Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Festgefahrene GWL mit Hoch Fennoskandien und Tiefs naher Atlantik bzw.
Mittelmeer. Weiterhin großer Temperaturunterschied von Südwest nach Nordost. Im
Nordosten gebietsweise leichter Niederschlag.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland im Bereich schwacher Druck- und
Potenzialgegensätze. Lediglich im Küstenbereich weht weiterhin ein spürbarer,
wenn auch nicht warnwürdiger Ostwind. Verantwortlich dafür zeichnet das
fennoskandische Hoch EMMERAM, das an seinem Südrand a) für einen leidlichen
Gradienten und b) für etwas Supergeostrophie sorgt. Mit etwas über 1025 hPa ist
der gute EMMERAN gar nicht mal so prominent aufgestellt. Trotzdem übt das Hoch
blockierende Wirkung aus, weil es von einer abgeschlossenen Höhenantizyklone
gestützt wird. Kein Wunder also, dass die Okklusion, welche uns das Doppel-Tief
STEPHIE (int. Leonardo) über dem nahen Atlantik respektive UK/Irland auf den
Hals gehetzt hat, nicht wesentlich über die Elbe hinauskommt. Dort erleidet sie
voraussichtlich schon in den nächsten Stunden das gleiche Schicksal wie viele
Vorgängerfronten auch, die sich an stationären Nordeuropahochs die Zähne
ausgebissen haben - sie löst sich auf.
Das bedeutet aber nicht, dass nicht weiterhin noch eine gewisse
Wetterwirksamkeit gegeben ist. Zwar sind sowohl die frontalen als auch die
dynamischen Hebungsantriebe dünn. Das z.T. leicht konfluente Windfeld sowie die
gute Feuchtsättigung in der vorliegenden Mischluft (Reste der aus dem Hoch
ausfließenden Kaltluft xP vermischt mit der vom Atlantik sich ausbreitenden
Meeresluft mSp) reichen aber offensichtlich aus, um in der Nacht zum Sonntag von
SH bzw. der Ostsee bis hinunter nach Sachsen schwache Niederschläge am Köcheln
zu halten - nicht flächendeckend und durchaus auch mit Unterbrechungen, aber
immerhin. Die Frage, die sich primär stellt, lautet: Was kommt da von oben
eigentlich runter? Tagsüber wurde bei überwiegend positiven Temperaturen Regen,
teils aber auch Schnee oder Schneeregen beobachtet, ohne dass dabei nennenswert
was akkumuliert ist (am ehesten ein wenig in Ostholstein). In den nächsten
Stunden soll nun mehr und mehr die Schneephase in den Vordergrund treten, weil
es erstens niedertroposphärisch abkühlt (T850 von rund -1°C am Abend auf rund
-3°C am Morgen) und die Luftmasse noch hochreichend feucht ist. Damit ist die
Wahrscheinlichkeit für das Auftreten schneekristallbildender Eiskeime ziemlich
hoch. Aber man kennt´s, der Teufel steckt wie so oft im Detail. Nicht immer hält
er sich zu unserem Leidwesen an konzeptionelle Überlegungen vom Reisbrett, wie
uns in der zurückliegenden Woche gleich mehrfach eindrucksvoll vor Augen geführt
worden ist. Die niedrig angesetzten Niederschlagsraten tragen auch nicht zur
Klarheit bei, so dass die Diensthabenden gut beraten sind, das Geschehen
genaustens zu monitoren. Frost steckt im Nordosten noch ausreichend im Boden und
auch die Luft- und Belagstemperatur soll sich zumindest teilweise in Gefilde
knapp unter dem Gefrierpunkt zurückziehen. Kurzum, die Gefahr von gefrierendem
Regen/Nieselregen ist definitiv nicht auszuschließen, auf der anderen Seite aber
auch nicht belastbar vorherzusagen. Wie raus aus dem Dilemma? - Ausgabe einer
prophylaktischen, breit aufgestellten gelben Glätte-Basiswarnung (bereits heute
Mittag geschehen; deckt zudem gefrierende Nässe ab), die bei Bedarf regional
begrenzt auf markant hochgesetzt werden muss (erstmalig am frühen Abend
geschehen).
Ansonsten gilt es noch zu konstatieren, dass die Wolkendecke heute tagsüber im
Westen und Süden vielerorts aufgerissen und die Temperatur in den
vorfrühlingshaften Bereich teils deutlich über 10°C gestiegen ist. Ein Großteil
davon wird in der kommenden Nacht wieder getilgt. Thermisch sowieso, weil es die
Strahlungsbilanz zu dieser Jahreszeit schlichtweg so will. Aber auch die
Himmelsicht wird sich verschlechtern. Nicht etwa wegen der sich unvermeidlich
senkenden Dunkelheit, sondern vor allem wegen der verbreiteten Bildung von Nebel
oder Hochnebel. Die Luftmasse vom Atlantik ist per se schon ziemlich
(grundschicht)feucht, so dass schon etwas langwellige Strahlungsabkühlung
ausreicht, um erste Nebelfelder zu generieren. Hinzu kommt Mischungsnebel in den
Regionen, wo noch Schnee liegt.
Zwar bleibt es häufig frostfrei, doch gerade im Nordosten, in den Mittelgebirgen
sowie Richtung Alpen kühlt es regional in den leichten Frostbereich ab, mögliche
Glätte durch Reif oder gefrierende (Nebel)Nässe inklusive.
Sonntag ... verlagern Boden- und Höhenhoch ihren Schwerpunkt langsam nach Süden.
Das Zentrum des Kollegen EMMRAM findet sich um 24 UTC über den Baltischen
Staaten wieder, von wo aus ein Ableger bis nach Südskandinavien reicht. Zur
gleichen Zeit schlägt das Pendant in der Höhe über der südöstlichen Ostsee auf.
Deutschland verbleibt in Hochrandlage unterhalb geringer, tendenziell leicht
antizyklonal konturierter Potenzialgegensätze, was ziemlich statische
Wetterverhältnisse zur Folge hat. Am meisten Wind geht nach wie vor an der
Küste, wo im Norden Rügens sowie auf Helgoland vielleicht mal die ein oder
andere steife Böe 7 Bft aus östlichen Richtungen vorbeischaut.
Ansonsten passiert nicht allzu viel in unserem Lande. Meist verläuft der Sonntag
bedeckt oder trüb, wobei es im Osten hin und wieder noch etwas grieseln oder
nieseln kann. Mit Annäherung des Hochs lässt sich tendenziell eine Abtrocknung
von oben konstatieren, so dass die Niederschläge zunehmend aus der Grundschicht
heraus generiert werden. Trotz des Tagesgangs der Temperatur kann das Thema
Glätte auch tagsüber nicht gänzlich vernachlässigt werden. Lokal bleibt die
Temperatur bei 0°C hängen und - eigentlich wichtiger als die Lufttemperatur - es
steckt noch immer Frost im Boden. Die Sonne lässt sich am ehesten im Lee der
westlichen Mittelgebirge, im Bereich von Schwarzwald und Schwäbischer Alb sowie
am Alpenrand blicken, teils sogar für längere Zeit. Auch wenn es im Westen und
Süden nicht mehr ganz so mild wird wie heute, bleibt das thermische
Südwest-Nordostgefälle spürbar: -0 bis +3°C im Norden und Osten stehen 7 bis
11°C im Westen und Süden gegenüber. Alle, die sich dazwischen sehen, kommen
maximal auf 3 bis 7°C, was arithmetisch logisch ist.
Die Nacht zum Montag bringt keine substanziell neuen atmosphärischen
Erkenntnisse, zumindest nicht bei uns. Größere Wolkenlücken konzentrieren
weiterhin auf den Westen, Südwesten und die Alpennähe. Allerdings schieben sich
hier und da ein paar hohe oder mittelhohe Wolkenfelder über die Stratuslücken.
Ansonsten lautet das Motto in weiten Teilen Deutschlands Stratus, Hochnebel oder
auch Nebel, wobei im Osten hier und da etwas Schneegriesel und Nieselregen
fallen kann, Glätte inklusive. Insgesamt werden die Flächen mit leichtem Frost
wieder größer als in der Vornacht. Frostfrei bleibt es am ehesten in Teilen
West- und Südwestdeutschlands. Der Ost-Südostwind an den Küsten lässt etwas
nach.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... starten wir sehr beschaulich und unspektakulär in die neue Woche, die
dann aber im Verlauf mit hoher Wahrscheinlichkeit noch Einiges an Spannung und
Abwechslung zu bieten haben wird. Was den Montag angeht, siehe Übersicht von
heute früh. Oder warte auf Sonntagvormittag.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Großwetterlage wird modellübergreifend kongruent eingeschätzt. Wie häufig
bei vergleichbaren Lagen sind es die Niederschlagsprozesse, die für einige
Schwierigkeiten verantwortlich zeichnen. Vor allem die Phasenbestimmung ist aus
im Text angesprochenen Gründen eine Sache für sich, bei der auch die
Qualitätsbestimmung aus dem polarimetrischen Radar an seine Grenzen stößt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann