Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Im Süden abnehmender Wind und Sturm, nachlassende Regenfälle und Ende der
Dauerregen- und Tauwetterlage. Von Norden wieder kälter und allmählich nach
Süden vorankommende Schneefälle.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... liegt die Frontalzone weiterhin weit südlich über der Iberischen
Halbinsel und dem Mittelmeerraum. Bodennah hat sich eine südliche Westlage
eingestellt, was bedeutet, dass sich die Tiefs auf recht südlicher Zugbahn
ostwärts bewegen. Aktuell gibt es sehr viele dieser Tiefs, so dass über weiten
Teilen Europas sehr niedriger Luftdruck herrscht. Um etwa die 1013er Isobare zu
erreichen, müsste man derzeit zum Ural oder nach Andalusien reisen.
Wetterbestimmend bei uns sind die Tiefs Ulrike I (auch als Nils bekannt), das am
Abend über Ostdeutschland liegt, und Tamara über Irland. Diese sind rinnenartig
miteinander verbunden und in diese Rinne ist auch eine Luftmassengrenze
eingelagert, die die arktische Luftmasse (xA) über Skandinavien von einer
erwärmten Polarluft (mPs) trennt, der derzeit auf der Rückseite von Ulrike I von
Westen in unser Land einfließt.
Dementsprechend herrscht über Deutschland ein markantes Temperaturgefälle, wobei
in 850 hPa über dem äußersten Norden -4°C registriert werden, südlich der
Luftmassengrenze meist 0 bis +3°C. Bodennah liegen wir heute am frühen Abend
ganz im Norden im Frostbereich, im Süden liegen die Werte dagegen allgemein über
5°C.
Bei so viel Tiefdrucktätigkeit sind natürlich auch Niederschläge zu erwarten: Im
gesamten Norden kommt es im Umfeld der Luftmassengrenze zu stratiformen
Niederschlägen, die in Schleswig-Holstein und im Norden Mecklenburg-Vorpommerns
als Schnee fallen, der meist auch liegen bleibt, so dass sich eine wenige
Zentimeter dicke Neuschneedecke bilden kann. Insbesondere von Kiel rüber über
Fehmarn und später von Rostock die Küste ostwärts bis Nordvorpommern können
etwas stärkere Schneefälle auch mal um oder etwas über 5 cm Neuschnee in wenigen
Stunden bringen.
Auch weiter südlich kommt es zu Niederschlägen, dort überall als Regen. Weiter
östlich ist mit dem Bodentief noch ein Höhentrog verbunden, hier sorgt Hebung
für ein stratiformes Regengebiet. Weiter westlich sorgt ein weiterer
Kurzwellentrog in etwas labilerer Luft für zahlreiche Schauer und schauerartige
Regenfälle.
Kommen wir zuletzt noch zum Wind: Vor allem an der Südflanke von Tief Ulrike II
ist der Druckgradient recht kräftig, so dass es dort bei westlichem Wind
verbreitet zu steifen bis stürmischen Böen kommt, im Bergland und höheren
Alpenvorland zu Sturmböen und auf exponierten Gipfeln zu schweren Sturmböen bis
orkanartigen Böen. An der Nordflanke der Rinne weht der Wind dagegen recht
frisch aus Nordost, so dass es einigen exponierten Abschnitten der Ostseeküste
zu steifen Böen kommt.
In der Nacht zum Freitag zieht Tief Ulrike I nach Polen ab, während Tamara über
Irland ein wenig südwärts zieht, sich aber deutlich abschwächt. Da hier aber ein
markanter Kurzwellentrog von Norden her hereinläuft, der Tamara überläuft,
entsteht südlich des Tiefs ein neues im Bereich der Bretagne, das den Namen
Viviana (international Oriana) erhält.
Unsere Luftmassengrenze kommt an der Westflanke von Ulrike nur wenig südwärts
voran, weil an der Front selbst nochmal ein kleines Wellentief von den
Niederlanden nach Niedersachsen hereinzieht. Die Luftmassengrenze wird dabei
zunehmend schärfer und liegt am Morgen auf einer Linie vom Emsland zur
Oberlausitz. Schnee fällt insbesondere noch in Mecklenburg-Vorpommern, dieser
zieht aber allmählich nach Polen ab. Insbesondere in Vorpommern können aber noch
einmal stellenweise etwas über 5 cm zusammenkommen. Recht flächendeckend sollte
sich dort zumindest eine dünne Schneedecke bilden. Ansonsten fällt an der
Nordkante der Luftmassengrenze im Verlauf der Nacht vom westlichen Niedersachsen
bis Hannover hinüber im Nachtverlauf zunehmend Schnee, hier können sich dann
auch wenige Zentimeter akkumulieren.
Im Süden kommt es weiterhin zu Regenfällen, die aber von der Ausdehnung her
abnehmen, so dass meist nur noch wenige Millimeter zusammenkommen. Lediglich an
den Mittelgebirgen staut es noch gut an, so dass dort noch einmal 5 bis 15 mm
Regen fallen können. Somit können die dort ausgegebenen Regen- und
Tauwetterwarnungen erst einmal weiter bestehen bleiben und dann wie geplant in
der Nacht oder morgen auslaufen.
Nun noch zum Wind: Mit dem Abzug des Tiefs Ulrike I nach Osten nimmt der Wind im
Süden rasch ab. Vor allem im Bergland kommt es in den Nachtstunden noch zu
starken bis stürmischen Böen, auf exponierten Bergen noch zu Sturmböen oder
schweren Sturmböen, alles mit abnehmender Tendenz. Im Norden nimmt der
Nordostwind von West nach Ost ab. An der Küste Rügens kann es dabei bis morgen
früh noch einzelne steife Böen geben.
Die Temperaturen sinken nördlich der Luftmassengrenze auf +1 bis -2°C, südlich
davon bleibt es deutlich milder, mit Tiefstwerten über 5°C vor allem im
Südwesten.
Am Freitag ... schwenkt ein Randtrog Richtung Frankreich, Iberische Halbinsel
und westliches Mittelmeer. Darin eingebettet erreicht der oben erwähnte
kurzwellige Troganteil bis zum Abend den Westausgang des Ärmelkanals bzw. die
Bretagne. Somit stellt sich über dem Vorhersagegebiet eine leicht flatternde
westliche Höhenströmung ein. Tief Ulrike I zieht weiter Richtung Baltikum,
während sich Tief Viviana unter Verstärkung bis nach Zentralfrankreich
verlagert. Über der Iberischen Halbinsel wird eine weitere Zyklogenese
initiiert, die in einem weiteren Tief resultiert, das am Abend über dem
Löwengolf zu finden ist.
Somit kann nun auch die Tiefdruckrinne über dem Vorhersagegebiet langsam weiter
nach Süden vorankommen, füllt sich aber langsam auf und erreicht am Abend noch
die südliche Mitte (etwa Saarland-Main-Erzgebirge). Rückseitig folgt die
Kaltluft aus Nordeuropa mit -3 bis -8°C in 850 hPa, während über Süddeutschland
die 850-hPa-Temperatur vorderseitig des nach Frankreich ziehenden Tiefs wieder
auf knapp über 0°C steigt.
Zwischen dem abziehenden Tief über dem Baltikum und dem sich nähernden Tief über
Frankreich verliert die Luftmassengrenze vorübergehend an Wetteraktivität und
die Niederschläge klingen weiter ab. Weiter nördlich schneit es aber weiterhin,
vor allem von Niedersachsen bis nach Brandenburg. Vor allem in Teilen
Niedersachsens können teils 5 bis 8 mm Niederschlag als Schnee fallen, der
allerdings bei Temperaturen, die zumindest teilweise etwas über die 0°C-Marke
steigen dürften, nicht komplett als Schnee liegen bleiben werden. Dennoch können
teils auch im Flachland um 5 cm Neuschnee akkumulieren, im Harz und im
Weserbergland auch etwas mehr.
Weiter südlich kommt nicht mehr viel an Regen zusammen, so dass die letzten
Dauerregenwarnungen auslaufen können. Vor allem an den Alpen und im Alpenvorland
bleibt es meist trocken und dort kann sich auch zeitweise die Sonne durchsetzen,
ebenso vielleicht am Nachmittag auch an der Ostsee. Der Wind flaut weiter ab und
ist im Tagesverlauf auch in den Gipfellagen nicht mehr warnrelevant.
Während die Höchsttemperaturen in der Nordhälfte meist Werte zwischen 0 und 3°C
erreichen und auch in der Mitte im Tagesverlauf auf unter 5°C sinken, wird es
vor allem südlich von Main und Mosel nochmals sehr mild mit Maxima zwischen 7
und 13°C.
In der Nacht zum Samstag kommt der Kurzwellentrog über Frankreich südostwärts
voran und tropft schließlich über dem Löwengolf bzw. Golf von Genua ab. Im Zuge
dieses Prozesses entwickelt sich das Tief über dem Löwengolf auf seinem Weg nach
Osten zu einem veritablen Sturmtief, es bleibt also bis auf Weiteres sehr
unruhig im Mittelmeerraum. Das nördliche Trogresiduum kommt allmählich Richtung
Vorhersagegebiet voran. Das Bodentief über Frankreich füllt sich im Zuge der
Zyklogenese weiter südlich zwar langsam auf, zieht aber noch Richtung Westalpen.
Somit kommt auch die Luftmassengrenze über dem Vorhersagegebiet zunächst nicht
weiter nach Süden voran.
An deren Nordflanke fällt in der Mitte und in der Osthälfte noch etwas Schnee,
mehr als 1 bis 5 cm kommen aber kaum zusammen, im Norden und Westen bleibt es
weitestgehend trocken. An der Nordflanke des zu den Westalpen ziehenden Tiefs
greifen allerdings im Nachtverlauf weitere Niederschläge auf den äußersten
Westen des Landes über (am ehesten Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordbaden), die
dort auch teilweise bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Die räumliche
Verteilung und Intensität der Niederschläge sind aber noch unsicher.
Ansonsten bleibt es aber im Süden und Südosten überwiegend trocken und vor allem
im Südosten Bayerns auch aufgelockert, teils gering bewölkt. Dort kann sich dann
örtlich Nebel bilden und auch leichten Frost geben. Verbreitet frostig wird es
dagegen in der Mitte und im Norden, bei aufgelockerter Bewölkung kann es ganz im
Norden auch mäßigen Frost geben. Im Südwesten bis in die südliche Mitte bleibt
es dagegen frostfrei. Der Wind legt zwar mit dem in die Westalpen ziehenden Tief
vor allem in der Mitte aus Nordost wieder zu, erreicht aber höchstens in einigen
Gipfellagen in Böen Bft 8.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Der Samstag ... wurde in der Frühübersicht hinreichend beschrieben.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die synoptische Lage der ähnlich. Leichte Unterschiede
tun sich noch bei der Lage und Stärke des Niederschlagsgebiets auf, das sich am
Samstag formieren soll (siehe Frühübersicht).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann