Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Frühherbstlich, an der See windig, zum Sonntag im Norden auch im Binnenland
teils stürmisch. Im Süden tagsüber warmes Spätsommerwetter.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... liegen wir im breit gefächerten rechten Jetausgangsbereich in einer
west-nordwestlichen Höhenströmung. Die Lage verrät schon, dass es mit aktiver
dynamischer Hebung nicht allzu weit her sein kann. So ist die stark gedeckelte
Konvektion, die tagsüber nur vereinzelt noch für schwache Schauer gut war,
inzwischen nahezu komplett zusammengebrochen und vermehrt in Auflösung
begriffen. Vom Süden bis in die Landesmitte kann sich stellenweise Nebel bilden.
Aufkommende, sich verstärkende WLA aus Nordwesten tut dabei ihr übrigens zur
Stabilisierung bei. Sie greift bis in den Frühstunden bis zur Oder über die
gesamte Nordhälfte aus und kündigt eine Warmfront über der südwestlichen Nordsee
an. Mithin greift nach kurzem Aufklaren aus Nordwesten mehrschichtige Bewölkung
und nachfolgend auch stellenweise etwas Regen über.
Der Wind bleibt an der See nach kurzer Abnahme frisch bis stark unterwegs mit
steifen, exponiert auch stürmischen Böen (Bft 7-8) insbesondere an der Nordsee
aus Südwest. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 Grad an der See, sonst vielfach
um 10 Grad, in Tallagen im Süden nur um 5 Grad.
Samstag ... bleiben Polarfrontjet und Frontalzone in sicherer Entfernung über
Schottland und Südnorwegen. Das mehrkernige, durchaus stattliche Zentraltief BEA
(knapp unter 980 hPa) entert das Nordmeer. An dessen Südflanke gehen kurzwellige
Anteile mit schwachen Hebungsimpulsen allenfalls direkt an der See durch. So
bleiben nur noch die WLA-Anteile, die aber am Nachmittag auch stark nach unten
tendieren. Die kleine Warmfrontzipfel, der maximal bis zur nördlichen Mitte
reicht, schwenkt relativ rasch ostwärts ab. Es folgt im vergleichsweise
unmotivierten (indifferenten) Umfeld schleifend und wenig wetterwirksam die
Kaltfront quer von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Ostfriesland nach. Dadurch
kommt es im Norden zeit- und gebietsweise zu weiteren, meist leichten
Regenfällen, teils sind es auch nur wenige Tropfen. Zum Abend wird an der
Nordsee unterhalb 700 hPa etwas ML CAPE generiert, was in einem gut gescherten
Umfeld zu durchaus einzelnen knackigen Schauerlinien mit Sturmböen führen
könnte. Gewitter, wie vereinzelt vom ICON-D2 angeboten sollten angesichts von
Tops um den Gefrierpunkt aber eher nicht oder nur ganz punktuell auftreten.
Südlich der Mittelgebirge dominiert schwacher Hochdruckeinfluss, reicht doch
bodennah eine Hochdruckbrücke zonal orientiert von den Azoren über die Biskaya,
den Alpenraum und Karpatenbogen hinweg bis nach Südrussland. Neben
Streifschüssen hoher Wolkenfelder und nur weniger Quellungen scheint vor allem
südlich von Main und Mosel längere Zeit die Sonne.
Aus warntechnischer Sicht erwähnenswert bleibt der Wind, er mit
tagesgangbedingter Durchmischung bis zum nachmit6tag von den Küsten weiter ins
Binnenland ausgreift. Die Deutsche Modellkette ist dabei vergleichsweise
defensiv aufgestellt im Verhältnis zu externen Modellen. IFS und Super HD sehen
nahezu über ganz Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein im
tagesverlauf Böen der Stärke 7 Bft, ICON-D2 und Co bleiben meist 1 Bft darunter.
Im D2-EPS gibt es aber recht flächig Wahrscheinlichkeiten zwischen 20 und 30%,
was bereits als ernstzunehmender Hinweis zu interpretieren ist. Auch im Harzlee
sollte es für Bft 7 reichen, auf dem Brocken treten dann Sturmböen (Bft 9) auf.
In der Nacht zum Sonntag kommt zunehmend Dynamik in die Westwinddrift. Ein
Sekundärtrog schwenkt nordostwärts Richtung Finnland, ein weiterer, sich stark
amplifizierender Randtrog stößt von Schottland nach. Gerade durch letzteren
bekommt die Kaltfront schon eine Push südwärts, die Regenfälle verstärken sich
in der 2. Nachthälfte und liegt in den Frühstunden quer über der Landesmitte
zwischen Eifel-Harz-Oderbruch. Binnen 6h bleibt es aber meist bei 1 bis 5 l/qm,
im Weststau der Mittelgebirge lokal bis 10 l/qm.
Postfrontal ziehen in Küstennähe noch einzelne Schauer, ganz vereinzelt auch
kurze Gewitter durch mit erhöhtem Sturmböenpotential. Unabhängig davon bleibt es
an der See windig mit steifen bis stürmischen Böen, die nur vorübergehend mal
etwas nachlassen.
Störungsfrei und windschwach bleibt es noch in der Südhälfte, hohe und
mittelhohe Wolken greifen aber auch allmählich bis zu den Alpen aus.
Die Temperaturen in den Frühstunden bewegen sich zwischen 17 und 14 Grad im
Norden, im Süden zwischen 12 bis 6 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... der sich weiter amplifizierende Trog schwenkt südostwärts Richtung
Erzgebirge und stützt damit die Wetteraktivität der Kaltfront vor allem in deren
Ostteil. Zudem gelangt die Nordosthälfte unter die Höhenkaltluft mit
Temperaturen in 500 hPa bis -25 Grad, was zu zahlreichen Schauern und Gewittern
führt.
Im Süden und Südwesten ist schon der Einfluss des Höhenrückens über Frankreich
spürbar, so dass die Front dort zerbröselt und sich vielfach die Sonne zeigt bei
spätsommerlichen 23 bis 27 Grad.
Im Norden und Osten ist der Charakter dagegen durchweg herbstlich bei maximal 17
bis 21 Grad und teils stürmischen Böen bis weit ins Binnenland ausgreifend,
voraussichtlich sogar potentiell über der gesamten Norddeutschen Tiefebene.
Modellvergleich und -einschätzung
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Der allgemeine Ablauf ist recht ähnlich simuliert. Über die wahrscheinlich zu
defensive Böeninterpretation der Deutschen Modellkette am morgigen Samstag wurde
bereits im Text Stellung bezogen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen