Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 19.08.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Abends und nachts über der Landesmitte Unwettergefahr durch schwere Gewitter,
teils mit Orkanböen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... liegen wir unter einer zunächst westlichen, dann nach Südwest
drehenden Strömung zwischen Tiefdruckgebieten über Skandinavien und der Nordsee
und hohem Druck über dem Mittelmeer- und Alpenraum. Dabei gelangt in den Süden
sehr warme und feuchte Subtropikluft, in den Norden gemäßigt warme Meeresluft.

Die Grenze markiert eine wellende Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands.
Darin zieht nachts eine solche Welle ostwärts, die die Wetteraktivität deutlich
erhöht. Kräftige Hebung löst in der feuchten Luftmasse Starkregenfälle aus, die
sich abends beginnend von Westen (etwa südliches NRW, RLP) über Nordhessen zur
Lausitz ausbreiten, wo sie wahrscheinlich in der zweiten Nachthälfte nach SW
Polen abziehen. Gebietsweise werden in diesem Streifen markante Regenmengen
erreicht, 20 bis 35 l/qm in wenigen Stunden, vereinzelt sind Unwettermengen
nicht ausgeschlossen sowie ein vereinzelt eingelagertes Gewitter.
Südlich darin schließt sich ein Streifen (etwa: NRW, RLP, Hessen, Erzgebirge)
an, wo sich Hebung, hohe Labilität und Feuchte überlagern. Zudem ist die
Strömung stark geschert mit hohen SRH Werten und fast optimal gekurvten
Hodographen, als Folge einer Tiefentwicklung in der warmen Luft, die den
bodennahen Wind vorübergehend auf Ost drehen lässt.

In diesem Streifen können sich schwere Gewitter bilden mit Unwetterpotential
u.a. durch Superzellen. Dabei sind neben größerem Hagel, schwere Sturmböen,
eventuell Orkanböen 12 Bft und heftiger Starkregen möglich. Im Laufe der Nacht
auf dem Weg nach Osten nimmt die Unwettergefahr zögernd ab und fokussiert sich
auf den Starkregen.

Die Modelle haben diese beiden Streifen in den letzten Läufen immer etwas nach
Norden verschoben, von daher verbleiben Unsicherheiten.

Auch abseits dieses Streifens sind nachts einzelne Gewitter möglich, aber bei
weitem nicht mit dem Potential der Entwicklungen über der Mitte. Das sind im
Laufe der einzelne Gewitter aus den Alpen heraus in Südbayern und von Benelux
auf Niedersachsen übergreifend.

Donnerstag ... liegen wir unter einer südwestlichen Strömung, auf der
Vorderseite eines von Skandinavien über die Nordsee und GB auf den Atlantik
reichenden Troges. Im Bodendruckfeld findet sich niedriger Druck über Nordeuropa
mit einer Rinne zur Nordsee und nach Frankreich.

Die Kaltfront schleift in der SW Strömung weiter über dem Südosten Deutschlands,
entsprechend hält sich dort die feucht-labile Warmluft.

Im Umfeld der Kaltfront kommt es zu Regenfällen und einzelnen Gewittern, im
Tagesverlauf kann es bei CAPE-Werten von teils über 500 J/kg und kräftiger
Scherung (um 20 m/s von 0 bis 6 km) einzelne stärkere Entwicklungen mit
Sturmböen und Hagel geben.

Ein gewisses Starkregenrisiko ist immer dabei. Dieses ist vor allem an den Alpen
erhöht, wo im Tagesverlauf ebenfalls Schauer und Gewitter entstehen. Hier
besteht auch eine gewisse Unwettergefahr durch Starkregen um 40 l/qm in wenigen
Stunden.

Auch im Norden/Nordwesten ist die Schichtung instabil und in feuchter Luft kommt
es zu zahlreichen, weniger organisierten Schauern und Gewittern. Die Zutaten
sind aber weniger ausgeprägt, als im Südosten. Mit stürmischen Böen oder
einzelnen Sturmböen muss aber gerechnet werden, ebenso mit lokalem Starkregen.

Über der Mitte des Landes gibt es einen breiten Streifen von Rheinland-Pfalz bis
nach Brandenburg, in dem die Schichtung etwas stabiler ist bei leichter
Absinktendenz. Dort bleibt es meist trocken und es kommen einige Sonnenstunden
zusammen.

Das ist in den anderen Regionen weniger der Fall. Die Höchstwerte liegen in der
Südosthälfte bei 24 bis 27°C, in der Nordwesthälfte bei 20 bis 24°C.

In der Nacht zum Freitag kommt der Langwellentrog etwas näher und die Strömung
steilt noch etwas auf. An der Druckverteilung in Bodennähe ändert sich nicht
viel. Allgemein fächert aber der Gradient weiter auf, im Süden stärker als im
Norden. Der Wind dreht dabei teils auf Süd.

An der Dreiteilung des Wetters ändert sich nicht viel. In dem breiten Streifen
in der Mitte (SW-NE) bleibt es meist trocken und teils klart es länger auf.

Im Südosten kommt es zuschauerartigen Regenfällen und einzelnen Gewittern, zum
einen an der Kaltfront, die sich kaum verlagert, zum anderen an den Alpen.
Insgesamt lassen die Gewitter und Regenfälle aber nach.

Im Norden und Nordwesten halten sich Schauer und Gewitter vor allem an den
Küsten, vor allem im Nordseeumfeld mit geringer Starkregengefahr.

Die Temperatur geht auf Werte zwischen 16°C an der Nordsee im Süden und örtlich
10°C in den klaren Gebieten in der nördlichen Mitte zurück.


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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... hält sich insgesamt die Wetterdreiteilung des Vortags mit der
Luftmassengrenze im Südosten, dem freundlicheren Streifen über der Mitte und
wieder Schauern, lokale Gewitter nach Nordwesten hin. Die Konvektion und die
Regenfälle im Südosten haben ein geringes Unwetterpotential.

Grundsätzlich zeigen die neuen Läufe eine ähnliche Entwicklung. Allerdings
bringt ein KW-Trog in dem zunächst trockneren Streifen von Südwesten her
einzelne Gewitter.

Für Details kann die Frühübersicht zu Rate gezogen werden.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren hinsichtlich der großräumigen Entwicklung ähnlich. Die
Konvektion bleibt unsicher und ist im Nowcasting zu bewarnen. Die Unwettergefahr
über der Mitte Deutschland heute Nacht ist erheblich. Auch Tornadomeldung wurden
nicht überraschen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner