Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von SEa zu BM
Am Donnerstag (1. Oktober) in der Westhälfte Regenfälle, örtlich Starkregen und
einzelne Gewitter. Unwetter-Regenmengen nicht ganz ausgeschlossen.
Am Freitag anfangs im Alpenraum Starkregen möglich, sonst meist keine markanten
Warnungen erforderlich.
In der Nacht zum Samstag gebietsweise dichter Nebel.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
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Mittwoch... Deutschland liegt heute zwischen einem mehr oder weniger
blockierenden Hoch über Nordosteuropa und einem westeuropäischen Trog mit
Drehzentrum südlich von Island (Tief EVA mit Kerndruck aktuell unter 955 hPa!)
in einer südlichen Strömung, mit der ungewöhnlich warme Luft herangeführt wird.
Die Temperaturen in 850 hPa liegen meist zwischen 13 Grad an der Neiße und 17
Grad am östlichen Alpenrand sowie in Schleswig-Holstein mit entsprechenden
Höchsttemperaturen (s. unten).
Die Kaltfront des Tiefs erreicht etwa bis zum Abend eine Linie südwestliche
Nordsee-Raum Bordeaux, so dass uns die Regenfälle der Front noch nicht
erreichen. Allerdings sind einige mittelhohe und hohe Wolkenfelder eingelagert,
die vor allem den Westen, aber auch anfangs den Nordosten beeinflussen. Es
bleibt tagsüber noch meist trocken. Dazu wird es ungewöhnlich warm mit
Höchstwerten zwischen 22 Grad in Vorpommern und 30 Grad in den Flusstälern
Südwestdeutschlands. In günstigen Hanglagen (Leeseiten) sind dort auch 31 Grad
möglich, was nahe an den Rekordwerten ist.
Der Wind weht heute schwach, im Norden und Osten mäßig, in Böen frisch aus
Südost bis Süd, im Südwesten teils aus unterschiedlichen Richtungen. Von Fehmarn
bis zur Flensburger Förde sind einzelne 7er Böen nicht ausgeschlossen.
In der Nacht zum Donnerstag rücken Trog und Kaltfront etwas dichter an
Deutschland heran. Zwar will der komplette Übergriff noch immer nicht klappen,
doch lassen sich leichte präfrontale Auswirkungen ausmachen. Vor allem der
Wasserdampfgehalt der vor der Front einfließenden Warmluft macht einen
deutlichen Satz nach oben auf z.T. um 40 mm PPW. Und da nun auch die
Hebungsimpulse zunehmen, kommt es etwa in einem vom Emsland über Rhein und Ruhr
bis zum Oberrheingraben reichenden Korridor zu ersten schauerartigen
Regenfällen, die in Sachen Intensität wahrscheinlich aber noch nicht besonders
erwähnenswerte sind. Zumindest signalisieren die meisten Modelle verhaltene
Regenraten von meist unter 5 l/m² in 12 Stunden. Bei leicht erhöhtem MU-CAPE ist
auch ein Gewitter nicht ganz ausgeschlossen, was allerdings nur die Vorläufe von
ICON-D2 im Programm hatten und der aktuelle Lauf von Arome.
Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass es in der Osthälfte häufig gering
bewölkt oder klar und trocken bleibt bei geringer, aber nicht gänzlich fehlender
Nebelneigung (vor allem in Südostbayern). Die Spreizung der nächtlichen
Tiefsttemperatur bleibt unvermindert hoch mit einem vergleichsweise kühlen
Südosten (Abkühlung stellenweise auf unter 5°C) und einem milden bis sehr milden
Westen (19 bis 13°C).
Donnerstag... starten wir in den Oktober und tatsächlich tut sich was in Sachen
Regen. Zwar entfernt sich die mittlerweile schwächelnde EVA (Mittagskerndruck
"nur noch" bei 970 hPa) immer weiter von uns, indem sie via Island die Irminger
See respektive die Dänemarkstraße ansteuert. Gleichwohl, die zugehörige
Kaltfront kommt trotz ihrer Neigung zum Schleifen weiter ostwärts voran. Gepusht
wird sie vor allem von einem Randtrog, der sich aus dem Hauptgebilde löst und
nach Nordostfrankreich schwenkt.
Kurzum, die "Schönwetterzone" mit Sonne und Wärme wird langsam weiter nach Osten
gedrückt. So bleibt man von Vorpommern Südostbayern noch weitgehend
unbeeindruckt von den Geschehnissen weiter westlich (abgesehen von den üblichen
präfrontalen hohen und teils mittelhohen Wolken) bei Tageshöchstwerten zwischen
21 und 27°C. Nach Westen hin nimmt die Bewölkung aber immer weiter zu und es
kommt gebietsweise zu durchaus veritablen, teils schauerartig verstärkten und
mit einzelnen Gewittern durchsetzten Regenfällen. Dabei bieten die Modelle teils
unterschiedliche Intensitätsmaxima an. Das kann zum Beispiel an einer
eingelagerten Wellenstörung liegen, die von den Modellen unterschiedlich
behandelt werden. Auch die Lage möglicher Gewitter ist aus heutiger Sicht
natürlich nicht genau anzugeben und ist eher eine Nowcasting-Angelegenheit.
Die Chancen auf (erwünschten) kräftigeren Regen sind nunmehr größer: Meist
liegen die simulierten Mengen zwischen 5 und 15 l/qm, örtlich zwischen 15 und 25
l/m² innerhalb von 12 Stunden. Vereinzelt stehen sogar über 30 l/qm auf der
Karte. Damit wird natürlich die z.T. katastrophal defizitäre Niederschlagsbilanz
nicht wirklich verbessert. Zwar ist die Luft im Frontbereich alles andere als
labil, gleichwohl sind vor allem am warmen Rand des Regengebietes einzelne
Gewitter mit Starkregen ebenso möglich wie eingelagerte ungewittrige
Starkregenschauer. Die Temperatur kommt im Westen nur noch auf rund 20°C oder
etwas darüber, was für Anfang Oktober immer noch sehr mild ist.
In der Nacht zum Freitag verlagern sich die frontalen und konvektiv durchsetzen
Regenfälle noch etwas weiter nach Osten, kommen aber nicht bis in die Region von
Ostsachsen bis nach Vorpommern voran, da das osteuropäische Hoch weiterhin
hochreichend ist und blockierend wirkt. Die Modelle simulieren allesamt eine
Abschwächung der Regenfälle in der 2. Nachthälfte (Ursache ist KLA, die über die
Front hinwegläuft). Lediglich ICON-EU zeigt im Allgäu weitere Starkregenfälle
über 20 l/qm.
Ungeachtet dessen nehmen die Hinweise zu, dass es ganz im Westen nicht nur
abtrocknet, sondern zudem auch auflockert. Fakt ist, dass der Spread der
nächtlichen Tiefsttemperatur gegenüber den Vornächten abnimmt. So werden in
weiten Landesteilen 16 bis 10°C erwartet, lediglich in den westlichen
Mittelgebirgen (bei Aufklaren) sowie ganz im Osten und Südosten sind noch
einstellige Werte denkbar.
Freitag... Der Kurzwellentrog schwenkt unter Abschwächung von Ostdeutschland zur
zentralen Ostsee. Es bleibt aber am Rande des nach Tschechien gerichteten, vom
westlichen Mittelmeer ausgehendem Höhenkeil eine südwestliche Höhenströmung
übrig, so dass die Front über dem Südosten Deutschlands schleift, sich aber
weitgehend auflöst. Im Osten Deutschlands geht sie dagegen bis zum Abend durch,
schwächt sich aber ebenfalls ab, da der Trog über die Front hinwegläuft. Damit
kommt ganz im Osten kein nennenswerter Niederschlag mehr zusammen. Ansonsten
gibt es von der Ostsee bis nach Bayern örtlich 0,5 bis 4, ganz im Süden
vereinzelt über 10 l/qm (Alpenregion östlich vom Allgäu). Im Westen ist es
bereits unter dem Einfluss des neuen Hochs, das sich zum Nordrand der
Mittelgebirge verlagert, meist trocken und gebietsweise sogar sonnig.
Die Luft, die postfrontal eingeströmt ist, ist deutlich frischer mit
850-hPa-Temepraturen zwischen 11 Grad im Südosten und 6 Grad im Emsland und so
liegen die Höchstwerte nur noch zwischen 19 Grad an der See sowie im mittleren
Bergland und 23 Grad im unterfränkischen Maintal.
Der Wind weht schwach, vereinzelt mäßig und kommt im Norden aus West bis
Südwest, in der Südhälfte aus vorherrschend Nordost.
In der Nacht zum Samstag gibt es im Südosten noch Restwolken, während sonst der
Himmel teils gering bewölkt ist. In der neuen Luftmasse wird es deutlich
frischer als in den Nächten zuvor: Die Tiefstwerte liegen zwischen 12 Grad an
der See und 6 Grad im Münsterland sowie örtlich in Mittelgebirgstälern. In der
maritim geprägten Luft ist diesmal Nebel ein größeres Thema: Nebelschwerpunkte
sind das Norddeutsche Tiefland bis hin zum Rheinland, der nördliche und zentrale
Mittelgebirgsraum sowie Niederbayern (Mos).
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Starkregenwahrscheinlichkeiten steigen morgen von Südwesten her erst am
Nachmittag merklich an nach ICON-D2-EPS: Die höchsten Wahrscheinlichkeiten
zwischen 20 und 40 Prozent gibt es von der Pfalz über Ostwestfalen bis nach
Holstein (6stündig, für mehr als 20 l/qm). In diesem Bereich ist sogar heftiger
Starkregen gering wahrscheinlich. In der 1. Nachthälfte verlagert sich der
Streifen etwas nach Osten (etwa ein Streifen von Baden über das westliche Hessen
bis in den Hamburger Raum ist betroffen) und in der 2. Nachthälfte schwächt sich
der Starkregen deutlich ab.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden