Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Südost antizyklonal (SEa), Übergang zu Nordwest antizyklonal (NWa).
Wetter: Zunächst sonnig und sehr heiß. Ab Samstag von Nordwesten her allmählich
weniger heiß und zunehmend unbeständig mit vereinzelten Gewittern, nur geringe
Unwettergefahr.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Am heutigen Freitag... bestimmt ein Höhenrücken das Wetter in Deutschland,
dessen Achse sich im Laufe des Tages über unser Land ostwärts hinweg verlagert.
Ein von Westen nachfolgender, nicht sehr starker Trog erreicht mit seiner Achse
bis zum Abend erst eine Linie von Schottland bis Portugal. Zwischen den beiden
Systemen stellt sich eine recht wenig gekrümmte westsüdwestliche Höhenströmung
ein, die nach Süden zu auch recht schwach ist.
Bodennah liegt das bisher wetterbestimmende Hoch Ralf über der Ukraine und
wandert langsam ostwärts. Zwischen diesem und dem Azorenhoch hat sich eine
meridionale Tiefdruckrinne mit dem Namen Margarete gebildet, die am Nachmittag
auf den Nordwesten Deutschlands übergreift. Der Wind kommt dabei hierzulande
meist schwach aus Ost bis Südost, dreht aber im Tagesverlauf im Westen auf
westliche Richtungen, am Abend ganz im Nordwesten sogar auf Nordwest.
Die bei uns liegende Luftmasse ist heiß und trocken bis knochentrocken. Heute
Nachmittag werden abgesehen von den Seegebieten überall Taupunkte von unter 10°C
erwartet, teils sogar unter 5°C. In 850 hPa werden heute Mittag über dem Osten
16°C erwartet (xS oder cS-Luftmasse), über dem Südwesten 20 bis 22°C
(cT-Luftmasse).
In der trockenen Luftmasse kann sich kaum ein Quellwölkchen bilden, allenfalls
mal über den höheren Alpengipfeln. Zum Abend hin werden auch über dem Westen mal
kleine Quellwolken mit Basen jenseits der 3000 m simuliert. Über den Norden
ziehen ein paar dünne Schleierwolken hinweg. Somit kann die Sonne heute wieder
kräftig einheizen und die Temperaturen landesweit auf Höchstwerte jenseits der
30°C-Marke treiben, davon ausgenommen sind nur die wenigen Gebiete mit
auflandigem Wind. In weiten Teilen des Westens und Südwestens werden sogar
wieder Höchstwerte zwischen 35 und 39°C erwartet, mit den Spitzen an Mosel, Nahe
und Saar sowie in der Südpfalz.
"Moment!" wird jetzt manche geneigte Leserin (oder Leser) einwerfen, "Ich habe
doch was von einer Rinne gelesen! Was ist denn mit Gewittern?" Die Antwort
lautet: "Dazu reicht es hinten und vorne nicht." Zwar beginnt am Abend im
Nordwesten im Bereich der Tiefdruckrinne allmählich etwas feuchtere Luft
überzugreifen, insgesamt bleibt die Luftmasse aber so trocken, dass sich nicht
mal ein Quellwölkchen bildet.
In der Nacht zum Samstag zieht unser Höhenrücken über Polen hinweg ostwärts. Der
Trog schwenkt über Großbritannien hinweg und weitet sich dabei nach Süden aus,
womit auch bei uns das Geopotential allmählich etwas zurückgeht. Tief Margarete
bildet derweil einen ausgeprägteren Kern über Skandinavien, während die davon
ausgehende Bodenrinne weiter ostwärts schwenkt und bis zum Morgen in etwa eine
Linie von Westmecklenburg bis zum Oberrhein erreicht. Am westlichen Rand dieser
Rinne erreicht uns auch die wenig wetteraktive Kaltfront Margaretes, die in den
Frühstunden den Nordwesten Deutschlands erreicht. Mit ihr gelangt etwas weniger
warme, aber auch zunehmend feuchte Luft uns. Insbesondere westlich unseres
Landes und über der Nordsee wird auch etwas abgehobene Konvektion simuliert
(oberhalb 3000 m), wobei kaum Regen am Boden ankommen sollte. Nicht ganz
ausgeschlossen ist es aber, dass vom Emsland bis zur Nordsee ein paar Tropfen
ankommen. Auch im Südwesten soll es in hochbasiger Quellbewölkung etwas
Konvektion geben, dort dürfte es noch etwas schwieriger werden, dass ein
Tröpfchen den Boden erreicht. Ansonsten verläuft die Nacht noch überwiegend klar
oder gering bewölkt.
In der trockenen Luft kann es dann insbesondere im Osten und Süden teils wieder
auf 16 bis 9°C abkühlen, während es im Westen meist Tiefstwerte zwischen 20 und
15°C gibt. Insbesondere in Kuppenlagen und in den Städten werden Tropennächte
mit 23 bis 20°C erwartet.
Am Samstag... schwenkt die Achse des Troges über die Nordsee und erreicht am
Abend mit einem etwas markanteren Kurzwellentrog Benelux. Im Vorfeld dazu
schwenkt die Rinne über den Norden Deutschland hinweg, während sich über dem
Süden eine sehr unübersichtliche Druckkonstellation ergibt. In den Nordwesten
weitet sich allmählich schon der Keil des Azorenhochs aus, so dass dort ein
etwas stärkerer Gradient entsteht, der nördliche Winde mäßig bis frisch aufleben
lässt. Im Süden kommt der Wind dagegen schwach aus unterschiedlichsten
Richtungen.
Die Kaltfront überquert im Tagesverlauf die Nordwestwesthälfte, so dass dort
immer weniger warme Luft einfließt. Bis zum Abend geht die 850-hPa-Temperatur
über der Nordsee schon auf 12°C zurück. Im Osten weitet sich die 20°C-Isotherme
in 850 hPa bis nach Berlin aus, von dort bis in den Südwesten werden es
allgemein 20 bis 22°C. Dort kann es bei strahlendem Sonnenschein wieder vielfach
35 bis 38°C heiß werden, der Hitzeschwerpunkt liegt dann voraussichtlich am
Untermain und in den Niederungen Mitteldeutschlands. Im Alpenvorland werden es
um 33°C.
In den Nordwesten gelangt dagegen neben kühlerer Luft auch deutlich feuchtere
Luft, so dass es dort zu mehr Wolkenbildung kommt. In der Grenzschicht steigt
die spezifische Feuchte auf 12 bis 13 g/kg an, die ppw's erreichen 35 bis 40
l/qm. Insbesondere von Nordwesten her geht aber auch die Labilität deutlich
zurück, so dass sich kaum irgendwo 500 J/kg aufbauen können. Im Nordwesten gibt
es dann in der deutlich feuchteren Luft regionale und leichtere schauerartige
Regenfälle, die vielleicht mal von Gewittern durchsetzt sind. Etwas
interessanter könnte es in einem Streifen vom Westen bis in den Osten werden,
also im Vorfeld der Kaltfront, wo etwas CAPE (meist 100 bis 300 J/kg) und etwas
Scherung (hochreichend 10 m/s) zusammenkommen. Hier muss sich aber erst noch
etwas Feuchte ansammeln, denn anfangs ist es dort sehr trocken. Am
Spätnachmittag und zum frühen Abend könnten sich aber einzelne hochbasige
Gewitterzellen bilden, die vielleicht mal örtlichen Starkregen (schwache
Hinweise von ICON-D2), kleinkörnigen Hagel, aufgrund der hochreichend gut
durchmischten Grenzschicht mit nennenswertem CAPE aber durchaus Sturmböen oder
schwere Sturmböen bringen können. Auch über dem südwestlichen Bergland könnte es
einzelne Gewitter geben, dort könnten bei geringeren Zuggeschwindigkeiten und
ebenso hohen Bases Starkregen und schwere Sturmböen im Fokus stehen. Unwetter
bezüglich Starkregen erscheinen zumindest nicht ausgeschlossen. Insgesamt ist
das aber alles nicht die große Nummer und von flächendeckenden Niederschlägen
bleiben wir weit entfernt.
Die Höchsttemperaturen erreichen im Nordwesten in der kühleren Luftmasse und bei
etwas mehr Wolken dann meist nur noch 25 bis 30°C, an der See bei jetzt wieder
auflandigem Wind teils nur um 20°C.
In der Nacht zum Sonntag zieht die Tiefdruckrinne nach Osten ab. Während sich im
Norden der schwache Azorenhochkeil, gestützt durch Kaltluftadvektion weiter
durchsetzt, verbleibt im Süden ein Tiefdrucksumpf. In den nördlichen
Landesteilen kommt der meist schwache Wind aus West bis Nord. Die Kaltfront
kommt langsam südwärts voran und erreicht bis zum Morgen eine Linie von der
Lausitz bis zur Pfalz.
Der oben erwähnte Kurzwellentrog schwenkt recht rasch über die Mitte des Landes
ostwärts und aktiviert die Kaltfront etwas. Ein weiterer Kurzwellentrog erreicht
am Morgen schon den Westen des Landes. An der Kaltfront kommt es dann vor allem
in einem diagonalen Streifen vom Westen bis in den Osten zu schauerartigen
Regenfällen. Bei nur wenig CAPE, reicht es nur vereinzelt zu zunehmend
abgehobenen Gewittern. Somit dürfte die Böengefahr in der Nacht rasch abnehmen,
auf einzelne 7er bis 8er sollte man aber noch vorbereitet sein. Auch örtlicher
Starkregen ist nicht ausgeschlossen, nach ICON-D2 aber unwahrscheinlich.
Rückseitig der Kaltfront bleibt es im Nordwesten ziemlich bewölkt, an der
Nordsee kann es später leichte Schauer geben. Im Süden dürfte es in der Nacht
weitgehend trocken bleiben, es ziehen aber zunehmend hohe und mittelhohe Wolken
auf. Dort sowie in der ganzen Mitte werden Tiefstwerte von 22 bis 16°C erwartet,
nördlich der Kaltfront kühlt es dagegen schon auf 16 bis 11°C ab.
Am Sonntag... liegen wir im Bereich des nicht allzu starken langwelligen Troges.
Der oben schon erwähnte Kurzwellentrog läuft schon in den Vormittagsstunden über
unser Land ostwärts, der nächste, etwas markantere Trog, erreicht dagegen bis
zum Abend erst den Ärmelkanal, so dass insbesondere am Nachmittag
Hebungsantriebe durch PVA ausbleiben.
Im Bodendruckfeld soll sich im Bereich der Kaltfront wieder eine etwas
markantere Rinne ausbilden, die sich langsam südwärts verlagert. Sie dürfte bis
zum Abend in etwa auf eine Linie Fichtelgebirge-Südpfalz vorankommen. Nördlich
davon liegt weiterhin der schwache Hochkeil und der Wind weht mäßig, in Seenähe
auch frisch aus Nordwest.
Im gesamten Norden ist die Schichtung stabil und bei wechselnder, teils auch
starker Bewölkung bleibt es überwiegend trocken. Im Bereich der Kaltfront und im
Süden kann sich dagegen in noch warmer und jetzt feuchter Luft etwas mehr CAPE
aufbauen als am Vortag. So sind CAPE-Werte von 500 bis 1000 J/kg vorstellbar.
Die hochreichende Scherung liegt um 10 m/s und die ppw's um 35 l/qm. Dabei soll
es im Bereich der Kaltfront den ganzen Tag über konvektiven Umlagerungen kommen,
im Laufe des Tages können diese dann auch südlich davon entstehen und vor allem
dort etwas stärker ausfallen. Südlich der Kaltfront kann es in einer immer noch
trockenadiabatisch durchmischten Grenzschicht auch noch einmal zu Sturmböen oder
schweren Sturmböen kommen. Ansonsten kann es generell zu Starkregen und
kleinkörnigem Hagel kommen. Die Unwettergefahr ist gedämpft, vereinzelt können
aber um 30 l/qm in kurzer Zeit oder mal Hagel um 2 cm nicht ausgeschlossen
werden. Diesbezüglich kann dann morgen etwas mehr ins Detail gegangen werden.
Die Höchstwerte erreichen südlich von Main und Mosel noch einmal sehr warme 27
bis 32°C, in der Norddeutschen Tiefebene werden dagegen die 25°C nicht mehr
geknackt. Bei dem frischen auflandigen Wind verharren die Höchstwerte an der
Küste teils sogar bei unter 20°C.
In der Nacht zum Montag nähert sich der oben erwähnte, deutlich markantere Trog,
der die Hauptachse des Langwellentroges bildet, von Frankreich her und greift
dann auf den Südwesten über. Auf der Vorderseite kommt somit die Kaltfront
zunächst nicht mehr südwärts voran, sondern beginnt leicht zu verwellen und wird
aktiviert. Somit könnte es über dem Süden zu etwas ausgedehnteren schauerartigen
und teils gewittrigen Regenfällen kommen, auch lokaler Starkregen (eher
6-stündiges Kriterium) ist dann vorstellbar. Die Simulationen der Modelle sind
aber noch sehr unterschiedlich in Stärke und Positionierung.
Über den nördlichen Landesteilen liegt weiterhin der Keil, dort herrscht meist
trockenes Wetter, von Nordwesten her können aber einzelne schwache Schauer
hereinziehen. Insgesamt überwiegt viel Bewölkung, die von Süden her durch
Aufgleiten in höheren Schichten noch weiter zunimmt.
Die Temperaturen gehen auf Werte um 17°C über der See und im Südwesten und bis
10°C in der Lüneburger Heide zurück.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die synoptischen Felder werden von den vorliegenden Modellen recht einheitlich
simuliert. Betrachtet man aber die Niederschlagsprognosen, so ergeben sich
sowohl am Samstag als auch am Sonntag noch deutliche Unterschiede in der
Positionierung und Stärke der Regenfälle. Dies trifft insbesondere auch auf die
Niederschläge an der Kaltfront zu.
Insgesamt wird aber eine nicht allzu starke Gewitterlage erwartet. Die
Kombination aus zuvor extrem trockener Luft und recht flach einfließender
Kaltluft sorgt für recht wenig Labilität und insgesamt nicht gut überlappenden
Gewitterzutaten. Einzelne Unwetter wird man aber wahrscheinlich erleben dürfen.
Die größten Überraschungen dürfte es wohl beim Sturm geben - das Markenzeichen
dieses Sommers. Die Niederschlagsausbeute in der Fläche dürfte dagegen sehr
mager ausfallen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann