Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 18.04.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Kommende Nacht in Teilen des Westens nur geringe Wahrscheinlichkeit, am Sonntag
und in der Nacht zum Montag in Teilen des Ostens und Nordostens erhöhte
Wahrscheinlichkeit für markanten Starkregen/Dauerregen. Zudem am Sonntag im
Süden vor allem südlich der Donau markante Gewitter, lokal Unwetter nicht
ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... gelangt Deutschland zunehmend auf die diffluente Vorderseite eines
Höhentroges über Großbritannien und der Nordsee. Er schwenkt in der Nacht ein
wenig weiter ost-/nordostwärts, sodass die Achse des Troges in den Morgenstunden
den äußersten Westen des Landes erreicht. Korrespondierend dazu befindet sich im
Bodendruckfeld das Tief WALTRAUD mit Kern nördlich der Färöer-Inseln. Dessen
Kaltfront hat eingelagert in eine flache Tiefdruckrinne am Nachmittag auf den
äußersten Nordwesten Deutschlands übergegriffen. Sie kommt am Abend und in der
Nacht langsam weiter landeinwärts voran und erreicht Sonntagfrüh etwa eine Linie
von der Odermündung bis nach Rheinland-Pfalz. In Verbindung mit der Kaltfront
kommt es zunächst nur gebietsweise zu meist leichten schauerartigen Regenfällen.

Mit Annäherung der Trogspitze und deutlich zunehmender PVA wird aber die Front
über dem Westen Deutschlands aktiviert und die Regenfälle intensivieren sich in
der zweiten Nachthälfte. Vor allem im nördlichen Rheinland-Pfalz, im südlichen
NRW und in Mittel- und Nordhessen können nach der deutschen Modellkette teils 10
bis 20 l/m² in 3 bis 6 Stunden fallen. Andere Modelle sind teils
zurückhaltender, bzw. prognostizieren die Niederschlagsschwerpunkte etwas
anders. Auf Basis von ICON-D2-EPS gibt es auch geringe Wahrscheinlichkeiten für
Mengen über 20 l/m² innerhalb von 6 Stunden. Zudem können mit der zunehmenden
Labilisierung der Luftmasse auch Gewitter eingelagert sein.
Präfrontal befindet sich eine sehr milde (T850 zwischen +4°C im Norden und +10°C
an den Alpen) Luftmasse, die auch etwas mit Feuchte angereichert ist und vor
allem vom zentralen bis zum östlichen Bergland wenige hundert J/kg CAPE
aufweist. So haben sich dort ausgehend von den Mittelgebirgen Schauer und auch
einzelne Gewitter entwickelt. Diese können dort mit der zunehmenden Hebung an
der Trogvorderseite auch eingangs der Nacht noch vereinzelt weiter auftreten.
Diese wird man weiterhin meist mit "gelb" bewarnen können. Allenfalls wenn sich
langsam ziehende Zellen zu Multizellen verclustern, besteht die Möglichkeit,
dass punktuell Starkregenkriterien erreicht werden. Gleiches gilt für
vereinzelte Gewitter knapp präfrontal im Nordwesten.
Im Süden bleibt es noch überwiegend trocken, erst ausgangs der Nacht sind mit
Annäherung des Troges erste Schauer möglich.
Auch im Nordwesten trocknet es rückseitig der Front rasch wieder ab und es
fließt eine etwas kältere Luft ein mit Werten in 850 hPa um 0°C.
Die Tiefstwerte liegen in der Nacht meist bei 11 bis 7°C, im Nordwesten kann es
auf 7 bis 4°C Grad abkühlen.

Sonntag ... tropft der wetterbestimmende Trog ab und es bildet sich über der
Nordsee ein abgeschlossenes Höhentief aus. Die Trogspitze verlagert sich über
Deutschland weiter ostwärts. Entsprechend kommt auch die Kaltfront weiter ost-,
südostwärts voran, wobei sich an der Front im Bereich der kräftigsten Hebung
bereits am Vormittag ein Wellentief über der Mitte Deutschlands ausbildet und
schließlich am Abend als kleinräumiges Tief den Westen Polens erreicht.
Die recht kräftigen schauerartigen und teils gewittrigen Regenfälle verlagern
sich von Hessen weiter ostwärts über Thüringen und Sachsen-Anhalt hinweg bis
nach Sachsen, Brandenburg und schließlich Vorpommern. Dabei können regional
weiterhin Niederschlagsmengen zwischen 10 und 20 l/m² innerhalb von 3 bis 6
Stunden auftreten. Die genaue Zugbahn ist weiterhin unsicher. Die externen
Modelle lassen das Niederschlagsgebiet etwas rascher und auf etwas nördlicherer
Zugbahn ostwärts verlagern. Bei GFS und UK10 gibt es ähnlich zur deutschen
Modellkette ebenfalls Hinweisen auf markante Regenmengen. Auch bei ICON-D2 EPS
sind die Wahrscheinlichkeiten für Mengen über 20 l/m² erhöht. Insofern scheint
die Ausgabe einer markanten (gewittrigen) Starkregenwarnung für Teile des Ostens
und Nordostens wahrscheinlich.
Abseits der kräftigeren Regenfälle können sich im Süden bereits im Laufe des
Vormittags mit Annäherung der Front Schauer und Gewitter entwickeln. Vor allem
südlich der Donau sind bei einigen hundert J/kg CAPE und zunehmend mäßiger
Scherung auch einzelne stärkere Entwicklungen nicht ausgeschlossen. Dabei steht
weniger der Starkregen im Fokus, sondern vielmehr die Gefahr von Hagel oder
Hagelansammlungen sowie stürmischen Böen Bft 8. Die Bildung einer Superzelle ist
ebenfalls denkbar, die dann auch mit noch stärkeren Böen verbunden sein kann.
Auch postfrontal können sich im Bereich des Höhentroges im Nordwesten einzelne
Schauer und Gewitter entwickeln, diese sollten aber im gelben Warnbereich
bleiben.
Durch die Bildung des kleinräumigen Tiefs an der Front und einem von den
Britischen Inseln nachrückenden Hochkeil nimmt der Druckgradient über dem Osten
und Südosten Deutschlands etwas zu. Vor allem vom Südosten Bayerns bis nach
Sachsen frischt der Wind merklich auf. Vor allem im Bergland, also vom
Erzgebirge über den Bayerischen Wald bis in das östliche Alpengebiet sind Böen
Bft 8 bis 9 aus West bis Nordwest möglich.
Größere Auflockerungen gibt es in den westlichen Landesteilen, wo es nach Abzug
des kräftigen Regens meist trocken bleibt. In der einfließenden kühleren
Luftmasse (nur noch um 0°C in 850 hPa) wird es bei weitem nicht mehr so mild wie
am Vortag mit meist nur noch 12 bis 16°C, in Gebieten mit mehr Sonne sowie
präfrontal nochmal bis 19°C. An der See werden bei auflandigem Wind nur noch um
10°C erreicht.

In der Nacht zum Montag verlagert sich das Höhentief weiter südwärts und
verbindet sich mit einem weiteren Höhentief über Osteuropa. Davon ausgehend
ergibt sich eine Geopotentialrinne über Mitteleuropa hinweg bis zur Nordsee, in
die mehrerer kleine Höhentiefkerne eingelagert sind. Im Bereich der Rinne, die
sich auch im Bodendruckfeld abzeichnet, kommt es auch in der Nacht vor allem von
Sachsen und Brandenburg bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein
zu weiteren teils kräftigen und mitunter länger anhaltenden Regenfällen. Dabei
sind auf Basis aller Modelle regional 10 bis 20, lokal auch 30 l/m² in 6 Stunden
möglich. Über einen Zeitraum von 12 Stunden sind lokal auch bis 40 mm nicht
ausgeschlossen, sodass vor allem von Ostsachsen über Brandenburg bis nach
Vorpommern auch markante Dauerregenwarnungen denkbar sind. Allerdings gibt es
nach wie vor größere Modellunterschiede bezüglich des Niederschlagsschwerpunkts.

Über dem Süden zieht die Front südostwärts ab, sodass die Schauer und Gewitter
zum Erliegen kommen und letzte frontale Regenfälle an den Alpen in der zweiten
Nachthälfte nachlassen. Sonst bleibt es überwiegend trocken mit teils größeren
Auflockerungen.
Zwischen der Bodenrinne und einem weiteren Hoch über Skandinavien nimmt der
Druckgradient auch über dem Nordosten etwas zu und an der Ostsee sind einzelne
Böen Bft 7 aus Ost bis Nordost zu erwarten.
Die Tiefstwerte liegen meist bei 6 bis 1°C, insbesondere im Süden und im
westlichen Bergland gibt es Frost in Bodennähe.

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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Montag ... ergeben sich keine signifikanten Änderungen zu den Aussagen aus der
Frühübersicht.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modellunterschiede bzgl. der Niederschlagsschwerpunkte sowohl in der
kommenden Nacht, als auch am Sonntag und in der Nacht zum Montag wurden bereits
im Text angesprochen. Die Ausgabe einer Starkregenwarnung (oder Dauerregen) für
die kommende Nacht ist als gering wahrscheinlich, für Teile des Ostens und
Nordostens am Sonntag und in der Nacht zum Montag als wahrscheinlich anzusehen.



Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Johanna Anger