Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Alter Trog geht, Heidenheim und St. Pauli auch, neuer Trog kommt, dazwischen
Zwischenhocheinfluss (YGGLEV).
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... wird ernsthaft daran gearbeitet, den seit Wochenanfang bei uns eher
weniger als mehr willkommenen Trog ins Land der Träume zu schicken. Nicht nur
dass in seinem Südteil beim Übertritt von der Adria auf den Balkan ein Cut-Off
unmittelbar bevorsteht. Auch dem nördlichen, heute Abend noch über Deutschland
positionierten Residuum geht es durch von Westen übergreifender WLA an den
Kragen. Am frühen Sonntagmorgen ist der Spaß so gut wie vorbei. Lediglich ganz
im Osten und Südosten hält sich noch ein schmallippiges Residuum, das von hohem
Potenzial über dem nahen Ost- und Nordosteuropa geblockt wird und somit auch
tagsüber noch präsent ist. Ansonsten aber ist der Trog ist einem flachen Rücken
gewichen, der aber nicht zum Helden taugt und den großen Umschwung bringt. Klar,
man braucht sein Haupt nicht allzu weit gen Westen zu richten, um dort schon den
nächsten Trog zu sichten, der aber - so viel sei an dieser Stelle verraten - in
Sachen Labilität, Kälte usw. nicht an die Performance seines Vorgängers
heranreichen wird. Auf der anderen Seite taugt er aber allemal, den
wechselhaften Wettercharakter am Laufen zu halten und gleichzeitig dafür zu
sorgen, dass die in den nächsten Tagen durchaus anstehende Erwärmung eher
gemäßigt und nicht brachial ausfällt.
Kommen wir zur bevorstehenden Nacht zum Sonntag, in der sich leichter
Zwischenhocheinfluss einstellt. Nicht nur die Ankunft des o.e. Rückens macht
sich bemerkbar. Auch am Boden etabliert sich ein schwacher Hochkeil, einem
erweiterten Wurmfortsatz des berühmten Azorenhochs, der sich von Frankreich bis
zur Ostsee ausweitet und den Namen YGGLEV verpasst bekommen hat. Hinzu kommt
noch die übliche tagesgangbedingte Stabilisierung der tagsüber aktivierten
maritimen Polarluft mP. Kurzum, bis Mitternacht geht nicht nur die anfangs
regionsweise noch aktive Schauerei in die Knie. Auch die zahlreichen Quellwolken
bilden sich zurück respektive lösen sich teilweise sogar ganz auf. Hier und da
bildet sich in der vom Regen angefeuchteten Grundschicht Nebel - vertikal nicht
unbedingt mächtig, z.T. aber mit schlechter Horizontalsicht. Dazu kommt leider
auch nochmal das Thema "Frost" auf die Agenda. Insbesondere im Süden und Osten
sowie in der Landesmitte kühlt es in der Luft stellenweise und am Boden durchaus
recht verbreitet in den leichten Frostbereich ab. Der anfangs noch lebhafte und
böige Südwest- bis Westwind im Norden lässt schon in Kürze merklich nach.
In den frühen Morgenstunden nimmt die Bewölkung im Westen bereits wieder zu.
Zwar hält der o.e. Trog noch einen gebührenden Abstand ein, dafür nähert sich
eine teilokkludierte Kaltfront der Nordsee bzw. dem Westrand des Kontinents.
Absender ist das Tief HENRIETTE, das sich von der Irminger See rinnenförmig
Richtung Schottland ausweitet.
Sonntag ... setzt sich der Zwischenhocheinfluss in weiten Teilen des Landes
fort, auch wenn der flache Rücken mehr und mehr in die Zange genommen wird: von
Westen der langsam näherkommende neue Trog, im Osten das alte Residuum, da kann
einem schon mal etwas mulmig werden. Unterstützung gibt es nach wie vor von
YGGLEV, der zwar seinen Schwerpunkt gen Baltikum verlagert, dabei aber eine
halbwegs solide Brücke zwischen dem Nordosteuropahoch und dem Azorenhoch
aufrecht hält.
Außer im stark bewölkten Westen startet der Tag vielerorts sonnig, zwischen
Ostsee und Mitte gebietsweise wolkig, lokal auch neblig. Allzu lange braucht es
nicht, bis die Auslösetemperatur von 10 bis 12°C (im Osten etwas höher) erreicht
ist und sich Quellungen bilden. Diese schrauben sich in eine Höhe von 700 bis
650 hPa, wo sie durch eine schwache, absinkbedingte Sperrschicht gedeckelt
werden. Thermisch befinden wir uns dort etwa in einem Niveau von -10°C, was
gemeinhin als neuralgisches Maß für die Niederschlagsbildung gilt. Oder anders
formuliert, die Entwicklung einzelner Schauer ist alles andere als
unwahrscheinlich, vorausgesetzt, der Feuchteinput reicht aus. Am
wahrscheinlichsten sind konvektive Umlagerungen zum Nachmittag hin etwa von der
unteren Donau über Franken und die östlichen Mittelgebirge hoch bis in den
Berliner Raum bzw. den Fläming, also im unmittelbaren Dunstkreis des
Trogresiduums. Zwar kann auch ein elektrischer Schauer nicht gänzlich
ausgeschlossen werden, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für Gewitter aufgrund
limitierter vertikaler Mächtigkeit nicht übermäßig hoch.
Kurz noch in den Westen, wo sich Trog und Kaltfront respektive Okklusion Zeit
lassen, ihre Besitzansprüche auf deutsches Hoheitsgebiet in die Tat umzusetzen.
Kein Wunder, vergrößert der Trog doch erstmal seine Amplitude, was auf Kosten
seine Wellenlänge und seiner Progression geht. Die südwestliche Höhenströmung
dreht zurück und ein vorlaufender flacher Randtrog stößt sich eher die Hörner
ab, als dass er großartig was gewinnt. Nichtsdestotrotz setzen noch im Laufe des
Vormittags von Benelux und der Nordsee leichte Regenfälle im äußersten Westen
und Nordwesten ein, die sich am Nachmittag noch etwas nach Osten ausweiten.
Dabei nimmt die Labilität soweit zu, dass etwas CAPE generiert werden kann, so
dass der Niederschlag weitgehend schauerartigen Charakter annimmt. Ob es auch
für ein Gewitter reicht, bleibt abzuwarten.
Immerhin, nachdem heute mit rund 17°C im Osten und Südosten das Ende der
Fahnenstange erreicht war, geht´s morgen um ein paar Grad nach oben. Nicht
ausgeschlossen, dass im Osten punktuell die 20°C-Marke touchiert oder gar um
wenige Zehntel überschritten wird. Ansonsten stehen vielerorts 14 bis 19°C auf
der Karte.
In der Nacht zum Montag verkürzt der Trog auf seinem Weg nach Osten seine
Wellenlänge weiter, weil in seine Rückseite ordentlich Warmluft geschossen wird.
Als Pumpe fungiert ein umfangreiches Tief, das heute noch über Neufundland
liegt, von dort aber ganz klar den Ostatlantik im Visier hat. Plakativ
betrachtet wird der Trog wie ein Gummiband in die Länge gezogen, trotzdem macht
er etwas Boden nach Osten hin gut. Am Morgen erstreckt sich seine Hauptachse
über UK, Zentralfrankreich und die Pyrenäen hinweg bis nach NW-Afrika (Referenz
500 hPa, in 300 hPa etwas weiter östlich). Die Vorderseite wird weiterhin
markiert von der Kaltfront/Okklusion, die bis zum Morgen die Landesgrenzen zu
Benelux überschreitet und in der zweiten Nachthälfte die schauerartigen
Regenfälle gerade zwischen Eifel und Ostfriesland intensiviert. Nicht
ausgeschlossen, dass dabei auch ein Gewitter eingelagert ist.
Zur Mitte und nach Osten hin bleibt man von dieser Entwicklung zunächst noch
verschont, wenn man mal von einigen ausgreifenden Cirren absieht. Ansonsten gilt
wolkig bis klar, trocken, einige Nebelfelder. Luftfrost tritt kaum noch auf,
Frost in Bodennähe wohl, insbesondere vom Alpenrand bis hoch nach Brandenburg.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... Keine substanziellen Neuerkenntnisse gegenüber der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Entwicklung wird modellübergreifend sehr ähnlich eingeschätzt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann