Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Im Norden am Sonntag erstes "Herbststürmchen" mit stürmischen Böen, an den
Küsten und in einigen Gipfellagen Sturmböen, auf dem Brocken schwere Sturmböen.
Dazu dort auch einzelne Graupelgewitter.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... hat sich - zu dieser Jahreszeit nicht unüblich - eine von der
Neufundlandbank quer über den Nordatlantik bis nach Südskandinavien reichende,
recht kräftige, zonal ausgerichtete und nur leicht mäandrierende Frontalzone
etabliert, unterhalb deren "warmen" Südflanke sich das Vorhersagegebiet befindet
(Großwetterlage entsprechend "West antizyklonal").
Darin eingebettet, verlagert sich im Laufe der Nacht an der Südflanke des
hochreichenden Zentraltiefs "BEA" über dem Nordmeer ein aktuell noch flacher
Randtrog unter beginnender Amplifizierung über Schottland hinweg zur nördlichen
Nordsee. Das geht vor allem über Norddeutschland mit einem nicht unerheblichen
Geopotenzialverlust einher und die westliche Höhenströmung verstärkt sich dort
nicht nur, sondern bekommt nahe eines bis Sonntagfrüh Richtung Niederlande
vorstoßenden Jetstreams eine deutlich zyklonale Kontur. Die Südhälfte bleibt
hingegen im Einflussbereich eines über dem Alpenraum, liegenden, zonal
ausgerichteten Höhenkeils, der nur wenig Anstalten macht, nach Süden abgedrängt
zu werden.
Im Bodenfeld hat sich im Lee des Norwegischen Küstengebirges bereits ein
Teiltief über Mittelschweden entwickelt, das sich nachts weiter vertieft und
morgens mit einem Kerndruck von unter 985 hPa über dem Bottnischen Meerbusen
aufschlägt. Es übernimmt in weiterer Folge die zentralsteuerende Funktion, da
sich das bisherige Zentraltief über dem Nordmeer vor der Haltenbank langsam
auffüllt.
Die Warmfront des Tiefs hat inzwischen mit dichter Bewölkung, aber nur leichten
Regen- bzw. Nieselregenfällen die Nordhälfte ostwärts überquert, während die
Kaltfront mangels Schubkomponente über der mittleren Nordsee zunächst kaum nach
Süden vorankommt. Während der Tag in der Nordhälfte also überwiegend stark
bewölkt bis bedeckt endet, ist es im Süden, im Einflussbereich einer von den
Azoren über Frankreich bis nach Osteuropa reichenden zonal ausgerichteten
Hochdruckzone meist gering bewölkt. Im Warmsektor strömt sehr milde Luft aus
Südwesteuropa ins Vorhersagegebiet mit Temperaturen in 850 hPa zwischen 9 Grad
im Norden und 13 Grad im Südwesten, somit wurden am Oberrhein nochmal
sommerliche Höchstwerte bis 26 Grad erreicht und auch unter den dichten Wolken
im Norden blieb es mit 18 bis 21 Grad sehr mild. Mit der sich noch etwas
verstärkenden Hochdruckzone über Süddeutschland hat sich im Norden ein scharfer
Gradient eingestellt und es gibt vor allem an den Küsten und im angrenzenden
Binnenland steife, an Nordseeküstenabschnitten mit auflandigem Wind auch
stürmische Böen aus Südwest, auf dem Brocken teils schwere Sturmböen.
Im Laufe der Nacht kann die Kaltfront mit Annäherung des Troges allmählich an
Fahrt aufnehmen und greift mit schauerartigen Regenfällen meist nur leichter
Intensität (die bodennahe KLA ist schon zu stark) auf Norddeutschland über.
Morgens erreichen die Niederschläge in etwa eine Linie Eifel-Niederlausitz,
dabei fallen meist nur wenige l/m², gebietsweise reicht es auch nur für ein paar
Tropfen, lediglich im Stau der westlichen Mittelgebirge können kleinräumig an
die 5 l/m² zusammenkommen.
Postfrontal strömt die maritim erwärmte Polarluft zunächst nur flach nach
Norddeutschland, in etwa 700 hPa befindet sich eine dünne Sperrschicht.
Entsprecht fällt die Schauertätigkeit nur mau aus, Gewitter sind (noch) keine
mit von der Partie. Vor allem im Nordwesten lockern die Wolken auch stärker auf.
Der Wind nimmt tagesgangbedingt im Binnenland, aber postfrontal mit
vorübergehender Auffächerung des Gradienten auch an den Küsten etwas ab. Im
Nordseeumfeld gibt es aber nach wie vor steife Böen (Bft 7), morgens nimmt mit
Annäherung eines Bodentroges aber bereits wieder das Potenzial für einzelne
stürmische Böen (Bft 8) aus West wieder zu. Auf dem Brocken gibt es durchgehend
Sturmböen, zeitweise sogar schwere Sturmböen aus West bis Südwest.
In der Südhälfte werden die Wolken zwar auch allmählich etwas dichter, insgesamt
bleibt es aber noch locker, teils auch gering bewölkt. Nebel gibt es selten und
wenn, ist er wohl meist nicht warnrelevant. Dort wird die Nacht mit Minima
zwischen 12 und 7 Grad nochmal recht frisch, während es in der Mitte und im
Norden mit 17 bis 12 Grad deutlich milder bleibt.
Sonntag ... überquert der Höhentrog unter weiterer Amplifizierung die Nordsee
sowie den Norden und Ostend es Vorhersagegebietes rasch südostwärts. Mit einem
weiteren Trogvorstoß über der Irmingersee wölbt sich ein breiter Höhenrücken
über dem nahen Ostatlantik bis nach Island auf, so dass die Höhenströmung über
dem Vorhersagegebiet trogrückseitig auf Nordwest dreht. Das verleiht der
Kaltfront wiederum vor allem am Nachmittag und Abend eine deutliche
Schubkomponente, so dass sie zunächst langsam, später rasch die Mitte überquert
und abends in etwa eine Linie Nordbaden-Oberpfalz erreicht. Kräftige, die Front
überlaufende KLA führt über West- und Südwestdeutschland zu deutlichem
Druckanstieg, so dass die Front in ein zunehmend frontolytisches Umfeld gerät
und von Westen her an Wetterwirksamkeit einbüßt. Vormittags kann es vor allem in
den Weststaulagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge auch mal etwas
kräftiger regnen (dort 5 bis 10 l/m², sonst meistens lediglich 0 bis 5 l/m²),
nachmittags fällt dann im Westteil der Front kaum mehr Regen und nach Osten zu,
also in den östlichen Mittelgebirgen sowie in Ostbayern, kommen nur noch maximal
1 bis nahe 5 l/m² zusammen. Etwa vom Saarland bis ins nördliche Alpenvorland und
weiter südlich bzw. südwestlich bleibt es vielerorts komplett trocken.
Postfrontal folgt maritime Polarluft, im Norden und in der Mitte sinkt die 850
hPa-Temperatur auf etwa 3 bis 5 Grad, präfrontal ganz im Süden verharrt sie
zwischen 10 und 13 Grad. Vor allem von Nordbaden/Südpfalz bis ins östliche
Oberbayern scheint somit noch länger die Sonne, ehe nachmittags und abends auch
dort die Wolken dichter werden. In den Regionen werden spätsommerliche Maxima
zwischen 22 und 26, im südlichen Oberrheingraben knapp 27 Grad erreicht.
Im Norden und in der Mitte lockern die Wolken nach Frontpassage rasch wieder
auf, vor allem im Nordwesten scheint dann auch mal länger die Sonne. Mit
Trogpassage erfolgt ein Vorstoß höhenkalter Luft in den Norden und Nordosten des
Landes mit -23 bis -25 Grad in 500 hPa. Entsprechend stellt sich dort eine rege
Schauertätigkeit ein, vereinzelt sind auch Graupelgewitter am Start.
Am markantesten gestaltet sich allerdings die Windentwicklung. Mit Vorstoß des
Hochkeils und mit der nur langsamen Verlageruung des sich kaum auffüllenden
Tiefs über dem Norden Skandinaviens bzw. der Kola-Halbinsel stellt sich in der
gesamten Nordhälfte bis weit in die Mitte ein scharfer Gradient ein, si dass
durchaus von einem ersten "Herbststürmchen" die Rede sein kann. Bis weit in die
Norddeutsche Tiefebene muss vor allem in Schauernähe mit stürmischen Böen aus
West bis Nordwest gerechnet werden, kräftigere Schauer und vor allem Gewitter
können nicht zuletzt angesichts der markanten Scherung auch von Sturm-, bei
organisierter Gewittertätigkeit sogar ganz vereinzelt von schweren Sturmböen
begleitet werden.
An Küstenabschnitten mit auflandigem Wind muss ebenfalls mit mit Sturmböen
gerechnet, auf dem Brocken gibt es häufiger schwere Sturmböen. Steife Böen
stellen sich noch bis zur Landesmitte ein, in den Mittelgebirgen kann es dort
stürmische Böen geben, weiter südlich ist der Wind dann aber nicht mehr
warnrelevant.
Die Temperaturen erreichen angesichts der gut durchmischten Luftmasse und auch
aufgrund der hohen Oberflächentemperaturen der umgebenden Meere auch im Norden
und in der Mitte milde 17 bis 21, Richtung Lausitz vielleicht noch 22 Grad.
In der Nacht zum Montag zieht der Höhentrog rasch nach Osten ab, der Rücken
erreicht die Britischen Inseln und die nordwestliche Höhenströmung steilt noch
etwas auf. Dabei streifen weitere kurzwellige Randtröge den Norden und Nordosten
Deutschlands und halten dort vor allem entlang der vorpommerschen Ostseeküste,
aber auch weiter landeinwärts eine rege Schauertätigkeit aufrecht, kurze
Gewitter nicht ausgeschlossen. Weiter westlich, von der Nordsee bis nach
Schleswig-Holstein bzw. ins nördliche und östliche Niedersachsen, gibt es
ebenfalls noch einzelne Schauer, die aber mehr und mehr abklingen.
Die Kaltfront erreicht im Laufe der Nacht die Alpen, wobei es lediglich an den
Alpen und im Alpenvorland noch häufiger regnet (im Stau der Alpen bis
Montagfrüh). Bei weiterem Druckanstieg auf über 1030 hPa bis Montagfrüh im
Westen und Süden löst sie sich mehr oder weniger komplett auf.
Der Wind lässt vor allem tagesgangbedingt, aber auch mit einem von Südwesten
auffächernden Gradienten im Norden und in der Mitte zumindest in den Niederungen
bzw. im Binnenland nach, an den Küsten sowie im direkt angrenzenden Binnenland
gibt es aber weiterhin stürmische Böen, exponiert insbesondere an der
vorpommerschen Küste sowie auf dem Brocken auch Sturmböen.
Vor allem im Westen, in der Mitte und im Südwesten sowie zwischen Main und Donau
klart der Himmel im Laufe der Nacht gebietsweise auf. Dort steht eine frische
Nacht ins Haus mit Minima zwischen 10 und 5 Grad, in einigen Mittelgebirgstälern
auch darunter. Ganz im Süden sowie im Norden und Osten bleibt es etwas milder
mit 13 bis 9 Grad, an den Küsten ein wenig darüber.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht kaum mehr etwas
hinzuzufügen. Im Norden und Osten gibt es noch einzelne Schauer, für Gewitter
dürfte es aber kaum mehr reichen. Vor allem bleibt es aber in einem breiten
Streifen von der Nordsee und dem Emsland bis zu den östlichen Mittelgebirgen
bzw. bis nach Nordostbayern eher stärker bewölkt, da sich in etwa 800 hPa eine
recht markante Absinkinversion etabliert, unterhalb derer sich die Quellwolken
horizontal ausbreiten und teilweise in Stratocumulus übergehen. Im Nordosten
scheint dagegen trotz noch einzelner Schauer durch den Skandenföhn häufiger die
Sonne und auch im Südwesten steht ein halbwegs sonniger Tag ins Haus. In der
Osthälfte sowie an den Küsten und im angrenzenden Binnenland gibt es mit dem
Tagesgang nochmals steife, an den Küsten und im Bergland auch stürmische Böen,
erst zum Abend hin und in der Nacht zum Dienstag nimmt der Wind rasch ab.
Die Höchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 16 und 20 Grad, im Südwesten bis
zu 22 oder gar 23 Grad. Nachts wird es dagegen - mal abgesehen vom Nordwesten,
wo wieder etwas dichteres WLA-Gewölk aufzieht - recht frisch mit oft
einstelligen Minima (im Nordwesten 14 bis 10 Grad), in Süddeutschland kann es in
Senken- und Muldenlagen, vor allem im Bereich der Mittelgebirge sogar
stellenweise Bodenfrost geben.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Verlagerungsgeschwindigkeit der Kaltfront am morgigen Sonntag wird noch mit
kleineren Differenzen simuliert, ebenso die Niederschlagsmengen. Das ist aber
nicht warnrelevant. Die Windentwicklung über Norddeutschland wird dagegen von
allen Modellen sehr ähnlich gezeigt, entsprechend können die Warnungen auch
bereits frühzeitig ausgegeben werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff