Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 29.07.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Am Donnerstag gebietsweise Sturm und schwere Gewitter

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... ist die Lage ruhig. Der Hochdruckeinfluss verabschiedet sich gen
Osten, die Keilachse hat uns bereits überquert und wie allmählich gelangen auf
die Vorderseite eines Troges über Westeuropa. Die Strömung ist aber noch
antizyklonal konturiert. Die Zufuhr heißer bis sehr heißer Luftmassen dauert an.
Einzig in den Alpen kann die Orographie zur Auslöse von Gewittern beitragen,
sonst reicht weder Cape noch Scherung.

Donnerstag ... ist schon wesentlich interessanter. Die Lage hat sich zu den
Frühmodellen kaum geändert. Anfangs überwiegt noch der antizyklonale Charakter,
aber der Langwellentrog rückt von Westen her näher. Er gehört zu einem
Tiefkonglomerat über dem Nordmeer und Skandinavien. Die Strömung steilt auf und
heiße Luft (um 20 Grad in 850 hPa) erreicht auch den Norden und Osten
Deutschlands. Am Boden sind örtlich bis an die 40 Grad möglich, verbreitet
werden 35 bis 38 Grad erreicht. Ein aus dem Langwellentrog vorlaufender
kurzwelliger Anteil erreicht gegen Mittag Westdeutschland und zieht in der Folge
langsam ost-nordostwärts. Am späten Abend erreicht er den Nordosten.
Die Hebungsantriebe nehmen enorm zu, die Grundschicht ist allerdings trocken.
Eine Auslöse erzeugt zunächst also kaum Niederschlag, dafür aber mächtig Böen,
die lassen sich auch in allen Modellen und EPSen finden. Mindestens reicht es
für Sturmböen (Bft), wenn nicht gar schwere Sturmböen (Bft 10). Und das auch
abseits von Gewittern, denn mit leidlich Cape im Süden und über der Mitte ist
eine Auslöse fraglich, der Durchgang der Konvergenz aber gesetzt. Nach Norden
hin simulieren die Lokalmodelle mit mehr CAPE (um 1000 J/kg) gar Böen der Stärke
12 Bft. Dort ist auch etwas mehr Feuchte vorhanden, was den Gewittern neben
Downburstpotential vor allem zwischen Ostwestfalen und Mecklenburg noch eine
Regenkomponente hinzufügt. Die Mengen dürften bei 15 bis 20 l/qm, lokal
vielleicht 25 l/qm in kurzer Zeit liegen. Auch der Hagel spielt nur eine
untergeordnete Rolle, kann aber kleinkörnig ausfallen. Die weitaus höhere Gefahr
stellt der Wind dar. Immerhin sind Bäume und Sträucher voll belaubt und bieten
große Angriffsfläche.
In der Nacht zum Freitag zieht der Kurzwellentrog über den Nordosten ab.
Dahinter folgen noch kleine Schauer und Gewitter, die aber vergleichsweise
harmlos ausfallen. Mit der Entwicklung eines kleinen Tiefs über den Niederlanden
wird die Kaltfront des Randtiefs über Südskandinavien zurückgehalten und wellt
sich leicht. Dennoch fließen in den Nordwesten Deutschlands schon kühlere
Luftmassen.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... liegen wir immernoch auf der Vorderseite des Langwellentroges über
Westeuropa. Das Tief über den Niederlanden verlagert sich kaum. Die wellende
Front kommt nicht wirklich voran. Allerdings kann in den Norden und Nordwesten
deutlich kühlere Luft fließen. Sonst ist jedoch nach wie vor heiße Luft
vorherrschend. In der zweiten Tageshälfte zieht ein weiterer Kurzwellentrog von
Westen her ins Land. Er labilisiert die angefeuchtete und teils noch heiße Luft
und es bilden sich bevorzugt im Westen und über der westlichen Mitte Gewitter,
die zunehmend verclustern und sich am Abend ost-nordostwärts verlagern. Die ppw
reichen bis 40 mm, die Scherung ist deutlich besser als am Vortag. Somit liegt
der Fokus auf Starkregen und Hagel, weniger auf den Böen.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die Lage sehr ähnlich. Es gibt leidglich bei den
Lokalmodellen leichte zeitliche Verschiebungen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jacqueline Kernn