Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Von Westen her zwar allmählich beginnender Abbau der Hochdruckbrücke, trotzdem
am Dienstag in weiten Landesteilen nochmal Spätsommer vom Feinsten.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland am warmen und zunächst noch antizyklonal
konturierten Rand der Frontalzone, die vom nahen Atlantik west-nordwestlich
Irlands über Südskandinavien bis zum Baltikum verläuft, wo sie zunehmend an
Struktur einbüßt und auseinanderfleddert. Bezogen auf das Geopotenzial bedeutet
das für den Vorhersageraum gradientschwache Bedingungen mit nur wenige
Isohypsen. Nicht wesentlich anders sieht es im Bodendruckfeld aus, das nach wie
vor von einer zonal exponierten, brückenartigen Hochdruckzone geprägt ist
(DIETER, BORCHERT und ein bisschen CORTE). Die Zone erstreckt sich vom nahen
Atlantik bis zum Schwarzen Meer und sogar noch etwas darüber hinaus. Gradient
ist auch hier ein Fremdwort, lediglich im äußersten Norden des Landes sind die
Luftdruckgegensätze zwischen der Brücke und einem Sturmtief knapp westlich der
Lofoten etwas schärfer, so dass heute Nachmittag vor allem an und auf Nord- und
Ostsee ein etwas flotterer Südwestwind wehte mit vereinzelten 7er-Böen an
exponierten Abschnitten der nordfriesischen Küste sowie am Kap Arkona.
Nicht ohne Erwähnung soll hier unser gestriges "Überraschungsei" bleiben, zumal
wir später nochmal drauf zurückkommen werden müssen. Das kleine Höhentief hat ja
vergangene Nacht und heute Morgen als Kaltlufttropfen (KLT) Teile BaWüs und
Bayerns überquert und dabei für Gewitter und schauerartigen Regen gesorgt. An
einer winzigen Stelle ist dem "Ei" dabei tatsächlich eine echte Überraschung
gelungen. An der auf 900 m gelegenen Station Meßstetten-Appental (Schwäbische
Alb) fielen nach Mitternacht binnen weniger Stunden 57 l/m² und aufsummiert über
die ganze Nacht (12 h) 72 l/m². Offensichtlich kamen hier mehrere
"begünstigende" Faktoren zusammen: die äußerst pomadige Progression des KLTs,
quasistationärer, sich immer wieder regenerierender Regen, elektrische
Mehrfachtreffer (Gewitter) sowie vielleicht auch noch ein wenig Orografie. Auf
alle Fälle kamen nah und fern benachbarte Messstationen bei weitem nicht an
diese imposante Zahl heran. Inzwischen hat der KLT den Alpenhauptkamm südwärts
überquert und Oberitalien erreicht, wo er - so hat es aktuell zumindest den
Anschein - ein wenig orientierungslos herumirrlichtert. Bis zum Morgen soll er
aber ein festes Plätzchen irgendwo im (oder besser oberhalb) Bereich zwischen
Venetien und Emilia-Romagna gefunden haben.
Kommen wir nun zur bevorstehenden Nacht zum Dienstag auf deutscher Seite, die
ziemlich rasch abgehandelt ist. In den meisten Regionen starten wir gering
bewölkt oder klar, bevor sich aufs Neue die obligatorischen, teils dichten
Nebelfelder bilden. Davon ausgenommen ist der äußerste Norden, wo von der
Nordsee und Dänemark her allmählich dichte Wolken reindriften, aus denen hier
und da sogar ein paar Tropfen Regen oder Nieselregen fallen können. Absender der
Wolken ist übrigens die Kaltfront des o.e. Lofotentiefs, die der Deutschen Bucht
zwar immer näherkommt, aufgrund ihres schleifenden, zur Wellenbildung neigenden
Charakters das nordwestdeutsche Binnenland aber (noch) nicht erreicht. Leichter
Druckfall innerhalb der Hochdruckzone sorgt dafür, dass der Gradient in
Küstennähe beginnt aufzuweichen, wodurch der Südwest- bis Westwind wieder
schwächer wird.
Während es in Norddeutschland unter den Wolken mit 16 bis 11°C ziemlich mild
bleibt, kühlt es in den übrigen Landesteilen z.T. ganz ordentlich ab. Konkret
geht die Temperatur im zentralen und östlichen Mittelgebirgsraum sowie zwischen
Main und Donau nicht selten auf unter 5°C zurück. Zwar wird die Lufttemperatur
in 2 m Höhe wahrscheinlich noch das Plus halten (vielleicht von ganz wenigen
prädestinierten Kältelöchern abgesehen), am Boden dürfte es hier und da aber
schon für leichten Frost reichen.
Dienstag ... nimmt die Weichenstellung für die am Mittwoch beginnende, in ihrem
Hauptakt aber erst am Donnerstag stattfindende Wetterumstellung erkennbare Züge
an. Hauptpunkt dürfte der Druckfall über Westeuropa sein, der den Abbau der
Hochdruckzone in ihrem Westteil zur Folge hat. Über der Biskaya lässt sich
morgen Mittag gar ein flaches Tief detektieren (knapp unter 1015 hPa), aus der
sich zum Mittwoch hin eine langgestreckte, von der Nordsee bis zum westlichen
Mittelmeer reichende Rinne entwickelt. Auch das beginnende Mäandrieren der
Frontalzone in Folge eines Downstream Developments mit einsetzender Austrogung
über UK/Irland stellt ein untrügliches Zeichen einer bevorstehenden Änderung der
GWL dar.
Bevor es aber soweit ist, erleben wir morgen nochmal einen über weite Strecken
spätsommerlich geprägten 6. Oktober, an dem sich nach z.T. etwas schleppender
Nebelauflösung die Sonne alle Mühe gibt, uns einen sehr milden bis warmen
Nachmittag zu bescheren. 20 bis 24°C stehen auf der Karte und es würde mich
nicht wundern, wenn vereinzelt sogar ein Sommertag mit 25,X°C geschrieben wird.
Etwas hinter der Musik herlaufen tut - man möchte einflechten fast schon
traditionell - der Norden, namentlich der Küstenraum und Teile der Norddeutschen
Tiefebene. Zwar wird die Kaltfront weiterhin von flachen Wellen u.a. über der
Nordsee und unweit von UK/Irland in ihrem Vorankommen gestört. Trotzdem nimmt
die Wolkenzufuhr gegenüber heute merklich zu und gerade im Umfeld der Küsten
kann es mitunter leicht regnen oder nieseln. Mit 17 bis 20°C wird es auch nicht
so warm wie weiter südlich, aber auch alles andere als kalt.
Kurz noch einen Ausflug in den äußersten Süden der Republik, wo es den weiter
oben im Bulletin geöffneten Kreis zum Thema "KLT" zu schließen gilt. So scheint
das kleine Höhentief den Entschluss zu fassen, nicht irgendwo in den Tiefen der
Adria oder des Balkans zu verschwinden. Nein, im Laufe des Tages wird ein
Nord-Nordwestkurs erneut Richtung Alpen eingeschlagen, nur dieses Mal von Süden.
Damit wird auch mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die
Unberechenbarkeit solcher Höhentiefs mitnichten eine Mär ist. Sie machen halt,
was sie wollen. Das abendliche Ziel scheint irgendwo im Großraum
Graubünden-Vorarlberg-Westtirol zu liegen, bevor es in der Nacht zum Mittwoch
weitergeht in Richtung Altbayern. Unberechenbarkeit hin, Überraschung her, es
sollte uns nicht wundern, wenn ab dem Nachmittag irgendwo in Alpennähe - Stand
jetzt eher zwischen Allgäu und Werdenfelser Land als weiter östlich - neben
vereinzelten Schauern auch ein Gewitter evtl. mit Starkregen an den Start geht.
Und wenn es tagsüber nicht reichen sollte, gibt´s ja noch die Nacht, wo es
ähnlich wie in der vergangenen Nacht zu einer erneuten (abgehobenen)
Labilisierung der Luftmasse kommt. Allerdings sieht es so aus, dass nicht mehr
ganz so viel Wasserdampf in der Luftsäule zur Verfügung steht wie heute Morgen.
Kurzum, wir können an dieser Stelle noch ad infinitum Argument pro und contra
austauschen, am Ende werden wir sehen, wo´s langgeht. Vielleicht bringen die
nächsten Modellsimulationen ja sogar gänzlich neue Erkenntnisse auch
hinsichtlich der Zugbahn, wer weiß.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... wird auf die Übersicht von heute Morgen verwiesen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Der Fahrplan steht und dürfte auch weitgehend eingehalten werden, was in
Deutschland ja keine Selbstverständlichkeit ist. Ob im Süden das
"Überraschungsei" ab Dienstagabend zum zweiten Mal für eine "Überraschung" gut
ist, bleibt abzuwarten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann