Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Relativ maue Kaltfrontpassage, danach Hochdruckeinfluss mit zunehmenden
Grundschichtphänomenen (JURIJ).
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... neigt sich ein äußerst linder Herbsttag langsam seinem Ende
entgegen. Ein Tag, der als mild bis sehr mild in die Chroniken eingeht und
zeigt, was Ende Oktober noch so möglich ist. Okay, für Rekorde hat´s zwar nicht
gereicht, aber Temperaturen um oder sogar über 20°C im Süden und Westen
(Spitzenreiter Müllheim (BW) mit 21,6°C) sind aller Ehren wert und es bedarf
natürlich bestimmter Voraussetzungen, um in dieser Jahreszeit dieses thermische
Niveau zu erreichen.
Womit wir bei der aktuellen Wetterlage wären, die heute den GWL-Stempel SWa
(Südwest antizyklonal) verdient. Auf der einen Seite notieren wir das äußerst
solide Sturmtief NAOMI, heute Mittag mit knapp über 962 hPa im Kern zwischen
Island und Schottland gelegen. Es sorgt mit dem korrespondierenden, bis nach
Westeuropa reichenden Höhentrog für die Zufuhr entsprechender Subtropikluft
(mS/xS) nach Mitteleuropa, wobei bei uns die T850-Werte Werte im Süden und
Westen zwischen 10 und 13°C erreichen. Der antizyklonale Part wird einerseits
vom langsam ostwärts abwandernden Bodenhochkeil IDRIS, zum anderen von einem
sich ebenfalls allmählich nach Osten orientierenden Potenzialrücken
beigesteuert. Wenn wir so wollen befinden wir uns noch im antizyklonal
konturierten Warmsektor NAOMIs, der nun aber in Kürze seine Pforten schließen
wird.
Grund ist die bereits ante portas stehende Kaltfront (im Norden dichter als im
Süden), die in der kommenden Nacht und am morgigen Mittwoch den Vorhersageraum
ostwärts passiert. Mit von der Partie ein vergleichsweise schmales frontales
Regenband, das bis morgen früh grob eine Linie Usedom/Oderhaff-Thüringer
Wald-Bodenseeraum erreicht. Nur punktuell fallen dabei 5 l/m² oder etwas mehr,
in der Regel liegen die Raten darunter. Ost-südöstlich davon bleibt es noch
trocken und auch postfrontal trocknet es in der frisch einfließenden maritimen
Polarluft (mP; T850 nur noch um +1°C) im Westen und Nordwesten alsbald wieder
ab. Der Druck steigt von Frankreich her rasch an (JURIJ das nächste Hoch lässt
grüßen), was stabile Verhältnisse schafft. Einzig an bzw. auf der Nordsee ist
der nachfolgende Höhentrog in der Lage, ein paar schwache Schauer zu generieren.
Der Wind nimmt sowohl an der Nordsee als auch auf dem Brocken ab, so dass die
Warnkarte abgesehen von vielleicht ein paar Nebelwarnungen im Südosten (Donau +
Nebenflüsse) farblos bleibt. Die Temperatur geht auf 10 bis 3°C (Nordsee
milder), in Altbayern stellenweise auf 0°C oder etwas darunter zurück.
Mittwoch ... schwenkt die Kaltfront mit dem zugehörigen Regenband über den Osten
und Südosten hinweg. Am längsten (teils bis in den Nachmittag, teils sogar bis
in den Abend hinein) regnet es von der Lausitz bis zum Alpenrand. Staueffekte
sorgen vor allem zwischen Karwendel und Berchtesgadener Alpen für eine
Intensivierung der Regenfälle, was in der Tagesbilanz bis zu 20, lokal
vielleicht 25 l/m² ausmacht.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass der unmittelbar auf die Kaltfront
folgende Höhen- und Temperaturtrog mit seinen rund -22°C auf 500 hPa über
+1/+2°C auf 850 hPa nicht nur wegen der limitierten Labilität (Prognosesoundings
zeigen bei 900 bis 850 hPa die Genese einer absinkgenerierten Sperrschicht),
sondern auch wegen des geringen Wasserdampfgehalts (PPW liegt bei wenig über 10
mm, das meiste davon in der Grundschicht) kaum was in Sachen Schauer
auszurichten vermag. Auch der weitere Druckanstieg mit Bildung einer
eigenständigen, langsam von Frankreich nach Deutschland wandernden
1030+X-hPa-Parzelle ist alles andere als förderlich. Im Gegenteil, in der frisch
eingeflossenen Polarluft (mP) lockert die Bewölkung auf, insbesondere im Westen
und Nordwesten scheint für längere Zeit die Sonne. Erst zum Abend hin nimmt die
Bewölkung mit Annäherung eines Bodentrogs in Nordseenähe sowie im Grenzbereich
zu den Niederlanden wieder zu.
Selbiges gilt für den Südwestwind über der Deutschen Bucht, der schon am
Nachmittag etwas stärker auffrischt, sehr wahrscheinlich aber nur auf Helgoland
die untere Warnschwelle für 7er-Böen erreicht respektive knapp überschreitet.
Kaltfront hin, polare Luftmasse her, richtig kalt wird´s auch am morgigen
Mittwoch nicht. Okay, im für längere Zeit regnerischen Südosten könnte es an der
ein oder anderen Stelle schwer werden, die 10°C-Marke zu überlisten. Ansonsten
aber stehen mit verbreitet 12 bis 16°C (Sonne und/oder leichte Durchmischung)
für Ende Oktober ziemlich milde Werte auf dem Zettel.
Die Nacht zum Donnerstag wird hochdrucklastig. Nicht nur dass Kollege JURIJ mit
seinem Zentrum weiteren Boden nach Osten hin gut macht. Auch die Expansion des
Hochs nach Norden ist spürbar. Lediglich im Küstenbereich sowie in Teilen des
norddeutschen Tieflands, wo die Passage des o.e. Bodentrogs auf dem Fahrplan
steht, geben dichte Wolken und zeitweilig leichter Regen den Ton an. Ansonsten
geht´s vielerorts gering bewölkt oder sogar klar in die Nacht, bevor sich in der
entkoppelten Grundschicht gebietsweise Nebel oder Hochnebel bilden. Am östlichen
Alpenrand regnet es anfangs noch etwas, bevor sich der Niederschlag in
inneralpine Bereiche und nach Austria zurückzieht. Dabei dürfte die
Schneefallgrenze kaum unter 1500 m sinken. Während es ganz im Norden unter den
Wolken mit 11 bis 7°C relativ mild bleibt, kühlt es sonst auf 6 bis 0°C, bei
längerem Aufklaren in ungünstigen Lagen (ein Klassiker deutscher
Wetterberichtsprosa) gar in den leichten Frostbereich ab.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... zunehmend hochdruckbestimmte Grundschichtproblematik. Nicht Sein
oder Nichtsein, sondern Blau oder Grau, das wird dann die Frage. Mehr dazu bei
Shakespeare oder den Frühübersichten von heute und morgen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Von den üblichen Prognoseproblemen grundschichtgeprägter Phänomene wie Nebel und
Hochnebel abgesehen gibt es nichts, was hier Erwähnung finden sollte.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann