Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 30.04.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: HM, zum Wochenende SWa
Heute und am Maifeiertag sonniges und trockenes Hochdruckwetter; lediglich in
einigen Gipfellagen bis in die kommende Nacht noch stürmische Böen.
Am Samstag im äußersten Westen/Nordwesten erste markante Gewitter, Unwetter
aufgrund von Starkregen nicht ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
--------------------------------------------------------------
Donnerstag... schwingt nach wie vor Hoch "WINFRIED" wettertechnisch das Zepter
und sorgt nahezu im gesamten Vorhersagegebiet für viel Sonnenschein von einem
meist wolkenlosen Himmel.
Die zugehörige Höhenantizyklone befindet sich mit ihrem Schwerpunkt über der
Nordsee (südwestlich des Skagerraks) und verlagert sich bis Freitagfrüh
tendenziell ein wenig nach Süden. Flankiert wird sie von einem umfangreichen
Langwellentrog über Nordost- und Osteuropa sowie von einem Komplex aus mehreren
Höhentiefs über dem Atlantik westlich der Biskaya bzw. der Iberischen Halbinsel,
ein typisches und zunächst einmal stabiles Omega-Muster also.
Somit weist auch unser Bodenhoch im Tagesverlauf nur wenig Verlagerungstendenz
auf. Es überdeckt nahezu ganz Mitteleuropa und hat sich inzwischen auch Richtung
Osteuropa ausgeweitet, wobei dessen Divergenzachse von der Deutschen Bucht
kommend etwa entlang bzw. knapp nordöstlich der Elbe südostwärts reicht. An
dessen Süd- bzw. Südwestflanke strömt somit nach wie vor sehr trockene
Festlandsluft nach Deutschland, die vor allem in der Osthälfte
niedertroposphärich noch relativ frisch daherkommt (aktuell -3 Grad in 850 hPa
über der Lausitz, im äußersten Westen des Landes dagegen schon +5 Grad). Somit
stand bei klarem Himmel, windschwachen Verhältnissen und nahezu ungehinderter
Ausstrahlung vor allem in der Osthälfte eine kalte Nacht ins Haus. Vielerorts
gab es leichten Frost, in der Lausitz und in einigen Erzgebirgstälern in
ungünstigen Mulden- und Senkenlagen sogar mäßigen Frost bis -6 Grad.
Im Westen/Südwesten fiel die Nacht dagegen - ebenso wie an den Küsten - deutlich
milder aus. Zwar blieb auch dort der Himmel klar, allerdings verhinderte der
spürbare Ostwind eine stärkere Abkühlung der Luftmasse. Verantwortlich für den
böigen Ostwind ist der recht scharfe Gradient an der Südwestflanke des Hochs.
Warntechnisch spielte das in der vergangenen Nacht in den Niederungen noch keine
Rolle - auf den Bergen dort umso mehr. In den Kamm- und Gipfellagen der
südwestdeutschen und auch der zentralen Mittelgebirge gab es recht verbreitet
steife bis stürmische Böen, auf den höheren Schwarzwaldgipfeln - getriggert
durch Low Level Jets - Sturm-, vereinzelt auch schwere Sturmböen (Hornisgrinde).

Mit der turbulenten Durchmischung bis in die Grundschicht durch die diabatische
Erwärmung dürfte der Wind im Südwesten und Westen im Tagesverlauf dann auch in
den Niederungen deutlich auffrischen und vor allem in freien Lagen reicht es
dann für steife Böen aus östlichen Richtungen. In den Kamm- und Gipfellagen der
Mittelgebirge nimmt der Wind dagegen etwas ab, dennoch ist dort nach wie vor
auch mit stürmischen Böen zu rechnen, am ehesten im Hochschwarzwald.
Ansonsten steht aber nichts Warnrelevantes auf der Agenda - sieht man mal von
der hohen Waldbrandgefahr, vor allem in Süddeutschland, ab. Dort wurde
stellenweise sogar die höchste Warnstufe ausgegeben, wobei der Wind zusätzlich
als Brandbeschleuniger wirken kann.
In den äußersten Osten des Landes (vor allem Ostbrandenburg und Ostsachsen)
gelangt von Polen her zeitweise dichtere Bewölkung, die schwacher WLA geschuldet
ist, aber im Tagesverlauf zunehmend Lücken bekommt bzw. sich ganz auflöst. Sonst
scheint allgemein die Sonne. Die Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf
Werte zwischen 1 Grad über der Lausitz und 8 Grad im äußersten Westen. Somit
dürften sich die Höchstwerte im Westen und Südwesten mit 19 bis 23 Grad,
stellenweise knapp 24 Grad gegenüber gestern kaum ändern, während es im Osten
und Nordosten mit 15 bis 19 Grad, rund um Berlin knapp über 20 Grad etwas milder
wird. Lediglich an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es etwas
frischer.

In der Nacht zum Freitag wird unsere Höhenantizyklone im Zuge eines
Trogvorstoßes über dem Nordmeer langsam nach Süden abgedrängt und befindet sich
mit ihrem Schwerpunkt in 500 hPa Freitagfrüh über der Deutschen Bucht. Hoch
"WINFRIED" bleibt unverändert robust, wird zwar über der Nordsee langsam
abgebaut, kann sich aber dagegen Richtung Südosteuropa ausweiten. Dessen
Schwerpunkt - markiert durch eine 1030 hPa Kernisobare - befindet sich morgens
über der Osthälfte Deutschlands und über Tschechien. An dessen Westflanke dreht
die Strömung niedertroposphärisch vor allem über Südwest- und Westdeutschland
langsam auf Südsüdost, bodennah weicht der Gradient allmählich auf. In den
Niederungen flaut der Wind mit dem Tagesgang ja bereits abends rasch ab, die
Entkopplung der Grenzschicht und die dadurch auftretenden Low Level Jets im
Bereich der Inversion wirken der Gradientaufweichung aber noch entgegen, so dass
es vor allem in den Kamm- und Gipfellagen von Schwarzwald und Alb nochmals
stürmische Böen, exponiert Sturmböen geben kann.
Ansonsten verläuft die Nacht allgemein gering bewölkt oder wolkenlos. Die Nacht
fällt nicht mehr ganz so kalt aus wie die Vornacht, dennoch gibt es in den
Tälern der süddeutschen Mittelgebirge, an den Alpen und im südlichen Vorland
sowie in der Osthälfte nochmals gebietsweise leichten Frost bis -2 Grad. Im
Westen und Nordwesten liegen die Minima dagegen meist zwischen 10 und 5 Grad.

Freitag... steht einem sonnigen und im Westen nun auch sommerlich warmen
Maifeiertag nichts im Wege. Der Trogvorstoß über dem Nordmeer setzt sich fort,
gleichzeitig nähert sich der Höhentiefkomplex über dem Ostatlantik tendenziell
dem Festland bzw. den Britischen Inseln an, während der Osteuropatrog
quasistationär bleibt. Insgesamt verschiebt sich der Omega-Block dadurch ein
wenig nach Osten und beginnt leicht zu kippen; die Höhenantizyklone wird
abgebaut und weicht einem breiten Rücken, dessen Schwerpunkt sich aber nach wie
vor ziemlich genau über dem Vorhersagegebiet befindet. Unser Bodenhoch
"WINFRIED" nimmt nun eine zunehmend meridionale Ausrichtung an, dessen
Divergenzachse kommt tendenziell ein wenig nach Osten voran, was über dem
Vorhersagegebiet den Weg frei macht für niedertroposphärisch wärmere Luft von
Süden her. Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa in der Westhälfte
verbreitet auf etwa 10 Grad, im Südosten/Osten auf 6 bis 9 Grad. Bodennah dauert
die Advektion trockener Festlandsluft weiter an, wobei die PPWs und die
Taupunkte mit Winddrehung auf Südost bis Ost doch schon ein klein wenig
ansteigen (PPW: 8 bis 13 mm). Somit scheint nahezu landesweit die Sonne von
einem nahezu wolkenlosen Himmel. Mit der beginnenden Advektion wärmerer
Luftmassen aus Südosteuropa wird es nun teilweise deutlich wärmer als am Vortag;
entlang und westlich des Rheins, im Münsterland und im Weser-Ems-Gebiet reicht
es recht verbreitet für den (dort) ersten Sommertag des Jahres, am Niederrhein
werden Höchstwerte nahe 27 Grad erreicht. Auch sonst werden die 20 Grad
verbreitet überschritten, lediglich in mittleren Höhenlagen sowie an den Küsten
bleibt es teilweise etwas frischer. Der Wind frischt mit dem Tagesgang vor allem
im Südwesten und Westen böig aus Südost auf. In höheren Lagen kann es durchaus
noch einmal für steife Böen reichen, ehe er spätnachmittags/abends rasch wieder
abnimmt.

In der Nacht zum Samstag kann sich das Höhentiefkonglomerat über dem nahen
Ostatlantik besser organisieren und greift Samstagfrüh als Randtrog auf Irland
bzw. auf den Nordwesten der Iberischen Halbinsel über. Unser Höhenrücken wird
dadurch weiter abgebaut und etwas nach Ostsüdosten gedrückt, bleibt aber robust
und dessen Achse reicht morgens vom westlichen Mittelmeerraum über den Süden und
Osten des Vorhersagegebietes bis zur südlichen Ostsee. Somit dreht die
Höhenströmung über West- und Nordwestdeutschland langsam auf Südwest, ein
erster, flacher kurzwelliger Troganteil verlagert sich nachts von Zentral- bzw.
Westfrankreich in die südlichen Niederlande.
Unser Bodenhoch hat sich mit seinem Schwerpunkt derweil nach Südosteuropa
zurückgezogen, bleibt aber für den Großteil des Landes mit bodennah trockenen
Luftmassen wetterbestimmend. Lediglich in den Westen gelangt vorderseitig einer
schwachen Kaltfront, die im Laufe der Nacht von den Britischen Inseln auf die
Nordsee übergreift, etwas feuchtere und wolkenreichere Luft, es bleibt aber, mit
Ausnahme von schwachen Schauern bzw. einigen Regentropfen an der Grenze zu
Belgien bzw. zu den Niederlanden, noch trocken. Ansonsten ist der Himmel erneut
allgemein klar. Die Nacht fällt noch etwas milder aus als die Vornacht,
eventuell reicht es in der Lausitz, in den Erzgebirgstälern sowie an den Alpen
nochmals in ungünstigen Lagen für Werte um 0 Grad. Im Westen und Nordwesten
bleibt die Nacht dagegen mit Minima zwischen 13 und 8 Grad schon recht mild.

Samstag... greift der Höhentrog allmählich auf die Britischen Inseln über, unser
Rücken wird dadurch noch etwas nach Südosten abgedrängt. An dessen
Nordwestflanke passiert der in die südwestliche Höhenströmung eingebettete
kurzwellige Troganteil im Tagesverlauf die Deutsche Bucht und streift dabei auch
Nordwestdeutschland. Rückseitig nimmt die südwestliche Höhenströmung rasch
wieder eine eher antizyklonale Kontur an.
Im Bodenfeld setzt nun verstärkt Druckfall über dem Vorhersagegebiet ein und am
Nachmittag/Abend greift die Kaltfront von der Nordsee her auf
Nordwestdeutschland über. Präfrontal wird eine potenziell instabil geschichtete,
warme Luftmasse aus Südwesteuropa ins Vorhersagegebiet advehiert (T850 hPa
zwischen 8 Grad im Nordwesten und 13 Grad im Südosten). Während im Osten und
Süden noch mit südöstlichen bis östlichen Winden bodennah die trockene
Festlandsluft mit PPWs teils deutlich unter 15 mm gegenhält, gelangt in die
flache Rinne unmittelbar vor der Kaltfront eine deutlich feuchtere Luftmasse mit
PPWs teilweise über 25 mm in den Nordwesten und äußersten Westen des Landes,
wobei die sich ausbildende Feuchteflusskonvergenz eine gewichtige Rolle spielt.
Zwar scheint die Sonne dort nur noch zeitweise, dennoch können dort gebietsweise
mehr als 500 J/kg ML-Cape generiert werden. Der durch die sich nähernde Front
generierte dynamische Hebungsantrieb dürfte, trotz ungünstiger
Trogkonstellation, zur Auslöse reichen, so dass ab den Nachmittagsstunden -
beginnend wohl in der Eifel sowie von den Niederlanden her - etwa vom südlichen
NRW bis ins Weser-Ems-Gebiet mit einzelnen, teils kräftigen Gewittern zu rechnen
ist. Etwas hochreichende, aber auch ein wenig Low Level-Scherung sind vorhanden,
so dass es sich um teilweise linienförmig organisierte Multizellencluster
handeln dürfte. Als Begleiterscheinungen kommen maximal (vor allem im
Anfangsstadium der Zellen) kleinkörniger Hagel (1 bis 2 cm), Starkregen und bei
besserer Organisation auch stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen in Frage. Je
nach Organisationsgrad und Zuggeschwindigkeit der Multizellensysteme (bei
linienförmiger Organisation eher weniger) kann bzgl. Starkregen auch ein
Unwetterereignis mit über 25 l/m² in kurzer Zeit nicht ganz ausgeschlossen
werden, die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber als nur sehr gering zu beziffern.
Ob es auch im Südwesten orographisch getriggert für Auslöse reicht, ist noch
unklar. Auch außerhalb der Gewitter frischt der Wind im Westen/Nordwesten böig
aus Südwest auf, vereinzelt kann es dann steife Böen geben.
Im Rest des Landes herrscht dagegen nach wie vor eitel Sonnenschein. Die
Temperatur macht gegenüber dem Vortag vor allem in der Osthälfte noch einmal
einen Sprung nach oben und es steht verbreitet ein Sommertag ins Haus. Inwieweit
es aufgrund der Wolken im Nordwesten dazu reicht, ist noch unklar, ansonsten
liegen die Höchstwerte in den Niederungen zwischen 25 und 29 Grad; die höchsten
Werte werden nun nicht nur im Oberrheingraben erreicht, sondern wohl auch in der
Lausitz. Lediglich an den Küsten bleibt es vor allem bei auflandigem Wind teils
deutlich frischer.

In der Nacht zum Sonntag kommt die Kaltfront in einem insgesamt antizyklonalen
Umfeld über Nordwestdeutschland nicht weiter nach Südosten voran, sondern
verlagert sich mit Annäherung einer Frontalwelle (deren Zugbahn von den Modellen
noch unterschiedlich simuliert wird) retrograd Richtung Norden, so dass auch der
Nordwesten wieder in den Warmsektor gelangt.
Die Schauer und Gewitter im Westen und Nordwesten klingen somit langsam wieder
ab, vor allem im Nordwesten fällt aber im Bereich der schleifenden Front noch
gebietsweise schauerartiger Regen, Gewitter bzw. lokal eng begrenzter Starkregen
nicht ausgeschlossen.
Ansonsten verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig, und im Südosten sowie Osten
auch noch meist gering bewölkt oder wolkenlos. Vor allem im Südosten kühlt es
nochmals gebietsweise auf Werte um 5 Grad oder knapp darunter ab, sonst verläuft
die Nacht mild mit Minima zwischen 13 und 7 Grad, im Westen und Nordwesten
gebietsweise um 15 Grad.


Modellvergleich und -einschätzung
--------------------------------------------------------------
Bis einschließlich Samstag fahren die Modelle einen einheitlichen Kurs. Ab der
Nacht zum Sonntag werden die Differenzen allmählich größer, insbesondere, was
die schleifende Front über Nordwestdeutschland bzw. die südliche Nordsee angeht.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff