Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Abschied von TrM (Trog Mitteleuropa), Übergang zu BM (Brücke Mitteleuropa)
Zunächst noch wechselhaft und mäßig warm. Ab Donnerstag dann zunehmend HPI (High
Pressure Influence; Gott zum Gruße ZENO), ab Freitag verbreitet warm bis heiß.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... sind es noch etwa 2-3 Tage, bevor hier in Deutschland ein dickes,
fettes Hoch auf der Bühne erscheint und derart den Frühsommer einläutet, dass so
manchem von uns Hören und Sehen vergeht. Spätestens am Samstag geben
Temperaturen von 30°C und mehr ihr Stelldichein, wenn auch nicht überall. Bis es
soweit ist, wird aber erst noch mit mäßig warmem Wasser gekocht (geht
physikalisch natürlich nicht, kann man umgangssprachlich aber so sagen) mit
Luftmassen und Systemen vom Atlantik, die mit Ruhephasen eine gewisse
Wechselhaftigkeit garantieren.
Starten tun wir heute mit den Resten des Troges, der gestern den Weg zu uns
gefunden hat, wo er mittlerweile über den östlichen Landesteilen angekommen ist.
Schlank und abgespeckt ist er geworden unser Trog, sitzt ihm doch von Westen ein
von WLA überlaufendender flacher Rücken im Nacken (anatomisch eigentlich
unmöglich, aber in der Meteorologie funktioniert´s), während von vorn die
Blockade über Nordosteuropa dagegenhält. Letzteres erklärt auch, warum der Trog
respektive der Rest davon im Tagesverlauf nur äußerst zögerlich deutsches
Hoheitsgebiet in Richtung Polen und Ostsee verlassen. Und genau die Langsamkeit
ist es am Ende, die dafür sorgt, dass die ebenfalls im Osten angekommene
Okklusion der über Südskandinavien positionierten diffusen Tiefdruckzone
HENRIETTE aktiviert wird. Labilität und Feuchte sind in der maritimen Polarluft
mP leidlich vorhanden, so dass mit Hilfe des Tagesgangs etwas CAPE erzeugt
werden kann. Daraus können sich am Nachmittag (die Auslösetemperatur liegt bei
ca. 18°C und auch die Trogvorderseite mit einem kleinen PVA-Maximum leistet
etwas Starthilfe) in einem schmalen, von Vorpommern bis zum
Osterzgebirge/Zittauer Gebirge einzelne elektrische Überentwicklungen bilden,
die in der Basis "gelb" ausfallen dürften. Die Hinweise auf Starkregen von etwas
über 15 l/m² sind nur schwach (=> Formulierung "nicht ganz ausgeschlossen") und
bei den anderen Parametern sollte es - wenn überhaupt - über kleinen Hagel sowie
Böen 7 Bft nicht hinausgehen, auch wenn man eine stürmische Böe 8 Bft bei
Gewittern fast nie ganz ausschließen kann.
Interessant ist, dass westlich des Korridors, etwa von Sachsen-Anhalt, Thüringen
und Nordbayern bis hinüber nach NDS und Hessen ebenfalls Gewitter angeboten
werden. Insbesondere ICON-D2 tut sich da in seiner Wetterinterpretation hervor,
was etwas übertrieben scheint. Sowohl der überlagerte Rücken als auch die o.e.
WLA wirken dämpfend auf mögliche Vertikalausuferungen. Trotzdem, schaut man sich
daraufhin mal die Prognosesoundings von heute Mittag an, lässt sich zwischen 550
und 650 hPa (je weiter östlich, desto höher) eine Sperrschicht ausmachen, die um
oder unter -10°C liegt. Von daher wären neben Schauern auch einzelne Gewitter
denkbar. Die Frage wird sein, ob der Wasserdampfgehalt in der Luftmasse
ausreicht, um ausreichend CAPE zu generieren. Wenn´s irgendwo doch funken
sollte, dann in Liga 4 - gelb.
Während in der Osthälfte und vor allem anfangs auch noch weiter westlich trotz
der obigen Schilderungen die Sonne ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten bekommt
(auch zwischen Oberbayern und Oberpfalz, wo heute Morgen noch bratzige Wolken
und gebietsweise Regen unterwegs sind), wird das im Westen zusehends schwerer.
So haben bereits heute Morgen erste Wolkenfelder den Weg nach RP und ins
südliche NRW gefunden und es wird in den nächsten Stunden eher mehr als weniger.
Von Benelux und Frankreich wird die Bewölkung zusehends dichter und gerade am
Nachmittag kann es hier und leicht regnen (sehr diffus das Ganze, kein klar
definiertes Regengebiet). Absender ist übrigens das nächste Tief (INGA) westlich
der Hebriden, dessen weitgehend okkludiertes Frontensystem Kurs auf Deutschland
nimmt.
Höchsttemperatur 16 bis 22°C mit den höheren Werten in der Osthälfte. An der See
bei auflandigem Wind sowie in den westlichen Mittelgebirgen etwas frischer.
In der Nacht zum Mittwoch wandert der Rücken ostwärts aus und wir gelangen auf
die Vorderseite des nächsten, recht flach konturierten Troges über UK/Irland
bzw. dem nahen Atlantik. Es stellt sich eine diffluente und somit
hebungsfördernde west-südwestliche Höhenströmung ein, welche die Okklusion über
die Westhälfte in Richtung Mitte steuert. Dabei kommt es zu Regenfällen, die
sich frontal nicht nur besser organisieren als tagsüber, sondern auch
intensivieren. Akkumuliert bis morgen früh sind im Westen gebietsweise 5 bis 10
l/m² drin, in Staulagen vereinzelt auch noch ein paar Liter mehr. Zum Ende der
Nacht nimmt die konvektive Note beim Niederschlag im Westen zu, was bei ICON-D2
gleich wieder ein Gewittersymbol hervorlockt. Kühne Prognose, deutet doch die
Schichtung so gar nicht darauf hin (noch zu stabil, kaum MU-CAPE).
Weitgehend trocken bis zum Morgen bleibt es nach Osten und Südosten hin, wo die
Nacht zumindest zeitweise sogar noch gering bewölkt oder klar über die Bühne
geht und sich stellenweise etwas Nebel bildet. Zum Morgen nimmt die Bewölkung
dann von Westen her immer mehr zu. Erfreuliche Randnotiz: Das Thema Frost (auch
am Erdboden) kann erstmal ad acta gelegt werden.
Mittwoch... schwenkt der flache Potenzialtrog recht zügig über Deutschland
hinweg ostwärts. Dabei labilisiert er die feuchte (PPW bis 25 mm), vom Atlantik
einströmende Meeresluft. Zwischen der in Richtung Färöer ziehenden INGA und
einem sich über Frankreich etablierenden Hoch (ZENO) wird ein leidlicher
Südwestwind generiert, der auch auf den Vorhersageraum abfärbt, wohl aber keine
Warnung erfordert. Ansonsten werden wenige hundert J/kg CAPE erzeugt, die
landesweit für eine rege und vergleichsweise unorganisierte Schauer- und
Gewittertätigkeit genutzt werden kann. Es fällt schwer, irgendwelche Regionen
rauszupicken, die von der ganzen Mischpoke verschont bleiben. Die 12-stündige
Niederschlagsprognose jedenfalls deckt das ganze Land ab. Ganz im Osten dauert
es sicherlich am längsten, bis Schauer und Gewitter auftauchen. Und im Westen
setzt am Nachmittag, wenn die Trogachse durch ist, von Benelux und Frankreich
her Stabilisierung ein, die zumindest die Wahrscheinlichkeit für Gewitter nach
unten fährt.
Apropos Gewitter, die werden morgen eine gewisse Mobilität an den Tag legen,
sprich, ziehen, was die Starkregengefahr trotz des erhöhten Wasserdampfgehalts
auf Sparflamme hält. Das sieht die Numerik offensichtlich auch so, signalisiert
doch z.B. ICON-D2-EPS nur geringe Wahrscheinlichkeiten für das Überschreiten der
neuralgischen Warnschwelle. Super organisiert dürften die Gewitter auch nicht
sein. Zwar nimmt die Scherung im Westen kontinuierlich zu, was aber nicht viel
bringt, da die Luft gleichzeitig ja stabiler wird. Kurzum, auch Hagel und
Wind/Sturm werden uns morgen nicht aus dem Sattel hauen. Böen 7 Bft (worst case
8 Bft, obwohl die 850-/925-hPa-Winde unter 30 Kt bleiben) und kleiner Hagel, zu
mehr wird es nicht reichen, abgesehen halt von vereinzeltem Starkregen.
Außer im Nordwesten besteht am Mittwoch überall die Chance, dass 20°C erreicht
oder um 1-2 Grad überschritten werden. Gesamtheitlich liegt das thermische
Fenster zwischen 16 und 22°C.
In der Nacht zum Donnerstag zieht der Trog aus Deutschland raus, was von
Frankreich her Potenzial- und Druckanstieg zur Folge hat. Hinzu kommt der
Tagesgang, so dass die konvektive Wuhling vom Tage noch vor Mitternacht schwer
einbricht. Am längsten regnet es noch am Alpenrand, wo sich vorübergehend
leichter Stau einstellt. Ansonsten lockert die Wolkendecke mehr oder weniger
auf, wo´s längere Zeit aufklart, bildet sich teils dichter Nebel.
Tiefstwerte: 12 bis 7°C.
Donnerstag... kann als klassischer Übergangstag in Richtung des o.e.
Frühsommerintermezzos betrachtet werden. Das Hoch ist da (am Mittag 1025+x hPa
über Frankreich, Deutschland und Benelux), die warme oder gar heiße Luft noch
nicht. Bis zum Abend steigt T850 auf 5°C in Vorpommern und 10°C in Südbaden. Das
wird reichen, um zumindest im Oberrheingraben den ein oder andern Sommertag mit
25 oder 26°C auszuloten. Zumal die Luftmasse im Südwesten am stärksten
abtrocknet und im Deutschlandvergleich trotz einiger Quellwolken die höchste
Sonnenscheindauer erwartet wird (lediglich die Ostseeküste MVs kann da noch
mitkonkurrieren).
Im großen Rest des Landes bilden sich aus der labilen und zunächst noch relativ
feuchten Grundschicht heraus mehr Quellwolken als im Südwesten. Ihre vertikale
Ausdehnung endet irgendwo zwischen 800 und 700 hPa, wo die einsetzende Subsidenz
daran arbeitet, eine Sperrschicht zu installieren. Nicht ausgeschlossen, dass es
vereinzelt nochmal für einen schlappen Schauer reicht. Regnen tut es auf alle
Fälle am Anfang noch im südöstlichen Zipfel Bayerns (Altlasten aus der Nacht).
Trotz hoher Cumulus-Präsenz wird es mit 19 bis 24°C (Küste bei auflandigem Wind
weniger) auch abseits des Südwestens wärmer.
In der Nacht zum Freitag kräftigt sich das Hoch auf rund 1030 hPa im Zentrum,
welches sich bis zum Morgen über die östliche Mitte respektive das Böhmische
Becken legt. Auch der über SW-Europa positionierte Höhenrücken breitet sich
nordostwärts aus, was das Absinken und die Abtrocknung von oben weiter forciert.
Die Wolken lockern bzw. lösen sich vielerorts auf, lokal bildet sich Nebel. Nur
ganz im Norden und Nordosten, quasi am Rande des Hochs/Rückens ziehen noch
einige Wolkenfelder durch, aus denen ganz vereinzelt sogar ein paar wenige
Tropfen fallen können. Mit 13 bis 7°C (in den Tälern der Mittelgebirge etwas
darunter) wird es auf der einen Seite nicht mehr so frisch wie zur Zeit der
Eisheilgen und danach. Auf der anderen Seite ist die Abkühlungsrate aber noch so
solide, um bei offenem Fenster einen guten Schlafkomfort zu gewährleisten.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Entwicklung wird innerhalb der Modellsuite sehr ähnlich angegangen.
Gleichwohl erfolgt das Gewitter-Warnmanagement nach den klassischen Regeln des
Nowcastings.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann