Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
W z
GEWITTER (UNWETTER):
Heute vom westlichen Bergland über die Mitte hinweg bis zum Inn und zum
Bayerischen Wald einzelne Gewitter mit Starkregen und Sturmböen Bft 9 und Hagel;
Lokal eng begrenzt Unwetter aufgrund von heftigem Starkregen um 30 l/qm in
kurzer Zeit sowie Hagel mit Korngrößen über 2 cm.
Auch in der Nacht zum Sonntag zeitweise Gewitter mit starkregen um 20 l/qm und
stürmischen Böen Bft 8.
Am Sonntag in der Mitte und im Süden erneut Gewitter, Unwetter wieder
wahrscheinlicher als heute mit Starkregen um 30 l/qm in kurzer Zeit Hagel um 3
cm und vereinzelt schweren Sturmböen Bft 10. Ab dem Abend im Osten und Süden
teils in mehrstündigen Starkregen übergehend, anfangs vor allem in Richtung
Alpen noch unwetterartig, teils um 50 l/qm Regen innerhalb weniger Stunden. In
der zweiten Nachthälfte auch dort zögernde Wetterberuhigung.
Am Montag größtenteils Entspannung, nur im Osten noch einzelne Gewitter mit
stürmischen Böen.
Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Samstag... setzt sich vorübergehend antizyklonaler Einfluss in Form eines in der
westlichen Strömung eingelagerten Höhenkeils durch, dessen Achse bis zum Abend
den Westen Deutschlands erreicht. Die am Vortag im Nordwesten und Westen
eingeflossene Luftmasse ist nach wie vor in einem breiten Streifen zu finden,
der sich vom westlichen Bergland über die südliche Mitte bis zum Bayerischen
Wald erstreckt. Mit 30 bis 35 mm ist aber nicht mehr so viel Flüssigwasser
vorhanden wie am Vortag, resultierend aus der Feuchteanreicherung durch die
vorherigen Niederschläge und nachfolgender Einstrahlung kann jedoch mit teils
über 2500 J/kg mehr KK- und MUCAPE generiert werden als dass dies gestern der
Fall war. Zunächst ist, bedingt durch den nahen Höhenkeil, die Labilität noch
etwas gedeckelt. Das gibt sich jedoch tagsüber bereits durch geringe
Einstrahlung. Dennoch ist in diesem Bereich vor allem über den Mittelgebirgen
die Auslösung hoch reichender Konvektion vorstellbar, die mangels Scherung nicht
so organisiert auftritt wie dies gestern der Fall war. Daher ist Starkregen und
Hagel in den Fokus zu rücken, wobei durchaus unwetterartige Regenmengen
zusammenkommen können. Erste starke Gewitter sind aktuell bereits im Westen
unterwegs.
Im Norden und Nordosten Deutschlands ist die Schichtung stabil, im Südwesten und
Süden der Gehalt an niederschlagbarem Wasser zu gering und der antizyklonale
Einfluss zu sehr ausgeprägt, so dass, abgesehen von Einzelentwicklungen über dem
süddeutschen Bergland, in diesen Gebieten konvektiv nicht viel zu erwarten ist.
Im Westen und Süden Deutschlands sind noch einmal 26 bis 32 Grad und bis 33 Grad
am Oberrhein zu erwarten, im Norden und Nordosten wird es mit 19 bis 25 Grad
nicht mehr so heiß wie bisher.
In der Nacht zum Sonntag fällt in den zuvor genannten Gebieten die Konvektion
mit dem hereinschwenkenden Höhenkeil alsbald in sich zusammen, lebt aber in der
zweiten Nachthälfte, getriggert durch einen aus Nordsee in den Westen
Deutschlands hereinlaufenden Kurzwellentrog, von Westen auf die Mitte
übergreifend erneut auf. Dabei dürfte es sich im Wesentlichen um abgehobene
Entwicklungen handeln, die teils mehrstündigen und von Gewittern durchsetzten
Starkregen zustande bringen können. Ansonsten ändert sich an der Verteilung der
Luftmassen nur wenig.
Dort, wo es zuvor viel geregnet hat, können sich flache Nebelfelder bilden. Dies
ist am ehesten über der südlichen Mitte der Fall.
Sonntag... setzt sich über Mitteleuropa mehr und mehr eine westliche und leicht
flatternde, aber eher zyklonal geprägte Strömung durch. Dabei lässt der nächste
Trog nicht lange auf sich warten, überquert die Nordsee und erreicht bis zum
Abend bereits die Benelux-Staaten. Zwar wird dieser Trog durch Kaltluftadvektion
überlaufen, aber dieser Effekt dürfte durch positive Vorticityadvektion
kompensiert werden.
An der Vorderseite dieses Troges erfolgt erneut ein Einschub feuchtlabiler Luft.
CAPE (MU, KK) erreicht deutlich mehr als 2000 J/kg und ist gegenüber den
Vortagen kaum noch gedeckelt. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser liegt dann
bei 30 bis 35 mm. Trockenere Luft hält sich nur im Norden und Nordosten
Deutschlands, etwa von der Nordsee bis in die Lausitz hinein. Diese Gebiete
bleiben wahrscheinlich von konvektiven Umlagerungen verschont.
Bedingt durch die signifikante niedertroposphärische und auch hoch reichende
Scherung wird das gesamte Spektrum an unwetterträchtigen Parametern
ausgeschöpft, so dass dann auch wieder eine entsprechende
Unwettervorabinformation erforderlich wird. Der Schwerpunkt der hoch reichenden
Konvektion liegt dann wahrscheinlich über den mittleren Regionen, wobei hier
noch Unsicherheiten bestehen.
Gestützt durch Kaltluftadvektion schiebt sich im späteren Tagesverlauf von
Westen ein Bodenhochkeil herein. Mit der Drehung der bodennahen Windkomponente
auf Nordwest dürfte zur tagesgangsbedingt aktivsten Zeit von Westen her die
Konvektion abflachen. Wie rasch dieser Prozess in Gang kommt und wie rasch
dieser nach Osten voranschreitet, ist noch unsicher.
Gegenüber heute gehen die Temperaturen etwas zurück. Im Osten und Süden werden
noch einmal 25 bis 29 Grad erreicht. Im Norden und Nordwesten sind 19 bis 25
Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Montag tropft der Trog über Jütland aus. Der von dem Höhentief
ausgehende Trog überquert die Mitte Deutschlands, wobei dieser nur eine schwach
definierte Achse aufweist. Der nachfolgende Rücken greift bereits unter weiterer
leichter Aufwölbung auf die Britischen Inseln über. Hierdurch verschiebt sich
das konvektive Geschehen mehr und mehr in die östlichen und südöstlichen
Landesteile, wobei in der ersten Nachthälfte bei zunehmender Verclusterung noch
Unwetter durch mehrstündigen und anfangs noch gewittrigen Starkregen vorstellbar
sind. Am wahrscheinlichsten ist dies am Alpenrand.
Von Westen her setzt sich trockenere und stabilere Luft durch, die bis
Montagfrüh dann auch die mittleren Gebiete erfasst. Entrainmentprozesse
entschärfen die Luftmasse zusehends, so dass, abgesehen vielleicht vom östlichen
Alpenrand, bis Montagfrüh kaum noch die Gefahr von Starkregen besteht.
Im Nordwesten und Westen Deutschlands setzt Entspannung ein; auch der Norden und
Nordosten sollte von konvektiven Umlagerungen weiterhin verschont bleiben.
Aufgrund des dann vorhandenen Gradienten ist die Nebelneigung eher gering.
Montag... kommt das Cut-Off-Tief über Dänemark nur wenig nach Osten voran und
nähert sich bis zum Abend der Südspitze Schwedens. Der hiervon ausgehende Trog
schwenkt über den Osten Deutschlands hinweg nach Polen und überquert am Abend
die Oder. Zwar kann sich im Bereich dieses Troges noch einmal etwas CAPE
aufbauen, ganz im Nordosten Deutschlands sind auch noch einmal etwas über 500
J/kg möglich, aber die Luftmasse weist nur noch einen Flüssigwassergehalt von 20
bis 25 mm auf. Für einzelne Gewitter im Norden, Nordosten und anfangs auch in
den mittleren Landesteilen kann es durchaus noch einmal reichen. Diese können
mit stürmischen Böen einhergehen; Starkregen oder Unwetter sind dann nicht mehr
zu erwarten.
In den anderen Gebieten setzt sich im Bereich eines schwachen Zwischenhochkeils
stabil geschichtete und merklich trockenere Luft durch, so dass sich vermehrt
Auflockerungen, südlich der westlichen Mittelgebirge auch längere sonnige
Abschnitte einstellen. Auch an der Küste und im nördlichen sowie nordöstlichen
Binnenland sind, bedingt durch die Durchmischung, größere Auflockerungen
vorstellbar. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 19 bis 24, im Südwesten in
tieferen Lagen bis 26 Grad.
In der Nacht zum Dienstag greift unter Verkürzung der Wellenlänge der
nachfolgende schwache Höhenkeil auf das Vorhersagegebiet über. Im Bereich des
korrespondierenden Zwischenhochkeils lässt Absinken die Bewölkung auflockern.
Ein weiterer Trog erreicht dann bereits die Britischen Inseln. Vorderseitig
erfolgt Warmluftadvektion, was ausgangs der Nacht im Nordwesten und Westen
Deutschlands Wolkenaufzug zur Folge hat. Dienstagfrüh kann dann im äußersten
Westen bereits Regen einsetzen.
Dort, wo es längere Zeit aufklart, sind einstellige Temperaturminima zu
erwarten.
Modellvergleich und -einschätzung
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Bis einschließlich Sonntag wird die oben beschriebene Entwicklung von den
verfügbaren Modellen gestützt. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis
dahin nicht ableiten. In der Nacht zum Montag simulieren die externen Modelle
das Cut-Off-Tief, das von ICON über Dänemark gezeigt wird, weiter nördlich, etwa
über der nördlichen Nordsee und verlagern dieses Tief im Laufe des Montags in
den Oslofjord. Demnach könnte sich am Montag auch in den östlichen Landesteilen
rascher Stabilisierung und antizyklonaler Einfluss durchsetzen als dass dies bei
ICON der Fall ist. Die nachfolgende Entwicklung mit dem auf die Britischen
Inseln übergreifenden trog und dem Wolkenaufzug im Nordwesten und Westen
Deutschlands wird dann wieder von allen Modellen im Gleichtakt gezeigt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann