Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Zunächst ruhiges Wochenende mit einzelnen Gewittern im südlichen Bergland. Ab
Sonntagabend zyklonaler, in der Mitte Stark- oder Dauerregen möglich.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... kehrt nach teils turbulenten Wettertagen vorerst Ruhe ein in der
Atmosphäre über Deutschland, bevor sich das zum Ende des Wochenendes wieder
deutlich ändert.
Dynamisch betrachtet liegen wir in einer flauen südwestlichen Höhenströmung, die
sich auf der Vorderseite eines umfangreichen Trogs mit mehreren Zentren zwischen
dem Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel, dem Nordmeer und
Nordwestrussland ergibt. Darin eingelagert hat ein Randtrog bereits Polen
erreicht und dreht sich nun über dem Baltikum ein. Für uns relevanter ist jedoch
die leicht antizyklonal geprägte Höhenströmung auf der Rückseite davon. Zusammen
mit einem Rücken über Skandinavien wird Bodenhoch XERI II mit Schwerpunkt über
Finnland gestützt (Growetterlage NEa). Für Deutschland ergibt sich eine
Hochdruckrandlage an der südwestlichen Flanke des Hochs. Der Keil des Hochs
weitet sich in der Nacht zum Samstag noch etwas weiter südwestlich aus, womit
Absinken dominant wird und Hebung kaum noch zu finden ist.
So fallen letzte Schauer oder Gewitter im südlichen Bergland rasch wieder
zusammen. Die Wolken lockern dann vielfach auf, vor allem in der Mitte können
sich aber unterhalb der Absinkinversion bei rund 800 hPa in der feuchten
Grundschicht teils noch dichtere Wolken länger halten oder Nebel bilden. Der
tagsüber darin befindliche örtliche Sprühregen lässt in der Nacht größtenteils
nach.
Der Wind weht schwach bis mäßig um Ost.
Die T850 hPa liegen in der alternden maritimen Polarluft bei 8 Grad im Süden und
0 Grad im Norden, was in 2 m Tiefsttemperaturen zwischen 10 Grad im Südwesten
und 1 Grad im Nordosten bedeutet. In den höheren Mittelgebirgen und im Norden
ist gebietsweise Bodenfrost zu erwarten.
Samstag ... bleibt die amorphe Geopotenzialverteilung mit eher antizyklonalem
Anstrich in der Höhe erhalten. Allerdings lenkt das nunmehr als Höhentief
fungierende Drehzentrum westlich der Iberischen Halbinsel ein Bodentief in die
Biskaya. Das sorgt mit allmählich aufkommender WLA über Deutschland für
Druckfall von Südwesten her, womit der Keil von Hoch XERI bei uns zurückweichen
muss. Zudem verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt in das nordwestliche Russland.
Mit der südwestlichen Strömung gelangt wieder etwas mildere, in den Süden und
Südwesten auch feuchtere Luft zu uns.
Diese Anfeuchtung lässt eine etwas höhere Gewitterbereitschaft als heute
erwarten, das Absinken des Keils wirkt aber noch limitierend dagegen. Sollte es
zur Zellbildung kommen, die sich prädestiniert durch Orographie im Schwarzwald,
an der Alb, in den Alpen und im Bayerischen Wald entwickeln könnte, steht bei
geringer Zuggeschwindigkeit der Zellen und PPWs von 15 bis 20 mm der Starkregen
im Fokus. Nach ICON-D2 ist lokaler Starkregen zwischen 15 und 25 l/m2 in kurzer
Zeit wahrscheinlich und heftiger Starkregen über 25 l/m2 in kurzer Zeit nicht
ausgeschlossen. Wind könnte bei DCAPE-Werten um 500 J/kg an den Alpen eine Rolle
spielen, die Scherung lässt aber zu wünschen übrig, sodass auch die Modelle
nicht anspringen. Bei ML-CAPE von rund 1000 J/kg in der Spitze ist kleinkörniger
Hagel möglich.
Ansonsten ist viel Sonnenschein zu erwarten, der in einem Streifen zwischen dem
Emsland und der Lausitz ein wenig kürzer ausfällt. Dort stören noch Wolken aus
der Nacht heraus und die kaum von 800 hPa weiter absinkende Inversion vermag die
Wolken auch nicht überall aufzulösen.
Der Wind weht schwach bis mäßig, meist aus Ost bis Nordost, im Süden teils etwas
auffrischend.
Die Temperaturen steigen auf 16 bis 20 Grad in der Nordosthälfte und auf 18 bis
25 Grad sonst. An den Küsten ist es bei auflandigem Wind leicht kühler.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Rücken über Deutschland hinweg,
gleichzeitig weitet sich der Trog über dem Nordmeer in Richtung Nordsee aus. Er
wird zudem von einem kleinen Randtrog begleitet. An den Trog gekoppelt ist ein
Bodentief vor der norwegischen Küste, dessen Kaltfront ausgangs der Nacht den
Nordwesten touchiert und dort dichtere Wolken und zum Morgen hin ein paar
Tropfen heranführt.
Im Süden bleibt die feuchte Luft zwar erhalten, kann sich aber mangels Dynamik
und Tagesgang nicht weiter entfalten, womit Schauer und Gewitter alsbald wieder
zusammenfallen.
Im Rest des Landes dominiert weiterhin Absinken, die zu einer locker bewölkten
bis klaren Nacht führt.
Der Wind weht schwach bis mäßig aus Nordost, im Südwesten dreht er aber auf
Südwest.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 11 Grad im Südwesten und 2 Grad im Osten. Im
Osten gibt es gebietsweise erneut Bodenfrost.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... ändert sich im Vergleich zur Frühübersicht nicht Wesentliches: Im
Westen und Südwesten weiter zunehmende Feuchtigkeit und ab dem Nachmittag von
Südwesten Schauer und Gewitter mit Aufbau einer Tiefdruckrinne im Süden, die
sich in der Nacht zum Montag bis in die Mitte ausbreitet. Im neuesten 12
UTC-Lauf von ICON13 lässt sich eine Verlagerung des Streifens mit den höchsten
Niederschlagsmengen um etwa 80 km nach Süden feststellen, sodass nun vor allem
ein Bereich zwischen dem Saarland und dem nördlichen Baden-Württemberg betroffen
wäre. Die Mengen bleiben mit bis zu 25 l/ m2 bzw. lokal auch deutlich mehr
allerdings ähnlich. Im Norden Durchzug einer schwachen Kaltfront mit eher
geringen Niederschlägen. Mehr Details in der ausführlichen Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Die Modelle simulieren ähnlich. Bezüglich der Niederschläge in der Nacht zum
Montag bestehen größere Differenzen insbesondere in der Räumlichkeit. So bleiben
EZWM, GFS und UK10 mit dem Niederschlagsschwerpunkt weiter nördlich, GFS ist mit
der nördlichsten Variante sogar komplett noch in NRW. Diesbezüglich müssen also
weitere Modellläufe abgewartet werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler