Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Am Samstag sehr lokal Gewitter, dabei stellenweise Starkregen nicht ganz
ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... haben Tiefdruckgebiete das Wettergeschehen in Deutschland übernommen
und wahrscheinlich bleibt das mindestens bis weit in die kommende Woche auch so.
Der Hochsommer hat sich damit fast passend zum am Montag beginnenden
meteorologischen Herbst aus Deutschland verabschiedet.
Im Detail ist am heutigen Freitagabend in den Höhenwetterkarten ein
Langwellentrog präsent, der sich von Island bis zum Löwengolf erstreckt, womit
die leicht negativ geneigte Achse noch westlich von Deutschland liegt. Auf der
Vorderseite des Trogs wird in einer südsüdwestlichen Strömung teils feuchte Luft
nach Deutschland gelenkt. Dabei zieht aktuell ein Kurzwellentrog über dem
Nordosten Deutschlands ab, sodass die Konvektion dort alsbald nachlässt, die
Wolken zum Teil auflockern und lokal Nebelbildung einsetzt.
Konvektion gibt es aktuell auch über dem südöstlichen Bayern. Die dortigen
Schauer und Gewitter sind aus den Alpen heraus reingezogen und auf PVA in der
leicht flatternden Südwestströmung zurückzuführen. Die Niederschläge halten in
der Nacht zum Samstag gebietsweise an, werden aber aufgrund des fehlenden
Tagesganges und nachlassender PVA zunehmend skalig.
Im Südwesten und Westen sind ebenfalls Schauer und Gewitter aufgekommen, die mit
dem sich annähernden, durch eine Abtropfung Richtung zentrales Mittelmeer aber
verlangsamenden Haupttrog zusammenhängen. Schauer und Gewitter breiten sich bis
zum Morgen etwa bis auf eine Linie Nordfriesland - Ostwestfalen -
Rhein-Main-Gebiet - Schwäbische Alb aus, wobei sie ebenfalls mit den gleichen
Gründen wie im Südosten mehr und mehr an Substanz verlieren.
Bleibt noch zu erwähnen, dass bei meist nur schwachen Winden um Süd die
Temperaturen auf 16 bis 10°C sinken.
Samstag ... überquert das Residuum des weiter abtropfenden Langwellentrogs
Deutschland, wobei sich seine Wellenlänge verkürzt. Hebungssignale sind nur
spärlich vorhanden, Labilität und CAPE bis 500 J/Kg jedoch vorhanden. Die PPW's
betragen 20 bis 25, im Osten bis 30 mm. Mögliche Konvektion ist bei rund 600 hPa
gedeckelt, womit zwar Schauer auf dem Programm stehen, Gewitter aber vermutlich
in der Minderheit bleiben. Als Begleiterscheinungen können bei diesen
Bedingungen sehr lokal Starkregen und steife Böen Bft 7 auftreten. Am ehesten
wird Gewitterpotenzial für den Nordosten und Süden angedeutet.
Im Südosten ist zudem am Vormittag noch der Regen aus der Nacht unterwegs, der
ab dem Mittag allerdings auch dort in Konvektion übergeht.
Nach dem Durchgang der Trogachse stabilisiert die Schichtung, zumal von Westen
her ein Rücken nachschiebt, der auch noch von WLA überlaufen wird. Die WLA sorgt
in den Abendstunden für den Aufzug mittelhoher und hoher Bewölkung, während
sonst zwischen den Schauern zeitweise die Sonne scheint.
Das treibt die Temperaturen auf Höchstwerte von 18 bis 25°C.
Der Wind weht schwach bis mäßig um West und frischt bei Schauern und an der
Nordsee zuweilen auf.
In der Nacht zum Sonntag erreicht uns der Rücken, dessen Achse am Sonntagmorgen
auf einer Linie Südschweden - Alpen ankommt.
Mit dem fehlenden Tagesgang lassen Schauer und Gewitter rasch nach und die
Wolken zeigen größere Lücken.
Die den Rücken überlaufende WLA erfasst ganz Deutschland, sodass sich die
mittelhohe und hohe Bewölkung weiter nach Osten und Südosten ausbreitet.
Hinter dem Rücken gerät Deutschland bereits wieder auf Vorderseite eines neuen
Trogs knapp westlich und nordwestlich der Britischen Inseln. Dieser Trog ist
achsensenkrecht dazu mit dem neuen Bodentief ULRICH verbunden, dessen Zentrum
Sonntagmorgen knapp 400 km westlich der Nordwestspitze Schottlands liegt. ULRICH
fungiert fortan als steuernden Zentraltief, es hat sich außerdem die Reste des
Ex-Tropensturms FERNAND einverleibt und mausert sich im weiteren Verlauf zu
einem Sturmtief. Seine teilokkludierte Kaltfront steuert in den Morgenstunden
den Westen Deutschlands an und bringt etwas Regen mit (Regenmengen 0,5 bis 5
l/m²).
Der Wind weht meist nur schwach um Süd, frischt zum Morgen hin mit leichter
Gradientverschärfung im Nordwesten aber ein wenig auf, ohne Warnrelevanz zu
erlangen.
Die Temperaturen gehen auf 17 bis 10, bei längerem Aufklaren bis auf 7°C zurück.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... Hinsichtlich der Frühübersicht gibt es mit dem neuesten Lauf des
ICON von 12 UTC keine neuen Erkenntnisse.
Die über dem Westen schleifende, in der Nacht zum Montag nur langsam nach Osten
vorankommende, teilokkludierte Kaltfront bringt zeitweise Regenfälle bis zum
Montagmorgen. Der neueste Lauf zeigt weiterhin eine Intensivierung der
Regenfälle nur südwestlich von Deutschland über Frankreich und der Schweiz.
Weitere Details können der Frühübersicht entnommen werden.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren abgesehen von bei Konvektion üblichen Abweichungen sehr
ähnlich. Für die Nacht zum Montag haben sich die meisten Modelle mittlerweile
angeglichen, warnwürdige Regenmengen verbleiben voraussichtlich außerhalb von
Deutschland.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler