Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Blocking dauert an: Kalt im Osten und Norden, mild im Westen und Süden.
Ab der kommenden Nacht bis voraussichtlich in den Freitag hinein im Osten,
später auch im Nordosten immer wieder gebietsweise gefrierender Regen mit
Glatteis, dabei auch Unwetter möglich.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... steht nach wie vor der blockierenden, vom Nordmeer über Skandinavien
bis nach Ost- und Südosteuropa reichenden und als Gesamtgebilde quasistationäre
Hochdruckzone (Schwerpunkt: Hochdruckgebiet "DANIEL", das inzwischen über dem
Südwesten Russlands angelangt ist) ein umfangreicher Tiefdruckkomplex entgegen,
der quasi den gesamten mittleren Nord- sowie den Ostatlantik, weite Teile West-
und Südwesteuropas überdeckt und von dort aus inzwischen bis in den zentralen
Mittelmeerraum reicht. Darin eingebettet, befindet sich das zentralsteuernde
Tief "ROMINA" über dem Seegebiet südwestlich von Irland und zeigt in den
kommenden 24 bis 48 Stunden nur wenig Verlagerungstendenzen.
Entsprechend ändert sich auch hierzulande an der Temperaturzweiteilung vorerst
nur wenig: In den Osten und Norden gelangt an der Südwestflanke des Hochs von
Osten her weiterhin bodennah kalte Festlandsluft mit verbreitetem Dauerfrost (-6
bis 0 Grad als Tmax), während der Westen und Süden des Landes im Einflussbereich
der etwas milderen Luftmasse ehemals atlantischen Ursprungs befinden. Diese
konnte in der vergangenen, teils gering bewölkten Nacht im Süden und vor allem
im Südosten ordentlich auskühlen, und nachdem sich insbesondere entlang sowie
südlich der Donau teils beständige Nebel- und Hochnebelfelder ausgebildet haben,
gibt es auch dort stellenweise Dauerfrost. Ansonsten erreichten die Maxima heute
im Westen und Süden sowie in Teilen der Mitte (in etwa entlang und südlich einer
Linie südliches Emsland über Ostwestfalen, Thüringen bis nach Ostsachsen)
meistens Werte zwischen 1 und 6 Grad, im Lee einiger Mittelgebirge bis 9 Grad,
in Teilen von NRW - dort hat es bei strahlendem Sonnenschein recht großflächig
für quasi trockenadiabatische Durchmischung gereicht - sogar frühlingshafte 10
bis 13 Grad.
Mit der Stationarität der Druck- und Geopotenzialgebilde halten sich auch
dynamische Hebungsprozesse zumindest über Mitteleuropa sehr in Grenzen.
Insgesamt dominiert aber über dem Vorhersagegebiet großflächig WLA, die sich mit
Vorstoß eines markanten Kurzwellentroges über Italien samt korrespondierenden
990 hPa-Bodentief zur nördlichen Adria von Süden her noch verstärkt. Dabei wirkt
ein aus einem nach Frankreich reichenden Randtrog herauslaufender, vor allem in
der unteren und mittleren Troposphäre ausgeprägter kurzwelliger Troganteil, der
sich im Laufe der Nacht quer über Deutschland hinweg langsam nordwärts bewegt,
noch etwas unterstützend.
Somit ist die sich nach Abzug der letzten, an eine sich inzwischen weitgehend
aufgelöste Tiefdruckrinne gekoppelten Niederschläge eingestellte
Wetterberuhigung nur vorübergehender Natur. Bereits aktuell fällt im
Sattelitenbild der großflächige Wolkenschirm an der Nordflanke des Italientroges
bzw. -tiefs ins Auge, der von Tschechien her bzw. aus den Alpen heraus auf den
Süden und die Mitte des Landes übergegriffen ist. Die "unruhige"
Oberflächenstruktur des Schirms lässt zudem auf einen erhöhten Eintrag von
Saharastaub schließen. Der aktuell noch wirksame, von Südosteuropa bis in den
Nordosten des Landes reichende flache Höhenkeil wird im Laufe der Nacht nach
Norden abgedrängt und mit Annäherung einerseits des Troges über Italien,
andererseits aber auch des Troganteiles über Süddeutschland kommt nun doch durch
Aufgleiten nieder- und mitteltroposphärisch wärmerer Luft von Südosten her
verstärkt dynamischer Hebungsantrieb ins Spiel. Die Folge sind leichte
Niederschläge, die in Kürze bereits im Böhmischen Becken einsetzen dürften, sich
dann aber bereits in der ersten Nachthälfte rasch auf Teile von Sachsen, auf
Brandenburg und Teile von Sachsen-Anhalt ausweiten, im weiteren Verlauf dann
nach Norden und etwas nach Westen vorankommen, wobei sie sich vor allem über dem
Osten Brandenburgs etwas intensivieren und dort regional auch um 5 l/m² in 6
Stunden zusammenkommen können. Mit der nun auch niedertroposphärisch sich etwas
verstärkenden WLA steigt die Temperatur vor allem im Osten von Sachsen und
Brandenburg auf Werte um oder knapp über 0 Grad, die Progosetemps zeigen dort
auch die klassischen "warmen Nasen". Somit dürfte in den Regionen nach hier und
da noch anfänglichem Schneefall die flüssige Niederschlagsphase überwiegen und
entsprechend muss bei leichtem, nach Norden zu gebietsweise auch mäßigem Frost
von gefrierenden Regen ausgegangen werden. Den größten Unsicherheitsfaktor
stellt dabei in der Nacht zunächst die Intensität der Niederschläge da. Diese
schwanken nicht nur von Modell zu Modell, sondern auch von Lauf zu Lauf noch ein
wenig. Der aktuelle I-D2-Lauf hat die Mengen gegenüber den zwei/drei letzten
Vorläufen wieder etwas aufgestockt, SuperHD simuliert noch etwas höhere Mengen,
insgesamt können aber vor allem im Nordosten Sachsens sowie im Süden und Osten
Brandenburgs in 6 bis 8 Stunden 1 bis 5 l/m² als gefrierender Regen
zusammenkommen. Somit wären die Kriterien für eine Unwetterwarnung vor Glatteis
auf jeden Fall erfüllt und entsprechend läuft auch eine Vorabinformation.
Nach Westen und Norden zu - die Niederschläge breiten sich im Laufe der Nacht
bis nach Vorpommern sowie auf ganz Sachsen-Anhalt und auch bis ins östliche und
mittlere, eventuell auch südliche Niedersachsen und Ostwestfalen aus - dürfte
die Kaltluft so mächtig sein, dass insgesamt die feste Phase überwiegt und
höchstens stellenweise gefrierender Regen fällt. Als Schnee kommen aber meist
nur wenige Zentimeter zusammen, ganz vereinzelt können es 5 cm sein.
Unsicher ist auch, ob bereits im laufe der zweiten Nachthälfte aus den Alpen
heraus leichte Niederschläge auf Teile des Alpenvorlandes übergreifen. Wenn das
der Fall sein sollte, kann es auch dort Glatteis geben (allerdings nur
kleinräumig und markant) meist bleibt es aber trocken.
Im Rest des Landes verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig. Auch über dem heute
tagsüber teils sonnigen NRW ziehen zunehmend dichte hohe und mittelhohe
Wolkenfelder hinweg, in Norddeutschland hält sich die dichte hochnebelartige
Bewölkung, ebenso bleibt es in einigen Regionen Süddeutschland trüb. In vielen
Niederungen West- und Südwestdeutschlands verläuft die Nacht frostfrei, auch
sonst gibt es einige Regionen, wo es nicht für Frost reicht (z.B. Teile Unter-
und Mittelfrankens). Im großen Rest gibt es aber leichten, im Nordosten auch
mäßigen Frost.
An den Küsten weht weiterhin lebhafter Ostwind mit steifen, exponiert auch
vereinzelten stürmischen Böen.
Donnerstag ... arbeitet sich der flache, nach wie vor am ehesten in der unteren
Troposphäre auszumachende Trog über Norddeutschland hinweg langsam Richtung
Dänemark und westliche Ostsee vor. Dahinter stellt sich eine flaue südliche
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein, die über Westdeutschland im Bereich
eines weiteren, ebenfalls nur flachen Randtroges leicht zyklonal konturiert ist.
Das Bodentief über der nördlichen Adria zieht langsam nach Venetien und beginnt
sich allmählich aufzufüllen und übt keinen relevanten Einfluss mehr auf die
Wetterentwicklung hierzulande aus.
Die Niederschläge über dem Norden und Osten Deutschlands ziehen somit nordwärts
ab, allerdings können sich die leichten Niederschläge über Südbayern ein wenig
verstärken und ziehen ebenfalls Richtung Norden. Sie erfassen vormittags
Ostbayern und nachmittags dann erneut Teile der Osthälfte Deutschlands.
Insgesamt ziehen sie nach Lesart der vorliegenden Modelle auf einet etwas
westlicheren Zugbahn nordwärts als die nächtlichen Niederschläge, auch deren
Phase ist noch unklar, bei anhaltender WLA dürfte aber meist die flüssige
überwiegen.
Zunächst einmal ziehen die nächtlichen Niederschläge vormittags über
Nordbrandenburg und Vorpommern nordwärts. Auch dort dürfte nach Osten zu alsbald
die flüssige Phase überwiegen, so dass die Vorabinformation vor Glatteis
inzwischen bis in den Südosten Vorpommerns ausgeweitet wurde. Nach Westen zu und
wohl auch im Norden Vorpommerns fällt Schnee, meist weniger, im Nordosten
Vorpommerns, nach Lesart anderer Modelle, die auf IFS basieren (IFS simuliert
auch weiter westlich etwas höhere Mengen) auch entlang der gesamten
vorpommerschen Küste bis zur Lübecker Bucht auch mehr als 5 cm bis zum Abend.
Der von Süden her aufziehende zweite "Niederschlagsschub" dürfte in Süd- und
Ostbayern meist als Regen fallen, eventuell reicht es dann für wohl lediglich
mit markant zu bewarnende Glätte, vielerorts steigen die Temperaturen aber auch
rasch schon in den unkritischen Bereich. Weiter nördlich ist die Phase nach wie
vor unsicher. Vor allem ab dem Thüringer Becken und der Leipziger Tieflandbucht
herrscht weiterhin Dauerfrost, und insbesondere in Sachsen-Anhalt sowie im
Westen Brandenburgs bis nach Mecklenburg, nach Lesart einiger Modelle sogar noch
im östlichen Niedersachsen wird mit teilweise vorhandenen "warmen Nasen" in den
Prognosetemps vielfach wieder die flüssige Phase simuliert. Die Mengen sind nach
wie vor unsicher (meist maximal wenige l/m², einige Modelle haben aber um 5l/m²
auf der Agenda), dennoch kann erneut Unwetter-Glatteis nicht ausgeschlossen
werden.
Im Rest des Landes passiert wettertechnisch dagegen nach wie vor nicht viel. Mit
dem flachen Trog über Westdeutschland kann es dort einzelne kurze Regenschauer
geben, sonst bleibt es trocken und vor allem im Südwesten und an den Alpen zeigt
sich im Tagesverlauf auch häufiger die Sonne. Die Dauerfrostgrenze verschiebt
sich weiterhin kaum, etwa vom südlichen Emsland bis zur Lausitz und weiter
nördlich bleibt es bei leichtem Dauerfrost. Sonst erreichen die Maxima Werte
zwischen 1 und 7 Grad, mit Sonnenschein im Südwesten sowie im südlichen
Alpenvorland teilweise bis knapp über 10 Grad. Der lebhafte Ostwind flaut an den
Küsten mit langsam auffächernden Gradienten allmählich ab und dürfte später
nicht mehr warnrelevant sein.
In der Nacht zum Freitag kommen die Niederschläge über der Osthälfte nordwärts
voran und können sich mit Übergreifen des flachen Randtroges von West- nach
Norddeutschland sogar noch ein wenig intensivieren. Die Phase ist nach wie vor
unklar, Schnee und gefrierender Regen, beides ist möglich, bei der gefrierenden
Phase bleibt die Unwettergefahr vor allem vom nördlichen Sachsen-Anhalt und
Nordbrandenburg bis nach Mecklenburg oder gar Ostholstein hoch. Gebietsweise
kann es aber auch kräftiger schneien mit mehr als 5 cm in weniger als sechs
Stunden, am ehesten Richtung Ostsee.
Derweil greift ein weiterer Randtrog im Laufe der Nacht von der Biskaya auf
Frankreich über. Im Vorfeld kommt eine flache Tiefdruckrinne samt eingebetteter
Okklusion in den Frühstunden bis nach Nord- und Ostfrankreich voran. Präfrontal
kann es im äußersten Südwesten morgens eventuell etwas regnen.
Ansonsten bleibt es aber trocken, allerdings nur gebietsweise aufgelockert
bewölkt, am ehesten im Westen und Süden. In einigen Niederungen im Westen und
Südwesten, aber teilweise auch in der Mitte bleibt es frostfrei, sonst gibt es
überwiegende leichten Frost und gebietsweise Glätte durch Überfrieren.
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... gelten weiterhin die Aussagen in der Frühübersicht. Die aktuellen
Modellläufe bringen keine neuen Erkenntnisse, nach wie vor spricht alles dafür,
dass sich die Glatteislage im Nordosten bis zum Mittag zumindest vorübergehend
deutlich entspannt. Auch die neuen Niederschläge von Südwesten her dürften erst
in der Nacht zum Samstag wieder bzgl. Glatteis kritisch werden.
Zwar sickert die mildere Luftmasse langsam auch in den Nordosten des Landes,
aber die aktuellen MOSMIX-Prognosen (überwiegend kein Dauerfrost mehr)
erscheinen etwas zu hoch, so schnell lässt sich die Kaltluft erfahrungsgemäß
nicht verdrängen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Der Teufel liegt im Detail - das gilt insbesondere bzgl. der Glatteissituation
ab der kommenden Nacht bis Freitagvormittag. Die Modelle unterscheiden sich nur
wenig bzgl. der räumlichen Verteilung und Intensität der Niederschläge. Ebenso
ist deren Phase noch unsicher.
Grade das macht das Erstellen einer Vorabinformation und auch deren
"Scharfschaltung" aber so mühsam: Es macht warntechnisch einen
Riesenunterschied, ob simulierte 2 l/m² als Schnee oder als Regen fallen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff