Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 01.09.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: W, im Norden zyklonal, im Süden antizyklonal
Im Norden bis in die Mitte wechselhaft, einzelne Schauer und Gewitter, im Süden
mehr Sonne und sommerlich warm.
Dabei kaum markante Wettererscheinungen.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... befindet sich Deutschland unterhalb einer relativ glatten bzw. nur
leicht mäandrierenden, zonal ausgerichteten Frontalzone, die vom mittleren
Nordatlantik bis ins östliche Mitteleuropa reicht. Darin eingebettete
kurzwellige Troganteile überqueren immer wieder insbesondere den Norden und die
Mitte des Landes und halten dort auch in den kommenden Tagen den wechselhaften
Witterungsabschnitt aufrecht.
Im Bodenfeld erstreckt sich eine Hochdruckzone von den Azoren über Frankreich
und Südwest- bzw. Süddeutschland bis nach Österreich bzw. Ungarn. An deren
Nordflanke gerät von Westen her maritim erwärmte Subpolarluft ins
Vorhersagegebiet, die maximal mäßig labil geschichtet ist, wobei die
Labilitätsfläche im Tagesverlauf in der Mitte und im Norden des Landes immerhin
gebietsweise bis auf ca. 500 hPa reicht. Mit etwas Einstrahlung können dort
einige 100 J/kg ML-Cape generiert werden bei PPWs um oder etwas über 25 mm. Nach
Durchschwenken eines flachen kurzwelligen Keiles greift bereits um die
Mittagszeit ein flacher Kurzwellentrog auf den Nordwesten des Landes über und
facht dort auf dessen Vorderseite in den kommenden Stunden die Schaueraktivität
wieder an. Dabei lassen sich zwei Schwerpunktsregionen herausarbeiten:
Einerseits das Nordseeumfeld, wo zusätzlich zum warmen Nordseewasser ein flacher
Bodendruck förderlich wirkt. Vor allem am Vormittag und um die Mittagszeit kann
es dort auch mal etwas kräftigere Schauer inklusive einzelner kurzer Gewitter
geben, die von der Deutschen Bucht her über Schleswig-Holstein, den Hamburger
Raum und das nördliche Niedersachsen hinweg ostwärts ziehen und am Nachmittag
(etwas abgeschwächt) auch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erfassen. Als
Begleiterscheinungen kommen maximal wohl steife, vielleicht ganz vereinzelt mal
stürmische Böen (Bft 7 bis 8) und Graupel in Frage. Für Starkregen dürfte es
allerhöchstens lokal eng begrenzt bei wiederholter Schauertätigkeit über mehrere
Stunden hinweg reichen (I-D2-EPS hat geringe Wahrscheinlichkeiten dafür im
südlichen Schleswig-Holstein auf der Agenda). Mit Durchschwenken des Bodentroges
frischt auch außerhalb der Schauer der Wind böig auf und dreht von West bis
Südwest im Nordseeumfeld auf Nordwest. Dabei kann es insbesondere an
Küstenabschnitten mit auflandigem Wind (Westküste Schleswig-Holsteins) steife
Böen geben. Am Nachmittag und Abend klingen die Schauer dann von Westen her
alsbald wieder ab.
Die zweite Schwerpunktsregion befindet sich weiter südlich. Bereits aktuell
greifen erste Schauer von den Niederlanden und Belgien auf NRW über. Mit dem
Tagesgang verstärken sich diese noch ein wenig und ziehen über die "nördliche
Mitte" hinweg (Nord- und Mittelhessen, südliches Niedersachsen, Thüringen,
Sachsen-Anhalt) ostwärts. Auch dort kann es auch vereinzelte kurze Gewitter mit
Böen Bft 7 und Graupel geben, für Starkregen reicht es ebenfalls nur bei
wiederholter Schauertätigkeit.
Auch zwischen diesen beiden Regionen sind kurze Schauer möglich, für Gewitter
reicht es dort aber kaum.
Anders in der Südhälfte. Dort wirkt die sich von Westen her sogar noch etwas
verstärkende Hochdruckzone deutlich dämpfend. Vor allem südlich von Mosel und
Main scheint vielerorts die Sonne bzw. reicht es nur für flache Quellbewölkung
(Absinkinversion in etwa 800 bis 750 hPa) und es bleibt trocken. In 850 hPa
steigt die Temperatur auf Werte zwischen 6 Grad über dem Nordseeumfeld und 12
Grad ganz im Süden. Entsprechend werden Maxima zwischen 18 und 22, mit mehr
Sonne um 23 Grad im Norden bzw. in der Mitte und zwischen 22 und 27 Grad im
Süden erreicht.

In der Nacht zum Mittwoch folgt dem Kurzwellentrog ein flacher Keil, ehe morgens
bereits der nächste, dieses Mal etwas breiter aufgestellte Trog den Nordwesten
erfasst. Im Bodenfeld weitet sich die Hochdruckzone über Süddeutschland
vorübergehend etwas nach Norden aus, ehe im Nordwesten später wieder leichter
Druckfall einsetzt. Vor allem im Ostseeumfeld sowie von Brandenburg bis nach
Sachsen kann es anfangs noch letzte Schauer geben, die alsbald nach Osten
abziehen. Ansonsten bleibt es quasi landesweit trocken, erst ausgangs der Nacht
wird die Schauertätigkeit mit Annäherung des Troges über der Nordsee ein wenig
angefacht, wobei sich der dynamische Hebungsinput sehr in Grenzen hält.
Während es sowohl im Osten als auch im Nordwesten und Norden eher wolkig bis
stark bewölkt bleibt, lockern die Wolken ansonsten stärker auf, vor allem im
Süden und Südosten, vorübergehend auch in teilen der Mitte ist es teilweise
gering bewölkt. Dann kann sich gebietsweise dichter, eventuell auch
warnrelevanter Nebel bilden. Die Nacht fällt allgemein recht frisch aus mit
Minima zwischen 14 und 8 Grad, in einigen Mittelgebirgstälern und Senken auch
darunter. Lediglich an den Küsten bleibt es etwas milder.

Mittwoch... schwenkt der Höhentrog unter Amplifizierung langsam über Deutschland
hinweg ostsüdostwärts, rückseitig dreht die Höhenströmung mehr auf Nordwest. Der
dynamische Hebungsinput hält sich sehr in Grenzen, vor allem in der Osthälfte
und in den mittleren Landesteilen hält sich sogar eine Absinkinversion in etwa
700 hPa, so dass es dort wohl kaum für Schauer reicht.
Anders im Nordwesten: Dorthin schwenkt die Kaltfront eines kleinen Bodentiefs
über dem mittleren Skandinavien. Präfrontal wird eine etwas feuchtere und
potenziell instabile Luftmasse eingesteuert mit PPWs erneut knapp über 25 mm und
mehreren 100 J/kg Cape. Ab den Mittagsstunden dürfte es in etwa vom Niederrhein
über das Münsterland und das Weser-Ems-Gebiet bis in den Hamburger Raum, nach
Schleswig-Holstein und eventuell noch bis nach Westmecklenburg für Schauer und
einzelne kurze Gewitter (inklusive Böen Bft 7 und Graupel) reichen.
Mit Durchschenken des Troges und der Advektion höhenkälterer Luft labilisiert im
Tagesverlauf auch im Süden und Südosten die Luftmasse zunehmend. Allerdings wird
die nach wie vor robuste und sich nach kurzer Schwächeperiode wieder etwas
verstärkende Hochdruckzone dort nach wie vor dämpfend. Vereinzelte Schauer, die
sich aus den Alpen heraus ins südliche Vorland verlagern, sind nicht
ausgeschlossen, die Konvektion erlaubenden Modelle springen aber nicht darauf
an.
Während es im Nordwesten eher stärker bewölkt bleibt, kann sich sonst neben
lockerer Quell-, teilweise auch Stratocumulusbewölkung immer wieder mal die
Sonne durchsetzen, vor allem vom Schwarzwald bis zum ostbayerischen
Mittelgebirgsraum und weiter südlich scheint überwiegend die Sonne. An den
Temperaturen ändert sich gegenüber dem Vortag kaum etwas, nach wie vor werden
Höchstwerte zwischen 18 und 23 Grad im Norden bzw. in der Mitte und zwischen 22
und knapp 27 Grad im Süden erreicht.

In der Nacht zum Donnerstag klingen die Schauer im Nordwesten/Norden rasch ab,
am längsten halten sie sich noch über der Nord- und Ostsee. Dann gilt es, den
Blick gen Westen zu reichten. Über dem Nordatlantik stößt ein markanter
Höhentrog ins Seegebiet südlich von Island vor. Das Frontensystem des
korrespondierenden Bodentiefs, das mit unter 985 hPa Kerndruck den Höhepunkt
seiner Entwicklung in den Abendstunden des Mittwochs erreicht, überquert bei
fortschreitendem Okklusionsprozess im Laufe der Nacht die Britischen Inseln
rasch ostwärts, die Warmfront erreicht bereits morgens den Nordwesten
Deutschlands. Bereits weit im Vorfeld zieht mit der kräftigen WLA in der
Nordwesthälfte dichte, mehrschichtige Bewölkung auf und im Laufe der zweiten
Nachthälfte fällt von Nordrhein-Westfalen über das westliche und nördliche
Niedersachsen bis nach Schleswig-Holstein etwas Regen, die Schauer über der
Nordsee gehen mehr oder weniger in skaligen Regen über. Dazu frischt der Wind
vor allem über dem Südteil der Deutschen Bucht etwas auf, bleibt aber wohl
(noch) unterhalb der Warnschwellen.
Im Rest des Landes verläuft die Nacht wettertechnisch weitgehend ruhig.
Lediglich im Südosten könnte ein durchschwenkender flacher Kurzwellentrog die
Schauertätigkeit ein wenig anfachen, zumindest haben das I-D2 und ICON-EU so auf
der Agenda. Für Gewitter sollte es aber voraussichtlich nicht reichen. Insgesamt
bleibt es bewölkter als in den Vornächten, lediglich im Südwesten, in Teilen
Süddeutschlands und anfangs auch in der Osthälfte ist es teils gering bewölkt.
Das verringert die Wahrscheinlichkeit für Nebel deutlich und es bleibt mit
Minima zwischen 16 und 10 Grad etwas milder als in der Vornacht.

Donnerstag... stößt an der Südostflanke des Höhentroges mit Drehzentrum südlich
von Island ein Jetstream in 300 hPa über die Nordsee nach Norddeutschland vor.
Am linken Jetausgang kann mit Unterstützung durch einen kurzwelligen Troganteil,
der über die Nordsee und Dänemark zur westlichen Ostsee schwenkt, vorübergehend
markante dynamische Hebung generiert werden. Diese führt im Bodenfeld im Bereich
des Okklusionspunktes des zum Tief südlich von Island gehörenden Frontensystems
zu einer Teiltiefbildung im Bereich des Skagerraks. Bis zum Abend zieht das
Teiltief nach Südschweden und kann sich noch ein wenig auf etwa 1005 hPa
vertiefen.
Die Warmfront überquert die Nordhälfte rasch ostwärts, die Kaltfront erreicht
abends den Nordwesten, wird dann aber nach Westen wieder zurückgeführt in eine
Frontalwelle westlich von Irland und kommt nicht weiter nach Südosten voran. Vor
allem mit Warmfrontpassage und an der Südflanke des Teiltiefs kann es auch mal
etwas kräftiger schauerartig regnen, dennoch bleiben die Mengen sehr
übersichtlich, lediglich von Nordfriesland bis nach Ostvorpommern werden Mengen
zwischen 5 und 10 l/m² in 12 Stunden, kleinräumig auch etwas mehr simuliert. Die
Regenfälle greifen nach Lesart des ICON-EU noch bis etwa nach Niedersaschen, das
nördliche Sachsen-Anhalt und nach Brandenburg aus, weiter südlich bleibt es
trocken, wobei andere Modelle (vor allem UK10) die Niederschläge vor allem nach
Westen zu weiter nach Süden ausgreifen lässt. Wie auch immer, die Mengen bleiben
dort gering.
Vor allem über Schleswig-Holstein und Niedersachsen bis nach Vorpommern kann
auch etwas Cape generiert werden, so dass auch einzelne Gewitter nicht
ausgeschlossen sind. Diese finden bei sehr markanter Scherung statt (25 bis über
30 m/s DLS, 10 bis über 15 LLS), so dass im Falle des Auftretens auch kräftigere
organisierte Entwicklungen möglich sind mit Sturmböen. Für Detailfragen
diesbezüglich ist es aber noch deutlich zu früh.
Warntechnisch in den Fokus rückt aber auf jeden Fall die Windentwicklung. Die
Hochdruckzone über Süddeutschland bleibt robust und wird kaum abgebaut. Somit
verschärft sich der Gradient zwischen Teiltief und Hochdruckzone insbesondere
über Norddeutschland. Bis weit in die Norddeutsche Tiefebene reichend kann es im
Tagesverlauf steife Böen (Bft 7) aus West geben, an Nordseeküstenabschnitten mit
auflandigem Wind sind auch stürmische Böen möglich, auf dem Brocken Sturmböen.
Während es im Norden meist stark bewölkt bleibt und auch über die mittleren
Landesteile wohl mehr Wolken als an den Vortagen hinwegziehen, scheint im Süden,
vor allem von der Südpfalz bis zur Oberpfalz und weiter südlich, erneut
überwiegend die Sonne. Insgesamt steigt die 850 hPa-Temperatur etwas an auf
Werte zwischen 9 Grad im Norden und 14 Grad südlich der Donau. Unter den dichten
Wolken im Norden und in der Mitte ändert sich an den Höchstwerten mit 18 bis 22,
bei etwas mehr Sonne, z-B. im Lee einiger Mittelgebirge bis 24 Grad allerdings
nur wenig. Im Süden werden 24 bis 28 Grad erreicht, 29 Grad (z.B. in
Rheinfelden) nicht ausgeschlossen.

In der Nacht zum Freitag zieht das Teiltief rasch weiter zum Baltikum, die
Frontalwelle zieht bis Freitagfrüh zur mittleren Nordsee, wobei sie nur wenig
Entwicklungspotenzial aufweist. Somit schleift die Kaltfront nachts ohne
großartige Wetteraktivität über Norddeutschland und wird als Warmfront später
wieder nach Norden zurückgeführt. Die Regenfälle im Norden und Nordosten klingen
rasch ab, mit Annäherung der Frontalwelle kann es dann im Laufe der zweiten
Nachthälfte im Nordwesten wieder etwas häufiger regnen.
Auch der Gradient fächert vorübergehend auf, so dass der Wind im Laufe der Nacht
nicht mehr warnrelevant ist, lediglich an exponierten Abschnitten der
vorpommerschen Küste kann es noch längere Zeit steife Böen geben. In den
Frühstunden dreht er über der Deutschen Bucht auf Südsüdwest zurück und frischt
wieder auf.
Die Advektion feuchter und warmer Meeresluft im Bereich der schleifenden Front
bzw. weiter südlich dauert an, so dass es nicht nur im Norden, sondern auch in
den mittleren Landesteilen meist stark bewölkt bleibt. Lediglich ganz im
Südwesten und Süden ist es vielerorts gering bewölkt oder sogar klar. Somit
bleibt die Nacht mild mit Minima zwischen 18 und 12 Grad, in einigen Tälern der
süddeutschen Mittelgebirge und der Alpen wird es frischer.

Modellvergleich und -einschätzung
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Der grobe Fahrplan steht und wird von allen Modellen ähnlich simuliert. Offen
bleiben noch einige Detailfragen, insbesondere die Teiltiefentwicklung am
Donnerstag und in weiterer Folge (also schon eingangs der Mittelfrist) auch die
Frontalwelle betreffend. Das hat in erster Linie Einfluss auf die Verteilung und
Intensität der Niederschläge, ist aber zumindest bis Freitagfrüh nicht
warnrelevant.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff