Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 04.01.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: TrM
Winterlich kalt, vor allem im Norden und Westen, heute auch in der Mitte
weitere, aber meist nur leichte Schneefälle. Lediglich kommende Nacht und am
Montag in Teilen von Schleswig-Holstein (am ehesten in Nordfriesland) markante
Schneefälle möglich, Unwetter nicht ausgeschlossen.
Nachts bei Aufklaren über Schnee, also vor allem im Süden, gebietsweise aber
auch im Norden, häufig strenger Frost.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... befindet sich Deutschland im Randbereich eines umfangreichen
Höhentrogkomplexes, der quasi ganz Nord- und Nordosteuropa überdeckt, unterhalb
einer nordwestlichen Höhenströmung im Zustrom von auch niedertroposphärisch
kalter Meeresluft polaren, vor allem im Norden und Osten auch arktischen
Ursprungs. Die Temperaturen in 850 hPa schwanken landesweit zwischen -8 und -12
Grad, mit den tiefsten Werten im Nordosten. Dort bleibt es somit, ebenso, wie
generell in Lagen oberhalb von 300 bis 600 m, auch tagsüber frostig kalt,
während es ansonsten in den Niederungen bei noch halbwegs gegebener
Durchmischung vielerorts für zarte Plusgrade (0 bis +3 Grad) reicht.
Nach Passage eines Randtroges hat sich gestern bzw. in der vergangenen Nacht
eine breite Schliere sehr kalter Höhenluft (-40 Grad in 500 hPa) vom Nordwesten
über die Mitte bis in die Osthälfte des Vorhersagegebietes ausgebreitet.
Entsprechend ist die Luftmasse dort hochreichend labil geschichtet und es gibt
vielerorts und vereinzelt auch gewittrige Schnee- und Graupelschauer, die als
"Schauerstraßen" organisiert gebietsweise auch für Mehrfachtreffer sorgen, so
dass in den vergangenen 12 bis 24 Stunden in einigen Regionen selbst in den
Niederungen mehr als 10 cm, in den Staulagen der betroffenen Mittelgebirge
(insbesondere Harz und Sauerland) auch mehr als 20 cm Neuschnee zusammengekommen
sind.
Im Tagesverlauf zieht sich der inzwischen über Polen angekommene Randtrog rasch
Richtung Baltikum zurück, am Rande eines kleinen Höhentiefs über dem Südwesten
Norwegens wird ein weiterer Randtrog über die Norwegische See südwärts geführt
und erreicht abends die westliche Nordsee. Damit dreht die Höhenströmung über
dem Vorhersagegebiet langsam auf Westnordwest zurück und die höhenkälteste Luft
wird allmählich nordwärts abgedrängt. In der Mitte, vor allem aber in der
Südhälfte setzt dadurch eine deutliche Stabilisierung eingeleitet, gleichzeitig
schiebt sich von Frankreich her ein flacher Bodenhochkeil nach Süddeutschland.
Das für uns wetterbestimmende Zentraltief über der mittleren Ostsee ("TIZIAN")
füllt sich allmählich weiter auf und kommt zögernd Richtung Baltikum voran.
Entsprechend fächert auch der Gradient über Deutschland auf und der Wind nimmt
weiter ab. Entlang der vorpommerschen Ostseeküste kann es bis in den Nachmittag
hinein noch einzelne steife Böen geben, in einigen Hochlagen stürmische Böen,
die dadurch ausgelösten Schneeverwehungen dürften aber ab dem späten Vormittag
nicht mehr warnrelevant sein.
Mit der Stabilisierung steht im Südwesten und Süden somit ein wettertechnisch
ruhiger Tag ins Haus. Es bleibt weitestgehend trocken und vor allem südlich der
Donau scheint die Sonne. Nach dort bereits klarer Nacht ist die Temperatur
insbesondere an den Alpen sowie im angrenzenden Alpenvorland in den strengen
Frostbereich abgesunken. Tagsüber reicht es dort lediglich im etwas tiefer
gelegenen nördlichen und östlichen Alpenvorland sowie von Südbaden bis zum
Bodensee für zarte Plusgrade, sonst bleibt es frostig.
In der Mitte und im Norden reicht die Labilität dagegen noch für weitere
Schneeschauer, lediglich von Schleswig-Holstein bis nach Vorpommern und
Nordbrandenburg bleibt es - abgesehen von einzelnen, durch Lake Effekt
ausgelösten Schneeschauern vor allem am Vormittag noch im Bereich der
vorpommerschen Ostseeküste - weitgehend trocken und zeitweise scheint auch dort
die Sonne. Ansonsten kommen dort - je nach Ausrichtung der Schauerstraßen - 1
bis 5 cm Neuschnee zusammen, örtlich auch mehr, während einige Regionen sogar
komplett leer ausgehen. Vereinzelt kann auch nochmal ein kurzes Gewitter dabei
sein, am ehesten im Nordseeumfeld. Generell verlagern sich die Schauerstraßen
mit der Stabilisierung von Süden her tendenziell langsam nordwärts, nachmittags
und abends bleibt es auch im Westen und in der Mitte vielerorts trocken.

In der Nacht zum Montag schwenkt der Randtrog von der westlichen zur südlichen
Nordsee, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet auf Westsüdwest
zurückdreht. Mi8t dem Trog verlagert sich ein kleinräumiges Bodentief ("BIRTE")
bis Montagfrüh ins Seegebiet westlich der Deutschen Bucht, während sich
gleichzeitig der Hochkeil über Süddeutschland etwas verstärkt und in die
mittleren Landesteile ausweitet. Entsprechend ziehen sich die zumeist nur noch
leichten bzw. unergiebigen Schneeschauer in den Nordwesten und Norden des Landes
zurück und bringen keine nennenswerten Neuschneemengen mehr.
Spannend wird es dagegen in der Peripherie des Bodentiefs rund um die Nordsee.
Ausgehend vom Tief schiebt sich eine flache Tiefdruckrinne von der Deutschen
Bucht nach Schleswig-Holstein. Über dem relativ warmen Nordseewasser kommt die
diabatische Komponente vor allem im Bereich der sich innerhalb der Rinne
etablierenden Konvergenz voll zur Geltung und es entwickeln sich kräftige
Schneeschauer, die eventuell noch die Ostfriesischen Inseln tangieren, vor allem
aber im Laufe der zweiten Nachthälfte in Nordfriesland kleinräumig große
Schneemengen bringen könnten, insbesondere bei Mehrfachtreffern. Noch ist
unklar, welche Regionen dort im Detail betroffen sind, klar, ist aber, dass
diese Situation bis weit in den Montag, vielleicht auch noch bis in die Nacht
zum Dienstag andauert. Gebietsweise kommen dabei markante Neuschneemengen über 5
cm in kurzer Zeit bzw. über 10 cm in 12 Stunden zusammen, selbst unwetterartige
Mengen mit 10 bis 15 cm in sechs Stunden können kleinräumig nicht ausgeschlossen
werden.
Ansonsten verläuft die Nacht aber wettertechnisch ruhig. Bei klarem Himmel gibt
es in der Südhälfte insbesondere über Schnee vielerorts strengen Frost, in höher
gelegenen Mittelgebirgs- und Alpentälern auch nahe -20 Grad. Auch von
Ostholstein bis nach Vorpommern kann der Himmel östlich aufklaren, dann ist dort
ebenfalls mit strengem Frost zu rechnen. Ansonsten liegen die Minima zwischen -2
und -9 Grad, lediglich im Nordseeumfeld östlich um 0 Grad. Hier und da tritt
Glätte durch Überfrieren von Nässe bzw. Schneematsch und durch Schnee auf.

Montag... schwenkt der inzwischen von der Nordsee über Frankreich bis zur
Biskaya bzw. zur Iberischen Halbinsel reichende und mit mehreren kleinräumigen
Achsen ausgestattete Randtrog nur langsam südostwärts, dessen Achsbereich
erfasst im Tagesverlauf mit -38 bis -41 Grad in 500 hPa auch
Nordwestdeutschland. Das kleinräumige Bodentief nistet sich quasi über der
Deutschen Bucht ein, an dessen Westflanke verlagert sich ein Bodentrog über der
Nordsee zunächst süd-, später südostwärts und erreicht abends Benelux bzw.
Nordwestfrankreich. Somit setzt im Vorhersagegebiet leichter Druckfall ein, der
Hochkeil bleibt aber für die Süd- und weite Teile der Osthälfte
wetterbestimmend. Mit der auf Südwest zurückdrehenden Grundströmung scheint vor
allem an den Nordrändern der südwestdeutschen Mittelgebirge sowie südlich der
Donau, im weiteren Verlauf dann auch an den Nordrändern der östlichen
Mittelgebirge vielerorts die Sonne und es bleibt dort generell trocken.
Weitere Schneefälle gibt es dagegen rund um das Bodentief über der Nordsee,
insbesondere über Nordfriesland und eventuell auch im Bereich der Ostfriesischen
Küste. Markante Mengen in kurzer Zeit sind nach wie vor möglich, Unwetter in
Nordfriesland nicht ausgeschlossen.
Mit Annäherung des Bodentroges und mit zunehmender Labilität der Luftmasse nimmt
auch im Westen und im Bereich der Norddeutschen Tiefebene die Schauertätigkeit
wieder ein wenig zu, dort bleiben die Neuschneemengen aber insgesamt gering,
maximal reicht es für wenige Zentimeter, einige Regionen gehen auch leer aus.
Kurze Gewitter können bei -40 Grad in 500 hPa und etwa -8 Grad in 850 hPa (im
Westen/Nordwesten) nicht ausgeschlossen werden.
Vor allem im Süden, in der Mitte und im Osten fächert der Gradient weiter auf,
so dass dort die Durchmischung fehlt und es auch in tiefen Lagen vielfach für
Dauerfrost reicht. Werte von knapp über 0 werden somit nur noch entlang des
Rheins, in Teilen von NRW, im Emsland und im Nordseeumfeld sowie örtlich an der
Ostsee erreicht.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt der sich weiter formierende und
amplifizierende Randtrog langsam über das Vorhersagegebiet, Frankreich und die
Iberische Halbinsel hinweg südostwärts, morgens reicht dessen Achse in 500 hPa
etwa von Vorpommern bis nach Rheinland-Pfalz. Das kleinräumige Bodentief über
der Deutschen Bucht kommt nun langsam Richtung Festland voran, füllt sich aber
auf, der zugehörige Bodentrog schwenkt nach Nord- und Westdeutschland, verliert
aber ebenfalls deutlich an Kontur. Vor allem in der ersten nachthälfte kann es
in Teilen von Schleswig-Holstein, im Bereich der Elbmündung sowie in
Ostfriesland noch teils kräftige Schneeschauer geben mit markanten
Neuschneemengen in kurzer Zeit, insgesamt klingen diese aber alsbald weiter ab.
Ansonsten kommen die meist nur wenig ergiebigen Schneeschauer mit dem Bodentrog
vom Westen und Norden des Landes noch bis in die mittleren Landesteile und nach
Nordbaden voran, mehr als 1 bis 5 cm Neuschnee, und auch die nur gebietsweise,
kommen dabei aber nicht zusammen.
Im Süden und Osten bleibt es dagegen überwiegend trocken und vor allem von
Südbaden bis nach Oberfranken bzw. südöstlich davon auch gering bewölkt. Dort
muss verbreitet mit strengem Frost gerechnet werden. Sonst bleibt es zumeist bei
leichtem bis mäßigem Frost und lediglich bei Auflockerungen über Schnee kann es
örtlich auf unter -10 Grad abkühlen. Nach wie vor besteht selbstredend
Glättegefahr.

Dienstag... kommt der Trog weiter südostwärts voran, tropft aber über dem Norden
Marokkos schließlich ab und verliert an Kontur. An der Südflanke des
kleinräumigen Höhentiefs über Südwestnorwegen, das sich mit seinem Drehzentrum
nun langsam Richtung Oslofjord verlagert, schwenken weitere flache Randtröge
südostwärts Richtung Dänemark. Daran sind auch kleinere Bodentiefentwicklungen
gekoppelt, die von den Modellen noch unterschiedlich simuliert werden. So hat
der aktuelle ICON-EU-Lauf ein über Jütland ostwärts ziehendes Tief und ein
weiteres, sich über der Deutschen Bucht neu entwickelndes Tief auf der Agenda,
während IFS, ähnlich wie GFS, lediglich ein von der mittleren Nordsee bis zum
Abend nach Süddänemark ziehendes Bodentief simuliert. Das hat natürlich
Auswirkungen auf die Niederschlagsprognosen über Nordwest- bzw. Norddeutschland.
Insgesamt dürfte es aber mit auffrischendem West- bis Südwestwind vor allem vom
Weser-Ems-Gebiet bis nach Schleswig-Holstein mit Annäherung dieser Tiefs wieder
häufiger zu Schneeschauern kommen, bei guter Durchmischung fällt im
unmittelbaren Nordseeumfeld teilweise auch Schneeregen. Im angrenzenden
Binnenland reicht es meist nur für Neuschneemengen von 1 bis 5 cm, nur
kleinräumig können markante Mengen nicht ganz ausgeschlossen werden. Je nach
Lage des Bodentiefs frischt vor allem im Nordseeumfeld der Wind eventuell auch
mit warnrelevanten Böen (Bft 7, maximal Bft 8) auf.
Im Rest des Landes tut sich dagegen nur wenig. Im Bereich des durchschwenkenden
Trogresiduums kann es hier und da mal ein paar Flocken geben, meist bleibt es
aber trocken und vor allem im Südosten zeigt sich auch wieder länger die Sonne.
Auch an der Luftmasse ändert sich nur wenig, wenngleich sich in den Nordwesten
auch niedertroposphärisch allmählich etwas mildere Luft schiebt (T850 hPa abends
zwischen -6 Grad an der Nordsee und -12 Grad in Ostbayern). Im Nordseeumfeld, an
Rhein und Ems steigen die Werte auf knapp über 0 Grad, sonst gibt es überwiegend
leichten Dauerfrost.

In der Nacht zum Mittwoch lässt ICON-EU das Bodentief über der Deutschen Bucht
Richtung südliche Ostsee ziehen, wobei es sich auffüllt. Mit Passage des
Bodentiefs kann es an dessen Südflanke in Norddeutschland von West nach Ost
durchaus auch mal etwas kräftiger schneien mit Mengen über 5 cm in sechs
Stunden, wobei im Nordseeumfeld teilweise auch Schneeregen fällt. Dort
intensivieren sich die Niederschläge dann aber mit Annäherung der Warmfront
eines weiteren Teiltiefs im Laufe der zweiten Nachthälfte wieder.
Die anderen Modelle haben das Bodentief über der Deutschen Bucht so nicht auf
der Agenda und sind somit durchwegs defensiver aufgestellt. Lediglich im
Nordwesten kommen mit Annäherung des nächsten Tiefs, das vom IFS ähnlich wie vom
ICON simuliert wird, vom GFS aber deutlich weiter nördlich, im Laufe der Nacht
etwas kräftigere Niederschläge, im Binnenland als Schnee auf.
In der Mitte und im Süden sowie in Teilen der Osthälfte bleibt es dagegen
trocken und vor allem im Süden und Südosten auch gering bewölkt oder klar. Dort
kühlt es erneut in den strengen Frostbereich ab.

Modellvergleich und -einschätzung
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Der grobe Fahrplan steht, zumindest bis zum Dienstag. Im Detail gibt es aber
Differenzen, insbesondere, was die Schneeschauer in der kommenden Nacht und am
morgigen Montag im Nordseeumfeld angeht. Ob es (am ehesten in Nordfriesland) für
Unwetter reicht, ist noch unklar; die deterministischen Läufe haben sehr
kleinräumig entsprechende Mengen drin, I-D2-EPS zeigt allerdings nur sehr
geringe Wahrscheinlichkeiten dafür.
Ab Dienstagnachmittag bzw. ab der Nacht zum Mittwoch werden die Differenzen dann
insgesamt allerdings größer, betreffen aber nach wie vor erst einmal nur die
Nordhälfte des Landes.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff