Synoptische Übersicht Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEa
Im Nordwesten gefrierender Niederschlag mit markanter Glätte. Lokal UNWETTER
Glatteis nicht ausgeschlossen. Ansonsten nur lokal Glätte. Im Norden
Frostverschärfung mit strengem Nachtfrost im Nordosten. Im Südwesten mild.
Küsten böiger Ostwind.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Samstag... Fortdauer der blockierungsfreudigen Wetterlage über Nord- und
Mitteleuropa, während die Wellenzüge weiterhin eifrig in Richtung Mittelmeer
ziehen und z.B. Portugal ohne Unterlass mit ergiebigen Niederschlägen heimsuchen
(dort in der Fläche 300 bis 600 l/qm bis in die erste Februardekade auf die
bereits schon beachtlichen Mengen, die in den letzten Tagen beobachtet wurden -
Überschwemmungsgefahr).
Für uns bedeutet diese Ausgangslage im Grunde die gesamte Kurzfrist hinweg wenig
Änderung: die blockierende Antizyklone DANIEL über
Skandinavien/Nordosteuropa/Westrussland hält dem Ansturm der Tiefdruckgebiete
vom Nordatlantik tapfer stand, wobei sich die Fronten über unseren Köpfen mehr
oder weniger auflösen.
Heute starten wir den Tag zwischen dem Bodentief PATRICIA I über Nordwesteuropa
und dem bereits genannten DANIEL im meteorologischen Niemandsland, wobei in der
Höhe meist eine aufgeweichte südöstliche Strömungskomponente vorherrscht (die
nach Südwesten zu immer schwächer/diffuser wird).
Im Westen/Nordwesten machen sich aus der Nacht heraus die Bewölkung inklusive
Niederschlag einer Okklusion von PATRICIA bemerkbar. Diese Niederschläge kommen
im Tagesverlauf nur zögernd nach Nordosten voran. Zum Abend erreicht die
Okklusion in etwa eine Linie Ostfriesland/Emsland bis Hessen. Somit verläuft der
Tag im Westen meist wolkenverhangen mit zeitweiligem Regen, der zum Nachmittag
von Westen abklingt. Dann lassen im Ruhrgebiet einige Auflockerungen den Tag
vielleicht mit einem schönen Abendrot ausklingen. Glätte ist im NRW Bergland und
im Nordhessischen Bergland nur örtlich ein Thema.
Ein größeres Augenmerk liegt weiterhin im Nordwesten, namentlich dem Emsland und
Ostfriesland. Wenn der Niederschlag hier im Verlauf des Nachmittags sich immer
weiter nordostwärts voran arbeitet, steigen die Wahrscheinlichkeiten für
gefrierenden Niederschlag an. Allerdings steckt hier der Frost nun nicht mehr
tief im Boden bzw. haben wir bis in Tiefen von 10 cm teils gar positive Werte.
Das könnte die Auswirkungen auf den Straßen mindern. Allerdings dauert die
(süd)östliche Bodenwindkomponente an, sodass die Zufuhr frostiger Luftmassen ein
Thema bleibt. Zudem steckt bereits grob im Umfeld der Weser und ostwärts
weiterhin Frost im Boden - es wird also ein recht inhomogenes Ereignis werden,
wo teilweise die Straßen und Wege betroffen sein werden, teils aber auch nur
exponierte Gegenstände wie Autos und die Vegetation.
Zusätzlich sorgt auch ein sehr zerfleddertes Auftreten der Niederschläge für
regional und zeitlich stark variierende Niederschlagsschwerpunkte, die u.a. nach
ID2 gut und gerne auch mal 1 l/qm Stundenwerte erreichen können. Aus der Numerik
heraus sind die Signale für Eisakkumulationen sehr verhalten, allerdings mit
erhöhten Wahrscheinlichkeiten allgemein für gefrierenden Niederschlag. Von daher
wird hier bei all den Unsicherheiten frühzeitig mit einer größeren markanten
Glättewarnung hantiert, wobei im Nowcast nicht ausgeschlossen werden kann, dass
lokal auf Unwetter durch Glatteis erhöht werden muss. Für eine Vorabinformation
sind die Unsicherheiten einfach zu groß bzw. steht die Frage im Raum, wo sich
ein nennenswerter Niederschlagsschwerpunkt herauskristallisiert.
Ansonsten verläuft der Tag im Rest der Republik teils wolkenverhangen, im Süden
(besonders in Richtung Oberschwaben teils auch ganztags) löst sich der Nebel nur
zögernd auf, doch regional schafft es die Sonne auch für einige Stunden von
einem bläulichen Himmel zu scheinen. Letzteres gilt besonders für den Südwesten,
die Regionen südlich der Donau und für einige Leelagen der zentralen
Mittelgebirge. Auch in Richtung Stettiner Haff können sich immer wieder große
Wolkenlücken zeigen.
Die Höchstwerte liegen in Richtung Uckermark bei eisigen -4 bis -6 Grad, im
Norden und Nordosten zwischen 0 und -4 Grad und sonst zwischen +1 und +9 Grad
(mit den höchsten Werten den Oberrhein entlang).
Der Wind aus Ost bis Südost weht im Süden schwach, im Norden mäßig und frischt
im Umfeld der Küsten weiterhin stark böig auf.
In der Nacht zum Sonntag ändert sich kaum etwas am zuvor Gesagten. Im Nordwesten
(Ostfriesland, Umfeld der Weser) dauern die leichten gefrierenden Niederschläge
weiter an. Besonders ID2 hebt Mengen hervor, die ein zunehmendes
Unwetterpotenzial bedeuten würden, was aber sonst innerhalb der Numerik
defensiver gesehen wird. Egal wie, Glatteis sollte in dieser Region regional bis
überregional ein Thema bleiben.
Im Rest der Republik findet weiter kein Luftmassenaustausch statt, sodass die
teils bis knapp 4km AGL gesättigte niedertroposphärische Luftmasse vor Ort
bleibt. Dichter Hochnebel, im Süden auch überregional dichter Bodennebel
dominieren die Nacht. Einzig im äußersten Nordosten könnte es mit Einsickern
einer trockeneren Luftmasse aus Ost für klare Momente reichen. Im Westen regnet
es bei anhaltender schwacher WLA wiederholt hier und da etwas, meist als Regen,
im geschützten Bergland von NRW/Nordhessen kann man lokal gefrierenden
Niederschlag nicht ausschließen. Inwieweit der Hochnebel im Südwesten (Richtung
Schwäbischer Alb) im Verlauf der Nacht etwas gehoben wird (inkl. gefrierendem
Sprühregen) ist innerhalb der Numerik noch mit großen Unsicherheiten hinterlegt.
Es ist aber auch hier nicht verkehrt früh mit einer Glättewarnung auf das
Potenzial hinzuweisen.
Die Minima liegen nur im Westen im leichten Plusbereich und sonst zwischen 0 und
-5 Grad. Im Nordosten, besonders bei Aufklaren droht jedoch verbreitet mäßiger,
in Richtung Uckermark auch strenger Frost zwischen -6 und -11 Grad und auch am
Alpenrand tritt mäßiger Frost auf.
Sonntag... bleibt das statische Strömungsmuster erhalten. Das erkennt man daran,
dass der Druckgradient von West nach Nordost am Samstag und Sonntag jeweils
zwischen 10 und 12 hPa verbleibt, zum Sonntag aber insgesamt 10 hPa höher als am
Vortag. Was will man da Neues schreiben?
Im Nordwesten Andauer schwacher/zerfledderter WLA gegen die kalte Ostströmung
mit wiederholt auftretendem gefrierendem Sprühregen, lokal/zeitweise auch
gefrierendem Regen, mit Eiskörnern oder mit etwas Neuschnee. Die Phase wird von
Feinheiten diktiert und kann erst im Nowcast besser herausgearbeitet werden.
Grundsätzlich sollte aber in Richtung Schleswig-Holstein die Schneephase
dominieren, im westlichen Niedersachsen zunehmend die flüssige Phase.
Im Westen regnet es zeitweise etwas, in geschützten Lagen des Berglands
weiterhin örtlich mit Glätte, während sonst der Hochnebel, im Süden teils auch
dichte Bodennebel dominieren. Ganz im Nordosten lockert die Bewölkung weiter
auf. Es bleibt hier trocken. Allerdings gilt auch hier die
Nebel-Hochnebelgebiete in Richtung Schwaben im Auge zu behalten, ob nicht
gefrierender Sprühregen bei schwacher WLA/Hebung hervorgerufen werden kann.
Gefrierender Sprühregen mit weiter anwachsenden Raueisablagerungen bleiben auch
am Erzgebirgskamm ein Thema.
Die Höchstwerte liegen im Nordosten bei wirklich eisigen -5 bis -8 Grad (bis -10
Grad in 850 hPa), während grob östlich einer Linie Emsland-Vogtland leichter
Dauerfrost zwischen 0 und -4 Grad erwartet wird. Je weiter man nach Süden und
vor allem Südwesten kommt, umso milder wird es. Spitzenwerte liegen bei +9 Grad
entlang des Oberrheins.
Keine Änderungen beim Wind zum Vortag.
In der Nacht zum Montag werden nur noch die Änderungen zur vorherigen Nacht
beschrieben. Im Nordosten reißt die Bewölkung immer effektiver auf, teils
verläuft die Nacht auch klar und mit -9 bis -13 Grad eisig kalt.
Gefrierender Niederschlag tritt weiterhin hin und wieder im Nordwesten auf (mit
wechselnden Phasen), entlang des Erzgebirges (in Form gefrierenden Sprühregens
und auch mit weiterem Rauseiswachstum) und sporadisch aus dem Hochnebel im
Süden. Im Westen hier und da Regen.
Minima zwischen +3 Grad im Westen und -6 Grad in Richtung Oberfranken. Auch vom
Oberpfälzer bis zum Bayerischen Wald tritt mäßiger bis lokal strenger Nachtfrost
auf.
Montag... fällt der Luftdruck über Westeuropa und in dem Zuge kommt etwas
Bewegung in unser Wetter, da sich gleichzeitig über Deutschland ein Höhenkeil
aufwölbt. Diese Entwicklung lässt die Niederschläge im Westen im
Vormittagsverlauf abklingen, sodass der Tag neben ausgedehnten dichten Wolken-
und Hochnebelfeldern besonders im Südwesten, am Alpenrand und im Lee der
Mittelgebirge einige Sonnenstunden verspricht. Vor allem im Alpenvorland wird es
richtig sonnig (dank föhniger Komponente) und auch im äußersten Nordosten
dominiert die Sonne. Regional kann sich im Süden allerdings zäh der Nebel halten
und auf dem Erzgebirgskamm dauert der gefrierende Sprühregen mit teils immensem
Raueisansatz weiter an.
Die Temperaturgegensätze halten an mit Höchstwerten von +7 Grad am Oberrhein und
-8 Grad im gesamten Nordosten.
Der Ostwind weht mäßig, im Bergland auch frisch sowie weiterhin stark böig
peripher der Küsten.
Die Nacht zum Dienstag verspricht dann neues Ungemach in Forme einer agilen
Warmfrontpassage aus Südwest, die gegen die eisige Frostluft im Nordosten
anrennt. Die von Südwesten aufkommenden Niederschlägen gehen über dem Westen und
besonders über der Mitte teils in gefrierenden Regen über und in der Folge bei
weitere Advektion nach Norden teils auch in Schnee. Für Details ist es noch zu
früh, doch sollte man sich ausgangs der Nacht über der westlichen Mitte auf
teils problematische Straßen einrichten. Sonst verläuft die Nacht im Norden
häufig klar, im Süden wolkenverhangen, wobei im Süden auch abseits vom
eigentlichen Niederschlag lokal gefrierender Sprühregen auftreten kann.
Die Minima liegen im Norden zwischen -8 und eisigen -14 Grad, sonst zwischen +1
und -7 Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die grobe Entwicklung auf der synoptischen Bühne wird gut erfasst.
Unsicherheiten gibt es aber bei Feinheiten mehr als genug, wie z.B. die
Niederschlagsintensität und -phase im Nordwesten. Diese Unsicherheiten wurden im
Text bereits angesprochen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy