Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
LUISE und MANJA bringen stürmisches und wechselhaftes Wetter, Küsten und
Bergland teils voller Sturm bzw. Orkan. Staulagen zeitweise markanter
Dauerregen, Hochschwarzwald ab der Nacht zum Sonntag auch unwetterartig. Sonntag
einige markante Gewitter. Osten insgesamt ruhiger.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... geht LUISE (int. AUSTEN) im Norden von Hauts-de-France mit einem
Kerndruck von rund 982 hPa an Land, driftet bis zum Abend über den Westen von
Belgien und erreicht nachfolgend die Niederlande. Diese Zugbahn liegt innerhalb
einer sehr eng gebündelten Memberschar beim IFS-ENS und anderen
Ensembleverfahren, sodass es nun eine gute Übereinstimmung innerhalb der Numerik
gibt.
LUISE ist (wie gestern in der Spätübersicht detailliert beschrieben) eine
besondere Dame, weist sie doch einen vertikal gut ausgeprägten warmen Kern auf,
inklusive eines knapp 20K Theta-e Gradienten peripher des Zentrums. In fact, die
Radarpräsentation ähnelt sehr den Spiralbändern eines Tropensturms beim
Landfall, wenngleich hier natürlich der barokline Antriebsterm dominiert und die
"vortical" hot towers fehlen (SSTs um 16 Grad im Ärmelkanal nicht ausreichend,
was rund 2 Kelvin positiver Abweichung zur Klimatologie entspricht).
Wie zu erwarten war fällt die Frontenanalyse bei LUISE diffus aus und es wurde
sich mittlerweile auf einen Frontenbruch bei der Kaltfront entschieden - weniger
der SK Lehre entsprechend, sondern eher durch die fehlende Feuchte und
zerstückelte Frontogenese hervorgerufen. Allerdings dürfte sich die Kaltfront
unter dynamischem Support im linken Auszug des Höhenjets bis nach
Südwestdeutschland retten. Die etwas besser strukturierte Warmfront liegt
derweilen über Norddeutschland und es wurde eine Okklusion mit Umkehr durch den
Kern von LUISE gemalt, was zwar dem recht barotropen warmen Kern widerspricht,
dafür aber das Niederschlagsmaximum am Südrand von LUISE recht gut begründet
(Starkregen in Belgien/Niederlande).
Somit erwartet viele Bereiche Deutschlands ein leicht wechselhafter
Nachmittag/Abend. Immer wieder ziehen aus Südwesten Schauer durch oder es regnet
leicht (Norddeutschland), allerdings mit kaum nennenswerten Mengen im gesamten
Süden und Osten bis zum Sonnenuntergang.
Anders sieht es im Westen aus, wo in der Nähe der Zirkulation von LUISE
kräftigere Schauer bzw. Niederschläge durchziehen, die bis zum Abend in Richtung
Eifel/Hunsrück 10 bis 15 mm Nass in 12h bringen und sonst in Staulagen der
westlichen Mittelgebirge 4 bis 8 mm/12h.
Zum Wind gibt es nicht viel zu sagen, da entsprechende Warnungen bereits lange
Gültigkeit haben. Der Fokus liegt weiterhin nahe der "warm seclusion", die zum
Abend mit 60 kt in 950 hPa den Niederrhein/Eifel erreicht und dort verbreitet
markante Böen Bft 8 bis 9, lokal auch eine Bft 10 induziert. Ansonsten sind im
gesamten Westen und über der Mitte steife bis stürmische Böen, bei Passage von
Konvektionssegmenten teils auch Bft 9 und im Bergland je nach Höhenlage Bft 9
bis 12 zu erwarten.
Die abendlichen Werte liegen zwischen 13 und 7 Grad.
In der Nacht zum Samstag zieht LUISE ohne große Intensitätsänderung (dank der
sich nur zögernd abschwächenden warmen Kernanomalie) über die Niederlande in
Richtung Deutsche Bucht, bevor sich das Tief dort nach Mitternacht allmählich
auffüllt.
Der LUISEs Zentrum begleitende, sehr kräftige Gradientwind weist bis Mitternacht
noch Windspitzen um 55 kt in 950 hPa auf, was dem gesamten Nordwesten eine
stürmische Nacht beschert. Verbreitet werden von der Eifel/dem Niederrhein bis
ins westliche Niedersachsen Böen Bft 8 bis 9 erwartet, anfangs lokal auch die
Bft 10, wobei sich die Windspitzen insgesamt in Richtung Niedersachsen
sukzessive abschwächen (dort meist nur Bft 8 und lokal Bft 9). Nach Mitternacht
sorgt der Auffüllprozess von LUISE und die rasch nachlassende warme Kernanomalie
für eine deutliche Abschwächung des niedertroposphärischen Windfeldes, sodass
nach Mitternacht im Nordwesten meist nur noch Bft 7-8 Böen, lokal Bft 9 zu
erwarten sind.
Auch abseits dieses Hauptkorridors bleibt der Wind im gesamten Westen und über
der Mitte ein Thema, weht er doch weiterhin steif bis stürmisch (Bft 7-8) aus
Südwest, im Bergland je nach Höhenlage mit Bft 9 bis 12. Auch eine temporäre
Druckwelle am Alpenrand eingangs der Nacht bringt einige markante Böen Bft 8 aus
West.
Im gesamten Osten weht der Wind meist nur schwach bis mäßig aus Südost bis Süd.
Offshore weht über der südlichen Nord- und Ostsee ein steifer bis stürmischer
Wind aus Südost, wobei nach Mitternacht im Umfeld der Elbmündung vorübergehend
auch Sturmböen Bft 9 auftreten können.
Beim Niederschlag geht es mit einer Zweiteilung weiter. Im Osten nur einzelne
Schauer, meist trocken, während es im Westen und am direkten Alpenrand zeitweise
kräftigere Niederschläge gibt mit 12 std. Mengen von 10 bis 20 mm, in Staulagen
lokal um 25 mm. Entsprechende Dauerregenwarnungen wurden ausgegeben. Inneralpin
schneit es oberhalb von 1300 bis 1500 m etwas mit 1 bis 5 cm, in Staulagen auch
etwas mehr.
Die Minima liegen zwischen 10 und 2 Grad, im Süden kann im Bergland leichter
Frost nicht ausgeschlossen werden.
Samstag ... steht dann im Zeichen der sich weiter auffüllenden und in Richtung
Dänemark driftenden LUISE. Deren herumgeholte Feuchte beschert dem Norden einen
wolkenverhangenen Tag mit zeitweiligen Regenfällen, die mit 5 bis 10 mm in 12h
jedoch nicht warnrelevant ausfallen. Ähnliche Spitzen sind auch entlang der
zentralen Mittelgebirge zu erwarten. Im Osten beginnt der Tag noch freundlich,
bevor es dann jedoch von Westen mit Wolken und etwas Regen ebenfalls wechselhaft
wird. Im Nordwesten entwickeln sich besonders zum Nachmittag und Abend über der
Deutschen Bucht und angrenzend zusätzlich teils kräftige Schauer, hier und da
mit Blitz und Donner.
Ansonsten kann dem Südwesten und Süden ein insgesamt freundlicher Samstag
bescheinigt werden, nur örtlich mit einem geringen Schauerrisiko behaftet. Von
der Schwäbischen Alb bis ins Rotttal wird es gar ein teils sonniger Nachmittag
werden.
Zum Abend verdichten sich im Westen die Wolken erneut und im Grenzbereich zu
Benelux/Frankreich sind die ersten Tropfen zu erwarten.
Peripher von LUISE (und einem begleitenden Höhentrog) bleibt der Südwestwind
stramm mit rund 40 kt aus Südwest in 950 hPa. Dies beschert dem Norden
(besonders Nordwesten) einen recht windigen Tag (Bft 6 bis 7, lokal Bft 8) und
auch sonst schwankt der Südwestwind zwischen Bft 6 bis 7. Im Bergland muss je
nach Höhenlage mit Sturmböen oder schweren Sturmböen gerechnet werden, auf dem
Brocken auch mit Orkanböen. Zum Abend erfolgt vorübergehend/insgesamt eine
Windabschwächung, wobei davon nicht der Brocken und die Nord-/Ostsee betroffen
sind, wo weiterhin markante Böen zu erwarten sind (allerdings im Küstenumfeld
meist ablandig, sodass die Küsten nicht in dem Ausmaß betroffen sind).
Die Höchstwerte liegen zwischen 8 und 15 Grad.
In der Nacht zum Sonntag beeinflusst uns dann die rapide Zyklogenese MANJA (int.
BOELO), die gestern und heute in den jeweiligen Frühübersichten bereits
beschrieben wurde. Angetrieben durch Ex-JOSEPHINE, als diabatische Rossbywelle
(DRW) mit Jetdurchquerung im Nordatlantik zur rasanten (Breitengrad
korrigierten) Intensivierung um 2 bergeron angeregt, trifft sie in den
Nachtstunden mit rund 945 hPa (enge Memberclusterung im IFS-ENS) auf Schottland,
was einen neuen Monatsrekord dort bedeuten könnte. Allerdings streuen die
Modelle noch etwas bezüglich der Zugbahn und des Druckminimums.
Entsprechend der DRW Historie wird MANJA mit einem Schwall modifizierter
Tropikluft gespeist, die (Stand heute, 23.10.) mit mehr als 300% Abweichung zur
Hintergrundklimatologie im Seegebiet vor der Nordostküste der USA angezapft
wurde. Kein Wunder, dass der EFI Feuchtefluss mit einem umfangreichen EFI
Bereich (0.9-1) und SOT Abweichungen von über +2 aufwartet, zusätzlich mit einem
schon als extrem zu bezeichnenden IVT von bis zu 1500 kg/m/s.
MANJA lässt im Verlauf der Nacht zum Sonntag somit von Westen ein agiles und
teilokkludiertes Frontensystem nach Deutschland ziehen, das in cross sections
eine hochreichend geneigte und frontogenetisch sehr agile Frontfläche aufweist.
Gekoppelt mit der Feuchte und mäßiger Höhendivergenz erwartet den Westen ein
Ereignis, was schon nahezu in Vergessenheit geraten ist: eine flächendeckende
und regenreiche Frontpassage. Diese beginnt mit stratiformen Niederschlägen und
wandelt sich rückseitig in konvektiv verstärkten Niederschlag um, dank
Abtrocknung oberhalb von 700 hPa und zunehmender potenzieller Labilität.
12 std. Niederschlagsmengen liegen im gesamten Westen zwischen 10 und 25 mm, in
Staulagen zwischen 20 und 40 mm.
Im Osten beginnt die Nacht klar, im Nordosten auch bewölkt mit letzten Schauern,
bevor nach Mitternacht von Westen allgemein mit Bewölkungsverdichtung zu rechnen
ist. Ob es im Umfeld der Oder für die ersten Tropfen reicht muss abgewartet
werden.
Der warme Jet im warmen Förderband weist von West nach Ost fortschreitend
Windspitzen von 55 bis 75 kt in 850 hPa bzw. 25 bis 60 kt (von Süd nach Nord) in
950 hPa auf.
Somit muss im Nachtverlauf von West nach Ost mit einem stark böig auffrischenden
Südwind gerechnet werden, der im Tiefland auch stürmisch auffrischen kann. Dank
der WLA erzeugten stabilen Schichtung wird ein strammer vertikaler Böengradient
zu erwarten sein, wobei markante bis unwetterartige Böen Bft 9 bis 12 je nach
Höhenlage auftreten werden. Geführte Winde können auch im Tiefland regional für
Böen Bft 8 bis 9 gut sein.
Im Südosten und Osten ist davon bei mäßigem Wind aus Südost bis Süd wenig zu
spüren.
Die Minima liegen zwischen 10 und 2 Grad, mit den niedrigsten Werten im
Südosten, wo entkoppelt lokal auch Luftfrost nicht ausgeschlossen werden kann
(häufiger im Bergland).
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... zieht MANJA nur gemächlich nach Nordost und füllt sich etwas auf.
Der kräftige Regen weitet sich bis zum Mittag nach Osten aus, sodass es zur
Mittagszeit im Süden und Osten noch anhaltend und teils konvektiv verstärkt
regnet, während es sonst von Westen rasch abtrocknet und auflockert. Im Westen
sieht es gar nach einem freundlichen Vormittag aus, bevor zum Nachmittag die
Schauertätigkeit etwas zunimmt. Dann sind auch einzelne Gewitter nicht
ausgeschlossen. Bei einem strammen niedertroposphärischen Wind bis 45 kt in 850
hPa und tageszeitlich forcierter Labilisierung auf 200 bis 400 J/kg MUCAPE gilt
es von der westlichen Mitte bis nach Süddeutschland diese konvektive Aktivität
bezüglich des Böenpotenzials genau im Auge zu behalten (u.a. wegen der
durchmischten Grenzschicht und v.a. entlang kleiner Liniensegmente). Auch muss
die Grenzschichtentwicklung postfrontal bezüglich eines Tornadopotenzials
verfolgt werden, heben die Hodographen doch ein latentes Risiko hervor (aktuell
v.a. durch mäßige Grenzschichtfeuchte gemindert).
Der von Süd aus West drehende Wind weht im Tiefland (abseits der Konvektion)
meist steif bis stürmisch (Bft 7 bis 8), im Nordwesten durchweg stürmisch und
natürlich im Bergland je nach Höhenlage markant bis unwetterartig. Im Osten weht
der Südwestwind mäßig bis frisch.
Offshore stehen stürmische Zeiten bevor. Der Tag beginnt über der südlichen
Ostsee mit markantem Südsturm (ablandig Bft 9 bis 10, offshore die Bft 11), geht
in eine vorübergehende Windabschwächung zum Mittag über und gipfelt nachfolgend
mit Drehung auf Südwest erneut in Bft 9 bis 10 Böen.
Über der Nordsee droht ganztägig schwerer Sturm bis Orkan aus Südwest, zum
Nachmittag aus West (Bft 8 bis 10 am Vormittag, nachfolgend auf Bft 10 bis 12
aus West zunehmend), wobei rege Konvektion (inklusive Gewitter) für einen
effektiven Impulstransport sorgt - bedeutet auch küstennah und im angrenzenden
Binnenland bei Passage von kräftiger Konvektion unwetterartige Böen (v.a. SH
betreffend).
Wiederholte Konvektionspassagen sorgen im Umfeld der Deutschen Bucht für 6std.
Regenmengen zwischen 10 und 20 mm, lokal um 30 mm (mehrstündiger markanter
Starkregen) mit ähnlichen Mengen in Süddeutschland (10 bis 20 mm, in Staulagen
bis 30 mm). Summiert man diese Mengen 24 std. auf, dann werden wohl einige
Staulagen im Westen und über der Mitte eine markante Dauerregenwarnung erhalten,
im Hochschwarzwald kann auch Unwetter nicht ausgeschlossen werden (nach ID2 bis
90 mm/24h). Sonst fallen die Mengen vor allem im Westen deutlich geringer aus.
Die Maxima liegen zwischen 10 und 16 Grad.
In der Nacht zum Montag erreicht MANJA unter deutlicher Abschwächung das
Europäische Nordmeer, wobei Deutschland unter einer kräftigen Westströmung
verbleibt (45 kt in 950 hPa). Schauer treten dabei im Süden sowie im Norden auf,
peripher und über der Deutschen Bucht auch einzelne Gewitter. Sonst verläuft die
Nacht meist trocken.
Der Höhenwind weist weiterhin ein Nord-Südgefälle auf mit 45 kt (950 hPa) im
Norden und 15-20 kt im Süden. Allerdings entkoppelt der Wind im Nachtverlauf
(u.a. dank fehlender Konvektion), sodass die anfänglichen Bft 7/8 Böen allgemein
auf Bft 6/7 zurückgehen, über Süddeutschland noch schwächer. Im Bergland treten
noch markante, auf dem Brocken unwetterartige Böen auf und die Bft 10/11 Böen
über der Deutschen Bucht dauern die Nacht hinweg weiter an (Ostsee Bft 9 bis
10).
Die Minima liegen zwischen 9 und 2 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Zugbahn von LUISE wird homogen erfasst, sodass es hier keine Überraschungen
geben sollte. MANJA wird ebenfalls recht einheitlich erfasst, allerdings noch
mit einem geringen meridionalen Spread bei der Zugbahn und einer
Intensitätsdiskrepanz von 10-15 hPa zwischen den Modellen (bezüglich
Druckminimum). Dies hat aber keine nennenswerten Auswirkungen auf die
Entwicklung dieser Kurzfrist, die insgesamt als sicher angesehen werden kann.
Einzig die Konvektion am Sonntag ist noch mit großen Unsicherheiten behaftet und
muss in Folgeläufen weiter analysiert werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy