Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Zweiteilung: Kalter und eher trockener Nordosten und milder, zeitweise nasser
Westen und Südwesten. Vor allem im Grenzbereich bei gefrierendem Regen lokal
Glatteis.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... ist die seit Tagen vorhandene Blockierung durch Hoch DANIEL im
skandinavisch-russischen Sektor auch in der Kurzfrist ohne substanzielle
Änderung weiterhin persistent. Unterstützung findet sie durch einen Keil, der
vom Balkan bis nach West-Skandinavien aufragt und der in den nächsten Tagen ohne
große Bewegung dort liegen bleibt. So werden Trog- und Tiefdruckavancen vom
Atlantik wirkungsvoll davon abgehalten, weiter in den europäischen Kontinent
vorzudringen. Im Prinzip ist etwa über Deutschland Feierabend bei den Fronten
oder die Tiefdruckgebiete müssen über das Mittelmeer ausweichen.
Konkreter liegen am heutigen Freitagabend immer noch Feuchtereste einer in den
Bodenwetterkarten schon länger nicht mehr zu findenden Okklusion des Tiefs OPIKA
mit Zentrum knapp nordwestlich der Britischen Inseln über dem Nordosten
Deutschlands. Sie bringen in einem Streifen von der ostholsteinischen
Ostseeküste bis zur Lausitz mit abnehmender Tendenz geringe Schneefälle, wobei
die Neuschneehöhen kaum noch einen Zentimeter erreichen.
Eine zweite Okklusion des Tiefs hat mit einem Randtrog in den Nachmittagsstunden
mit Regen-, in höheren Lagen Schneefällen auf den Westen und Südwesten
Deutschlands übergegriffen. Die Schneefallgrenze liegt bei rund 800 m und steigt
im Laufe der Nacht unter Zufuhr etwas milderer Luft aus dem Westen mit T850 hPa
knapp über 0 Grad noch ein wenig an. Die sich dabei ebenfalls abschwächenden
Niederschläge kommen bis zum Morgen nur noch langsam nordostwärts bis in die
Mitte voran. Größere Schneeakkumulationen gibt es damit nicht, vielleicht reicht
es im Allgäu anfangs noch für den einen oder anderen Zentimeter. Ansonsten fällt
ein wenig weiter unten Regen, örtliches Glatteis durch gefrierenden Regen nicht
ausgeschlossen, aber auch nicht häufig angezeigt von den Modellen.
In der zweiten Nachthälfte zieht im Westen, zum Morgen hin auch im Südwesten
eine dritte Okklusion, wieder angetrieben durch einen weiteren Randtrog, mit
leichten Niederschlägen auf. Diese Okklusion gehört zum nächsten Tief namens
PATRICIA I mit Zentrum am Samstagmorgen über dem westlichen England. Die
Schneefallgrenze liegt im Westen bei 600 bis 800 m und im Südwesten bei 800 bis
1100 m. Folglich gibt es mehrheitlich Regen, in tiefen Lagen ist dieser meist
unkritisch, in etwas höheren Lagen aber mit erhöhter Gefahr durch örtliches
Glatteis verbunden. Die Schneefälle in höchsten Lagen taugen wiederum angesichts
der Niederschlagsmengen kaum für Neuschnee, eventuell können im Schwarzwald
lokal 1 oder 2 cm zusammenkommen.
In den Regionen dazwischen bzw. nordöstlich der Niederschlagsgebiete bleibt es
größtenteils trocken, die Wolken lockern allerdings nur gelegentlich auf, lokal
bildet sich jedoch Nebel.
Mit dem erhöhten Gradienten in Richtung des hohen Drucks und dem
supergeostrophischen Ausfließen aus dem Hoch sind an der See steife Böen um 55
km/h (Bft 7), exponiert stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8) aus Ostsüdost zu
erwarten. Sonst weht schwacher, im zentralen Bergland und im Norden teils
mäßiger Ost- bis Ost-Südostwind.
Die Temperaturen sinken in der milderen Luft im Westen und Südwesten auf 4 bis
0, in der Strömung mit kontinentaler Kaltluft im Nordosten auf 0 bis -7 Grad.
Samstag ... kippt der Rücken über Skandinavien ein wenig in nordöstliche
Richtung, Hoch DANIEL bleibt aber etwa an gleicher Stelle quasistationär. Die
Okklusion im Westen wird an der Südwestflanke des Hochs auf einen nordwestlichen
Kurs gezwungen, womit sich die Niederschläge auf den Westen (vornehmlich
vormittags) und den Nordwesten (vornehmlich nachmittags) konzentrieren. Vor
allem am Ostrand des Niederschlags hin zur kälteren Luft ist Schnee oder
gefrierender Regen bis in tiefe Lagen möglich, weiter westlich fällt meist
Regen. Nennenswerte Neuschneemengen sind weiterhin nicht wahrscheinlich.
Die Schneefälle im Nordosten lassen auch noch nicht gänzlich nach, bis zum
Mittag flöckelt es noch ein wenig unergiebig etwa in einem Bereich von der
ostholsteinischen Ostseeküste bis knapp ran an Berlin.
In den anderen Gebieten ist es meist trocken, größere Auflockerungen treten aber
nur am Alpenrand auf.
Beim Wind ändert sich im Vergleich zur Nacht davor kaum was: Schwacher Wind im
Süden und in der Mitte, nach Norden hin teils mäßiger Wind, an den Küsten
steife, exponiert stürmische Böen (Bft 7 bis 8). Windrichtung anhaltend Ost bis
Ost-Südost.
Weiterhin Bestand hat der nicht geringe Temperaturunterschied zwischen dem
kalten Nordosten mit Dauerfrost zwischen 0 und -5 Grad und den milderen anderen
Regionen mit Höchstwerten zwischen 1 und 11 Grad.
In der Nacht zum Sonntag zieht ein neuer Randtrog auf nordöstlichem Kurs von den
Britischen Inseln in Richtung Nordsee. Es führt die neue Okklusion ein kleines
Stück weiter Richtung Osten, sodass die zugehörigen Niederschläge bis zum Morgen
bis auf eine Linie Deutsche Bucht - Weserbergland - Rhein-Main-Gebiet -
Schwarzwald vorankommen. Die Niederschlagsmengen werden beim Anrennen gegen die
Blockierung immer geringer, mehr als 0 bis 2 l/qm gibt es nicht. Dabei ist
wieder Schnee bis in tiefe Lagen möglich, allerdings auch gefrierender Regen.
Wann wo welcher Niederschlag auftritt, ist nach aktuellem Stand aber kaum näher
zu differenzieren.
Weiter nach Osten bleibt es größtenteils trocken, Auflockerungen bleiben jedoch
nach wie vor selten. Örtlich kann es zu geringem Sprühregen, etwas Schneegriesel
sowie Glätte kommen. Darüber hinaus ist lokaler Nebel möglich.
Der kaum veränderte Wind schwächt sich an den Küsten allmählich ab, steife Böen
(Bft 7) treten aber immer noch auf.
Die Temperaturen sinken auf 3 bis 0 Grad im Westen, sonst auf 0 bis 7, im
Nordosten auf -7 bis -11 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... im Vergleich zur Frühübersicht ergeben sich keine nennenswerte
Unterschiede: Eiskalt bzw. noch kälter werdend, dabei meist trocken mit
teilweisen Auflockerungen im Nordosten, milder oder deutlich milder mit lokal
geringen Niederschlägen in den anderen Regionen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren recht ähnlich, Unschärfen in den schwachen Niederschlägen
oder deren Phase sind handelsüblich, sodass Warnungen vor allem bezüglich
Glatteis zum Teil im Nowcast abgefangen werden müssen. Zudem sind ICON13 und
ICON6 am Sonntag etwas progressiver bei den Niederschlägen als ECMWF und GFS.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler