Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Wechselhaft mit Schauern und lokalen Gewitter. Dazu auch morgen tagsüber wieder
sehr windig, in Schauer- und Gewitternähe teils Sturmböen.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
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Aktuell ... befinden wir uns auf der Vorderseite eines Langwellentroges, der
weite Bereiche des Nordmeeres, der Irminger See und Britischen Inseln umspannt
und im Bereich seiner Achse im Südteil bis zur Bretagne und inneren Biskaya
reicht. Dabei sind zahlreiche kurzwellige Anteile eingelagert, die die
südwestliche Höhenströmung über uns arg "flattern" lassen. Bodennah sind vor
allem die Tiefdruckzentren über dem Oslofjord und der Irischen See
erwähnenswert, die vom schwachen Hochdruckeinfluss im Bereich der Alpen
flankiert sind. Ein flacher Rücken, der uns von Südwest nach Nordost aktuell
passiert, sorgt dabei derzeit nur für eine geringe Schaueraktivität.
Das ändert sich in Kürze, da bereits im Burgund ein sich noch leicht
amplifizierender Kurwellentrog ausmachen lässt (vor allem zu sehen als IPV
Schliere in 300 hPa, der bis Mitternacht in die Mitte Deutschlands vorstößt und
bis zum Morgen über Erzgebirge und Neiße hinweg nordostwärts abzieht. In dessen
Umfeld kann sich niedertroposphärisch der eher graduelle des Luftmassenübergangs
von erwärmter Meeresluft im Nordwesten (Theta 850 knapp unter 40°C) hin zu
gealterter Subtropikluft im Südosten (Theta850 um die 50°C) etwas schärfen.
Trotz zunächst nur geringer Wetteraktivität haben wir über den Tag hinweg daher
noch immer eine teilokkludierte Kaltfront geführt, die nun nochmal einen kleinen
Wellenscheitel durch die erwähnte Interaktion mit dem Kurzwellentrog produziert.
Die zur Verfügung stehende abgehobene Labilität hält sich arg in Grenzen. Nicht
allzu steile Lapse Rates münden aber punktuell immerhin noch in 100-200 J/kg MU
Cape, das mit Tops bis 500 hPa/FL180 und damit knapp unterhalb der ominösen
-10°C Grenze freigesetzt wird. Schön zu sehen ist die einsetzende Hebung und
Niederschlagsbildung auch am Anstieg der PPW's von 25 auf bis zu 40 mm bzw. von
7 g/kg bei der spezifischen Feuchte zwischen 0 und 500 m auf über 10 g/kg. Als
unmittelbare Folge sind die ab etwa 22 Uhr aus Südwesten aufkommenden,
schauerartig verstärkten Regenfälle vereinzelt gewittrig durchsetzt und können
trotz ungünstiger Tageszeit bei moderaten Scherungsbedingungen angekratzt die
Stufe "ocker" erreichen mit Böen der Stärke 8, Starkregen um 15 l/qm binnen
einer Stunde und kleinkörnigem Hagel. Sie breiten sich vom Saarland, der Pfalz
und dem Oberrheingraben über die Südhälfte Hessens sowie Baden-Württemberg bis
zum Morgen bis zum Erzgebirge und Bayerischen Wald aus. Flächendeckend und damit
unabhängig von den eingelagerten gewittrigen Verstärkungen kommen dabei um 5
l/qm, vor allem in einem Streifen vom Raum Heilbronn bis nach Bamberg auch 10
-20 l/qm zusammen.
Im großen Rest des Landes gibt es bei wechselnder Bewölkung nur vereinzelte
Schauer. Erst in den frühen Morgenstunden nimmt die Schaueraktivität durch die
Amplifizierung des Troges und die Annäherung der Haupttrogachse im Nordwesten
deutlich zu. Auch dabei sind einzelne Gewitter möglich. Die Frühwerte liegen
meist zwischen 18 und 14°C.
Montag ... nähert sich nach Abzug der bereits erwähnten kurwelligen Troganteile
aus der Nacht in der ersten Tageshälfte im Verlauf die Haupttrogachse an. Bis 18
UTC nistet diese sich mit einem eigenen Drehzentrum und breiterem Verlauf der
Isohypsen in der oberen Troposphäre im Bereich der Elbmündung ein, die Achse
verläuft ohne nennenswerte Neigung südwärts entlang der Fulda bis nach
Oberschwaben. Seichte KLA wird die PVA teilweise überkompensiert. Das Bodentief
TESSA arbeitet sich unterdessen von der Irischen See bis ins Seegebiet Fischer
vor, legt damit eher entwicklungsungünstig an der Nordflanke des Höhentiefs.
Nach Abzug des nächtlichen Regens bis zum Mittag auch in der Oberlausitz bilden
sich somit bevorzugt über der Nordwesthälfte zahlreiche Schauer und kurze
Gewitter aus. Die Luftmasseneigenschaften in der erwärmten Meeresluft (mPs) sind
dabei zwar nicht überbordend, bis an die 1000 J/kg an ML CAPE stehen aber im
Norden doch punktuell zur Verfügung. Der Fokus bei den Begleiterscheinungen
liegt dabei ganz klar auf dem Wind, der allein schon gradientbedingt in der
Nordwesthälfte gegenüber dem heutigen Sonntag noch etwas draufsattelt und
mühelos bis 60 km/h (Bft 7) erreicht. Die potentiell per Impulstransport bis zum
Boden durchgereichten Oberwinde erreichen von NRW und Niedersachsen, im Laufe
des Nachmittags und Abends auch bis nach Mecklenburg-Vorpommern und
Nordbrandenburg ausgreifend um die 40 Knoten. Daher muss in Schauer- und
Gewitternähe mit Böen um 75 km/h (Bft 8-9) gerechnet werden. Auch wenn es
sicherlich deutlich eindrücklichere Lagen gibt, so soll ein kleines
Tornadopotential (LLS 15 m/s, HKN's unter 1000 m, teilweise 500 m) in einem
Korridor von der Eifel über Ostwestfalen und Nordhessen bis nach Vorpommern
nicht gänzlich unerwähnt bleiben. Für die Warnlageberichte ist das aber nix.
Lokal eng begrenzt ist auch kleinkörniger Hagel und in "Straßen" und/oder bei
Mehrfachtreffern auch mal ein Starkregen um 15 l/qm binnen einer Stunde ein
Thema.
Ganz im Süden und Südosten passiert durch ein leicht föhniges Abtrocknen der
Luftmasse niederschlagstechnisch weniger. Auch vom Hauptwindfeld ist man
deutlich weniger betroffen. Nur inneralpin kommt es ebenfalls vermehrt zu
Schauern und Gewittern im Tagesverlauf.
Die Temperaturen liegen meist im angenehm sommerlichen Bereich zwischen 22 und
27°C mit den höchsten Werten im Süden und Osten. An der Nordsee und in den
Schauern werden kaum 20°C gemessen.
In der Nacht zum Dienstag zieht der Trog über dem Nordosten Deutschlands relativ
zügig Richtung Polen ab. Auf dessen Rückseite setzt kräftige NVA ein. Der
nachfolgende Rücken ist erneut nur sehr flach, die Frontalzone insgesamt sehr
aktiv und in Reichweite, weshalb die Wetterberuhigung gerade im Norden nur von
kurzer Dauer ist.
Nichtsdestotrotz werden die Schauer nach Ende des Tagesgangs und mit
Stabilisierung der bodennahen Grundschicht rasch weniger, ohne im Norden aber
gänzlich abzuklingend. Weiter nach Süden zeigen sich auch längere Zeit die
Sterne. In einigen Flusstälern Süddeutschlands kann sich örtlich flacher Nebel
bilden. Es kühlt dabei auf 15 bis 9°C ab.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... sind in der lebhaften westlichen Strömung vor allem im Norden
Deutschlands schwache Störungen eingelagert, die aber kaum nennenswerte Hebung
generieren. So bleibt es in mäßig warmer Meeresluft meist bei nur
gelegentlichen, oft schwachen Schauern. Die Gewitterneigung ist nur noch sehr
gering. In der Landesmitte ist es trotz zeitweise kompakter, teils unterhalb
einer Inversion breitschmierenden Quellbewölkung meist trocken, südlich von Main
und Mosel scheint auch länger die Sonne bei im Vergleich zum Montag ähnlichem
Temperaturniveau. An der See und in Gipfellagen kann es für einzelne steife,
exponiert stürmische Böen reichen. Keine wesentlichen Änderungen zur
Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die bis dato vorliegenden 12z Läufe zeigen allesamt sehr ähnliche Berechnungen
für die kommenden 48-72h. Signale für Bft 9 in den Gewittern am Montag sind in
den konvektionserlaubenden Modellen übereinstimmend zu finden, wenngleich
natürlich mit der gebotenen zeitlich-räumlichen Unschärfe.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen