Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Windiges Wochenende. Im Norden einzelne Gewitter mit stürmischen Böen, Sturmböen
nicht ausgeschlossen.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... liegen wir unter einer leicht antizyklonalen westlichen bis
nordwestlichen Höhenströmung, zwischen einer Hochdruckzone über der Biskaya und
Frankreich sowie tiefem Druck über Nord- und Nordwesteuropa. Dabei zieht ein
Tief von Südnorwegen nach Schweden, dessen Ausläufer abends und nachts milde und
sehr feuchte (TP knapp 20°C), am Samstag kühlere Meeresluft polaren Ursprungs
nach Deutschland lenken.
Dabei fällt zunächst skaliger Regen, der aus WLA resultiert und sich an den
Ostalpen zu Dauerregen staut. Bislang sind teilweise 20 l/qm gefallen, nachts
kommen je nach Modell 5 bis 15 l/qm hinzu. Auf den Nordwesten hat schon die
schleifende Kaltfront des Tiefs übergegriffen, mit der der Regen konvektiven
Charakter bekommt. Es bleibt bei Schauern, da die Labilität nicht hoch reicht
und in ca. 700/650 hPa von einer stabilen Schicht begrenzt wird.
Der Wind ist aktuell im Nordwesten, speziell an der Nordsee und exponiert im
Bergland und im Süden flotter unterwegs, es laufen Wind- und Sturmwarnungen. Im
Bergland ändert sich an der Windsituation in den nächsten Stunden nicht viel, an
der Nordsee lässt der Wind vorübergehend nach, um zum Samstagmorgen wieder
zuzulegen.
Samstag ... hängt die Windzunahme auch damit zusammen, dass das Tief in die
südliche Ostsee zieht und wir in den etwas "stärkergradientigen" Bereich an
dessen Südwestflanke kommen. Das Hoch zieht sich dabei südwestwärts zurück. Die
Tiefausläufer ziehen nach Südosten, dahinter folgt die kühlere Meeresluft vor
allem in den Norden, zur Mitte hin wird der Luftmassenaustausch diffuser, im
Süden hält sich Warmluft.
Über den Norden zieht im Tagesverlauf ein Trog hinweg, der ca. in der Nordhälfte
Schauer auslöst. Mit der Labilität hapert es weiterhin. Lediglich der Norden
wird von einem Schwall höhenkalter Luft gestreift, die einzelne Gewitter möglich
macht. Bei starker Scherung sind linienhafte Strukturen möglich. Stürmische Böen
oder Sturmböen (8-9 Bft) können die Folge sein. Der Gradient legt aber ohnehin
soweit zu, dass außer im Südwesten verbreitet Windböen, vereinzelt stürmische
Böen auftreten, im Bergland und an der See teilweise Sturmböen aus West.
Der Südwesten und Süden liegen im Randbereich des Hochs, wo sich die warme Luft
durch das Absinken/Einstrahlung erwärmt. An die 15°C in 850 hPa bringen an die
10K höhere Werte südlich der Donau als heute. Heute 15, morgen 25°C als Max.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt ein KW Trog über den Norden mit Schauern und
vereinzelten Gewittern nach Osten. Der Wind lässt nach, bleibt aber an der See
warnrelevant mit steifen bis vereinzelt stürmischen Böen aus West bis Nordwest.
Nach Süden und Südwesten hin verstärkt sich der Hochdruckeinfluss.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... zieht das Tief zum Baltikum und der damit zusammenhängende Trog
weitet sich über Osteuropa nach Süden aus. Zwischen dem Trog und einem Keil bei
Irland dreht die Strömung in der Höhe nach Nordwest mit kurzwelligen Trögen, die
darin nach SE ablaufen. Im Süden und der Mitte bremst KLA die Hebung etwas,
dennoch bilden sich über der Mitte einzelne Schauer, im Norden, wo die
Labilisierung stärker greift, sind kurze Gewitter möglich.
Dort lässt aber die Scherung nach, dennoch sind dank Gradient, auch wenn der
Organisationsgrad nicht mehr so gegeben ist, in Konvektionsnähe stürmische Böen
möglich, in der gesamten Nordosthälfte aus dem Gradienten heraus Windböen 7 Bft.
Auch im Süden, besonders entlang der Alpen, sind mit Leitplankeneffekt Windböen
und stürmische Böen aus West zu erwarten.
Das die Südwesthälfte ruhiger und freundlicher davonkommt, liegt an der Nähe zur
Hochdruckzone über Westeuropa.
Die kühlere Luft kommt auch im Süden an.
ICON hat die Windentwicklung am Sonntag im 12z Lauf ein wenig verstärkt. Dennoch
bleibt der Grundtenor der gleiche und für mehr Details kann die Frühübersicht zu
Rate gezogen werden.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Die Modelle simulieren ähnlich. Das Wochenende wird sehr windig. Morgen fast
landesweit, am Sonntag eher in der Nordosthälfte und zu den Alpen hin. Das Level
(häufig 7 Bft, einzelne Bft 8, Küste und Berge Sturmböen) dürfte ähnlich sein.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner