Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Weitgehend ruhige Hochdrucklage mit Hochnebel im Norden. Am Samstag im Norden
Durchgang einer wenig aktiven Kaltfront mit starkem Wind.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... dominiert ein breiter Höhenkeil das Wettergeschehen, der sich vom
Nordwesten Afrikas über Westeuropa, Island und den Süden Grönlands hinweg bis
zur Labradorsee erstreckt. Sein Gegenspieler ist ein Langwellentrog über
Osteuropa. Im Bodendruckfeld finden wir eine langgestreckte Hochdruckzone, die
im Nordwesten ebenso bis Grönland reicht, ihren Schwerpunkt bei den
Shetland-Inseln (Uli) besitzt und bis zu den Alpen reicht. Die Divergenzachse
verläuft dabei über dem Südwesten Deutschlands. Tiefdruckeinfluss herrscht
dagegen im Nordosten und Osten Europas.
Insbesondere in der östlichen Nordsee und über der Kimbrischen Halbinsel ist
dabei der Druckgradient etwas stärker ausgeprägt, so dass der Wind im Bereich
der Nordsee etwas stärker aus Nordwest weht. Vor allem vom Jadebusen bis hoch
nach Sylt muss dabei mit steifen Böen gerechnet werden. Ansonsten weht der Wind
vor allem im nördlichen und östlichen Bergland auch recht böig. Im Flachland
weht er meist mäßig aus Nordwest, im Südwesten aus Nordost.
Mit dem nordwestlichen Wind ist eine Luftmasse polaren Ursprungs zu uns
geflossen, die sich aber hier hierzulande stark erwärmt hat und die unter
starkem Absinken abgetrocknet ist, so dass sie sich in eine erwärmte
Kontinentalluft polaren Ursprungs (CPs, meist 4 bis 8°C in 850 hPa) umgewandelt
hat. Das mit der Trockenheit hat aber seine Grenzen: Bodennah ist nämlich
unterhalb einer bei etwas 950 hPa liegenden Absinkinversion feuchte Luft von der
Nordsee in den Nordwesten gesickert, in der sich heute der Hochnebel nur sehr
zögerlich aufgelöst hat. Zwischen Bremen und Hamburg konnte sich der Hochnebel,
genährt durch feuchte Nordseeluft, bis zum Abend halten und die Temperatur
erreichten nur 10°C.
In den meisten Landesteilen gab es allerdings von wenigen Wölkchen abgesehen
strahlenden Sonnenschein. Der Blick auf die Karte der Taupunkte ist aber
aufschlussreich: Dabei haben sich von Norden her bis zur nördlichen Mitte
Taupunkte von teils über 5°C durchgesetzt, über der Mitte gibt es aber teils
scharfe Gradienten hin zu Taupunkten, die allgemein unter 0°C liegen, im
Bergland vielfach sogar unter -5°C.
In der Nacht zum Freitag tut sich bei der Großwetterlage nicht viel. Der
Gradient im Norden fächert etwas auf, so dass sich der Wind an der Nordsee im
Nachtverlauf etwas abschwächt und die Windwarnungen im Laufe der Nacht auslaufen
können. In den übrigen Landesteilen schwächt sich der Wind auch
tagesgangsbedingt etwas ab und schläft vor allem über der Südhälfte ziemlich
ein.
In der Strahlungsnacht geht die Temperatur wieder deutlich zurück. In den oben
erwähnten Regionen von der nördlichen Mitte bis in den Norden, wo sich unterhalb
der Inversion die Taupunkte um oder über 5°C eingestellt haben, dürfte sich
recht ausgedehnter Hochnebel bilden. Im Übergangsbereich, wo die feuchte Luft
erst langsam eingesickert ist und die Absinkinversion heute tagsüber
weggebrutzelt wurde, kann sich teils auch flacher Nebel bilden. Entsprechende
Nebelwarnungen werden dann im Laufe der Nacht durchaus wahrscheinlich.
In großen Teilen des Südens und in den höheren Mittelgebirgslagen bleibt es
dagegen nebelfrei und bis zum Morgen klar. Hier kann allerdings die Temperatur
ungebremst wieder bis in den Frostbereich rauschen, so dass es in weiten
Regionen leichten Frost bis etwa -3°C geben kann. Mit Frost in Bodennähe muss
fast in der gesamten Südhälfte gerechnet werden. Deutlich milder bleibt es
dagegen unter dem Hochnebel im Norden. Ganz im Norden, wo dieser sich als erstes
bildet und ausbreitet liegen die Tiefstwerte bei 7 bis 5°C.
Am Freitag ... schwächt sich das Hoch in seinem Südteil ab, so dass auch über
Deutschland der Druck langsam fällt. Der Schwerpunkt des Hochs Uli zieht sich
dann nach Grönland zurück. Seine Divergenzachse bleibt aber nach wie vor über
dem Südwesten Deutschlands liegen. Auch die Lage des Höhenrückens über
Westeuropa ändert sich nur wenig, der Rücken wird aber insgesamt etwas schmaler,
da an seiner östlichen Flanke Geopotential abgebaut wird und aus der
Ostgrönlandsee Kaltluft Richtung Nordmeer vorstößt.
Der Wind kommt weiterhin aus Nordwest, im Südwesten aus Nord, und frischt im
Tagesverlauf wieder leicht auf. Insbesondere an der Küste Nordfrieslands und
Dithmarschens frischt er wieder stärker auf, so dass dort tagsüber wohl noch
einmal eine Warnung vor steifen Böen nötig wird. Hier kommt es zu wieder zu
einer leichten Verstärkung des Gradienten, was wahrscheinlich thermische Effekte
hat (stärkere Erwärmung des Landes tagsüber). Dagegen spricht aber, dass sich
das Land morgen gar nicht so stark erwärmen soll. Ein leichter Anstieg der
Inversionsuntergrenze auf meist etwa 940 bis 900 hPa erschwert es im Vergleich
zu heute, den Hochnebel aufzulösen, so dass wahrscheinlich bis in den Nachmittag
hinein im Nordwesten, Norden und Osten ausgedehnte Stratus und
Stratocumulusfelder zu finden sein werden. Teils können aber auch im Norden die
Wolken stärker auflockern. In der Südhälfte erwartet uns dagegen wieder
strahlender Sonnenschein.
Unter den Wolken werden es morgen im Norden wohl nur so etwa 12 bis 13°C,
unmittelbar an der Nordsee wohl wie heute nur um 10°C. Bei etwas mehr Sonne
können es auch im Norden 16 oder 17°C werden. In der gesamten Südwesthälfte sind
dagegen wieder 18 bis 24°C zu erwarten, mit den höchsten Werten am Oberrhein.
Das bedeutet, dass gerade in den Niederungen teils ein Tagesgang von mehr als 20
K zu erwarten ist.
In der Nacht zum Samstag setzt sich der Geopotentialabbau im Norden Europas
rasch fort und Kaltluft überflutet Skandinavien. Damit verbunden ist ein
markantes Bodentief, das über den Bottnischen Meerbusen nach Finnland zieht.
Über unserem Land fällt der Druck auch noch etwas, allerdings nimmt in der
gesamten Nordosthälfte der Gradient aufgrund der genannten Entwicklung deutlich
zu. Folglich frischt der Wind an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins und an der
Ostsee im Nachtverlauf deutlich auf, so dass dort verbreitet steife Böen
auftreten können, in nordwestexponierten Küstenlagen auch stürmische Böen. Auch
im nordöstlichen Binnenland nimmt der nordwestliche Wind spürbar zu. Im
Südwesten bleibt es im Bereich der Achse des Hochs noch schwachwindig.
Der auffrischende Wind drückt auch die tiefen Wolken wieder weiter in die
Landesmitte und die östlichen Landesteile, so dass es dort in den Nachtstunden
vielfach bedeckt sein wird. Niederschläge werden aber nicht erwartet. Über dem
Süden ist der Himmel dagegen weiterhin klar, vielleicht ziehen ein paar Cirren
über den Himmel. Allerdings drückt die etwas feuchtere Luft auch weiter in den
Süden hinein, so dass insbesondere in der noch windarmen südlichen Mitte und
nach Westen zu auch wieder Nebel entstehen kann.
Bei insgesamt etwas angestiegenem Temperaturniveau wird Frost bis -2°C vor allem
noch in den Mittelgebirgen und im höheren Alpenvorland erwartet, in den
Niederungen bleibt es meist frostfrei. In Bodennähe muss in den klaren Regionen
aber wieder vielfach mit leichtem Frost gerechnet werden. Unter den Wolken im
Norden und Nordosten bleibt es mit 7 bis 3°C deutlich milder.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Der Samstag ... wurde in der Frühübersicht hinreichend beschrieben. Neue
Erkenntnisse liegen nicht vor.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle simulieren die Wetterlage bezüglich sämtlicher
Parameter mit großer Übereinstimmung. IFS zeigt bisweilen (z.B. morgen zwischen
6 und 12 UTC) etwas Niederschlag, der aber sehr wahrscheinlich auf den bekannten
Modellfehler zurückzuführen ist und nicht realistisch erscheint.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann