Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Der lockere Gewitter-Aufgalopp zum Maibeginn!
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
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Aktuell ... Trog Westeuropa ist Trumpf! Am heutigen Sonntag spielt zwar in
weiten Teilen Deutschlands noch eine antizyklonale Südwestströmung die
Hauptgeige, doch über Nordwest-, West und Südwesteuropa hat der Trog schon den
Taktstock übernommen. Denn bodennah korreliert der bis nach Marokko südwärts
amplifizierte Trog mit einer ausgeprägten Tiefdruckzone, die schon von
Skandinavien bis zur Iberischen Halbinsel reicht. In diese eingebettet
schlängelt sich von Schweden über die westliche Ostsee, die südliche und
südwestliche Nordsee, Nord- und Westfrankreich bis nach Spanien ein Frontenzug,
der mehrere Tiefs verbindet und kühlere Meeresluft polaren Ursprungs von
subtropischer Luft trennt. Am heutigen Montag liegt Deutschland dabei noch
komplett in der subtropischen Luft, die jedoch von Südwesten und Westen
zunehmend feuchter wird. Von der Diabatik ist aber nicht viel bezüglich
Hebungsimpulse und Gewitter zu erwarten. Die größte Labilität ist in der
Südosthälfte zu verzeichnen, wo aber die antizyklonalen Bedingungen sowie die
sehr trockene Luft jegliche Impulse unterbindet. Im Westen und Nordwesten, wo
die feuchte Luft schon eingedrungen ist, ist die Schichtung eher stabil. Bleibt
der Südwesten übrig, wo leicht labile Bedingungen herrschen und von der Höhe her
auch etwas PVA mitmischt. Mit Unterstützung der Orografie reichen die
Hebungsimpulse aus, um konvektive Niederschläge auszulösen. Vereinzelt sind auch
Gewitter möglich. Aufgrund der noch recht trockenen Luft, spielt sich dort der
Wind in den Fokus. Diverse Soundings zeigen trockene Füße (Inverse-V
Strukturen). Entsprechend könnten sich bei Gewittern Downbursts ausbilden, die
Sturmstärke (Bft 9) erreichen. Aufgrund der langsamen
Verlagerungsgeschwindigkeit kann aber auch der Starkregen nicht völlig
ausgeschlossen werden und sollte zumindest mit einem Auge beobachtet werden.
Trotz fehlender Labilität ist die Hauptgewitteraktivität am heutigen Nachmittag
und Abend im Nordwesten des Landes zu finden. Dort können sich der nahende Trog
sowie entsprechende kurzwellige Anteile sowie konvergente, bodennaher
Windbedingungen die Hebung anheizen. Die Folge sind recht langsam ziehende und
beachtliche hohe Gewitterpakete. Bei PPW von 27 bis 33 mm steht der Starkregen
im Vordergrund. Sowohl in kurzer Zeit als auch mehrstündig wird die Farbe Okker
gebraucht. Regional können auch rote Flecken hinzukommen. So z.B. an der
Nordsee, wo auch der VII-Werte von 30 bis 45 mm größeren Hagel von 2-3 cm
zulässt. Der Wind spielt zwar nur die zweite Geige, darf aber nicht
vernachlässigt werden. Bei den höher reichenden Zellen sind durchaus Sturmböen
(Bft 9) möglich. Dazu kommt, dass durch teils gute Scherungsbedingungen im
Nordwesten des Landes auch die Organisation der Zellen mitspielt und zeitweise
Bogenstrukturen zaubert. Ansonsten werden wohl steife bis stürmische Böen (Bft
7-8) Standard sein. Während also die Westhälfte langsam die Pauken und Trompeten
des Frühlings bzw. Frühsommers spürt, konnte sich der Osten und Südosten bei
viel Sonnenschein und Temperaturen bis rund 30 Grad über Biergartenwetter
erfreuen.
In der Nacht ziehen die schauerartigen, anfangs teils auch gewittrigen
Niederschläge im Norden ab und fallen im Südwesten in sich zusammen. Da das Land
weiter im Warmsektor liegt, sinken die Temperaturen selbst bei Aufklaren nicht
mehr so weit ab und liegen überwiegend zwischen 14 und 8 Grad, beachtliche Werte
für Anfang Mai.
Montag ... Am Montag geht das Gewitterorchester in die zweite Runde. Die
Wetterlage bleibt nahezu unverändert. Das hochreichende Tief über Skandinavien
kann sich weiter aufplustern und somit das Hoch weiter südostwärts schieben.
Resultierend kann sich auch der Trog über Westeuropa ostwärts ausbreiten und
bodennah schon weite Teile Deutschlands für sich einnehmen. In der Höhe wird
aber noch ein anderer Takt angeschlagen. Dort können sich die antizyklonalen
Bedingungen behaupten und teilweise sogar noch stärken. Das kräftige Tief
gewinnt aber am Boden so viel Macht, dass es mit einer nördlichen Grundströmung
auf der Westflanke die Luftmassengrenze südwärts verfrachtet. Während in den
Norden allmählich etwas kühlere und trockene Luft einfließt, sorgen
frontogenetische Impulse mit etwas PVA trotz Rücken für ausreichend Hebung, dass
sich etwa von NRW und dem südlichen Niedersachsen über Nord- und Mittelhessen
sowie Thüringen hinweg bis nach Sachsen-Anhalt teils kräftige schauerartige,
teils gewittrige Niederschläge ausbreiten und vorübergehend sogar nochmals einen
nördlichen Touch bekommen. Den genannten Hebungsimpulsen steht wie ebenfalls
erwähnt die antizyklonale Strömung in der Höhe entgegen, wobei NRW schon auf der
Rückseite des Rückenachse gelangt. Die Gewitter werden daher wohl am warmen Rand
der Luftmassengrenze die Musik spielen und tendenziell mit weniger Lautstärke
daherkommen. Entsprechend drängt sich auch der mehrstündige starkregen in die
erste Reihe. Während sich für den stündlichen Starkregen 10 bis 40% des ICON D2
EPS (Unwetter 5 bis 20%) aussprechend, zeigen über sechs Stunden schon 20 bis
80% Starkniederschläge im Okker- und 10 bis 40% im Unwetterbereich an. Aufgrund
fehlender Scherung und nur geringen Höhenwinden, muss sich der Wind hinten
anstellen und erreicht wohl nur steife, lokal stürmische Böen. Cape-Werte von
200 bis 800 J/kg lassen bei kräftigen Zellen zumindest mal kleineren Hagel zu.
Zu mehr fehlt wohl der Antrieb. Anders sieht es im Südosten und dort vor allem
am Alpenrand aus. Dort werden die stärksten Labilitäten erwarten, die aber
natürlich gegen den Rücken ankämpfen müssen. Dennoch reicht die leichte
Anfeuchtung aus, etwas Cape aufzubauen. Mit Unterstützung der Orografie kann es
also für einzelne Gewitter klappen. Aufgrund geringer Verlagerungstendenzen ist
dann ebenfalls der (mehrstündige) Starkregen ein Thema, durch die trockene
Grundschicht (Inverse-V) sollten aber auch die Sturmböen im Fokus bleiben. Bei
den Temperaturen macht sich im Norden bei Werten von 14 bis 19 Grad schon die
kühlere Luft bemerkbar. Sonst lässt die subtropische Luft die Werte auf 19 bis
25 Grad, mit viel Sonnenschein im Südosten nochmals bis 29 Grad ansteigen.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... kann das hochreichende Tief über Skandinavien mit der kräftigen
Nordströmung auf der Westflanke die Luftmassengrenze wenn auch langsam weiter
nach Süden schieben. Tagsüber ist bevorzugt ein streifen über die Mitte
betroffen, wobei im Umfeld von Mosel und Main sowie südlich davon die
Gewittergefahr am höchsten ist. Bei länger anhaltenden schauerartigen, teils
gewittrigen Niederschlägen ist auch der mehrstündige Starkregen erneut ein
Thema. Trotz aller Unsicherheiten bezüglich der genauen Lage der
Luftmassengrenze und somit Verschmieren des EPS, werden dort (ICON D2 EPS) schon
5 bis 15, lokal bis 25% für Starkregen (Okker) und lokal bis 20% für Unwetter
abgebildet. Der Süden soll stand heute weiter nur von einzelnen Gewittern
getroffen werden. Der Norden liegt je nach Modell mehr oder weniger in der
trockenen und stabilen Luft. Aufgrund des auflandigen Windes an der Nordsee sind
dort aber einzelne steife Böen zu verzeichnen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Bis Dienstagabend zeigen alle Modelle ein recht konsistentes Geopotential- und
Luftdruckmuster sowie resultierend eine vergleichbare Niederschlagsverteilung.
Bei den niederschlagsschwerpunkten gibt es allenfalls kleinere räumliche
Verschiebungen. Bei der Einordnung der Intensität schlägt das hochaufgelöste und
Gewitter auflösende ICON-D2 die anderen, schlechter aufgelösten Modelle. Das
Kachelmann HD zeigt dagegen vergleichbare Ergebnisse. Ab der Nacht zum Mittwoch
gibt es zunehmend Abweichung in der räumlichen Einordnung der Luftmassengrenze.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel