Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang von Na (Nord antizyklonal) zu HNa (Hoch Nordmeer antizyklonal)
Auf KLAUS folgt LAURENT - sommerliches Wochenende, im Südwesten trocken-heiß, im
Nordosten trotz einiger Wolken trocken-warm.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Freitag... setzt sich die blockierende Wetterlage in weiten Teilen Europas
nahtlos fort. Zwar ist es nicht so, dass es nicht Versuche gäbe, ein oder zwei
Löcher in das dicke Blockadebrett zu bohren. Zu nennen wäre da beispielsweise
ein Kurzwellentrog, der gerade dabei ist, sich von Island bzw. der Irminger See
zur Norwegischen See zu verlagern. Aber anstatt in Richtung Mitteleuropa zu
schwenken und dort die Karten neu zu mischen, wird der Trog nordostwärts in die
Polregion abgelenkt, so dass wir hier nix davon mitbekommen. Es bleibt also bei
der eingefahrenen Konstellation bestehend aus dem ehemaligen Ostseesturm
BERNADETTE, das mittlerweile zu einem hochreichenden und trägen Zentraltief
mutiert ist. Vom Baltikum hat es die Nase offensichtlich voll, weshalb es seinen
Sitz in den weißrussisch-ukrainischen Grenzbereich verlagert. Dabei keilt es mal
mehr, mal weniger nach Westen aus, was bei uns gerade in den östlichen
Landesteilen eine zyklonal konturierte Nord- bis Nordwestströmung zur Folge hat.
Mitunter wird der Osten sogar von durchlaufenden Sekundärtrögen gestreift, eine
wirkliche Wechselhaftigkeit des Wetters lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Was nützt es, wenn Zyklonalität in der Höhe auf Hochdruckeinfluss und vor allen
eine gänzlich untaugliche, weil stabile und trockene Luftmasse unten trifft
(gealterte Subpolarluft xPs).
Apropos Hochdruckeinfluss, der reicht aktuell in Form einer schier unendlichen,
stabilen Brücke vom mittleren Nordatlantik über UK/Irland und Skandinavien bis
in die Weiten Nordwestrusslands. Dabei wird der bisher für uns verantwortliche
KLAUS durch LAURENT ersetzt, welcher sich im Tagesverlauf zu einer
abgeschlossenen 1025-hPa-Ellipse zwischen der südnorwegischen Westküste und dem
Seegebiet westlich Irlands mausert. Fast noch wichtiger als die Herren am Boden
ist der stützende und nahezu stationäre Potenzialrücken in der Höhe, der quasi
den Gegenspieler vom hochreichenden Tief über dem nahen Osteuropa mimt und vom
westlichen Mittelmeer bis hoch nach Skandinavien reicht. Zwar wird der Rücken in
seinem Nordteil vom o.e. KW-Trog etwas attackiert, was ihn in seinen Grundfesten
aber keinesfalls erschüttert.
Das reicht nun aber dicke, um das doch eher unspektakuläre, weil ereignisarme
Wetter des heutigen Freitags bei uns zu erklären. Ganz schnell abgehakt ist die
Südwesthälfte, wo quasi den ganzen Tag ungehindert die Sonne scheint und die
Temperatur auf 29 bis 34°C hochjagt (T850 15 bis 19°C). Das Erfreuliche dabei
ist, dass die Hitze aufgrund der Trockenheit der Luftmasse mit niedrigen
Taupunkten (unter 15°C) nicht drückend oder schwül daherkommt. Ansonsten gilt
es, erstmal die SC/ST-Bewölkung zu bearbeiten, die sich unterhalb einer bis 950
hPa oder noch tiefer abgesunkenen Inversion von den Küsten bis an den Nordrand
der zentralen Mittelgebirge ausgebreitet hat. Die Chancen, das heute früh noch
ziemlich zähe Gewölk entweder aufzulösen oder in flache Cu hum zu überführen,
stehen heute sehr gut, was man aktuell auch schon beobachten kann: geringe
vertikale Mächtigkeit, fast maximale Tageslänge und somit lange Wirkdauer der
hochstehenden Sonne, zudem Entrainment trockener Luft bedingt durch zunehmend
auf Nord drehenden Wind (=> Wegfall des feuchten Nordseefetch). Bis zum Abend
dürfte nicht mehr viel von den tiefen Wolken übrig sein. Dafür können nach Osten
hin ein paar hohe Wolken durchziehen (der Absender dürfte bekannt sein, s.o.).
Auf alle Fälle kann sich die Luft in der NO-Hälfte gegenüber den Vortagen
diabatisch erwärmen auf 25 bis 29°C. Einzig direkt an der See sowie auf den
vorgelagerten Inseln wird es aufgrund der nördlichen Windrichtung nicht ganz so
warm.
In der Nacht zum Samstag tut sich nicht viel an der Großwetterlage, wenn man mal
davon absieht, dass unser neues Hoch LAURENT ganz allmählich die 1030-hPa-Marke
in seinem Zentrum knapp nördlich und westlich von Schottland ansteuert. Wetter-
und bewölkungstechnisch läuft es deutschlandweit auf eine klare Nacht hinaus.
Einzig am äußeren östlichen Rand könnten von der Ostsee und Polen her ein paar
Wolkenfelder durchdriften (am ehesten Cirren, weniger tiefes Zeug). Und der
Grenzbereich zu den Niederlanden sowie das westliche NDS könnten noch ein paar
Rest-Stratusfelder von der Nordsee abbekommen. In der trockenen Luft kühlt es
verbreitet auf 18 bis 11°C, vereinzelt im Norden sowie in einigen Senken und
Mulden der östlichen Mittelgebirge auf 10°C oder etwas darunter ab. Am wärmsten
bleibt es in einigen mittleren Hanglagen bzw. Ballungszentren SW-Deutschlands,
wo die Tiefsttemperatur bei 20°C liegt.
Samstag... bleibt die Konstellation Höhentief nahes Osteuropa vs. Rücken
West-/Mitteleuropa erhalten. Zur vollen Wahrheit gehört noch ein weiteres
Höhentief knapp westlich der Iberischen Halbinsel, was dem Gesamtmuster ein
omega-ähnliches Aussehen verleiht und natürlich zur Stabilität des Ganzen
beiträgt. So richtig ins Zeug legt sich Kollege LAURENT, der sich als längliches
Hochdruckgebiet mit 1030+X hPa im Zentrum vom Seegebiet weit westlich Irlands
bis zur norwegischen Westküste positioniert. Auf seiner SO-Flanke wird bei uns
eine nördliche (Osthälfte) bis östliche Grundströmung erzeugt, mit der eine
trockene und gut durchmischte Luftmasse in den Vorhersageraum strömt. Auf 850
hPa liegt die Temperatur an der Grenze zu Polen bei 10°C, während in Südbaden
20°C auf der Karte stehen. Das erklärt den immer noch vorhandenen thermischen
Unterschied zwischen Nordost- (25 bis 31°C, Küste bei auflandiger Windkomponente
etwas weniger) und Südwesthälfte (29 bis 35°C), wenn auch nicht mehr ganz so
krass wie noch vor einigen Tagen. Trotz der hohen Temperaturen bleibt die
Hitzebelastung im Südwesten wegen der weiterhin sehr trockenen Luft im Rahmen,
wobei das freilich immer subjektiv ist.
Weitgehend objektiv präsentiert sich das Wetter (ob man´s mag oder nicht, steht
wieder auf einem anderen Blatt), das der gesamten SW-Hälfte Sonne satt nahezu
ohne Wolken beschert. Zwar wird die Luft gerade nach Süden hin durch die
Überhitzung potenziell instabiler. Trotzdem bleibt die
Gewitterwahrscheinlichkeit nahe null, weil sowohl die z.T. bis 700 hPa
hinaufreichende Grundschicht als auch die darüber liegende Mitteltroposphäre
viel zu trocken sind. Die wenigen hundert Joule pro Kilogramm CAPE, die trotzdem
über dem Südschwarzwald und am Alpenrand numerisch angeboten werden, dürften für
ein paar hochbasige Quellungen und vielleicht einen Schauer, aber kaum für ein
Gewitter reichen.
Quellungen sowie einige mittelhohe und hohe Wolken stehen morgen auch nach Osten
und Nordosten hin auf dem Zettel, was der Nähe zum Höhentief geschuldet ist.
Einige externe Modelle wie SuperHD, IFS oder auch UK10 quetschen da sogar ein
paar schlappe Schauer aus den Wolken, was beim Blick auf die vergleichsweise
trockenen Vertikalsondierungen schwerfällt zu glauben. Wenn´s dann doch
vereinzelt mal passieren sollte, dürfte das eher als erfrischende Abwechslung
denn als Störung wahrgenommen werden.
Die Nacht zum Sonntag bringt keine signifikanten Änderungen der Wetterlage.
Heißt verbreitet klarer Himmel, im Norden und Osten ein paar hohe oder
mittelhohe Wolkenfelder und Tiefsttemperaturen zwischen 19 und 11°C. Die
höchsten Werte werden dabei direkt an der See sowie im Südwesten erwartet (dort
gerade in einigen Innenstädten sogar Tropennächte mit 20+X°C Min.). Dafür kühlt
es in Senken und Mulden der zentralen, östlichen und südöstlichen Mittelgebirge
auf 10°C oder etwas darunter ab.
Sonntag... bleibt das Hoch mit seinem Zentrum 1030+X-hPa-Zentrum über der
nördlichen Nordsee respektive der südlichen Norwegischen See das Maß der Dinge.
Von dort erstreckt sich ein wuchtiger Keil nach Südosten, der über die Alpen
hinweg bis zum italienischen Stiefel reicht. Weiterhin mit von der Partie ist
der Höhenrücken, der wie in Stein gemeißelt westlich von uns thront und dabei
Absinken generiert. Kurzum, das Setup bleibt antizyklonal konturiert und warm
bis heiß wird´s auch wieder. 28 bis 35, am Oberrhein lokal vielleicht 36°C
stehen an, lediglich ganz oben im Norden geht´s nicht ganz so in die Vollen.
Dazu scheint die Sonne, in der SW-Hälfte von einem weitgehend wolkenlosen
Himmel, sonst garniert von einigen Quellungen bzw. höheren Wolkenfeldern. Dass
SuperHD, IFS und auch UK10 im Osten sogar ein paar vereinzelte schlappe Schauer
aus den Cumulanten rausholen, kann als sehr ambitioniert gewertet, aber nicht
gänzlich ausgeschlossen werden. Ausschließen kann man potenzielle Gewitter über
den Alpen und dem Schwarzwald, wo die Luft noch trockener wird als zuvor.
In der Nacht zum Montag mogelt sich ein kleiner Randtrog von der Ostsee in den
äußersten Nordosten, der dort etwas Hebung erzeugt. Ob das auch einen Impact
nach sich zieht, ist sehr fraglich. Die Modelloutputs gehen von nothing bis hin
zu einzelnen Gewittern, was aber sehr sportlich erscheint. Nun gut, lassen wir
uns überraschen. Der größte Teil des Landes verbringt die Nacht unter klarem
oder nur gering bewölkten Himmel. Einzig von der Deutschen Bucht her "droht" dem
nördlichen NDS einmal mehr Stratus oder Stratocumulus, was aber noch nicht in
Beton gegossen ist. Tiefstwerte 20 bis 11°C, am wärmsten nach wie vor der
Südwesten.
Modellvergleich und -einschätzung
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Es ist alles geschrieben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann