Synoptische Übersicht Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
SEz
Im Osten ab der Nacht zum Montag gefrierender Regen, gebietsweise Unwetter. Am
Montag nachlassende Glatteissituation, in der Nacht zum Mittwoch im Westen neue
Glatteislage mit Unwetterpotential.
In den übrigen Regionen verbreitet Schneefall, erster Schwerpunkt vom westlichen
Alpenrand bis in die Mitte und von dort nach Mitteldeutschland, zweiter
Schwerpunkt im Norden (Ostniedersachsen / Westmecklenburg / südliches
Niedersachsen. Im Süden schon am heutigen Nachmittag einsetzend, gebietsweise
bis weit in den Montag und in die Nacht zum Dienstag anhaltend. Verbreitet bis 5
cm Neuschnee über den gesamten Zeitraum des Ereignisses, in den
Schwerpunktregionen 5 bis 15 cm Neuschnee, lokal auch mehr.
An den Küsten ab der Nacht zum Montag stark böiger Wind mit einzelnen
stürmischen Böen, dabei auch geringe Gefahr von Schneeverwehungen.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... liegt Deutschland auf der Vorderseite eines Langwellentroges. Dieser
erstreckt sich vom Nordwestatlantik über Irland hinweg, wo sich ein
abgeschlossenes Höhentief tummelt, und weiter über Frankreich und das westliche
Mittelmeer bis nach Nordafrika. Dabei zeigt sich aktuell nach ICON noch ein
weiteres abgeschlossenes Höhentief westlich von Korsika. Die beiden Höhentiefs
korrespondieren jeweils mit einem Kern der großräumigen Tiefdruckzone LEONIE,
wobei deren nordwestlicher Kern im Bodendruckfeld über Irland, der südöstliche
Kern ebenfalls westlich von Korsika auszumachen ist. Schon zum jetzigen
Zeitpunkt ist erkennbar, dass auf der Nordostflanke des langgestreckten Tiefs
milde Luft aus dem Mittelmeer nach Norden transportiert wird. Während über
Frankreich die 850er Temperaturen noch recht verbreitet unter null Grad liegen,
bewegen sie sich über Deutschland in einer Spanne von null bis 3 Grad, nur im
Norden werden noch negative Werte registriert, an der Ostsee dabei die
niedrigsten mit bis zu -5 Grad. Im Tagesverlauf verlieren beide Tiefkerne an
Kontur. Der Irland-Kern ist zum Abend nur noch als Bodentrog mit (eventuell mit
kleiner abgeschlossener Kernisobare über Nordwestfrankreich) zu erkennen. Der
Korsika Kern wandert Richtung Zentralitalien, wobei sich der südöstliche Teil
des Tiefdruckkonglomerats insgesamt nach Nordosten bewegt. In diesem
Zusammenhang bildet sich nach ICON ein weiterer Kern über Bosnien und
Herzegowina, ein dritter mit Leeunterstützung über dem bayrischen Alpenvorland.
Durch diese Verlagerungstendenz sinkt der druck über Mitteleuropa. Da die von
einem schwachen, vom westlichen Schwarzen Meer bis nach Dänemark reichenden
Rücken gestützte Hochdruckzone über Südskandinavien nicht weichen will,
verschärft sich insbesondere über dem Norden und Nordosten der Gradient, so dass
dort zum Abend am Kap Arkona, auf Fehmarn oder auf der offenen Nordsee schon
erste Böen Bft 7 auftreten können. Damit ist die Windsituation schon mal
thematisiert, womit wir uns den deutlich spannenderen Entwicklungen zuwenden
können.
Mit der Verlagerung des Tiefs als solcher und mit der auf seiner Ostflanke
vorherrschenden südlichen Strömung werden recht milde und feuchte Luftmassen aus
dem Mittelmeerraum advehiert. Durch das kleinräumige Leetief an der Nordflanke
der Alpen, welches auch ein Pendant in 850 hPa vorweisen kann, stellt sich vom
Allgäu und dem Werdenfelser Land im Süden bis nach Südhessen, Unter- und
Mittelfranken eine Gegenstromlage ein, die Hebungsprozesse begünstigt.
Entsprechend soll sich dort bis in die Nacht zum Montag recht kräftiger
Schneefall einstellen, der in der Nacht selbst südlich der Donau allerdings
schon wieder schwächer wird. Bis zum Abend können sich in einem schmalen
Streifen, den die Modelle durchaus noch nicht ganz einheitlich simulieren und im
dem die Modelle auch noch unterschiedliche Intensitäten anbieten, durchaus 5 cm
Neuschnee akkumulieren, lokal kann es auch etwas mehr werden. Im Norden, im
Westen und im Südwesten bleibt es bis zum Abend niederschlagsfrei, in Ostbayern,
Sachsen und eventuell auch in der südlichen Lausitz macht sich aber schon die
WLA bemerkbar. Dort kann es ersten Niederschlag geben, die Niederschlagsphase
ist dort aber schwer einzuschätzen. Während ICON in den betroffenen Hochlagen
Ostbayerns und Sachsens (und nach ICON sind auch nur diese betroffen) auf Schnee
setzt, deuten UK10 oder auch IFS durchaus schon am Abend Regen an. Bei
Höchstwerten um null Grad (genauer gesagt -2 bis +2 Grad nur im Westen und
Südwesten +2 bis +5 Grad), könnte es in ungünstigen Langen im östlichen Bergland
somit schon zu erstem Glatteis kommen. Allerdings muss man sagen, dass die
niedertroposphärische Schichtung zwischen etwa 800 hPa und dem Bodenniveau um
die null Grad schwankt. Insofern wird sich auch noch zeigen müssen ob die
Schmelzflächen ausreichen. Es ist aber zumindest Vorsicht geboten.
In der Nacht zum Montag kommt der Langwellentrog etwas nach Osten voran, ein
abgeschlossenes Höhentief erreicht zum Morgen den Obermain. Das südbayrische
Leetief marschiert nach Norden und kann sich laut ICON am Morgen Potsdam bzw.
die winterlichen Mittelmark anschauen. Dies ist übrigens eine angedachte
Position des Tiefs, bei der die anderen Modelle (z. B. ICON-D2, IFS, GFS, UK10)
durchaus mitgehen. Mit dem Tief greifen auch die Niederschläge über dem Osten
rasch nach Norden aus. Die deutliche Milderung zwischen 700 und 950 hPa sorgt
insbesondere im Bereich von 900 hPa für eine nicht nur relativ warme, sondern
sogar für eine positiv temperierte Nase, in der der Niederschlag komfortabel
schmelzen kann. Entsprechend muss, bei nächtlichen Minima von null bis -2 Grad,
in diesen Regionen mit gefrierendem Regen gerechnet werden. Die
Niederschlagsraten rechen dabei durchaus für Unwetter aus! Nach ICON-D2 soll vor
allem ein Bereich von Sachsen bis nach Vorpommern und ins zentrale Mecklenburg
von dem Eisregen betroffen sein. Andere Modelle lassen den gefrierenden Regen
durchaus auch noch etwas weiter nach Westen ausgreifen, so dass dann auch Teile
Sachsen-Anhalts betroffen sein könnten. Im Süden der hier skizzierten Regionen
lassen in der Nacht die Niederschläge nach, teils gehen sie auch in Regen über,
auch deswegen, weil von Sachsen bis nach Brandenburg die Temperaturen in der
Nacht sogar ganz leicht ansteigen sollen. Natürlich muss sich dieser
Temperaturanstieg auch auf die Straßenbeläge übertragen können, was wiederum
davon abhängt, wie tief der Boden gefroren ist. Insgesamt eine komplexe
Gemengelage, die auch für die eine oder andere Überraschung sorgen könnte.
Auf der Westflanke und somit der kalten Seite des Tiefs fällt durchweg Schnee,
und auch im Nordosten soll im Laufe der zweiten Nachthälfte, wobei dort die
warme Nase durch Niederschlagsabkühlung etwas "auf die Nase bekommt", der
Niederschlag zunehmend in Schnee übergehen, so dass auf das eventuell vorhandene
Eis noch bis zu 5 cm Neuschnee kommen. Doch auch hier sind sich die Modelle
durchaus nicht einig. IFS kann sich die Situation "Schnee auf Eis" ganz gut
vorstellen, laut ICON dagegen bleiben die Schnee- und Eisregengebiete recht
sauber getrennt. Zwei Schwerpunkte lassen sich nach der Deutschen Modellkette
ausmachen. Einerseits ein Bereich von der Lübecker Bucht bis nach
Westmecklenburg und nach Ostniedersachen, wo in der Spitze um 5 cm Neuschnee
(eventuell lokal auch bis 10 cm) fallen können. Dazu noch der süddeutsche
Gegenstrombereich, allerdings mit der Prämisse, dass mit der Verlagerung des
Tiefs auch die Gegenstromlage allmählich aufgelöst wird. Letztendlich weitet
dieses Gebiet sich aber doch noch bis in den Nordwesten Baden-Württembergs und
nach Thüringen aus, und auch dort sind um 5, lokal auch bis 10 cm Neuschnee über
die Nacht denkbar. Trocken bleibt es nur in Teilen des Westens und Nordwestens,
südlich der Donau ist auch die zweite Nachthälfte kein Niederschlag mehr zu
verzeichnen. Da mit der Verlagerung des Tiefs der Druckfall über Deutschland,
und damit insbesondere über dem Norden anhält, das skandinavische Tief aber
unverdrossen dagegenhält, verschärft sich der Druckgradient dort weiter. Somit
treten an den Küsten zum Morgen verbreitet steife Böen Bft 7 auf, insbesondere
an der Ostseeküste sollen es auch Böen Bft 8 (stürmische Böen) sein. Sollte in
diesen Bereichen der Regen in Schnee übergehen oder überhaupt Schnee fallen,
könnte es also auch zu Verwehungen kommen - so der Schnee denn nicht zu nass
ist. Die Minima decken meist eine Spanne von null bis -5 Grad ab, in ungünstigen
Mittelgebirgslagen wird es etwas kühler, in Ostsachen und der Lausitz kann es,
je nach Fortscheiten der Milderung, auch frostfrei bleiben. Nicht zu vergessen:
Lokalen Nebelfelder sind nicht auszuschließen.
Montag... kommt das kleinräumige Tief bis zum Abend etwa zur Lübecker Bucht
voran, wobei es sich dann auch in der Nacht zum Dienstag kaum noch weiter nach
Norden bewegt. Auf seiner Südflanke wird kalte Luft nach Osten geschoben. Die
850er Temperaturen sinken über den Tag hinweg entsprechend wieder, zum Morgen
liegen sie bei null bis -6 Grad, am Abend dann bei -2 bis -8 Grad. Der
Warmsektor des kleinräumigen Tiefs, wenn man denn die WLA als Warmsektor
interpretieren möchte, schließt sich zusehends bzw. ist am Montag schon
geschlossen. Um das Tief wickelt sich ein Schneefallband, welches in einem
weiten Bogen von der Oder über Mecklenburg und den Süden Schleswig-Holsteins
weiter über den Osten Niedersachsens bis nach Bayern reicht. Die Schneefälle im
Süden lassen im Tagesverlauf nach, was auch daran liegt, dass sich das Tief
allmählich auffüllt und die Hebungsprozesse abschwächen. Über dem Norden werden
die Schneefälle weiter nach Norden verlagert, so dass zunehmend die Dänen in den
Genuss der weißen Pracht kommen. Ein Auge ist auf die auf der Rückseite des
Schneebandes von ICON-D2 über dem Norden Brandenburgs und in
Mecklenburg-Vorpommern angedachten schwachen Signale für (erneuten) gefrierenden
Regen zu werfen. Dort ist es zwar schon wieder kalt, aber die
niedertroposphärische Feuchte reicht nicht an die -10 Grad-Isotherme heran, so
dass dort unterkühlte Tropfen fallen könnten. Insofern ist dies Interpretation
nicht ausgeschlossen. Letztendlich liegt der Fokus aber doch auf dem Schnee, der
sich im erweiterten Küstenumfeld durchaus auf 5 bis 10 cm in 12 Stunden
akkumulieren können. Bei Ostwind bedeutet das für die Ostküste
Schleswig-Holsteins natürlich auflandigen Wind, die dort etwas Verstärkung durch
Konvergenzen erwarten lassen. ICON reagiert darauf mit einem schmalen
"Küstenstreifen", der im Laufe des Vormittags mehr als 10 cm Schnee zustande
bringen soll und somit in den Unwetterbereich "hineinragt". Vorerst wird aber
auch dort eine markante Warnung angepeilt, die, falls nötig, dann "aufgepimpt"
werden würde. Auch in einem Streifen vom Sauerland bis nach Franken und
Südhessen werden wohl markante Schneemengen (5 bis 10 cm in 12 Stunden) zu
beobachten sein, wobei die Schneefälle im Süden von Westen nachlassen. Am Abend
ist dann nur noch das Maineinzugsgebiet betroffen, was auch einem schwachen
Zwischenhochkeil geschuldet ist, der sich von Frankreich her in den Süden
schiebt. Entsprechend kann dort, insbesondere an den Alpen, im Tagesverlauf auch
mal die Sonne rauskommen. Ansonsten ist es zumeist dicht bewölkt bei null bis +4
Grad, am Oberrhein können es bis zu 8 Grad werden, ein paar Kältelöcher bleiben
dauerfrostig. Im Norden lässt der Wind nach, zum Abend sind Bft 7 nur noch an
der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste und auf den Ostfriesischen Inseln zu
erwarten, nachdem aus der Nacht ja Bft 7 bis 8 die relevante Größenordnung
gewesen ist.
In der Nacht zum Dienstag ist keine durchgreifende Änderung der synoptischen
Lage zu erkennen. Das kleine Tief bleibt im Dunstkreis der Lübecker Bucht,
schafft es aber immerhin auf die Ostsee hinaus. Im Süden lässt der
Zwischenhocheinfluss schon wieder nach, dort macht sich auch schon das nächste
Westeuropatief bemerkbar. Dieses ist ausgangs der Nacht südlich von Irland
anzutreffen, die Warmfront erreicht Ostfrankreich, aber in der Höhe setzt schon
die Milderung ein, in 850 hPa weist der Südwesten am Morgen eine
Temperaturspanne von null bis +3 Grad auf, während im übrigen Land die
Minuszeichen dominieren. Die Südwesthälfte bleibt trotz Aufzug hoher und
mittelhoher Wolken trocken, in der Nordosthälfte lassen die Schneefälle nach,
was auch für einen anfangs noch recht klar erkennbaren Schneefallstreifen vom
Böhmischen Becken bis nach Südniedersachsen gilt (dort um 3 cm Neuschnee). Zum
Morgen flöckelt es allenfalls noch im Nordosten, die Frühwerte liegen in einer
Spanne von null bis -6 Grad, eventuell bildet sich regional Nebel.
Dienstag... und in der Nacht zum Mittwoch verlässt uns das kleinräumige Tief
endgültig in Richtung Ostsee, ebenso wie die Reste des Zugehörigen Höhentroges.
Im Bereich eines Langwellentroges über dem nahen Ostatlantik liegt zum Morgen
ein Sturmtief südlich von Irland, ein weiteres noch auf dem offenen
Nordatlantik, letzteres zieht aber nach Südosten und bildet mit dem
erstgenannten Tief eine Dipolstruktur, die sich westlich von Irland eindreht.
Drucktechnisch verbleiben wir damit im Niemandsland nur über dem, Nordwesten
weht der Wind lebhaft mit steifen Böen auf der offenen Nordsee und eventuell an
der Nordseeküste, weil sich über Südskandinavien immer noch das hartnäckige
Hochdruckgebiet hält. Trotz des Tiefdrucktanzes auf dem Nordostatlantik schafft
es das Frontensystem des ersten Tiefs nach Deutschland herein, bis zum
Mittwochmorgen erreichen die Niederschläge die östliche Mitte. Mit dabei ist
wieder alles von Schnee, Schneeregen und Regen, gefrierender Regen inklusive.
Nach jetzigem Stand sollen die Schneemangen überschaubar bleiben, beim
gefrierenden Regen könnte es aber wieder heftiger zur Sache gehen, dabei ist
auch Unwetter nicht ausgeschlossen. Die Höchstwerte am Tage sollen von Nordost
nach Südwest bei null bis 8 Grad liegen, in der Nacht zum Mittwoch sind 2 bis -4
Grad angedacht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die großräumigen Abläufe simulieren die Modelle recht ähnlich. Unterschiede
zeigen sich insbesondere in der genauen räumlichen Verteilung der Niederschläge
und in der Niederschlagsphase, letzteres gilt vor allem im Osten und Norden. Auf
einige Details bezüglich der Unterschiede wurde im Text hingewiesen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas