Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Unbeständiger, kühler Wettercharakter mit Gewittern mit Starkregen, in Hochlagen
Schnee, regional windig bis stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
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Aktuell ... liegt Deutschland auf der Vorderseite eines Troges, der sich
ausgehend von einem Höhentief westlich von Norwegen südwestwärts über die
Britischen Inseln, Westfrankreich sowie die Nordwesthälfte der Iberischen
Halbinsel hinweg zum Atlantik erstreckt, in einer südwestliche Grundströmung.
Mit dieser wird feuchte Subtropikluft in die Südhälfte des Landes geschoben,
während der Norden rückseitig einer Kaltfront zunehmend schon in kühlerer Luft
polaren Ursprungs kommt. Bodennah korreliert der Trog mit einer ausgeprägten
Tiefdruckrinne, die sich von Norwegen über Deutschland hinweg bis zum
Meeresgebiet westlich von Portugal erstreckt. In der diffluenten Höhenströmung
wird Hebung generiert, die bei leicht labiler Schichtung teils mit
frontogenetischen Prozessen interagiert und teils kräftige Gewitter auslöst. Der
Schwerpunkt ist dabei am Abend von Rheinland-Pfalz und dem Saarland über
Baden-Württemberg hinweg bis zum Alpenrand zu verzeichnen. Bei langsamer
Verlagerung und PPW-Werten von 22 bis 28 mm liegt der Fokus auf dem Starkregen,
der lokal begrenzt auch heftige (Unwetter) ausfallen kann. Bei Cape-Werten von
200 bis 800 J/kg muss zudem mit kleinkörnigem Hagel gerechnet werden. Bei
mäßigen Scherungswerten bevorzugt in den unteren km sollten organisierte
Strukturen die Ausnahme sein und somit größerer Hagel um 2cm eher weniger
wahrscheinlich.
In der Nacht zum Montag soll ich der schauerartig verstärkte, anfangs teils
gewittrige Regen nordostwärts ausbreiten und am Morgen im Umfeld sowie südlich
der Kaltfront vom Westen in den Nordosten reichen. Durch kleine Tiefs über
Mitteldeutschland wird zusätzlich die bodennahe konfluente Strömung verstärkt.
Resultierend können die meist skaligen Niederschläge kräftig und länger
anhaltend ausfallen. Dabei besteht vor allem in NRW gebietsweise die Gefahr von
mehrstündigem, ungewittrigem Starkregen. Das ICON-D2-EPS stützt dies mit
Wahrscheinlichkeiten von 20 bis 50%. Im Südwesten in der labilen Subtropikluft
können weiter einzelne Gewitter auftreten, die bei PPWs von 20 bis 25 mm und
Cape-Werten bis 500 J/kg mit Starkregen und kleinem Hagel einhergehen können.
Der Wind spielt insgesamt noch eine untergeordnete Rolle und kann bei kräftigen
Gewittern in Böen stark bis stürmisch auffrischen. Zudem sind im Hochschwarzwald
zeitweise stürmische Böen oder Sturmböen möglich.
Montag ... schiebt sich von der Nordsee ein markanter Trog nach
Nordostfrankreich und stützt dabei die Entwicklung eines Bodentiefs über
Ostdeutschland bzw. Westpolen. Gleichzeitig ist über der Nordsee ein weiteres
kleines Tief korrelierend zum Höhentief verortet. Ausgehend vom Tief bei
Greifswald zeiht sich die Kaltfront nun über Mitteldeutschland hinweg in den
Südwesten des Landes und weiter zur Biskaya. Während rückseitig der Kaltfront
mit trocknerer und kühler Luft polaren Ursprungs eine stabile Schichtung
vorliegt, liegt der Süden sowie Teile des Ostens weiter in der potentiell labil
geschichteten Subtropikluft. Im Umfeld der Kaltfront sowie auf der kalten Seite
werden demnach überwiegend skalige Niederschläge prognostiziert, die vor allem
im Umfeld des Tiefs über dem Nordosten auch länger anhaltend und kräftiger
ausfallen können. Die Überschreitung der Starkregenschwelle zeigen derzeit aber
nur 5 bis 25% der ICON-d2-EPS Läufe in Mecklenburg und im Ostseeumfeld. Auf der
warmen Seite im Süden und Südosten kommt durch PPWs zwischen 20 und 26 mm das
Starkregenrisiko im Vergleich zum Vortag etwas limitierter daher. Dafür sind die
Scherungswerte auf der Südostflanke der Front nun stärker ausgeprägt, so dass
sich durchaus auch etwas organsiertere Gewitter bilden könnten. Bei Cape-Werten
zwischen 100 und 500, in Ostsachsen bis 700 J/kg sollte aber überwiegend nur der
kleinkörnige Hagel ein Thema sein. Dafür schiebt sich durch die Annäherung der
Front an die Alpen samt schleifender Tendenz und so teils kräftigen und länger
anhaltenden Niederschläge im Schwarzwald und am Alpenrand der mehrstündige,
teils gewittrige Starkregen in den Fokus. Das ICON-D2-EPS stützt dabei vor allem
die Überschreitung der Okker-Schwelle im Schwarzwald mit 10 bis 40% und am
östlichen Alpenrand mit 40 bis 100%. Im Berchtesgadener Land gibt es zudem
Hinweise von 10 bis 30% für heftigen Starkregen im 6h-Zeitraum. Im Schwarzwald
wurde aufgrund der wiederholt auftretenden/länger anhaltenden starkregenfälle
eine Dauerregenwarnung ausgegeben, die zwar synoptisch nicht die
Wetterbedingungen abbildet, aber die Mengen des Gesamtereignisses zeigt. Neben
dem Wind bekommt auch der Wind nun zwei Spielplätze geliefert. Auf der einen
Seite frischt er im Verlauf im Nordwesten und Westen auf und erreicht in Böen
steife Böen, auf der anderen Seite kommt es mit Annäherung der Kaltfront an die
Alpen zu einem Leitblankeneffekt im Süden, sodass der Wind vom Schwarzwald bis
nach Ostbayern ebenfalls auffrischt und steife, in freien und höheren Lagen
stürmische Böen erzeugt. Da die Luft rückseitig der Kaltfront zunehmend kälter
wird, in 850 hPa in der Nacht landesweit auf 0 bis -6 Grad sinkt, ist in
Hochlagen etwa ab 700-800 m auch mit der festen weißen Phase zu rechnen.
Aufgrund des warmen Bodens sollte es jedoch höchstens kurzzeitig bei höheren
Intensitäten mal etwas rutschiger werden.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... bestimmt ein breiter Trog nahezu über ganz Europa das Wetter.
Hierzulande ist ein kleines, aber markantes Höhentief über Ostdeutschland von
Bedeutung, welches bodennah Tiefs über der Ostsee und Polen stützt. Da sich
gleichzeitig über dem Nordatlantik ein Hoch aufplustert, kann die Kaltluft von
Grönland und Island über Deutschland hinweg bis in den Balkanraum und die Adria
vorstoßen. Hebungsimpulse sind vorwiegend auf der Westflanke des Höhentiefs in
einer potentiell labilen Luft zu verzeichnen. Resultierend sind tagsüber
bevorzugt östlich von Weser und Werra sowie in Nordostbayern wieder Gewitter zu
erwarten. Bei PPWs von 10 bis 12 mm und wenig Cape sind die Gewitter aber wohl
eher Marke Kaltluft. Bei 0 bis -3 Grad wird es in 850 hPa nur wenig milder, es
reicht aber die Schneefallgrenze hoch zu drücken, sodass nur noch die Alpen für
die weiße Phase interessant sind. Der wind ist hauptsächlich konvektiv
getriggert und kann von der Nordsee und Schleswig-Holstein bis zum Erzgebirge
und dem östlichen Alpenrand steife Böen, lokal begrenzt auch stürmische Böen
bringen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren den Wetterablauf vergleichbar. Abweichungen gibt es vor
allem bei der genauen räumlichen Einordnung potentieller, warnwürdiger
Starkregengebiete, der genauen Schneefallgrenze zum und am Dienstag sowie der
genauen Lage und Verlagerung des Höhentiefs.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel