Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 29.08.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Wechselhaft und zeitweise windig bis stürmisch. Am Sonntag nur im Norden
vereinzelt Gewitter, ab der Nacht zum Montag dann häufiger Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland an der Südflanke einer breiten Zone tiefen
Geopotentials in einer westlichen Strömung, mit der immer wieder teils
kurzwellige, teils etwas längerwellige Tröge ostwärts gesteuert werden. Bodennah
finden sich viele Tiefdruckgebiete über dem Nordmeer und Nordatlantik und mit
der westlichen Strömung werden immer wieder neue zu uns gelenkt.

Mit dieser Strömung werden gemäßigt temperierte atlantische Luftmassen zu uns
gelenkt, aktuell liegt eine erwärmte Polarluft (mPs) über unserem Land, die aber
zu dieser Jahreszeit und aufgrund ihrer Herkunft von deutlich
überdurchschnittlich temperierten Meeresgebieten durchaus recht warmes Wetter
zur Folge hat. In 850 hPa werden dabei aktuell 10 bis 12°C gemessen.

Heute Abend hat ein Kurzwellentrog Ostengland erreicht. Dieser ist recht flott
unterwegs und dabei sein zugehöriges Bodentief "Sina" zu überlaufen, das am
Abend ebenfalls über Ostengland erwartet wird. Dieses hat an seiner Südflanke
einen ordentlichen Gradienten, der für Sturm im Ärmelkanal sorgt. In Deutschland
spürt man davon schon im Nordwesten etwas, wo der Wind auf Süd rückgedreht hat
und etwas auffrischt. Richtung Osten und Süden weht er meist noch schwach oder
mäßig aus Süd bis Südwest.

Tief Sina steuert auch eine Okklusionsfront in den Westen des Landes, aus der
aktuell schwache, mitunter leicht schauerartige Regenfälle generiert werden,
wobei der Regen gar nicht in vollem Umfang am Boden ankommt. Aufgelockerte
Bewölkung gibt es noch im Osten.

In der Nacht zum Sonntag zieht der Kurzwellentrog rasch über den Nordwesten
Deutschlands und die Nordsee hinweg nach Dänemark. Diesem Tempo kann Tief Sina
nicht folgen und gerät damit auf die Rückseite des Troges, wo es entlang der
westfriesischen Inseln ostnordostwärts zieht und morgen früh in der Deutschen
Bucht ankommt. Trotz der ungünstigen Lage zum Kurzwellentrog kann das Tief
aufgrund der diabatischen Prozesse über dem warmen Nordseewasser seinen
Kerndruck von knapp unter 1000 hPa halten.

Damit wird es insbesondere an der niederländischen Küste stürmisch. Doch auch in
der der gesamten Nordwesthälfte Deutschlands nimmt der Gradient spürbar zu, so
dass es an der Nordseeküste in den Frühstunden verbreitet zu steifen Böen aus
Süd, später auf Südwest drehend kommt. An Küstenabschnitten mit auflandigem Wind
und auf den Inseln muss auch mit stürmischen Böen gerechnet werden. Auch auf
höheren Bergen kann es einzelne steife bis stürmische Böen geben, auf dem
Brocken reicht es vielleicht sogar für schwere Sturmböen. Richtung Süden und
Osten bleibt der Wind deutlich schwächer, aber auch dort weht in der Nacht
schwacher bis mäßiger Wind aus Süd bis Südwest.

Die leichten schauerartigen Regenfälle an der Okklusion überqueren im
Nachtverlauf den Norden und die Mitte Deutschlands, im Süden fallen allenfalls
ein paar Tropfen. Etwas kräftigere konvektive Regenfälle bleiben auf die
Umgebung des Tiefkerns beschränkt und können in den Frühstunden Ostfriesland und
später auch die Nordfriesische Küste erfassen. Dort kann es dann meist bis zu 10
l/qm regnen, an der Küste Nordfrieslands eventuell auch etwas mehr. Mitunter
sind auch kurze Gewitter eingelagert. Generell gilt für die konvektiven
Regenfälle, dass sie in äußerst gut gescherter Umgebung stattfinden, die
Labilität aber marginal ist (sehr schmale CAPE-Flächen bis vielleicht 550 hPa).
Insbesondere ist auch die bodennahe Scherung sehr stark, so dass etwaige Zellen
sich gut organisieren können und auch mal eine kurze Sturmbö mit dabei sein
kann. Bei Gewitterwarnungen sollte man diese Option mitauswählen, aber es kann
natürlich auch mal an (im Radar) wenig spektakulär aussehenden Schauern
passieren.

Die Nacht verläuft mild mit Temperaturen 17°C in der Nordhälfte und örtlich 12°C
im Süden.

Am Sonntag ... zieht der Kurzwellentrog rasch nach Nordosten ab. Der nächste,
deutlich weiter südlich ausgreifende und viel stärkere Trog erreicht bis zum
Abend die Westküste Frankreichs. Hierzulande steilt die Strömung auf und wird
zwischen den Trögen zunehmend antizyklonal, so dass leichtes Absinken einsetzt.

Bodentief Sina überquert am Vormittag den Süden Jütlands und zieht dann unter
deutlicher Abschwächung nordostwärts nach Südschweden. Der zugehörige Bodentrog
schwenkt am Nachmittag nach Polen. Auf dessen Rückseite wölbt sich ein flaches
Zwischenhoch Richtung Nordwestdeutschland auf und der Gradient fächert deutlich
auf.

Zunächst muss aber bei kräftigem Gradienten in der gesamten Nordwesthälfte mit
kräftigem Wind gerechnet werden, der tagesgangsbedingt noch etwas zulegt und auf
Westsüdwest dreht. Dann muss verbreitet mit steifen Böen gerechnet werden,
vereinzelt auch mit stürmischen Böen. Auch in höheren Lagen gibt es vielfach
stürmische Böen. Am Nachmittag nimmt der Wind aber von Westen her deutlich ab.
Auch in Süddeutschland weht der Wind tagsüber mäßig, mitunter in freien Lagen
auch frisch.

Die meisten konvektiven Regenfälle beschränken sich auf die Küstennähe und
Schleswig-Holstein und ziehen am Nachmittag schon nach Nordosten ab. Auch an dem
Bodentrog kann es einzelne Schauer geben, vor allem noch bis in die Mittagszeit.
Danach bildet sich bei leichtem Absinken zunehmend eine schwache Inversion, die
die Schauertätigkeit allmählich unterbindet. Lediglich im Nordwesten sind ab dem
Nachmittag wieder einzelne schwache Schauer simuliert. Mit den Schauern am
Vormittag und Mittag kann es auch stürmische Böen geben, bei guter Organisation
sind auch Sturmböen möglich. Allerdings nimmt die Scherung sowohl bodennah als
auch hochreichend im Tagesverlauf deutlich ab. Einzelne Gewitter gibt es am
ehesten nahe dem Tiefdruckkern im äußersten Norden Deutschlands.

Im Süden des Landes sind bei wechselnder Bewölkung die Sonnenanteile deutlich
größer und es bleibt trocken. Die Kaltfront ist kaum noch identifizierbar und
liegt in den Alpen, wo es einzelne Gewitter geben kann, die aber wohl deutsches
Gebiet nicht erreichen werden. In der Mitte, im Süden und Osten wird es mit 24
bis 28°C spätsommerlich warm, im Nordwesten sind es meist 21 bis 24°C, an der
Nordsee teils noch etwas weniger.

In der Nacht zum Montag nähert sich der oben erwähnte Trog unserem Land an,
wobei in der zunehmend zyklonalen südwestlichen Höhenströmung bereits ein erster
markanter Kurzwellentrog den Westen unseres Landes erreicht und vom Westen bis
zur Mitte für kräftige Hebung durch PVA sorgt.

Bodennah zieht das zugehörige Tief Tessa in die westliche Nordsee und sorgt für
zunehmenden Gradienten hierzulande, so dass der Wind vor allem in der Westhälfte
im Nachtverlauf wieder etwas aus südlichen Richtungen auffrischt.

Durch die kräftige Hebung auf der Trogvorderseite wird die fast schon vergessene
Kaltfront wieder aktiviert. An ihr soll sich nach den konvektionserlaubenden
Modellen in der zweiten Nachthälfte eine Gewitterlinie entwickeln, die den Süden
Deutschlands überqueren soll. Viel CAPE steht zwar nicht zur Verfügung, die
hochreichende Scherung nimmt aber wieder deutlich zu auf ca. 20 m/s von 0 bis 6
km im Bereich der Konvektion, so dass stürmische Böen oder Sturmböen auch in den
Nachtstunden durchaus vorstellbar sind. SuperHD liefert in den Frühstunden über
Bayern auch entsprechende Hinweise, ICON-D2-EPS ist diesbezüglich noch sehr
zurückhaltend. Hagel ist bei den niedrigen CAPE-Werten kein großes Thema, auch
etwaiger Starkregen sollte sich bei ppw's von immerhin um 35 l/qm, aber flotten
Zuggeschwindigkeiten, auf den markanten Bereich beschränken, was auch vom
ICON-D2-EPS unterstützt wird. Ebenso sollen in der zweiten Nachthälfte auch
schauerartige Regenfälle auf den Westen übergreifen, hier ist aber noch weniger
CAPE vorhanden und die Luftmasse trockener, so dass es hier kaum zu Gewittern
kommen soll. Dementsprechend gibt es dort aktuell keine Hinweise auf stärkere
Entwicklungen, für die allerdings die dort noch größere Scherung hilfreich wäre.


Da sich die Konvektionen recht flott nach Osten bewegen, soll es nur im
Nordosten des Landes noch flächendeckend trocken bleiben. Im Südwesten lockern
dagegen die Wolken nach Abzug des Gewitterkomplexes schon wieder auf.

Die nächtlichen Minima werden allgemein zwischen 16 und 12°C erwartet.

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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Der Montag ... wurde in der Frühübersicht ausführlich beschrieben. Relevante
neue Erkenntnisse liegen zum jetztigen Zeitpunkt nicht vor.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle simulieren die Entwicklung weitgehend einheitlich. Die
Lokalisierung der Gewitter in der Nacht zum Montag wird noch etwas
unterschiedlich gesehen. Dass ICON-D2-EPS bei so einer hochdynamischen Lage so
zögerlich Wind prognostiziert, wirkt etwas unrealistisch, entspricht aber der
Erfahrung dieses Sommers. Auch wenn SuperHD gerne mal übertreibt, scheint es
doch realistische Hinweise zu geben.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann