Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Von Westen und Nordwesten allmählich etwas kühler und stabiler. Sich nach
Südosten zurückziehende Gewitter mit Unwettergefahr. Am Freitag überwiegend
Hochdruckeinfluss.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... liegt Deutschland auf der Vorderseite eines Langwellentroges bei den
Britischen Inseln, in den ein Drehzentrum östlich Schottlands eingebettet ist.
Ein flacher und sehr breiter Höhenrücken, unter dem sich sehr heiße Luft
befindet, liegt über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa.
Bodennah korrespondiert das erwähnte Drehzentrum mit Tief Justine, während das
bisher wetterbestimmende Hoch Pythagoras über Russland angekommen ist. Von
Westen schiebt das Atlantikhoch Quiriakus einen Keil gen Frankreich vor. Bei uns
resultiert daraus in den meisten Niveaus eine Südwestströmung, bodennah kommt
der Wind um West.
Über dem Südosten Deutschlands liegt nach wie vor eine sehr heiße Luftmasse mit
über 20°C in 850 hPa (xT), während von Westen allmählich eine etwas weniger
warme Luftmasse (im Nordwesten nur noch 12°C in 850 hPa; mS) einsickert, die
aber wegen der südwestlichen Strömung, die die Isothermen unter sehr spitzem
Winkel schneidet, nur sehr langsam vorankommt.
In den Analysen haben findige Meteorologen zwei Kaltfronten entdeckt, dies
dürfte aber von Analyse zu Analyse immer wieder zu neuen Herausforderungen
führen. Tatsächlich lassen sich markante Kaltfronten kaum finden, es gibt keine
Windsprünge oder Gewitterlinien, die eine Front markieren könnten. Allenfalls
sickert die weniger warme und trockenere Luft staffelartig herein, so dass man
daran die Kaltfronten legen kann.
Für das Wetter ist in erster Linie die im Osten und Südosten liegende feuchte
Luftmasse verantwortlich, in der sich heute meist zwischen 500 und 1000 J/kg
CAPE aufgebaut haben. Die ppw's liegen in dieser Luftmasse meist um 40 l/qm.
Großflächige Auslösung von Gewittern ist aufgrund fehlender flächendeckender
Auslösemechanismen ausgeblieben, lediglich die Orographie und der ein oder
andere sehr schwach ausgeprägte Kurzwellentrog haben unterstützt. Dabei konnte
es bei den Gewittern aufgrund von meist 10 bis 15 m/s hochreichender Scherung,
im Nordosten auch mehr, durchaus stärkere Entwicklungen geben. Dies und das
mäßige CAPE lassen Hagel bis 3 cm zu, vorhandenes DCAPE Böen bis Stärke 9 oder
10 und die feuchte Luftmasse Starkregen bis 30 l/qm in kurzer Zeit. Dabei wird
die Starkregengefahr durch wenigstens 20 bis 30 km/h schnell ziehende Zellen
etwas limitiert, zu vereinzeltem Unwetter reicht es aber allemal.
In der Nacht zum Donnerstag zieht der Kern des hochreichenden Tiefs bis nach
Südnorwegen. Die Achse des Troges hängt aber noch stark zurück bis nach
Südengland, so dass wir weiter vorderseitig verbleiben und nennenswerte
Hebungsantriebe in den Nachtstunden ausbleiben. Ganz im Gegenteil, es greift
nämlich immer stärkere Kaltluftadvektion auf unser Land über und stabilisiert
die Schichtung von Westen her deutlich. Wo dann in den Nachtstunden evtl. eine
Kaltfront verortet werden kann, dürfen die Nachtdienste herausfinden.
An der Südflanke von Tief Justine nimmt im Nordseebereich der Westsüdwestwind
deutlich zu, so dass in Dithmarschen und Nordfriesland gegen Morgen erste steife
Böen auftreten werden. Nach Süden hin bleibt der meist westliche Wind deutlich
schwächer.
In der Warmluft kommt es auch in der Nacht zu weiteren konvektiven Umlagerungen,
wobei sich folgende Schwerpunkte abzeichnen:
Ausgehend von den Alpen nordwärts verlagernd nach Schwaben und ins westliche
Oberbayern. Dort sorgt auch ein in die südwestliche Strömung eingebetteter
Kurzwellentrog für etwas Antrieb.
Im Nordosten, von der Altmark Richtung Vorpommern ziehend.
In diesen Regionen muss vor allem anfangs auch noch mit Unwettern wegen
Starkregens und Hagel gerechnet werden, auch Böen bis Stärke 10 sind noch
vorstellbar. In der zweiten Nachthälfte sollten die Gewitter aber weniger und
schwächer werden.
Mit dem sich annähernden Trog, dem die zweite Kaltfront vorausläuft, gelangt in
den Morgenstunden wieder etwa labiler geschichtete Luft in den Nordseebereich,
so dass dort einzelne Schauer ausgelöst werden sollen. Allzu verbreitet sollte
es aber wegen des dämpfenden Einflusses der Kaltluftadvektion nicht regnen. In
den Regionen dazwischen kann es gebietsweise auch klar sein.
In den Nordwesten gelangt schon spürbar kühlere Luft, so dass es dort bis auf
14°C abkühlen kann, in der Eifel bis 12°C. Im Süden und Osten liegen die
Tiefstwerte dagegen weiterhin teils noch um 20°C.
Am Donnerstag ... zieht das Bodentief Justine weiter nordostwärts zum
Bottnischen Meerbusen. Der Höhentrog erreicht bis zum Abend eine Linie von
Nordskandinavien über Benelux bis Zentralfrankreich. Die diesem vorauslaufende
Kaltfront kommt über Deutschland südostwärts voran und erreicht am Abend in etwa
eine Linie Oberpfälzer Wald-Bodensee. Südöstlich davon hält sich noch die
feuchtwarme mS-Luft mit 16°C in 850 hPa, während es im Nordwesten auf 6°C
(mPs-Luft) runtergeht.
Rückseitig der Kaltfront kann in der weiter anhaltenden Kaltluftadvektion der
Druck deutlich ansteigen und Hoch Quiriakus, das bis zum Westausgang des
Ärmelkanals wandert, bildet schon einen kräftigen Keil zu uns aus.
Dementsprechend weht der westliche, zunehmend nordwestliche Wind im Süden nur
schwach bis mäßig. Im Norden nimmt dagegen zwischen Hochkeil und Tief Justine
der Gradient noch etwas zu, so dass der Wind zeitweise frisch aus westlichen
Richtungen weht, auch hier zunehmend Richtung Nordwest drehend. Dabei muss von
Ostfriesland bis zur westlichen Ostsee mit steifen Böen gerechnet werden, vor
allem an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins auch mit stürmischen Böen.
Im Südosten, von Oberschwaben bis zur Oberpfalz, kann es auch in der ersten
Tageshälfte weiter Gewitter geben. Am Nachmittag kann sich dann je nach Sonne
noch einmal CAPE aufbauen, allerdings meist deutlich unter 1000 J/kg. Die
Luftmasse ist aber mit ppw's über 35 l/qm immer noch sehr feucht. Bei den
nachmittäglichen Gewittern sollte dann der Hagel im Vergleich zu heute nicht
mehr so groß werden können, auch die Böengefahr ist bei jetzt sehr feuchten
Temps reduziert, so dass wir wohl meist in der Größenordnung bis Stärke 8
verbleiben sollten. Bezüglich des Starkregens ändert sich aber nichts zu heute,
insbesondere im Alpenbereich herrscht dann weiter Unwettergefahr. Zur Front hin
sind auch die Scherungswerte erhöht, so dass es dort eventuell auch etwas besser
organsierten Gewittern kommen könnte, darauf springen aber die
konvektionserlaubenden Modelle derzeit nicht an.
Rückseitig der Kaltfront gibt es eine größere Auflockerungszone mit meist
sonnigem Wetter, während von Nordwesten auf der Trogvorderseite wieder stärkere
Wolkenfelder aufziehen. Meist bleibt es trocken. Erst im Trogbereich leben dann
gegen Abend rund um die Nordsee wieder Schauer auf. Diese erreichen aber meist
nur etwa 700 bis 650 hPa und damit nur um -5°C, so dass sie nur schwach
ausfallen und Gewitter dort nicht zu erwarten sind.
Die Temperaturen gehen im Vergleich zu heute deutlich zurück: In der
Südosthälfte werden es meist noch 28 bis 31°C, bei stärkerer Quellbewölkung im
Alpenvorland nur noch um 26°C. In der Nordwesthälfte werden es 23 bis 28°C, in
der Eifel und an der Nordsee nur um 21°C.
In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog recht rasch über den Norden
Deutschlands hinweg, rückseitig macht sich dagegen schon ein Rücken über Benelux
bemerkbar. Südlich von diesem nähert sich ein flacher Trog von Frankreich her
den Alpen. Bodennah steigt der Druck und wir gelangen immer mehr in den Bereich
des Hochkeils von Quiriakus. Das hat im Süden und in der Mitte allgemein recht
schwachwindige Verhältnisse zur Folge. Im Norden nimmt der Gradient ebenso
langsam ab, der stärkste Gradient verlagert sich aber ostwärts zur Ostsee, so
dass dort der Wind zunächst noch etwas zunimmt. An den westexponierten
Küstenabschnitten der Ostsee kann es dann einzelne steife Böen aus West geben.
An der Nordsee nimmt dagegen der Wind schon eingangs der Nacht deutlich ab, an
der Ostsee dann in der zweiten Nachthälfte.
Die Kaltfront kommt noch etwas südostwärts voran, nur der Alpenrand und
Südostbayern verbleiben noch in der feuchtwarmen Luft. In weiten Teilen des
Landes, nördlich von Main und Erzgebirge sinkt die 850-hPa-Temperatur auf 8 bis
3°C.
In der Warmluft kann es ganz im Süden weiter Gewitter oder schauerartige
Regenfälle geben, dabei kann es auch weiterhin zu lokalem Starkregen kommen.
Unwetter sollten aber kein Thema mehr sein, auch Sturm und Hagel sollten sich
verabschieden.
Auch über den warmen Meeren kann es in den Nachtstunden flache, meist bis etwas
700 hPa hochreichende Konvektion geben, was für einige schwache Schauer
ausreichen sollte. Dabei sollen sich dichte Wolken in der Nacht in der
Norddeutschen Tiefebene südwärts ausweiten. Dies allerdings vor allem nach ICON,
die externen Modelle sind etwas zurückhaltender. Dazwischen soll der Himmel
länger klar sein. Dort sinkt die Temperatur dann meist auf 14 bis 7°C,
vereinzelt im Bergland bis 5°C. In Seenähe und unter Wolken im Norden sind es
meist um 15°C, ganz im Südosten noch 16 oder 17°C.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
Der Freitag ... wurde in der Frühübersicht hinreichend beschrieben. Neue
Erkenntnisse bezüglich des Warnmanagements liegen nicht vor.
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
Die vorliegenden Modelle beschreiben die synoptische Entwicklung in den
kommenden Tagen ähnlich. Der oben beschriebene kurzwellige Trog, der zum Freitag
nach Süddeutschland ziehen soll, wird in den Modellen aber noch etwas
unterschiedlich behandelt. Letztendlich haben aber alle Modelle die Konvektion
am Freitag im Süden im Angebot. Der Wind soll morgen nach ICON etwas rascher an
den deutschen Küsten warnwürdig werden als nach den externen Modellen.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann