Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Morgenabend von Nordwesten starke Gewitter, in der Nacht zum Mittwoch über der
Nordhälfte ostwärts verlagernd.
Am Mittwoch unbeständig und vor allem im Südosten Gewittergefahr. An den Alpen
ab dem Nachmittag Dauerregen wahrscheinlich. In den übrigen Landesteilen nur
vereinzelt meist kurze Gewitter, insbesondere an der in den Südosten
vorankommenden Kaltfront.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
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Aktuell ... liegt Deutschland unter einem Höhenrücken, dessen Achse sich im
Verlauf der Nacht vom Nordwesten bis nach Mitteldeutschland und in den Südwesten
verlagert und somit am Morgen diagonal über Deutschland verläuft. Dabei ist auch
am Morgen in weiten Teilen des Landes hoher Luftdruck wetterbestimmend, das
zugehörige Hoch XANTHOS liegt dann mit einem maximalen Druck von knapp über 1025
hPa über den Ostalpen. Die gradientschwache Gesamtlage im Süden und auch in
Teilen der Mitte lässt dort neben nur wenigen Wolken auch nur schwache
Luftbewegungen erwarten. Mithin präsentiert sich die Atmosphäre in den genannten
Gebieten niedertroposphärisch mit einer recht stark ausgeprägten Nebelneigung,
was gebietsweise Nebel, auch warnwürdig mit Sichtweiten unter 150 m, erwarten
lässt. Dabei ist der Nebel der einzig zu erwartende Niederschlag, mit Regen ist
nicht zu rechnen.
Über dem Nordwesten dagegen macht sich die Warmfront des Tiefdruckgebietes ZURI
bemerkbar, welches von Island in Richtung Nordosten zieht. Am Okklusionspunkt
bildet sich dabei ein Teiltief, das ausgangs der Nacht im Übergangsbereich von
Nordsee zu Nordmeer aufschlägt und im Nordseeumfeld für ein leichtes Aufleben
des südlichen bis südwestlichen Windes sorgt. Die o. e. Warmfront hat recht
dichte Wolken im Gepäck, die anfangs nur den Nordwesten, ausgangs der Nacht aber
weite Teile der Norddeutschen Tiefebene überdecken. Wolkenfrei präsentiert sich
dann wohl nur noch ein mehr oder weniger breiter Streifen von Vorpommern bis zum
Erzgebirge. Da das bis dato vorherrschende Absinken die Atmosphäre bis in ein
Niveau von etwa 750 hPa hat abtrocknen lassen, handelt es sich bei der Bewölkung
über dem Norden untypischer Weise vor allem um tiefes Gewölk. Dabei ist nicht
gänzlich ausgeschlossen, dass aus dieser Bewölkung hier und da auch mal ein paar
Tropfen herausgepresst werden. Die Wortwahl "ein paar Tropfen" kann dabei ruhig
wörtlich genommen werden, über homöopathische Dosen hinaus wird es der Regen
aufgrund mangelnder vertikaler Wolkenmächtigkeit nicht schaffen.
Die Temperatur geht dabei im Osten, wo es teils bis zum Morgen wolkenarm ist,
lokal auf bis zu 5°C zurück, meist sind es dort aber 8 bis 6°C. Im Südosten und
Nordosten sind es 10 bis 7°C, ansonsten 17 bis 10°C, am mildesten bleibt es
voraussichtlich an der Grenze zu den Niederlanden.
Dienstag ... schwenkt die Achse des Höhenrückens nach Südosten über Deutschland
hinweg, so dass unser Land im Tagesverlauf von Westen her in den Bereich einer
südwestlichen Höhenströmung gerät, die zum Abend zunehmend zyklonale sowie
leicht diffluente Tendenzen aufweist. Die Achse des nächsten Troges erreicht
dabei schon England und die westliche Biskaya. Das Bodenhoch XANTHOS
verabschiedet sich in den Südosten Europas, während sich das oben erwähnte
Teiltief zunehmend zum steuernden Tief entwickelt und vor die südnorwegische
Küste zieht. Es besitzt einen noch recht weit aufgespannten Warmsektor, so dass
nach Abzug der Warmfront im Nordosten ganz Deutschland darin liegt. Die
zugehörige Kaltfront erreicht erst am Abend die Nordsee, liegt aber zum
Sonnenuntergang noch außerhalb Deutschlands.
Über den Nordwesten und Norden ziehen den ganzen Tag über immer wieder mehr oder
weniger dichte Wolkenfelder, während es im Süden nach Auflösung der Nebelfelder
im Laufe des Vormittages recht sonnig werden kann, was auch für große Teile der
Mitte und des Ostens gelten sollte. Tagsüber zieren dann einige Quellwolken den
Himmel. Wie groß die Sonnenanteile im Tagesverlauf wirklich sind hängt lokal von
der Nebelauflösung und von besagten Quellwolken ab, die unterhalb der um 800 hPa
liegenden Inversion breitlaufen. Aber der Wettercharakter wird so oder so ein
freundlicher sein und mit Regen ist nicht zu rechnen.
Im Nordwesten und Norden gilt dies allerdings zum Abend hin nicht mehr. Unter
nachlassendem Absinken bzw. am Nachmittag erneut einsetzender Hebung wird die
Schichtung wieder labiler, zudem fließt feuchte Luft in der Grenzschicht ein (in
der Spitze um 12 g/kg spezifische Feuchte). Damit kann sich regional durchaus
über 500 J/kg CAPE aufbauen, eventuell kann es am Abend im Nordseeumfeld erste
Schauer geben. Dies deuten zumindest GFS oder auch UK10 an, die deutsche
Modellkette ist diesbezüglich aber zurückhaltender, ebenso wie z. B. IFS.
Zuletzt noch ein Wort zum Wind: Zwischen dem Tief im Nordwesten bzw. Norden und
dem abziehenden Hoch verstärkt sich der Gradient nur wenig, so dass der
südwestliche Wind insbesondere nach Südosten hin noch schwach bleibt. Im
Nordwesten weht er dagegen tagsüber mäßig. Bezüglich der Temperaturen wird es
bei 11 bis 16°C in 850 hPa noch einmal für alle sommerlich. Dies manifestiert
sich in Höchstwerten zwischen 20°C auf Sylt und bis örtlich 31°C am südlichen
Oberrhein.
Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch zieht der Höhenrücken weiter ab und die
Achse des Troges rückt näher heran. Damit gelangt nach und nach ein großer Teil
Deutschlands auf die zyklonale Trogvorderseite mit entsprechender Hebung. Das
Bodentief verlagert sich nach Mittelnorwegen und seine Kaltfront erreicht
Deutschland, wobei diese bis zum Morgen schon auf eine Linie von Vorpommern bis
zum Oberrhein vorankommt.
Spannend wird es ab den späteren Abendstunden, beginnend mit dem Vorfeld der
Kaltfront und im weiteren Verlauf an der Front selbst, zuerst im Nordwesten des
Landes, dann über der Nordhälfte weiter nach Osten verlagernd. Dort können in
der sehr feuchten und labilen Luftmasse Gewitter ausgelöst werden, wobei knapp
unter 30 m/s Scherung zwischen 0 und 6 km vorhanden sind. Bei wohl eher
abgehobener Konvektion stehen diese zwar nicht vollständig zur Verfügung,
dennoch simulieren die konvektionserlaubenden Modelle wie ICON-D2, aber auch
SuperHD, einige Superzellen. Präferiert für die Superzellen wäre natürlich der
Nordwesten, dort passt die Konvektionsauslöse zumindest halbwegs zum Tagesgang,
mit der Verlagerung nach Osten steht dann natürlich immer weniger CAPE für
eventuelle Gewitter zur Verfügung. Letztendlich kann es für einige Sturmböen
reichen, wenngleich die Hinweise aus den Modellen noch spärlich sind. Dafür
liefert ICON-D2-EPS aber durchaus Signale für markanten Starkregen
(Wahrscheinlichkeit bis 40% für mehr als 15 l/qm in 1h und bis 50% für mehr als
20 l/qm in 6h) und auch kleinkörniger Hagel sollte auf dem Zettel stehen. Im
Verlauf der Nacht sollte die Kaltfront die vorlaufende Konvektion allmählich
einholen. An der Kaltfront, die auch unter PVA liegt, gibt es aber auch
reichlich Hebung, so dass an dieser teils kräftiger (wenn auch nicht lang
anhaltender) Regen fällt und weiterhin einzelne Gewitter auftreten können,
weiterhin mit Starkregenpotential und kleinem Hagel wie auch eventuellen
Sturmböen.
Im Südosten des Landes zwischen Alpen, Hochrhein und Neiße, ziehen immer wieder
Wolken über den Himmel, es bleibt dort aber noch trocken. Der Wind dreht mit der
Kaltfront von südlichen Richtungen auf West bis Nordwest. Die nächtlichen Minima
liegen überall im milden Bereich zwischen 16 und 9°C mit den tiefsten Werten im
Südosten. Nebel ist wegen des insgesamt lebhafteren Windes kein so großes Thema
mehr sein wie in der vorangegangenen Nacht. Gänzlich ausschließen kann man ihn
im Südosten aber nicht, und auch im Westen und Nordwesten nicht, wo sich
zumindest in geschützten Lagen flache Nebelfelder bilden können.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... und in der Nacht zum Donnerstag wandert das Tief nach
Nordskandinavien, der Langwellentrog überquert uns von Nordwest nach Südost und
die vorlaufende Kaltfront erreicht schon am Abend den Südosten und wird in der
Nacht zum Donnerstag endgültig aus Deutschland herausgedrängt. Dabei kann sie im
Stau der Alpen durchaus für Dauerregen sorgen, je nach Modell ab dem Nachmittag
einsetzend und am östlichen Alpenrand bis in die zweite Nachthälfte anhaltend.
Laut ICON oder IFS wäre es mit einer markanten Warnung (bis 40 l/qm in 12
Stunden) getan, UK10 oder auch IFS sehen in 12 Stunden durchaus Mengen von mehr
als 50 l/qm, was dann rein formal eine Unwetterwarnung nach sich ziehen müsste.
Da zudem auch die Schneefallgrenze unter 2500 m fällt, dürften die höchsten
Gipfel Deutschlands weiß werden.
Auch bei der Verlagerung der Kaltfront nach Südosten kommt es zu Regenfällen,
die weiterhin konvektiv verstärkt sind und auch mal kurze Gewitter mit
Starkregen hervorbringen können. Nicht ganz ausgeschlossen ist auch, dass es im
Vorfeld im Südosten noch einmal stärker einstrahlt, so dass sich dort etwas mehr
CAPE (vielleicht bis um die 500 J/kg) aufbauen kann, welches dann in Verbindung
mit kräftiger hochreichender Scherung noch einmal zu kräftigeren Gewittern
führen kann.
Da nach Abzug der Front im Süden der Druck steigt, über dem Nordatlantik aber
gleichzeitig ein neues Tief für Druckfall sorgt, zieht der Gradient allmählich
etwas an. Ausgangs der Nacht sind dann an den Küsten einzelne Böen Bft 7 nicht
mehr gänzlich auszuschließen. AM Tage steigen die Temperaturen am Inn bei
kräftiger Einstrahlung bis 26°C, an der Nordsee sind es teils nur 18°C. Nachts
bewegen sich die Minima zwischen 12 und 5°C.
Mehr Details finden sich in der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle zeigen eine sehr ähnliche synoptische Entwicklung. Spannend bleibt
der genaue Ablauf im Norden in der Nacht zum Mittwoch. Aber auch der
Mittwochnachmittag im Südosten könnte Überraschungen bereithalten, wo einerseits
die Intensität möglicher Gewitter noch unsicher ist (ICON-D2 oder auch SuperHD
denken durchaus an Unwetterpotential), aber auch die Dauerregenlage an den Alpen
noch einen gewissen Spannungsbogen bietet. Abgesehen von der Schwere der
Ausprägung erscheint die Dauerregenlage an sich aus aktueller Sicht aber schon
in trockenen Tüchern zu sein.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas