Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Von Westen her allmählich Ende des außergewöhnlich warmen Spätsommers mit teils
gewittrigen (Stark)Regenfällen, die im Osten sehr wahrscheinlich aber nicht
ankommen.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland nach wie vor zwischen dem kernigen Sturm-
bzw. Orkantief EVA, das gerade dabei ist, entlang von 20° West nordwärts in
Richtung Island zu ziehen. Dabei weist es noch immer einen Kerndruck zwischen
950 und 955 hPa auf, was eine sehr bemerkenswerte Hausnummer darstellt. Auf der
anderen, der kontinentalen Seite haben wir ARNO und BORCHERT, ihres Zeichens
Hochdruckgebiete, die inzwischen zu einem System verschmolzen sind, wobei der
ältere ARNO dem jüngeren BORCHERT mehr und mehr die Regentschaft überlässt. Das
Zentrum ist heute Abend über Finnland zu finden, wo der Maximalluftdruck etwa
bei 1038 hPa liegt. Es versteht sich von selbst, dass solche Alphatiere auch in
der mittleren und oberen Troposphäre ihre Fußabdrücke hinterlassen. So hat sich
das Sturmtief schon sehr weit nach oben geschraubt, wo inmitten eines
ausgewiesenen Potenzialtrogs über dem Ostatlantik mehrere abgeschlossene
Isohypsen zu finden sind. Das Hoch wiederum wird von einem wuchtigen Rücken
gestützt, der sich von NW-Afrika bis hoch nach Fennoskandien erstreckt mit dem
Hang, knapp ost-nordöstlich von uns eine abgeschlossene Höhenantizyklone zu
formieren.
Es verwundert nicht wirklich, dass es mit der Progression in dieser fast schon
als lehrbuchartig zu bezeichnenden Low-Index-Zirkulation nicht allzu
fortschrittlich bestellt ist. Zumal auf der Südwestflanke des atlantischen
Troges respektive des Sturmtiefs auch noch das Azorenhoch thront, das der
gesamten Strömungskonfiguration noch mehr Festigkeit verleiht. Trotzdem und
obwohl die gute EVA nach Norden abdriftet, schafft es die zugehörige Kaltfront
soweit Boden nach Osten hin gutzumachen, dass wir davon profitieren und sich das
Wetter zumindest in Teilen des Landes ändert. Der entscheidende Push kommt dabei
von einem Randtrog, der sich aus dem Hauptsystem löst, in der Nacht und am
Donnerstagvormittag UK/Irland passiert, um danach die Nordsee, Benelux und
Frankreich anzuvisieren.
Vorderseitig wurde und wird nochmal warme bis sehr warme, in den Westen und
Südwesten z.T. sogar heiße Subtropikluft advehiert (dort stellenweise 30°C oder
etwas darüber). Wie die letzten Tage auch war es tagsüber noch eine trockene
Warmluft (xS mit Hang zu cS), was sich im Westen nun aber rasch ändern wird (=>
mS). Dort nimmt der Wasserdampfgehalt in den nächsten Stunden signifikant zu auf
bis zu 35/40 mm PPW am Morgen. Das ist ´ne Menge Holz, mit dem man durchaus was
anfangen kann. Allerdings mangelt es zunächst noch an substanziellen
Hebungsimpulsen, weil die sich nähernde Front keinerlei Support aus der Höhe
erfährt und die Rinne bzw. der Bodentrog, wo sie eingelagert ist, noch westlich
von uns verbleibt. Kurzum, neben dichter Bewölkung greifen auch die ersten
Schauer bzw. schauerartigen Regenfälle über (vor allem westliches NDS bis
hinunter zum Saarland/Pfalz), die von ihrer Intensität aber noch recht schwach
skaliert sind. Ob es sogar für ein kurzes Gewitter reicht, ist angesichts stark
limitierter und abgehobener Labilität (nur ganz wenig MU-CAPE) mehr als
fraglich.
Weniger fraglich hingegen die Tatsache, dass die Nacht in weiten Landesteilen
trocken und vornehmlich nach Osten hin auch gering bewölkt oder klar über die
Bühne geht. Im Südosten sind hier und da ein paar flache Nebelfelder denkbar,
für die dicke und ausgedehnte "Suppe" ist die Luft aber nach wie vor zu trocken.
Das erklärt auch (neben fehlender Bewölkung), warum der Südosten morgen früh
wieder mal die kälteste Ecke im Deutschlandvergleich darstellt. So dürfte im
östlichen und nordöstlichen Bayern abermals die 5°C-Marke punktuell
unterschritten werden, während im Westen gleichzeitig Minima von 17, 18 oder gar
19°C auf dem Zettel stehen.
Donnerstag ... greift die Front noch am Vormittag auf Deutschland, genau
genommen auf West- und Nordwestdeutschland über, während sie im Süden etwas
zurückhängt. Bedeutet vor allem für die Gebiete zwischen Nordsee und RP/Saarland
schauerartig verstärkte Regenfälle unterschiedlicher Intensität, während BaWü
bis zum Mittag noch gar nicht oder nur peripher und abgeschwächt (Westen)
betroffen ist. AROME und auch SuperHD simulieren dabei schon am Vormittag ein
paar Starkregenhotspots in unterschiedlichen Regionen, wohingegen ICON incl. EPS
noch zurückhaltend bezüglich der (mehr)stündlichen Regenraten agiert. Erst im
Laufe des Nachmittags und Abends nehmen die die Signale diesbezüglich auch in
der deutschen Modellkette zu - synoptisch absolut nachvollziehbar angesichts der
Tatsache, dass der o.e. Randtrog immer näher kommt und fruchtbaren Kontakt zur
Front aufnimmt (veritables PVA-Maximum auf der Vorderseite).
Unschärfen respektive Modellunterschiede bleiben aber weiterhin bestehen. Sie
betreffen einerseits die genauen regionalen Schwerpunkte mit erhöhtem
Starkregenpotenzial (sei es einstündig mit 15 bis 25 l/m² oder mehrstündig mit
20 bis 35 l/m², lokal noch höhere Mengen (Unwetter) nicht ausgeschlossen),
andererseits das Auftreten potenzieller Gewitter. Zu Punkt 1 lässt sich sagen,
dass die hochaufgelösten Modelle von Lauf zu Lauf die Maxima etwas verschieben,
das Bundesland RP sowie Teile von Hessen und NRW aber immer wieder (auch bei
externen Modellen) betroffen sind. Zu Punkt 2 lässt sich sagen, dass die
Luftmasse knapp vor bzw. im Frontbereich weiterhin sehr, sehr feucht, aber nur
überschaubar labil ist. Konvektive Verstärkungen bzw. Hotspots wird es sicher
geben, jedoch müssen diese nicht zwingend elektrisch sein. Einzelne in den Regen
eingelagerte Gewitter mit Starkregen sollte man aber trotzdem ins Kalkül ziehen,
insbesondere zum Abend hin. Bei aller Diskussion und Friemelei über die morgigen
Ereignisse, wie sie denn ablaufen könnten, dürfen wir Warnmeteorologen uns nicht
zu wichtig nehmen und vor allem die Mengen nicht auf die Goldwaage legen. Klar,
wenn´s richtig fett schüttet, muss ´ne Warnung ausgegeben werden, notfalls auch
in der Farbe Rot. Ansonsten sollten wir uns aber freuen, dass es in diesen
trockenen Zeiten endlich mal wieder regnet, bevor nämlich schon bald das nächste
Hoch - Gott zum Gruße CORTE - übernimmt.
Fakt ist, dass weite Teile der Osthälfte sowie nahezu ganz Süddeutschland vom
frontalen Niederschlagsgeschehen tagsüber nicht betroffen sein werden. Dort
pustet der Südost- bis Ostwind weiterhin trockene und ziemlich warme Luft heran
(T850 12 bis 15°C => Tmax 23 bis 27°C), in der für lange Zeit die Sonne scheint.
Allerdings machen sich im westlichen Teil der Osthälfte im Tagesverlauf dann
zumindest hohe und mittelhohe Wolken bemerkbar. Ach ja, apropos Westen, nicht
wenige Hinweise deuten darauf hin, dass es im äußersten Westen und Nordwesten
(grob Niederrhein bis Ostfriesland) ab dem Nachmittag bereits beginnt
abzutrocknen. Mit Winddrehung auf West strömt postfrontal allmählich wieder
trockenere und stabile Subpolarluft ein (mPs; T850 knapp unter 10°C), in der die
Regen-/Schauerwahrscheinlichkeit abnimmt. Allgemein werden im Westen und
Nordwesten nur noch 18 bis 22°C Höchsttemperatur erwartet.
In der Nacht zum Freitag kommt die Front noch etwas weiter nach Osten voran,
wobei eine Wellenbildung nicht ausgeschlossen scheint. Wie und wo genau lässt
sich aber noch nicht belastbar sagen. Auf alle Fälle kommt es in einem von
Norddeutschland bis in den Südwesten verlaufenden Streifen zu weiteren
Regenfällen/Schauern mit vor allem in der ersten Nachthälfte regional begrenzter
Starkregengefahr. In der zweiten Nachthälfte sind dann schon abnehmende
Tendenzen erkennbar, was wohl im Wesentlichen der schlechter werdenden
Zusammenarbeit zwischen Front und dem langsam nordwärts abdriftenden Randtrog
geschuldet ist. Gleichwohl offerieren einige Modelle auch nach Mitternacht noch
ein paar wenige Maxima in Starkregennähe, wobei sich u.a. das Allgäu und
Umgebung herauszukristallisieren scheinen. Summa summarum lässt sich
konstatieren, dass akkumuliert über 24 Stunden (Starkregenhotspots mal
ausgeklammert) in Teilen der Westhälfte Flächenniederschläge zwischen 10 und 30
l/m² zusammenkommen - erfreulich, aber bei Weitem nicht genug.
Nicht regnen wird es in der Nacht sehr wahrscheinlich von Vorpommern über
Sachsen bis hinunter nach Oberbayern, wo nach wie vor die ost-nordosteuropäische
Blockade den frontalen Expansionsbemühungen den Zahn zieht. Und auch ganz im
Westen bzw. Nordwesten passiert nicht mehr viel, weil zu der neuen Luftmasse
(siehe oben) auch noch Druckanstieg dazukommt. Meister CORTE, als Azorenhochkeil
gestartet, macht sich über Frankreich selbstständig (1030+X-hPa-Parzelle) und
bereitet sich auf den Zusammenschluss mit Blocking-BORCHERT vor. Na denn mal
los...
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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Freitag ... wird´s frontolytisch. Druck von hinten (CORTE), Druck von vorne
(BORCHERT) machen es der Front sowie der Rinne, in der diese liegt, schwer zu
überleben. Und so kommt es wie es kommen muss: Die Front löst sich sukzessive
auf, die Rinne wird zugeschüttet und die beiden Hochs vereinigen sich respektive
bilden eine Brücke Azorenhoch-Kontinentalhoch. Die Regenwahrscheinlichkeit geht
deutlich zurück, im Westen und Nordwesten lockert die Wolkendecke zunehmend auf.
Thermisch reicht´s dann allerdings nur noch für 17 bis 23°C.
Modellvergleich und -einschätzung
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Im Grunde wurde alles angesprochen, was aber mitnichten alle Fragen beantwortet.
Gerade die Detailabläufe morgen tagsüber sowie in der Nacht zum Freitag lassen
noch die ein oder andere Variante offen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann