Synoptische Übersicht Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Hoch Fennoskandien zyklonal (HFz), Übergang zu Südost antizyklonal (SEa)
Wetter: Anfang im Nordosten noch Schnee und Regen an sich auflösender Okklusion.
Dabei Glatteisgefahr. Ab morgen meist trüb und ruhig, wieder allmählich kälter
mit Nachtfrost und lokalem Dauerfrost sowie Glättegefahr. Teils dichter Nebel.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Am heutigen Samstag... verläuft die eigentliche Frontalzone weit südlich über
dem Mittelmeerraum. Wir liegen komplett nördlich davon in einem Bereich
wesentlich schwächerer Geopotential- und Temperaturunterschiede. Über dem Norden
Russland markiert ein Langwellentrog die Region, in der aktuell wieder
hochreichende Kaltluft aus der Arktis vorstößt. Westlich davon ist dagegen ein
Höhenhoch zu finden, welches das Bodenhoch Emmeram über Skandinavien stützt.
Über unserem Land ist dagegen das Geopotential etwas niedriger, hier besteht
eine schwache Verbindung zwischen dem Langwellentrog im Nordosten und einem nur
wenig ausgeprägten Höhentief über dem nahen Atlantik. Dieses korrespondiert mit
einem mehrkernigen Bodentief über den und westlich der Britischen Inseln
(Stephie I). Die eigentliche Musik spielt - wie schon seit längerem - über der
Iberischen Halbinsel, wo Sturmtief Martin (international) heute Abend die Küste
erreicht.
Hierzulande ist zwischen Hoch Emmeram und Tief Stephie I über dem Nordwesten
noch ein mäßiger Druckgradient vorhanden, so dass über der See mäßiger Wind aus
Ost bis Südost weht. Nach Süden und Südosten hin ist hingegen die
Druckverteilung äußerst flach, hier liegt sogar ein sehr flaches Hoch, so dass
die Winde schwach und umlaufend sind.
Tief Stephie I hat auch eine Okklusionsfront zu uns geschickt, die heute früh
noch etwas südwestlich der Elbe liegt und im Tagesverlauf nur noch wenig
ostwärts vorankommt, so dass sie den Strom gerade noch überquert. Westlich
dieser Okklusion ist feuchte und milde Meeresluft eingeflossen, in 850 hPa liegt
die Temperatur bei knapp über 0°C. Nordöstlich davon ist die Luftmasse in 850
hPa mit 0 bis -2°C nur unwesentlich kälter, bodennah hält sich hier aber noch
eine kältere Luftmasse, in der aktuell die Temperatur teils noch unter dem
Gefrierpunkt liegt. Im Laufe des Tages sollten wir aber auch im Nordosten
überall aus dem Frostbereich rauskommen, wenngleich oftmals nur 1 bis 2°C
erreicht werden, weil Schnee und Eis die Grenzschicht abkühlen. Auch südwestlich
der Front wird es nur unwesentlich wärmer, da auch hier die eingeflossene
mildere Luft von Schneeflächen und kalten Böden abgekühlt wird.
Dies führt bekanntlicherweise auch dazu, dass es reichlich Nebel gibt und die
Sichten vielerorts schlecht sind. So wird es heute von der Mitte bis in den
Nordosten kaum eine Wolkenauflockerung geben und teilweise sehr trüb bleiben.
Insbesondere im Bereich der Okklusionsfront fällt immer wieder etwas
Niederschlag und zwar zunächst überwiegend als Regen, der auf gefrorenem Boden
zu Glatteis führen kann. Die Niederschlagssummen sind aktuell meist nur gering,
dass hierfür die großflächige Ockerwarnung ausreicht. In den Modellen werden
aber durchaus einige Millimeter simuliert, so dass auch die Ausgabe neuer
Unwetterwarnungen noch nicht ganz vom Tisch ist. Auch ganz im Nordosten soll es
im Vorfeld der Front zu etwas (gefrierendem) Regen kommen. Im Tagesverlauf
sollte sich aber die Lage etwas entspannen, wenn die Temperaturen leicht über
den Gefrierpunkt steigen. Das teilweise noch reichlich vorhandene Eis ist
allerdings damit noch lange nicht weg. Zudem ziehen die Niederschläge zunehmend
in den Bereich der Kaltluft, so dass sie - zumindest, wenn die feuchte Schicht
hochreichend genug ist - dann häufiger wieder als Schnee fallen.
Auch weiter nach Südwesten hin bleibt es nicht trocken, dort kommt es in der
feuchten Luftmasse bei leicht labilen Verhältnissen zu regionalen schauerartigen
Regenfällen, dort allerdings ohne nennenswerten Impact.
Ganz im Westen und Südwesten gibt es noch ein besonderes Schmankerl: Rückseitig
der Okklusion lässt leichtes Absinken die Wolkendecke zunehmend aufreißen, so
dass tatsächlich Klärchen in den Nachmittagsstunden mal sichtbar werden kann.
Dort wird es auch deutlich milder mit Höchstwerten die oftmals zwischen 9 und
13°C liegen.
In der Nacht zum Sonntag ändert sich an der Großwetterlage nichts Wesentliches.
Im Bereich der sich auflösenden Okklusion nordöstlich der Elbe kommt es
weiterhin zu weiteren Niederschlägen. Da zunächst die Luftmasse meist noch
hochreichend feucht ist und die Advektion kalter Luft von Osten her sogar für
leichte Abkühlung sorgt (in 850 hPa wieder Temperaturrückgang auf -2 bis -4°C im
Nordosten), sollte der Niederschlag verbreitet wieder in leichten Schneefall
übergehen. Wenn allerdings im weiteren Verlauf etwas Absinken einsetzt in die
Luftmasse von oben etwas abtrocknet, kann es der flachen feuchten Schicht dann
vielleicht auch wieder Sprühregen fallen, der bei leichtem Frost erneut zu
Glatteis führen kann, so dass auch für die kommende Nacht wieder Ocker-Warnungen
in Betracht gezogen werden müssen. Zunächst sollte es aber ausreichen, die
Frostregionen mit gelben Glättewarnungen zu versehen.
Vom Südwesten arbeiten sich die Wolkenauflockerungen noch etwas bis zur Mitte
voran, so dass bei windschwachem Wetter auch die Temperaturen in der
Südwesthälfte wieder zurückgehen können. Dies hat die Bildung von recht
verbreitetem Nebel und einer Hochnebeldecke zur Folge, so dass morgen früh
wieder die größten Landesteile trüb sein werden. Am ehesten kann es bei leichtem
Ostwind in den Leelagen westlich der westlichen Mittelgebirge wolkenfrei
bleiben. Es kann aber durch die Abkühlung zuvor auch im Süden und im westlichen
Bergland leichten Frost (meist bis -3°C, an den Alpen darunter) geben. In der
feuchten Luftmasse besteht Glättegefahr durch Reifablagerungen oder örtlich
gefrierenden Nebel. Ansonsten bleiben aber vor allem im Nordwesten und in der
Mitte die Temperaturen vielfach leicht über dem Gefrierpunkt.
Am Sonntag... erreicht Tief Martin im Süden Europas das westliche Mittelmeer.
Bei uns steigt das Geopotential leicht, da sich zum einen von Norden Hoch
Emmeram etwas annähert, zum anderen auch von Süden sich ein schwacher Höhenkeil
ausbildet. Der Schwerpunkt von Hoch Emmeram verlagert sich im Tagesverlauf über
die Ostsee hinweg ins Baltikum. Östlich davon weitet sich die oben erwähnte hoch
reichende Kaltluft über weite Teile Russlands aus.
Hierzulande sorgt die Annäherung des Hochs wieder für eine Gradientzunahme,
wobei dieser nach wie vor im Nordwesten am stärksten bleibt. Aber auch im Süden
weht im Tagesverlauf wieder spürbarer Wind aus östlichen Richtungen. Über der
Ostsee kann es in exponierten Lagen steife Böen geben, ebenso über Helgoland
(dort Südostwind), ansonsten ist der Wind weiterhin unspektakulär.
Auch ansonsten ist nicht viel Spektakel geboten. Unter leichtem Absinken wird
die Wolkenschicht im Nordosten immer flacher und die Niederschläge lassen nach.
Allerdings steigt natürlich die Gefahr, dass aus der schwachen Wolkenschicht
Nieselregen statt Schneegriesel fällt, so dass die Glatteisgefahr durchaus
weiter präsent ist. Im Tagesverlauf sollen zwar die Höchstwerte meist leicht
über den Gefrierpunkt steigen, leichte Kaltluftadvektion aus Osten lässt die
Höchstwerte im Vergleich zum Vortag schon wieder zurückgehen, so dass wieder
örtlich Dauerfrost herrschen kann. Somit steht im Osten ein weiterer Tag mit
Glatteismonitoring an.
Im übrigen Land ist die Lage dagegen außerordentlich ruhig, lediglich im
Flugwetter wird es Dank niedriger Wolkenuntergrenzen und schlechter Sichten
einiges zu tun geben. Damit wäre das Wetter in großen Teilen des Landes schon
beschrieben: Nebel, Hochnebel und meist niederschlagsfrei. Der etwas
auffrischende Ostwind sollte aber an den Westrändern der westlichen
Mittelgebirge weiter für Wolkenlücken und teils längeren Sonnenschein sorgen.
Vor allem in Teilen NRWs dürfte es sehr freundliches Wetter geben. Auch im
Alpenraum wird es sonnig.
Ganz so mild wie am Vortag wird es aber nicht mehr: Im Süden und Westen werden
meist 6 bis 9°C erreicht, am Niederrhein bis 11°C, im Alpenvorland um 4°C. Im
Nordosten sind es dagegen nur -1 bis 3°C.
In der Nacht zum Montag kommt es zu einer leichten Verlagerung des Hochs Emmeram
Richtung Südosten, so dass sich bei uns der Gradient minimal abschwächt und der
Wind auch etwas schwächer wird.
Weiterhin verbleiben fast alle Landesteile unter der dichten Schicht aus tiefen
Wolken. Lediglich im Westen, Südwesten und in den Alpen können sich die
Wolkenlücken weiter halten, dort sollen aber im Nachtverlauf einige mittelhohe
und hohe Wolkenfelder über den Himmel ziehen. Niederschläge werden kaum noch
simuliert, allerdings kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass aus den tiefen
Wolken mal etwas Schneegriesel oder geringer Sprühregen fällt, so dass
Glättewarnungen weiterhin angedacht werden müssen, allerdings empfiehlt sich
eine weniger offensive Warnstrategie. Insbesondere im Bergland kann es auch
wieder recht neblig werden, so dass dort auch der Nebel für etwas Glätte sorgen
kann.
Die Glätteproblematik betrifft aber ohnehin nur die Nordosthälfte und das
Bergland, da dort Tiefstwerte zwischen 0 und -3°C erwartet werden, in den
Alpentälern darunter. Im Westen und Südwesten bleibt es dagegen mit 3 bis 0°C
meist frostfrei.
Am Montag... verlagert sich das immer schwächer werdende Höhenhoch ins Baltikum,
das Bodenhoch zieht sich schon bis zur Ukraine zurück. Damit schwächt sich bei
uns der Wind tendenziell noch etwas ab und dreht leicht Richtung Südost. Die
etwas kältere Luftmasse aus Osten erfasst wieder das ganze Land, so dass in 850
hPa die Temperatur wieder überall auf 0°C zurück geht, im Nordosten bis -6°C.
Beim Wetter tut sich weiter erstaunlich wenig. Große Teile des Landes liegen
weiterhin unter der sehr kompakten Schicht tiefer Wolken, die höheren Lagen der
Bergländer liegen oftmals in den Wolken. Weiterhin sind die Alpen sowie die
Leelagen des Westens und Südwestens begünstigt, so dass dort die tiefen Wolken
größere Lücken haben werden. Dabei sollen sich diese Regionen im Vergleich zum
Vortag etwas ausdehnen, so dass in weiteren Regionen des Südwestens und im Lee
des Bayerischen Waldes mal die Sonne etwas hervorkommen kann. Die leichte
Winddrehung begünstigt auch Auflockerungen von den Alpen her bis ins höhere
Vorland. Das nächste vom Atlantik heranziehende Tief schickt aber seine Vorboten
in Form von hohen und mittelhohen Wolkenfeldern, so dass es auch in den
begünstigten Regionen nicht so richtig sonnig wird.
Mit Niederschlägen warten die Vorhersagemodelle nicht auf, allerdings kann
natürlich weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass die dichte tiefe Bewölkung
mal ein paar Tropfen verliert.
Die Temperatur geht im Vergleich zum Sonntag noch einmal leicht zurück. Während
es im Nordosten teils leichten Dauerfrost bei -2 bis 0°C gibt, werden sonst
meist 1 bis 9°C erreicht, mit den höchsten Werten am Kaiserstuhl.
In der Nacht zum Dienstag zieht sich das Hoch noch etwas nach Osten zurück, sein
Schwerpunkt erreicht dann Südrussland. Allerdings schiebt sich ein neuer
Hochdruckkeil von Grönland Richtung Nordmeer vor, so dass eine Winddrehung
Richtung West weiterhin nicht in Frage kommt. Vom Atlantik nähert sich zwar die
Warmfront eines umfangreichen Zentraltiefs, diese macht sich aber nur mit
weiterhin auf- und durchziehenden mittelhohen und hohen Wolkenfeldern bemerkbar,
die aber die Mehrheit der Bevölkerung ohnehin nicht zu sehen bekommt.
In den oben genannten Regionen des Südwestens und Westens dürfte dies weiterhin
der Fall sein, ansonsten soll sich die dichte Hochnebel- und Stratocumulusdecke
weiterhin zäh halten, wobei vor allem im Bergland auch wieder die Sicht sehr
schlecht werden kann. Vielleicht bildet sich auch hier und da, wo es tagsüber
aufgelockert hat, neuer Nebel, zumal der Wind weiter abnimmt.
Niederschlag ist weiterhin kein Thema, auch wenn etwas Sprühregen oder
Schneegriesel aus den tiefen Wolken nicht ausgeschlossen werden kann. Somit
besteht natürlich auch weiterhin latente Glättegefahr. Von Westen erreicht uns
in der Nacht noch kein Niederschlag.
Die Tiefstwerte sollen im Westen um oder leicht über dem Gefrierpunkt liegen (+2
bis -2°C), ansonsten muss allgemein mit leichtem Frost zwischen 0 und -4°C
gerechnet werden.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle simulieren die Großwetterlage recht einheitlich. Auch
die Bewölkungs- und Niederschlagsprognosen sind sehr einheitlich. Die
Unsicherheiten liegen eher in der Wolkenmikrophysik (nämlich: Krümelt oder
sprüht aus der Hochnebeldecke mal was raus?) und beim Bodenkältestrom (schafft
es der Bodenfrost sich gegen zeitweilig positive Lufttemperaturen durchzusetzen
und dementsprechend für Glätte und Glatteis zu sorgen).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann