Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Umstellung der Wetterlage auf einen kühleren und wechselhafteren
Witterungsabschnitt
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... geht die blockierende Lage endgültig zu Ende. Das blockierende Hoch
über Osteuropa hat sich weitgehend abgebaut bzw. ist nach Russland abgezogen.
Somit erfolgte eine deutliche Zonalisierung mit tiefem Geopotenzial über dem
Nordatlantik. Dabei liegt ein steuerndes Zentraltief westlich von Island. Seine
Okklusion, die nach der klassischen Theorie als Okklusion mit Kaltfrontcharakter
interpretiert werden kann, überquert derzeit Deutschland ostwärts. Mit ihr
verbunden sind schauerartig verstärkte Niederschläge. Vorderseitig sind noch die
Reste der gealterten subtropischen Luftmasse mit 850-hPa-Temperaturen wirksam.
Dabei stieg die Temperatur im Osten Deutschlands bei einer gut durchmischten
Grenzschicht auf 17 °C. In dieser Luftmasse haben sich über Süd- und
Ostdeutschland bis zu 500 J/kg MU-CAPE aufgebaut. Ein vorlaufender
Kurzwellentrog begünstigte die Auslösung präfrontaler Gewitter. Bei der relativ
hohen Zuggeschwindigkeit ist Starkregen die Ausnahme. Auch kleinkörniger Hagel
und stürmische Böen sollten weiterhin nur vereinzelt auftreten. In den nächsten
Stunden sollte die Gewitteraktivität nachlassen.
Vorderseitig der Front hat sich ein Low-Level-Jet bis 40 kt auf 850 hPa
aufgebaut, der heute tagsüber besonders in der Mitte für starke Böen gesorgt
hat. Auch dieser ist in Abschwächung begriffen, sodass Windwarnungen auslaufen
können.
In der Nacht überquert die Front Deutschland ostwärts. Dabei strömt rückseitig
erwärmte subpolare Luft mit 850-hPa-Temperaturen von bis zu -2 °C ein. An den
Alpen gerät die Front etwas ins Schleifen. Dort gehen die Niederschläge oberhalb
von etwa 1300 m in Schnee über. Dabei fallen in 5 bis 10 cm, in Extremstaulagen
des Allgäus über 15 cm Neuschnee. Ansonsten lockert die Bewölkung in der
postfrontalen Subsidenz von Westen her auf, sodass es verbreitet einstellige
Tiefstwerte gibt. In den Tälern des nordhessischen Berglands sinken die
Temperaturen in den Frostbereich. Glätte sollte dort aber die Ausnahme bleiben.
Der Wind lässt weiter nach.
Donnerstag ... hängt die Front im Südosten noch weiter zurück, sodass in der
ersten Tageshälfte dort noch leichter Regen zu erwarten ist, der sich immer mehr
an die Alpen zurückzieht. In Lagen über 1200 m fällt noch etwas Schnee.
Ansonsten beginnt sich der breite Langwellentrog über dem Atlantik zu
amplifizieren, sodass sich vorderseitig ein flacher Höhenkeil von Frankreich bis
nach Süddeutschland schiebt. Dieser sorgt für Absinken und zunehmende
Wolkenauflockerungen. Besonders am Nachmittag wird es vielerorts heiter und
niederschlagsfrei. Dabei setzt im Tagesverlauf eine schwache WLA ein, sodass die
850-hPa-Temperatur auf etwa 0 °C ansteigt. Bei recht gut durchmischter
Grenzschicht reicht dies für Höchstwerte von 10 bis 15 °C.
Allerdings nähert sich ein Sturmtief knapp östlich von Island, sodass sich der
Gradient im Nordwesten deutlich verschärft. Dadurch treten ab den Mittagsstunden
zunehmend Windböen im Nordwesten auf. An der Nordsee treten einzelne stürmische
Böen auf, auf dem Brocken ab den Abendstunden Sturmböen.
In der Nacht zum Freitag bewegt sich der atlantische Trog weiter ostwärts. Dabei
entwickelt sich an der Kaltfront des Tiefs ein kleines Wellentief über England,
das im Laufe der Nacht über die Nordsee zieht und den Gradienten im Nordwesten
Deutschlands nochmals verstärkt. Der Nordwesten Deutschlands wird dabei vom
Warm.-Conveyor-Jet mit bis zu 60 kt auf 850 hPa. Aufgrund massiver WLA in den
unteren Schichten ist die Luft sehr stabil geschichtet, sodass der vertikale
Impulstransport nur schwer stattfinden kann. So werden im Binnenland in der
Nacht starke bis stürmische Böen, in Nordfriesland und an der nördlichen Küste
von Schleswig-Holstein Sturmböen simuliert.
Im Nordwesten ziehen dichte Wolken mit etwas Regen auf. Ansonsten verläuft die
Nacht klar oder locker bewölkt mit etwas Nebelbildung, vor allem im Donautal. In
der Südhälfte gibt es verbreitet Frost bis -3 °C.
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... gibt es keine wesentlichen Änderungen zu den Vorläufen. Es kommt zu
einer weiteren Amplifizierung des atlantischen Langwellentroges, dessen Achse
auf Großbritannien übergreift. Dabei kommt die Kaltfront des Sturmtiefs bis zum
Abend bis in die Mitte mit Regen voran. In der simulierten Reflektivität ist ein
schmales, intensiveres Niederschlagsband erkennbar, das die Front markiert und
in ein breites Regengebiet eingelagert ist. Der Wind frischt noch etwas auf,
sodass in der Nordhälfte verbreitet starke, vereinzelt stürmische Böen
auftreten. Hinter der Front fließt wieder erwärmte subpolare Luft ein.
Vorderseitig wird nochmal wärmere Luft mit 850-hPa-Temperaturen bis 8 °C in den
Südosten gelenkt. Dabei wird es bei häufigen Auflockerungen bis zu 19 °C warm.
In der Nacht zum Samstag richtet sich die Front zunehmend strömungsparallel aus
und kommt mangels Schubkomponente über der Mitte nahezu zum Erliegen. Dabei
gehen die Niederschläge in den Gipfellagen der westlichen und später auch der
zentralen Mittelgebirge auf der kalten Seite in Schnee über. Es werden jedoch
nur geringe Neuschneemengen erwartet.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modellsimulationen sind ziemlich ähnlich. Bei der Windprognose wird eine
Mischung aus MOSMIX und ICON-D2 empfohlen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold