Synoptische Übersicht Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
W z - Durchgreifende Umstellung der Wetterlage.
GLATTEIS:
In der Nacht zum Samstag und bis in den Samstagvormittag hinein etwa östlich
einer Linie Ostholstein-Harz-Schwäbische Alb gebietsweise gefrierender Regen.
Unwetterartige Entwicklungen vor allem Richtung Vorpommern sowie in den
östlichen Mittelgebirgen und in Ostbayern nicht ausgeschlossen. Nachfolgend
rasche Milderung.
TAUWETTER:
Ab heute Abend von Westen einsetzender Regen und nachhaltige Milderung. In
einigen Mittelgebirgslagen und am Alpenrand bis Montagabend als Summe aus
Regenfällen und Schmelzwasser Mengen zwischen 50 und 70 l/qm.
WIND/STURM:
Auf dem Brocken aufkommend Sturmböen Bft 8/9, in der Nacht zum Samstag auf
sämtliche Kammlagen der Mittelgebirge ausweitend und mit Unterbrechungen bis in
den Montag hinein andauernd. Auf dem Brocken dann zeitweise schwere Sturmböen
bis 100 km/h (Bft 10) aus Südwest.
FROST/GLÄTTE:
Heute Früh in den Niederungen West- und Südwestdeutschlands frostfrei, sonst
leichter, nach Osten und Norden zu mäßiger Frost. Bei klarem Himmel über Schnee
im Nordosten strenger Frost unter -10 Grad. Stellenweise Glätte durch
Überfrieren.
Tagsüber im Nordosten, besonders in Vorpommern gebietsweise Dauerfrost.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
--------------------------------------------------------------
Freitag... ist der bisher wetterbestimmende Trog nach Südeuropa ausgetropft. An
der Nordflanke des über der Adria liegenden Cut-Off-Tiefs hat sich
antizyklonaler Einfluss in Form eines flachen Rückens und eines Zwischenhochs
durchgesetzt. Ganz im Süden macht sich noch das Höhentief mit leichten
Schneefällen bemerkbar, die sich allmählich zu den Alpen zurückziehen. Bis gegen
Mittag sind östlich des Inns sowie an den Alpen noch einmal um 5 cm Neuschnee
möglich.
Durch das Zwischenhoch wurde die bisherige Luftmassenverteilung konserviert. In
der Mitte sowie im Nordosten erfolgte eine Abkühlung in den Bereich mäßigen, im
Nordosten und Osten über der dort zum Teil noch vorhandenen Schneedecke in den
Bereich strengen Frostes. In weiten Teilen von Mecklenburg-Vorpommern und im
östlichen Brandenburg dürfte die Temperatur auch heute nicht über den
Gefrierpunkt ansteigen.
Mit der raschen Verlagerung des Höhenrückens, der zudem von Warmluftadvektion
überlaufen wird, setzt sich vom Atlantik her eine mäandrierende Frontalzone auch
über Mitteleuropa durch. Mit einer darin eingelagerten ersten schwachen
Warmfront kommen im Nordwesten und Westen geringe Niederschläge auf, die östlich
der Linie Kiel-Harz-Spessart als Schnee fallen, aber keine nennenswerten
Neuschneemengen mehr ergeben. In erster Linie macht sich aber die sich
durchsetzende Frontalzone in Form einer Windzunahme in exponierten Höhenlagen
bis hin zu Sturmböen Bft 8/9 auf dem Brockenplateau bemerkbar. An den hierfür
anfälligen Küstenabschnitten kommen Windböen Bft 7 auf, wobei der Wind von
Südost auf Süd dreht.
In der Mitte und im Osten hält sich der Zwischenhocheinfluss noch am längsten,
so dass dort größere Auflockerungen, in der Mitte und im Osten auch längere
sonnige Abschnitte zu erwarten sind. Abgesehen vom Nordosten, wo sich teils
leichter Dauerfrost hält, steigt die Temperatur auf 2 bis 6, in Rheinnähe bis 8
Grad.
In der Nacht zum Samstag wird ein in der Frontalzone eingelagerter Trog nach
Deutschland gesteuert. Mit dem vorgelagerten und bis dahin okkludierten
Frontensystem kommen erneut Niederschläge auf, die über die Mitte Deutschlands
hinweg rasch bis auf den Osten übergreifen. Dabei fällt meist Regen, ganz im
Osten, in den zentralen und östlichen Mittelgebirgen sowie an den Alpen anfangs
Schnee. Im Osten und anfangs auch in der Mitte ist nach vorübergehender
Schneephase die gefrierende Phase zu erwarten; aufgrund des dort bis über 50 cm
tief gefrorenen Bodens ist dann Glatteis die Folge. Zudem stellt sich in diesen
Gebieten nach vorherigem Aufklaren noch einmal leichter, im östlichen Bergland
auch mäßiger Frost ein. Unwetterartige Auswirkungen sind vor allem in Vorpommern
sowie zur Oder und Neiße hin nicht auszuschließen.
Ansonsten fallen die Niederschläge durchweg als Regen oder gehen in diesen rasch
über. In den Mittelgebirgen setzt daher Tauwetter ein, das so lange andauert,
bis dass der Schnee geschmolzen ist. Niederschlagsmengen über 10 mm innerhalb
von 12 Stunden sind jedoch auf Staulagen beschränkt.
Mit dem Übergreifen des Bodentroges erfolgt eine weitere leichte
Gradientzunahme, so dass generell in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge
sowie auf Alpengipfeln Sturmböen Bft 8/9 und auf dem Brockenplateau schwere
Sturmböen zustande kommen.
Samstag... verlagert sich der Trog nach Polen, gefolgt von einem breiten
Höhenrücken. Dieser wird wiederum von Warmluftadvektion überlaufen, die in
Verbindung mit einer weiteren Warmfront steht. Mit dieser kommt von Südwesten
und Westen her erneut Regen auf, der bis auf die mittleren Regionen übergreift.
Im südwestdeutschen Bergland und an den Alpen können in Staulagen durchaus mehr
als 20 mm innerhalb von 12 Stunden zusammenkommen, wobei die Schneefallgrenze
bis über 1500 m, in den östlichen Mittelgebirgen bis in die Gipfellagen
ansteigt. Daher dürfte sich im Bergland das Tauwetter verstärken.
Im Nordosten ist bis in den Vormittag hinein, in Vorpommern bis gegen Mittag,
resultierend aus der ersten Warmfront, noch etwas Regen oder Sprühregen zu
erwarten, wobei sich von Westen her die mildere Luft dank des recht kräftigen
Gradienten auch in diesen Gebieten rasch durchsetzt und sich daher die
Glatteislage in diesen Gebieten zügig entspannt. In exponierten Höhenlagen sind
weiterhin Sturmböen Bft 8/9 (auf dem Brocken darüber) zu erwarten, an der See
sind Windböen Bft 7 auf exponierte Küstenabschnitte beschränkt.
Mit der kräftigen westlichen Strömung setzt sich größtenteils milde Luft mit
Tageshöchsttemperaturen zwischen 7 und 12 Grad durch. Nur im Nordosten und in
Ostseenähe wird es mit 3 bis 6 Grad noch nicht so mild.
In der Nacht zum Sonntag rückt der Höhenrücken bis nach Mitteleuropa vor. Mit
der Warmfront eines Randtiefs nördlich von Schottland sind weitere Regenfälle zu
erwarten. In Staulagen können 10 bis 20 mm innerhalb von 12 Stunden
zusammenkommen. Dabei steigt auch an den Alpen die Schneefallgrenze auf mehr als
1500 m an, so dass überall im Bergland das Tauwetter andauert. Gegenüber Samstag
ist die Windsituation unverändert. Dabei bleibt es deutschlandweit frostfrei.
Sonntag... gelangt Deutschland in den Genuss des breiten Warmsektors des unter
Abschwächung in den Oslofjord ziehenden Randtiefs. Die nachfolgende Kaltfront
greift schleifend auf den Norden Deutschlands über und arbeitet sich zögernd bis
in die mittleren Regionen vor. In Staulagen können erneut 10 bis 20 mm innerhalb
von 12 Stunden zusammenkommen, so dass die dort ggf. noch vorhandenen
Schneereste abschmelzen. Ein paar Auflockerungen kommen allenfalls ganz im Süden
zustande. Ansonsten hält sich mehrschichtige und weitgehend geschlossene
Bewölkung.
Mit der kräftigen Strömung sind in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge
weiterhin Sturmböen Bft 8/9 und auf dem Brockenplateau schwere Sturmböen zu
erwarten. Im Lee der nördlichen Mittelgebirge sowie an den hierfür anfälligen
Küstenabschnitten sind Windböen Bft 7 aus Südwest bis West möglich.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 10 bis 15, im Nordosten und ganz im Norden
5 bis 9 Grad.
In der Nacht zum Montag ist im Bereich der schleifenden Kaltfront auch von den
Mittelgebirgen aus südwärts zeitweiser Regen zu erwarten. Erneut sind in
Staulagen 10 bis über 20 mm innerhalb von 12 Stunden zu erwarten. Die
Schneefallgrenze liegt weiterhin bei 1200 bis 1500 m.
Im Norden macht sich durch einen ostwärts übergreifenden schwachen Trog leichter
zyklonaler Einfluss bemerkbar, so dass dort die Niederschläge leicht konvektiv
durchsetzt sind, ohne dass dort größere Regenmengen zustande kommen. Wie bereits
in der Nacht zuvor bleibt es überall frostfrei.
Modellvergleich und -einschätzung
--------------------------------------------------------------
Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede
ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann