Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 04.06.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
SWz
Heute vor allem im Westen und Norden sowie in der Mitte am Nachmittag und
Abendörtlich markante Gewitter mit Sturmböen. Vereinzelt auch Bildung von
Superzellen mit schweren Sturmböen, ganz vereinzelt auch mit orkanartigen Böen.
Ein Tornado kann dabei nicht ausgeschlossen werden.
Dabei auch außerhalb der Schauer steife Windböen bis 60 km/h, oberhalb 800 auch
Böen Bft 8 bis 9, auf dem Brocken Bft 10. Komende Nacht meist abklingende
Gewitter.
Freitagfrüh in den Alpen oberhalb 2000m Übergang der Niederschläge in Schnee und
bis 10 cm Neuschnee.

Im Laufe des Freitags vor allem in der Nordhälfte örtlich markante Gewitter mit
Regenmengen über 15 l/qm und steifen bis stürmischen Böen.
Am Samstag im Norden und in den Alpen nur noch ganz vereinzelt Gewitter, aber
kaum noch Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... Deutschland liegt auf der Vorderseite eines umfangreichen
westeuropäischen Höhentroges, der zum Abend mit seiner Achse Deutschland
erreicht. Auf der leicht diffluenten Trogvorderseite liegt eine Kaltfront, an
die ein umfangreiches Wolken- und Regen- bzw. Schauerband gekoppelt ist. Zudem
baut sich über Deutschland Cape-ML auf, das etwa ab Mittag Werte zwischen 200
und gut 500 J/Kg annimmt. Zudem ist die Scherung mäßig, örtlich stark ausgeprägt
mit häufig 10 bis 15 m/s in unteren Schichten und meist 20 bis 30 m/s zwischen 0
und 6 km. Nur die Auslösung von Gewittern ist etwas gebremst, da sich der Schirm
hoher und mittelhoher Bewölkung auf fast ganz Deutschland ausdehnt und insofern
nur wenig Sonnenschein zur Verfügung steht. Nur in Südostbayern gibt es noch
einige Stunden davon, aber hier ist es recht trocken mit PPWs teils unter 25 mm,
während sonst 27 bis 35 mm auf der Karte stehen. Zudem springt vor allem im
Westen und Norden sowie in der Mitte örtlich die Aufwindhelizität an, was auf
Mögliche Superzellen am Nachmittag und Abend hindeutet. Bei niedrigen
Wolkenuntergrenzen häufig unter 1000 m (außer im Südosten) sind damit auch
Tornados vereinzelt möglich. Für die Auslösung der Gewitter könnte auch ein
Bodentrog herhalten, der etwa ab Mittag von West nach Ost durchzieht. Bei den
erhöhten Scherungswerten ist Außerdem mit der Bildung von Gewitterlinien oder
Kommas zu rechnen, die mit ihren Downbursts Sturmböen Bft 9 bis 10 bringen
können. Ansonsten stehen bei Durchgang von Schauerlinien meist die stürmischen
Böen auf der Karte und außerhalb von Schauern sind vor allem im Westen und
Norden sowie in der Mitte Böen Bft 7 zu erwarten, oberhalb 800 bis 1000 m auch
Böen Bft 8 bis 9, auf dem Brocken Bft 10.
Die Temperaturen erreichen durch den fehlenden Sonnenschein nur 18 Grad im
Westen und 23 Grad nach Osten hin, von der Lausitz bis nach Südostbayern auch 24
bis 26 Grad.

In der Nacht zum Freitag überquert der Trog unter Abschwächung Deutschland
ostwärts. Ein weiterer Troganteil erreicht aber unter Amplitudenvergrößerung den
Westen Deutschlands. Auf der Vorderseite wird die schleifende Kaltfront Stück
für Stück nach Osten abgedrängt. Gleiches gilt für das Regenband, das sich
zunehmend auf der kalten Seite formiert. Einzig im Süden hängt das Ganze
weiterhin zurück, so dass in Südostbayern sowie am Alpenrand bis in die
Morgenstunden mit Regenfällen gerechnet werden muss. Die simulierten Mengen
liegen dort zwischen 10 und 25 l/m² innerhalb von 12 Stunden.
Die Schneefallgrenze sinkt bis 06 UTC etwa auf 2200 bis 2000 m, wobei örtlich 5
bis 10 cm akkumulieren können.

Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die Gewitterei bereits in der ersten
Nachthälfte spürbar in die Knie geht, was einige Nachzügler freilich nicht
ausschließt. Auf der Nordsee legt der SW-Wind nach einer abendlichen Pause
wieder etwas zu (Böen 7 Bft). Bei unterschiedlicher Bewölkung kühlt es auf 14
bis 8°C ab.

Freitag... verbleibt Deutschland weiterhin im Einflussbereich des letztgenannten
Höhentroges, der uns von West nach Ost überquert. Im Bodenfeld schiebt sich
allerdings von Frankreich her erneut ein Azorenhochkeil vor allem nach
Süddeutschland. Die Regenfälle in Südostbayern und in der Lausitz werden somit
am Vormittag von Westen schwächer oder klingen ganz ab.
Insgesamt bleibt die Luftmasse aber labil geschichtet (T850 hPa 4 bis 8 Grad,
T500 hPa -21 bis -18 Grad) und entsprechend entwickeln sich mit dem Tagesgang
und bei mit der Einstrahlung generierter Cape-ML von etwa 50 bis 300 J/kg (bei
ICON-D2 vereinzelt bis 500 J/Kg) im Tagesverlauf Schauer und auch einzelne
Gewitter, wobei letztere nur noch örtlich eng begrenzt markante
Begleiterscheinungen aufweisen dürften, da die Gewitterzutaten allesamt
zurückgehen (PPWs nur noch 20 bis 25 mm, Scherung gering und Wind in 850 hPa nur
noch um 15 kt).
Im Südwesten und Süden wirkt der Hochkeil dämpfend, so dass es dort nur wenige
Schauer und, ebenso wie an der Nordsee, auch längere sonnige Abschnitte geben
dürfte. Die Höchstwerte pendeln sich - je nach Sonne - meist zwischen 17 und 22
Grad ein mit den höchsten Werten im Oberrheintal und im Süden Brandenburgs.

In der Nacht zum Samstag wandert von Ostfrankreich und Belgien ein Höhenrücken
nach Deutschland, später bringt ein schwacher Kurzwellentrog (Achsenlage am
Morgen Ostfrankreich-Belgien) im Westen neue Wolkenfelder. So klingen die
Schauer im Keilbereich rasch wieder ab, teilweise klart es auf und mit Minima
zwischen 11 und 4 Grad steht eine recht frische Nacht ins Haus.
Der Wind flaut ab und dreht im Randbereich des zur Slowakei wandernden kleinen
Hochdruckgebietes meist auf Südost zurück.

Samstag... schwenkt der flache Kurzwellentrog mit der südwestlichen
Höhenströmung über Deutschland nach Nordosten und verliert weiter an Kontur. So
steht vor allem der Osten Deutschlands im Einflussbereich des flachen
Hochdruckgebietes über Polen und der Westukraine. Im Tagesverlauf erreicht aber
ein weiterer Höhentrog Großbritannien mit kleinem Drehzentrum über
Südostengland. Wir kommen damit auf seine hebungsaktive Trogvorderseite und
abends kommt der Westen sogar direkt in den Bereich der Trogachse. In der wieder
etwas angefeuchteten und wärmeren Luft (PPWs um 25 mm, Temperatur in 850 hPa
zwischen 6 Grad im Nordwesten und 10 Grad im Südosten) kommt im Tagesverlauf
Cape-ML auf zwischen 50 und 300 J/Kg. So ist es Vormittag vor allem nach Osten
hin noch recht freundlich, während in der 2. Tageshälfte von Westen her die
Bewölkung zunimmt. Allerdings gibt es vor allem in der Westhälfte viel
stratiforme Bewölkung und es wird dort im Tagesverlauf meist Regen simuliert und
Gewitter beschränken sich eher auf den Norden Deutschlands und die Alpen. Im
Osten Deutschlands simulieren die Modelle (vor allem ICON) nur wenig Regen oder
Schauer und Gewitter. Die Höchsttemperaturen liegen wieder etwas höher mit
Werten zwischen 20 Grad an der Nordsee und 25 Grad in der Lausitz.
Der Wind lebt im Tagesverlauf etwas auf und dreht auf Süd bis Südost, an der
Ostsee später auf Ost.

In der Nacht zum Sonntag zieht der Trog nach Deutschland und besitzt gegen
Morgen bei ICON-Eu und GFS ein Drehzentrum über Niedersachsen. So muss man im
Trogbereich auch nachts mit lokalen Schauern oder örtlich mit Regen gerechnet
werden. Anfangs kann auch noch ein isoliertes Gewitter dabei sein. Im Süden gibt
es nur wenig Regen, da sich neuerlich der Azorenhochkeil zu den Alpen
vorschiebt. Wegen der stärkeren Bewölkung wird es vor allem im Norden nicht so
kalt. Die Tiefstwerte liegen zwischen 14 Grad an der Nordsee und 8 bis 9 grad im
östlichen Mittelgebirgsraum. Der Wind lebt in Schauernähe stark böig auf und
kommt aus Südwest bis Südost, an der Ostsee anfangs aus Ost.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die externen Modelle simulieren Großräumig recht ähnlich. Allerdings berechnet
SuperHD doch deutlich stärkere Böen als ICON-D2 für die heutige windanfällige
Lage.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden