Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Anfangs noch unbeständig mit Niederschlägen, zur Wochenmitte zunehmender
Hochdruckeinfluss. Mild bis sehr mild bis ungewöhnlich mild.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
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Aktuell ... ist die atlantische Zonalmaschinerie voll ins Laufen gekommen. West
zyklonal lautet das großräumige Muster, für das nicht nur diverse Tiefs zwischen
Neufundland uns Fennoskandien, sondern auch ein umfangreiches Hoch über
Südwesteuropa inkl. dem westlichen Mittelmeerraum verantwortlich zeichnen. Das
für uns relevante Tief heißt ALINA, die heute Abend wenige hundert Kilometer
südlich von Island liegt, wo sie schwer ums Überleben kämpfen muss.
Mitverantwortlich dafür ist BARBARA, ihres Zeichens Sturmtief über den Grand
Banks und mithin noch weit draußen auf dem Atlantik. Aber, das Tief hegt große
Interesse ostwärts voranzukommen Außerdem greift ihre vorderseitige WLA weit
nach Osten aus, was der Vita von ALINA wenig zuträglich ist. Kurzum, ALINA füllt
sich immer weiter auf und landet am Montag als nur noch unscheinbares Tief am
Südrand der Norwegischen See. Zuvor produziert die Gute mit Hilfe von Über- und
Umströmungseffekten an den norwegischen Gebirgen aber noch ein paar "Kinder" in
Form kleiner Rand- oder Teiltiefs, die sich um Mitternacht rinnenförmig vom
Oslofjord/Skagerrak bis in den Nordosten Polen erstrecken.
Am Südrand dieser Rinne hat seit einigen Stunden eine schleifende Kaltfront den
Weg zu uns gefunden, die heute Abend die Mitte in Richtung Süddeutschland
überquert. Dabei kommt es zu schauerartig verstärkten Regenfällen, die im
Weststau der Mittelgebirge noch intensiviert werden. Z.T. kommen 10 bis 20, im
Schwarzwald und im Bayerischen Wald lokal vielleicht bis zu 30 l/m² innert 12 h
zusammen. Die Schneefallgrenze sinkt im Süden nur geringfügig, so dass die
laufenden Tauwetterwarnungen ihre Gültigkeit behalten. Hinter der Kaltfront
gelangt ein Schwall erwärmter und labil geschichteter Meereskaltluft subpolaren
Ursprungs insbesondere in die Nordhälfte (T850 0 bis -2°C, T500 -25 bis -30°C),
in der sich - animiert durch einen ostwärts schwenkenden KW-Trog - einige
Schauer, vielleicht sogar ein kurzes Gewitter entwickeln. Im höheren Bergland
weht der Südwestwind flott mit Böenspitzen bis Stärke 9 Bft, Brocken 10 Bft.
Auch an der vorpommerschen Küste können vor Mitternacht für wenige Stunden ein
paar 7er-Böen auftreten (kleiner Bodentrog). Die Nacht bleibt frostfrei und auch
relativ mild. Ganz im Norden allerdings kühlt es teilweise auf unter 5°C ab.
Montag ... wölbt sich über nahen Atlantik ein Rücken auf (WLA vorderseitig des
neuen Tiefs BARBARA), was stromab bei uns ein downstream-development auslöst.
Konkret dreht die Höhenströmung nach rechts auf West-Nordwest, was für das
weitere Niederschlagsgeschehen hier im Lande nicht ohne Konsequenzen bleibt.
Zunächst aber gilt es zu konstatieren, dass die Kaltfront über Süddeutschland
südostwärts abzieht, während gleichzeitig die Warmfront der holden BARBARA den
Rücken über- und Westeuropa anläuft. Ergänzend sei noch zu erwähnen, dass uns
die vom Südrand der Norwegischen See bis hinüber nach Belarus reichende o.e.
rinnenartige Tiefdruckkette (ALINA I bis III) ebenso erhalten bleibt wie das
Hoch über Südwesteuropa, das den Namen HEIKO verpasst bekommt. Zwischen Rinne
und Hoch hält sich ein leidlicher Druckgradient, der sich gegenüber heute aber
nicht verstärkt. Dass der westliche Wind trotzdem an Speed und Böigkeit zunimmt,
ist der erhöhten Labilität in der subpolaren Luftmasse (mPs) und dem damit
verbesserten Impulsaustausch geschuldet. Gerade in der Nordhälfte werden
925-hPa-Winde bis zu 40 Kt angeboten, die bei guter Scherung unterhalb des
linken Jetausgangs insbesondere in Schauernähe problemlos nach unten gemischt
werden können. Vor diesem Hintergrund wird bereits heute Abend eine verbreitete
Windwarnung vor Böen 7 Bft, exponiert sowie in Schauernähe 8 Bft, auf einigen
Kämmen, Kuppen oder Gipfeln 9, Brocken bis zu 10 Bft ausgegeben. Etwas weniger
Wind ist im Nordosten zu erwarten, wo die Höhenwinde etwas geringer sind und die
Labilität im untersten Troposphärenbereich durch die nicht ganz so hohen
2m-Temperaturen sowie mehr Bewölkung reduziert ist. Trotzdem können auch dort in
Schauern einzelne 7er-Böen auftreten.
Apropos Schauer, die werden morgen staffelweise und z.T. linienartig oder
bogenförmig organisiert immer wieder von der See ins Norddeutsche Binnenland und
von dort weiter bis in den zentralen bzw. östlichen Mittelgebirgsraum ziehen.
Dabei sind auch Graupelanteile zu erwarten und möglicherweise sind sogar kurze
Gewitter am Start. Die Prognosesoundings sind grenzwertig mit einer schmalen
feucht-labilen Schicht, die je nach Modell mal etwas mehr oder weniger hoch
geht. Fakt ist, dass die konvektive Aktivität im Süden geringer ausfällt, vor
allem nach Südwesten hin, wo die Nähe zum Hoch gegeben und die Schichtung
stabiler ist. Im Südosten dagegen fällt noch längere Zeit schauerartiger Regen
im Schlepptau der allmählich südostwärts abziehenden Kaltfront.
Die Temperatur steigt verbreitet auf 10 bis 16°C mit den höchsten Werten
zwischen Mannheim und Freiburg. Einzig hoch im Norden und Nordosten hinkt man
mit 5 bis 10°C der vorfrühlingshaften Milderung weiter hinterher.
In der Nacht zum Dienstag nähert sich der Höhenrücken dem Vorhersageraum an,
wodurch der Höhenwind weiter rechtdreht auf glatt Nordwest. Dabei gelangt in die
Nordosthälfte ein Schwall etwas kälterer Meeresluft (T850 bis zu -3°C), in der
die Schneefallgrenze im Erzgebirge bis auf rund 800 m, im Thüringer Wald sowie
in den ostbayerischen Mittelgebirgen auf rund 1000 m sinkt. Das ist insofern von
Bedeutung, als dass die Schaueraktivität nur langsam abebbt. Gerade im höheren
Erzgebirge könnten mit Stauunterstützung 5 bis 10 cm Neuschnee zusammenkommen,
während es wohl sonst nur wenige Zentimeter sind.
Während im Nordosten also noch konvektiv gedacht wird, gilt es sich im Westen
und Süden auf stratiform einzustellen. Konkret, die Warmfront der inzwischen
deutlich auf dem Atlantik nach Osten vorgerückten BARBARA nähert sich Benelux
und Nordostfrankreich. Präfrontal setzen bereits vor Mitternacht skalige
Regenfälle ein, die sich mit der nordwestlichen Höhenströmung bis ins
Alpenvorland sowie an den Alpenrand ausbreiten. Dort stauen und intensivieren
sich die Niederschläge, wobei die Schneefallgrenze auf etwa 1200 m sinkt (im
Westteil eher etwas höher, im Ostteil eher etwas niedriger). Sehr gut möglich,
dass in höheren Lagen 10 bis 20, Richtung Berchtesgadener Alpen bis zu 30 cm
Neuschnee fallen. Derweil werden im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb 5
bis 15 l/m² Regen erwartet.
Zwischen die nur langsam abziehenden Schauer und den neuen Regen schiebt sich
ein kleines Zwischenhoch, das im Norden und später auch in Teilen der Mitte eine
längere trockene Phase bedingt und von der Nordsee sogar ein Wolkenfenster
aufgehen lässt. Außerdem kommt es zu einer Aufwölbung und Auffächerung der
Isobaren, so dass der Wind - unterstützt durch den Tagesgang - mit Ausnahme
exponierter Hochlagen spürbar in die Knie geht. Die Nacht bleibt abermals
frostfrei mit einer kleinen latenten Frostwahrscheinlichkeit im Binnenland SHs
für den Fall, dass es dort mal länger aufklart. Auch im höheren
Erzgebirge/Bayerischem Wald ist leichter Frost wahrscheinlich.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... kommt die Warmfront noch etwas nordostwärts voran, wo sie aber
gegen den immer näher rückenden Rücken zu kämpfen hat. Schlussendlich wird die
den Kampf wohl verlieren, nicht aber ohne vorher an den Alpen nochmal ordentlich
abzuladen. Genaueres dazu in der Synoptischen Übersicht von heute früh.
Modellvergleich und -einschätzung
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Kleinere Prognoseunschärfen bewegen sich im handelsüblichen Rahmen und
beeinflussen die geschilderten Abläufe nur marginal.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann