Synoptische Übersicht Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SEz (Südost zyklonal) mit Hang zu NFz (Hoch Fennoskandien zyklonal)
Heute nur sehr zögerliches Austrudeln des Schneetiefs LEONIE. Gebietsweise noch
recht erkleckliche Schneefälle, dafür abnehmende Glatteisgefahr. Am Dienstag von
Westen okkludierendes Frontensystem mit Niederschlägen aller Couleur und och
einigen Unsicherheiten.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
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Montag... ist die Wetterlage eigentlich ganz einfach: Ein mittlerweile bis in
höhere Troposphärenschichten reichendes, am Boden mit rund 995 hPa Kerndruck
vergleichsweise zartes Tiefdruckgebiet (Name LEONIE, auch wenn es nicht die
originäre LEONIE vom Wochenende bei Irland ist, sondern ""nur"" um einen
Ableger, aber sei´s drum) zieht über die Osthälfte von Süd nach Nord. So weit,
so gut. Doch jetzt kommt´s. Unter Einbeziehung gut bis sehr gut gesättigter
Luftmassen - im Grunde modifizierte maritime Polarluft (mPs) - kam und kommt es
insbesondere an den Flanken des Tiefs zu kräftigen Advektionsprozessen, teils
induziert durch WLA, teils durch PVA oder eben auch durch beides. Entsprechend
deftig fallen die Hebungs- und somit auch die Niederschlagsprozesse aus, wobei
wir einerseits von Schnee, in einigen Regionen viel Schnee, aber durch
Warmlufteinschub von Osten her auch über Regen/gefrierenden Regen mit Glatteis
reden. Kurzum, die vergangene Nacht hatte es in sich und noch ist das
winterliche Spektakel auch nicht vorbei.
So zieht das Tief in den nächsten Stunden in Zeitlupe von Sachsen knapp westlich
an Berlin vorbei bis in den Raum Magdeburg oder etwas östlich davon, wo es gegen
Abend - inzwischen auf nahe 1000 hPa aufgefüllt - mehr oder weniger zum Stehen
kommt. Bis dahin schwächen sich die flankierenden Advektionsprozesse langsam ab,
was aber keinesfalls Entwarnung bedeutet. Zwei Schwerpunkte kristallisieren sich
heraus, die es besonders im Fokus zu behalten gilt: die unmittelbare Nordflanke
des Tiefs und der Südwestquadrant. Zunächst in den Norden, wo PVA und WLA eine
Symbiose eingehen, ergänzt respektive verstärkt durch diabatische
Offshore-Effekte. Das führt dazu, dass es in den küstennahen Regionen bis in die
Abendstunden zu Schneefällen kommt, die in den meisten Fällen bis zu 5 cm,
vereinzelt auch etwas mehr bringen. Am meisten Schnee kommt in Ostholstein
runter, wo der lebhafte und böige Nordostwind die feuchte Ostsee(kalt)luft
reindrückt. Dort sind schnell mal 10 cm oder auch etwas mehr gefallen, in nasser
bzw. feuchter Form, was die Gefahr von Verwehungen auf nahe null reduziert,
dafür die Wahrscheinlichkeit für Schneebruch und Leiterseilschwingungen erhöht.
Der gefrierende Regen und das Glatteis, das in den Morgenstunden insbesondere in
Vorpommern noch aufgetreten ist, geht durch Hebungs- und Niederschlagsabkühlung
in Schnee über, bevor sich das Ganze bis zum Abend mehr und mehr abschwächt.
Darüber hinaus schneit es auf der West- und Südflanke des Tiefs weiter, wobei
sich der Niederschlag insgesamt noch etwas nach Westen ausweitet. Apostrophierte
Neuschneemengen 1 bis 5 cm, lokal etwas mehr. Das Maximum wird im o.e.
SW-Quadranten, etwa in einem Korridor von Mittel-/Osthessen über Unterfranken
bis hinüber nach Ostbayern erwartet, wo locker noch mal 5 bis 10, teils bis zu
15 cm Neuschnee dazukommen. Gänzlich in der Rolle des zwar interessierten, aber
überhaupt nicht betroffenen Zuschauers die Regionen vom Niederrhein bis hinunter
zum Saarland bzw. zur Südpfalz, wo sich kaum eine Flocke hin verirrt. Relativ
wenig Niederschlag auch südlich und südwestlich des o.e. Maximums, wobei in
Südostbayern gerade im Bereich der unteren Donau noch Restkaltluft liegt, was
zumindest am Vormittag die Gefahr von gefrierenden Regen/Nieselregen mit
Glatteis birgt. Da vielerorts noch Frost im Boden steckt, sollte man auch dort,
wo der Niederschlag schon aufgehört hat und nur noch wenig bis nichts dazukommt
(Teile des Ostens und der östlichen Mitte), auf Glätte durch gefrierende Nässe,
gefrierenden Nieselregen, Rest-Glatteis oder gefallenen Schnee vorbereitet sein,
auch wenn der Tagesgang sicherlich zur Entspannung beiträgt.
Und sonst noch? - An den Küsten weht ein frischer bis starker, in Böen
stürmischer (vor allem Ostsee) Nordostwind, exponiert mit Sturmböen 9 Bft,
Tendenz bis zum Abend allmählich nachlassend. Temperaturen: um 0°C oder leichter
Dauerfrost bei Dauerschneefall bzw. in höheren Mittelgebirgslagen. Sonst
verbreitet 1 bis 4, im Süden und Südwesten bis zu 7°C.
In der Nacht zum Dienstag füllt sich das Tief über NO-Deutschland weiter auf,
bis es am Morgen fast zur Unkenntlichkeit verkommt. Das Höhentief siedelt über
nach Polen, was bei uns eine Abschwächung der Hebungsprozesse zur Folge hat.
Gleichwohl kommt es vornehmlich in der SO-Hälfte noch gebietsweise zu
überwiegend leichten Schneefällen, in Sachsen und Nord- und Ostbayern lokal bis
zu 5 cm, meist aber weniger und bis zum Morgen nachlassend. An der einen oder
anderen Stelle könnte auch gefrierender Nieselregen fallen. Zwar trocknet es mit
Abzug des Tiefs von oben her langsam ab, mit Ausnahme des Südens (dort größere
Auflockerungen + Nebel) bleibt aber eine gut durchgefeuchtete, teils bis 800 hPa
gesättigte Grundschicht übrig, in der es zu schwachen Niederschlägen auch in
Form von gefrierenden Regen/Nieselregen kommen kann. Da die Temperatur
verbreitet in den leichten, im Süden und in einigen Mittelgebirgen punktuell
mäßigen Frost absinkt und wie bereits erwähnt häufig noch Frost im Boden steckt,
sollte prophylaktisch verbreitet eine gelbe Glättebasiswarnung ausgegeben werden
(gefrierende Nässe), auf die man bei Bedarf (gefrierender Regen) eine markante
Warnung draufsattelt. Der Nordostwind an der See büßt weiter an Stärke ein, nur
exponiert tritt noch die ein oder andere steife Böe 7 Bft auf.
Dienstag... Kaum ist unser Wintertief in die Chroniken meteorologisch
erwähnenswerter Ereignisse eingegangen, da gilt es sich bereits auf den nächsten
Wirbel einzustellen. Der wird im Gegensatz zu seinem Vorgänger für weniger
Flockenwirbel sorgen, auch wenn Schneefall im Portfolio durchaus vorhanden ist.
Über Irland gelegen (12 UTC) schickt uns das kleine Sturmtief mit Kerndruck
unter 960 hPa im Tagesverlauf eine Warmfront, vor der am Nachmittag und Abend
stratiforme Regenfälle von Frankreich und Benelux übergreifen. Die Schneephase
spielt angesichts niedertroposphärischer Plusgrade (T850 1 bis 4, im Südwesten
gar bis 7°C) zunächst keine große Rolle. Wenn Flocken, dann nur kurz. Unangenehm
könnte es werden, wenn der Niederschlag die westlichen und südwestlichen
Mittelgebirge erreicht (Rothaargebirge bis runter zur Schwäbischen
Alb/Schwarzwald), wo sich z.T. noch Restkaltluft hält und/oder Frost im Boden
steckt. Dort besteht dann stellenweise erhöhte Glatteisgefahr, während ein paar
Kilometer weiter nichts passiert - undankbar!
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass ganz im Osten anfangs noch etwas Schnee
fällt, dass es im Norden und Nordosten bedeckt, aber überwiegend
niederschlagsfrei bleibt, dass es in der Südhälfte Auflockerungen gibt und dass
südlich der Donau sogar für längere Zeit die Sonne scheint, was ja auch was ist.
Höchstwerte in der NO-Hälfte 0 bis 3°C, sonst 1 bis 7°C (Max. am Oberrhein), am
leicht föhnigen Alpenrand gar bis zu 9°C. Vor allem auf der Nordsee nimmt der
auf Ost-Südost rechtdrehende Wind wieder Fahrt auf, was zunächst aber nur
Helgoland und vielleicht die Ostfriesischen Inseln mit Böen 7 Bft betrifft.
In der Nacht zum Mittwoch wird die Warmfront von der nachfolgenden Kaltfront
eingeholt, so dass am Ende eine Okklusion übrigbleibt, deren Progression durch
das weiterhin über Fennoskandien positionierte Hoch sowie eine überaus solide
Zyklogenese über dem Löwengolf erheblich gedämpft wird. So kommen die
Niederschläge aus dem Westen und Südwesten auch nur äußerst schleppend
nordostwärts voran. Bis zum Morgen erreicht die Vorderkante etwa eine Linie
Wesermündung-Vogtlandn, während im Süden vor allem Unter- und Oberfranken sowie
Teile von BaWü betroffen sind. Hauptproblem ist die Phase des Niederschlags, der
alle Register zieht: Regen, gefrierender Regen, Schneefall. Wo genau was
auftritt und wo genau die Übergänge sind - who know´s. Grundsätzlich lässt sich
nur sagen, dass die Glatteisgefahr im zentralen Mittelgebirgsraum sowie in den
west-südwestlichen Mittelgebirgen am höchsten ist. Ob morgen früh deswegen eine
Vorabinformation Unwetter ausgegeben wird, bleibt abzuwarten. Je weiter im
Niederschlagsgebiet Richtung Norden, desto wahrscheinlicher die Schneephase (1
bis 5 cm Neuschnee möglich), während in tiefen Lagen West- und
Südwestdeutschlands "warmer" im Sinne von nicht gefrierender Regen fällt. Sonst
bliebe nur noch zu ergänzen, dass es von der Ostsee her lokal etwas nieseln oder
grieseln kann, Glätte inklusive. Und dass es mit Ausnahme tiefer Lagen im Westen
und Südwesten sowie unmittelbar an der See in den leichten Frostbereich abkühlt,
lokale Glätte durch gefrierende Nässe inklusive. An und auf der Nordsee weht ein
lebhafter Ost-Südostwind mit Böen 7-8 Bft.
Mittwoch... heute nur ganz kurz. Blockade und Abschwächung der o.e. Okklusion,
trotzdem in der Westhälfte sowie der östlichen Mitte weitere Niederschläge.
Allmähliches Aufzehren der höhenmilden Luft (Mitte/Süden), dadurch wieder
häufiger Schneefall, im Westen und Südwesten in tiefen Lagen Regen. Glatteis
kann es vor allem noch im Bergland sowie in Südostbayern geben. Vom Werdenfelser
Land über das Allgäu und Oberschwaben bis zum Schwarzwald 5 bis 10, lokal
vielleicht 15 cm Neuschnee, Prognosen aber noch sehr unscharf. An der See
frischer östlicher Wind mit Böen 7 Bft. 1 bis 6°C, im Norden und Osten
gebietsweise um 0°C. In der Folgenacht verbreitet leichter Frost, SW/W
gebietsweise ausgenommen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Im Großen und Ganzen steht die beschriebene Entwicklung. Was noch nicht so
richtig steht sind die Niederschläge am Dienstag/Mittwoch, sowohl in Bezug auf
Phase als auch Intensität als auch genauer räumlicher Verteilung.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann