Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 16.08.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Übergang in einen wechselhaften und bei weitem nicht mehr so heißen
Witterungsabschnitt.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... befindet sich Deutschland unterhalb einer zyklonal konturierten
westlichen Höhenströmung, in der immer wieder kurze Wellen ostwärts ablaufen.
Unter "normalen" Umständen würde man daraus einen landesweit wechselhaften
Wetterablauf mit Wolken, Regenfällen und Gewittern ableiten, doch die Realität
sieht zumindest zurzeit noch anders aus. Ein wesentlicher Mitgrund dafür dürfte
in der sehr trockenen Vorgeschichte liegen, die es sehr schwer macht,
nennenswerte Niederschläge sozusagen aus dem "eigenen Saft" zu generieren. Es
braucht also Importe wasserdampfreicher Luftmassen und da hapert es aktuell noch
etwas, auch wenn der Atmosphäre entsprechende Bemühungen nicht abzusprechen
sind.

So hat beispielsweise eine erste Kaltfront den Vorhersageraum erreicht, die
heute Abend aufgrund fehlender klarer Strukturen respektive Marker nur schwer zu
detektieren ist, wohl aber irgendwo zwischen Mitte und Süden zu verorten ist.
Dort lässt sich mit etwas Fantasie auch eine zonal exponierte Tiefdruckrinne
erkennen, die quasi das das süd-südwestliche Anhängsel des Tiefs MARGARETE mit
Kern (knapp unter 1000 hPa) über Mittelfinnland markiert. Im Bereich dieser
Rinne und damit wahrscheinlich gerade noch präfrontal sind derzeit auch die
meisten Gewitter unterwegs, was nur konsequent ist. Sowohl Labilität als auch
Anfeuchtung der Luftmasse funktionieren hier im Deutschlandvergleich am besten.
Hinzu kommt die Aktivierung durch einen der o.e. KW-Tröge, der die konvektiven
Prozesse in den Nachtstunden aufrechthält. Potenziell betroffen davon - wie so
oft kriegen längst nicht alle was ab - sind vor allem die östliche Mitte sowie
die beiden südlichsten Bundesländer exklusive Nordbaden, wo die
Gewitterwahrscheinlichkeit gering bleibt. Im Fokus möglicher
Begleiterscheinungen steht ganz klar Starkregen (lokale Unwetter mit 25 bis 40
l/m² innert kurzer Zeit möglich), während Wind/Sturm und Hagel mit zunehmender
Nachtlänge an Bedeutung verlieren.

Berechtigte Hoffnung auf (ungewittrigen) Regen gibt es im Laufe der zweiten
Nachthälfte auch im Westen, vornehmlich in NRW + unmittelbar benachbarter
Randbezirke. Auslöser ist ein weiterer KW-Trog, der sich von Stunde zu Stunde
verschärft (Krümmung + Amplitude) und dabei ´ne ordentliche Portion PVA auf
seiner Vorderseite zum Einsatz bringt. Das genügt, um bis zum Morgen wenige
Millimeter Regen zu generieren (die Zahl 5 dürfte nicht überschritten werden,
z.T. reicht es nicht mal für einen kargen Liter pro Quadratmeter), was eher
Provokation denn Segen ist, aber nun. Gut möglich, dass auch von der Deutschen
Bucht ein paar Tropfen Regen oder der ein oder andere Schauer den Weg ins
nordseenahe Binnenland findet, während es sonst in Norddeutschland weitgehend
trocken bleibt. Dort wird es mit 15 bis 11°C auch am kühlsten (direkt an der See
etwas milder), während sonst 19 bis 14°C auf der Karte stehen.

Montag ... schwenkt der o.e. Trog unter weiterer Verschärfung langsam über den
Vorhersageraum ostwärts, bleibt dabei aber das prägende synoptische Gebilde.
Bodennah setzt sich eine schwache bis mäßige nordwestliche Strömung durch,
generiert von der weiterhin über Finnland weilenden MARGARETE sowie einem
namenlosen, meridional ausgerichteten Hoch über Westeuropa und dem Europäischen
Nordmeer. Mit dem Nordwestwind wird die Kaltfront peu a peu nach Süden gegen die
Alpen gedrückt, wo die letzten Reste der heute noch präsenten Subtropikluft (xS)
ausgeräumt bzw. durch erwärmte polare Meeresluft (mP) ersetzt werden.

In Norddeutschland sinkt T850 auf Werte um 7°C, was bei wechselnder bis starker
Bewölkung (die meisten Lücken dürften sich in unmittelbarer Küstennähe auftun)
Tageshöchstwerte zwischen 19 und 22°C zur Folge hat. Und da die frisch
einfließende Meeresluft bis etwa 600 hPa indifferent bis leicht labil
geschichtet ist, darf im gesamten norddeutschen Tiefland bis an den nördlichen
Mittelgebirgsrand heran mit dem ein oder anderen Schauer gerechnet werden. Ob es
wie von einigen Modellen angedeutet auch für ein vereinzeltes kurzes Gewitter
reicht, muss angesichts der doch arg limitierten Labilität angezweifelt werden.


Vom Norden in die Mitte, wo zunächst erstmal das kleine mesoskalige Regengebiet
aus der Nacht von West nach Ost durchgeschleust wird. Viel tut sich nicht an der
bescheidenen Intensität. Allenfalls beim Erreichen des Erzgebirges können
staubedingt vielleicht ein bis zwei Millimeter mehr Regen aus den Wolken
herausgequetscht werden. Wir wollen allerdings nicht unterschlagen, dass gerade
in Sachsen und in der Lausitz bis in die Mittagszeit noch vor Eintreffen des
Regens einzelne Schauer und Gewitter ausgelöst werden können. Durchaus mit
Starkregen, so dass wir uns über Farbe Ocker auf der Warnkarte nicht wundern
sollten. Ansonsten bleibt es in weiten Teilen Westdeutschlands und der
westlichen Mitte am Nachmittag weitgehend trocken mit ersten Lücken im Gewölk.
Tageshöchsttemperatur 19 bis 24°C.

Die wetteraktivste Zone des Landes befindet sich am morgigen Wochenanfang
eindeutig in Süddeutschland, wo Kaltfront und Trogspitze sowie der damit
einhergehende Luftmassenwechsel eine durchaus als fruchtbar zu bezeichnende
Symbiose eingehen. Heißt im Klartext, dass sich schon vor der mittäglichen
Brotzeit Gewitter, z.T. aber auch ungewittrige (Stark)Regenfälle vom
oberrheinischen Grenzbereich über Südbaden und Oberschwaben bis hinüber ins
Alpenvorland bzw. den bayerischen Alpenrand verlagern. Bei allem gebotenen
Respekt vor irgendwelchen Warnkriterien dürften die Ereignisse des morgigen
Montags angesichts der Trockenheit doch so manchen Anhänger und Befürworter
finden, auch wenn z.B. Teile des Alpenvorlands noch zu den einigermaßen
begünstigten Regionen dieses Monats/Sommers gehören. 15 bis 25 l/m² innert
kurzer Zeit respektive 20 bis 35 l/m² in wenigen Stunden scheinen gebietsweise
gesetzt, Mengen darüber (Unwetter) nicht ausgeschlossen. Wind und Hagel dürften
angesichts der Rahmenbedingungen (kaum noch DCAPE wegen Durchfeuchtung, wenig
Höhenwind, wenig CAPE) keine prominente Rolle spielen. Am Nachmittag und Abend
zieht sich das Niederschlagsgeschehen mehr und mehr an den Alpenrand zurück, wo
eine leichte Staukomponente dazukommt. Die Intensität nimmt trotzdem langsam ab.
Höchsttemperatur 20 bis 24, an Saar und Oberrhein bis zu 27°C.

In der Nacht zum Dienstag zieht der Potenzialtrog nach Osten ab, was uns unter
eine glatte, nach Mitternacht sogar leicht antizyklonal konturierte
nordwestliche Höhenströmung bringt. Bodennah steigt der Luftdruck etwas an und
bringt leichten Zwischenhocheinfluss hervor, der sich aber als trügerisch
entpuppt. Zunächst allerdings lassen die Schauer im Norden und der nördlichen
Mitte nach bzw. ziehen Richtung Polen und Tschechien ab. Und auch am Alpenrand
kommt das Niederschlagsgeschehen zwar nicht gänzlich zur Ruhe, verliert aber
weiter an Substanz.

In der zweiten Nachthälfte setzt im Westen WLA ein, welche die Warmfront des
nächsten Tiefs (NORA) - dieses Mal nicht über Nordeuropa, sondern
süd-südwestlich von Island positioniert - ankündigt. Die Folgen sind Aufzug
mehrschichtiger Bewölkung im Westen und zum frühen Morgen hin von Benelux her
einsetzender stratiformer leichter Regen (ein Hauch von Landregen), der sich am
Vormittag ost-südostwärts ausweiten wird.

Die Luft kühlt in weiten Landesteilen auf 15 bis 10°C ab. Etwas milder bleibt es
stellenweise im Westen/Südwesten sowie unmittelbar an der See. Dafür kann in
einigen Mittelgebirgen sowie im Norden - längeres Aufklaren vorausgesetzt - hier
und da die 10°C-Marke unterschritten werden.

----------------------------------------------------------------

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Dienstag ... hat sich im neuesten ICON-Lauf von 12 UTC nicht allzu viel getan
gegenüber den jüngsten Vorläufen. Von daher gelten im Großen und Ganzen die
Ausführungen der Frühübersicht.


Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Die groben Muster sowie die grundsätzliche Entwicklung werden modellübergreifend
sehr ähnlich gesehen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann