Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 13.05.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Kühle Troglage mit Schauern und Gewittern

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... liegt ein ausgeprägter Langwellentrog über Mitteleuropa und
beeinflusst weite Teile Deutschlands. Er wird flankiert von einem Atlantikblock
und einem weiteren blockierenden Keil über Russland. Aufgrund seiner langen
Wellenlänge verlagert sich der Trog nur sehr langsam. Im Bodendruckfeld liegt
östlich der Haupttrogachse, die sich von Skandinavien über die Nordsee bis nach
Westfrankreich erstreckt, ein Teiltief über der südlichen Nordsee. Mit einer
strammen nordwestlichen Strömung wird maritime Polarluft mit
850-hPa-Temperaturen um 0 °C in den Nordwesten Deutschlands geführt. An der
Südflanke des Bodentiefs hat sich der Gradient über dem Südwesten Deutschlands
verstärkt, sodass ein schwacher Low-Level-Jet mit bis zu 30 - 40 kt über dem
Südwesten und die Mitte Deutschlands zieht. In der höhenkalten Luft haben sich
bei etwa 200 bis 400 J/kg im Norden und in der Mitte zahlreiche Schauer und auch
kurze Gewitter gebildet. Aufgrund der hohen Low-Level- und Deeplayer-Scherung
können die Zellen kurzzeitig rotieren und es können sich kleinere Linien bilden,
die mit Sturmböen und Graupel/Hagel bis 2 cm einhergehen. Limitierender Faktor
ist auf jeden Fall der CAPE. Auch abseits von Gewittern sorgt der vertikale
Impulstransport, vorwiegend im Zusammenhang mit den stärkeren Höhenwinden, für
stürmische Böen und im Bergland für Sturmböen.
Weiter im Süden, außerhalb der höhenkältesten Luft, macht sich schwaches
kompensatorisches Absinken bemerkbar, sodass es dort wolkig ist, am Alpenrand
sogar locker bewölkt, und es bleibt weitgehend trocken. Die 850-hPa-Temperaturen
liegen dort bei bis zu 5 °C.

In der Nacht schwenkt die Trogachse ostwärts, sodass das Tieltief auf den Norden
übergreift, sich dort aber beginnt aufzulösen und nur noch ein Bodentrog übrig
bleibt. Der Low-Level-Jet weitet sich demnach ostwärts über den Süden
Deutschlands aus. Dort greifen trogvorderseitig auch Schauer auf die Südhälfte
über. In diesem Zusammenhang und verstärkt durch den Leitplankeneffekt zieht
dort auch der Wind mit starken Böen an.
Abgesehen vom äußersten Norden kommt es auch in der Nacht zu weiteren Schauern.
Die Gewittertätigkeit lässt allerdings tagesgangbedingt etwas nach.
Über Oberitalien setzt zudem Zyklogenese ein, wodurch einerseits
Aufgleitniederschläge im Berchtesgadener Land einsetzen, während gleichzeitig
von Nordwesten her Schauer mit bodennaher Kaltluft im Alpenraum ankommen. Die
Schneefallgrenze sinkt dabei auf etwa 1500 m.

Trotz 850-hPa-Temperaturen von teils unter 0 °C verhindert die überwiegend
dichte Bewölkung stärkere Ausstrahlung und somit Frost.

Donnerstag ... schwenkt die Trogachse etwas weiter nach Osten und greift auf
Westdeutschland mit höhenkalter Luft mit unter -30 °C auf 500 hPa auf den Westen
über. Bodennah füllt sich der vom Teiltief übrig gebliebene Trog über
Deutschland allmählich auf, sodass der Gradient immer mehr auffächert.
Verbreitet bilden sich wieder Schauer und bei wenigen 100 J/kg CAPE auch wieder
Graupelgewitter. Die Böenhäufigkeit nimmt wegen des schwächer werdenden
Höhenwinds im Vergleich zum Vortag ab. Dennoch ist die Scherung vor allem im
Südosten relativ hoch, sodass dort mit Gewittern kleiner Hagel oder auch mal
stürmische Böen nicht ausgeschlossen werden können. Am östlichen Alpenrand
sorgt das Oberitalientief für weiteres Aufgleiten. Die skalierten Niederschläge
fallen dort oberhalb von 1500 m als Schnee. Bis Freitagfrüh werden dort 10 bis
15 cm, in den Hochlagen 25 cm Neuschnee erwartet. In den übrigen deutschen
Alpenregionen fallen die Niederschläge geringer aus.

Mit Höchstwerten von 8 bis 15 Grad bleibt es für die Jahreszeit zu kalt.
In der Nacht zum Freitag lassen die Schauer nach und es lockert teilweise auf.
Gebietsweise bildet sich Nebel. Bei längerem Aufklaren ist gebietsweise Frost
möglich, in der Nordhälfte auch etwas verbreiteter Bodenfrost.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... auch am Freitag hält die Troglage mit Schauern und kurzen Gewittern
weiter an. Im Einflussbereich maritimer Polarluft bleibt esa auch weiteren für
die Jahreszeit zu kalt. Im Berchtesgadener Land gibt es weitere
Aufgleitniederschläge, schwacher bis mäßiger Intensität.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modellsimulationen sind alle sehr ähnlich.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold