Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 25.06.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL HM
Anhaltend starke bis extreme Wärmebelastung. Am Samstagnachmittag und in der
Nacht auf Sonntag Im Westen und Nordwesten starke Gewitter mit erhöhter
Unwettergefahr.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... verstärkt sich die Hitzewelle in großen Teilen Deutschlands
weiter. Grund dafür ist die Verlagerung des Schwerpunktes des Höhenrückens
weiter ostwärts. Das Höhenhochzentrum verlagert sich im Verlauf vom Ärmelkanal
über Benelux bis in den Westen Deutschlands. Damit kommt auch die 20-Grad-Marke
in 850 hPa weiter ostwärts voran. Zudem verstärkt sich das Absinken, sodass es
vielerorts auch am Nachmittag nur wenige Wolken gibt.
Eine Ausnahme bildet der Norden. Derzeit erkennt man über der Nordsee ein Feld
mit Seenebel, das sich nun sukzessive landeinwärts schiebt und im Verlauf große
Teile des Nordwestens erreicht. Mit dem fortschreitenden Tagesgang und beim
weiteren landeinwärtigen Vorankommen dürfte sich diese recht flache
Feuchteschicht aber zunehmend zersetzen.
Das Feuchtefeld ist an eine schwache Kaltfront gekoppelt, die an der Ostflanke
des Hochs nach Südosten läuft und in 850 hPa gut zu erkennen ist. Rückseitig
dreht die Strömung auf Nordwest, sodass die Regionen nördlich von Hamburg bei
den Maxima oft noch unter 30 Grad bleiben. Direkt an der Nordsee werden gerade
einmal 20 Grad erreicht. Zudem ist die postfrontal einfließende Luft recht
trocken, sodass auch die darauffolgende Nacht angenehm kühl ausfallen wird. Die
Minima im 5-cm-Bereich liegen teilweise sogar unter 10 Grad.
Im Rest des Landes ist davon jedoch nichts zu spüren. Stattdessen nähern wir uns
allmählich der 40-Grad-Marke an. Schon die Nacht ist in weiten Teilen des Landes
außerordentlich warm verlaufen. In den Ballungszentren ging die Temperatur
zumeist nicht unter die 20-Grad-Marke zurück, wobei es im Westen und Südwesten
am wärmsten geblieben ist. Das gilt neben den Ballungszentren auch für leicht
erhöhte Lagen (Weinbiet, Mainz-Lerchenberg, Bad Bergzabern). Dort lagen die
Minima oft zwischen 23 und 26 Grad.
Im Tagesverlauf werden von der Mitte bis in den Süden Maxima zwischen 34 und 39
Grad erreicht, mit den höchsten Werten im Südwesten. Auch die darauffolgende
Nacht auf Freitag wird wieder außerordentlich mild. Vor allem im Westen und
Südwesten werden verbreitet Tiefstwerte oberhalb der 20-Grad-Marke erwartet,
örtlich auch oberhalb von 25 Grad.
Die hohen Minima sind auch auf die hohe Luftfeuchte zurückzuführen. Bei
Taupunkten teils oberhalb der 20-Grad-Marke muss entsprechend auch am Tag mit
einer hohen Schwüle gerechnet werden.
Von der Hitze abgesehen werden keine warnwürdigen Wettererscheinungen erwartet.


Freitag... liegt die Achse des Höhenhochs nun über Deutschland, wobei sich das
Höhenhochzentrum über dem Süden befindet. Am Boden verlagert sich der
Hochschwerpunkt hingegen bereits nach Osteuropa und in den Bereich der
Baltischen Staaten. Im Tagesverlauf kann sich damit eine Bodentiefdruckrinne mit
eingelagerter Konvergenz von Frankreich bis nach Benelux ausbilden.
Für Deutschland dominiert tagsüber weiterhin das Absinken, und die Sonne scheint
nahezu ungestört. Die Temperatur in 850 hPa liegt nun deutschlandweit oberhalb
der 20-Grad-Marke, sodass verbreitet Maxima deutlich über 30 Grad erwartet
werden, wenn man von den Küstenregionen mit auflandigem Wind absieht. Häufig
liegen die Werte auch über 35 Grad. Im Westen und Südwesten könnte erstmals in
einem Juni die 40-Grad-Marke überschritten werden.
Auch bei den nächtlichen Minima muss man schon suchen, um noch Regionen unter
der 20-Grad-Marke zu finden. Vor allem im Südwesten und Westen liegen diese
häufiger auch über der 25-Grad-Marke.
Je nachdem, ob sich tagsüber von Ostfrankreich bis nach Benelux ein größerer
Gewittercluster ausbildet, könnte der Nordwesten Deutschlands eingangs der Nacht
in dessen Einflussbereich geraten. Dann wären starke Gewitter bis hin zu
Unwettern durchaus wahrscheinlich. Die CAPE-Werte liegen über 2000 J/kg.

Allerdings muss man auch feststellen, dass die Modelle eine Auslösung aufgrund
des starken Deckels zuletzt eher zurückgerechnet haben.


Samstag... verlagert sich die Achse des kräftigen Rückens langsam nach
Osteuropa. Damit gelangt Deutschland von Westen her in eine südwestliche
Höhenströmung, und die Hitzewelle erreicht dort ihren Höhepunkt. Die Temperatur
in 850 hPa steigt auf Werte um 25 Grad. Somit werden vielerorts Spitzenwerte von
über 35 Grad, teils auch über 40 Grad erwartet. An vielen Stationen werden damit
die Allzeitrekorde angegriffen. Selbst an den Küsten kann bei ablandig wehendem
Wind die 30-Grad-Marke überschritten werden. Die Minima in der Folgenacht liegen
erneut vielfach oberhalb von 20 Grad, vereinzelt auch oberhalb von 25 Grad.
Vor allem über dem Westen und Nordwesten kann sich eine energiereiche Luftmasse
ansammeln. Bei hoher Labilität liegt die spezifische Feuchte teils über 15 g/kg,
und es werden CAPE-Werte von über 3000 J/kg erwartet. Fragezeichen stehen noch
über der Auslösung, da ein gewisser Deckel auf der Luftmasse liegt, wie man auch
gut den Prognosesoundings entnehmen kann. Zudem ist die Höhenströmung weiterhin
antizyklonal konturiert, und es werden zunächst keine kurzwelligen Anteile
simuliert. Auf der Mesoskala können sich lokale Druckminima mit eingelagerten
Bodenkonvergenzen ausbilden.
Es ist also nicht von einer verbreiteten Auslösung auszugehen. Je später der
Nachmittag wird, desto stärker werden schließlich die Signale in den
hochaufgelösten Modellen.
Ein wichtiger Faktor dabei ist die im Vergleich zur Nordsee deutlich stärkere
Überhitzung der Landmasse, sodass sich mit dem dadurch entstehenden Hitzetief
der Seewind deutlich verstärken dürfte. Das erkennt man auch gut, wenn man sich
die Bodenwindentwicklung im ICON-Modell anschaut, wo teils sogar Böen bis Bft 7
simuliert werden. Damit verstärkt sich die Bodenkonvergenz, und das könnte
schließlich der entscheidende Trigger für die Auslösung sein. Diese wird
zunächst von Niedersachsen bis Schleswig-Holstein simuliert und verlagert sich
bis zum Abend weiter ost-südostwärts. Auch mit Unterstützung der Orographie
können im Westen einzelne Hitzegewitter ausgelöst werden.
Die Scherungswerte sind noch recht überschaubar, nehmen aber im Nordwesten zu
und können dort zwischen 10 und 15 m/s liegen, sodass sich die Konvektion
durchaus besser organisieren kann. In Verbindung mit den hohen CAPE-Werten muss
mit größerem Hagel gerechnet werden. Zudem liegen die PPW-Werte vielfach
deutlich über 40 mm, sodass Starkregen bei moderaten Zuggeschwindigkeiten bis in
den extremen Unwetterbereich hinein ein Thema werden könnte. Schließlich ist
auch der Spread im unteren Troposphärenbereich und in der Grenzschicht recht
hoch, sodass die DCAPE-Werte oft oberhalb von 500 J/kg liegen. Entsprechend muss
auch mit Sturmböen, bei besser organisierten Zellen sogar mit deutlich stärkeren
Downbursts gerechnet werden.
Sollte sich dies bestätigen, wäre die Ausgabe einer Vorabinformation aufgrund
der heftigen Begleiterscheinungen sinnvoll.
Eingangs der Nacht sollten sich die Gewitter, die durch Orographie und
Seewindkonvergenz ausgelöst wurden, zunächst wieder abschwächen und auflösen.
Anschließend richtet sich der Blick nach Westen, wo über Benelux eine Bodenrinne
gerechnet wird, in die eine erste Kaltfront eingelagert ist. Im Bereich dieser
Tiefdruckrinne deuten die Modelle die Entwicklung eines größeren
Gewitterclusters beziehungsweise MCS an, das nachfolgend auch auf den Westen und
Nordwesten übergreifen kann. Details sind diesbezüglich noch nicht möglich. Bei
deutlich ansteigenden Scherungswerten besteht jedoch erneut eine deutlich
erhöhte Unwettergefahr. Insbesondere auch durch großräumige
Windgeschwindigkeiten bis im Unwetterbereich.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Entwicklung der Großwetterlage wird recht einheitlich vorhergesagt. Das
große Fragezeichen ist die Gewitterauslöse am Freitag / Nacht auf Samstag.
Ebenso gibt es noch Unsicherheiten bei der Entwicklung einer bzw. zweier
Schwergewitterlagen am Samstag bzw. in der Nacht auf Sonntag.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer