Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
BM, anfangs noch Trogeinfluss.
SCHNEEFALL: An den Alpen oberhalb 1000 m länger andauernder Schneefall, bis
Mittwochabend 20 bis 40, in Staulagen insgesamt bis 50 cm Neuschnee.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... ist der bisher wetterbestimmende Trog zum Tyrrhenischen Meer
ausgetropft. Dessen Residuum ist noch über dem Nordosten Deutschlands zu finden.
In dessen Bereich ist die Schichtung labil, so dass sich im Tagesverlauf häufig
Schauer und vereinzelt auch kurze Kaltluftgewitter entwickeln. Im Süden und
Südosten macht sich ein Kurzwellentrog bemerkbar, der das über Südeuropa
liegende Cut-Off-Tief umläuft. Hebung lässt auch dort die Schauertätigkeit
aufleben, da aber in diesen Gebieten die Labilitätsfläche nur bis etwa 650,
höchstens 600 hPa hinauf reicht, sind dort Gewitter eher unwahrscheinlich.
Ausgehend von einem Hoch westlich der Biskaya, das von einem nach Südnorwegen
reichenden Höhenkeil gestützt wird, weitet sich ein Keil bis in den Ostseeraum
aus. An dessen Nordwestflanke bleibt zunächst noch ein kräftiger Gradient
bestehen. Ein Kurzwellentrog, der vor allem in unteren Troposphärenschichten
erkennbar ist und der in das o.g. Residuum hineinläuft, zeichnet sich zudem auch
im Bodendruckfeld ab. Bedingt durch Warmluftadvektion wird dieser Trog im
Tagesverlauf allmählich zugeschüttet, so dass der Gradient dann auffächert. Bis
zum Abend muss aber in weiten Teilen von Schleswig-Holstein und bis ins
nordseenahe Binnenland hinein sowie mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch an
der mecklenburgischen Ostseeküste mit Windböen Bft 7 gerechnet werden.
Bedingt durch die steile nordwestliche, im Süden nördliche Strömung ergibt sich
an den Alpen eine ausgewachsene Staulage mit länger andauernden Schneefällen.
Innerhalb von 12 Stunden kommen 10 bis (in exponierten Lagen) über 15 cm
Neuschnee zusammen, wobei die Schneefallgrenze etwa bei 1000 m liegt und
Glättegefahr besteht. In den süddeutschen Mittelgebirgen reicht es ansonsten nur
für wenige Zentimeter Neuschnee.
Am Rande des sich nordostwärts ausweitenden Hochs setzen sich, gestützt durch
Absinken, im Norden und Westen Deutschlands vermehrt Auflockerungen durch.
Abseits der Mitt3elgebirge ist in diesen Regionen die Schauertätigkeit sehr
gedämpft. Dennoch werden in der eingeflossenen Polarluft nur
Tageshöchsttemperaturen zwischen 7 und 12 Grad erreicht. Im Alpenvorland sind
nur niedrige einstellige Temperaturmaxima zu erwarten.
In der Nacht zum Mittwoch tropft auch das Residuum ab und wird in die
Zirkulation des über Südeuropa liegenden Höhentiefs einbezogen. Hebung, die z.T.
auch noch durch Warmluftadvektion gestützt wird, lässt die Schneefälle an den
Alpen andauern, so dass dort bis Mittwochfrüh weitere 10 bis 15 cm Neuschnee
hinzukommen können. Dabei kann die Schneefallgrenze durchaus bis in Lagen um 600
m absinken. Dort und auch im süddeutschen Bergland besteht zudem Glättegefahr.
Ansonsten setzt sich zusehends antizyklonaler Einfluss durch, so dass die
Schauertätigkeit nachlässt. Verbreitet (und nicht nur bei Aufklaren) stellt sich
leichter Frost ein. Bei längerem Aufklaren muss in Erdbodennähe auch mit mäßigem
Frost gerechnet werden.
Mittwoch... erfolgt mit der Südverlagerung des "eingefangenen" Residuums über
Mitteleuropa Geopotentialgewinn, so dass die Hochbrücke durch einen bis nach
Karelien reichenden Höhenkeil gestützt wird. Die leicht mäandrierende
Frontalzone ist weit im Norden zu finden und verläuft vom mittleren Nordatlantik
über Schottland hinweg zum Weißen Meer. Da zum einen sich auch an den Alpen
Absinken durchsetzt und zum anderen die Strömung eher auf Ost dreht, lassen die
staubedingen Schneefälle allmählich nach. Bis gegen Mittag können aber noch
einmal einige bis etwa 5 cm Neuschnee hinzukommen.
Ansonsten hält sich antizyklonaler Einfluss, wobei die Luftdruckgegensätze
gering sind. Im Süden und zum Teil auch im östlichen Mittelgebirgsraum überwiegt
noch Bewölkung, wobei es sich dabei meist um Sc- und Sc Cu gen-Felder handelt.
Ansonsten stellen sich längere sonnige Abschnitte ein.
Während im Süden nur in einigen tieferen Lagen die 10 Grad-Marke überschritten
wird, sind ansonsten 10 bis 14 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Donnerstag läuft in der Frontalzone ein Trog nach Osten ab und
greift auf die Nordsee über. Diesem Trog ist ein schwaches Frontensystem
vorgelagert, das von Kaltluftadvektion überlaufen wird und daher nur wenig
wetterwirksam ist. Geringe Niederschläge erreichen daher ausgangs der Nacht die
Nordseeküste.
Ansonsten klart es im Bereich der Hochbrücke verbreitet auf. Abgesehen von den
Gebieten in Nordseenähe ist daher erneut leichter, in Erdbodennähe gebietsweise
auch mäßiger Frost zu erwarten.
Donnerstag... erreicht der nur schwach ausgeprägte Trog den äußersten Nordwesten
Deutschlands. Mit dem vorgelagerten Frontensystem, faktisch einer schwachen
Kaltfront, kommen von Nordwesten mit mehrschichtiger Bewölkung bis etwa in die
Nordeifel Niederschläge auf, die fernab jeglicher Warnrelevanz sind. Allenfalls
in Staulagen sind um 5 mm innerhalb von 12 Stunden vorstellbar. Zudem frischt an
der Nordsee der Wind mit Böen Bft 7 auf.
Ansonsten bleibt antizyklonaler Einfluss bestehen. Südlich der
Mittelgebirgsschwelle und im östlichen Bergland sind längere sonnige Abschnitte
zu erwarten. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 8 bis 14, am Oberrhein bei
Sonne bis 16 Grad.
In der Nacht zum Freitag verlagert sich der Trog nach Polen und überläuft die
dann auf den Mittelgebirgsraum übergreifende schwache Kaltfront. Hierdurch
schwächen sich die frontalen Niederschläge ab, allenfalls in Staulagen können
ein paar Millimeter zusammenkommen. Meist beschränkt sich die Wetterwirksamkeit
dieser Front auf tiefe und ein paar mittelhohe Wolkenfelder.
Die relativ zonal verlaufende Frontalzone setzt sich dann bis in die Nordsee
durch, wobei das nächste Frontensystem bereits die Britischen Inseln erreicht.
Über dem Vorhersagegebiet hält sich jedoch der Einfluss der sich allmählich
abschwächenden Hochbrücke. Im Süden, aber auch postfrontal kann es aufklaren,
wobei sich dann erneut leichter Frost einstellt.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede
ableiten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann