Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
Hoch Mitteleuropa (HM), Übergang zu Südwest antizyklonal (SWa) mit ersten
kleineren Störungen ...
, die bei dieser Luftmasse jedoch fatale Auswirkungen haben können. Vor allem ab
Samstagabend im Nordwesten erhöhte UNWETTERgefahr, am Sonntag nahezu landesweit.
Bis dahin verbreitet starke, oft auch extreme Wärmebelastung bei Höchstwerten um
40°C und Nächten mit immer schwächerer Abkühlung.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Freitag... neben Fußball WM und Tropennächten ist es dieser Tage nicht gerade
leicht auf genügend Schlaf zu kommen. Doch Höhepunkt steht erst noch bevor und
die inzwischen historische Junihitzewelle setzt bis zum Ende der Kurzfrist zum
finalen Paukenschlag an. Die Rahmenbedingungen dafür sind hinlänglich
beschrieben und aus den vergangenen Tagen bereits bestens bekannt. Ein kräftiges
Höhenhoch (Heatdome) umspannt noch immer weite Teile Südwest-, West- und
Mitteleuropas, wobei nun gaaaanz allmählich das Höhentief dicht westlich der
Biskaya und Portugals diesem von Westen auf die Pelle rückt. Heute Abend liegt
das Hoch mit Schwerpunkt über Süddeutschland und dem Alpenraum und weist wenig
überraschend sehr hohe Werte im Geopotential über 592 gpdm in 500 hPa auf.
Dessen breit angelegte Achse an der Nordflanke reicht bis nach Südschweden, was
im Umkehrschluss auch bedeutet, dass die Westhälfte Deutschlands bereits auf der
Rückseite liegt und damit potentiell anfällig für erste kleinere Störungen ist.
Am Boden zeigt sich ein unspektakuläre, sehr flache Druckverteilung, wobei das
aufgespaltene Hoch HARTMUT (Teil I über dem Alpenraum, Teil II über der Ostsee
noch den Haupteinfluss stellt. Gerade der nördliche Part sorgt mit Ausfließen
einer sehr trockenen, kontinental geprägten Luftmasse im Norden und Osten
Deutschlands für einen blankgeputzten Himmel und zumindest noch halbwegs
erträgliche Nachttemperaturen. So gab es von Niedersachsen bis nach Vorpommern
und zum Baruther Urstromtal hin doch etliche Stationen mit einem Tmin unter 15°C
vergangene Nacht.
Südwestlich der Elbe ist die Luftmasse zwar insgesamt etwas feuchter, wobei
"feucht" an sich auch nicht wirklich der passende Begriff dafür ist. Sagen wir
mal so: Sie ist nicht ganz so staubtrocken. Gleichwohl gibt es noch zahlreiche
trockene Einschübe, die sich sowohl in der Grundschicht, als auch in weiten
Teilen der mittleren Troposphäre wiederfinden. So steht zwar gerade zum späten
Nachmittag und Abend im Nordwesten mit Annäherung einer flachen Bodenrinne
mitsamt konvergenter Windstruktur reichlich ML CAPE mit > 1000, teils > 2000
J/kg zur Verfügung, das aber bei CIN Werten oft > 50 J/kg ebenfalls auch noch
stark gedeckelt ist. Bis auf einzelne hohe Wolkenfelder und wenige hochbasige
Quellungen wird es auch dort ein weitgehender sonniger Tag. Nicht ganz
ausgeschlossen, dass über den westlichen Mittelgebirgen zum Abend ein
vereinzelter kurzlebiger Schauer oder ein lokales Gewitter entsteht, dass durch
das überlagerte Absinken und trockene Entrainment aber in der Regel rasch auch
wieder in sich zusammenfallen dürfte - zumal die Scherung auch noch komplett
fehlt.
So schaut man gebannt auf die Temperaturen, die mutmaßlich erneut verbreitet
neue Junirekorde produzieren werden. Am gestrigen Donnerstag legte
Waghäusel-Kirrlach mit 39.0°C vor, dicht gefolgt von Perl-Nennig im Saarland mit
38.8°C und Ohlsbach (ebenfalls BaWü) mit 38.7°C. Heute werden wir in dieser
Gegend mit hoher Wahrscheinlichkeit einige 40er (laut Definition: Extrem Heißer
Tag) sehen. Die 850er Temperaturen gehen nochmal 1-2K höher und erreiche im
Südwesten gebietsweise nahe 25°C. Da brauchts dann nicht mal großartige
Überadiabaten für. Auch im Nordosten werden bei rund 20°C in 850 hPa vielfach
35°C (laut Definition: Sehr Heißer Tag) erreicht. Lediglich an den Küsten, vor
allem an der häufig auflandigen Komponente mit Ostwind an der Ostsee bleibt es
mit 25 bis 30°C angenehmer.
In der Nacht zum Samstag schwenkt in 700 hPa ein flacher Randtrog über den
Nordwesten Deutschland hinweg ostwärts. Stromauf kann sich der Rücken im
Südwesten ein Stück weit nochmals regenerieren, in seiner Gesamtstruktur wird er
aber schon ein kleines Stück weiter ostwärts abgedrängt. Dennoch sucht man
nennenswerte Hebungsimpulse bis dato vergebens.
Aus der Eigendynamik heraus kann man in dieser hochenergetischen Luftmasse
dennoch nicht wirklich vereinzelte Überentwicklungen ausschließen. Die
konvektionserlaubenden Modelle bewerten die Lage mehrheitlich aber noch sehr
defensiv. Das bei der Lage vergangene Woche gut performende ICON-RUC simuliert
lediglich im Bereich des Hunsrücks einzelne Zellen, ICON-D2 und SuperHD kaum
einmal das. Aller Voraussicht nach zu offensiv aufgestellt ist das AROME, das
schon eine Art mesoskaligen Komplex von der Eifel auf NRW und zum Morgen auch
auf das westliche Niedersachsen übergreifen lässt, teils schwere Sturmböen
inklusive.
Abgesehen von teils etwas kompaktere hohen, mittelhohen Wolkenfeldern in der
Westhälfte verläuft die Nacht damit noch mehrheitlich ruhig. Allerdings halten
gerade diese Wolkenfelder die Hitze ein Stück weit zusätzlich am Boden und
verhindern zum gewissen Maße die langwellige Ausstrahlung. So geht es in den
Ballungsräumen entlang des Rheins und seinen Nebenflüssen kaum einmal unter die
25°C-Marke zurück. In den östlichen Landesteilen geht es zumindest in den
ländlichen Regionen noch auf etwas unter 20°C runter.
Samstag... arbeitet der Atlantiktrog in Form zweier markanter Randtröge
(Schottland und dicht westlich der Bretagne) weiterhin schleppend, aber dennoch
kontinuierlich an der Verdrängung oder zumindest Abflachung des Rückens über
Mitteleuropa. Über der Iberischen Halbinsel und Frankreich gelingt das auch
schon in Teilen, hierzulande noch nicht wirklich, wenngleich die Achse
allmählich in die Gebiete östlich der Oder vorangeschoben wird und wir dadurch
immer mehr auf die Trogvorderseite rutschen. Markante durchschwenkende
Kurzwellentröge lassen sich tagsüber noch nicht ausmachen, die südwestliche
Höhenströmung beginnt aber leicht zu flattern. Am Boden kommt die bereits
erwähnte Rinne in den Großraum Hamburg voran, wobei man sagen muss, dass die
Luftdruckgegensätze kaum existent und die Strukturen sehr amorph sind.
Von nun an sind nächtliche "Überraschungen" von entscheidender Bedeutung für die
Abläufe am Tage, da somit unter Umständen ein Großteil der zur Verfügung
stehenden Energie bereits getilgt sein könnte und gar nicht mehr neu aufgebaut
werden kann. Als wahrscheinlichstes Szenario starten wir erstmal erneut vielfach
sonnig in den Tag. Im Westen und Nordwesten könnte es aus den klassischen
Gewittervorboten in Form konvektiver Bewölkung in mittleren und höheren Niveaus
den ein oder anderen abgehobenen Schauer oder zumindest Fallstreifen geben.
Im Laufe des Naschmittag entstehen dann auch vom Boden ausgelöst einzelne
Schauer und Gewitter, wo es primär der Unterstützung des Berglands (vorrangig
westlichen Mittelgebirge) oder aber der konvergenten Windstruktur der Rinne in
Norddeutschland bedarf. Dabei reden wir mitnichten von großräumiger Auslöse. Es
werden zumeist noch sehr diskrete Entwicklungen sein, die Scherung nimmt
gleichwohl langsam zu, im Nordwesten gar auf moderate Werte (DLS um 15 m/s).
Angesichts der Luftmasseneigenschaften (PPW's teils jenseits von 40 mm, CAPE
über 4000 J/kg, inverted V) ist unstrittig, dass man bei sämtlichen
Begleiterscheinungen potentiell rasend schnell im (extremen) Unwetterbereich
angelangt ist mit großem Hagel, heftigem Starkregen und schweren
Sturmböen/orkanartigen Böen.
Bis dahin heißt es weiterhin durchzuhalten bezüglich der nahezu landesweiten
extremen Hitze, die gerade in der Nordwesthälfte bei zunehmender Schwüle
(Taupunkte um oder etwas über 20°C!) an die Grenze zur Unerträglichkeit rutscht.
Die Höchstwerte liegen verbreitet bei 37 bis 41°C. Ein Mesohoch über der
Deutschen Bucht bringt lediglich der Nordseeküste Abkühlung aus Nordwest mit
Temperaturen deutlich unter 30°C, auf den Inseln eher 22 bis 25°C.
In der Nacht zum Sonntag kommt ansatzweise ein erster, besser definierter
Randtrog mit ins Spiel, der von Nordfrankreich über den Englischen Kanal über
Benelux zur Deutschen Bucht ausgreift und diesen in den Morgenstunden erreicht.
Die bodennahe Rinne verbleibt mehr oder weniger über Norddeutschland im Bereich
der Lüneburger Heide, wo sich unmittelbar nordwestlich davon eine massive
Feuchteflusskonvergenz anschließt, die etwa von der Eifel über NRW und große
Teile Niedersachsens bis nach Schleswig-Holstein reicht.
Das ist dann auch der Bereich, der wahrscheinlich von der Bildung eines MCS
betroffen sein dürfte. Die vergangene Woche hat dabei eindrucksvoll gelehrt,
dass bei derartigem Setup selbst in der zweiten Nachthälfte problemlos Böen bis
Orkanstärke möglich sind. Auch größerer Hagel und heftiger Starkregen sind ein
Thema. Sollte sich das in den nächsten Modellläufen bestätigen, ist die Ausgabe
einer Vorabinformation für den Nordwesten am Samstagvormittag sehr
wahrscheinlich.
Durch die Outflowboundaries in die Warmluft ost- und südostwärts hinein, kann es
ebenfalls weit abgesetzt des MCS zu starken Böen bis Sturmstärke und lokal zur
neuen (leicht abgehobenen) Auslöse kommen. Das alles aber deutlich vereinzelter.
Wirklich sicher außen vor bleibt man eigentlich lediglich noch von der Lausitz
bis nach Niederbayern.
Je nach Bewölkung nimmt auch die nächtliche Temperaturbelastung weiter zu.
Deutschlandweit steht relativ verbreitet eine Tropennacht, in den Städten häufig
klebrige Tropennacht mit über 25°C ins Haus.
Sonntag... ist im Detail noch sehr unsicher, da die nächtlichen Prozesse
maßgebenden Einfluss auf das Konvektionsgeschehen tagsüber haben werden. Der
nächtliche Randtrog zieht nordostwärts ab, unterdessen stößt die Haupttrogachse
des steuernden Tiefs bei Island Richtung Westeuropa vor. Bei uns hat die
südwestliche, leicht flatternde Höhenströmung damit einen indifferenten, wenn
nicht weiterhin eher schwach antizyklonalen Touch. Die Rinne arbeitet sich
unterdessen auch bis in den Osten und Südosten Deutschlands voran. Von
Nordwesten erreicht eine erste schwache Kaltfrontstaffel das Vorhersagegebiet,
wenngleich die Luft postfrontal nur wenig kühler, dafür aber umso feuchter wird.
Deshalb reagiert auch Theta 850 kaum mit einer Abnahme, dafür aber T850. Daher
macht sich der "Luftmassenwechsel" unterm Strich kaum bemerkbar, lediglich in
den 2m Temperaturen samt Hitzerekorden.
Da noch immer kaum nennenswerte Antriebe aus der Höhe mitwirken, bleiben die
gerade von den Globalmodellen angebotenen Niederschlagssummen angesichts einer
hochgradigen Unwetterlage insgesamt sehr überschaubar mit meist 1 bis 5 l/qm in
der Fläche binnen 6-12h. Man braucht jedoch nicht viel Vorstellungskraft um sich
auszumalen, dass lokal deutlich über 50 l/qm binnen einer Stunde mehr als
plausibel sind. Die große Frage wird sein, wie verbreitet mit diesen teils
extremen Unwettern zu rechnen ist, die auch großen Hagel über 5 cm und schwere
Sturm- bis Orkanböen produzieren können. Auch hier gilt es wieder
Outflowboundaries genau zu beobachten und ggfs. auch die Böen weit im Vorfeld
eines Gewitters ausreichend abzuwarnen.
Zuvor werden im Osten und Südosten bei um die 40°C oder wenig darüber neue
Junirekorde aufgestellt.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Basisfelder sehen alle ähnlich aus. Bezüglich der Einschätzung der
Konvektionsschwerpunkte ist man aufgrund der antriebsschwachen Lage stark von
den hochaufgelösten Modellen und des Nowcastings abhängig. ICON-RUC sieht im
aktuellen 07z Lauf bis Sa Mittag erstmal sehr plausibel aus, AROME wohl zu
offensiv.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen