Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 23.02.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
W z Übergang SW a

Heute windig, im Bergland stürmisch. Im Norden und Osten kurze Gewitter mit
Graupel und stürmischen Böen. An einer Warmfront kommende Nacht und Dienstag an
den Alpen kräftige Niederschläge, dadurch wieder Tauwetter und am Ostalpenrand
kräftiger Schneefall.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
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Montag... liegen wir unter einer zunächst westlichen, zyklonalen Strömung. Dabei
verlagert sich ein Höhenrücken, der von einer Warmfront überlaufen wird nach
Westeuropa. Stromab amplifiziert sich ein Trog, wobei dieser über uns nach Osten
abzieht. Kleinere Randtröge laufen auf der Trogrückseite südostwärts ab und
stützen den Amplitudengewinn und den Trogeinfluss über Mitteleuropa.

Eine Kaltfront mit schauerartigem Regen wird dabei gegen die Alpen gedrückt,
allerdings lässt die Wetteraktivität daran tagsüber nach, so dass die
Tauwetterwarnungen für das süddeutsche Bergland auslaufen können.
Postfrontal gelangt eine stark erwärmte, dennoch höhenkalte Meeresluft nach
Deutschland in der die -30°C-Isotherme in 500 hPa von den Küsten her bis
Ostsachsen vor und orientiert sich in etwa am Elbverlauf. Die Schichtung
labilisiert also deutlich. Im Tagesverlauf bohrt sich zudem ein recht markanter
Jetstreak mit an die 150 Knoten von der Nordsee zur Landesmitte.

Mit dessen Annäherung und vor allem auf der linken Ausgangsseite werden im
Nordosten und Osten zahlreiche Schauer und örtlich kurze Gewitter simuliert. Bei
guten Scherungsbedingungen sind einige Bogen- und Liniensegmente im Radar zu
erwarten. Die Gewitteraktivität wird modellseitig unterschiedlich bewertet. ICON
D2 ist in der Wetterinterpretation erstaunlich zurückhaltend, obwohl sich in den
Prognosesoundings die Konvektion bis -35°C hochschrauben kann. Nicht nur bei
Gewittern, auch in kräftigen Schauern ist Graupel möglich.

Dazu kommt der (West-)Wind, der nicht nur wegen des anhaltenden Gradienten,
sondern auch aufgrund der deutlich besseren Durchmischung stärker auffrischt.
Nahezu landesweit sind in Schauernähe Böen der Stärke 7, vereinzelt (v.a.
Leelagen und in Gewitternähe) stürmische Böen Bft 8 zu erwarten. Exponierte
Gipfellagen sind mit Böen bis 100 km/h (Bft 10) dabei. Im Südwesten gibt es bei
flacherer Labilität und der Nähe zum Höhenrücken ein Minimum an konvektiver
Aktivität und auch der Wind ist etwas schwächer.

Die Temperatur steigt trotz einfließender subpolarer Meeresluft (T850 im Norden
bis -3°C) auf 10 bis 15°C, im Norden auf 6 bis 10°C, der guten Durchmischung sei
Dank.

In der Nacht zum Dienstag kommt der Höhenrücken aus Westen mit der Achse bis
Frankreich voran. Damit bleibt die
Höhenströmung über Deutschland stramm aus Nordwest und mit Annäherung der neuen
Warmfront eines Richtung Island ziehenden Tiefs setzt aus Nordwesten verstärkt
WLA ein. Die WF liegt morgens schleifend über dem Südwesten.

Das führt letztlich zu einem fließenden Übergang der im Osten und Nordosten
abziehenden Schauer und den von Westen her neu einsetzenden stratiformen
Niederschlägen aus Westen. Dazwischen wird kaum einmal Platz für größere
Auflockerungen und trockene Phasen sein. Am ehesten wohl von der Nordsee bis
Thüringen.

Bevor der neue Schwall Warmluft herangeführt wird auch mithilfe des Staus die
Schneefallgrenze etwas nach unten gedrückt, so dass am Erzgebirge etwa oberhalb
von 700 bis 800 ein paar cm Schnee fallen können. An den Alpen setzen rasch
wieder skalige und teilweise ergiebige Niederschläge ein, wobei sich ein
markanter Gradient der Schneefallgrenze abzeichnet. Am östlichen Alpenrand,
Berchtesgaden, kann die Schneefallgrenze bis 1200m sinken. Im Allgäu liegt sie
im Laufe der Nacht bei ca. 1700 bis 1800m. in Lagen darüber sind durchaus 10 bis
20 cm Neuschnee zu erwarten, stellenweise mehr. Hinzu kommt, dass sich das
Tauwetter mit den neuen Niederschläge in tiefen und mittleren Lagen, dort liegt
ja noch einiges an Schnee, wieder verstärkt.

Mit 10 bis 3°C bleibt es erneut mild und frostfrei. Sollte es aber im Norden
Schleswig-Holsteins doch über einen längeren Zeitraum größere Wolkenlücken
geben, sind dort Tiefstwerte um 0°C möglich mit vereinzelter Glätte durch
überfrierende Restfeuchtigkeit. Auch im höheren Bergland der östlichen
Mittelgebirge sind Temperaturen um 0°C dabei mit etwas Glätte durch
Schneematsch. Der Wind lässt nachts deutlich nach.


Dienstag... zieht der Trog ostwärts ab und wir gelangen immer mehr in den
Bereich des sich noch weiter amplifizierenden Höhenrückens über Westeuropa,
dessen Achse bis zum Abend Benelux erreicht. Durch negative Vorticityadvektion
wird der Warmfront die Grundlage genommen, so dass diese auf dem Weg nach Osten
immer mehr zerbröselt und nur noch schwache Regenfälle auslöst, die abends über
der Landesmitte ankommen. Zeitgleich wird am Boden eine Hochparzelle gestützt,
die sich von den Westalpen löst und unter Verstärkung im Tagesverlauf zum
Böhmischen Becken ausweitet.

Lediglich im Süden regnet es zunächst noch anhaltend weiter und vor allem an den
Alpen kommen staubedingt bis zum Nachmittag signifikante Summen zwischen 10 und
20, in Staulagen am östlichen Alpenrand bis 30 l/qm zusammen. Damit ergeben sich
Gesamtmengen von 30 bis 50 l/qm, durch Abschmelzen des Schnees liegt das
Niederschlagsdargebot höher.

Die Schneefallgrenze steigt im Tagesverlauf von Westen auf deutlich über 1500 m
an. Die Differenzierung zwischen Schneefall/Dauerregen/Tauwetter ist durchaus
knifflig. Für Lagen oberhalb 1000m scheinen markante Schneefallwarnungen
angebracht. Ansonsten Tauwetterwarnungen.

Im Warmsektor sind am Nachmittag vor allem Richtung Breisgau Aufheiterungen
wahrscheinlich. Und auch sonst bekommt die kompakte Wolkendecke zumindest
abseits der Warmfront gebietsweise Lücken.

Die Höchstwerte erreichen am Oberrhein bis 18°C, sonst meist 10 bis 16°C, im
Dauerregen im Südosten sowie im Nordosten noch weniger. Der Wind lässt im
Bereich des Höhenrückens immer mehr nach und ist auch auf den Bergen kein Thema
mehr.

In der Nacht zum Mittwoch schiebt sich der Rücken endgültig nach Mitteleuropa,
das Bodenhoch hat seinen Schwerpunkt etwas weiter südöstlich. Die letzten Reste
der Warmfront werden getilgt und auch an den Alpen hört der Niederschlag auf.
Gebietsweise bildet sich bei schwacher Luftbewegung und nach den teils
ausgiebigen Regenfällen dichter Nebel oder Hochnebel. Im Südosten und Osten ist
stellenweise leichter Frost möglich.


Mittwoch... stellt sich unter dem Höhenrücken und am Rand der Bodenhochdruckzone
über dem östlichen Mitteleuropa frühlingshaftes Wetter ein. Bei schwacher
Luftbewegung aus Südost bis Südwest sind gebietsweise Aufheiterungen oder
sonnige Abschnitte zu erwarten. Ganz im Norden ziehen zunächst noch dichtere
Wolken, gebietsweise hält sich der Nebel auch etwas zäher. Niederschläge treten
nicht auf.

Bei bis +10°C in 850 hPa liegen die Maxima oft bei 15 bis 19°C. in einigen Ecken
im Westen und Südwesten sind 20°C möglich, der Nordosten und teilweise Ost
kriegt eher 11 bis 15°C.

Die Nacht zum Donnerstag verläuft ruhig mit abnehmender Nebelneigung und
leichter Frostgefahr im Südosten.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren ähnlich. Unschärfen beschränken sich auf Details.
Aufgrund der Höhenlage genügen an den Alpen markante Schneefallwarnungen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner