Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Heute Nachmittag und Abend kräftige Gewitter mit Unwetterpotential im Norden. Am
Dienstag verbreitet auftretende Gewitter mit erhöhtem Unwetterpotential wegen
Starkregens!
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
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Aktuell ... beschäftigt uns ein Höhentief über Norddeutschland. Dieses sorgt für
Labilisierung der dort liegenden feuchten, maritimen Luftmasse. Dabei stehen
immerhin über 1000 J/kg CAPE zur Verfügung, die sich in Form einzelner Gewitter
entladen. Die Hebung des Höhentiefs alleine reicht dafür aber nicht aus.
Vielmehr benötigt es noch einzelne mesoskalige Forcingmechanismen, um die
Konvektion in Gang zu bringen. Im Falle der zum Zeitpunkt des Verfassens
existierenden Zellen waren dies vor allem lokale, küstennahe Konvergenzlinien.
Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Umgebungsbedingungen durchaus geeignet
sind, relativ rasch unwetterträchtige Zellen zu produzieren. Hauptschwierigkeit
ist hierbei die geringe bis nicht vorhandene Zuggeschwindigkeit (storm motion =
Null). Das führt bei starken Aufwinden und PPW-Werten von über 30 mm zu
unwetterartigem Starkregen und Hagel sowie zu einzelnen, lokal auftretenden
Sturmböen durch thermische Grenzschichteffekte (Fallwinde, im worst case bis hin
zum Downburst).
Bis zum Abend muss die Entwicklung dieser und weiterer Zellen im Auge behalten
werden. Nach den Zellen in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern
zeigt die Nowcasting-NWV noch weitere Entwicklungen im nördlichen Niedersachsen.
Kurzer Blick noch in den Rest des Landes. Vielfach scheint die Sonne, oft im Mix
mit etwas Quellbewölkung. Aus Richtung Frankreich machen sich bereits erste
Ausläufer eines dort befindlichen Tiefdruckkomplexes bemerkbar. Das äußert sich
in Form hoher bis mittelhoher Bewölkung im Südwesten.
Dieser Tiefdruckkomplex über Frankreich hält in der kommenden Nacht den Süden
auf Trab. Entlang des Jura bilden sich in einer bodennahen Tiefdruckrinne
Schauer und Gewitter, die rasch verclustern und in der zweiten Nachthälfte nach
Deutschland ziehen. So richtig einig ist sich die Numerik aber in dieser
Hinsicht nicht. Externe Modelle wie SuperHD wollen von nächtlicher Konvektion
gar nichts wissen, während ICON-D2 ein recht organisiertes Cluster durchrauschen
lässt. ICON-RUC lässt immerhin noch einzelne kräftigere Gewitter übrig.
Angesichts der doch recht guten Umgebungsbedingungen erscheinen zumindest einige
Entwicklungen doch recht wahrscheinlich. Mit diesen muss zumindest lokal mit
markantem Starkregen gerechnet werden. Sollte ein MCS-artiges Cluster entstehen,
sollte auch auf die Entwicklung etwaiger Sturmböen geachtet werden.
Das Höhentief hingegen verlagert sich ganz langsam Richtung Odermündung und
Haff. An dessen Südwestflanke werden dabei im Laufe der Nacht neue Schauer und
Gewitter unter Mithilfe der orografischen Gegebenheiten entlang von Harz und
Thüringer Wald ausgelöst. Auch hierbei besteht zumindest ein geringes
Starkregenrisiko.
Insgesamt bleibt es zumindest wechselnd, teils auch stark bewölkt, sodass die
nächtlichen Minima äußerst mild ausfallen. Entlang von Rhein, Main und Neckar
erwartet uns mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Tropennacht.
Dienstag ... setzt sich das Konvektionsgeschehen rege fort. Es etabliert sich,
induziert durch das nun langsam südwärts wandernde Höhentief, eine
Bodentiefrinne, die einmal quer über die Mitte des Landes von West nach Ost
reicht. In dieser Rinne liefert die zugehörige Konvergenz den Antrieb für die
Bildung zahlreicher Schauer und Gewitter, die schnell die Unwetterschwelle
erreichen können. Sehr feuchte Luftmasse mit PPW-Werten um 35 mm und sehr
langsame Zuggeschwindigkeiten liefern das Rezept für räumlich eng begrenzt
schnell eskalierende Niederschlagsmengen von bis zu 40 mm binnen kürzerer Zeit.
Auch Potential für extreme Starkregenereignisse von 50 bis 60 mm in einer Stunde
können nicht ausgeschlossen werden. Bei erneuten CAPE-Werten von wenigstens 1000
bis 1500 J/kg ist mitunter auch größerer Hagel mit von der Partie. Zum
Vergleich: Die heutigen Zellen waren immerhin in der Lage, Steine von 3 cm Größe
zu produzieren. Auch thermische Windeffekte durch die anfangs noch trockene
Grundschicht sind nicht außer Acht zu lassen. Einzelne Sturmböen durch Fallwinde
sind durchaus denkbar.
Abseits davon regnet es an den Alpen aus der Nacht heraus weiterhin noch teils
kräftig. Im Tagesverlauf lässt der Regen vorübergehend nach, bevor sich gegen
Abend Schauer und Gewitter aus Richtung Norden bis zum Alpenrand hin ausbreiten.
Nur im Norden bleibt es zunehmend störungsfrei. Dort setzt sich von der Ostsee
her eine kühlere, stabile Luftmasse durch, die im Tagesverlauf wieder für
zunehmend freundlicheres Wetter sorgt.
Insgesamt sorgt das Geschehen auch dafür, dass die prognostizierten Höchstwerte
nicht mehr ganz so heiß ausfallen, wie zuvor noch gedacht. Zwar ist vor allem im
Südwesten mit hoher Wärmebelastung zu rechnen, insgesamt steigt die Temperatur
aber nur noch im äußersten Südwesten auf 34 bis 35°C, sonst bleibt es bei 26 bis
33°C. Vor allem der Osten ist beim Erreichen der 30°C-Marke nun außen vor.
In der Nacht zum Mittwoch verlagern sich die Schauer und Gewitter gen Südosten
mit Schwerpunkt in Bayern. Dabei nehmen sie zunehmend clusterartigen Charakter
an. Insgesamt lässt die Intensität im Zuge des Tagesgangs an, aber völlig
ausschließen lassen sich auch hier unwetterartige Starkregenfälle binnen einer
oder mehrerer Stunden nicht. Auffällig ist, dass konvektionsparametrisierende
Modelle wie ICON-EU die Niederschlagsintensitäten erheblich dämpfen. Das deutet
auf erhöhte Unsicherheiten sowohl bezüglich der Auslöseprozesse hin als auch auf
die Ungenauigkeiten in der synoptischen Prognose; sprich: Entwicklung und
Verlagerung von Höhentief und Bodendruckrinne. Es ist aber kaum vorstellbar,
dass sich die Gewitterentwicklung zum Abend hin derart rasch abschwächen soll,
da zum einen weiterhin labile Luftmasse vorhanden ist (abgehobene Konvektion)
und zum anderen das synoptische Forcing ebenfalls vorhanden ist.
Im Rest des Landes ebben die Niederschläge ab. Von Norden her stabilisiert es
zusehends, sodass sich auch bis Mittwochfrüh von dort Auflockerungen bis in die
Mitte durchsetzen. Dann werden auch die Temperaturen wieder angenehmer zum
nächtlichen Durchlüften.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... weitet sich das Höhentief gen Westen aus, verharrt aber weiter an
Ort und Stelle. Dafür nimmt es Kontakt auf zum bestehenden Tiefdruckkomplex auf
dem nahen Atlantik und bricht so die bestehende Hochdruckbrücke zwischen
Nordmeer und Südeuropa auf. Die Wetterlage gestaltet sich damit weiterhin eher
zyklonal. In der Folge stehen auch weitere Schauer und Gewitter auf der
Speisekarte. Außerdem wird ein Bodentief über Polen und Tschechien simuliert,
das in den östlichsten Landesteilen für ergiebige Regenfälle sorgen könnte.
Diese gesamte Entwicklung ist aber noch derart unsicher, dass hier an dieser
Stelle noch nicht genauer darauf eingegangen wird. Etwaige Ausführungen dazu
sind zudem der Frühübersicht vom Kollegen Hoffmann zu entnehmen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle tun sich mit der aktuellen Lage sehr schwer. Eine gradientschwache
Lage in Verbindung mit einem Höhentief und viel mesoskaligem Geschehen stellt
die Numerik vor größere Herausforderungen. Auf die wesentlichen dieser
Unterschiede wurde im Text bereits eingegangen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
M.Sc. Felix Dietzsch