Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 12.05.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
(Sehr) kühl und wechselhaft mit Schauern und Gewittern. Böiger West- bis
Südwestwind. Nächte teils leichter Frost in Bodennähe.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... ergeben sich keine nennenswerten Änderungen zur Frühübersicht.

Heute Nachmittag und Abend dauert peripher des ostwärts driftenden Höhentroges
die rege Schauertätigkeit besonders im Osten/Nordosten weiter an, hier und da
garniert mit einzelnen Gewittern inkl. Graupel und einigen Böen (Bft 7/8). Auch
im Süden und Westen entwickeln sich zahlreiche Schauer, deren Intensität aber
meist als schwach einzustufen ist. Besonders im Nordwesten (nahe eines von
Westen heranziehenden Keils) sowie im Südwesten (Lee der Vogesen/des
Schwarzwaldes) bleibt es meist trocken mit regional größeren Auflockerungen.

Der frische bis starke Wind aus West bis Nordwest erreicht besonders über der
östlichen Mitte bis zum Alpenrand Warnrelevanz (Bft 7 bis 8), wobei die Böen
weniger aus dem Gradienten heraus entstehen, sondern mehr an die Konvektion
gekoppelt sind.

Die abendlichen Werte liegen zwischen 12 und 8 Grad, im östlichen Bergland teils
nur wenig über dem Gefrierpunkt.

In der Nacht zum Mittwoch naht der nächste umfangreiche Trog aus Nordwest,
sodass die Strömung in der Höhe vorübergehend auf West rückdreht. In der
weiterhin leicht labil geschichteten Luftmasse treten über der Mitte und
besonders über dem Nordosten weitere Schauer auf, die regional auch zu kleinen
Regengebieten verschmelzen. Besonders im Umfeld der Oder ist auch ein kurzes
Gewitter nicht ausgeschlossen.

Im Nordwesten naht bereits die nächste Okklusion und bringt neben dichter,
mehrschichtiger Aufgleitbewölkung teils mehrstündig anhaltende und konvektiv
verstärkte Niederschläge, die jedoch weiterhin keine Warnschwellen erreichen.

Im Süden verläuft die Nacht häufig klar oder leicht bewölkt und trocken.

Die Minima liegen zwischen 7 Grad im Nordwesten und -2 Grad im Alpenvorland,
entlang der Schwäbischen Alb und am Bayerischen Wald. Leichter Frost in
Bodennähe tritt im Süden verbreitet auf, entlang der Alpen auch mäßiger Frost in
Bodennähe.


Mittwoch ... zieht die frontolytisch veranlagte Okklusion in den Süden, während
von Nordwesten ein umfangreicher Schwall kalter Höhenluft den Norden flutet.

Die Folge ist im Norden und der Mitte eine dem Tagesgang folgende rege Schauer-
und Gewittertätigkeit, während südlich der Donau die Sonne längere Zeit scheint
bei durchweg trockenen Verhältnissen.

Die Gewitteraktivität erscheint auf den ersten Blick eher überschaubar bezüglich
Organisation, was vor allem am begrenzten Faktor "MUCAPE" liegt, der bei 200 bis
500 J/kg zu verorten ist. Zudem fragmentiert die Labilität im Tagesverlauf
zunehmend in einen stochastisch verteilten Flickenteppich, der aus
outflow-stabilisierten und labilen Bereichen besteht.

Die Scherung nimmt von Norden bis zur Mitte stetig zu, wobei punktbasierte
Vorhersagesoundings im D2/D05 über der Mitte beeindruckende kinematische Werte
andeuten: 25-30 m/s hochreichende Scherung, 10-15 m/s Scherung in den untersten
1000 und 3000 m sowie ELs bis 6 km AGL. Die langen Hodographen sind über der
Mitte zudem leicht gekrümmt, was dank der opulenten Hintergrundscherung für
nennenswerte Helizitätsflächen reicht.
Zusammengefasst fallen die meisten Gewitter sicherlich dank geringer Labilität
eher kurzlebig aus. Das Augenmerk sollte sich dann allerdings auf die Zellen
richten, die verschmelzen (größere Aufwindbereiche), oder als durchbrochene
kleinräumigen Linien daherkommen (dank eines über der Mitte günstig
ausgerichteten 30 kt Scherungsvektors aus West) und in Bereiche ziehen, die
nicht durch einen stabilisierenden Outflow beeinflusst werden. Einige rotierende
Aufwinde, lokal mit Hagel sind dann ebenso ein Thema wie strichweise Bft 8/9
Böen. Konträr zum ID2-EPS wird aus heutiger Sicht ein Schwerpunkt der
kräftigsten Böen eher über der westlichen Mitte erwartet
(NRW/Rheinland-Pfalz/Saarland bis Hessen). Natürlich muss aber auch im Norden
und Osten in Verbindung mit Schauern und einzelnen Gewittern mit Graupel und Bft
7/8 Böen gerechnet werden, was wiederum im EPS recht gut abgebildet wird.

Ein kleiner Zusatz: Einige Modelle deuten eine in die Westströmung eingebettete
Kurzwellenpassage peripher des nahenden Langwellentroges an. Deren Ausprägung
wird bezüglich Intensität noch leicht unterschiedlich vorhergesagt, was sich
auch auf das Bodendruck- und windfeld auswirkt. Ggf. könnte über der westlichen
Mitte ein besser strukturierter Warmsektor aufgespannt werden, was eine
fokussierte Konvektions- und Böenlinie zur Folge haben würde. Diese Option muss
in folgenden Modellläufen weiter im Auge behalten werden.

Neben konvektiver Böen gewinnt auch der niedertrop. Wind ab der Mittagszeit
weiter an Kraft und erreicht über der westlichen Mitte in H85 30 bis 40 kt.
Daher treten besonders vom Niederrhein bis ins Saarland, aber auch im
Ruhrgebiet/Münsterland wiederholt Bft 6/7 Böen aus Südwest bis West auf.
Warnrelevante Böen sind auch im Südwesten und am westlichen Alpenrand zu
erwarten (Bergland markante Böen Bft 8 bis 9), während im Norden abseits der
Konvektion meist ein mäßiger bis frischer Südwestwind weht.

Die Maxima liegen zwischen 12 und 17 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag gelangen wir dann deutschlandweit unter den Einfluss
des Langwellentroges. Aus dichter Bewölkung fällt immer wieder schauerartig
verstärkter Regen mit kurzen Pausen. Am längsten trocken bleibt es noch im
Südosten von Bayern.

Erwähnenswert ist noch eine umfangreiche Konvektionslinie (anfangs noch
gewittrig durchsetzt), die am Vorderrand des Troges (und wohl durch eine
ostwärts passierende Kurzwelle gestützt) für kräftige Konvektionsböen im
Südwesten gut ist (Bft 7 bis 8), die sich die Nacht über unter Abschwächung
ostwärts ausbreiten und besonders im direkten Alpenvorland noch lange
warnrelevant bleiben.

Die Minima liegen zwischen 7 und 2 Grad, am östlichen Alpenrand regional auch
etwas tiefer (leichter Frost in Bodennähe lokal nicht ausgeschlossen).




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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... herrscht unter dem Trog deutschlandweit wechselhaftes Aprilwetter
mit kräftigen Schauern, im Tagesverlauf auch zahlreichen Gewittern. Diese fallen
hier und da durch Graupel/kleinkörnigen Hagel und stürmische Böen auf, zumeist
sind es aber eher kurzlebige Ereignisse dank geringer Feuchtewerte/Labilität. Da
der Gradient weiter aufweicht (H85 um 20 kt aus Südwest) wird es wohl eher eine
Böenwarnung dank der regen Schauer- und Gewittertätigkeit geben.

Im Nordwesten und Südosten treten nur einzelne Schauer auf und es scheint
längere Zeit die Sonne. Vom östlichen Alpenrand bis zum Bayerischen Wald ist
dank fallenden Bodendrucks südlich der Alpen anhaltender Aufgleitniederschlag
möglich, wenngleich dessen Platzierung noch unsicher ausfällt (ob eher
inneralpin oder nordwärts ausgreifend).

Mit 10 bis 16 Grad bleibt es (sehr) kühl. Abseits der regen Konvektionsböen
(Südwesten bis in den Nordosten) weht der Wind im Nordwesten schwach bis mäßig
aus West, im Südosten aus Südwest.

In der Nacht zum Freitag abklingende Schauertätigkeit (im Südwesten und am
Alpenrand bis weit in die Nacht anhaltend) und von Norden
Bewölkungsauflockerung, sodass die Tiefstwerte wieder deutlich zurückgehen: 7
bis 1 Grad sind zu erwarten und in weiten Bereichen Deutschlands ist leichter
Frost in Bodennähe möglich.



Modellvergleich und -einschätzung
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Die Numerik hat die Kurzfrist insgesamt gut erfasst. Unstimmigkeiten betreffen
z.B. die genannte Kurzwellenpassage und die Leetiefentwicklung über Norditalien.
Die Auswirkungen auf unsere Wetterentwicklung fallen aber gering aus.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy