Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
"Zweite" Riege vom FCB auf windigen (wortwörtlich) Kiez in Hamburg - 0:1 nach 10
Minuten. Und das Wetter? - Von Westen her zyklonaler mit Regenfällen und
einzelnen Gewittern.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... signalisiert fallender Luftdruck bei uns, dass irgendwas im Busche
ist. Und richtig, der bisher bestimmende Zwischenhocheinfluss beginnt zu
zerfließen, der überlagerte Potenzialrücken langsam ostwärts abzuwandern. Damit
wird der Weg frei für das Frontensystem eines hochgradig ästhetischen
Tiefdruckwirbels (TAMINA) - Leute, schaut euch die Satellitenbilder an, was für
einen Frau -, der mit einem Kerndruck nahe 970 hPa knapp westlich der Hebriden
seine Kreise dreht. An der großräumigen Wolkenkonfiguration rund ums Tief zeigt
sich einmal mehr, dass Meteorologie nicht nur ein rein wissenschaftlich
aufgezogene Materie ist, sondern in natura auch wunderschöne künstlerische
Aspekte zu bieten hat. Keine Wünsche offen lässt auch das angesprochene
Frontensystem, das neben den üblichen Kandidaten Warm-, Kaltfront, Okklusion
auch noch eine in den Warmsektor hineinreichende Konvergenz zu bieten hat.
Das ist insofern nicht ganz unwichtig, als dass ja heute eine Portion leidlich
labil geschichteter Warmluft in den Süden und Westen gepumpt wurde, die nun auch
noch ordentlich angefeuchtet wird (PPW bis zu 25 mm). Mit Hilfe der Einstrahlung
wurde tagsüber etwas CAPE generiert, die mit Eintreffen der Konvergenz in die
einzelne Überentwicklungen transformiert werden kann bzw. das schon konnte
(NW-Schweiz/Grenze zu Südbaden). Allerdings ist fraglich, ob die Konvergenz
(Ost-Südost vs. West-Nordwest) auch heute Abend noch ausreicht, die notwendigen
Hebungsimpulse zu liefern. Immerhin ist die Mischungsschicht inzwischen etwas
abgehoben, so dass der reine Impuls von unten nicht zwingend genügt. Aber wozu
gibt es topografische Anomalien, sprich Mittelgebirge? Und auch die diffluente
Vorderseite des von Westen langsam vorankommenden Potenzialtrogs könnte einen
kleinen, aber vielleicht entscheidenden Beitrag leisten. Wenn es rumst, dann am
ehesten in BaWü und später auch noch in Teilen Bayerns (Favorit Schwaben +
Unter-/Mittelfranken). Aber auch RP/Saarland und NRW bis hinüber nach Hessen
sind nicht ganz raus aus der Nummer, dann weniger an der dort kaum ausgeprägten
Konvergenz als vielmehr direkt vor der Kaltfront. Scherung ist ausreichend
vorhanden, trotzdem dürften die Gewitter in der Basis eher gelb und nur in
Einzelfällen markant ausfallen (Böen bis 8 Bft, kleiner Hagel, mit geringer
Wahrscheinlichkeit Starkregen).
Was hätten wir sonst noch auf dem Einkaufszettel - Klar, der frontale Regen, der
sich bis in die östlichen Landesteile vorarbeitet und vor allem rund um
Schwarzwald und Schwäbische Alb ordentlich abliefert. 10 bis 15, lokal 20 l/m²
innert 12 Stunden inkl. eines lokal eng begrenzten Starkregenereignis wären
keine Überraschung, weil erstens auch hier die Orografie ihre Finger im Spiel
hat, konvektive Einlagerungen gegeben sind und zudem die teilokkludierte
Kaltfront ins Straucheln, meint, ins Schleifen respektive Wellen kommt. Grund
dafür ist nicht die Verspätung eines vorausfahrenden Zuges, wie es immer so
schön oder eigentlich weniger schön auf deutschen Bahnhöfen heißt, sondern
Druckfall im und um das westliche Mittelmeer herum. Ansonsten liegen die
Gesamtmengen in den meisten Fällen unter der 5-l/m²-Schwelle. Trocken bleibt es
zwischen Ostsachsen und Vorpommern und auch im Westen trocknet es in der
postfrontal einfließenden subpolaren Meeresluft noch vor Mitternacht beginnend
wieder ab.
Bliebe in der gänzlich luftfrostfreien Nacht (ganz im Osten lokal Bodenfrost)
nur noch der Wind, der präfrontal sowie an einer postfrontalen
Druckanstiegswelle insbesondere im Westen und Nordwesten mesit nur für kurze
Zeit böig auffrischt (7 Bft, Nordsee bis 8 Bft) und von Südost auf West bis
Nordwest dreht.
Sonntag ... zieht das Sturmtief dicht an Schottland vorbei in Richtung Färöers,
wobei sich die Vertikalachse zusehend in die Senkrechte aufrichtet und der
Kerndruck entsprechend steigt. Wichtiger für uns ist die Tatsache, dass die
Okklusion in ihrem Nordteil bis fast an Oder und Neiße vorankommt, aber eben
auch nur fast. Dort wird sie nämlich von gleich mehreren Systemen an ihrer
Progression gehindert: das blocking high über NO-Europa (QURIN), der gerade
ausgewanderte Rücken über Polen sowie ein quasistationäres Höhentief im Raum
Ukraine/Belarus. Hinzu kommt rückseitiger bzw. die Front überlaufender
Druckanstieg, was am Ende zu viel für das gute Stück ist. Sie schwächt sich ab
(Gleiches gilt für den frontale Regen, der voraussichtlich ebenfalls noch vor
der Grenze halt macht) und löst sich schlussendlich auf, so dass sie spätestens
in der Nachtanalyse nicht mehr auf der Karte zu finden sein wird. In der
rückseitig einfließenden subpolaren Meeresluft (mPs; T850 um 0°C) trocknet es ab
und vor allem im Westen und Nordwesten scheint abgesehen von einigen Cirren und
Kumulanten, die sich aus der labilen, bis 900/850 hPa hinaufreichenden
Absinkinversion entwickeln, die Sonne.
Ganz anders die Lage im Süden und Südwesten, wo die Front mitnichten die
Grätsche macht, sondern deutlich zurückhängt und in die Warmfront eines
Tiefdrucksystems über Nordafrika bzw. dem westlichen Mittelmeer übergeht. Vor
allem vom Schwarzwald bis hoch nach Oberfranken und vielleicht auch zur
Oberpfalz (noch Modellunschärfen) regnet es anfangs noch, bevor sich zum
Nachmittag vorübergehend Abschwächungstendenzen, aber kein vollständiges
Versiegen erkennen lassen. In der südöstlich lagernden Warmluft (T850 5 bis 8°C)
scheint mitunter die Sonne zwischen den Wolken. Konvektive Erscheinungen halten
sich dort mangels ausreichend Labilität in Grenzen (einzelne Schauer vielleicht
ja, Gewitter eher nein).
Höchsttemperatur bei längerem Regen lediglich um 10, sonst 12 bis 17°C, im
Südostzipfel Oberbayerns punktuell etwas darüber.
In der Nacht zum Montag zieht das südliche Haupttief in Richtung Sardinien,
während TAMIRA einen Nordkurs am Westrand der Norwegischen See einschlägt.
Zwischen den Tiefs tut sich eine schwache Brücke auf, die das Hoch über
NO-Europa mit dem Azorenhoch verbindet. Damit wird der Okklusion im Osten
endgültig der Stecker gezogen, wohingegen die Warmfront im Süden erhalten
bleibt. Sie schwenkt ganz langsam west-nordwestwärts und wird dabei zeitweise
aktiviert. Es kommt zu weiteren Regenfällen, insbesondere im Südwesten und
Teilen der Mitte, abgeschwächt aber auch nochmal im Osten. Gänzlich trocken
bleibt es im gesamten Nordwesten, weitgehend trocken zwischen Oberschwaben und
Nieder-/Oberbayern. Allerdings simuliert IFS für die erste Nachthälfte nun schon
mehrfach noch konvektive, nicht zwingend elektrische Umlagerungen auf der warmen
Seite der Front, im letzten Lauf über Niederbayern. Das Spielchen spielen die
meisten anderen Modelle nicht mit, so dass über dem Ganzen noch ein Fragezeichen
schwebt. Weniger fraglich ist, dass die Nacht frostfrei über die Bühne geht und
der Wind in weiten Teilen den Schlaf des Gerechten schläft. Im Südosten kann
sich Nebel bilden.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... belassen wir es an dieser Stelle bei den Ausführungen der heutigen
und/oder verweisen auf die morgige Frühübersicht - wieder von einem "mann", aber
streiche Hoff und setze Hart. Alles klar?
Modellvergleich und -einschätzung
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Viel Substanzielles gibt es an dieser Stelle nicht hinzuzufügen. Das
grundlegende Geschehen ist numerisch ausreichend abgedeckt. Unschärfen ergeben
sich z.B. noch in Bezug auf Intensität und genauer räumlicher Verteilung der
Regenfälle, warnrelevant ist das aber nicht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann