Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
Brücke Mitteleuropa (BM)
Ruhiges und vielfach sonniges Frühlingswetter. Kommende Nacht allerdings
verbreitet leichter, lokal vielleicht auch mäßiger Frost. Zur Wochenmitte und
damit zum Übergang in die Mittelfrist markante Wetterumstellung!
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... dominiert Hochdruckeinfluss am Randbereich einer High-over-Low Lage
mit den Protagonisten einer zonal langgestreckten Antizyklone mit Schwerpunkt
über dem Baltikum und einem südwestwärts abgezogenen Höhentiefkomplex über den
Westalpen und Oberitalien. Über dem nahen Ostatlantik schließt sich ein weiteres
mächtiges Höhenhoch an mit für die Jahreszeit ungewöhnlich milden Temperaturen
nahe -10°C in 500 hPa nicht nur entlang des 40. Breitengrades, sondern sogar
nordwärts bis zu den Grand Banks bis nahe 50°N ausgreifend. Es ist gewissermaßen
der zweite kräftige Wellenscheitel nach der Hitzeglocke über dem Südwesten der
USA, der bereits massenweise Rekorde und Temperaturen jenseits der 40°C schon im
März produziert hat.
Doch zurück nach Deutschland, wo es in Süddeutschland noch am wettertechnisch am
interessantesten bleibt. Nach Abzug des Höhentiefs und westwärts wegschwenkenden
Randtroges glättet die östliche Höhenströmung einmal durch, bevor (und man
erkennt es bereits im Remote Sensing) von Österreich und dem Böhmischen Becken
her ein weiterer, aber deutlich flacherer Randtrog auf Bayern - ja, in der Höhe
sogar bis nach Mecklenburg-Vorpommern aus Osten übergreift. Die Luftmasse ist im
Osten und Nordosten punktuell leidlich, im Süden des Landes noch recht
ansehnlich labil geschichtet. Und doch macht das Entrainment trockener Luft aus
Osten dermaßen Fortschritte (Taupunkte östlich der Elbe heute Morgen schon bis
-4°C), dass nicht nur der Hochnebel über Schwaben und der anfängliche Nebel in
Teilen Schleswig-Holsteins rasch aufgelöst werden, auch hinsichtlich konvektiver
Umlagerungen sollte heute nicht mehr allzu viel gehen. Die Auslösetemperaturen
zwischen 8 und 14°C sind in der Südhälfte Deutschlands bis zum Mittag vielfach
erreicht, ML CAPE wird aber bei den trockenen Einschüben kaum noch generiert. Am
wahrscheinlichsten ist ein lokaler kurzer Schauer noch über den östlichen
Mittelgebirgen (insbesondere Bayerischer Wald), an den Alpen und über dem
Schwarzwald. Die Schneefallgrenze liegt dabei jenseits von 1500 m.
Durch die leicht föhnige Überströmung der Alpen wird der Leetrog im Tagesverlauf
noch etwas ausgepumpt, was zusätzlich zur tagesgangbedingten Durchmischung vom
Fichtelgebirge bis nach Niederbayern zeitweise für Böen bis 60 km/h aus Ost
reicht. Auf den Gipfeln sind bei Höhenwinden in 850 hPa um 35 Knoten auch mal
stürmische Böen um 70 km/h mit dabei.
Sonst scheint verbreitet die Sonne und die trockene Luftmasse packt die im
Frühjahr gewohnt großen Tagesgänge aus. Nach vielfach leichtem Frost in de
Osthälfte heute Morgen sind am Nachmittag verbreitet 13 bis 17°C drin. In
Hochlagen sowie an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es teilweise
bei einstelligen Temperaturen.
In der Nacht zum Montag greift ein sich amplifizierender Trog aus der weit im
Norden verlaufenden Frontalzone von der Norwegischen See auf Skandinavien über.
Dem Trog antriebslos und weit vorgelagert ist eine schwache Kaltfront, die zum
Morgen aus Nordwesten die Deutsche Bucht erreicht. Präfrontaler schwacher
Druckfall sorgt für eine minimale Schwachstelle der Hochdruckbrücke, die weite
Teile Osteuropas bis zu den Britischen Inseln und Azoren umspannt.
Außer ein paar hohen/mittelhohen Wolkenfeldern ausgangs der Nacht im Nordwesten,
die die Frostgefahr und ohnehin nur geringe Nebelneigung zusätzlich hemmen, ist
aber nix zu wollen. In der kontinental geprägten Luftmasse geht es bei idealen
Ausstrahlungsbedingungen (verbreitet windstill und klar) aber bei den
Temperaturen ordentlich in den Keller. Mos-Mix macht bei -4°C Stopp, aber man
kann sich durchaus vorstellen, dass exponierte Kältelöcher auch in den mäßigen
Frostbereich rutschen (Barth, Faßberg, Sohland/Spree, Gilserberg-Moischeid,
Nürnberg-Netzstall u.v.m.). Die Nebelneigung ist nur gering, in der Regel wird
es sich auf flache Nebelbänke über Wiesen und entlang der Flusstäler
beschränken.
Montag... verabschiedet sich die Antizyklone über dem Baltikum ostwärts und gibt
den Staffelstab quasi nahtlos an seinen Kompagnon über dem Atlantik weiter,
dessen Keilachse sich von der Bretagne bis nach Mitteleuropa erstreckt. In Namen
der Berliner Wetterkarte übersetzt bedeutet das: "Norbert" ersetzt "Max". So
ganz reibungslos funktioniert das aber nicht. Der Staffelstab fällt zwar nicht
runter, es muss aber nochmal nachgegriffen werden, um im Bilde der
Leichtathletik zu bleiben.
So ist der Himmel landesweit betrachtet nicht mehr ganz so blankgeputzt wie noch
am Vortag, was mehrere Gründe hat. Zum einen sei da die bereits erwähnte
Kaltfront zu nennen, die sich zwar auf die Keilachse zusteuernd beginnt
aufzulösen, dem Nordwesten mitunter kompaktere Wolkenfelder in sämtlichen
Niveaus beschert. Dazwischen schafft es die Sonne aber wiederholt, sich
durchzukämpfen. Zum anderen ist da die Drehung der bodennahen Strömung auf Nord
bis Nordwest, womit wie so oft auch niedertroposphärisch die Luftsäule etwas
angefeuchtet wird. Das passiert vor allem im Grenzschichtniveau, was doch die
ein oder andere Quellungen (vor allem über dem Bergland initiiert) auslöst, die
sich dann unterhalb der Inversion bei rund 2 km gerade zum Abend hin etwas
ausbreiten können. Ein latentes Schauerrisiko mit Spuren von CAPE ist noch immer
vom Südschwarzwald und Hochrhein bis ins Alpenvorland vorhanden, meist bleibt es
aber trocken. Unterm Strich steht demnach noch immer ein sehr freundlicher Tag
mit hohen Sonnenanteilen ins Haus.
Die Lage ist weiterhin von großen Tagesgängen der Temperatur gekennzeichnet, der
Griff zum Zwiebellook mit Entledigung der wärmeren Kleidungsschichten bis zum
Nachmittag ist weiterhin das Mittel der Wahl. Erneut werden verbreitet 14 bis
18°C angepeilt, im Bergland und flächendeckend an der See bleibt es bei rund
10°C kühler. Der Wind spielt warntechnisch keine Rolle mehr.
In der Nacht zum Dienstag rutscht die Keilachse ein Stück weiter nach Süden, die
Frontalzone beginnt sich ihren Weg südwärts zu bahnen. Den Grundstein liefert
ein markanter Kurzwellentrog westlich von Irland, der in einem hochbaroklinen
Umfeld zunehmende Schnittflächen zwischen Isohypsen und Isothermen ausbildet.
Die Warmfront eines Sturmtiefs mit Kerndruck um 960 hPa dicht östlich von Island
erreicht im Laufe der Nacht die Deutsche Bucht. Schwache, in Küstennähe mäßige
WLA erfasst die gesamte Nordhälfte Deutschlands und es breitet sich kompakte
mehrschichtige Bewölkung aus, deren Untergrenzen immer mehr absinken, meist aber
noch in mittleren Niveaus verbleiben. Mit nennenswerten Regenfällen ist bis zum
Morgen noch nicht zu rechnen.
Gleichzeitig dreht der Wind im Vorfeld rück auf Südwest und frischt im
Nordwesten allmählich auf (noch nicht warnwürdig). Allesamt Faktoren, die die
Frostgefahr erheblich dämpfen, so dass "nur" noch - grob gesprochen - die
Südosthälfte betroffen ist, wo die Bewölkung noch dünner und bezüglich der
Untergrenzen höher ausfällt. Die Nebelneigung bleibt aber auch dort
vergleichsweise gering.
Dienstag... bricht der bereits erwähnte markante Randtrog südwärts zu den
Britischen Inseln aus, wodurch die Strömung im Vorfeld bei uns nochmal leicht
auf West bis Südwest in der Höhe aufsteilen kann. Die Warmfront des Sturmtiefs
"Livia" streift uns dadurch nur im Norden. Die nachfolgende Kaltfront bildet
eine Welle aus, die zum Abend die Doggerbank erreicht.
Somit bleibt dieser Übergangstag, der eine deutlich wechselhaftere, windige und
kühle Witterung in der Mittelfrist einleitet noch vergleichsweise unspektakulär
mit gelegentlichen leichten Regenfällen in Küstennähe. Sonst bleibt uns die
teils mehrschichtige hohe und mittelhohe Bewölkung erhalten, die vor allem
südlich von Main und Mosel in der Nähe zum Hoch über dem Alpenraum löchrig
daherkommt und noch reichlich Sonnenschein zulässt.
Im Warmsektor gelangt mit der auffrischenden südwestlichen Strömung
niedertroposphärisch nochmal ein Schwall etwas milderer, gealterter Meeresluft
(xSp) zu uns, in der 15 bis 19°C, lokal vielleicht auch 20°C möglich sind. Unter
den Wolken im Norden bleibt es mit 8 bis 14°C kühler. Der Wind reißt von der
Nordsee bis zum Münsterland und am Nordrand der Eifel gebietsweise in Böen schon
die Bft 7.
In der Nacht zum Mittwoch amplifiziert sich der Trog weiter und stößt nach
Nordfrankreich und Benelux vor. Er ist mit massiver Höhenkaltluft verbreitet
unter -35°C angereichert. Die angesprochene Welle zieht auf der Trogvorderseite
nordostwärts und biegt zum Oslofjord ab. Im Gegenzug stößt die rückseitige
Kaltfront bis nach Paris und zur südlichen Biskaya vor und erreicht damit
hierzulande nach dem Norden und Westen bis zum Morgen auch die Landesmitte mit
schauerartigen Regenfällen. Dabei fallen lokal 5 bis 10 l/qm binnen weniger
Stunden.
Gemeinsam mit dem stationären steuernden Tief südwestlich der Lofoten etabliert
sich eine stramme nördliche Strömung, die von der Framstraße bis zu den
Britischen Inseln reicht und Luftmassen arktischen Ursprungs (mit entsprechender
Modifizierung bis sie uns erreichen) anzapfen. Als ersten "Vorgeschmack" gehen
die Temperaturen in 850 hPa postfrontal zunächst erst einmal auf 0 bis -3°C
zurück. Auf dem Kahlen Asten und dem Brocken wird sich somit bei Erreichen der
Niederschläge rasch Schnee beimischen.
Weitaus entscheidender für das Warnmanagement ist jedoch der Wind, der mit
Frontpassage Sturmböen (Bft 8, vereinzelt 9) bis ins Flachland bringt. Am
Mittwoch selbst ist davon nahezu das gesamte Land betroffen und viele werden
sich nach diesem Frühlingsauftakt verwundert die Augen reiben und nochmal in den
tiefsten Herbst zurückkatapultiert fühlen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Nennenswerte Modellunterschiede sind nicht auszumachen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen