Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 03.08.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWa, Übergang zu SWz
Im Süden und in der Mitte durchgehend, am Dienstag vorübergehend auch im Norden
heiß.
Heute vom Südwesten bis zur Mitte einzelne kräftige Gewitter, Unwetter möglich.
Am Dienstag fast überall Gewitter möglich, Schwerpunkt (mit erhöhtem
Unwetterpotenzial) im Nordosten, am Mittwoch vor allem im Südosten noch
Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC
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Montag... befindet sich Deutschland an der Südflanke eines breiten, von der
Barentssee über Nordskandinavien südwestwärts bis ins Seegebiet westlich von
Schottland reichenden Höhentroges unterhalb einer südwestlichen Höhenströmung.
Darin eingebettet, verlagert sich ein kurzwelliger Randtrog langsam über die
Biskaya hinweg ostwärts, wobei er gleichzeitig Richtung Pyrenäen amplifiziert
und dort letztendlich auch im Laufe der kommenden Nacht als kleines Höhentief
abgeschnürt wird. Somit steilt die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein
wenig auf und bekommt vorübergehend eine leicht antizyklonale Kontur.
Im Bodenfeld dominiert nach wie vor ein schwachgradientiges Druckfeld. Das
aktuell für uns wetterbestimmende Hochdruckgebiet "PYTHAGORAS" über Polen und
dem Baltikum zieht sich langsam ein wenig nach Nordosten zurück und vorderseitig
des Randtroges kann sich von Frankreich her eine flache Tiefdruckrinne in den
Westen und Süden Deutschlands ausweiten. Niedertroposphärisch dreht die Strömung
mehr auf Süd und macht den Weg frei für heiße Subtropikluft, die bereits den
Südwesten des Landes erreicht hat und im Tagesverlauf weiter nordostwärts
vorankommt. Bis zum Abend steigt T850 hPa auf Werte zwischen 11 Grad auf Rügen,
20 Grad in der Mitte und bis knapp 24 Grad im äußersten Süden. Entsprechend
blieb die vergangene Nacht insbesondere an Ober- und Hochrhein sowie vom
Saarland bis zur Pfalz bereits unangenehm warm mit Minima teils deutlich über 20
Grad. Aktuell ziehen über den Südwesten dichtere Wolkenfelder hinweg, die wohl
einem ehemaligen Gewittersystem geschuldet sind und aus dem es gebietsweise
sogar noch etwas regnet. Im Vormittagsverlauf lockern die Wolken zwar mehr und
mehr auf, dennoch könnte sich dieser ehemalige Cluster als "Brutstätte" für
erste Neuentwicklungen um die Mittagszeit erweisen. Die Luftmasse ist im Bereich
der Tiefdruckrinne zunehmend labil geschichtet, der Gehalt niederschlagbaren
Wassers steigt bis in die mittleren Landesteile auf über 30, kleinräumig im
Bereich lokaler Feuchteflusskonvergenzen auf über 35 mm und es können 500 bis
1000, kleinräumig auch über 1500 J/kg Cape generiert werden. Die Luftmasse ist
nur schwach gedeckelt, und im Tagesverlauf etabliert sich vor allem über
Süddeutschland einmal mehr eine bis etwa 700 hPa reichende Mischungsschicht, gut
erkennbar auch in den Prognosetemps mit klassischem "inverted-V"-Muster und
simulierter D-Cape von gebietsweise über 1000 J/kg am Nachmittag.
Ein dynamischer Trigger für Auslöse fehlt, entsprechend muss also wieder die
Orographie im Zusammenspiel mit dem ehemaligen Cluster herhalten. Darauf
springen auch die Konvektion erlaubenden Modelle an: Sowohl I-D2 als auch I-RUC
simulieren die ersten Entwicklungen am frühen Nachmittag im südlichen
Baden-Württemberg südlich der Alb. Bei nur schwachen, lediglich durch die
Orographie getriggert regional vielleicht auch etwas günstigeren
Scherungsbedingungen ist von relativ unorganisierten Multizellensystemen
auszugehen, die sich langsam nordostwärts vorarbeiten. Weitere Schwerpunkte
konvektiver Aktivität zeigen die Modelle eigentlich recht unisono von
Nordostfrankreich auf das Saarland und die Pfalz übergreifend und an den Alpen,
insbesondere im Allgäu. Ob es eventuell auch im zentralen Mittelgebirgsraum bis
zum Harz zum späten Nachmittag bzw. Abend hin zur Auslöse reicht, ist noch
unklar. Dort ist der Deckel ausgeprägter, allerdings simuliert I-D2 einen
kurzwelligen Troganteil (inkl. schwachem IPV-Maximum) der dort als Trigger
dienen könnte.
Als Begleiterscheinungen stehen vor allem der Starkregen, aber auch der Wind im
Fokus. Unwetterschwellen bzgl. des Starkregens werden bei den stärkeren
Entwicklungen rasch überschritten. Auch, wenn die vom I-D2 sehr kleinräumig
simulierten Böen deutlich über 100 km/h, punktuell sogar über 120 km/h etwas
hoch gegriffen erscheinen, angesichts der hohen D-Cape sollte man 100 km/h und
vielleicht etwas mehr auf jeden Fall ins Kalkül ziehen, zumindest im Südwesten.
Hagel ist natürlich ebenfalls mit von der Partie, bei ganz frischen
Entwicklungen vielleicht auch mal mit mehr als 2 cm Korngröße.
In den Norden und Osten strömt an der Südflanke des Hochs von Osten her heute
nochmals bodennah trockene Festlandsluft, so dass dort ein wettertechnisch
ruhiger Tag ins Haus steht. Ob die Gewitter noch den Harz, den Thüringer Wald
oder das Westerzgebirge erfassen, ist noch unklar, weiter nordöstlich passiert
aber erst einmal nichts. Vor allem über den Nordwesten ziehen aktuell noch
hohe/mittelhohe Wolkenfelder hinweg, die der WLA geschuldet sind, ansonsten
scheint aber vielerorts die Sonne.
Während die kontinentale Luftmasse dem Norden und Osten mit Maxima zwischen 26
und 31 Grad - an den Küsten bei auflandigem Wind etwas darunter - noch ein
angenehmes Temperaturniveau beschert, wird es im Rest des Landes wieder richtig
heiß mit Höchstwerten zwischen 32 und 37 Grad. Somit ist im Süden und in der
Mitte von einer starken Wärmebelastung auszugehen.

In der Nacht zum Dienstag kommen der flache Randtrog bzw. das kleinräumige
Höhentief über Frankreich nach wie vor nur sehr zögerlich nach Osten voran. Die
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt vorderseitig noch etwas auf,
bleibt aber eher antizyklonal konturiert.
Im Bodenfeld arbeitet sich die feuchte und potenziell instabile Luftmasse recht
rasch nordostwärts voran und erreicht nun auch die norddeutsche Tiefebene. Die
Gewitter im Südwesten kommen langsam nach Nordosten/Osten voran, schwächen sich
tagesgangbedingt im Laufe der Nacht aber mehr und mehr ab. Allerdings greifen
vorderseitig des Randtroges alsbald neue Gewitter auf den Südwesten und Westen
Deutschlands über und kommen nordnordostwärts voran. Insbesondere die
ICON-RUC-Läufe simulieren auch in der zweiten Nachthälfte im Bereich der flachen
Rinne vom Nordwesten bis in die mittleren Landesteile noch eine relativ rege
Gewittertätigkeit. I-D2 und SuperHD sind diesbezüglich etwas defensiver
aufgestellt und auch I-D2-EPS zeigt in der zweiten Nachthälfte nur sehr geringe
Signale für Starkregen, am ehesten im Nordwesten.
Somit gilt es weiter, die ICON-RUC-Läufe zu monitoren; sollte sich über
Frankreich oder Benelux zum Abend hin ein größeres Gewittersystem bzw. ein MCS
etablieren, der dann im Laufe der Nacht auf den Westen/Nordwesten Deutschlands
übergreift, wäre das ICON-RUC-Szenario denkbar und bzgl. Starkregen kann in
einem solchen Fall sogar Unwetter nicht ausgeschlossen werden.
Im Rest des Landes passiert Nacht nicht viel, im äußersten Norden, im Osten und
im Südosten bleibt es nach Abzug eventueller Gewitter trocken. Quasi landesweit
verläuft die Nacht sehr mild bis warm mit Minima zwischen 23 und 16 Grad,
lediglich im Nordosten sowie in einigen Mittelgebirgstälern kühlt es teilweise
auf unter 15 Grad ab.

Dienstag... kommt der flache Randtrog über Frankreich bei weiterem Konturverlust
langsam nach Osten voran, so dass die weiter aufsteilende Höhenströmung von
Westen zum Abend hin allmählich eine leicht zyklonale Kontur bekommt. Dynamisch
getriggerter Hebungsantrieb ist aber zunächst einmal kaum vorhanden.
Das Bodenhoch hat sich inzwischen weit nach Osteuropa zurückgezogen, im
Vorhersagegebiet dominieren nun landesweit schwachgradientige Druckverhältnisse
mit einer relativ breit angelegten flachen Tiefdruckrinne über Nord- und
Nordostdeutschland. Dort sind bei einem großräumig konvergenten Windfeld auch
die höchsten PPW-Werte (über 40 mm) zu finden und je nach Einstrahlung können
vor allem im Nordosten kleinräumig auch durchaus mehr als 2000 J/kg Cape
generiert werden. Die konvektive Entwicklung im Detail abzuschätzen, gestaltet
sich aber sehr schwierig und hängt vor allem von den nächtlichen Entwicklungen
ab. Die Schauer und Gewitter aus der Nacht im Nordwesten und eventuell auch in
den mittleren Landesteilen arbeiten sich innerhalb der Rinne nach Osten bzw.
Nordosten vor und schwächen sich im vormittäglichen Konvektionsminimum erst
einmal ab. Das dürfte sich aber in etwa ab den frühen Nachmittagsstunden rasch
ändern. Vor allem vom Erzgebirge bis nach Vorpommern dürfte es dann - getriggert
durch die Outflow-Boundaries - rasch zu kräftigen Neuentwicklungen kommen, die
angesichts der Zutaten auch rasch Unwetterpotenzial erreichen, insbesondere den
Starkregen und bei frischen Entwicklungen auch den Hagel betreffend. Vor allem
im Nordosten können bei moderaten Scherungsbedingungen (DLS um 20 m/s, LLS 0 bis
1 km regional über 10 m/s) auch einzelne Superzellen mit größerem Hagel und Böen
über 100 km/h nicht ausgeschlossen werden. Ob sich für diese Regionen eine
Vorabinfo anbietet, kann wohl erst nach der morgigen Frühkonferenz beurteilt
werden, da vor allem auch abhängig von den Entwicklungen in der kommenden Nacht.

Auch der große Rest des Landes bleibt im Einflussbereich dieser potenziell
instabilen heißen Luftmasse (T850 hPa zwischen 18 Grad im Nordwesten und 23 Grad
im Süden). Allerdings ist erst einmal kein dynamischer Trigger für Auslöse
vorhanden, vor allem in den mittleren Landesteilen und im Südosten ist die
Luftmasse dazu noch ziemlich gedeckelt. Somit dürfte es wohl erst im Laufe des
späten Nachmittags, ausgehend von den Mittelgebirgen (insbesondere
Schwarzwald/Alb) zu ersten Neuentwicklungen kommen. Vor allem bzgl. Starkregen,
bei frischen Entwicklungen auch bzgl. Hagel ist nach wie vor ein gewisses
Unwetterpotenzial vorhanden.
Im Rest des Landes passiert tagsüber, zumindest bis zum frühen Abend,
konvektionstechnisch erst einmal wenig. Nahezu landesweit steht ein heißer, in
der Südhälfte sehr heißer Tag ins Haus mit Höchstwerten zwischen 31 und 38 Grad.
Lediglich an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind wird es nicht ganz so warm.
Eventuell werden auch in einigen Regionen Nordwest- und Norddeutschlands mangels
Einstrahlung die 30 Grad nicht ganz erreicht.

So wirklich spannend wird es dann aber erst am Abend, wenn vorderseitig des sich
von Frankreich und Belgien annähernden Randtroges der dynamische Hebungsinput im
Südwesten/Westen deutlich zunimmt. Im Laufe der Nacht greift dann der Trog auf
den Westen und Nordwesten Deutschlands über und kommt rasch nordostwärts voran.
Im Bodenfeld erreicht die Kaltfront eines von Schottland zur nordwestlichen
Nordsee ziehenden Tiefs eingangs der Nacht den Nordwesten Deutschlands, mit
Annäherung des Troges nimmt sie im Verlauf der Nacht an Fahrt auf und erreicht
Mittwochfrüh bereits den Osten und Süden des Landes. Präfrontal dürfte die
Gewitteraktivität in den Abendstunden von Südwesten her wieder deutlich
aufleben. Durchaus möglich sind auch ein oder mehrere MCS, die von Frankreich
bzw. Belgien auf das Vorhersagegebiet übergreifen und im Laufe der Nacht über
die mittleren Landesteile hinweg nordostwärts ziehen. Vor allem Starkregen steht
dann im Fokus, durchaus auch noch in der zweite Nachthälfte bis in den
Unwetterbereich. Je nach Organisationsgrad und Eintreffzeitpunkt dieser Systeme
sind insbesondere in den Abendstunden auch größerer Hagel und schwere Sturm- bis
(sehr kleinräumig) Orkanböen möglich, mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten
dafür im Südwesten (bis nach Franken) und im Westen.
Verhältnismäßig ruhig verläuft die Nacht noch im Südosten und Osten, wo es wohl
weitgehend trocken bleiben dürfte. Auch im Westen und Nordwesten beruhigt sich
die Lage nach Abzug der Gewitter rasch wieder. Postfrontal gelangt dorthin auch
bereits eine nicht mehr ganz so warme Luftmasse mit T850 hPa zwischen 12 und 15
Grad. Dennoch bleibt es landesweit mit Minima zwischen 23 und 17 Grad unangenehm
warm.

Mittwoch... zieht der kurzwellige Randtrog rasch nordostwärts ab, dahinter
stellt sich eine relativ glatte, aber leicht "flatternde" südwestliche
Höhenströmung ein mit kurzwelligen Troganteilen, die etwas dynamischen
Hebungsinput bieten könnten.
Im Bodenfeld wird die Kaltfront rasch vom Trog überlaufen und gerät dann erneut
ins Schleifen, so dass die Südosthälfte noch präfrontal im Einflussbereich der
heißen und instabilen Subtropikluft verbleibt mit PPWs über 35 mm und 1000 bis
1500 J/kg ML-Cape. Ausgehend von den ost- und süddeutschen Mittelgebirgen bzw.
von den Alpen, eventuell auch getriggert durch Outflow-Boundaries der in der
Früh und am Vormittag abziehenden nächtlichen Gewittersysteme dürfte es im Laufe
des Nachmittags dort zu Neuentwicklungen kommen. Bei nur schwacher Scherung
steht insbesondere der Starkregen im Fokus, bei frischen Entwicklungen ist auch
größerer Hagel denkbar, insgesamt ist das Unwetterpotenzial aber eher als gering
zu beziffern bzw. Unwetter treten nur lokal sehr eng begrenzt auf.
Postfrontal gelangt eine etwas gemäßigtere Luftmasse in die Nordwesthälfte des
Landes mit T850 hPa zwischen 9 Grad im Nordseeumfeld und 14 Grad in den
mittleren Landesteilen. Vor allem im Westen und Südwesten gelangt diese in den
Einflussbereich eines flachen Hochkeils, so dass es dort wohl überwiegend
trocken bleibt. Ansonsten ist der Luftmasse eine gewisse potenzielle
Instabilität nicht abzusprechen, so dass einzelne Schauer oder Gewitter - vor
allem im Norden und Nordosten - nicht ausgeschlossen sind. Deren
Begleiterscheinungen dürften aber maximal nur markant ausfallen.
Die große Hitze mit Maxima von über 35 Grad ist erst einmal weitgehend raus.
Dennoch bleibt es mit 29 bis 34 (an der Donau eventuell noch einmal 35 Grad)
fast landesweit sehr warm bis heiß. Lediglich im Nordwesten und an der Ostsee
liegen die Maxima bei angenehmeren 25 bis 29 Grad, an der Nordsee darunter.

In der Nacht zum Donnerstag schwenkt die Achse eines zu den Britischen Inseln
reichenden Randtroges allmählich zur Nordsee. Die südwestliche Höhenströmung
über dem Vorhersagegebiet steilt somit wieder etwas auf. Die Bodenkaltfront
kommt somit weiterhin nur langsam südostwärts voran und zeigt im Einflussbereich
des sich von Frankreich nach Süddeutschland ausweitenden Hochkeils
Auflösungserscheinungen. Nichtsdestotrotz kann es in Südostbayern sowie in der
Osthälfte noch Schauer und Gewitter geben, an den Alpen auch schauerartige
Regenfälle.
Im Rest des Landes bleibt es aber trocken und vor allem in die Nordwesthälfte
gelangt nun endlich eine deutlich angenehmer temperierte Luftmasse (unter 10
Grad in 850 hPa) mit Minima oft unter 15 Grad. Aber auch sonst kühlt es fast
überall auf unter 20 Grad ab.


Modellvergleich und -einschätzung
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Vor allem bzgl. der konvektiven Entwicklungen in der kommenden Nacht und am
morgigen Dienstag gibt es noch größere Modelldifferenzen, weshalb über die
Ausgabe einer eventuellen Vorabinformation wohl erst morgen entschieden werden
kann.
Der grobe Fahrplan steht aber.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff