Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 25.09.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
BM
Hochdruckwetter ohne signifikante Wettererscheinungen, aber gebietsweise mit
nächtlichem Nebel und Frost.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
--------------------------------------------------------------
Freitag... heißt das Zauberwort beim aktuellen Wetter wieder einmal Blockierung,
wie sollte es auch anders sein in diesem Jahr? Kenner der Materie wissen also
sofort, dass mit Tiefausläufern bei uns kein großer Staat zu machen ist und das
Wetter antizyklonal geprägt bleibt. Für die eh schon in vielen Teilen
Deutschlands von Trockenheit geplagte Natur sind das keine guten Nachrichten, da
nicht viel Nasses von oben zu erwarten ist.
Ausgangslage für die Blockierung ist ein von den Iberischen Halbinsel und
Nordwestafrika ausgehender Rücken, der sich in leicht positiver Neigung bis nach
Skandinavien aufspannt und von dort Verbindung hat zu einem Höhenhoch über
Nordwestrussland. Etwa vom Bottnischen Meerbusen über das östliche Europa bis
ins zentrale Mittelmeer ist eine Trogkonfiguration zu finden, die aber keinen
Einfluss mehr auf unser Wetter hat. Vielmehr spiegelt sich die
Höhenkonstellation durch Hoch ARNO mit Schwerpunkt über Süddeutschland wider,
das mit einem Hoch über der Iberischen Halbinsel, dem Hoch ZANDER über
Südwestrussland und einem weiteren Hoch über Nordrussland und eine
Hochdruckbrücke begründet. Dieses wird auch in der Großwetterlagenklassifikation
nach Paul James mit einem BM (Brücke Mitteleuropa) gewürdigt, welche übrigens in
der Statistik die häufigste Großwetterlage im September ist und welche oft im
für Ende September/Anfang Oktober typischen "Altweibersommer" endet.
Wettertechnisch ist bei dieser Lage nicht viel los, weshalb am ehesten noch die
Bewölkungsverhältnisse diskutabel sind. Diesbezüglich hat sich im Nordosten eine
dichte Stratusdecke gehalten, die aus Überresten einer feuchten Grundschicht
eines zum östlich von uns gelegenen Trog gehörigen Höhentiefs stammt. Der
Stratus kann sich den Vorhersagen zufolge länger in den Tag, zur Grenze hin
möglicherweise sogar bis zum Abend halten. Im Zuge der tagesgangbedingten
Anhebung der Grenzschicht und etwas WLA kann es unterhalb des Deckels in etwa
800 hPa noch ein paar ausgequetschte Tropfen Nieselregen geben, mehr als 1 l/qm
fällt dabei aber kaum.
Im Rest des Landes herrscht nach Auflösung letzter Nebelreste im Süden überall
viel Sonnenschein bei meist nur wenigen lockeren Wolken, sodass die relative
Sonnenscheinausbeute 70 bis 100% beträgt, was 9 bis 12 Stunden Sonnenschein
entspricht.
Beim Wind ist ebenfalls nicht viel los. Er weht meist nur schwach, im Nordosten
teils mäßig und an den Küsten vereinzelt frisch aus vorwiegend westlichen
Richtungen.
Die Temperaturen steigen in der durch Absinken sich langsam erwärmenden,
alternden Meeresluft subpolaren Ursprungs in T850 hPa auf 5 Grad im Osten,
während von Westen bzw. Südwesten her bereits subtropische Luftmassen mit T850
hPa bis 12 Grad einströmen. In 2 Metern führt das zu Höchstwerten von 15 bis 20
Grad im Osten und von 18 bis 25 Grad sonst.

In der Nacht zum Samstag erreicht uns die Achse des etwas nach Südosten
kippenden Rückens. Damit findet ein Randtrog eines umfangreichen Langwellentrogs
über dem Nordostatlantik den Weg in die Nordsee. Der Langwellentrog wird durch
ein nahezu achsensenkrecht darunterliegendes, steuerndes Islandtief begleitet.
Dessen Kaltfront bahnt sich mit dem Randtrog und einem Teiltief über Südschweden
den Weg in Richtung Nordwestdeutschland, sodass in der zweiten Nachthälfte
zunächst an der Nordsee, zum Morgen hin in einem Bereich zwischen dem
Münsterland, dem Emsland und Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg mehr Wolken
aufkommen. In den Frühstunden kann es daraus an der Nordsee leicht regnen.
Ansonsten sorgt das zum Balkan sich verlagernde Hoch ARNO weiterhin für Absinken
sowie einen gering bewölkten oder klaren Himmel. Dadurch sinken die Temperaturen
zum Teil nochmals kräftig ab und gehen auf 12 bis 0 Grad zurück, lokal leichter
Luftfrost nicht ausgeschlossen. Frost in Bodennähe ist gebietsweise zu erwarten.

Bei windschwachen Verhältnissen ist mit Nebel- und Hochnebelbildung zu rechnen,
die höchsten Wahrscheinlichkeiten dafür gibt es von Nordhessen bis nach Bayern.


Samstag... schwenkt der Randtrog über Dänemark und Südskandinavien nach Finnland
durch. Die Kaltfront dringt dadurch zwar in den Nordwesten Deutschlands vor,
wird dort aber auf dem weiteren Weg nach Südosten durch das Hoch und einer
Wellenbildung an einem weiteren, von Benelux kommenden Teiltief ausgebremst. Die
Welle vermag allerdings kaum größere Akzente zu setzen, da ihr schlicht der
Hebungsinput fehlt und das Absinken auch noch vorhanden ist. So beschränken sich
die Auswirkungen auf stärkere Bewölkung im Norden und Nordwesten, aus der
gebietsweise ein wenig Regen mit Mengen von maximal 1 bis 2 l/qm fällt. Ganz im
Norden kommt es postfrontal am Nachmittag bereits schon wieder zu
Auflockerungen. Präfrontal gilt dies sowieso, sodass etwa südlich einer Linie
Eifel - Rhön - Lausitz wieder 9 bis 12 Stunden Sonnenschein wahrscheinlich sind.

Der Gradient bleibt auch im Bereich der Welle schwach, folglich weht meist nur
schwacher, an den Küsten teils mäßiger Wind aus unterschiedlichen Richtungen.
Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 17 und 21 Grad im Norden und Nordwesten
und zwischen 21 und 28 Grad sonst, im Südwesten sind lokal bis 30 Grad möglich.

In der Nacht zum Sonntag regeneriert sich der Rücken hinter dem abgezogenen
Randtrog wieder und wölbt sich ein wenig nach Skandinavien auf. Die über dem
Norden liegende, nahezu quasistationäre Welle löst sich durch Absinken
allmählich auf, Reste der feuchten Luft lassen die Bewölkung aber nur allmählich
auflockern. Regen fällt daraus allerdings kaum noch. Im Küstenumfeld sowie von
der Mitte bis in den Süden ist es dagegen nur leicht bewölkt oder klar und
trocken. Allerdings bilden sich bei meist nur schwachem Wind erneut gebietsweise
Nebel und Hochnebel, vor allem an der See und südlich der Donau.
Die Temperaturen gehen auf 12 bis 7 Grad unter den Wolken und auf 9 bis 2 Grad
sonst zurück. Im südöstlichen Bayern gibt es geringe Wahrscheinlichkeiten für
leichten Luftfrost oder zumindest Frost in Bodennähe.

Sonntag... schreitet der Aufwölbungsprozess weiter voran, wobei der Rücken kaum
Verlagerungstendenzen zeigt. Infolgedessen bildet sich über dem Baltikum ein
neuer Hochdruckschwerpunkt aus. An dessen westlicher Flanke dreht die Strömung
auf Südwest bis Süd. Mit der daraus resultierenden Versorgung subtropischer
Luftmassen liegen die T850 hPa landesweit zwischen 10 und 15 Grad.
Unter Hochdruckeinfluss gibt es nach Auflösung etwaiger Nebelfelder vor allem
von der Mitte bis in den Süden neuerlich einen sonnigen Tag mit 9 bis 12 Stunden
Sonnenschein. Nach Norden hin bekommt die Wolkendecke auch immer größere Lücken,
sodass es dort für immerhin 6 bis 9 Stunden Sonnenschein reicht. Regen ist nicht
mehr zu erwarten.
Der Wind weht schwach, im Norden teils mäßig aus Süd bis Ost.
In der warmen Luft werden Höchstwerte von 18 bis 25 Grad im Norden und von 24
bis 32 Grad sonst erzielt. Dadurch wackeln mindestens lokal Dekadenrekorde,
unter günstigen Umständen ist sogar der höchste Dekadenrekord von 32,2 Grad,
gemessen am 21.09.2018 im sächsischen Klipphausen-Garsebach, in Gefahr.

In der Nacht zum Montag umrundet ein neuer Randtrog den Langwellentrog über dem
Nordostatlantik und steuert auf die Britischen Inseln zu. Ausgehend vom
Islandtief kann damit ein neues Frontensystem in die Nordsee laufen und sich
Deutschland von Nordwesten anpirschen. Folglich ist es im Nordwesten zunehmend
wolkig, teils auch stark bewölkt. Ob zum Morgen hin ganz im Nordwesten auch
etwas Regen fällt, ist noch nicht sicher. Die meisten Modelle tendieren nicht
dazu, sondern lassen es trocken. In der Südosthälfte ist es unter
Hochdruckeinfluss nur locker bewölkt oder klar.
Der Wind weht schwach, an der See teils mäßig aus Ost bis Südost.
Die Temperaturen sinken auf 16 Grad im Westen bis 4 Grad in Südostbayern.

Modellvergleich und -einschätzung
--------------------------------------------------------------
Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Einzig in der Nacht zum Montag herrscht
etwas Uneinigkeit bezüglich des Herannahens eines neuen Frontensystems. Dabei
sind EZMW und UK10 ein wenig progressiver als die anderen Modelle. Warnrelevanz
ergibt sich daraus bei nur leichten Regenfällen aber nicht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler