Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 05.09.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Am Abend noch einzelne Gewitter. Abschwächender Wind im Binnenland, vor allem an
der Ostsee aber noch länger anhaltend bis Sonntagmittag. Sonst vorübergehend
Hochdruckwetter, vor allem im Südwesten wieder spürbar wärmer.

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... beschäftigen uns noch die Überreste von Tief "Vilja", das uns
gestern noch in Form einer offenen Welle im Norden überquerte und für Sturm und
teils heftigen Starkregen im Norden gesorgt hat. Dem flachen Langwellentrog über
Nordeuropa steht ein blockierender Rücken ausgehend von Nordwestafrika
gegenüber, der sich bis in den Nordostatlantik erstreckt. Dabei hat sich
bodennah ein großes Hochdruckgebiet über Großbritannien und Frankreich
etabliert, das ebenfalls dem Atlantik entspringt und zusätzliche Ausleger im
Mittelmeerraum etabliert hat. Mit dem sich aufwölbendem Rücken und gleichzeitig
zunehmender Austrogung in Richtung Osteuropa steilt die Anströmung bei uns
wahrnehmbar auf und dreht auf Nordwest. Der Norden und Nordosten Deutschlands
wird somit noch weiter zyklonal beeinflusst. In der eingeflossenen subpolaren
Meeresluft entwickeln sich dabei heute Nachmittag noch zahlreiche Schauer und
Gewitter. Angesichts noch immer ergiebiger hochreichender Scherung können diese
örtlich auch kräftiger ausfallen und vereinzelt mit kleinem Hagel und Sturmböen
daherkommen. Mit dem abziehenden Tief, das sich nun mittlerweile schon über
Westrussland manifestiert hat, sowie dem nachrückenden Hoch sollte die
Konvektion bis zum Abend aber bereits spürbar nachlassen.
Im Süden macht sich der Hochdruckeinfluss bereits bemerkbar. Abgesehen von
einigen Quellwolken ist es hier trocken und oft recht sonnig, allerdings auch
noch recht windig. Die einzige Ausnahme bildet der Alpenrand. Hier sind die
Reste der Kaltfront aus der Nacht heraus noch hängen geblieben und sorgen in
einem schmalen Streifen direkt an den Bergen noch für teils schauerartigen
Regen. Aber auch dieser sollte mit zunehmendem antizyklonalem Einfluss bald
nachlassen.
Insgesamt herrscht aber zwischen Hochdruck im Südwesten und tieferem Druck im
Nordosten noch ein ausgeprägter Druckgradient vor. Das macht sich auch abseits
von Schauern und Gewittern in Form von starken bis
stürmischen Böen bemerkbar, die von der Küste bis ins zentrale Binnenland
ausgreifen. Dort und im Süden bleibt es aber zunehmend bei frischen bis
kräftigen Böen aus West von 5 bis 6 Bft, während im nördlichen Binnenland noch
länger 7 Bft bis vereinzelt 8 Bft erreicht werden. An der Küste sind mit
auflandigem Nordwestwind auch 9 Bft möglich, auf dem Brocken anfangs auch noch
10 Bft. Auch auf der Temperaturkarte ist noch die Zweiteilung zwischen Nordost-
und Südwesthälfte erkennbar. Während im Nordosten die Werte stellenweise auf
kaum über 15°C klettern, steigen sie am Oberrhein heute auf bis zu 27°C.

Kommende Nacht verlagert sich der Hochdruck-Kern bereits in die Westhälfte
Deutschlands. Dementsprechend geschieht nichts signifikantes mehr. Letzte
Schauer halten sich am ehesten noch um Rügen, ansonsten bleibt es nur noch bei
einigen Wolkenfeldern, die sich nach und nach zurückziehen. Im Südwesten klart
es ohnehin auf. Eventuell macht sich insbesondere um das Hochdruckzentrum herum
das ein oder andere Nebelfeld breit. Immerhin sind die Nächte mittlerweile
wieder lang genug, dass es doch empfindlicher abkühlt. In den westlichen
Mittelgebirgen geht es z.B. runter bis auf 6°C.

Sonntag ... verlagert sich das Hoch bereits ostwärts Richtung Polen und
Tschechien. In der Höhe gelangt die Keilachse aber erst gegen Abend Richtung
Deutschland, sodass die zu erwartende WLA nur langsam in Gang kommt. Aber sie
kommt in Gang, und das bedeutet, dass sich im Laufe des morgigen Tages zunehmend
hohe bis mittelhohe Bewölkung breit macht. Am sonnigsten wird es wohl südlich
der Donau, wo mit Ostwind die Luftmasse auch am trockensten daherkommt. Im
Norden sind die Reste der ursprünglich subpolaren Luftmasse noch immer spürbar
in Form zahlreicher Quellwolken, die sich wohl erst später am Tag auflösen
werden. Auch die Frontalzone hat sich noch nicht ganz vollständig verabschiedet.
Um Rügen herum sind etwa bis in die Mittagsstunden noch immer steife Böen
möglich. Ansonsten hat der Wind - insbesondere auch an der Nordsee - bis dahin
bereits aus der Nacht heraus spürbar nachgelassen. In der Südwesthälfte steht
ein weiterer Sommertag ins Haus mit Höchstwerten meist um 25°C, in der Spitze
bis 29°C im Oberrheingraben. In der Nordosthälfte geht es wie gehabt frischer
zu. Hier klettern die Werte meist auf 19 bis 22°C.

In der Nacht zum Montag erfolgt der Übergang von Keilachse zu Trogvorderseite
mit nun südwestlicher Höhenströmung. Bodennah setzt Druckfall ein. Ein sehr
markantes Sturmtief nördlich Schottlands nähert sich dem nordeuropäischen
Kontinent. Ausgehend davon hat sich bereits ein offenes Randtief in Form eines
Bodentroges ausgebildet, der von der Nordsee kommend auf das norddeutsche
Binnenland ausgreift. Ob daran bereits erste Niederschläge gekoppelt sind, wird
durch die Numerik uneinheitlich beantwortet. Es erscheint aber wahrscheinlich,
dass erste Schauer zumindest von der Nordsee kommend, eventuell aber auch aus
Richtung Benelux in den Westen ausgreifen. Mit Bewölkungsaufzug aus West bei
Winddrehung auf Süd wird die Nacht im äußersten Westen bereits wieder ziemlich
mild bei etwa 15°C Minimum, während im Osten die Temperaturen auf einstellige
Werte sinken.

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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Montag ... gelangt mit der Südwestströmung wieder die feucht-heiße Luftmasse aus
dem westlichen Mittelmeerraum nach Deutschland. Sie ist potentiell labil und
erhöht damit das Konvektionspotential zunächst vor allem in der Südwesthälfte
und im Alpenraum. Ob es für Gewitter, klassischerweise zunächst wieder über dem
Schwarzwald, reicht, bleibt abzuwarten. Im Süden überwiegt noch der
antizyklonale Einfluss mit entsprechend gedeckelter Luftmasse. Am
wahrscheinlichsten erscheint aktuell vor allem inneralpine Konvektion. Insgesamt
hält sich die Wetteraktivität in Grenzen. Im Norden schwenkt der Bodentrog durch
und sorgt wahrscheinlich für nur schwache Schauer. Entlang von Rhein, Main und
Mosel ist nochmals ein heißer Tag mit über 30°C zu erwarten.
In der Nacht zum Dienstag sind weiterhin gebietsweise einzelne Schauer aktiv.
Mittlerweile intensiviert sich das Schottland-Tief, sodass im Norden der
Gradient und damit auch der Wind zunehmen. In den Frühstunden erreicht die
bereits okkludierende Kaltfront aus Richtung Nordsee die deutschen Küstengebiete
mit teils kräftigen Schauern.


Modellvergleich und -einschätzung
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Anfangs kaum Modellunterschiede. Diskrepanzen gibt es vor allem in der Nacht zu
Montag bezüglich erster Niederschläge von Westen oder Nordwesten. Welche Lösung
dabei die Oberhand behält, ist noch nicht absehbar.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
M.Sc. Felix Dietzsch