Synoptische Übersicht Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL TrM
Nacht auf und Montag selbst vor allem in den Mittelgebirgen markante
Neuschneemengen möglich. Zudem in Hochlagen und an der See zeitweise stürmisch,
Berggipfel im Süden auch schwerer Sturm. Nacht auf Dienstag und Dienstag
regional markante Neuschneemengen nicht ausgeschlossen, exponiert weiter
stürmisch. Nacht auf Mittwoch an den Alpen einsetzender markanter
Dauerschneefall.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
--------------------------------------------------------------
Sonntag... hat sich ein Zwischenhoch nach Deutschland geschoben und sorgt für
Absinken. Größere Auflockerungen sind bereits in der Nacht von Nordwesten und
Norden bis in die mittleren Landesteile vorangekommen und werden sich tagsüber
noch etwas nach Süden ausweiten. Durch die klaren Verhältnisse konnten die Werte
im schneebedeckten Norden teils bis in den Bereich strengen Frosts abrutschen.
Aber auch sonst war es - abgesehen vom Oberrhein - verbreitet frostig. Besonders
im Osten und Norden bleibt es auch tagsüber häufig bei leichtem Dauerfrost.
An den Alpen fallen mit der nordwestlichen Höhenströmung zu Tagesbeginn noch ein
paar Flocken, ohne nennenswerten Neuschneeertrag. Im Tagesverlauf dreht die
Höhenströmung zunehmend auf West, sodass dann kaum noch Schnee fällt.
Im Tagesverlauf nähert sich von den Britischen Inseln südwestwärts ziehend ein
sich amplifizierender Kurzwellentrog. Dieser stützt auf seiner diffluenten
Vorderseite einen markanten Bodentrog, der bis zum Abend nach Zentralfrankreich
zieht. Auf seiner Vorderseite sorgt kräftige WLA für starke Hebungsprozesse.
Damit kommt am Nachmittag im Westen und Südwesten Aufgleitbewölkung auf und in
den Abendstunden beginnt es an den Landesgrenzen zu schneien.
In der Nacht auf Montag zieht der Bodentrog auf der Südflanke eines sich
entwickelnden Bodentiefs über der Nordsee bis in den Westen Deutschlands. Dieser
wird weiterhin von der diffluenten Trogvorderseite gestützt, sodass zunächst
kräftige Hebungsprozesse erwartet werden. Es resultieren dreistündige
Niederschlagsmengen zwischen 2 und 5 l/qm, mit den höheren Mengen im Weststau
der Mittelgebirge.
Zunächst fallen die Niederschläge vielfach als Schnee. In den west- und
südwestdeutschen Niederungen sinkt die Temperatur jedoch auch in den
Nachtstunden nicht unter die 0-Grad-Marke, und sobald die stärksten Intensitäten
nachlassen, geht der Niederschlag in Regen über. Damit ist davon auszugehen,
dass in den Niederungen kaum nennenswert Schnee akkumuliert und es allenfalls
vorübergehend glatt wird. In höheren Lagen und weiter nach Osten kommen hingegen
einige Zentimeter Schnee zusammen. Gerade in Staulagen der westlichen
Mittelgebirge (>400 m) und im Schwarzwald (>600 m) muss mit Neuschneemengen
zwischen 5 und 10 cm innerhalb weniger Stunden gerechnet werden, sodass eine
markante Warnung erforderlich erscheint.
Dem Schneefall zugute kommt dabei die Konstellation als Bodentrog, in dessen
Bereich der Wind vorübergehend deutlich abnimmt, sodass sich Isothermie
einstellen kann. Erst mit Winddrehung auf Südwest und rückseitig auflebendem
Wind kann die Temperatur - und damit auch die Schneefallgrenze - deutlich
ansteigen.
Neben dem Schnee spielt zunehmend auch der Wind eine Rolle. Dieser legt mit
starken bis stürmischen Böen im höheren Bergland bereits im Laufe des
Nachmittags zu und wird sich in der Nacht auf Montag weiter intensivieren. Die
850-hPa-Winde steigen vorübergehend auf über 40 kn, in 700 hPa bis 60 kn. Damit
muss vor allem in höheren Berglagen mit starken bis stürmischen Böen und
einzelnen Sturmböen gerechnet werden. In den Gipfellagen sind im Hochschwarzwald
und in den Alpen schwere Sturmböen oder orkanartige Böen möglich. Der Höhepunkt
der Windentwicklung wird voraussichtlich in den Morgen- und Vormittagsstunden
des Montags erwartet.
Auch an der Nordsee kann es im Tagesverlauf Windböen, auf See selbst auch
stürmische Böen geben. Der Südostwind legt in der Nacht auf Montag weiter zu. An
der Nordseeküste und der schleswig-holsteinischen Ostseeküste sind dann
stürmische Böen zu erwarten.
Rückseitig des Bodentroges setzt KLA ein, und mit der nachfolgenden
Höhenkaltluft (T500 < -30 Grad) labilisiert sich die Luftmasse deutlich. Damit
bekommen die Niederschläge zunehmend Schauercharakter. Ob es auch schon für
Blitz und Donner reicht, ist hingegen fraglich. Mit der Konvektion kann es im
Westen und Südwesten auch in den Niederungen zu Windböen kommen.
Bleibt noch der Frost: Wie angesprochen bleibt es in den west- und
südwestdeutschen Niederungen meist frostfrei. Sonst gibt es leichten, nach Osten
und Nordosten auch mäßigen Nachtfrost. Nicht ausgeschlossen ist, dass in
Ostvorpommern - wo es am längsten klar ist - nochmals strenger Frost auftritt.
Montag... kommt der Kurzwellentrog beziehungsweise Bodentrog kaum noch ostwärts
voran und schwächt sich zunehmend ab. Damit dürften die Niederschläge den
äußersten Nordosten und Osten gar nicht mehr erreichen, und auch sonst fallen
über der östlichen Mitte nur noch wenige Zentimeter Schnee. Zudem gehen die
Niederschläge von Westen bis zur Mitte in tiefen Lagen in Regen über.
Im Übergangsbereich zur Kaltluft und zu den Schneebereichen deuten die Modelle
die Möglichkeit von gefrierendem Regen an. Dies wird durch Prognosesoundings
gestützt, die oberhalb einer flachen Kaltluftschicht eine warme Nase zeigen. Da
die Böden noch tief gefroren sind, ist dies durchaus möglich, auch wenn der dann
noch leichte Regen häufig in Schnee übergeht.
Interessant wird es auch in der Südwesthälfte: In der labilen Höhenkaltluft wird
etwas CAPE simuliert. Es ist mit kräftigen Schauern und kurzen Graupelgewittern
zu rechnen. Die Höhenwinde lassen zwar bis zum Mittag deutlich nach (W925 von
rund 30 auf unter 20 kn fallend), die bodennahe Windscherung bleibt jedoch recht
kräftig. Somit sind neben Windböen auch einzelne stürmische Böen nicht
ausgeschlossen.
Die Schauer fallen häufig bis in mittlere Lagen als Regen oder vereinzelt
Graupel. In höheren Lagen (Westen >600 m, Südwesten >800 m) kann trotz guter
Durchmischung bei weiterhin negativen 850-hPa-Temperaturen weiterhin Schnee
fallen. Auch wenn dieser eher nass ist, kann es vorübergehend weiß werden
beziehungsweise die Schneedecke um wenige Zentimeter anwachsen.
Noch unsicher ist, wie rasch die Warmluft auch bodennah nach Osten ausgreifen
kann. Einige Modelle belassen den Frost östlich der Elbe, andere simulieren
einen stärkeren Ostwind, sodass die Niederschläge weniger weit nach Osten
vorankommen und der Dauerfrostbereich weiter westlich verbleibt.
Der im Bergland über der Südwesthälfte des Landes vor allem in der ersten
Tageshälfte teils stürmische Wind - mit schweren Sturmböen oder orkanartigen
Böen in Gipfellagen - lässt im Verlauf der Nacht mit abnehmenden Höhenwinden
nach. Der Wind weht aus West bis Südwest.
Auch an der See bleibt es bei Windböen, exponiert mit stürmischen Böen. Dort
weht der Wind aus Südost.
In der Nacht auf Dienstag verbleibt Deutschland unter Trogeinfluss, sodass es
weitere konvektive Niederschläge gibt, die jedoch tagesgangbedingt etwas
nachlassen. Mit der nordwestlichen Höhenströmung kann es vor allem im Stau der
Alpen und einzelner Mittelgebirge zeitweise kräftiger schneien. In tiefen Lagen
bleibt es oft etwas zu mild für Schneefall. Eine Ausnahme bildet der Nordosten
Deutschlands, wo jedoch nur wenige Zentimeter zu erwarten sind.
Interessant ist, dass wiederholt kurzwellige Anteile auf der Rückseite des
Langwellentroges in die nordwestliche Strömung eingelagert werden. So deutet
beispielsweise ein Modell in der zweiten Nachthälfte im Westen eine Verstärkung
der Niederschläge an. Das könnte im Bergland lokal markante Neuschneemengen
bedeuten. Bei entsprechend hohen Intensitäten ist vorübergehend auch Schneefall
bis in tiefere Lagen nicht ausgeschlossen. Allerdings bestehen hierbei noch
größere Modellunsicherheiten. So wollen EZ und GFS davon nicht viel wissen.
Dienstag... verbleibt Deutschland trogrückseitig in einer nordwestlichen
Grundströmung. Weiterhin werden kurzwellige Anteile simuliert. Ein stärkerer
Impuls soll am Dienstagnachmittag den Nordwesten erreichen und nachfolgend
südostwärts über Deutschland ziehen. Dahinter fließt nochmals ein Schwall
Kaltluft ein, sodass in der Nordosthälfte die 850-hPa-Temperatur auf unter -10
Grad sinkt. Zudem gehen die Temperaturen in 500 hPa auf etwa -35 Grad zurück.
Im Tagesverlauf muss wiederholt mit schauerartigen Niederschlägen gerechnet
werden. Die genauen Schwerpunkte und Intensitäten hängen an den kurzwelligen
Anteilen und sind derzeit nur schwer zu prognostizieren. Durch die nordwestliche
Anströmung ist jedoch allgemein in den Nordweststaulagen mit den stärksten
Niederschlägen zu rechnen, sodass vor allem die Alpen und der Bayerwald im Fokus
stehen.
Die Schneefallgrenze liegt im Südwesten am höchsten bei über 800 m, im Südosten
bei etwa 600 m. In den zentralen bis östlichen Mittelgebirgen liegt sie um 400
m. Im Norden und Nordosten kann es bis in tiefe Lagen etwas Neuschnee geben.
Dauerfrost bleibt vor allem Richtung Norden und Nordosten wahrscheinlich, wobei
die Modelle noch Unterschiede zeigen.
An den Küsten treten noch einzelne Böen bis Bft 7 auf. Sonst beschränken sich
warnwürdige Böen weitgehend auf das Bergland, wo es in exponierten Lagen noch
zeitweise stürmisch bleibt.
In der Nacht auf Mittwoch ändert sich an der Großwetterlage nur wenig. Es gibt
weiterhin konvektiv geprägte Niederschläge, wobei sich der Schwerpunkt in den
Osten und Nordosten verlagert und dort überwiegend als Schnee fällt.
Gleichzeitig können sich die Schneefälle im Alpenraum im Laufe der Nacht
intensivieren. Dort liegt eine Luftmassengrenze, während die nordwestliche
Höhenströmung bestehen bleibt. Die prognostizierten Mengen deuten auf eine
markante Dauerschneefalllage im Alpenbereich hin.
In den west- und südwestdeutschen Niederungen kann es frostfrei bleiben, sonst
tritt verbreitet leichter Luftfrost auf. Bei stärkeren Auflockerungen sowie im
höheren Bergland sind auch mäßige Fröste möglich. Häufig ist mit Glätte zu
rechnen.
Modellvergleich und -einschätzung
--------------------------------------------------------------
Grundlegend wird die Großwetterlage im Kurzfristbereich sehr ähnlich simuliert.
Im Detail gibt es aber doch Unsicherheiten. Das betrifft zum einen die Frage wie
lange und wie weit nach Südwesten sich noch der Dauerfrost halten kann. Ob es am
Montag über der östlichen Mitte eine gefrierende Regenphase gibt und welchen
Einfluss kurzwellige Anteile in der Nacht auf und am Dienstag selbst haben.
Gerade die letztere Sache bietet durchaus Überraschungspotential.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer