Kurzfrist

ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: BM (Brücke Mitteleuropa) mit Tendenz zu Nea (Nordost antizyklonal)

JURIJ kommt um zu bleiben - blockierende Hochdrucklage mit kleinen
Schwachstellen über das Wochenende hinaus.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... ist es genau eine Woche her, dass wir einige turbulente Tage vor
der Brust hatten: erst LUISE, dann MANJA und danach noch ein bisschen NAOMI.
Trio infernale könnte man sagen, auch wenn man in der Schlussbilanz konstatieren
kann, dass es schlimmer hätte werden können. Dass der Capitano von "Mein Schiff
3" im Bremerhavener Becken so in Schwierigkeiten geraten würde, war trotz
widriger Windbedingungen nicht unbedingt abzusehen. Nun gut, müssen sich die
Passagiere die Bäuche woanders vollschlagen, wird schon. Inzwischen sind die
drei Ladys entweder schon in die ewigen Jagdgründe bedeutender Sturm- und
Orkantiefs abgetaucht (LUISE) oder fristen hoch im europäischen Norden nur noch
ein bedeutungsarmes Rentendasein. Die Tatsache, dass ein weiteres fettes
Orkantief, das heute Morgen mit unter 954 hPa!! im Kern nahezu ortsfest über der
westlichen Irminger See seine Kreise dreht, von der BWK/FU Berlin keinen Namen
bekommen hat, spricht Bände. Es wird ins hiesige Geschehen nicht eingreifen,
sondern sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vor Ort so sehr einen Wolf drehen, bis
es am Wochenende von der Bildfläche verschwindet.

Dass dieses Tief quasi von der europäischen, zumindest von der
kontinentaleuropäischen Welt abgeschnitten ist, hat natürlich Gründe,
substanzielle Gründe. So hat das atmosphärische Pendel inzwischen in die
gänzlich andere Richtung ausgeschlagen. Sprich, Hochdruckeinfluss und Blockade
sind angesagt, die keine Zweifel offenlassen, dass heute und in den nächsten
Tagen erstmal die herbstlich-beschauliche Schiene gefahren wird. Nix Sturm, nix
Regen (oder kaum, doch dazu später), nix Gewitter, stattdessen
Grenzschichtmeteorologie vom Feinsten, um es positiv zu formulieren. Oder
Langeweile pur, wie es sich wohl aus der Sicht aller Vollwetterfans darstellt.
Nun gut, wir können uns unser Wetter nicht aussuchen, was jetzt nicht wirklich
neu ist. Es ist, wie es ist und et kütt wie et kütt - und damit herzliche Grüße
nach Kölle, wo et Trömmelche jeht und der Rhein schon wieder am Fallen ist.

Nun aber endlich zur Lage bei uns, die heute ganz klar im Zeichen von JURIJ
seht, einem 1030+X-hPa-Hoch mit Zentrum über Deutschland. Wenn man so will
markiert JURIJ den westlichen Pfeiler einer Hochdruckbrücke, die eben jenen
JURIJ mit dem Kameraden GERHARD über Russland verbindet (ein Schelm, wer dabei
an unseren Altkanzler denkt). Während das mit der Verbindung beim Luftdruck
schon sehr gut klappt, lässt sich das vom Geopotenzial nicht behaupten. Zwar hat
sich westlich von uns ein äußerst gut trainierter (weil kräftig und breit)
Rücken formiert, der auf seiner Vorderseite Absinken generiert und gleichzeitig
unseren Freund JURIJ stützt. Stromab allerdings schließt sich ein langgezogener
Trog an, der ausgehend von Nordskandinavien bis hinunter zum zentralen
Mittelmeer reicht und der heute über Italien bzw. der Adria abtropft. Allzu sehr
wird uns dieser Trog zumindest heute nicht mehr traktieren, auch wenn heute
Morgen noch dichte Wolken und ein paar wenige Tropfen Regen von Tschechien und
Austria in den Südosten Bayerns driften. Die dichten Wolken und das bisschen
Regen, die im Norden aufgetaucht sind, gehen nicht auf das Konto des Höhentrogs.
Sie sind vielmehr das Produkt eines flachen Bodentrogs, der am Rande des Hochs
über Norddeutschland geschwenkt ist und nun via Ostsee ostwärts abzieht. Dabei
wurde feuchte, bis etwa 700 hPa hinaufreichende Nordseeluft eingesteuert, die
sich nicht so schnell tilgen lässt. Heißt, Teile des norddeutschen Binnenlands
bleiben ganztägig dicht, wobei hier und da immer noch mal ein paar Tropfen Regen
oder Nieselregen fallen können. Richtung Küste sowie ganz im Norden (SH)
bestehen dagegen durchaus gute Chancen für Auflockerungen, wenn nicht sogar für
längeren Sonnenschein.

Zur Mitte und nach Süden hin zeigt sich das typische Bild einer
gradientschwachen herbstlichen Hochdrucklage. Binärwetter hat das ein findiger
Kollege mal genannt, 1 oder 0, grau oder blau. Zwar ist die Grundschicht
vertikal nicht so mächtig wie im Norden, aber es reichen ja schon wenige hundert
Meter, um die die Feuchte, den Wasserdampf "gefangen" zu halten. So hat sich
insbesondere in den Flusstälern und -niederungen nicht selten dichter Nebel
gebildet, den aufzulösen es tagsüber Ende Oktober nicht leicht ist. Stattdessen
mutiert er gerne zu zähem Hochnebel, was die Sache nicht besser macht - grau
bleibt grau. Teils kommen wir allerdings auch klar aus der Nacht, was tagsüber
Sonnenschein und nur wenige Wolken bedeutet. In der Vorhand diesbezüglich
Südwestdeutschland, aber auch Teile des Westens und Südens bzw. der Mitte. Klar,
komplett binär läuft die Sache in der Realität natürlich auch nicht ab, will
sagen, z.T. lösen sich Nebel und Hochnebel auch auf, so dass man von beidem was
hat. Aber wie gesagt, niedriger Sonnenstand und kaum Durchmischung im Zuge
geringer Luftbewegung (einzig im sonnigen Hochschwarzwald nimmt die östliche
Bisenströmung etwas Fahrt auf) sind keine guten Argumente, um das Auflösen von
Nebel und Hochnebel zu forcieren.

Dort, wo es in der Mitte und im Süden ganztägig trüb bleibt, dürfte die
Tageshöchsttemperatur im Einstelligen zwischen 5 und 9°C verharren. Ansonsten
stehen 10 bis 15°C auf der Karte, im Westen mit Hilfe von Klärchen lokal auch
etwas darüber.

In der Nacht zum Freitag tut sich wenig an der statischen Wetterlage, zumindest
bei uns. Der Rücken bleibt westlich von uns, was eine stark antizyklonal
konturierte nördliche Höhenströmung zur Folge hat. Subsidenz ist weiterhin
Trumpf, während das Zentrum des Bodenhochs mit immer noch etwas über 1030 hPa
nach Norddeutschland wandert. Dort wird die Grundschicht deutlich gestaucht,
allerdings nicht so weit, dass die weiterhin reichlich vorhandene Feuchte der
Abtrocknung von oben zum Opfer fällt. So kommen die Norddeutschen vom Regen in
die Traufe, wie man so schön sagt. Aus dichter Bewölkung wird entweder Hochnebel
oder - im Falle kurzzeitiger Wolkenauflösung - es bildet sich teils dichter
Nebel. Gerade im nordwestlichen NDS sowie in SH sind die Signale von WarnMOS
ziemlich deutlich für Sichtweiten unter 150 m.

Im großen Rest der Republik sollte man sich ebenfalls auf Nebel und Hochnebel
einstellen, sei es durch Neubildung, sei es durch Ausbreitung vorhandener
Stratus- und Hochnebelfelder. Gleichwohl gibt es auch in der kommenden Nacht ein
paar Bastionen, die der ganzen Nebelei die Stirn bieten und da nicht mitmachen.
In der Regel sind das etwas höher gelegene Regionen, aber auch weiter unten wird
es an der ein oder anderen Stelle klar bleiben. Dort droht dann auch leichter
Frost, während die Tiefstwerte sonst im Plus bleiben. Mit Hilfe von
Low-Level-Effekten könnte der Ostwind auf den Schwarzwaldhöhen etwas zunehmen.
Ob es dabei schon für glatte Sturmböen 9 Bft wie von MOS apostrophiert reicht,
bleibt allerdings abzuwarten.

Freitag... verbleibt das Hoch mit seinem Schwerpunkt über Norddeutschland, von
wo aus es einen freundlichen Gruß in Form eines sehr soliden Keils nach
Skandinavien sendet. Einen Keil sendet auch der westlich positionierte
Potenzialrücken, in diesem Fall aber gen östliches Mitteleuropa, was die
Höhenströmung in der Südhälfte mehr auf Nordost drehen lässt. Letztlich ist es
aber egal, was in der Höhe abläuft, die Musik wird unten in der Grenzschicht
gespielt. Langsamer Walzer, kein flotter Tango, um im Bild zu bleiben. Ins
Meteorologische übersetzt bedeutet das abermals entweder Grau oder Blau. Ganz
schlechte Karten in Sachen Sonnenschein hat die Norddeutsche Tiefebene inkl. des
nordostdeutschen Binnenlands, wo die Schotten dicht bleiben (Nebel/Hochnebel).
Richtung Küste läuft´s vielleicht nicht ganz so trist, meint, es könnte für ein
paar Aufhellungen oder Auflockerungen reichen. Immerhin werden trotz
herbstlicher Tristesse meist zweistellige Tageshöchsttemperaturen bis zu 13°C
anvisiert.

Für die übrigen Gebiete gilt, je weiter im Südwesten und/oder je höher über NN,
desto größer die Sonnenwahrscheinlichkeit. Außerdem steigt die
Wahrscheinlichkeit, dass auf den Schwarzwaldkuppen, vornehmlich auf dem
Feldberg, die ein oder andere Sturmböe 9 Bft aufs Anemometer projiziert wird.
Dort, wo die Sonne scheint und zusätzlich noch Leeeffekte respektive etwas
Durchmischung durch den Ost- bis Nordostwind generiert werden, steigt die
Temperatur auf 10 bis 13, im Westen punktuell auf 14 oder 15°C. Dort, wo es mit
der Auflösung von Nebel/Hochnebel erst sehr spät oder gar nicht klappt, stehen
lediglich 4 bis 9°C auf dem Zettel.

In der Nacht zum Samstag weiterhin "business as usual". Das Hoch über
Norddeutschland und der Nordsee, der Rücken - inzwischen bis hoch zum
Nordpolarmeer reichend - weiterhin knapp westlich von uns. Erwähnenswert ist an
dieser Stelle vielleicht die Tatsache, dass in den Südosten sukzessive
niedertroposphärische Kaltluft einströmt, in der T850 auf 0 oder -1°C
zurückgeht. Mit von der Partie sind Wolken und ein paar vereinzelte Tropfen, die
auf das Konto der Trogreste über dem östlichen Mitteleuropa gehen. Auf der
anderen Seite wird im Südosten dadurch die Nebelgefahr heruntergefahren.

Ansonsten gibt es aber auch in dieser Nacht wieder viel Nebel und Hochnebel und
im großflächigen Vergleich eher weniger klare Verhältnisse. Dort, wo das doch
der Fall ist (Süden/Mittelgebirge), kühlt es stellenweise in Gefrierpunktnähe
oder gar in den leichten Frostbereich ab. Die Schwarzwaldhöhen bleiben anfällig
für stürmische Böen oder Sturmböen aus Ost bis Nordost.

Samstag... schreiben wird den letzten Oktobertag und das ist in manchen
Bundesländern - Hessen gehört natürlich nicht dazu - dank Martin Luther ein
Feiertag: Reformationstag. Wettertechnisch verbleiben wir weitgehend unter
Hochdruckeinfluss. Inzwischen ist der Luftdruck über dem Ostatlantik deutlich
angestiegen (Gott zum Gruße KLAUS), so dass wir hier von einer ausladenden, über
Teile Mitteleuropas und Skandinaviens bis nach Russland verlaufenden
Hochdruckzone sprechen. Der Potenzialrücken erstreckt sich zur Mittagszeit von
der Iberischen Halbinsel und dem Seegebiet westlich davon bis hoch zur
Barentssee, womit er noch immer nicht in vollem Umfang das Vorhersagegebiet
erreicht hat. Das mag auch ein entscheidender Mitgrund dafür sein, dass sich im
schon weiter oben zitierten Südosten eine gewisse zyklonal angehauchte
Schwachstelle auftut. Nochmal, der o.e. Trog bzw. die Reste davon sind nicht
weit weg. Das genügt, um etwas periphere Hebung auf Deutschland, konkret den
Südosten übergreifen zu lassen, was außer vielen Wolken sogar etwas Niederschlag
zur Folge hat. Dabei ist der Begriff Niederschlag bewusst gewählt, handelt es
sich doch nicht nur um Regen, sondern im Bayerischen Wald sowie in den Alpen
(eher im Osten als im Westen) oberhalb etwa 1000 bis 1200 m um Schnee. Nicht
viel, aber immerhin.

Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die Sonnenwahrscheinlichkeit in der
inzwischen doch ganz schön gealterten Polarluft (xP) tendenziell auf dem
absteigenden Aste ist. Weiterhin sind der Westen und Südwesten sowie die höheren
Alpenlagen in der Vorhand, während man sonst die Freuden des Tages woanders als
in der Atmosphäre suchen muss (samstags bietet sich da immer Bundesligafußball
an, aber das nur am Rande). Während es im Süden und in der Mitte punktuell
schwer wird, über 5°C Höchsttemperatur hinauszukommen, wird es im Norden und
Westen meist zweistellig mit bis zu 13°C.

Kurz noch die Nacht zum Sonntag (Allerheiligen, schon wieder Feiertag, natürlich
nicht in Hessen). Weiterhin HPI (High Pressure Influence) mit kleinem Leck im
Südosten (Wolken, etwas Niederschlag). Viel Stratus/Hochnebel oder Nebel, höhere
Lagen im Südwesten frei. 7 bis 0°C, direkt an der See etwas darüber. Im
Hochschwarzwald tendenziell abnehmender Wind.

Modellvergleich und -einschätzung
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Der Fahrplan steht, aber die tagtägliche Erfahrung mit öffentlichen
Verkehrsmitteln lehrt uns, dass das nichts zu bedeuten hat. Nun wird es
natürlich nicht so kommen, dass die die Entwicklung der nächsten Tage gänzlich
anders verläuft als oben beschrieben. Trotzdem bleiben ein paar Unschärfen
hinsichtlich Nebel und Hochnebel (wo, wie lange usw.), was aber typisch für
herbstliche und winterliche Grundschichtmeteorologie ist. Gespannt darf man auch
auf den Niederschlag im Südosten sein, auch wenn es nach Übereinstimmung aller
gängigen Modelle nicht viel sein wird.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann