Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 07.04.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
HM, Übergang zu HNFA
Nach zwei meist sonnigen Tagen mit Nachtfrösten vor allem in der Osthälfte ab
Donnerstagabend unbeständiger.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... ist das Osterfest passé, sonniges Wetter aber beileibe nicht.
Ausgehend von einem vom westlichen Mittelmeer bis weit ins Nordmeer aufragendem
Rücken wird Hoch QUIRIN mit Schwerpunkt heute Morgen über Deutschland und der
Nordsee gestützt, welches uns bis mindestens Donnerstag weitgehend
störungsfreies Wetter beschert.
Flankiert wird der aktuell mit einem Höhenhoch über Ostfrankreich ausgestattete
Rücken von einem über dem Nordostatlantik abtropfenden schmalen Trog und einem
weiteren, deutlich umfangreicheren über Osteuropa. Vom westlichen Trog wird ein
Tief westlich von Island gestützt, dessen Warmfront zwar nur bis in die Nordsee
reicht, in der Verlängerung davon unterhalb der Absinkinversion und nordöstlich
der Keilachse aber ein schmales Feuchteband mit dichterer Stratocumulusbewölkung
in den Nordosten Deutschlands geführt hat. Dort fällt zwar kein Regen heraus,
allerdings wird die maximal mögliche Sonnenscheindauer trotz im Tagesverlauf
allmählichen "Anknabberns" auf etwa 80 bis 90% reduziert. Etwas mehr Quellwolken
können im Bereich leicht feuchterer Luft auch am Alpenrand die Sonnenscheindauer
ein wenig vermindern, sonst kratzt sie häufig an den 100%.
Der in den Frühstunden von der Rostocker Bucht bis nach Rügen noch stärkere Wind
lässt mit Gradientabnahme im Zuge der Schwerpunktverlagerung von QUIRIN im
Tagesverlauf in die Nordsee bereits am Vormittag soweit nach, dass keine Warnung
mehr erforderlich ist. Im Gegenzug frischt der Wind mit dem Tagesgang wieder
leicht auf, sodass von Vorpommern bis zur Lausitz starke Böen um 45 km/h (Bft 6)
wahrscheinlich, in freien oder exponierten Lagen ganz vereinzelt stürmische Böen
um 55 km/h (Bft 7) aus Nordwest gering wahrscheinlich sind. In den anderen
Landesteilen weht schwacher bis mäßiger Nordostwind.
Bei den Temperaturen gibt es ein starkes Gefälle: Im Nordosten mit aufkommender
KLA T850 hPa bei 1 bis -3 Grad, im Südwesten dagegen schon 3 bis 10 Grad.
Entsprechend verhalten sich die Temperaturen in 2 Metern: Im Nordosten 8 bis 15
Grad, im Südwesten 17 bis 23, örtlich vielleicht sogar 24 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch bleibt das Höhenhoch über Ostfrankreich, der Rücken
wird aber durch das nach Nordosten in das Nordmeer wandernde Residuum des
westlichen Troges nach Skandinavien gedrückt und erhält dadurch eine schwache
positive Neigung. Bodenhoch QUIRIN (oder der Nachfolger REINALD) verlagert sich
folglich ebenfalls nach Skandinavien, ein Keil reicht jedoch weiterhin bis nach
Deutschland.
Deshalb kann in weiten Teilen des Landes eine gering bewölkte oder klare Nacht
erwartet werden, zumal die Luftmasse unter Absinken weiter abtrocknet. Damit hat
es auch der Nebel schwer, der sich am ehesten ganz im Süden im Bereich der noch
etwas feuchterer Luft vereinzelt mit geringer Wahrscheinlichkeit bildet.
Richtung Grenze zu Polen ist teils dichterer Stratus möglich (wird nicht von
allen Modellen gezeigt), im Nordwesten und Südwesten können einige dünne hohe
Schleierwolken durchziehen.
Der Wind weht im Nordosten schwach aus unterschiedlichen Richtungen, sonst
schwach bis mäßig aus Nordost. Im Südwesten ist schwache Bise möglich, der zu
Böen Bft 5 führen kann.
Die anhaltende KLA sorgt im Norden, Osten, Teilen der Mitte und im Südosten für
leichten Frost zwischen 0 und -5 Grad, sonst sinken die Temperaturen auf 7 bis 1
Grad.

Mittwoch... verändert sich die Großwetterlage nur marginal: Der Höhenrücken
kippt noch leicht nach Skandinavien weiter, das Höhenhoch bleibt jedoch über
Frankreich. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nach Lappland, der Keil
bis nach Deutschland ist aber weiter vorhanden.
Erneut steht also ein sehr sonniger Tag ins Haus, wobei vielfach 90 bis 100% der
maximal möglichen Sonnenscheindauer ausgeschöpft werden. Ein wenig geringer sind
die Zahlen mit 80 bis 90% im Nordwesten (von der Nordsee hereindriftende
mittelhohe bis hohe Wolkenfelder) und an der Grenze zu Polen (von der Ostsee in
nördlicher Strömung durchziehender SC unterhalb der Absinkinversion).
Der Wind weht schwach bis mäßig, teils etwas böig aus Ost bis Nordost.
Die Höchsttemperaturen erreichen 9 bis 17 Grad im Nordosten (anhaltende KLA),
sonst 17 bis 24 Grad. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass im Südwesten lokal
ein weiterer meteorologischer Sommertag (am 5. April hat Regensburg bereits 25,2
Grad geschafft) registriert wird.

In der Nacht zum Donnerstag wird der Höhenrücken allmählich in die Zange
genommen. Der östliche Trog weicht nicht von der Stelle, über dem
Nordostatlantik macht sich ein neuer Langwellentrog breit. Dieser amplifziert
durch einen Randtrog zu den Britischen Inseln, weshalb das Frontensystem eines
Tiefs knapp nordwestlich von Island langsam Richtung europäischen Kontinent
geschoben wird. Infolgedessen kann sich die mittelhohe bis hohe Bewölkung
allmählich weiter bis in die Mitte ausbreiten. Zudem sind im Osten weiterhin
einige SC-Felder unterwegs. Vielfach verläuft die Nacht aber dennoch locker oder
gering bewölkt, insbesondere im Osten und Süden teils klar.
Die Nebelwahrscheinlichkeit ist in trockener Luft erneut nur gering.
Der Wind weht schwach bis mäßig, an der Nordsee und im Südwesten (erneut
schwache Bise) etwas böig aus Ost bis Nordost.
Die Temperaturen sinken bei kaum geänderter Luftmasse auf 7 bis 0 Grad in der
Westhälfte und auf 1 bis -3 Grad in der Osthälfte.

Donnerstag... kommt allmählich Bewegung in die festgefahrene Wetterlage. Der
Randtrog erreicht die westliche Nordsee, das Frontensystem des Tiefs bei Island
mit Ableger vor Norwegen kommt Deutschland immer näher. Damit ist eine
Feuchtezunahme zu verzeichnen, sodass auch die Bewölkung immer weiter zunimmt
und sich die mittelhohen bis hohen Wolken über weite Teilen Deutschlands
ausbreiten. Die maximal mögliche Sonnenscheindauer geht folglich auf 50% im
Nordwesten zurück, ganz im Osten und Süden können es aber noch bis zu 100% sein.
Zum Abend hin tauchen im Nordwesten vermehrt tiefe Wolken und erster leichter
Regen auf.
Mit der Frontannäherung verschärft sich auch der Druckgradient, was an der
Nordsee erste Böen um 55 km/h (Bft 7) aus Südost bringen kann. Ansonsten weht
schwacher bis mäßiger Wind aus Ost bis Südost.
Die Höchstwerte liegen zwischen 6 und 17 Grad in der Nordosthälfte und zwischen
17 und 24 Grad sonst.

In der Nacht zum Freitag ist der Hochdruckeinfluss endgültig vorbei. Der
abtropfende Randtrog steuert Norddeutschland an und bildet dort zum Morgen hin
ein Höhentief aus. Das okkludierende Frontensystem überquert Deutschland mit
Regen an der Warmfront, im Randbereich zur kalten Luft im Osten auch mit Schnee
oder gefrierendem Regen (Ostsee bis Sachsen). Die Modelle zeigen allerdings
keine große Schneeakkumulationen, allenfalls im höheren Erzgebirge scheinen ein
oder zwei Zentimeter möglich. Und auch der gefrierende Regen ist vermutlich
keine große Option, da der Frost im Osten noch fraglich ist (aufziehende
Bewölkung) bzw. wohl nicht von langer Dauer oder bei Ankunft der Niederschläge
schon wieder vorbei. Direkt an der Grenze zu Polen bleibt es bis zum Morgen noch
trocken. EZMW zeigt übrigens eine ganz andere Niederschlagsverteilung, demnach
würde es im Nordosten noch trocken bleiben, Schnee oder gefrierender Regen
würden dann in den höheren zentralen Mittelgebirgen und in Teilen Bayerns fallen
(wenige Zentimeter möglich). Darüber hinaus weicht UK10 von beiden Lösungen ab
und bringt die Warmfront bis morgens nur bis auf eine Linie Nordfriesland -
Altes Land - Sauerland - Pfalz voran.
Mit der nachfolgenden Kaltfront, die morgens bereits die Mitte und den Südosten
erfassen soll, sind Schauer oder einzelne Gewitter mit steifen Böen nicht
ausgeschlossen. Vor allem an der Nordsee und an der westlichen Ostsee bringt der
Gradient auch außerhalb der Konvektion steife Böen um 55 km/h (Bft 7), exponiert
stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8) aus Südost. Ansonsten weht schwacher bis
mäßiger Südostwind, der postfrontal auf West dreht.
Die Temperaturen sinken auf 9 bis 1 Grad, von Vorpommern bis zur Lausitz auf 1
bis -3 Grad.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle sind sich zunächst sehr einig. Ab Donnerstagabend gibt es aber
zunehmend Diskrepanzen (siehe Diskussion im obigen Text) mit größeren
Auswirkungen auf das Warnmanagement, sodass die nächsten Modellläufe abgewartet
werden müssen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler