltfront des nach
Südnordwegen abgezogenen Randtiefs IULIIA hat den Westen und Nordwesten
Deutschlands in den Frühstunden bereits erreicht, geriet aber mangels
Schubkomponente in der süd-südwestlichen Höhenströmung ins Schleifen. Ohnehin
mangelt es an synoptisch-skaliger Hebung, sodass nur gebietsweise leichter Regen
fiel. Weite Teile des Landes profitierten dagegen von Hochdruckeinfluss und viel
Sonnenschein, lediglich im sächsischen Bergland sowie in Südost- und Ostbayern
floss aus dem Böhmischen Becken sowie entlang der Donau teils feuchte-kalte Luft
mit tiefer Stratusbewölkung ein. Während es dort leichten Dauerfrost gab, machte
sich ansonsten die niedertroposphärisch aus Süden einfließende, sehr milde
Luftmasse (mS und mSp) bemerkbar. Vor allem in mittleren Lagen sowie an den
Nordrändern der Mittelgebirge stiegen die Temperaturen verbreitet über 10, am
Oberrhein lokal bis frühlingshafte 16 Grad.
In der Nacht ändert sich an dieser Gemengelage wenig überraschend kaum etwas.
Innerhalb des quasi stationären Rückens bildet sich ein eigenständiges Höhenhoch
mir Kern über dem Baltikum. Dieses stärkt den bis ins östliche Mitteleuropa
gerichteten Hochkeil sogar noch etwas. Die starke Blockadewirkung des Hochs geht
auch am Trog nicht spurlos vorbei, dieser neigt über Westeuropa abzutropfen und
schwenkt nur in seinem Südteil noch etwas nach Osten. Dadurch kommt es über dem
westlichen Mittelmeerraum zunehmend zu Druckfall, was die Grundströmung bei uns
mehr auf Südost drehen lässt. Die schleifende Front über dem Westen und
Nordwesten wird dadurch langsam wieder nach Westen herausgedrückt, zwischen
Eifel und Nordsee kann es aus wechselnd starker Bewölkung aber noch etwas
regnen. Bei deutlich positiven Temperaturen ist der Niederschlag warntechnisch
völlig unkritisch. In den übrigen Landesteilen kräftig sich die Inversion, wobei
sich in der Grenzschicht vom Böhmischen Becken, von der unteren Donau sowie von
Polen und der Ostsee her zunehmend tiefer Stratus über der Osthälfte ausbreitet.
Abseits davon ist der Himmel gering bewölkt, stellenweise kann sich dichter
Nebel bilden. Neben dem Westen und Nordwesten bleiben auch Teile
Norddeutschlands frostfrei, ansonsten tritt verbreitet leichter, örtlich mäßiger
Frost auf. Glätte (durch überfrierende Nässe oder Reif) spielt wahrscheinlich
nur eine untergeordnete Rolle. In Sachsen kommt Böhmischer Wind auf, der
orographisch und katabatisch verstärkt steife, exponiert eventuell bereits erste
stürmische Böen (Bft 7-8) bringt.
Samstag ... verändert sich die Position des vom zentralen Mittelmeer ins
östliche Mitteleuropa und von dort bis weit nach Westrussland reichenden Rückens
kaum. Das darin eingelagerte Höhenhoch über dem Baltikum kräftig sich aber noch
etwas und stützt weiterhin die zonal orientierte, von Westrussland bis ins
östliche Mitteleuropa und zum Balkan reichende Hochdruckzone (CHRISTIAN).
Vorderseitig eines kurzwelligen Rückens kann sich zudem ein Keil nach
Südskandinavien ausbilden. Der Trog über Westeuropa tropft derweil zur
Iberischen Halbinsel ab, das Residuum wird langsam zugeschüttet. Ähnliches
geschieht mit der korrespondierenden Tiefdruckrinne, während es über Spanien und
dem westlichen Mittelmeer zu weiterem Druckfall und Ausbildung eines neuen
Tiefdruckgebiets kommt.
Die Strömung über Deutschland kann dadurch noch etwas stärker auf Ost-Südost
drehen, womit sich der tiefe Stratus unterhalb der markanten Inversion bei
900/950 hPa vom Osten langsam auch bis in die Westhälfte voran arbeiten kann.
Sonnig bleibt es bis zum Abend am Nordrand vom Rothaargebirge (NRW) sowie
generell in den Hochlagen. Dort macht sich weiterhin die milde Luftmasse (T850 3
bis 8 Grad) bemerkbar, mit Spitzenwerten von 11 oder 12 Grad am Niederrhein und
an der Ruhr. Unter dem Hochnebel bleibt es deutlich kälter, in den Niederungen
im Süden und Südosten reicht lokal wieder für Dauerfrost. Im sächsischen
Bergland legt der Böhmische Wind durch weitere katabatische Verstärkung und
Gradientzunahme zu und bringt teils stürmischen Böen Bft 8, eventuell auch
Sturmböen Bft 9 aus Südost.
In der Nacht zum Sonntag kräftig sich der Keil über Skandinavien, zeitgleich
fällt der Luftdruck im westlichen Mittelmeerraum weiter, wodurch die Strömung
bei uns zunehmend auf Ost dreht. Damit gelangt in den Osten bodennah langsam
etwas trockenere Kontinentalluft, zudem wird die Inversion durch beständiges
Absinken weiter nach unten gedrückt. Dadurch steigen die Chancen auf größere
Lücken in der Stratusdecke. Meist bleibt sie aber noch dicht, mit Ausnahme
einiger Lee- und Hochlagen. Örtlich bildet sich wieder dichter Nebel. Frostfrei
bleibt es entlang des Rheins und an einigen seiner Nebenflüsse sowie wieder in
Teilen Norddeutschlands. Sonst stellt sich verbreitet leichter, vor allem im
Süden örtlich mäßiger Frost ein. Glätte tritt allenfalls örtlich durch
gefrierende Nebelnässe oder Reif auf. Der Böhmische Wind sorgt im sächsischen
Bergland sowie im Vorland weiterhin für stürmische Böen, teils Sturmböen aus
Südost, auch in den ostbayerischen Mittelgebirgen sind steife, exponiert
stürmische Böen aus Ost nicht ausgeschlossen.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... gibt es keine Änderungen zur Frühübersicht. Andauer des
Hochdruckeinflusses, dabei weitere Abtrocknung der Luftmassen und wieder
zunehmende Sonnenanteile. In Sachsen und in den ostbayerischen Mittelgebirgen
Andauer des Böhmischen Windes, teils mit Sturmböen. Insgesamt leichte Abkühlung,
stellenweise Dauerfrost, nachts im Osten und Südosten verbreiteter mäßiger
Frost.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle sind sich ziemlich einig.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm