Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Neue Hitzerekorde ante portas, zudem ansteigende Unwettergefahr durch schwere
Gewitter.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... bewegen wir uns schnurstracks auf die ersten Temperaturrekorde zu.
Gerade zum Zeitpunkt des Verfassens scheint die Marke von 40.0°C zum ersten Mal
geknackt worden zu sein. Spitzenreiter wäre in diesem Moment Saarbrücken.
Zunächst sind diese Werte aber noch unter Vorbehalt, außerdem ist noch eine
Steigerung im Laufe des Nachmittags zu erwarten. (Update 15 UTC:
Saarbrücken-Burbach mit vorläufigen 41,1°C - d.h. es geht dem Allzeitrekord in
ganz Deutschland an den Kragen!)
Hitzehoch "Hartmut" liegt in der Höhe mit Kern ziemlich genau über
Süddeutschland, während das bodennahe Zentrum schon Richtung Ostsee abgewandert
ist. Gleichzeitig formiert sich über Nordfrankreich eine Tiefdruckrinne, die
sich im Laufe des Abends Richtung Benelux und Westdeutschland verlagert. Darin
eingelagert ist eine Konvergenzlinie, die bereits über Nordfrankreich zur
Bildung einer Gewitterlinie geführt hat. ICON-RUC favorisiert allerdings die
Bildung eines zweiten Systems südlich von Luxemburg in der Region um Metz.
Dieses soll dann später am Abend von Luxemburg her die Moselregion und das
Saarland erreichen. Tatsächlich deutet sich bereits im Satellitenbild ein
entsprechender Streifen Cu-Bewölkung genau dort an, sodass dessen Entwicklung in
den nächsten Stunden genauer beobachtet werden muss. Sollten sich tatsächlich
einzelne Gewitter daraus entwickeln, so besteht durchaus Unwetterpotential vor
allem durch schwere Sturm- bzw. orkanartige Böen. Die Grenzschicht ist voll
durchmischt und erstreckt sich bis zum 700 hPa-Niveau (3 km), sodass durch
Niederschlagsverdunstung erhebliches Downburstpotential gegeben ist. Auch
Outflow Boundaries, die von den einzelnen Zellen ausgehen, könnten für ziemlich
kräftige Böen auch abseits der Konvektion sorgen. Sturmböen von 9 Bft sind
durchaus nicht ausgeschlossen. Letztendlich muss man hier aber vollumfänglich
auf der Nowcasting-Schiene fahren und kann warntechnisch wohl nur sehr
kurzfristig reagieren. Bezüglich der Umgebungsbedingungen ist z.B. noch unklar,
welchen Einfluss die bei uns noch recht trockenen oberen Schichten haben und
etwaigen Gewitterzellen nicht die Kraft rauben. Auffällig ist z.B., dass die
Niederschlagssummen in den verschiedenen Modellen insgesamt recht niedrig sind.
Angesichts von PPW-Werten von wenigstens 30 mm erscheint das aktuell noch recht
widersprüchlich.
In der Nacht zum Samstag schwächt sich die konvektive Aktivität erst einmal
wieder ab. Es fehlt an Antrieb und tagesgangbedingt die Zufuhr an Energie aus
der Grenzschicht. Recht interessant scheint die Entwicklung über Nordfrankreich
Richtung Westbelgien und Niederlande/Kanal zu werden. Dort zeichnet sich die
Entwicklung eines Gewittersystems während der Nachtstunden ab, das dort
möglicherweise zu ersten Unwettern führt. Auswirkungen bis auf uns sind
begrenzt, aber möglicherweise kommt es zu etwas dichterer Bewölkung im Westen
durch den Eisschirm, vielleicht auch zu ein paar kräftigeren Windböen, die als
Reste des Outflows vom Cold Pool daherkommen. Mit Sicherheit lässt sich das aber
auch nur im Nowcasting prognostizieren. Bezogen auf die zu erwartenden
Minimumtemperaturen dürfte auch die kommende Nacht rekordverdächtig werden. Im
Westen und Nordwesten dürften die Temperaturen kaum noch unter 22°C sinken,
lokal sind auch Tiefstwerte von nur 24 oder 25°C denkbar.
Samstag ... steht weiterhin im Zeichen der Hitzewelle, aber auch zunehmend
schwerer Unwetter. Zwar wird das Geschehen in der Höhe weiterhin noch von der
Rückseite des Höhenrückens beeinflusst. Bodennah manifestiert sich aber die
Tiefdruckrinne über der Nordhälfte Deutschlands, die am Vortag noch über
Frankreich wirksam war. Mit der eingelagerten Konvergenzlinie soll es ab den
Mittags- und frühen Nachmittagsstunden zur Auslöse einzelner heftiger Gewitter
kommen. Aktuell zeigen die hochauflösenden Modelle eine Auslöse entlang der Elbe
mit anschließend ostwärts ziehenden Zellen. Angesichts des Setups mit CAPE um
2000 J/kg und einem bis knapp 700 hPa reichenden Inverted-V-Profils der
Grenzschicht ist mit einzelnen heftigen Entwicklungen zu rechnen, die mit
schweren bis orkanartigen Böen sowie größerem Hagel von 2-3 cm einhergehen. Eine
weitere Baustelle tut sich im Westen auf, wo es schon etwas früher über dem
Bergland zünden soll. Auch hier sind die Zutaten ähnlich happiger Natur, sodass
auch hier mit größerem Hagel und schweren Sturm- bis orkanartigen Böen gerechnet
werden muss. Angesichts der hohen ML, die mitunter noch leicht gedeckelt ist,
kann man zunächst von Einzelzellentwicklungen ausgehen (leichte Andeutungen
einer Loaded Gun-Situation), die dann später zunehmend verclustern, sich im
Osten aber am späten Abend wieder auflösen.
Anders dagegen die Entwicklung im Westen. Dort löst es zunehmend an einer neuen
Konvergenzlinie innerhalb der Tiefdruckrinne aus, wobei zunehmend auch die
Luftmasse mit dem heftigsten Unwetterpotential angezapft wird. Selbst nachts
stehen noch 1000 bis 1500 J/kg MLCAPE zur Verfügung. Die dabei entstehenden
Gewitter haben ebenfalls erhöhtes Unwetterpotenzial durch schwere Sturmböen und
Hagel sowie heftigen Starkregen. Zu beachten ist dabei auch die Entwicklung
eines MCS über den Benelux-Staaten, der sich stromabwärts aus zunehmend
verclusternden Gewittern über Nordfrankreich bildet. Dieses weist extremes
Orkanböenpotential auf und beeinflusst möglicherweise durch eine oder mehrere
Outflow Boundaries auch die Gewitterentwicklung im Nordwesten Deutschlands.
Temperaturmäßig verläuft die Nacht durch die zunehmende Feuchtekonvergenz wohl
noch verheerender als zuvor. Sowohl entlang des Rheins als auch in der gesamten
Nordhälfte treten Minima von nicht unter 22°C auf, lokal sind über 25°C möglich.
Apropos Temperaturentwicklung: Auch morgen sind erneut Temperaturen von teils
deutlich über 40°C möglich, vor allem erneut im Südwesten, aber auch im Osten
Deutschlands. Allerdings kommt zunehmend die Konvektion ins Spiel, die an der
ein oder anderen Stelle deutlich dämpfend wirken könnte, daher sind die
Prognosen diesbezüglich zunehmend wackelig.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... setzt sich die Gewitteraktivität direkt mit Tagesbeginn fort. Im
Fokus steht zunächst der Nordwesten und der Norden, wo unwetterartige
Entwicklungen mit Starkregen, Sturmböen und Hagel im Mittelpunkt stehen. Im
Tagesverlauf verschiebt sich die Hauptaktivität mit der wandernden Konvergenz
allmählich Richtung Landesmitte. Dabei ist die Luftmasse weiterhin extrem
potent, sodass einzelne extreme Unwetter durch Starkregen, (sehr) großen Hagel
und Orkanböen nicht mehr auszuschließen sind. Allerdings bereiten die
Modellprognosen bezüglich der Ausbreitung und Intensität noch etwas Kummer.
Detailliertere Einzelheiten dazu sind der Frühübersicht zu entnehmen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Gewitterentwicklung wird von den Modellen noch sehr uneinheitlich
gehandhabt. Einige der Prognosen wollen nicht so recht zum vorhandenen Setup
(sprich: Zutaten) passen. Insbesondere das ICON-EU gibt uns für den Sonntag noch
einige Rätsel mit auf den Weg. Insofern bleibt es erst einmal bei einer groben
Beschreibung. Einen Strich durch die Rechnung machen können auch sämtliche
nächtlichen Entwicklungen, die dann am jeweiligen Tagesbeginn gänzlich neue
Voraussetzungen schaffen (Bewölkung, Feuchteeintrag, ...). Sehr
nowcasting-lastige Tage stehen ins Haus.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
M.Sc. Felix Dietzsch