Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Nachts nur vereinzelte Gewitter. Am Mittwoch zunächst im Norden und in der Mitte
gebietsweise Gewitter und Starkregen.
Ab dem späten Nachmittag bis in die Nacht zum Donnerstag in der Südhälfte (eher
südliche Mitte) teils kräftige Gewitter, Unwetter möglich.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... liegt Deutschland an der Südflanke eines Höhentrogkomplexes mit
Drehzentren (in 500 hPa) nordwestlich von Schottland bzw. über Mittelschweden
unterhalb einer recht kräftigen westnordwestlichen Höhenströmung. Diese ist
aufgrund persistenter WLA zunächst noch leicht antizyklonal konturiert, wobei im
Laufe der Nacht ein flacher Rücken über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts
schwenkt. Dahinter dreht die Höhenströmung mehr auf West und ein kurzwelliger
Troganteil erreicht morgens den Nordwesten des Landes.
Im Bodenfeld reicht eine mehrkernige Tiefdruckzone vom Seegebiet zwischen Island
und Schottland über die nördliche Nordsee und Süd- bzw. Mittelskandinavien bis
zum Westen Russlands. Ein darin eingebettetes zentralsteuerndes Tief ("NORA I")
verlagert im Laufe der Nacht sein Drehzentrum vom Seegebiet nordwestlich von
Schottland etwas nach Süden, dessen teilokkludiertes Frontensystem hat
inzwischen auf Mitteleuropa übergegriffen, wobei sich am Okklusionspunkt ein
Teiltief ("NORA II") entwickelt hat, das sich im Laufe der Nacht langsam von der
nördlichen Nordsee Richtung Jütland verlagert. Dessen Warmfront hat inzwischen,
abgesehen von Nordosten und Osten, weite Teile des Landes überquert und vor
allem in einem breiten Streifen von NRW bis nach Südostbayern für eine leichte
Linderung der Trockenheit gesorgt. Die Luftmasse im Warmsektor entstammt in etwa
dem Seegebiet rund um die Biskaya und ist entsprechend hochreichend feucht mit
PPWs zwischen 30 und nahe 40 mm und potenziell instabil geschichtet
(gebietsweise 50 bis 300 J/kg ML-Cape), so dass es auch nach Passage der
Warmfront gebietsweise noch weitere, mangels dynamischer Hebungskomponente
allerdings meist nur wenig ergiebige Schauer gibt. Immerhin hat sich am späteren
Nachmittag und Abend entlang einer schwachen Konvergenz eine vom Saarland und
der Südpfalz über Nordbaden bis nach Südbayern reichende Schauerstraße
etabliert, innerhalb derer es sogar für einzelne Gewitter reicht. Ergiebigere
Niederschläge gab es durch Stau auch in den Berchtesgadener und Chiemgauer
Alpen, für diese Regionen läuft aktuell sogar noch eine Dauerregenwarnung.
Im Laufe der Nacht überquert die Warmfront auch die Osthälfte des
Vorhersagegebietes, während die Kaltfront den Nordwesten bzw. Norden erfasst und
dort mangels Schubkomponente ins Schleifen gerät. Mit der Warmfront verlagern
sich auch die leichten schauerartigen Regenfälle ostwärts und klingen von Westen
und Südwesten her wieder ab. Mit Annäherung des oben erwähnten kurzwelligen
Troganteils lebt die Schaueraktivität später allerdings im Nordwesten, vor allem
im Bereich der schleifenden Kaltfront, wieder ein wenig auf, kurze Gewitter
nicht ausgeschlossen.
Trocken bleibt es hingegen vom Südwesten bis in die Mitte und auch im Süden sind
später keine Niederschläge mehr zu erwarten. Dort lockern die Wolken stärker
auf, teilweise ist es gering bewölkt.
Der im Warmsektor anfangs vor allem im Südwesten und Westen noch böige Westwind
lässt im Laufe der ersten Nachthälfte rasch nach und ist nicht mehr
warnrelevant. Dafür frischt der Wind vor allem mit Kaltfrontpassage im Norden
auf. An den Küsten, insbesondere an der Nordsee, gibt es später einzelne steife
Böen aus West bis Nordwest.
Ganz im Südwesten bleibt es nachts mit Minima zwischen nahe 20 und 16 Grad sehr
mild, aber auch sonst wird es mit 17 bis 12 Grad nicht allzu frisch.
Mittwoch ... passiert der flache Kurzwellentrog Norddeutschland ostwärts,
"drückt" die Kaltfront bis in die mittleren Landesteile und überläuft diese, so
dass sie im weiteren Tagesverlauf an Wetterwirksamkeit einbüßt. Vor allem
morgens und vormittags kann sie aber vorübergehend aktiviert werden und
insbesondere in einem schmalen Streifen vom Niederrhein über das Münsterland und
Ostwestfalen bis ins südöstliche Niedersachsen werden in erster Linie von den
Konvektion erlaubenden Modelle für einige Stunden schauerartig verstärkte, teils
mit Gewittern durchsetzte Regenfälle simuliert mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten
für (mehrstündigen) Starkregen im I-D2-EPS. Das Ganze ist mengenmäßig
grenzwertig (SuperHD simuliert etwas höhere Mengen als I-D2) und weist auch
aufgrund der trockenen Vorgeschichte wohl keinen relevanten Impact auf, so dass
sich großflächigere Warnungen im Vorfeld nicht wirklich anbieten.
Kräftigere Schauerstraßen mit eingelagerten Gewittern haben SuperHD, AROME und
I-D2 mit Trogpassage am Vormittag auch entlang der ostfriesischen Küste, der
Elbmündung und im Südwesten von Schleswig-Holstein im Programm. Dort wirkt auch
die "warme Unterlage" (Oberflächenwasser Nordsee, also Lake Effekt) sicherlich
förderlich für Konvektion, so dass ein- bzw. mehrstündiger Starkregen nicht
ausgeschlossen ist.
Nach Passage des Troges klingen die Schauer am Nachmittag in der Nordhälfte und
in der (nördlichen) Mitte auf ihrem Weg Richtung Osten/Südosten zwar insgesamt
ab, kommen aber wohl nicht ganz zum Erliegen. Zudem bleibt die Luftmasse labil
geschichtet, so dass auch dann neben kurzen Schauern auch einzelne Gewitter (bei
markanter Scherung mit Böen Bft 7 bis 8) nicht ausgeschlossen sind, am ehesten
im Nordwesten.
Das Bodentief zieht bis zum Abend langsam über Jütland nach Südschweden, ohne
sich weiter zu vertiefen. An dessen Südflanke streift das Windfeld die Küsten
von Nord- und Ostsee und es gibt dort auch außerhalb der Schauere und Gewitter
einzelne steife Böen (Bft 7) aus West, an der Nordsee aus Nordwest.
Postfrontal gelangt maritim erwärmte Subpolarluft in den Norden und in die Mitte
des Landes mit T850 zwischen 7 und 10 Grad. Somit erreichen die
Höchsttemperaturen dort Werte zwischen 18 Grad dort, wo sich die Sonne kaum
zeigt und 23, vielleicht 24 Grad mit mehr Sonne.
Dann gilt es, den Blick gen Westen zu richten. Der westliche Teil des
Höhentrogkomplexes kommt im Tagesverlauf langsam nach Süden voran und greift auf
Schottland über, wodurch die Höhenströmung über Mitteleuropa langsam beginnt,
auf Westsüdwest zurückzudrehen. Ein darin eingebetteter weiterer Kurzwellentrog
interagiert dabei über Nordfrankreich mit der Kaltfront, so dass sich dort im
Tagesverlauf eine weitere, flache Frontalwelle entwickeln kann. Auf deren
Vorderseite wird nach Süddeutschland von Südwesten her eine sehr warme und
potenziell instabile Luftmasse subtropischen Ursprungs eingesteuert, die 850
hPa-Temperatur steigt auf etwa 14 Grad entlang von Mosel und Main und bis 19
Grad mit schwachem (West)föhn im Alpenvorland.
Durch recht kräftige mitteltroposphärische WLA und den Föhn ist die Luftmasse
aber zunächst ziemlich gedeckelt, so dass konvektive Umlagerungen erst einmal
weitgehend unterbunden werden. Lediglich entlang einer etwa vom Saarland und der
Südpfalz bis nach Oberfranken reichenden Feuchteflusskonvergenz mit PPWs über 35
mm simulieren die Konvektion erlaubenden Modelle bereits mittags und nachmittags
einzelne Schauer, für Gewitter dürfte die Labilitätsfläche nicht hochreichend
genug sein, zudem kann mangels Einstrahlung auch kaum Cape aufgebaut werden.
Spannender wird es dann ab dem späten Nachmittag/Abend mit Annäherung der
Frontalwelle und dem damit einhergehenden Hebungsinput. Von Nordfrankreich bzw.
Belgien her ziehen dann schauerartig verstärkte Regenfälle nach Rheinland-Pfalz,
vielleicht auch noch ins südliche NRW und kommen rasch nach Osten voran. An
deren Südflanke können sich nach Lesart der Konvektion erlaubenden Modelle
einzelne kräftige Gewitter entwickeln, wobei die Modelle unterschiedliche
Szenarien auf der Agenda haben: I-D2 simuliert erst im Laufe des Abends, vor
allem aber deutlich später, in der Nacht zum Donnerstag kräftige
Einzelentwicklungen, die bei beeindruckenden Scherungswerten (DLS 25 bis über 30
m/s, LLS um 15 m/s 0 bis 1 km, dazu lange, teilweise gekurfte Hodografen) als
langlebige Superzellen auf jeden Fall Unwetterpotenzial erreichen dürften, trotz
der eher ungünstigen Tageszeit. Betroffen wäre die Region Südpfalz/Nordbaden bis
Oberfranken/Oberpfalz. SuperHD hat im aktuellen Lauf erneut (wie bereits zwei
Läufe vorher) bereits am früheren Abend eine isolierte, langlebige Superzelle
auf der Agenda, die über das nördliche BaWü und Mittelfranken zum Oberpfälzer
Wald ziehen soll.
Wie auch immer das am Ende aussieht: Diese Lage bietet angesichts der
beeindruckenden Scherung trotz eher nur mäßiger Cape durchaus Potenzial für
unwetterartige Entwicklungen; vor allem der Wind steht dann im Fokus (für 3 cm
Hagel und 30 l/m² dürfte es auch reichen), insbesondere, wenn es bereits am
Abend zu derartigen Entwicklungen kommen sollten. Auch Tornados können nicht
ausgeschlossen werden.
Abgesehen von den Entwicklungen an deren Südflanke fällt mit Passage der Welle
gebietsweise mit einzelnen Gewittern durchsetzter schauerartiger Regen, wobei
dann auch ein- oder mehrstündig Starkregen möglich ist. Die aktuellen Modelle
simulieren bis Donnerstagfrüh die höchsten Mengen mit 10 bis 30 l/m² in 6 bis 12
Stunden in etwa vom Saarland/südliches Rheinland-Pfalz über Südhessen bis nach
Franken bzw. zum Vogtland.
Vor Eintreffen der Welle wird es tagsüber in der Südhälfte im Einflussbereich
der Subtropikluft noch einmal sehr warm bis heiß mit Maxima zwischen 25 und 32
Grad, die höchsten Werte im südlichen Oberrheingraben und am Hochrhein. Dazu
frischt der Wind zeitweise böig aus westlichen Richtungen auf, in freien und
höheren Lagen reicht es eventuell sogar für einzelne steife Böen.
In der Nacht zum Donnerstag setzt sich die Austrogung über den Britischen Inseln
weiter fort, so dass die relativ glatte, aber leicht "flatternde" Höhenströmung
über dem Vorhersagegebiet noch etwas aufsteilt.
Der darin eingebettete Kurzwellentrog zieht samt Frontalwelle rasch nach Osten
ab, die Kaltfront kommt über Süddeutschland aber kaum weiter nach Süden voran.
Auch nach Abzug der kräftigsten Gewitter kann es entlang der nach Süden
ausgreifenden Outflow-Boundary noch zu Neuentwicklungen kommen, vor allem I-D2
hat solche entlang und südlich der Donau auf der Agenda. Diese fallen dann aber
bei Weitem nicht mehr so heftig aus.
Im Frontbereich klingen die Niederschläge nach Abzug der Welle dagegen rasch ab.
Auch im Norden und in der Mitte lässt die Schaueraktivität im Laufe des Abends
und der ersten Nachthälfte rasch nach, der Wind an den Küsten schwächt sich ab
und ist alsbald nicht mehr warnrelevant.
Mit Annäherung eines weiteren Kurzwellentroges und einem vorlaufenden Bodentrog,
der sich morgens über der Deutschen Bucht befindet, lebt die Schauertätigkeit im
Laufe der zweiten Nachthälfte im Nordseeumfeld wieder auf, über der Nordsee
können sich dann auch kräftige Gewitter mit Starkregen entwickeln, die die Küste
aber wohl noch nicht erreichen. Im Süden liegen die Minima bei milden 19 bis 15
Grad, sonst kühlt es auf 16 bis 11 Grad ab.
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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag ... hat sich gegenüber den Ausführungen in der Frühübersicht nichts
Wesentliches geändert, die Unklarheiten wurden nicht wirklich beseitig.
Mit Durchschwenken des Bodentroges gibt es im Nordwesten und Norden weitere
Schauer und Gewitter, die vereinzelt auch kräftiger ausfallen können und dann
mit Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen daherkommen.
Die Kaltfront schleift über Süddeutschland und wird vielleicht wieder etwas
aktiviert, so dass es in ihrem Einflussbereich einzelne, teils kräftige Gewitter
geben kann, das SuperHD ist allerdings diesbezüglich recht defensiv aufgestellt.
Im Warmsektor kann es im Süden/Südosten Bayerns bei hoher potenzieller
Instabilität und markanter Scherung dagegen durchaus noch zu unwetterartigen
Entwicklungen kommen, das zeigt z.B. auch das SuperHD mit einer Superzelle, die
entlang des Bayerischen Alpenrandes nach Osten ziehen soll.
In dem breiten Streifen zwischen den Schauern im Norden und den kräftigen
Gewittern im Süden/Südosten passiert dagegen nicht viel.
Modellvergleich und -einschätzung
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Der grobe Fahrplan steht zwar und auch die wetteraktiven Zonen lassen sich
relativ gut herausarbeiten. Im Detail gibt es dann aber doch noch größere
Differenzen, insbesondere, was die konvektive Aktivität ab dem späten
Mittwochnachmittag an der Südflanke der Frontalwelle angeht. Die Zutaten lassen
vor allem aufgrund der beeindruckenden Scherung auf jeden Fall auch einzelne
Superzellen mit Unwetterpotenzial erwarten. Die Frage stellt sich, ob es schon
am frühen Abend zur Auslöse reichen könnte, was deutlich stärkere Entwicklungen
erwarten lässt, als wenn es erst in der Nacht dazu kommt.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff