Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Zunehmend HNz (Hoch Nordmeer zyklonal)
Auch zu Beginn der neuen Woche sehr warm bis heiß und meist trocken. Im Norden
aber erste konvektive Störungen. Am Dienstag in der Mitte und im Süden vermehrt
teils kräftige Gewitter mit Unwettergefahr durch (extremen?) Starkregen.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
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Montag... ... neue Woche, neues Glück, neues Wetter, das ist hier die Frage. Und
damit einen schönen guten Morgen zu einer neuerlichen Ausgabe dieses
kostenlosen, weltweit in dieser Form wahrscheinlich einzigartigen Fachmagazins
zum Thema "Synoptische Meteorologie". Die für gewöhnlich gut informierte
Leserschaft dieses Bulletins hat es natürlich mitbekommen, dass nach einigen
Tagen trockener Hitze DAS Zauberwort der Meteorologie schlechthin in den
diversen Wetterberichten auftaucht - Gewitter! Und ja, es ist was dran, es tut
sich tatsächlich was in der Atmosphäre, was aber nicht bedeutet, dass Hitze,
anhaltende Dürre und hohe Waldbrandgefahr mit einem Schlag eliminiert und
Geschichte werden. So schnell schießen die Preußen nicht. Aber immerhin, ein
Anfang wird bereits heute gemacht und mit Blick auf die Mittelfrist in Richtung
nächstes Wochenende deutet sich sogar eine substanzielle Umstellung der GWL mit
zurückgehenden Temperaturen usw. an (mehr dazu heute Mittag im weltweit
einmaligen Fachmagazin über Synoptische Mittelfristmeteorologie).
Nun aber erstmal zur allgemeinen Lage, die Deutschland nach wie vor auf der
Südostflanke des prominenten Hochdruckgebiets LAURENT mit 1030+X-hPa-Zentrum
über der nördlichen Nordsee bzw. der südlichen Norwegischen See sieht. Davon
ausgehend reicht ein wuchtiger Keil bis zu den Alpen bzw. noch etwas darüber
hinaus. Weiterhin mit von der Partie auch der der korrespondierende
Potenzialrücken, der sich von NW-Afrika bis hoch in den Raum Island erstreckt,
wo er deutliche Fühlung zu einem weiteren Rücken über dem mittleren Nordatlantik
aufgenommen hat. So potent der Rücken auf den ersten Blick wirkt - und in der
Realität ist er das ja auch -, auch er hat Schwachstellen und diese werden in
der Natur, man kennts aus der Tierwelt - in der Regel gnadenlos ausgenutzt. Im
vorliegenden Fall ist die Rede von einem kleinen aber feinen Höhentief (HT), das
als "Abfallprodukt" eines Cut-Offs über Nordeuropa den Weg zur Kimbrischen
Halbinsel und den dänischen Inseln gefunden hat. Um von dort gaaaanz langsam
südwärts zu ziehen. Mal abgesehen von der Labilisierung, die das HT bewirkt, ist
die gealterte Subtropikluft (xSp) im Norden mittlerweile auch leidlich
angefeuchtet (PPW 25 bis 30 mm, spezifische Grundschichtfeuchte bis 10 g/kg), so
dass mit Hilfe solarer Einstrahlung gebietsweise bis zu 1500 bis 2000 J/kg CAPE
zur Verfügung stehen. Nahezu ungehindert zur Verfügung stehen, sollte man
vielleicht ergänzen, denn die Deckelung in der Vertikalsondierung ist relativ
schwach. Zumindest ist anhand der Nachtaufstiege keine klar definierte
Absinkinversion erkennbar, die es zu überwinden gilt.
Kurzum, mit Erreichen der Auslösetemperatur um 28°C bilden sich im Norden und
der nördlichen Mitte nicht nur einige mächtige Quellungen. Es stehen auch
einzelne Schauer oder Gewitter auf der Karte, wobei das Areal einzelner
potenzieller Überentwicklungen in Form pulsierender Einzelzellen bei aller noch
gegebenen Unschärfe etwa von SH/Westmecklenburg bis hinunter nach Ostwestfalen
reicht. Der Vektor der mittleren Verlagerungsgeschwindigkeit ist sehr kurz,
weshalb markanter Starkregen der Primus unter den begleitenden Parameter ist.
Nicht ausgeschlossen, dass vereinzelt sogar das Unwetterkriterium >25 mm innert
kurzer Zeit gerissen wird. Aufgrund der inversen V-Struktur in der unteren
Troposphäre sind trotz fehlender Dynamik auch stürmische Böen 8 Bft, worst case
Sturmböen 9 Bft möglich. Auch Hagel kann am Start sein, allerdings nicht allzu
groß (die Zellen sind nicht gut genug organisiert) und am wahrscheinlichsten im
Anfangsstadium.
Ansonsten bliebe zu konstatieren, dass ein Großteil des Landes einen trockenen,
sonnenscheinreichen und sehr warmen bis heißen Montag erlebt. Anfänglich von
Polen herüberdriftende Hochnebelfelder werden ebenso wie die im äußersten Norden
und Nordwesten entweder von der gnadenlosen Sonne weggebruzzelt oder in flache
Cum hum überführt. Auch die von Frankreich in den Westen und Südwesten ziehenden
Wolkenfelder - Abgesandte der über dem Nachbarland auftretenden
Gewitteraktivität - sorgen kaum mal für nennenswerte Schattenmomente. So steigt
die Temperatur einmal mehr verbreitet auf 30 bis 35°C mit den höchsten Werten
den Rhein entlang. Für den Südwesten und Westen wurde gebietsweise eine
Hitzewarnung ausgegeben. Weniger aufgrund der Schwüle, die sich angesichts
weiterhin niedriger Taupunkte sehr in Grenzen hält, sondern vielmehr wegen der
anhaltend hohen Temperaturen, die sich freilich auch auf die Raumklimate
auswirken. Etwas moderater der Norden und Nordosten mit 25 bis 29°C und noch
moderater Küstenabschnitte mit auflandiger Windkomponente - 19 bis 24°C.
In der Nacht zum Dienstag kommt es nicht zur sonst häufig beobachteten
Wetterberuhigung, auch wenn weite Landesteile freilich eine ruhige Nacht erleben
werden. Nichtsdestotrotz tun sich zwei Baustellen auf, über die es zu reden
respektive zu schreiben gilt. Bleiben wir zunächst im Norden bzw. in der Mitte,
wo das kleine "Höhenei" nach Osten in Richtung MV abbiegt. Es sorgt dafür, dass
auf seiner Südflanke weitere einzelne Schauer und Gewitter in Form abgehobener
Konvektion generiert werden. Dabei ist weiterhin die Gefahr von Starkregen
gegeben.
Baustelle #2 befindet sich in Süddeutschland, wo etwa gegen Mitternacht erste
Gewitter bzw. gewittrige Regenfälle aus Frankreich in Empfang genommen werden.
Sie stehen in Zusammenhang mit einer zonal exponierten Tiefdruckrinne, die sich
langsam aber sicher bis zu uns ausweitet. Noch steht die genaue Struktur der
Importgewitter/-regenfälle zwar nicht fest. Es deutet sich aber an, dass sich
das Geschehen vom Oberrhein und dem Südschwarzwald ostwärts bis zum Alpenrand
respektive dem südlichen Alpenvorland ausweitet, wobei eine zunehmende
Verclusterung wahrscheinlich ist. Dabei steht ganz klar der Starkregen im Fokus,
nicht großflächig, nicht zwingend gewittrig und wohl auch nur auf kurze Zeit
fokussiert.
Während vielen West- und Südwestdeutschen gerade in den Ballungszentren oder
aber in mittleren Hanglagen eine Tropennacht mit 20, 21 oder gar 22°C Minimum
nicht erspart bleibt, geht die Temperatur im großen Rest der Republik auf 19 bis
13°C zurück. Am kühlsten dabei das nordostdeutsche Binnenland sowie die
östlichen Mittelgebirge.
Dienstag... verbleibt das HT mit seinem Drehzentrum über dem Grenzbereich von
Vorpommern zu Polen. Dabei zeigt es Expansionsbestrebungen sowohl nach Osten,
vor allem aber nach Westen. Das geht soweit, dass der Rücken in seinem mittleren
Teil erheblichen Schaden nimmt. Oder anders ausgedrückt, der vom HT westwärts
abgehende Trog nimmt Verbindung zu einem weiteren, westlich der Biskaya
positionierten Höhentief auf, was spätestens am Mittwoch die Abspaltung einer
eigenständigen Höhenantizyklone über der nördlichen Nordsee/südlichem Nordmeer
vom Südteil des Rückens zur Folge hat. Mit dieser Liaison wird nicht nur das
Strömungssetup in der Höhe zyklonaler. Auch die weiter alternde Subtropikluft
wird immer feuchter (PPW über 30, teils über 35 mm) und labiler, was weiten
Landesteile ein ordentliches Quantum nahezu ungedeckelten ML-CAPEs beschert
(verbreitet um 1500 J/kg). Einzig in den Norden wird am Rande des zwar etwas
schwächelnden, aber weiter präsenten Bodenhoch mit Nordostwind deutlich
trockenere und damit konvektiv untaugliche Luft eingesteuert. Dort scheint
abgesehen von einigen lockeren Wolken die Sonne bei 25 bis 30°C, an
Küstenabschnitten mit auflandigem Wind etwas darunter.
Ansonsten steht morgen nach längerer Zeit mal wieder ein unruhiger Tag auf der
Agenda, auch wenn die letzten Feinheiten noch nicht abschließend geklärt sind.
Zunächst mal deutet Vieles darauf hin, dass die nächtlichen Aktivitäten am
Morgen sowie am Vormittag in eine Minimumphase treten, sprich, sich Regenfälle
und Gewitter abschwächen oder ganz zum Erliegen kommen. Lange wird diese
Erholungsphase aber nicht dauern, bevor es wohl erst in der Mitte, mit nur
leichter Verzögerung dann auch im Süden losgeht mit den konvektiven
Umlagerungen. Die meisten Impulse dürften dabei vom Bergland ausgehen, aber auch
konfluente Windstrukturen in der ansonsten eher amorph anmutenden Rinne über der
Südhälfte sowie Outflows bestehender Systeme können den entscheidenden Kick
geben. Insgesamt sieht es nach langsam ziehenden Einzel- und Multizellen aus,
die durchaus das Potenzial für Mehrfachtreffer bzw. rückwärtigen Anbau haben,
was sie gefährlich für Starkregen macht. Und tatsächlich sind die Signale für
unwetterartigen Starkregen (25-40 l/m² innert kurzer Zeit) gerade von
ICON-D2-EPS schwerpunktmäßig von der Harzregion bis hinüber nach Ostsachsen
recht deutlich, dass genau das passiert. Sogar extreme Unwetter (<40 l/m²) sind
stellenweise möglich, insbesondere im Bergland, wenn´s mit dem Gewitter/den
Gewittern nicht vor und zurück geht. Angesichts der noch immer gegebenen
inversen V-Struktur im unteren Bereich der vertikalen Zustandskurven soll und
darf auch das Thema Wind/Sturm nicht außer Acht gelassen werden. Auch wenn die
Dynamik fehlt, sind doch thermisch induzierte Böen 8-9 Bft gut und schwere
Sturmböen 10 Bft nicht unmöglich. Hagelkörner sollten den Durchmesser von 2-3 cm
nicht überschreiten, dafür sind lokale Hagelansammlungen ins Kalkül zu ziehen.
Schauer hin, Gewitter her, nicht zuletzt im Zuge zeitweiliger Einstrahlung wird
es gerade im Westen und Südwesten wieder ein heißer Tag mit 30 bis 35°C.
In der Nacht zum Mittwoch ändert sich nicht viel an der GWL, sieht man mal davon
ab, dass das HT etwas nach Süden rutscht und möglichweise einen zweiten Kern
bildet Die Schauer und Gewitter jedenfalls verclustern zusehends und ziehen sich
als gewittriger Starkregen Richtung Alpenrand bzw. östliche Mitte zurück. Vor
allem die Starkregengefahr bleibt bestehen und nimmt bis in die Frühstunden nur
langsam ab. Ansonsten präsentiert sich die Nacht teils wolkig oder gering
bewölkt, teils klar. Dort, wo es tagsüber geregnet hat und längere Zeit
aufklart, kann sich (flacher) Nebel bilden. Tiefsttemperatur in der SW-Hälfte 21
bis 15°C, sonst 17 bis 12°C, direkt am Meer darüber.
Mittwoch... verbleibt Deutschland unter einer Potenzialrinne zwischen dem
kleinen Höhentief im deutsch-polnischen Grenzbereich (so ganz weiß das Tief noch
nicht, wohin es sich orientieren soll) und dem Tief westlich der Biskaya. Auch
bodennah bleiben die Druckgegensätze gering. Der Norden setzt weiter auf
Hochrandlage mit trockener Nordostströmung, was sonniges Wetter bei 25 bis 30°C
(Küste etwas darunter) zur Folge hat. Ansonsten kommt es insbesondere südlich
der Donau bzw. im Raum Südschwarzwald sowie in der östlichen Mitte zu weiteren
Gewittern respektive schauerartigen Regenfällen mit eingelagerten Gewittern. Zu
viele Details verbieten sich an dieser Stelle, da die Vita des Höhenstiefs noch
leicht erratisch daherkommt, was übrigens ganz normal ist. Auf alle Fälle
zeichnet sich durch die vorherigen und auch am Mittwoch noch andauernden
Hebungsprozesse eine Abnahme der 850-hPa-Temperatur auf rund 10°C im Norden und
bis zu 16°C im Süden ab, so dass auch das Areal mit 30+X°C im 2m-Niveau kleiner
wird. Vor allem nach Westen hin sind aber noch mal bis zu 32°C drin, während
sonst weite Landesteile auf 24 bis 30°C kommen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Im Grunde ist alles beschrieben inklusive der Unsicherheiten. Da meiste der
bevorstehenden Konvektion wird sicherlich im Nowcasting abgearbeitet werden. Ob
für morgen Dienstag evtl. eine Vorabinformation ausgegeben wird (aus jetziger
Sicht würden sich Teile der östlichen Mitte anbieten, wo die Signale für
(extremen) Starkregen am deutlichsten sind), kann in der Abendkonferenz noch
diskutiert werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann