Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von TrW (Trog Westeuropa) zu NWa (Nordwest antizyklonal.
Heute noch gebietsweise Gewitter und (Stark)Regen. Ab Donnerstag vor allem an
den Küsten, am Freitag bis in nord- und ostdeutsche Binnenland ausgreifend
windig bis stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
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Mittwoch... starten wir in das zweite Drittel eines bisher äußerst
schlagzeilenträchtigen meteorologischen Sommers und tun das mit ordentlich
Tamtam. Zu viel Tamtam, so die Ausführungen der soeben in den wohlverdienten
Feierabend entlassenen Nachtdienste, die ´ne Menge konvektive Ballerei zu
verwalten hatten. Gleich mehrere Multizellensysteme sind im Grunde seit gestern
Nachmittag von Süd-Südwest in Richtung Nord-Nordost unterwegs, die sich in den
mittleren Landesteilen inzwischen zu einem großräumigen Cluster vereinigt haben.
Dieser weist am frühen Morgen zwar noch mehre Gewitterherde auf, präsentiert
sich in Teilen aber schon ungewittrig, gleichwohl aber noch starkregenlastig.
Von Süden folgen noch ein paar nicht zu vernachlässigende "Nachgeburten", von
denen es vor allem das System aus der Schweiz bzw. dem Vorarlberg zu beachten
gilt. Aber auch sonst hat der heutige 1. Juli noch ein paar konvektive
Überraschungen parat, bevor sich für ein paar Tage eine Nordwestlage mit nach
Norden hin durchaus frühherbstlichem Touch (Wind) einstellt.
Bevor wie darauf zu sprechen kommen, erstmal zur die Lage von heute. Prägendes
Gebilde ist ein gut definierter, weil scharf geschnittener KW-Trog, dessen Achse
gerade dabei ist, die westlichen Grenzen des Vorhersageraums zu übertreten. Bis
zum Abend erreicht der Trog die Mitte des Landes, wobei er im Süden, genauer
gesagt südlich der Alpen eine Abtropfung anstrebt. Wichtiger als das ist aber
die Tatsache, dass die hebungsfreudige (PVA, weniger WLA) Vorderseite im Süden
und Osten mit einer nicht überbordend labilen, aber sehr feuchten (PPWs bis 40
mm) Subtropikluft (xS) sowie der Kaltfront des flachen Tiefs YUNA über den
Nordwesten Polens interagiert. Das erklärt die o.e. Gewittersysteme, die nun in
den folgenden Stunden aber unterschiedliche Laufbahnen einschlagen. So schwächt
sich der große Regenkuchen aus der Mitte (Blitze treten kaum noch auf) auf
seinem Weg in Richtung Nord-Nordost alsbald ab, was vornehmlich der
nachlassenden PVA zuzuschreiben ist. Wahrscheinlich tritt anfangs regional
begrenzt noch nicht-elektrischer Starkregen auf, der bis zum Mittag aber
ebenfalls immer schwächer wird.
Anders die Situation bei dem System, das sich gerade im äußersten Süden formiert
respektive die Grenze überschritten hat und nun in den nächsten Stunden via
Oberschwaben/bayerisch Schwaben und Ober- Richtung Niederbayern zieht. Hier
bilden ein PVA-Maximum im Bereich der Trogspitze, Gegenstrom (bis etwa 600 hPa
Nordwest, darüber Süd) sowie eine hochreichend gesättigte, in den Lapse-Rates
gar nicht mal so steile Luftmasse einen harmonischen Dreiklang, der mit Hilfe
von etwas Scherung der ungünstigen Tageszeit trotzt. Im Vordergrund steht dabei
der Starkregen (nicht zwingend durchweg gewittrig), teils auch mehrstündig mit
Unwettergefahr (> 25 l/m² innert kurzer Zeit bzw. 35 bis 60 l/m² innert weniger
Stunden). Hagel (nicht allzu groß) kann ebenso nicht ausgeschlossen werden wie
Böen 7-8 Bft, worst case 9 Bft.
Nachdem sich die gesamte Szenerie bis Mittag bzw. in der Mittagszeit etwas
beruhigt hat, erfolgt am Nachmittag bis in den Abend hinein noch mal ein
konvektives Aufflackern. Zwar ist die von Nordwesten einströmende Meeresluft
(Tmax 19 bis 26°C) nicht mehr ganz so pitschefeucht wie die Luftmasse zuvor.
Dafür nimmt im Trogbereich die Labilität etwas zu, so dass mit Hilfe des
Tagesgangs ein paar Überentwicklungen gezündet werden können. Insbesondere im
Norden (außer Nordosten) können einige hundert Joule pro Kilogramm CAPE
aufgebaut werden, welches sich in Gewitter umwandeln lässt. Aber auch die
östliche Mitte sowie der äußersten Süden stehen im Fokus, wobei wir hier über
pulsierende Einzelzellen der Marke "markant" reden: Starkregen, Hagel und Böen
bis 8 Bft. Das Damoklesschwert "Unwetter" schwebt aber auch bei diesen Zellen
über uns, weil 25 l/m² eben mal relativ schnell erreicht bzw. überschritten
werden können.
Am trockensten und sonnigsten und wärmsten (25 bis 29°C) wird es heute im
breiten Westen inkl. der westlichen Mitte, wo hinter der Trogachse nicht nur
eine ganz andere Luftmasse Fuß fasst (PPWs teils unter 20 mm). Es macht sich
zudem ein Keil des nach Osten verschobenen Azorenhochs bemerkbar (Gott zum Gruße
IMMANUELL), der die Abtrocknung der Luftmasse forciert und zudem bei etwa 700
hPa eine Sperrschicht einzieht.
In der Nacht zum Donnerstag tropft der Trog über Oberitalien ab, während sich
gleichzeitig das nördliche Residuum in Richtung Polen, Tschechien und Österreich
verabschiedet. Rückseitig steigt das Potenzial zwar an, so ein richtiger Rücken
will uns aber nicht beehren. Vielmehr stellt sich eine antizyklonal konturierte
west-nordwestliche Höhenströmung ein, die im Norden von WLA überlaufen wird.
Absender ist das Tief ZOE, ein kleiner 1005+X-hPa-Wirbel, der - angetrieben von
der über dem mittleren Nordatlantik durchaus gut formierten Frontalzone -
Schottland von den Hebriden her in Richtung Südrand Norwegische See überquert.
Das zugehörige okkludierende Frontensystem nähert sich von Nordwesten her, wird
Deutschland aber noch nicht erreichen. Nichtsdestotrotz nimmt die mehrschichtige
Bewölkung über und an der Nordsee sowie im Grenzbereich zu Benelux bis zum
Morgen zu und vielleicht fallen zwischen Sylt und Borkum bei aufbrisendem
Südwestwind schon die ersten Tropfen.
Ansonsten lässt sich konstatieren, dass sich mit Abzug des Troges sowie dem
Tagesgang die Szenerie bereits im Laufe der ersten Nachthälfte beruhigt. Am
längsten regnet es noch am Alpenrand sowie im südöstlichen Bayern, allerdings
mit abnehmenden und aus Warnperspektive unkritischen Raten. Darüber hinaus
weitet sich der Hochkeil unter Kräftigung nach Osten aus, was eine weitere
Abtrocknung und großräumige Rückbildung respektive Auflösung der Bewölkung zur
Folge hat. Etwas weniger umständlich könnte man auch formulieren, dass es
vielerorts aufklart (=> flache Nebelfelder), was insofern eine gute Nachricht
ist, als dass es mal wieder anständig abkühlt. 16 bis 10°C Minimum sind die
realistischen Zielvorgaben, in einigen Mittelgebirgssenken und -tälern sogar
einstellig. Lediglich direkt an der See bleibt es stellenweise etwas milder.
Also los Freunde, Türen und Fenster sperrangelweit auf und Luft austauschen.
Donnerstag... macht sich der nächste Trog auf den Weg zu uns, der aber merklich
flacher konfiguriert ist als sein Vorgänger. Tief ZOE steuert die norwegische
Westküste unweit von Svinöy an, um am Nachmittag Landgang mit Zellsplitting zu
machen. Während der eine Kern küstennah nordostwärts zieht und das Interesse an
Deutschland gänzlich verliert, steuert das südliche Druckminimum den Oslofjord
an (Freitag 00 UTC). Von ihm wird auch am Freitag noch die Rede sein, doch eins
nach dem anderen.
Da rückt am morgigen Donnerstag zunächst mal das okkludierende Frontensystem in
den Blickpunkt, das ganz uncharmant von der Nordsee und Benelux her übergreift
und vor allem den Norden und Nordwesten, am Nachmittag dann etwas abgeschwächt
auch Teile von NRW, Hessen und RP mit stratiformen Regenfällen leichter
Intensität versorgt (Tagessumme meist unter 5 l/m²). Mit Ankunft des
Potenzialtrogs sowie der Okklusion etwa gegen Mittag nimmt die Labilität im
Norden und Nordwesten etwas zu, was aus skaligem Regen Schauer und vielleicht
sogar einzelne Gewitter macht. Viel CAPE steht allerdings nicht zur Verfügung,
dafür ist die frische einfließende subpolare Meeresluft (mPs; Rückgang T850 auf
Werte um 8°C) sehr gut geschert. Kurzum, wenn Gewitter, dann mit kleinem Hagel
und Böen bis 8 Bft, die aber auch in Schauern auftreten können. Ohnehin muss man
notieren, dass der Wind morgen rein aus dem Gradienten angetrieben erst an der
Nord-, später dann auch etwas schwächer an der Ostsee inkl. dem küstennahen
Binnenland sowie in weiten Teilen SHs spürbar auffrischt. Dabei stehen Böen 7
bis 8 Bft, zum Abend hin an der Nordsee mit Drehung von SW-W auf NW auch
einzelne Sturmböen 9 Bft auf der Karte, während an der Ostsee (SW-W-Wind) bei
vereinzelten "8ern" Schluss ist. Dass auch der Harzer Brocken (nicht zu
verwechseln mit dem Harten Brocken, einer Krimiserie aus Sankt Andreasberg) mit
stürmischen Böen 8 Bft aufwartet, überrascht nicht wirklich.
Je weiter wir in den Süden des Landes gehen, desto antizyklonaler das Geschehen.
Trog zu flach (sogar Ansätze von einem Höhenkeil sind erkennbar), dazu
Fortbestand des Azorenhochkeils. Das reicht, um bis in die östliche Mitte einen
locker bewölkten bis sonnigen und trockenen 2.Juli zu garantieren. Warm wird´s
auch mit 24 bis 29°C (am Oberrhein sowie im Rhein-Neckar-Raum lokal 30°C nicht
ausgeschlossen). Nur ganz im Norden und Nordwesten muss/darf man sich mit 20 bis
24°C begnügen.
In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog ost-südostwärts über den Norden und
die Mitte hinweg. Vorgeschaltet die teilokkludierte Kaltfront, die mit ganz
leichtem Regen bis nach Süddeutschland vorankommt und dort für kurze Zeit den
guten IMMANUEL etwas piesackt. Rückseitig strömt subpolare Meeresluft ein, in
der T850 auf 10°C an der Grenze zu CH/A und 5°C fast in der gesamten Nordhälfte
zurückgeht. Derweil steuert das zugehörige Tief südschwedisches Festland an und
sorgt an der See für eine sehr windige bis stürmische Nacht. Vor allem in
Nachthälfte zwo, wenn der Keil im SW wieder zulegt (Druckanstieg ca. 6 hPa) und
der Gradient im Norden anzieht, muss an Nord- und Ostsee neben vereinzelten
Schauern/Gewittern vermehrt mit Böen 8-9 Bft aus West bis Nordwest gerechnet
werden.
Auf thermischer Seite kommen wieder erfreuliche Nachrichten aus dem Ticker,
kühlt es doch in weiten Teilen auf 15 bis 9°C ab. Milder bleibt es lediglich
unter der frontalen Bewölkung in Süddeutschland sowie in unmittelbarere Nähe der
inzwischen schon hochdekorierten Nord- und Ostsee.
Freitag... wird´s ein Stück weit frühherbstlich in Teilen Norddeutschlands. Vor
allem der West-Nordwestwind legt für sommerliche Verhältnisse ´ne flotte Sohle
aufs Parkett - nicht nur an der Küste nebst küstennahem Binnenland, wo Böen 8-9
Bft auf dem Zettel stehen. Bis weit ins nord- und ostdeutsche Binnenland wird
der Wind deutlich spürbar sein mit Spitzen 7-8 Bft. Kein Wunder, wenn unser
Freund IMMANUEL am Oberrhein rund 1026 hPa aufs Barometer bringt, während die in
Richtung Gotland und später zum Baltikum abdriftende ZOE zur Mittagszeit in
Vorpommern rund 1015 hPa generiert.
Der o.e. Trog verlagert sich zum östlichen Mitteleuropa, was hier eine im Norden
und Osten zyklonale, sonst eher indifferente nordwestliche Höhenströmung zur
Folge hat. Weiterhin bestimmt subpolare, im Süden und Südwesten antizyklonal
modifizierte Meeresluft das Geschehen, was im Norden und Osten bei wechselnder
Bewölkung und maximal 19 bis 24°C vereinzelte Schauer, häufig aber auch trockene
Verhältnisse zur Folge hat. Sonniger und wärmer mit bis zu 27°C geht es im Süden
und Südwesten zu mit einer Ausnahme. Im Grenzbereich zur Schweiz, im südlichen
Alpenvorland sowie direkt an den Alpen machen sich die Reste der Kaltfront sowie
Staueffekte mit dichter Bewölkung, teils andauernden Regenfällen und niedrigeren
Temperaturen bemerkbar.
Die Nacht zum Samstag im Telegramm: Ausweitung des Bodenhochkeils, leichte
Potenzialgewinn in der Höhe => langsam abnehmender Wind im NO, Ostsee bis zum
Morgen noch stürmisch. Teils wolkig, teils klar, 14 bis 7°C (Mittelgebirge am
kühlsten), Küste milder.
Modellvergleich und -einschätzung
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Im Großen und Ganzen simulieren die Modelle ähnlich. Heute noch mal ´ne Hucke
konvektives Nowcasting, danach skalige Windprophylaxe.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann