Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 19.06.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Etwas unsicher, Tendenz zu Hoch Mitteleuropa (HM), auch wenn's nicht 100%
passt.
Im Süden und in der Mitte heiß bis sehr heiß, von Nordwesten im Verlauf wieder
etwas weniger heiß. Dabei regional Gewittergefahr mit teilweise erhöhtem
Unwetterpotential.


Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Am heutigen Freitag... liegt Deutschland unter einem kräftigen Höhenrücken,
dessen Hauptachse in etwa über dem Osten unseres Landes liegt. Dabei sorgt
weiterhin anhaltende Zufuhr von Warmluft auch am heutigen Tag für weiteren
Geopotentialaufbau, wobei sich aber die Lage des Rückens kaum ändert. Die
Warmluftzufuhr manifestiert sich darin, dass in 850 hPa heute Mittag über dem
Süden Deutschlands 20°C erreicht werden sollen, doch auch im äußersten Norden
und Nordosten werden es schon in etwa 14 bis 16°C.

Eine weitere Eigenschaft der Höhenströmung ist, dass sie zwar prinzipiell
antizyklonal konturiert ist, aber dennoch leicht flatterhaft daherkommt, sprich,
es ziehen sehr schwache Kurzwellentröge über den Rücken hinweg, die vor allem im
Nordwesten auch mal vorübergehend etwas Hebung generieren können. Die Entstehung
dieser Kurzwellentröge ist primär durch Gewitterkomplexe initiiert, aber diese
Tröge pflanzen sich auch nach dem Absterben der Gewitter weiter fort und können
später wieder neue Gewitterkomplexe begünstigen.

Bodennah wird ein flaches Hoch über Südosteuropa durch den Höhenrücken gestützt,
während südlich Islands ein Tiefdruckgebiet liegt. Die bei uns vorliegende
Druckkonstellation sorgt primär für schwache, tagsüber auch mal mäßige Winde um
Süd. Sie wird aber durch unterschiedlich starke Einstrahlung und die oben
erwähnten Gewitterkomplexe immer wieder leicht modifiziert, so dass der Wind
auch mal etwas drehen kann. Über dem Nordosten deutet sich an, dass sich eine
Konvergenz oder ein flaches Tief bilden kann, was natürlich für die Auslösung
von Gewittern förderlich wäre.

Diese ziehen aktuell (in markanter Stärke über den Nordwesten des Landes und
sollen sich in den Vormittagsstunden Richtung Ostsee verlagern und sich leicht
abschwächen. ICON-RUC lässt aber im Raum Rothaargebirge schon am Vormitttag
einen neuen Gewitterkomplex entstehen.

Die Luftmasse ist landesweit recht labil geschichtet und insbesondere im Norden
und Westen auch sehr feucht, mit Taupunkten um 20°C, Grenzschichtfeuchten um 13
g/kg und resultierenden ppw's um 35 l/qm. In dieser Luftmasse sollen heute
CAPE-Werte von ca. 2000 J/kg realisiert werden, nach Süden hin wird es deutlich
weniger, zumindest aber punktuell über 1000 J/kg. Ausgelöst werden Gewitter von
lokalen Tiefs (wie oben beschrieben) oder über dem Bergland. Dabei ist die
Auslösung im Süden (abgesehen vom südlichen Baden-Württemberg und dem
südwestlichen Bayern) generell deutlich weniger wahrscheinlich als im Norden und
Nordwesten und Teilen der Mitte. Bestehende Gewitter verlagern sich dann mit
Geschwindigkeiten von 20 bis 30 km/h nordostwärts, auch im Süden ist etwas
Zuggeschwindigkeit da, so dass es heute zumindest keine Stehparties gibt. Die
Scherung ist aber abgesehen vom Norden generell mau, so dass es allenfalls dort
etwas besser organisierte Strukturen gibt. Als Hauptwettergefahr kommt bei
dieser Konstellation der Starkregen in Betracht, der schnell mal das
Unwetterkriterium reißen kann. Extremes Unwetter erscheint nach dem aktuellen
ICON-D2-EPS vor allem über den Schwarzwald realistisch. Größerer Hagel (2 bis 3
cm) ist aufgrund der sehr hohen CAPEs ebenso realistisch, deutlich mehr sollte
es im Süden nicht werden, im Norden mit etwas mehr Scherung und noch höherem
CAPE sind auch Korngrößen bis 5 cm nicht ausgeschlossen. Bei den Böen sollte
aufgrund der starken Zellen immer mit stürmischen Böen gerechnet werden. Je nach
Organisation kann es im Norden auch mal mehr werden. Im Süden steht aufgrund der
bis 800 hPa durchmischten Schicht reichlich DCAPE zur Verfügung, so dass auch
durchaus mal Böen bis Bft 10 in Betracht kommen. Auch die Bildung markanter Cold
Pools ist bei größeren Gewitterkomplexen vorstellbar, die dann auch
entsprechendes Böenpotential bieten. Das gibt viel Nowcasting-Arbeit heute!

Abgesehen davon treibt die meist reichlich vorhandene Sonne die Temperatur heute
wieder auf verbreitet über 30°C, vom Südwesten bis in den Osten bisweilen auf
über 35°C und örtlich im Südwesten bis 38°C. Nur im Küstenumfeld bleibt es
kühler.

In der Nacht zum Samstag soll ein markanterer Kurzwellentrog von Frankreich her
in den Südwesten Deutschlands gesteuert werden. Des Weiteren zeigen
konvektionserlaubende Modelle (ICON-D2, SuperHD, Arome), dass in den Westen oder
Südwesten ein größerer Gewitterkomplex gesteuert werden soll, der mehr oder
weniger gut mit dem von allen Modellen simulierten Kurzwellentrog
korrespondiert. Die Zugbahn dieses Komplexes ist aber noch unsicher, er könnte
irgendwo zwischen Rheinland-Pfalz und nördlichem Niederrhein auf Deutschland
übergreifen und nordostwärts ziehen.
Ziemlich sicher ist aber, dass bei den Begleiterscheinungen Böen bis 10 Bft,
Starkregen und Hagel sehr wahrscheinlich sind. Unwetter kann es wegen
Starkregens ebenso geben, die Wahrscheinlichkeit für extremes Unwetter nimmt
aber in der Nacht ab. Auch Böenpotential etwas über Bft 10 hinaus besteht und
auch größerer Hagel ist bis in die Nacht hinein bei dem gut organsierten Komplex
(Scherung nimmt etwas zu) durchaus möglich. In der zweiten Nachthälfte sollte
über dem Nordwesten Deutschlands (der Fokus liegt auf Niedersachsen) eine
Abschwächung eintreten, Unwetter sind aber auch dann nicht ausgeschlossen. Auch
SuperHD, welches die Gewitter weiter südlich übergreifen lässt, ist dann in
Übereinstimmung mit den anderen Modellen, weil es eine stärker nach Norden
gerichtete Zugbahn zeigt.

In den übrigen Regionen ist bei den Gewittern ein deutlicher Tagesgang zu sehen,
sprich: Sie werden im Laufe der Nacht weniger und schwächer und lösen sich
vielfach auf. Teils wird es in der Nacht klar, es muss aber auch regional mit
durchziehenden hohen und mittelhohen Wolkenfeldern gerechnet werden, die
konvektionsgeneriert sind die nächtliche Abkühlung ebenso behindern wie ggf.
auch mal auffrischender Wind durch sich abschwächende Outflow Boundaries. Die
Tiefstwerte liegen dann allgemein zwischen 22 und 16°C.

Am Samstag... schwenkt der Kurzwellentrog am Westrand des Höhenrückens vom
Westen bis in den Nordosten des Landes, so dass sich die Achse des Rückens
weiter nach Osten, nach Polen verschiebt. Rückseitig stellt sich eine insgesamt
recht glatte, vorübergehend nochmal etwas antizyklonale westsüdwestliche
Höhenströmung ein, bei weiterhin hohem Geopotential. Dies ist angesichts des
weiterhin hohen Temperaturniveaus auch nicht verwunderlich. Die bisweilen
stattfindende Gewitteraktivität unterbindet aber einen weiteren Anstieg, so dass
auch am Samstagmittag die 20°C-Isotherme in 850 hPa über dem Süden des Landes zu
finden ist. Etwas wärmer als zuvor wird es noch im Nordosten, während in den
Nordwesten von Westen her wieder etwas weniger warme Luft einsickert, so dass im
Nordseebereich am Abend die Temperatur in 850 hPa schon auf 14°C zurück geht.
Ggf. kann hier sogar eine Kaltfront analysiert werden. Die Winddrehung auf West
wird durch die allmähliche Dominanz eines neuen Hochschwerpunkts über den
Britischen Inseln eingeleitet, der rückseitig des Kurzwellentroges entsteht.
Teilweise dreht der Wind sogar auf Nordwest. Die Lage zwischen den beiden
Hochschwerpunkten begünstigt aber die Entwicklung regionaler Konvergenzen und
Druckminima über Deutschland, deren Lage aus heutiger Sicht aber noch spekulativ
ist, da sie stark von der konvektiven Vorgeschichte abhängt (Wo sind
Gewitterreste, wo verhindert Bewölkung die Einstrahlung, wo knallt hingegen sie
Sonne?).

Recht wahrscheinlich werden sich die höchsten CAPE-Werte wieder im Nordwesten
entwickeln, im Vorfeld der schwachen Kaltfront, wo noch deutlichere
Feuchteakkumulation (bis 15 g/kg) simuliert wird. Aber auch weiter zur
Landesmitte hin und Richtung Südosten werden am Samstag teils über 1500 J/kg,
teils auch 2000 J/kg simuliert. Dort bei geringfügig weniger Feuchte, dafür aber
steilerem Temperaturgradienten.

In der feuchtesten Luftmasse im Nordwesten scheint die Auslösung von Gewittern
trotz (oder wegen) der Anwesenheit der Kaltfront etwas weniger wahrscheinlich.
Dort soll nämlich flach einfließende Kaltluft von der Nordsee her die
Grenzschicht stabilisieren. Da aber durch die Präsenz der Kaltfront und leichte
Windkonvergenzen durchaus Hebungsantrieb vorhanden ist, sollte zumindest
abgehobene Konvektion etwas mehr ins Kalkül gezogen werden, als die Modelle das
derzeit simulieren. Der Schwerpunkt der stärkeren Konvektion soll sich aber
etwas mehr nach Osten und Südosten verlagern, der Westen und Südwesten, auf der
Rückseite des Troges, präsentiert sich dagegen mit nur geringer Gewitterneigung.
Bezüglich der Stärke gilt ähnliches wie heute, bzw. in der Nacht. Gewitter in
Ocker sind wahrscheinlich, ebenso wie lokaler Starkregen im Unwetterbereich,
sehr lokal auch im extremen Unwetterbereich. Die Scherung ist weiterhin recht
schwach, das hohe CAPE reicht aber für unwetterartigen Hagel um 3 cm und die
Eigendynamik der Gewitter (auch wieder hohes DCAPE) lässt auch punktuell
orkanartige Böen zu. Eine genauere Analyse der morgigen Gewitterlage lohnt an
dieser Stelle noch nicht, eben wegen der oben schon erwähnten Unsicherheit der
konvektiven Vorgeschichte.

Das Temperaturniveau nimmt in den meisten Regionen im Vergleich zu heute etwas
ab, im Nordwesten sogar etwas deutlicher. Lediglich im Nordosten, wo die
Warmluft erst morgen richtig ankommt, weitet sich die 30°C-Höchsttemperatur bis
zur Ostsee aus. Die Sonnenanteile sind im Osten etwas geringer, im Westen
dagegen wieder sehr hoch.

In der Nacht zum Sonntag liegen wir im Bereich einer recht glatten
westsüdwestlichen Höhenströmung, die über dem Norden deutlich stärker ist als
über dem Süden. Das oben schon erwähnte Hoch verstärkt sich noch etwas und baut
eine umfassende 1025er Isobare auf, wobei sich der Schwerpunkt ostwärts in die
Nordsee verlagert. Abgesehen vom Süden dreht der Wind damit in den meisten
Landesteilen auf nördliche Richtungen, ist in der Nacht aber generell schwach.

Die Gewitteraktivität sollte sich in der Nacht allgemein nach Osten (also Polen
und Tschechien verlagern) und sich tagesgangsbedingt deutlich abschwächen oder
auflösen. Insgesamt simulieren die Modelle in der Nacht recht wenig Konvektion
hierzulande. Allerdings reicht in der aufgeheizten und regional feuchten
Atmosphäre, die jetzt auch nicht unter starkem Absinken liegt, ein kleiner
Trigger zu einer erneuten Auslöse, oder es zieht was von Westen herein, wie das
ICON zeigt. Somit kann es auch im Nachtverlauf zu Gewittern kommen, durchaus mit
Starkregenpotential lokal bis in den Unwetterbereich. Die Hagel- und Sturmgefahr
bleibt dann wohl eher im Ockerbereich, sollten nicht überraschenderweise stärker
organisierte Systeme entstehen.

Die etwas weniger heiße Luftmasse weitet sich im Norden noch etwas ostwärts aus
und sollte dort Konvektion unterdrücken. Nach Süden kommt sie aber kaum voran.
Dort wird meist klarer Himmel simuliert, im Norden dagegen stärkere Bewölkung.
Die Tiefstwerte liegen meist wieder bei 22 bis 16°C, so dass wieder regional
eine Tropennacht droht. Im Nordwesten wird es stellenweise etwas kühler.


Am Sonntag... liegen wir im Bereich einer recht glatten, nur leicht zyklonalen
westlichen Strömung bei weiterhin sehr hohem Geopotential. Dabei sind von Norden
nach Süden recht unterschiedliche Luftmassen dominierend. Im Norden, nördlich
der schwachen Kaltfront liegt eine etwas trockenere, etwas weniger warme (11 bis
14°C) und etwas stabilere Luftmasse. Im Übergangsbereich, etwa im Süden der
Norddeutschen Tiefebene und am Nordrand der Mittelgebirge liegt eine sehr
feuchte Luftmasse mit Grenzschichtfeuchten von 13 bis 15 g/kg und hohen ppw's
über 40 l/qm. Nach Süden hin, in der heißen Luftmasse (18 bis 21°C in 850 hPa)
ist die Feuchte dagegen wieder geringer.

Der Wind kommt dabei am Rande des Hochs, das immer noch recht kräftig über der
Nordsee liegt, überwiegend aus Nord bis Ost, die Luftmassengrenze bewegt sich
aber trotzdem kaum nach Süden. Es sieht auch nicht danach aus, dass sie sich
flach hereinschiebt und die Temps damit einen kalten Fuß bekommen.

Im Norden stellt sich bei recht viel Sonnenschein ein warmer Sommertag mit
Höchstwerten meist zwischen 25 und 30°C ein, bei dem recht kräftigen auflandigen
Wind wird es an den Küsten sogar deutlich kühler.

Im Süden bleibt es dagegen bei der brachialen Hitze mit Höchstwerten teils über
35°C. Auch dort ist es überwiegend sonnig, wird aber auch labil und vor allem
nach Osten zu soll es auch recht feucht sein, so dass insbesondere dort hohes
CAPE simuliert wird. Dort erscheinen dann einzelne heftige Gewitter über dem
Bergland recht wahrscheinlich, nach Westen zu weniger wahrscheinlich. Für die
Begleiterscheinungen gilt ähnliches wie an den Vortagen.

Etwas spannender wird es in der Mitte und nördlichen Mitte, wo bei Temperaturen
um oder über 30°C in der feuchten Luftmasse ordentlich CAPE aufgebaut wird mit
Werten teils um 2000 J/kg. Im Prinzip ähnelt die Luftmasse sehr stark
äquatorialen Verhältnissen, auch wenn hierzu noch etwas Feuchte fehlt.
Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Vorhersage. Insgesamt gibt es etwas
mehr Quellbewölkung, Gewitterauslösung sollte vor allem an den Bergen
stattfinden, nachfolgenden ziehen die Zellen mit der in der Höhe zunehmenden
Strömung ostwärts (doch noch ein Unterschied zum Äquator...). Dabei ist das
Starkregenpotential bis in den Unwetterbereich wieder gegeben, ebenso kann es
allein aufgrund des CAPEs wieder größeren Hagel geben. Böen sollten in der
feuchten Luft nicht im Mittelpunkt stehen, auch die Scherung ist nicht
überragend, so dass wir wohl überwiegend mit Multizellenkomplexen rechnen
müssen.

In der Nacht zum Montag verstärkt sich ein Höhenrücken über Südwesteuropa und
weitet sich Richtung Britische Inseln und Ärmelkanal aus, sodass bei uns das
Geopotential wieder steigt und die Strömung antizyklonal wird. Dies begünstigt
einen Abzug der Gewitter aus der Mitte nach Osten, im Süden dürfte die ohnehin
ausschließlich vom Tagesgang angetriebene Konvektion zusammenfallen. Damit wird
es also im Nachtverlauf zunehmend trocken und gering bewölkt.

Das Hochdruckgebiet wird über dem Nordseeraum durch den Höhenrücken noch
gestärkt und weitet sich etwas nach Osten aus, so dass der recht schwache
nächtliche Wind zunehmend auf Ost dreht.

Die Temperatur geht wieder meist auf 22 bis 17°C zurück, ganz im Norden kann es
wieder deutlich kühler werden mit Tiefstwerten von 15 bis 9°C.


Modellvergleich und -einschätzung
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Der Ablauf der großskaligen Wetterentwicklung ist recht sicher. Bezüglich der
genauen Lage und Ausprägung der Gewitter gilt das wie so oft nicht. Die Lage ist
stark geprägt von der allenfalls für einige Stunden prognostizierbaren
Eigendynamik der Gewitter, die auch auf größere Skalen rückkoppelt und damit die
Gewitterentwicklung in der Folge beeinflusst. Ergo: Die genaue Entwicklung,
insbesondere für die Schwerpunkte der starken Gewitter, ist für einen oder zwei
Tage im Voraus kaum vorhersagbar.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann