Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Leicht unbeständige und teils windige Nord- bis Nordwestlage mit Schauern,
Gewitter und Starkregen anfangs im Nordosten möglich, mäßig warm bis warm.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... wird es bezüglich des Warnmanagements ruhiger. Die letzten Reste der
hoch energetischen Luft wurde nun südostwärts aus Deutschland herausgeschoben.
Somit übernimmt nun eine weniger warme und deutlich trockenere Luft das
Wettergeschehen. Am heutigen Abend sind demnach insgesamt noch drei Baustellen
mit zwei verschiedenen Parametern zu verzeichnen. Der Grund für das anhaltende
warnwürdige Wetter mit geringerer Intensität ist ein breiter Trog, der langsam
ostwärts über Deutschland hinwegschwenkt und bodennah mit einem Tief über der
westlichen Ostsee einhergeht. Resultieren liegen hochreichend zyklonale
Bedingungen vor. Gleichermaßen ist die Luft über der Osthälfte des Landes weiter
leicht labil geschichtet. Den Unterschied, ob es einzelne Schauer oder Gewitter
gibt oder weitgehend ruhig bleibt machen meist kurzwellige Anteile im
Trogbereich. Diese sorgen über dem Nordosten und Südosten durch PVA für
zusätzliche Hebung. Während im Nordosten bei nahezu keiner Scherung zahlreich
Gewitter aufpoppen und nach kurzer Lebensdauer wieder zusammenfallen, dafür aber
insgesamt einen verclusterten Gewitterkuchen abbilden, sind die Gewitter im
Südosten bei relevanter Scherung linienförmig organisiert und länger lebend.
Ohne nennenswerten Höhenwind und durch eine gewisse Zuggeschwindigkeit reichen
im Süden aber 15 bis 20 mm PPW meist nicht für eine markante Warnung vor
Starkregen aus. Im Nordosten sind die PPWs etwas höher, die Zuggeschwindigkeit
niedriger und das Risiko für Mehrfachtreffer gegeben, sodass dort durchaus die
Starkregenschwelle überschritten wird. Während mit Abzug des kurzwelligen
Anteils sowie weiterer Abtrocknung im Süden schon in der Nacht die Luft raus ist
und die Gewitter Geschichte, bleibt die konvektive Aktivität im Nordosten und
Osten erhalten. Dort kann sich das hochreichende Tief, welches langsam entlang
der polnischen Ostseeküste ostwärts wandert noch direkt auswirken und zusammen
mit etwas PVA ausreichend Hebung induzieren. Während im Umfeld der Ostseeküste
auch einzelne Gewitter möglich sind, sollte es sich weiter ins Binnenland bis
nach Brandenburg aber meist nur um Schauer bzw. schauerartigen Regen handeln.
Ansonsten sind auch ausgehend von der Nordsee durch den auflandigen Wind
schauerartige Niederschläge zu erwarten, die sich unter Abschwächung südostwärts
über Niedersachsen ausdehnen können. Warnwürdig bleiben dabei aber wohl nur die
Gewitter sowie potentieller Starkregen. Diese beiden Parameter sind dabei
unabhängig voneinander zu betrachten, da durch mögliche Schauerstraßen vor allem
in MV auch ohne Gewitter Starkregen nicht auszuschließen ist.
Der dritte Parameter im Bunde wäre der Wind. Aufgrund des hochreichenden Tiefs
kam und kommt es zu einer Gradientverschärfung, die vor allem im Küstenumfeld zu
steifen, exponiert auch stürmischen Böen führt. Weiter im Binnenland sind
einzelne niedrige steife Böen bevorzugt in Schauernähe ebenfalls möglich, eine
großräumige Bewarnung würde aber zu einer deutlichen Überwarnung führen, sodass
davon abgesehen wurde und wird.
Montag ... verlagert sich das hochreichende Tief zwar entlang der Ostseeküste
weiter zum Baltikum, dessen Einflussbereich reicht aber weiter bis in die
Nordosthälfte Deutschland. Herumgeholte Warmluft labilisiert die Schichtung und
ist auch mit ordentlich Feuchte angereichert. Gleichermaßen spielen zeitweise
auch wieder kurzwellige Anteile mit, welche die Hebung zusätzlich anheizen.
Resultierend sind in der Nordosthälfte des Landes schauerartige Niederschläge zu
erwarten, die örtlich mit einzelnen Gewittern garniert werden. Gebietsweise kann
bei PPWs von 24 bis 30 mm in kurzer Zeit oder mehrstündig Starkregen auftreten.
Im Nordwesten und Teilen der Mitte sind einzelne Schauer ebenfalls nicht
ausgeschlossen. In der Nacht zum Dienstag klingen die Niederschläge ab bzw.
ziehen nach Polen und Tschechien raus. Im Süden und Südwesten sorgt dagegen
schon ein Hochkeil für Absinken und trockene Bedingungen. Allenfalls an den
Alpen können sich orografisch bedingt Wolken aufbäumen und vielleicht auch etwas
Regen abladen. Neben den Gewittern als Warnparameter bleibt auch der Wind ein
Thema. Im Ostseeumfeld sowie der schleswig-holsteinischen Nordseeküste sind
weiter steife, exponiert stürmische Böen zu erwarten. Zudem gibt es Hinweise,
dass auch von MV bis nach Brandenburg Konvektion getriggert steife Böen möglich
sind. Ob die Signifikanz für eine größere Windwarnung ausreicht, müssen die
Frühdienste am Montag klären.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... sind vor allem im Süden und Osten durch den ostwärts verlagernden
Trog weiter zyklonale Strömungsbedingungen zu verzeichnen, während der Westen
und Norden zunehmend antizyklonal gekrümmt daherkommen. Bodennah kann sich
korrelierend zum Rücken über dem Nordatlantik und Nordwesteuropa ein Hoch
aufplustern und schon über weitere Teile West- und Mitteleuropas ausdehnen.
Entsprechend halten sich bevorzugt von Bayern bis nach Mitteldeutschland noch
dichtere Wolkenfelder, die lokal begrenzt auch noch ein paar Spritzer Regen
bringen können. Ansonsten überwiegt schon Absinken und Abtrocknung. Auch der
Wind legt tagsüber eine Verschnaufpause ein und sollte nicht mehr wanrwürdig
ausfallen.
In der Nacht zum Mittwoch kommt dann aber schon wieder ein neues Tief auf das
Spielfeld. Gekoppelt an einen markanten Kurzwellentrog über Norwegen/Schweden
kann ein Bodentief über dem Skagerrak wirbeln und auf seiner Westflanke einen
Frontenzug südwärts schieben. Einhergehend nehmen auch über Norddeutschland die
Hebungsimpulse zu, sodass vor allem im Küstenumfeld und dem angrenzenden
Binnenland erste schauerartige, nicht warnwürdige Niederschläge auftreten
können. Mit der Tiefentwicklung verschärft sich aber auch der Gradient wieder,
sodass der Wind wieder spürbar zulegen kann. Im Nordseeumfeld sind resultierend
steife bis stürmische Böen, auf den nordfriesischen Inseln auch Sturmböen
möglich. An der Ostsee weht der Wind noch überwiegend Küstenparallel, sodass
dort wohl nur gebietsweise schon steife Böen auftreten sollten.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Die Modelle simulieren die großskaligen Geopotential- und Luftdruckmuster
vergleichbar. Auch bei der räumlichen Einordnung potentieller Niederschläge sind
kaum Unterschiede zu verzeichnen. Geringe Abweichungen sind allenfalls bei
möglichen Schauerstraßen mit potentiellem Starkregen in der Nacht zum Montag zu
erkennen. Zudem simulieren die externen Modelle den Wind etwas schwächer als die
deutsche Modellkette.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel