Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Nach LUISE nun MANJA - vor allem an der Nordsee stürmischer Sonntag, aber auch
sonst nicht gerade Flaute uff de Gass. Zudem ab der Nacht fetter Regen,
insbesondere im Stau einiger Mittelgebirge und im Allgäu ergiebig.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... herrscht noch einigermaßen Ruhe vorm nächsten Sturm, der aber
bereits als Monumentaltief existiert und im Laufe des Abends die Hebriden in
Richtung schottische Nordspitze passiert. Die Rede ist von MANJA (int. Boelo),
einem Orkantief der De-luxe-Klasse, wie man es nicht alle Tage in unseren
Breiten zu sehen bekommt. Das liegt vor allem am extrem niedrigen Kerndruck, der
aktuell etwa bei 945 hPa, wenn nicht sogar etwas darunter liegen dürfte. Für den
Raum um Schottland herum könnte das auf Basis von Untersuchungen mit Re-Analysen
ein Rekordwert für den Monat Oktober darstellen. Aber selbst wenn dieser um 1-2
hPa verfehlt würde, sprechen wir hier immer noch einer echten Wuchtbrumme der
fettesten Sorte.
In der kommenden, um eine Stunde verlängerten Nacht zieht das Tief langsam
weiter ostwärts, wobei die Betonung auf langsam liegt. MANJA hat sich inzwischen
nämlich sehr hoch in die Troposphäre gebohrt, was die Translation erheblich
verlangsamt. Dafür wird so ganz allmählich Energie in den Auffüllprozess
gesteckt, so dass ausgangs der Nacht "nur noch" rund 950 hPa auf der Karte
stehen - wohl dem, der bei der Gewichtszunahme mit solchen Zahlen glänzen kann.
Und was bedeutet das Ganze nun für uns? - Nun, wie nicht anders zu erwarten wird
der mittlerweile weitgehend auf Südwest bis Süd rückgedrehte Wind in den
nächsten Stunden vornehmlich im Westen und Norden sowie in Teilen der Mitte und
ganz allgemein im höheren Bergland merklich zunehmen. Aufgrund der sehr stabilen
Schichtung - kräftige WLA über einer leicht ausgekühlten Grundschicht respektive
Ausbildung einer Warmfrontinversion - dürften die Böen im flachen Binnenland
abgesehen von exponierten Lagen (z.B. Leelagen) über Stärke 7-8 Bft nicht
hinauskommen. Anders siehts im Bergland aus, vor allem in höheren Lagen, wo je
nach Exposition Sturm- oder Orkanböen 9-12 Bft angesagt sind. Richtig zur Sache
geht es auch an und auf der Nordsee, wo sich ein schwerer Südsturm
zusammenbraut. Bedeutet für die nordfriesische Küste plus Helgoland Spitzen bis
11 Bft, evtl. sogar einzelne glatte Orkanböen 12 Bft (um 120 km/h). Im
restlichen Nordseeküstenbereich inkl. des küstennahen Binnenlands geht´s nicht
ganz so rasant zur Sache, wobei das angesichts möglicher Spitzenböen der Stärke
8-9 Bft leicht euphemistisch formuliert ist. Wirklich weniger sportlich gibt
sich die Ostseeküste, vor allem die von MV. Dort nimmt der Wind zwar auch zu,
mehr als 9er-Böen an exponierten Stellen dürften schon aufgrund der ablandigen
Windrichtung kaum auftreten. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Wind im
Nordwesten zum Morgen hin nach Durchgang der an das Tief angebundenen Okklusion
vorübergehend an Fahrt verliert (und gleichzeitig auf Südwest dreht), im
Binnenland mehr, auf und an der See weniger.
Stichwort Okklusion, womit wir beim zweiten dominanten Thema wären, das uns
Meteorologen beschäftigt. So beehrt uns in den Nachtstunden das okkludierende
Frontensystem des Orkantiefs von Westen bzw. Nordwesten her, wobei die gut
ausgeprägte Warmfront den Anfang macht. Auf die kräftige WLA wurde weiter oben
schon hingewiesen. Dazu gesellt sich aber noch eine diffluente Höhenströmung
vorderseitig des mit dem Tief korrespondierenden Potenzialtrogs, so dass nicht
nur kräftige, sondern auch großflächige Hebung generiert wird. Fehlt also nur
noch ´ne vernünftige Luftmasse und auch dafür ist gesorgt. So wird mit der
Warmfront eine maritime feuchtgesättigte Warmluft (mP) aus dem Bereich
subtropischer Atlantikgewässer herangeführt, in der T850 auf 6-9°C und der
Gehalt an niederschlagbarem Wasser (PPW) auf 30 mm oder etwas darüber steigt.
"Schwammige" Verhältnisse, mit denen sich regentechnisch richtig was anfangen
lässt. Und tatsächlich breitet sich in der Nacht ein veritables stratiformes
Regengebiet über das ganze Land ostwärts aus. Dabei fallen in der Westhälfte
vielerorts 10 bis 25, vor allem in Staulagen der Mittelgebirge auch 25 bis 40,
lokal um 50 l/m² Regen, was mit entsprechenden Dauerregenwarnungen gewürdigt
wurde. Zwischendurch dürfte die Intensität an der ein oder anderen Stelle sogar
soweit ansteigen, dass auch das mehrstündige Starkregenkriterium gerissen wird,
was warntechnisch aber nicht abgebildet wird. Für den Schwarzwald wurde mit
Blick auf weitere Niederschläge am Sonntag(süber) sogar die "Rote Karte" gezogen
(in Augsburg waren es heute zwei, aber das nur am Rande; in der Spitze um oder
über 60 l/m² in weniger als 24 Stunden). Gegen Morgen zieht der skalige Regen
ganz im Nordwesten die postfrontale Reißleine, es dauert aber nicht lange, bis
von der Nordsee die ersten Schauer nachrücken.
Tiefsttemperatur: im Westen z.T. nicht unter 10°C, im Südosten lokal bis nahe
0°C, im Bajuwarischen Wald sowie am östlichen Alpenrand lokal leichter Frost.
Sonntag ... zieht das Sturm-/Orkantief weiter über die nördliche Nordsee hinweg
in Richtung Seegebiet Viking bzw. Utsira Nord, wo es zum Datumswechsel knapp
unterhalb von Svinöy landet. Bis dahin ist der Kerndruck auf etwa 970 hPa
angestiegen. Zuvor schwenkt der korrespondiere Höhentrog mit hochreichender und
labil geschichteter maritimer Polarluft (mP; T500 im Norden bis zu -28°C über
rund +1°C auf 850 hPa) einmal von links nach rechts, also von West nach Ost über
den Vorhersageraum hinweg. Die neue Luftmasse folgt damit der teilokkludierten
Kaltfront, die nach Osten relativ rasch, nach Süden hin verzögert das Land
überquert. Dementsprechend sind es auch die südlichen Bundesländer, die am
längsten vom präfrontalen Regen traktiert werden. Dort wird dann auch ordentlich
abgeladen mit gebietsweise 10 bis 20 l/m², in Staulagen der Mittelgebirge sowie
im Allgäu mehr (siehe ausgegebene Warnungen).
Im großen Rest des Landes haben wir den für solche Lagen klassischen Übergang zu
rasch wechselnder Bewölkung mit Schauern und einzelnen Graupelgewittern, die mit
Böen 7-8 Bft, im äußersten Nordwesten 9 Bft, an der Nordsee sogar 10 bis 11 Bft
einhergehen können. Stichwort Nordsee, dort geht am morgigen letzten
Oktobersonntag im landesweiten Vergleich mit Abstand am meisten die Post ab.
Nicht nur, dass die Schauer-/Gewitterrate am höchsten ist. Nein, auch beim Wind
ist Bambule pur angesagt. Nach der kleinen postfrontalen Kunstpause am Morgen
legt der zunehmend über Südwest auf West drehende Sturm wieder ordentlich zu mit
Spitzen 10 Bft, auf den Inseln/Halligen sogar bis 11 Bft. Schwächer, wenn auch
nicht schwach die Böen im Landesinnern, wo abseits der Küsten maximal 7-8 Bft,
bei kräftigen Schauern einzelne 9 Bft auf dem Zettel stehen (höheres Bergland
allerdings mehr). Ohnehin muss man konstatieren, dass der morgige Wind ein
Produkt aus horizontalem Druckgradienten und vertikalem Impulsaustausch
(Stichwort Labilität) ist, der entsprechend durch starke Böigkeit auffällt. So
gesehen ist verständlich, warum die Wahrscheinlichkeit für konvektive Böen 9 Bft
im Nordwesten angesichts von 950-hPa-Winden bis an 50 Kt heran am größten ist.
Kurz noch eine Bemerkung zum Wind im Süden, der präfrontal aus Südwesten kommend
lange lebhaft unterwegs bleibt (im Alpenvorland Leitplankeneffekt) mit Böen 7-8
Bft, höhere Lagen darüber. Zum Abend hin nimmt der Wind dann aber ab, was
übrigens auch für den großen Rest des Landes außer direkt an den Küsten gilt.
Bei guter bis sehr guter Durchmischung steigt die Temperatur verbreitet auf 10
bis 15, am Oberrhein bis zu 17°C.
In der Nacht zum Montag macht MANJA Landgang in Südnorwegen. Da sich über See
nördlich von Svinöy aber ein zweiter Kern bildet, sieht es so aus, als würde das
Tief nach Norden abdriften. Das aber nur als rein akademische Notiz. Relevanter
für das Geschehen vor Ort ist die Tatsache, dass Luftdruck und Potenzial von
Südwesten her anfangen zu steigen. Über den Süden legt sich sogar ein schwacher
Hochkeil, der mitverantwortlich dafür zeichnet, dass auch der Druckgradient
anfängt aufzufächern. Das im Süden mehr als im Norden, wo der Südwest- bis
Westwind insbesondere an der Küste stürmisch unterwegs bleibt. Die hohen Spitzen
vom Tage werden mit zunehmender Nachtdauer allerdings nicht mehr erreicht. Am
Morgen dürften dann maximal noch 9er-Böen auf den Windgebern angezeigt werden.
Ansonsten braucht´s außer im höheren Bergland sowie im küstennahen Binnenland
keine Warnungen mehr.
Das gilt auch für den Parameter Regen, der sich rasch in die Alpen und nach
Österreich zurückzieht. Was folgt sind noch ein paar Schauer, die es aber
zunehmend schwer haben, sich gegen den Tagesgang sowie eine neuerliche,
WLA-bedingte Stabilisierung von Westen her durchzusetzen (die nächste Warmfront
steht ante portas). Am besten klappt das noch über der Nord- und bedingt auch
über der Ostsee, wo diabatischer Wärmetransport von unten mithilft, konvektive
Umlagerungen zu initiieren.
Je nach Wind und Bewölkung kühlt die Luft auf 9 bis 2°C (direkt an der See etwas
darüber) ab.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... folgt die nächste Warmfront, die uns in der Nacht zum Dienstag
ostwärts überquert. Dabei wird erneut ein Schwall maritimer Subtropikluft
advehiert, der sogar noch milder ist als die Luftmasse der kommenden Nacht. So
werden im Westen und Südwesten am Dienstagmorgen auf 850 hPa zweistellige Werte
bis zu 12°C erwartet. Allerdings ist die Luft bei Weitem nicht so
wasserdampfgeschwängert (PPW unter 30 mm) und auch die Hebungsbedingungen sind
deutlich schlechter, so dass wir hier nur über leichten Regen/Nieselregen
sprechen. Mehr als 5 l/m² innert 12-24 Stunden dürfte die absolute Ausnahme
markieren. Weitere Details können wie gewohnt der Frühübersicht entnommen
werden.
Modellvergleich und -einschätzung
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Den Ausführungen ist an dieser Stelle nichts Substanzielles hinzuzufügen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann