Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 27.05.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Hoch Britische Inseln, im Nordosten trockene und kühler Kontinentalluft, im
Südwesten trockene Subtropikluft. Am Freitag im Nordwesten Trogdurchgang mit
schweren Gewittern.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... liegt ein ungewöhnlich kräftiger Höhenkeil über Westeuropa, der
angefüllt mit subtropischer Luft gestern für Hitzerekorde über Frankreich und
Großbritannien gesorgt hat. Er wird flankiert von einem Langwellentrog über
Nordosteuropa und einem Cut-Off-Tief über dem Atlantik. Das korrespondierende
Bodenhoch liegt über der Nordsee und beeinflusst nahezu ganz West- und
Mitteleuropa. An seiner Ostflanke läuft eine Kaltfront ab, die bei uns nicht
wetterwirksam ist und die merklich kühlere und sehr trockene Luft (Taupunkt ~ 5
°C) aus Skandinavien in den Nordosten führt. Während die Temperatur im Nordosten
bereits unter 20 °C gefallen ist, liegt der Süden und Südwesten noch unter dem
Einfluss der nordafrikanischen subtropischen Luftmasse, wo nochmals teils über
30 °C erreicht wurden.
Bei CAPE-Werten etwa 600 J/kg haben sich in dieser Luftmasse fast ausschließlich
am Alpenrand und im Schwarzwald einige Gewitter gebildet, die relativ schnell
ziehen und durch Entrainment auch rasch wieder "austrocknen". Das
Starkregenpotenzial ist begrenzt, die größte Gefahr geht von lokalen Downbursts
in der trocknen Grundschicht aus, die im Falle von stärkeren Entwicklungen ein
gewisses potenzial bildet.

Spätestens am Abend fallen die letzten Gewitter zusammen. Die Nacht verläuft
weitgehend klar. Während die Luft in der subtropischen Luftmasse auf 16 bis 10
°C sinkt, sind es in der Nordwesthälfte 7 bis 4 °C. MOSMIX rechnet sogar mit
lokalem Bodenfrost.

Donnerstag ... setzt sich der Höhenkeil langsam ostwärts in Bewegung und
verliert etwas an Amplitude. Das korrespondierende Bodenhoch liegt zieht nach
Mitteleeuropa und schwächt sich dabei ab. Die eingeflossene kühlere Luft im
Nordosten beginnt sich zu erwärmen. Dort steigt die Temperatur auf 20 bis 24
Grad, während die 30 Grad in der subtropischen Luftmasse fast nur noch im
Südwesten erreicht werden. Dort bauen sich tagsüber bis etwa 800 J/kg ML-CAPE
auf, der unter dem Absinken des Höhenkeils stark gedeckelt ist (CIN > 50 J/kg).
Da die Luft relativ trocken ist, bleibt nach Berücksichtigung des Entrainments
nur noch etwa 300 J/kg ECAPE übrig. Ob sich die eine Zelle im Südwesten wirklich
entwickelt, die SuperHD und ICON-D2 berechnen, ist somit fraglich.
Ansonsten bleibt es locker bewölkt oder sonnig.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... wird der Höhenkeil im Norden abgehobelt, über Mitteleuropa schwächt
sich das Bodenhoch ab und zieht sich nach Süden zurück. Dabei stellt sich
vorderseitig eines von der Nordsee aufziehenden flachen Kurzwellentrogs eine
leicht konvergente Strömung ein. Zudem setzt vor dem Trog WLA ein, sodass die
15-°C-Isotherme auf 850 hPa wieder die Mitte Deutschlands erreicht. Dadurch wird
auch die kühlere Luftmasse aus dem Nordosten verdrängt. Unmittelbar vor dem Trog
wird zudem ein bodennahes Feuchteband simuliert, das in den Nordwesten
Deutschlands advektiert wird. Dies führt zum Aufbau von bis zu 1500 J/kg CAPE.
Der vergleichsweise starke Deckel spricht eher für die Auslösung von isolierten
Zellen. Diese können sich allerdings bei Scherungswerten über 20 m/s zwischen 0
und 6 km sowie SRH ~ 200 m²/s² in gut organisierten, rechts ausscherenden,
hochbasigen Superzellen entwickeln. Die Prognosen sind noch unsicher. Während
SuperHD zunächst eine wahrscheinlich zu rasche Verclusterung zeigte, sind die
Zellen im neuen Lauf deutlich weiter südlich und zunächst eher isoliert. Erst in
der Nacht entstehen weiter nördlich Cluster mit Sturmböen, die im Laufe der
Nacht bis zur Mitte vorankommen. Bei vorlaufenden Superzellen besteht das
Unwetterpotenzial weniger in Starkregen, da die Zellen schnell ziehen, sondern
eher aufgrund von lokalen Downbursts (inverses V in der Temperatur) sowie
größeren Hagel. Im Falle von nächtlichen Clustern rückt dann immer mehr der
Starkregen in den Fokus.
Im Rest von Deutschland bleibt es unter Hochdruck locker bewölkt.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modellsimulationen sind ähnlich. Für die Einschätzung am Freitag müssen noch
weitere Lokalmodelle abgewartet werden.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold