Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Eine Prise Vollwetter mit Welle VILJA am Freitag: Gebietsweise Starkregen, Wind
und teils kräftige Gewitter. Am Wochenende allmähliche Wetterberuhigung.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... heißt das Zauberwort der aktuellen Wetterlage Wz, also West
zyklonal. Dabei finden sich auf der einen Seite zwei Tröge mit Zentren nahe
Island und über dem Bottnischen Meerbusen sowie auf der anderen Seite hohes
Geopotenzial vor allem über Südwesteuropa. Dazwischen ergibt sich eine recht
glatte westliche Strömung, die auch noch am Boden wiederzufinden ist. Die Tröge
korrespondieren dort mit einem Tiefkomplex über Skandinavien (ohne Namen) und
dem Tief URSEL mit Zentrum in den Abendstunden nordwestlich der Britischen
Inseln. Beide Tiefdruckgebiete sind über ein Frontensystem verbunden, dessen
Kaltfront bis zur Mitte des Landes vordringt und in der Nacht gelegentlich
leichte Regenfälle bringt.
In der zweiten Nachthälfte wird die Kaltfront durch die Welle VILJA über den
Britischen Inseln wieder rückläufig und geht in die nach Norden wandernde
Warmfront über. Folglich setzen zum Morgen hin von der Nordsee neue Regenfälle
ein.
Darüber hinaus hat sich tagsüber ein Regengebiet mit eingelagerten Gewittern
über der Mitte etabliert, das sich in der leicht flatternden Strömung vermutlich
an einer Kurzwelle gebildet hat und sich vornehmlich aus WLA speist. In der
ersten Nachthälfte zieht es über dem Osten Bayerns hinweg südostwärts ab mit
noch leichtem Regen, Gewitter sollten kaum noch auftreten. In der zweiten
Nachthälfte bleibt es dort wie auch sonst im Süden bei vorherrschendem
Hochdruckeinfluss meist trocken und die Wolken lockern gebietsweise auf.
Der tagsüber teils kräftige West- bis Südwestwind lässt aufgrund des fehlenden
Tagesgangs rasch wieder nach, nur an der See weht er in Böen noch steif (Bft 7)
bzw. im exponierten Bergland (Fichtelberg/Erzgebirge und Brocken/Harz) noch mit
stürmischen Böen (Bft 8) oder mit Sturmböen (Bft 9).
Ansonsten ist im Süden schwacher, von der Mitte bis in den Norden schwacher bis
mäßiger Wind zu erwarten.
Die Temperaturen gehen auf 19 Grad unter Wolken bis 11 Grad bei größeren
Auflockerungen im Süden zurück.
Freitag ... überquert Welle VILJA den Norden von Deutschland mit teils kräftigen
Regenfällen. Vor allem rund um den Scheitelpunkt weisen die Modelle Regenmengen
von 20 bis 35 l/qm in 6 Stunden auf, mit geringer Wahrscheinlichkeit auch mehr.
Die Modelle haben mit den neuesten Läufen den Schwerpunkt der Niederschläge
geringfügig nach Norden verschoben, womit sich ein Bereich zwischen dem
nördlichen Emsland, Hamburg und Mecklenburg herauskristallisiert. Weil dieser
Bereich aber recht schmal ist, können geringe Änderungen in den Modellen noch
größere Auswirkungen haben, sodass für eventuelle Warnungen weitere Modellläufe
zu begutachten sind und vielleicht sogar erst das Nowcasting kurz vorher
Aufschluss geben kann.
Interessant wird dann im Nachmittagsverlauf auch die Kaltfront, die von
Nordwesten hereinschwenkt, sich südostwärts verlagert und dem Regengebiet
Labilität verleiht. Die PPWs sind dabei mit 35 bis 42 mm sehr hoch, ML-CAPE mit
bis zu 300 J/kg aber mau. SRH und Hebung sind wiederum ordentlich vorhanden. Die
Scherung weist sogar sehr hohe Werte auf, sowohl zwischen 0 und 1, als auch
zwischen 1 und 6 km. Diese dürfte allerdings den Hodographen zufolge vornehmlich
aus Geschwindigkeitsscherung resultieren, da die Kurven wenig rund, dafür aber
ziemlich lang geradlinig verlaufen. Dämpfend könnte sich zudem die Front
überlaufende KLA auswirken.
Was kann man bei einer solchen Ausgangslage erwarten? Die Modelle zeigen nur
geringes Potenzial für Starkregen (zu hohe Zuggeschwindigkeit). Für Sturmböen
(Bft 9) liegen jedoch erhöhte Wahrscheinlichkeiten vor, bei stärkerer
Organisation sind schwere Sturmböen (Bft 10) nicht ganz ausgeschlossen. Hagel
ist ebenfalls möglich. Angesichts niedriger HKN könnte man auch noch auf die
Idee für Tornados kommen, die Hodographen mit ihren geraden Verläufen sprechen
jedoch dagegen.
Bis zum Abend erreichen die Niederschläge der Welle einen Bereich bis zur Eifel
und Nordhessen sowie Nordthüringen, Süd-Sachsen-Anhalt und Nordsachsen. Bei
AROME dringt der Niederschlag noch nicht ganz so weit südwärts vor. Im Norden
geht der Regen derweil in Schauer über.
Südlich der Niederschläge überwiegt noch der Hochdruckeinfluss, sodass meist die
Sonne scheint und es trocken bleibt.
Neben dem Regen ist der Wind ein weiteres großes Thema. Im Warmsektor südlich
des über den Norden sich ostwärts bewegenden Scheitels werden im Warmsektor
steife bis stürmische Böen (Bft 7 bis 8) simuliert, vereinzelt auch Sturmböen
(Bft 9). Noch stärkere Böen sollten der Konvektion vorbehalten sein, wobei
ICON-D2 beispielsweise eine Region zwischen Ostwestfalen und dem Harz mit
geringen Wahrscheinlichkeiten für schwere Sturmböen (Bft 10) zeigt. Das
Hauptwindfeld erfasst vom Scheitel südwärts die Gebiete bis ins Saarland und der
Pfalz sowie bis in den Norden Baden-Württembergs und Bayerns. Am stärksten sind
die Winde allerdings direkt südlich angrenzend zum Scheitel. Im Bergland reicht
die Palette von Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen (Bft 11) auf dem Brocken.
Ganz im Süden weht der Wind überwiegend nur mäßig, in Böen ab und an frisch.
Die erwärmt sich in der Nordhälfte auf 18 bis 24, in der Südhälfte auf 26 bis 33
Grad.
In der Nacht zum Samstag zieht der Wellenscheitel bereits ostwärts ab, wobei
sich die Kaltfront von der Mitte in den Süden verlagert. An ihr sind neben den
Regenfällen anfangs noch letzte kräftige Gewitter möglich, nachfolgend regnet es
meist nur noch skalig. Die Regenmengen betragen 5 bis 15, lokal bis 20 l/qm in
wenigen Stunden. Warnschwellen werden dann höchstens noch angekratzt. Abseits
des nach Süden wandernden Regens ist es locker bewölkt und trocken, an den
Küsten kommen aber mit einem flachen Randtrog etwas PVA und neue Schauer oder
sogar einzelne Gewitter auf.
Daneben schwächt sich mit Abzug der Welle bzw. dem Herausdriften des Warmsektors
sowie dem nachlassenden Tagesgang auch der Wind bald wieder ab. An den Küsten
und im Bergland bleibt es aber noch windig mit steifen bis stürmischen Böen (Bft
7 bis 8), auf dem Fichtelberg noch mit Sturmböen (Bft 9) bzw. auf dem Brocken
mit schweren Sturmböen (Bft 10).
Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 18 Grad im Südwesten und 12 Grad im
Norden.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... Im Vergleich zur Frühübersicht liefert der neueste Lauf von ICON 12
UTC keine grundlegend neuen Erkenntnisse. So sind im Südosten bis zum Nachmittag
noch Regenfälle zu erwarten, im Norden und Nordosten bis in die erste
Nachthälfte Schauer und einzelne Gewitter. Dazwischen ist es meist heiter und
trocken. Im Nordosten ist es tagsüber erneut windig, an der Küste stürmisch. Die
Temperaturen bewegen sich tagsüber zwischen 19 Grad im Norden und 29 Grad im
Süden. In der Nacht zum Sonntag kühlt es auf 14 Grad an den Küsten und bis 7
Grad bei längerem Aufklaren ab.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle liegen schon recht gut auf einer Linie. Beim sehr schmalen
Starkregenstreifen über dem Norden Deutschlands am Freitag sind die Modelle in
Lage und Intensität erstaunlich ähnlich, haben zuletzt aber eine kleine
Nordverlagerung offenbart. Das könnte sich in weiteren Läufen erneut ändern,
sodass eine prophylaktische Warnung nach wie vor schwierig ist.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler