Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 03.06.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Heute Ende Ww (Winkelwest), danach Mittelding zwischen TrW und TrM (Trog
West- bzw. Mitteleuropa)

Heute Troglage mit vergleichsweise schwacher Konvektion, im Nordosten
allmählicher Abzug der Kaltfront. Am Donnerstag "Low CAPE, High SHEAR" mit
einigen interessanten Schikanen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
--------------------------------------------------------------
Mittwoch... verläuft bei uns in Deutschland unter dem Motto "unten a, oben z".
Wie meinen? - Nun, ganz einfach. Während sich im Bodendruckfeld ein wenn auch
schmaler Azorenhochkeil bis zu den Alpen und nach Süddeutschland vorgeschoben
hat (a wie antizyklonal), bestimmt in der Höhe ein negativ geneigter Trog das
heutige Geschehen (z wie zyklonal). Unter dem Strich ergibt das einen leicht
wechselhaften Mittwoch mit einzelnen Zwischenhochschauern- und gewittern aus dem
unteren Regal konvektiver Umlagerungen. Insgesamt präsentiert sich die Lage
vergleichsweise statisch, was vor allen der geringen Progression des Troges
geschuldet ist. Der wird nämlich durch einen über dem nahen Osteuropa
positionierten Rücken geblockt, so dass er nur ganz langsam nach Nordosten
schwenkt. Heute Mittag reicht seine Achse von der Deutschen Bucht über Tirol bis
nach Mittelitalien, heute Abend von den Dänischen Inseln über Böhmen bis zur
Adria. Adria, gutes Stichwort. Was tut man, wenn´s nicht richtig vorangeht, man
weicht zur Seite aus. So auch der Trog, der seine ohnehin schon lang gezogene
Amplitude noch etwas nach Südosten ausweitet, was ihm in der kommenden Nacht
einen Cut-Off beschert - voraussichtlich genau über der Adria.

Und sonst so? Nordöstlich der Elbe ist inzwischen die Kaltfront angekommen, die
weite Teile des Landes gestern und in der vergangenen Nacht von Westen her
überquert hat. Sie markiert den westlichen Rand eines unmittelbar vorgelagerten,
sehr gut definierten Bodentrogs, der aber drauf und dran ist, uns in Richtung
Polen und Ostsee zu verlassen. Damit dreht der Wind auch im äußersten O/NO von
Südost auf West, so dass bis Mittag das ganze Land mit einer gemäßigten
Atlantikluft (mPs; T850 um 7°C) versorgt ist. Diese Luftmasse ist im Achsbereich
des Troges am labilsten, wenn auch nicht besonders stark. Feuchte ist auch eher
mäßig mit rund 20 mm PPW (im Nordwesten etwas mehr). Kurzum, es kann nur relativ
wenig ML-CAPE generiert werden (etwa 200 bis 400 J/kg), die für konvektive
Umlagerungen zur Verfügung steht. Das deutet neben Schauern auf einzelne, kurze
"gelbe" Gewitter hin, zumal auch organisationstechnisch nicht viel läuft.
Scherung ist dort vorhanden, wo es nicht labil genug ist, nämlich an den Flanken
des schmalen Troges. Nichtsdestotrotz, ganz ausschließen kann man auch eine
markante Überentwicklung mit Starkregen, kleinem Hagel und Böen bis 8 Bft nicht,
insbesondere nach Nordwesten hin.

Außen vor in Sachen Gewitter bleiben voraussichtlich der ganze Osten und
Nordosten, wo erst noch das frontale Regenband (Anafront) ostwärts weggedrückt
werden muss, was bis zum frühen Nachmittag dauern kann. Und auch nach
Westen/Südwesten hin setzt allmählich Stabilisierung ein, die von einem ganz
flachen, von Frankreich und Benelux übergreifenden Rücken ausgeht. Leichtes
Absinken erzeugt um 700 hPa herum eine Sperrschicht. Außerdem setzt WLA ein, die
den Rücken ohne rot zu werden überläuft und uns die Annäherung des nächsten
Frontensystems signalisiert. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der
westliche, am Nachmittag auf Südwest bis Süd rückdrehende Wind vor allem in
höheren Lagen mitunter etwas stärker auffrischt (Böen bis 7 Bft). Für eine
Warnung wird das aber zu wenig sein. Die Temperatur pendelt sich um die 20°C
ein, mal etwas drüber, mal etwas drunter.

In der Nacht zum Donnerstag fällt der Luftdruck, wodurch und das nächste Tief
angekündigt wird. Die Rede ist von PEGGY, einem flotten 985-hPa-Sommerwirbel,
der mit einem kompletten Frontensystem ausgestattet ist und von den Hebriden
nach Schottland zieht. Korrespondierend dazu befindet sich über Westeuropa und
dem nahen Atlantik ein breiter LW-Trog, der sich eindeutig gen Osten orientiert
und somit dem Vorhersageraum annähert. Die Reste des hiesigen Troges docken an
den neuen Trog an und wir gelangen unter eine diffluente, leicht zyklonal
konturierte südwestliche Höhenströmung. Bereits in den Abendstunden erreichen
schwache Regenfälle der Warmfront den Westen und Nordwesten, bevor zur zweiten
Nachthälfte die nach Südwesten zurückhängende Kaltfront auf den Westen
übergreift. Gebietsweise fällt schauerartiger Regen, insbesondere in Frontnähe,
aber auch präfrontal sind gerade im Südwesten einzelne Schauer drin. Gewitter
können nicht ganz ausgeschlossen werden, drängen sich zunächst aber nicht auf.
Erst wenn im Nordwesten der erste Schluck Höhenkaltluft einsickert, können sich
gerade über und an der Nordsee einige teils gewittrige Schauer entwickeln.

Ansonsten bliebe noch festzuhalten, dass der Süden und Osten weitgehend trocken
bei vielfach aufgelockerter Bewölkung über die Nacht kommen. In den Hochlagen
der westlichen und zentralen Mittelgebirge inkl. Harz sowie über der Nordsee
frischt der auf Süd rückdrehende Wind mitunter stark böig auf mit Spitzen 7,
exponiert 8 Bft. Tiefsttemperatur um 15°C in der Westhälfte, bis zu 7°C in
Niederbayern.

Donnerstag... (Fronleichnam) übernimmt PEGGY komplett das Heft des Handelns in
die Hand. Und die Lady hat es durchaus in sich und wird uns Meteorologen morgen
einiges an Beschäftigung bescheren. Dabei können heute Vormittag bei weitem noch
nicht alle Detailfragen geklärt werden. Low CAPE, High SHEAR lautet die Devise,
die spannende und synoptisch anspruchsvolle Abläufe erwarten lassen.

Zunächst die Fakten: PEGGY schwenkt nur sehr langsam über Schottland hinweg in
Richtung nordwestliche Nordsee, wobei sie sehr lange ihren Kerndruck von etwas
unter 985 hPa beibehält. Die zugehörige Kaltfront kommt in ihrem Nordteil ein
Stück ostwärts voran, während sich nach Süden zurückhängt, ausgebremst durch
eine flache Zyklogenese über Spanien. Zur Mittagszeit reicht sie etwa vom
Darß/Rügen bis hinunter zum Bodensee/Hochrhein. Dabei trennt sie zwei
Luftmassen: präfrontale, nicht übermäßig labil geschichtete Warmluft im Osten
und Süden, die bis zum Abend aber immer mehr der postfrontalen, moderat labil
geschichteten subpolaren Meeresluft weichen muss.

In der Höhe macht der Trog nach Osten hin Boden gut, wobei er seine Amplitude
vergrößert und gleichzeitig eine zunehmend negativ geneigte Achsstellung
einnimmt. Wir bleiben auf der diffluenten Vorderseite, auf der sich von
Frankreich her ein wunderschöner Jetstreak zunächst in den Westen und später bis
in den Norden zu uns reinbohrt. Damit liegt ein für sommerliche Verhältnisse
durchaus bemerkenswertes Strömungssetup vor, bei dem vor allem die hohen
Scherwerte auffallen. Die LLS geht bis auf 15 m/s hoch, lokal sogar noch etwas
darüber, DLS erreicht strichweise Werte über 30 m/s. Übrigens nicht nur reine
Geschwindigkeits-, sondern auch Richtungsscherung gerade im unteren Bereich
(gekurvte Hodographen), was erhöhte Helizität zur Folge hat.

Was haben wir also: Trogvorderseite mit Jetstreak, mordmäßige Scherung mit
erhöhter Helizität, mal mehr, mal weniger labile Luftmassen auf relativ
niedrigem Energielevel (nur wenige hundert Joule pro Kilogramm CAPE), dazu eine
leicht wellende, nur langsam ostwärts vorankommende Kaltfront. Die Frage ist
nun, wie sich die ganzen Features überlappen. Wo ziehen sie an einem Strang, wo
arbeiten sie gegeneinander. Die Antworten bleiben zunächst noch vage bzw.
allgemein, weil jedes Modell und scheinbar auch jeder Modelllauf andere
Vorstellungen von der Verteilung hat. Gehen wir aber davon aus, dass sich im
Tagesverlauf (schwerpunktmäßig 2. Tageshälfte) auf der kalten Seite der Front
zunächst im Norden und Westen, später ostwärts ausweitend staffelartig Schauer
und Gewitter entwickeln. Diese organisieren sich z.T. in Linien- oder
Bogensegmenten und/oder rotieren (flache Superzellen). Zugrichtung ist von
Südwest nach Nordost, wobei Böen 8 bis 9 Bft den primären Begleitparameter
darstellen. Bei sehr guter Organisation kann auch ´ne 10er- oder 11er-Böe nicht
ganz ausgeschlossen werden. Und on topp - Helizität und niedriges HKN - könnte
auch ein Tornado an den Start gehen, auch wenn wir den Teufel hier und heute
noch nicht an die Wand malen wollen. Hagel und Starkregen gibt es freilich auch,
allerdings sollten hier die Bäume aufgrund der Tatsache, dass die Gewitter
ziehen und CAPE sehr limitiert ist, nicht in den Himmel wachsen.

Im Süden ist die Wahrscheinlichkeit konvektiver Umlagerungen insgesamt geringer.
Dafür greifen im Tagesverlauf mit Annäherung der Trogspitze stratiforme
Regenfälle von Ostfrankreich und der Schweiz auf der kalten Seite der Front über
(Anacharakter), die sich bis zum Abend über Süddeutschland ost-nordostwärts
ausbreiten. Möglich, wenn auch nicht überbordend wahrscheinlich, dass sich am
Alpenrand unter Berücksichtigung weiterer Regenfälle in der Nacht eine
mehrstündige Stark- oder 12-stündige Dauerregenlage einstellt.

Kurz noch ein Satz zum Wind, der aus Süd-Südwest kommend vornehmlich in der
Westhälfte zeitweise böig auffrischt. Hauptimpulsgeber sind Labilität und
Konvektion, aber auch der Gradient leistet einen bescheidenden Beitrag. Kurzum,
es empfiehlt sich die Ausgabe einer kleinen Windwarnung "7 Haken 8" mit dem
Hinweis "vor allem in Schauernähe und in exponierten Lagen". Im höheren Bergland
wird´s zum Teil etwas mehr (8 bis 9, vereinzelt (Brocken) 10 Bft). Temperatur:
Während sich die Luft in der Lausitz und in Südostbayern auf 25 oder 26°C
erwärmt, wird man zwischen Eifel und Nordsee unter 20°C bleiben.

In der Nacht zum Freitag rückt der Höhentrog noch etwas nach Osten vor und
erreicht die Westhälfte. Auf der Vorderseite wird die schleifende Kaltfront
Stück für Stück nach Osten abgedrängt. Gleiches gilt für das Regenband, das sich
zunehmend auf der kalten Seite formiert. Einzig im Süden hängt das Ganze
weiterhin zurück, so dass in Südostbayern sowie am Alpenrand bis in die
Morgenstunden mit anhaltenden Regenfällen gerechnet werden muss. Die
apostrophierten Mengen liegen dort zwischen 10 und 25 l/m² innert 12 Stunden.

Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die Gewitterei bereits in der ersten
Nachthälfte spürbar in die Knie geht, was einige Nachzügler freilich nicht
ausschließt. Auf der Nordsee legt der SW-Wind nach einer abendlichen Pause
wieder etwas zu (Böen 7 Bft). Bei unterschiedlicher Bewölkung kühlt es auf 14
bis 8°C ab.

Freitag... ähnliches Spiel wie heute: Troglage mit gemäßigter Atlantikluft, im
Süden schmaler Azorenhochkeil => wechselnde Bewölkung mit Schauern und einzelnen
Gewittern der Kategorie "einfach bis markant", Schwerpunkt im Nordwesten. Dazu
schwacher bis mäßiger, mitunter leicht böig auflebender westlicher Wind bei
Tageshöchsttemperaturen um 20°C, an der Nordsee und im Bergland darunter.

Nacht zum Samstag Zwischenhocheinfluss mit rasch nachlassender Konvektion und
größeren Auflockerungen, teils auch klar. Frisch mit verbreitet einstelligen
Tiefstwerten oder gerade mal um 10°C.

Modellvergleich und -einschätzung
--------------------------------------------------------------
Was die Basisfelder betrifft, liegen die Modelle nicht weit auseinander. Was die
Abläufe gerade am morgigen Donnerstag betrifft, gibt es schon noch Unschärfen.
Lassen wir´s auf uns zukommen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann