Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 19.10.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
Mischung aus HFz und SEz (Hoch Fennoskandien und Südost je zyklonal)

Ruhige Hochdruckrandlage mit "Schönheitsfehlern" durch beteiligte Höhentiefs und
teils feuchte Grundschicht. Zur Wochenmitte überall wechselhafter.


Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
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Montag... kommt die Höhenkarte - salopp formuliert - ziemlich unaufgeräumt
daher, so dass sich die Frage stellt, ob man alle darauf befindlichen Höhentiefs
erwähnen sollte oder sich der Übersichtlichkeit halber nur auf die wichtigsten
beschränken sollte. Für Letzteres entscheiden wir uns auch.

Starten wir mit dem abziehenden Gebilde im Westen, dessen Zentrum etwa über der
Bretagne liegt und sich in den kommenden Stunden weiter zur Biskaya zurückzieht.
Moment, abziehend? Im Westen? Korrekt. High over Low(s) lässt grüßen. Der
ebenfalls als Kaltlufttropfen agierende östliche Kandidat hat aktuell den Raum
Warschau erreicht und kommt bis zum Abend der Oberlausitz sehr nah. Wie bei KLT
üblich greift dabei auf dessen Vorderseite zunächst recht kräftige KLA über, die
Anteile von PVA rasch überkompensiert. So macht sich im Satbild lediglich ein
kompaktes mittelhohes Wolkenfeld bemerkbar, das auf den ersten Blick
frontenähnliche Züge (Höhenkaltfront, T850 Rückgang auf 0°C) trägt, sich aber im
Boden letztlich nicht abbilden lässt. Zwischen beiden Gebilden herrscht
kompensatorisches Absinken und ein Keil des für die Jahreszeit ungewöhnlich
kräftigen und weit im Norden ansetzenden Hochs mit nahe -10°C in 500 hPa über
weiten Teilen Skandinaviens.

Die von Osten einströmende gealterte Luftmasse trocknet die in Teilen feuchte
Grundschicht im Tagesverlauf spürbar ab. Dies dauert lediglich ganz im Südwesten
aufgrund der Nähe zum Höhentief über Frankreich etwas länger und auch im Stau
der Mittelgebirge (z.B. Thüringer Becken) hält sich noch länger hochnebelartige
Bewölkung, die ab 400-600 m teils aufliegend ist. Vor allem über der
Norddeutschen Tiefebene, an den Westrändern der Mittelgebirge und in
Niederbayern scheint länger Zeit die Sonne. Weitgehend trocken bleibt es
überall. Trotz Supergeostrophie treten nur auf den Inseln (speziell an der
Nordsee) einzelne steife Böen Bft 7 auf.

Die Höchstwerte liegen bei 12 bis 17°C, im zähen Hochnebel kaum bei 10°C.


In der Nacht zum Dienstag dringt der KLT zögernd bis in den Großraum Berlin vor.
Das geschieht zunächst größtenteils noch wetterinaktiv. In der zweiten
Nachthälfte gelangt der äußerste Osten und Nordosten Deutschlands aber zunehmend
auf dessen Rückseite und die KLA schlägt in WLA um. Zudem führt auch die
Symmetrie mit leicht elliptischer Form in 300 hPa zu erhöhter PVA an der
Nordflanke, die sich nicht mehr mit der stärksten KLA überlagert. In der Folge
greift von Ostholstein über Vorpommern bis zur Neiße mehrschichtige Bewölkung
mit etwas Regen über. Die Mengen bleiben aber mit deutlich unter 5 l/qm binnen
6h gering.

Gleichzeitig nimmt die Trogkonfiguration über Westeuropa eine zunehmend
diffluente Vorderseite über Süd- und Ostfrankreich an, was leichten, wenngleich
beständigen Druckfall am Boden (Absaugen in der Höhe) zur Folge hat. Dies wird
zum einen durch den Einbezug des Cut-Offs übe Algerien aber zum anderen auch
beginnend schon durch das Ausbrechen des Jets südwärts stromauf über dem
Atlantik und damit dem "Einfangen" des westlichen Höhentiefkomplexes in die
allgemeine Zirkulation begünstigt. Letztlich bildet sich ausgangs der Nacht
sogar eine gut definierte Bodenrinne ab.

In letzter Konsequenz nimmt dadurch der Gradient über Deutschland etwas zu und
über der freien Nordsee treten häufiger steife Böen auf. Auf Helgoland kann auch
mal eine stürmische Böe um 70 km/h (Bft 8) dabei sein. In der vielfach
abgetrockneten Grundschicht ist bei beständiger Ostströmung die Nebelneigung nur
gering. Vor allem Richtung Thüringer Wald sowie entlang und südlich der
Schwäbischen Alb ist mit Hochnebel zu rechnen, der oberhalb von 300-400 m teils
aufliegend ist.

Die Tiefstwerte liegen bei 8 bis 2°C, über der Landesmitte bei längerem
Aufklaren örtlich um -1°C. An der See bleibt es mit rund 10°C milder.


Dienstag... sieht am Boden alles weiterhin ziemlich "entspannt" aus. Das Hoch
verabschiedet sich zwar allmählich nach Russland, die Randlage mit einer
beständigen Ostströmung und der Zufuhr relativ trockener Luftmassen bleibt aber
bestehen. Wären da nicht diese "Störenfriede" in der Höhe, die die Vorhersage im
Detail weiterhin äußerst diffizil machen. Der weitere Weg des KLT wird ja
normalerweise durch die Bodenströmung bestimmt und durch den schrittweisen
Rückzug des Hochs ostwärts ist der Weg nach Nordwesten frei. Zum Abend liegt das
weiterhin leicht elliptisch geprägte Objekt etwa über der Lübecker Bucht.

Unmittelbar an dessen Ost- bzw. Nordostflanke kommt es weiterhin zeitweise zu
meist leichten Regenfällen, deren Mengen kaum relevant sind. Sonst gibt es
abseits lokaler Nebel- und Hochnebelfelder zunächst zeitweiligen Sonnenschein,
bevor die erneute Annäherung/Rückkehr des vom KLT zum inzwischen stark
amplifizierten Trog über Frankreich weiter an Relevanz gewinnt.

So sind neben der Diffluenz auf der Trogvorderseite auch niedertroposphärisch
hebungsfördernde Impulse auszumachen, in dem sich die Luftmassengegensätze im
Bereich der Rinne verstärken. So wird aus dem zentralen Mittelmeer einen
feucht-warme Luftmasse mit Theta850 > 40°C mit einbezogen, die auf die bodennah
kühle Festlandsluft trifft und gehoben wird. Frontogenetisch bildet sich im
Tagesverlauf gar eine recht gut definierte Warmfront heraus, die am Abend etwa
von der Rheinmündung bis zum Saarland reicht. Deshalb kommt es ab den
Mittagsstunden im Südwesten und Westen Deutschlands zum Aufzug mehrschichtiger
Bewölkung und nachfolgend auch gebietsweise zu etwas Regen.

Kleine Nebenbaustelle bleibt der Wind, der unverändert vor allem auf den
Nordseeinseln zeitweise die Warnschwellen von 7 Bft reißt. In den Alpen setzt
kurzzeitig leichter Föhn ein, der aber kaum bis in die Täler durchbrechen
dürfte.

Die Höchstwerte liegen bei 8 bis 14°C, in mittleren Lagen Süddeutschlands sowie
bei eventuell doch kurzem Föhndurchbruch bei 15 bis knapp 20°C.


In der Nacht zum Mittwoch gewinnt die Höhenströmung weiter an Struktur, wenn mit
Ankunft eines Landwellentroges über Westeuropa die Residuen auf der Vorderseite
eingefangen werden und als kurwellige Anteile von Südwest nach Nordost über
Mitteleuropa hinweg gesteuert werden. Die wirkliche "Musik" spielt dabei nach
wie vor an der französischen und italienischen Mittelmeerküste sowie im Verlauf
südlich des Alpenhauptkammes mit teils gewittrigen Starkregenfällen und zu
befürchtenden lokalen Überschwemmungen.

Hierzulande bleibt es trotz wechselhaften Charakters dann doch deutlich
entspannter mit nur gelegentlichen, meist leichten Regenfällen. Nach Abzug des
KLT über Rügen hinweg nordwärts, folgt der KWT über Benelux und abgeschwächt bis
nach Westdeutschland reichend nach. Unmittelbar auf dessen Vorderseite ist auch
die Rinne am Boden zu finden, deren Warmsektor über der Südosthälfte
Deutschlands noch weit geöffnet bleibt. Die Passage der nachfolgenden Kaltfront
wird durch eine Genuazyklogenese verzögert. Diese bringt in der Westhälfte zum
Morgen aber dann teils auch moderate Intensitäten mit Stundensummen teils > 1
l/qm mit sich. Länger trocken bleibt es in Teilen Norddeutschlands sowie
Richtung Niederbayern.

Die Temperaturen liegen unter vielen Wolken recht einheitlich oft zwischen 10
und 5°C. Auf den Inseln bleibt es noch sehr windig, wobei der Gradient mit
Drehung auf Südost allmählich etwas an Schärfe verliert. Auch der Föhn in den
Alpen bricht bis zum Morgen weitestgehend zusammen.


Mittwoch... stößt der atlantische Trog Richtung Westalpenraum vor und nimmt
dabei durch kräftige KLA an der Südflanke eine leicht negative Achsenneigung
ein. Die Strömung kippt dabei an der Westgrenze Deutschlands relativ scharf von
nach Ost gerichtet auf nordwärts gerichtet ab, was einiges an Krümmungsvorticity
erzeugt. Zudem schwenkt der vorgelagerte Randtrog über Benelux erst im Laufe des
Vormittags vollends nordwärts ab.

Bodennah ist das Druckfeld mehr oder weniger stark aufgeweicht mit einer
wellenden Kaltfront längs über Deutschland hinweg von Schleswig-Holstein bis zu
den Alpen, die aufgrund der langsamen Verlagerung und negativen Achsenneigung
des Troges in der Höhe starken Anacharakter annimmt. Auch wenn die genauen
räumlichen Details der Niederschläge noch mit größeren Unsicherheiten aufwarten,
kann man getrost von flächigen 5 bis 10 l/qm binnen 12 Stunden ausgehen. Am
längsten trocken bleibt es noch Richtung Oder und Neiße. Zum Abend sind im
äußersten Westen und Südwesten mit Ankunft der Höhenkaltluft (T500 nahe -25°C)
teils linienhaft organisierte, schauerartige Regenfälle zu erwarten. Vereinzelte
Gewitter nicht gänzlich ausgeschlossen.

Ob an der Südspitze ein giftiges Trogtief eingelagert ist mit potentiellem
Stingjet mitsamt Orkanböen für Teile des Englischen Kanals (UK10-Lösung), muss
abgewartet werden. In jedem Falle zieht der Wind zum Abend hin auch bei uns
allmählich an, zunächst auf den Bergen, später auch von der Nordsee bis zur
Eifel. Mehr als Böen 7 Bft, auf exponierten Gipfeln 8-9 Bft sind aber erstmal
unwahrscheinlich.

Modellvergleich und -einschätzung
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Sowohl beim KLT aus Osten als auch bei der bevorstehenden Re-Integration des
Höhentiefs aus Westen in die allgemeine Zirkulation bestehen gewissen
Unschärfen. Diese haben aber zunächst nur geringe Auswirkungen auf die
detaillierten Wetterabläufe, glücklicherweise weitestgehend keine auf das
Warnmanagement.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen