Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Mittwoch, den 14.01.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Nachts und Donnerstagfrüh in Ostbayern kleinräumig Glatteis (markant) nicht
ausgeschlossen, ansonsten - abgesehen von (schweren) Sturmböen auf dem Brocken
(Nacht zum und am Freitag) keine markanten Entwicklungen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... und in der ersten Nachthälfte schwenkt vorderseitig eines
umfangreichen Höhentroges über dem Nordostatlantik ein durch WLA gestützter
Höhenkeil als Teil eines breiten Höhenrückens über dem westlichen/zentralen
Mittelmeerraum über das Vorhersagegebiet hinweg langsam ostwärts. Rückseitig
stellt sich eine südwestliche Höhenströmung ein, in die eingebettet ein
kurzwelliger Randtrog rasch die Britischen Inseln bzw. Frankreich ostwärts
überquert und bereits ausgangs der Nacht unter allerdings deutlichem
Konturverlust auf den äußersten Westen Deutschlands übergreift. Immerhin kann
vorderseitig dynamischer Hebungsabtrieb aufgrund von PVA wirksam werden, der
noch zusätzlich durch WLA gestützt wird. Somit wird die höhenströmungsparallel
über der Mitte des Landes eingebettete und entsprechend schleifende Kaltfront
des Tiefs "GUNDA" bzw. eines zum 18 UTC-Termin knapp östlich von Oslo gelegenen
Teiltiefs wieder aktiviert und im Laufe der Nacht mit der Drehung der
Höhenströmung auf Südwest als Warmfront allmählich nordostwärts zurückgeführt.
Entlang der Front hat sich eine flache Welle ("HILTRUD") etabliert, die in der
ersten Nachthälfte noch über Südostengland in die westliche Nordsee geführt
wird, sich dort aber mehr oder weniger auflöst. Eine weitere Frontalwelle
erreicht morgens das Seegebiet knapp westlich der Biskaya, so dass die Kaltfront
sehr weit nach Südwesten zurückhängen und wir letztendlich in den breiten
Warmsektor des Frontensystems des zentralsteuernden Bodentiefdipols über dem
Nordatlantik gelangen.
Mit Aktivierung des Frontenzuges intensivieren sich die bisher nur wenig
ergiebigen Regenfälle über der breiten Landesmitte von Südwesten her etwas und
greifen langsam nordwärts aus, wobei sie sich gleichzeitig auch noch ein wenig
Richtung Donau und Ostbayern ausweiten. Vor allem südlich der Donau und auch in
Teilen Ostbayerns sinken die Temperaturen vorher allerdings noch in den
Frostbereich, so dass am ehesten wohl in Oberfranken und der Oberpfalz
kleinräumig gefrierender Regen nicht ganz ausgeschlossen ist. Modellseitig gibt
es allerdings kaum Hinweise darauf, so dass warntechnisch der Ball erst einmal
flach gehalten werden kann. Eventuell muss dann im Laufe der Nacht "in Situ" mit
markanten Glatteiswarnungen darauf reagiert werden. Auch sonst kann es vom
südöstlichen bayern-Württemberg bis nach Südostbayern bei leichtem Frost
gebietsweise Glätte durch Überfrieren und stellenweise auch Nebel geben.
Gering bewölkt ist es postfrontal auch in weiten Teilen Norddeutschlands,
allerdings werden dort die Wolken im Laufe der Nacht von Südwesten her
allmählich wieder dichter. Vorher sinken die Temperaturen nach Nordosten zu aber
noch in den Frostbereich, so dass auch dort stellenweise Glätte durch
Überfrieren auftreten kann und nach Nordosten zu vereinzelt auch Nebel.
Die höchsten Mengen fallen dagegen vom Westen/Südwesten bis in die mittleren
Landesteilen. In einigen Staulagen kommen mehr als 5 l/m² in 12 Stunden
zusammen, sonst allgemein weniger. Der Gradient verschärft sich im Laufe der
Nacht vor allem mit Frontpassage wieder etwas, dennoch reicht es lediglich in
einigen Kamm- und Gipfellagen für steife, exponiert für stürmische Böen aus
Südwest, die in der Regel nicht wirklich warnrelevant sein. In den Regionen mit
dichter Bewölkung und Regen bleibt es mit Minima zwischen 8 und 2 Grad relativ
mild.

Donnerstag ... schwenkt der flache Trog rasch über das Vorhersagegebiet hinweg
ostwärts und vorderseitig des sich den Britischen Inseln annähernden
Langwellentroges steilt die Höhenströmung vor allem über dem westlichen
Mitteleuropa auf. Diese ist über Deutschland überwiegend antizyklonal
konturiert, zumal dem Trog ein schmaler Höhenkeil folgt, der sich abends mit
seiner Achse etwa vom bayerischen Alpenraum bis zur vorpommerschen Küste
erstreckt.
Die inzwischen über Norddeutschland angelangte Warmfront wird rasch vom Trog
überlaufen und verliert an Wetterwirksamkeit, die Niederschläge im Warmsektor
kommen noch etwas nach Nordosten voran, klingen aber gleichzeitig rasch ab, ab
mittags bleibt es - abgesehen von geringen Regen- oder Nieselregenfällen im
Nordosten bzw. im Nordwesten - weitgehend trocken. Die Kaltfront über West- und
Südwesteuropa wird nach wie vor durch die langsam nach Südostengland ziehende
und sich noch etwas verstärkende Frontalwelle nach wie vor an ihrer Progression
nach Osten zurückgehalten. Entsprechend bleiben wir im Warmsektor des
Tiefdruckkomplexes über dem mittleren Nordatlantik. Während es im Norden im
Bereich der Warmfront überwiegend bedeckt bleibt (anfängliche Lücken im
Nordosten schließen sich rasch), kann sich im Südwesten und Süden, etwa vom
Schwarzwald bis ins Alpenvorland, vielerorts die Sonne durchsetzen, nur
gebietsweise halten sich in den Flussniederungen Südostbayerns (Donau, Regen
bzw. Oberpfälzer Senke) eine bodennahe feuchte Kaltluftschicht und Nebel bzw.
Hochnebel. Weiter nördlich, über den mittleren Landesteilen, bekommt die oft
dichte Wolkendecke ebenfalls Lücken, am ehesten an den Nordrändern der
Mittelgebirge, wo zugleich der Wind aus Süd bis Südwest auffrischt. Nach wie vor
kann es in einigen Mittelgebirgskamm- bzw. gipfellagen steife bis stürmische
Böen geben, auf dem Brocken zum Abend hin (mit Annäherung der Frontalwelle
beginnt sich der Gradient zu verschärfen) auch Sturmböen.
Niedertroposphärisch gelangt nach wie vor milde Luft aus Südwesteuropa ins
Vorhersagegebiet, die 850 hPa-Temperatur schwankt zwischen 1 Grad im Norden und
5 Grad an den Alpen. Im Nordosten sowie in den Niederungen Südostbayerns kann
die bodennahe Kaltluft nicht wirklich ausgeräumt werden, hier bleibt es mit
Maxima unter 5 Grad recht kühl. Sonst werden 5 bis 11 Grad erreicht, in den
lee-Lagen West- und Südwestdeutschlands örtlich auch bis 14 Grad.

In der Nacht zum Freitag schwenkt ein markanter Kurzwellentrog über Südengland
und die Nordsee hinweg Richtung Südwestnorwegen. Er interagiert mit der
Frontalwelle über Südostengland, die allerdings nur noch wenig Wetterwirksamkeit
aufweist, da sie in weiterer Folge vom Trog überlaufen wird. Bis zum Abend zieht
sie ins Seegebiet unmittelbar vor der südwestnorwegischen Küste (nach Lesart des
GFS und des IFS kann sie sich etwas stärker entwickeln, hängt aber ein wenig
nach Südwesten bzw. Westen zurück, auf die Wetterentwicklung im Vorhersagegebiet
hat das somit nur wenig Einfluss).
Die dann bereits rasch an Wetterwirksamkeit verlierende Kaltfront greift
ausgangs der Nacht auf den äußersten Westen bzw. Nordwesten Deutschlands über,
dabei fällt aber nur stellenweise etwas Regen. Allerdings frischt der Wind im
Vorhersagegebiet mit der Gradientverschärfung weiter auf, in den Kamm- und
Gipfellagen insbesondere der westlichen und zentralen Mittelgebirge reicht es
häufiger für steife bis stürmi9sche Böen, auf exponierten Gipfeln für Sturm- und
auf dem Brocken vereinzelt sogar für schwere Sturmböen aus Süd bis Südwest, in
einigen Lee-Lagen Westdeutschlands sind vorübergehend steife Böen nicht
ausgeschlossen, ebenso vielleicht auch an den östlichen Mittelgebirgen, wo der
Böhmische Wind in Gang kommt. Auch über der Nordsee reicht es für steife, auf
Helgoland eventuell für stürmische Böen; präfrontal aus Süd bis Südost,
postfrontal aus Südwest bis West.
Während sich im westen und Norden dichte Bewölkung hält, ist es im Süden und
Südosten teils gering bewölkt, teils trüb durch Nebel bzw. Hochnebel. Dort gibt
es verbreitet leichten, an den Alpen und in den ostbayerischen Mittelgebirgen
auch mäßigen Frost. Sonst bleibt es frostfrei mit Minima zwischen 8 und 0 Grad,
im Westen teilweise auch noch milder.

----------------------------------------------------------------

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Wesentliches mehr
hinzuzufügen. Mit der erneut schleifenden Kaltfront kann es im Westen und
Nordwesten hier und da ein wenig regnen, oft bleibt es aber auch dort trocken.
Im Süden und Osten werden die Sonnenfenster außerhalb teils beständiger Nebel-
und Hochnebelfelder dagegen größer. Es bleibt mild, lediglich bei beständigem
Nebe werden im Südosten kaum 0 Grad erreicht.
Die Grundströmung dreht mehr auf Südsüdost und in weiterer Folge verschärft sich
der Gradient wieder ein wenig. Somit kann sich der Böhmische Wind an den
östlichen Mittelgebirgen noch verstärken.


Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Abgesehen von nicht wirklich prognose- und warnrelevanten Differenzen, in erster
Linie die Entwicklung der Frontalwelle in der Nacht zum Freitag betreffend
simulieren die Modelle recht einheitlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff