Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Anfangs TrM (Trog Mitteleuropa), allmählicher Übergang zu BM (Brücke
Mitteleuropa)
INGA und HENRIETTE in ihrem Element - wechselhafte Kurzfrist mit konvektiven
Elementen.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
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Montag... starten wir in die nächste Maiwoche, an deren Ende ein langes
Wochenende - die Rede ist von Pfingsten - steht. Sehr gut möglich, dass wir dann
und vielleicht auch schon etwas eher über Frühsommer sprechen, also Sonne statt
und Temperaturen jenseits der 25°C-Marke. Genaueres dazu in der Synoptischen
Übersicht Mittelfrist, die am späten Vormittag an allen bekannten "Kiosken und
Vorverkaufsstellen" erhältlich ist. Jetzt aber erstmal zur Kurzfrist bis
Mittwoch, die noch immer von einer ausgeprägten Wechselhaftigkeit geprägt ist.
Nachdem uns vergangene Woche ein fetter und kalter Potenzialtrog mehr als nur
ein wenig gepiesackt hat, steht nun schon der Nachfolger ante portas. Weniger
wuchtig und auch weniger kalt als sein Vorgänger, aber trotzdem mit ausreichend
zyklonaler Energie ausgestattet, um beim hiesigen Wettergeschehen einen
erkennbaren Fußabdruck zu hinterlassen.
Heute Morgen befindet sich besagter Trog mit seiner Hauptachse noch knapp
westlich von uns, wobei er auf 300 hPa leicht nach Osten gegenüber 500 hPa
versetzt ist. Im Tagesverlauf erreichen beide Anteile den Westen des Landes.
Angeführt wird das Potenzialminimum von einer leicht wellenden Okklusion, die
wiederum in eine Tiefdruckrinne mit solider Windkonvergenz (Südost vs. Südwest)
eingebettet ist. Absender ist eine diffuse Tiefdruckzone in und um UK/Irland
herum, die den Namen HENRIETTE trägt. Rinne und Front haben den äußersten Westen
erreicht, begleitet von einem meridional angeordneten, gut definierten Regenband
mit konvektiven, heute früh aber noch nicht elektrischen Einlagerungen. Gleiches
gilt für einzelne, im Norden vorlaufende, im Westen nachlaufende Schauer. In den
nächsten Stunden nun wird die ganze Chose langsam ostwärts bis in die mittleren
Landesteile vorankommen, wobei das Regenband immer fragiler und konvektiver
wird. Bedingt durch vorherige Einstrahlung wird etwas CAPE generiert, so dass
etwa ab den Mittagsstunden im Bereich der Rinne respektive Front neben
zahlreichen Schauern auch mit einzelnen Gewittern gerechnet werden muss. Keine
große Nummer, eher schlecht organisiert und höchstens markant mit einer nicht
ganz wegzudiskutierenden Wahrscheinlichkeit für Starkregen bis 20 l/m² innert
kurzer Zeit (PPWs um 20 mm). Allerdings ziehen die Gewitter etwas und sind im
Schnitt auch nur kurzlebig. Kleiner Hagel und Böen 7 Bft sind auch drin, für
mehr wird´s aber kaum reichen. Fraglich ist auch, ob sich und wenn, wie viele
Gewitter sich postfrontal im Westen noch entwickeln. Die Numerik ist da recht
optimistisch, doch gilt es zu bedenken, dass irgendwann von Westen her WLA in
den Trog injiziert wird, aus der eine bei etwa 700 hPa ansetzende leichte
Sperrschicht erwächst. Am Ende kannste nur gucken was passiert und in situ die
entsprechende Warnkarte ziehen.
Im Süden kommt noch eine zweite Quelle konvektiver Umlagerungen dazu.
Offensichtlich angefacht durch Orografie und die sich nähernde Trogspitze werden
aus den Alpen und der Schweiz heraus Schauer und auch einzelne Gewitter
importiert, die intensitätsmäßig in der gleichen Liga wie die Überentwicklungen
weiter nördlich spielen. Gänzlich unbeeindruckt vom geschilderten Geschehen
bleiben der Osten und Südosten, wo sich noch die Reste des nach Finnland
abgewanderten Hochs YGGLEV mit trockneren Luftmassen bemerkbar machen. Nicht nur
dass es trocken bleibt, auch auf solarer Ebenen ist durchaus einiges zu holen.
Bemerkbar macht sich das freilich auch bei den Temperaturen, die in der
Osthälfte solide 18 bis 22°C erreichen (außer bei Seewind an der Ostsee und
natürlich in höheren Lagen). Nach Westen hin muss man sich bescheidener geben
mit nur 14 bis 19°C, in den Mittelgebirgen noch etwas weniger.
In der Nacht zum Dienstag setzt sich die leichte Progression des gesamten
Systems weiter fort. Trog, Rinne, Front, alle machen Boden nach Osten hin gut,
wobei sie tageszeitbedingt an Effektivität und Impact einbüßen. So nimmt z.B.
die Gewitterei noch vor Mitternacht deutlich ab und auch auf dem Sektor Schauer
zeigt das Pendel nach unten. Übrig bleiben am Ende zwei Areale mit
schauerartigen Regenfällen: #1 reicht etwa von SH über HH und das östliche NDS
bis hinunter nach Sachsen-Anhalt, Tendenz langsam ost-nordostwärts verlagernd
und abschwächend. #2 betrifft den Alpenrand und das südliche Alpenvorland, wo
Verclusterung einsetzt (mit anfänglicher Starkregengefahr) und der Regen seinen
Schwerpunkt ebenfalls langsam gen Osten verlagert, dabei aber durchaus
mehrstündig unterwegs ist. In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze auf unter
2000 m, nicht aber unter 1500 m. Im Hochgebirge sind etwa 10 cm Neuschnee drin.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass von Westen her ein flacher, WLA
generierter Rücken seine Fühler nach Deutschland ausstreckt und die postfrontal
eingeflossene subpolare Meeresluft zur Ruhe mahnt. Auch im Bodendruckfeld lässt
sich - bei sehr geringen Luftdruckgegensätzen allerdings - die Aufwölbung eines
zarten Zwischenhochs erahnen. Bedeutet für die Westhälfte größere
Wolkenauflockerungen, in der feuchten und windstillen Grundschicht aber auch
gebietsweise teils dichter Nebel. Frisch wird´s auch nochmal, insbesondere in
den Senken, Mulden und Tälern der westlichen und südwestlichen Mittelgebirge, wo
es auf 0°C oder etwas darunter abkühlen kann.
Dienstag... zieht der Trog nur sehr zögerlich aus dem Osten bzw. Nordosten ab.
Kein Wunder, wird doch über Russland respektive Nordosteuropa mal wieder
Blockade gespielt, die es sämtlichen von Westen anrückendenden Systemen schwer
macht, ausreichend Meilen zu sammeln. Schaut man sich den 18-UTC-Termin an, dann
hat´s der Trog auf 300 hPa so gerade geschafft, Polen und die Ostsee zu
erreichen, während er auf 500 hPa noch immer über der Oder-Neiße-Region
herumlungert. Gleiches gilt für die inzwischen arg gealterte, aber
offensichtlich resiliente Okklusion, die sich bei zunehmend amorpher
Druckverteilung tapfer über den östlichen Landesteilen hält. Sie wird im
Tagesverlauf sogar noch mal aktiviert, was sie in einem etwa von Vorpommern am
Großraum Berlin vorbei bis zum Erz-/Zittauer Gebirge reichenden Korridor mit
Schauern und einzelnen Gewittern zurückzahlt. Dabei bleibt Starkregen das
Kriterium, weshalb am ehesten mal ocker statt gelb zu ziehen ist. Kleiner Hagel
und Böen 7 Bft sind natürlich auch möglich.
Etwas westlich vom besagten Korridor wartet die Numerik - wenn auch abgeschwächt
- ebenfalls mit konvektiven Umlagerungen auf. Auch wenn es die Modelle anders
sehen, dürfte es sich meist "nur" um Schauer handeln. Auf der einen Seite wirkt
der dem Trog folgende Rücken dämpfend, auf der anderen Seite macht sich von
Westen her zunehmend WLA stabilisierend bemerkbar. Womit wir übrigens beim
nächsten Tief und dem zugehörigen Frontensystem wären. Die Rede ist von INGA,
die es sich morgen Mittag mehrere Dutzend Seemeilen westlich der Hebriden
gemütlich macht, während sie ihre Fronten Richtung Kontinent schickt. Bei uns
allerdings dürften diese ohne Warmsektor als teilokkludierte Kaltfront zwar erst
in der Nacht zum Mittwoch ankommen. Gleichwohl nimmt die Bewölkung in den
westlichen Landesteilen immer weiter zu und am Nachmittag breiten sich von
Benelux und Frankreich leichte Regenfälle langsam ostwärts aus. Interessant
dabei: Während die deutsche Modellkette, aber z.B. auch AROME auf weitgehend
stratiformen Regen setzen, bietet SuperHD nur ein paar schnöde Schauer an. So
oder so, viel kommt bis zum Abend nicht runter, die Ausbeute liegt bei allen
Modellen meist deutlich unter 5 l/m².
Bliebe nur noch mitzuteilen, dass das Wolkenbild abgesehen vom Westen, wo
alsbald Aufzug einsetzt, ein gemischtes ist, welches auch der Sonne einige
Auftritte ermöglicht. Dazu 16 bis 22°C mit den höheren Werten nach Osten und
Südosten hin. Küstenabschnitte mit auflandigem Wind sowie höhere Lagen bleiben
naturgemäß etwas frischer.
In der Nacht zum Mittwoch wird der Höhenrücken nach Osten rausgedrückt, wodurch
wir auf die diffluente Vorderseite des nächsten Trogs über UK/Irland respektive
dem nahen Atlantik gelangen. Da dieses Modell im Vergleich zu seinen Vorgängern
kaum Amplitude aufweist, ergibt sich bei uns eine eher zonal geprägte
West-Südwestströmung, mit der die mittlerweile vollständig okkludierte Front
ostwärts gesteuert wird. Damit breiten sich auch die zugehörigen Regenfälle
ostwärts aus, wobei noch fraglich ist, wie weit. Gut möglich, dass Oder und
Neiße noch nicht erreicht werden. Akkumuliert über die Nacht bleiben die Mengen
überschaubar, mehr als 5 l/m² dürften nur selten zustande kommen, zumal die
anfänglich noch aktive Konvektion sehr schnell zum Erliegen kommt. Schön auf
alle Fälle, dass es mal wieder eine Nacht gibt, in der wir nicht über Frost
reden müssen.
Mittwoch... schiebt sich der Trog relativ flach zu uns rein, was aber dicke
ausreicht, die einfließende subpolare Meeresluft soweit zu labilisieren, dass
wir uns auf einen sehr abwechslungsreichen Mittwoch freuen können. Und weil die
Luft noch etwas feuchter ist als zuvor (PPW zwischen 20 und 25 mm, spez.
Grundschichtfeuchte bis zu 9 g/kg) und vor allem in der Westhälfte solide
Scherung vorliegt, dürfen wir bei wechselnder bis starker Bewölkung von einer
regen Schauer- und Gewittertätigkeit ausgehen. Neben markantem Starkregen (die
Unwettergefahr hält sich dann doch sehr in Grenzen) können auch kleiner Hagel
sowie Böen 7-8 Bft mit von der Partie sein. Hinsichtlich der genauen räumlichen
Verteilung lassen sich keine belastbaren Aussagen machen. Im Grunde kann es jede
Region treffen, auch wenn sich bei ICON im Südwesten ab dem Nachmittag ein
gewisser Trockeneinschub erkennen lässt. Inwieweit das für bare Münze zu nehmen
ist, bleibt abzuwarten. Fakt hingegen ist, dass nun auch im Süden und Westen die
Chancen steigen, die 20°C-Marke zu erreichen oder gar zu überschreiten.
Insgesamt kann die Spanne der Höchsttemperatur auf 16 bis 22°C taxiert werden.
In der Nacht zum Donnerstag beginnen Potenzial und Luftdruck von Frankreich und
Benelux her anzusteigen. Hinzu kommt der Tagesgang, so dass nachvollziehbar ist,
warum die Numerik ein baldiges Abebben der Schauer- und Gewitteraktivität
feilbietet. Nur ganz im Norden, wo der Trog am ausgeprägtesten durchschwenkt
sowie an den Alpen, wo sich vorübergehend leichter Stau einstellt, kann es noch
etwas länger schauern bzw. regnen. Dort, wo es längere Zeit aufreißt
(Süden/Mitte), bildet sich z.T. dichter Nebel. Die Tiefsttemperatur liegt
zwischen 12 und 6°C.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die wechselhaften und damit recht anspruchsvollen Abläufe werden von den
Modellen sehr ähnlich abgebildet. Dass das auf die Auswirkungen, in diesem Fall
konkret auf das Konvektions- und Niederschlagsgeschehen, nicht unbedingt 1:1
projizierbar ist, ist nicht neu. Die Gewitter müssen an allen drei Tagen mit den
Werkzeugen des Nowcastings abgearbeitet werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann