Synoptische Übersicht Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWa (Südwest antizyklonal)
Zum Winterende Brachial-Frühling - heute nach Nebel verbreitet sonnig mit
rekordverdächtigen Tagestemperaturen. Am Wochenende leicht wechselhaft und
zurückgehende Temperaturen, aber keinesfalls kalt.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Freitag... schreiben wir den vorletzten Tag des Winters 2025/26, der zumindest
in Teilen und Phasen das erfüllt hat, was man von einem Winter erwartet - Winter
nämlich. Schnee, Eis, Frost, alles Begriffe, die es im Gegensatz zu jüngst
zurückliegenden Wintern sehr viel häufiger in die Gazetten, Nachrichten,
Wetterberichte usw. geschafft haben. Und auch die Tatsache, dass dieser Winter
nahezu im gesamten Norden und Osten sowie gebietsweise in Ostbayern zu kalt
gegenüber der Referenz 1991-2020 zu Ende gehen wird, verdient Beachtung.
Inzwischen allerdings hat quasi im vorauseilenden Gehorsam der Vorfrühling
Einzug bei uns gehalten und daran wird sich zunächst auch erstmal nicht viel
ändern. Zwar wird heute der bisher wärmste Tag des Jahres in weiten Landesteilen
erwartet, wobei sicherlich Stationsrekorde für Februar gerissen werden (siehe
dazu auch das letzte Kapitel "Modellvergleich"). Die Abkühlung, die am
Wochenende kommt, bringt aber immer noch überdurchschnittliche Temperaturen für
Ende Februar/Anfang März, zumindest tagsüber.
Steigen wir ein in die aktuelle Großwetterlage, die Deutschland im
Übergangsbereich zwischen einem gerade nach Osten abgewanderten Höhenrücken und
einem Trog über dem nahen Atlantik sieht. Beide Potenzialgebilde interagieren
mit entsprechenden Bodendrucksystemen: im Osten HEIKO, seines Zeichens
meridional exponiertes Hoch, das von Rumänien bis hoch nach Nordrussland reicht.
Im Westen DOREENA, ihres Zeichens Randtief des großen Nordmeerwirbels CHIARA.
DOREEN befindet sich aktuell im Seegebiet knapp südlich von Irland, von wo aus
es Richtung Südeengland geht. Verbunden sind Haupt- und Randtief durch ein
langgestrecktes Frontensystem, welches u.a. auch über die Nordsee verläuft.
Genau genommen erfolgt dort der Übergang von Warm- (DOREENA) zu Kaltfront
(CHIARA), wodurch schnell deutlich wird, dass es mit der Progression der Front
nicht weit her ist. Wie auch, liegt sie doch inmitten respektive unter einer
südwestlichen Grundströmung und mithin strömungsparallel.
Kurzum, die Front selber wird es heute nur mit Mühen schaffen, deutschen Boden
zu betreten, zumindest festen. Trotzdem wird es reichen, dem äußersten
Nordwesten dichtes frontale Gewölk zu kredenzen, aus dem es im Tagesverlauf
zwischen Emsland und deutsch-dänischer Grenze anfängt zu regnen (auf Sylt, Amrum
und Föhr tut es das jetzt schon gelegentlich). Zudem frischt der Südwestwind
mitunter böig auf, was der Küste sowie dem schleswig-holsteinischen Binnenland
wohl aber nur vereinzelte Böen 7 Bft bringt und die Warnerregung in Grenzen
hält. Das gilt auch für den Nordrand der westlichen Mittelgebirge, wo der
Südwestwind ebenfalls etwas aufbrist, Böen 7 Bft wohl aber nur die Ausnahme
sind. Weitaus stürmischer dagegen präsentiert sich einmal mehr der Brocken,
dessen Böigkeit in Liga 9-10 Bft spielt - man kennt´s.
Abseits vom Nordwesten steht uns heute ein sonniger oder nur locker bewölkter
Freitag ins Haus. Okay, erst müssen noch einige Nebelfelder in der Mitte sowie
in Bayern weggeräumt werden, was aber mit Hilfe leichter Durchmischung sowie des
soliden Sonnenstands bis in die Mittagsstunden weitgehend erledigt sein sollte.
Dann geht´s hoch mit der Temperatur auf verbreitet 15 bis 21, am Oberrhein bis
zu 23°C. Frischer bleibt es nur im äußersten Nordwesten sowie bei auflandiger
Windkomponente an der See.
In der Nacht zum Samstag verlagert sich das kleine, stark elliptisch geformte
Randtief von Südengland raus auf die Nordsee. Gut möglich, dass der Nachtanalyst
- ausreichend Wach- und Achtsamkeit vorausgesetzt - zwei Kerne findet, auch wenn
das aufgrund der geringen Datendichte über See eine Herausforderung darstellt.
Ist letztlich auch egal. Fakt ist, dass die Front als Kaltfront etwas
landeinwärts vorankommt und dabei sehr wahrscheinlich eine kleine Welle schlägt.
Mit Annäherung des Troges von Westen her ist in der unteren und mittleren
Troposphäre ist eine gewisse Verdickung in der Relativen Feuchte erkennbar und
auch die vorübergehende Intensitätszunahme des weite Teile Nord- und
Westdeutschland erfassenden Regens spricht dafür. Akkumuliert über 12 Stunden
können im nördlichen und westlichen NDS sowie in Teilen von SH zwischen 5 und 10
l/m² zusammenkommen.
Der große Rest des Landes bleibt davon - abgesehen von einigen hohen Wolken
insbesondere in der Westhälfte - unangetastet, sprich, leicht antizyklonal
beeinflusst. Bedeutet gering bewölkter oder klarer Himmel, in der Mitte sowie im
Bereich der oberen Donau + Niederbayern/Oberpfalz einige Nebelfelder und von
Oberschwaben bis hinüber in den Osten und Süden des weiß-blauen Freistaats
stellenweise leichter Frost.
Samstag... steigt in der Bundesliga das vermeintliche Spitzenspiel BvB vs.
Bayern, was nach dem Dortmunder Desaster vom Mittwoch in der Lombardei aber
eigentlich kein Spitzenspiel mehr ist. Mehr dazu im KICKER. Hier geht´s ums
Wetter und da gilt es zu berichten, dass sich nicht nur der Potenzialtrog immer
weiter dem Vorhersageraum annähert. Auch die kleine DOREENA kreuzt so manche
Seemeile in Richtung Kimbrische Halbinsel. Dabei behält sie ihre stark
elliptische Geometrie bei, was dazu führt, dass am Südrand des Tiefs ein relativ
scharf geschnittener Bodentrog vorhanden ist. Dieser schwenkt am Vormittag über
die südwestliche Nordsee hinweg, erreicht die Niederlande, um gegen Abend ohne
Kontrolle die Grenze zu NDS zu überschreiten. Schon im Vorfeld kommt es im
äußersten Westen und Nordwesten zu einer Stauchung der Isobaren, was dort einen
spürbar auffrischenden Südwestwind mit Böen 7 Bft, exponiert (z.B. Aachener
Raum) vielleicht sogar 8 Bft zur Folge hat.
Zuvor macht die Kaltfront weiter Boden in Richtung Ost-Südost gut, wobei sie
deutlich an Wetterwirksamkeit einbüßt, weil die Welle mit dem Regen zur Ostsee
bzw. nach Südschweden abzieht. Erst am Spätnachmittag bzw. am frühen Abend
kommen mit Annäherung des Troges wieder neue, schauerartige Regenfälle von der
Nordsee sowie den Niederlanden auf und auch im Südwesten können zum Abend hin
vereinzelte Schauer aus dem Bergland heraus nicht ganz ausgeschlossen werden.
Ansonsten verläuft der Samstag in der Westhälfte sowie in weiten Teilen
Norddeutschlands nach z.T. noch sonnigem Start wolkig bis stark bewölkt, während
nach Osten und Südosten zu die Sonne scheint - entweder von Anfang an oder wenn
sich der Nebel aufgelöst hat.
Postfrontal gelangt ein Schwall erwärmter Meereskaltluft subpolaren Ursprungs
(mPs) insbesondere in die Nordwesthälfte, in der T850 auf 0 bis -2°C zurückgeht.
Das geht freilich nicht spurlos an der 2m-Temperatur vorbei, die im Westen und
Nordwesten zwar weitgehend zweistellige Höchstwerte, die 15°C-Marke aber nur mit
Mühe oder überhaupt nicht mehr erreicht. Wärmer wird es logischerweise im Osten
und Süden, für 20°C wird es wahrscheinlich aber nicht mehr langen.
In der Nacht zum Sonntag passiert die noch immer ziemlich fitte DOREENA (zwar
nur etwas unter 1010 hPa Kerndruck, der aber konstant über einen längeren
Zeitraum gehalten wird) den Skagerrak in Richtung Südschweden. Der zugehörige
Bodentrog schwenkt zügig über Norddeutschland hinweg, wobei er etwas an Kontur
einbüßt. Gleichwohl bleibt das regional kleine und zeitlich auf ganz kurze Zeit
limitierte Windmaximum mit Böen 7 Bft, vereinzelt 8 Bft erhalten und verlagert
sich via SH, HH, NDS bis nach Vorpommern, wo es in der zweiten Nachthälfte
zuletzt ankommt.
Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass die Kaltfront bis zum östlichen
Alpenrand vorankommt, obwohl sie durch leichten Druckfall südlich des Hauptkamms
etwas ausgebremst wird und in die Warmfront eines flachen Tiefs unweit von
Sardinien übergeht. T850 geht auf 0 (SO) bis -4°C (N) zurück, wobei es im Süden,
aber auch am Bodentrog im Norden mitunter regnet. Ansonsten steigt der Luftdruck
etwas an und die Wolkendecke lockert in der frisch eingeflossen Luftmasse
teilweise auf. Tut sie das für längere Zeit, kann sich lokal (Mitte/SW) Nebel
bilden. Die Frostwahrscheinlichkeit ist in dieser Nacht gering, am ehesten
rutschen einige höhere Berglagen ins Minus.
Sonntag... starten wir in den meteorologischen Frühling 2026 und tun das mit
leichtem Hochdruckeinfluss. Das Zwischenhoch, das seine Geburtsstunde in der
Nacht zuvor hatte, dockt im Osten an den inzwischen mit seinem Schwerpunkt im
Schwarzmeerraum positionierten HEIKO an, während Richtung Iberische
Halbinsel/Atlantik eine lose Verbindung zum Azorenhoch und dessen Keil mit dem
Namen IACKEL besteht. Ganz lupenrein ist der Hochdruckeinfluss aber nicht, weil
der o.e., mittlerweile stark positiv, also nach Südwesten geneigte Trog ostwärts
durchschwenkt. Unter dem Strich bedeutet das eine nicht gänzlich homogene
Mischung aus Sonne und Wolken. Im Süden und Südosten ist der Wolkenanteil
allgemein höher, vor allem anfangs kann es hier und da noch etwas regnen. Die
höchsten Sonnenanteile sind in einem Korridor zu erwarten, der von Nordbaden/RP
und NRW bis hinüber nach BB und Vorpommern reicht. Noch weiter im Nordwesten
ziehen im Tagesverlauf bereits wieder neue Wolken auf, aus denen gegen Abend an
der Nordsee erste Tropfen fallen können. Weit nach Osten ausgreifende WLA
vorderseitig eines sich südlich Islands einstellenden Sturmtiefs (noch nicht
benannt, könnte aber ELKE werden) sowie die Annäherung von Fronten (zunächst
eine vergammelnde Alt-Okklusion des Vorgängertiefs, dann die Warmfront des neuen
Tiefs) sind die antreibenden Faktoren, die im äußersten Norden und Nordwesten
auch in der Nacht zum Montag noch greifen (dichte Wolken, mitunter etwas Regen).
Temperaturmäßig steuern wir auf 10 bis 15°C zu, ganz oben im Norden und oben auf
den Bergen frischer. Die Nacht drauf bringt im Süden und der Mitte bei längerem
Aufklaren leichten Frost und einige Nebelfelder. Der Wind spielt keine große
Rolle. Lediglich auf der Nordsee frischt er mit vorübergehender Rückdrehung auf
Süd zum Abend hin mal etwas stärker auf, ohne dass daraus - Stand jetzt -
Handlungsbedarf beim Warnen erwächst.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Trotz der leichten Abwechslung, die die
Lage bringt, dürfte das größte Interesse sowohl der Fachwelt als auch der
Öffentlichkeit auf die heutige Temperaturentwicklung gerichtet sein. Die
Erwärmung ist zweifelsohne rekordverdächtig für Ende Februar und wird mit
Sicherheit einige oder auch mehrere Stationsrekorde bringen. Ob auch der in der
Datenbank des DWD verfügbare bisherige Allzeitrekord für Februar vom
26.02.1900!! der nicht mehr existenten Station Arnsberg im Sauerland fällt, ist
eher unwahrscheinlich. 24,5°C stehen in den Chroniken des Königlich Preussischen
Meteorologischen Instituts, gemessen seinerzeit von keinem Geringeren als
Gymnasiallehrer Prof. Dr. Andreas Hinze. Der Eintrag dieses Werte ist verbrieft
und belegbar, die Art und Weise, wie er gemessen wurde nicht mehr. Sehr mild war
es zum damaligen Zeitpunkt definitiv (Re-Analyse, andere Messungen) und mit
Unterstützung von Föhneffekten bei südlicher Anströmung sind solche Peaks in der
Region Rothaargebirge keine Seltenheit. Trotzdem bleiben gewisse Restzweifel, ob
der Werte nicht doch ein paar Zehntel zu hoch ausgefallen ist. An Messstandards,
wie sie heute verlangt und auch erbracht werden, war damals noch nicht zu
denken. Trotzdem schön und wichtig, dass überhaupt gemessen wurde!
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann