Synoptische Übersicht Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
In der Nacht zum Samstag im Nordwesten und über der Mitte regional markante
Glätte. Auch im Nordosten markante Glätte, bis in den Samstag anhaltend mit
geringem Unwetterpotential. Zunehmende und überregionale Nebelneigung. Im
Nordosten lokal leichter Dauerfrost. Nächte nur im Westen regional frostfrei.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... liegt Deutschland im Einflussbereich tiefen Geopotentials. Der
zugehörige Landwellentrog hat seine kräftigste Ausprägung über Westeuropa und
dem angrenzenden Ostatlantik, mehrere Kerne sind zumindest aktuell noch
auszumachen, im Laufe der Nacht soll sich aber einer, zum Morgen westlich von
Irland gelegen, als der dominante erweisen. Von dem Langwellentrog ausgehend
erstreckt sich ein markanter kurzwelliger Anteil über die portugiesische
Küstenlinie entlang nach Süden, er überquert in der Nacht die Iberische
Halbinsel und erreicht ausgangs der Nacht das westliche Mittelmeer. Ein weiterer
Troganteil weist nach Osten und damit über Deutschland hinweg nach
Ostmitteleuropa. Dieser schwenkt nach Norden um in den Frühstunden Dänemark zu
erreichen. Entsprechend der Situation in der Höhe hat auch das mit dem
Langwellentrog korrespondierende Bodentief STEPHIE (international LEONARDO)
mehrere Kerne, zu diesen gehört auch eine langgestreckte Okklusion, die den
Südwesten Deutschlands schon überquert und Unterfranken, Mittelhessen sowie
Ostwestfalen erreicht hat. Das die Okklusion gegen die Hochdruckgebiete DANIEL
(Russland) und EMMERAM (Skandinavien) anläuft, kommt es nur zögerlich ostwärts
voran, die mit der Okklusion herangeführte mildere Luft gleitet dabei auf die
bodennah von Osten herangeführte Kaltluft auf.
Dadurch verspricht die Nacht dann erneut spannend zu werden mit Blick auf
gefrierenden Niederschlag. Die Okklusion erreicht bis zum Morgen etwa eine Linie
Hamburg - Erzgebirge. Ob es beim Übergreifen der mit der Okklusion verbundenen
Niederschläge auch für kurzzeitigen gefrierenden Regen reicht ist noch nicht
ausgemacht. MOSMIX zeigt für die Stationen im Bereich der Okklusion eine im
Nachtverlauf leicht ansteigende 2m-Temperatur. Dies deutet auf ein sukzessives
Ausräumen der bodennahen Kaltluft hin. Ob sich die Luftmasse überhaupt nochmal
auf Werte unter 0 Grad abkühlt ist auch noch nicht ausgemacht, schließlich sorgt
die mit der Okklusion aufziehende Bewölkung für Gegenstrahlung und somit für
eine leichte Erwärmung. Dann kommt noch der im Boden sitzende Frost ins Spiel,
nach Osten zu ein größeres Problem als nach Westen hin. Letztendlich wird es
darauf hinauslaufen, dass eventuelle markante Glättewarnungen an der Front wohl
im Nowcasting ausgegeben werden müssen, markant deshalb, weil die Regenmengen
mit 0,1 bis 0,2 mm in einem überschaubaren Rahmen bleiben und für Unwetter wohl
nicht ausreichen, auch deshalb, weil nach einer - wenn überhaupt - kurzen
Eisregenphase (Größenordnung eine Stunde) schon der Übergang in Regen angedacht
ist. Einen besonderen Blick wert ist übrigens das westliche Emsland. Das
deutsche ICON-D2 sieht in diesem Bereich überhaupt keinen gefrierenden Regen,
SuperHD dagegen prognostiziert diesen flächendeckend. Auch hier wird eine genaue
Beobachtung der Entwicklung nötig sein, was auch für das zentralen und östliche
Niedersachsen gilt, sitzt dort doch der Frost noch recht tief im Boden mit der
entsprechenden Glättegefahr.
In den Nordosten wird dagegen mit der schon o. e. östlichen bzw. südöstlichen
niedertroposphärischen Strömung eine zumindest niedertroposphärisch gesättigte
Luftmasse herangeführt. Dabei wird diese durch den nach Norden schwenkenden Trog
moderat angehoben. Ein Resultat davon ist Sprühregen, der die Nacht hinweg
auftritt und teils in Bandstrukturen nordwestwärts zieht. Nach Mitternacht sind
auch regionale Schauerstraßen nicht ausgeschlossen bei einer vertikal weiter
anwachsenden Sättigung und vertikalen Schichtung. Faktisch kommen wir dabei
zunehmend in einen Bereich jenseits der -10 Grad-Isotherme (Kristalleintrag),
sodass hier und da die Mischphase (gefrierender Regen/Schnee) nicht
ausgeschlossen werden kann, was wohl auf konvektive Schauerstraßen bzw. auf das
Umfeld von Rügen am Ehesten zutrifft. Diese potentiellen Abläufe ziehen eine
(schon ausgegebene) umfangreiche markante Glättewarnung nach sich mit der
Option, dass im Verlauf der Nacht entlang von Schauerbändern auch mal auf
Unwetter hochgestuft werden muss (Stundenraten dann punktuell über 1 l/qm).
Postfrontal der Okklusion sorgt seichte WLA bei geringer Durchmischung für eine
meist trübe Nacht mit zahlreichen Schauern und ausgedehnten Nebelfeldern
(Saarland bis zur Oder). Die Minima liegen im Norden und Osten um den
Gefrierpunkt, während sie im Westen und Süden knapp darüber liegen (in Richtung
Niederrhein +6 Grad). Am kältesten präsentiert sich Mitteldeutschland bei 0 bis
-3 Grad. Bei einem aufgefächerten Gradienten ist der Wind weit von eventuellen
warnwürdigen Böen entfernt. Dafür bildet sich verbreitet dichter Nebel.
Samstag ... ändert sich an der Gesamtkonstellation sehr wenig. Die Okklusion
bleibt nun mehr oder weniger den ganzen Tag über vor Ort liegen (Linie
Hamburg-Erzgebirge bei nur noch sehr zögerlicher ostwärtiger Verlagerung). Im
Bereich der Okklusion mit ihrer Feuchte, aber auch im gesamten
niedertroposphärisch feuchten Nordosten haben wir mit Nebel und Hochnebel einen
sehr trüben Tag zu erwarten. Die dichten und ausgedehnten Nebelfelder aus der
Nacht heraus bleiben somit lange bestehen und dürften von Niedersachsen bis nach
Hessen/Franken, ins östliche Bayern und nordostwärts bis ins südliche
Brandenburg überregional für schlechte Sichten sorgen (und gebietsweise auch
ganztags für Nebelwarnungen).
Ansonsten klingt am Ostrand des mit der Okklusion verbundenen Niederschlags die
Glättegefahr durch Milderung (advektiv, aber auch bedingt durch den Tagesgang)
im Vormittagsverlauf allmählich ab, doch kann man sich vorstellen, dass bei
weiter vorherrschender östlicher Bodenwindkomponente und Frost im Boden die
Numerik das Ausmaß der Glätte ggf. etwas unterschätzt (wenngleich wir dann aber
über gelbe Glättewarnungen sprechen). Anders sieht es östlich der Okklusion im
gesamten Nordosten aus, wo weiterhin gefrierender Sprühregen ein Thema bleibt.
Besonders aus der Nacht heraus bis in den Vormittag deuten die
Vorhersagesoundings weiterhin ein geringes Potenzial für etwas Nieselregen mit
eingebetteten konvektiven Elementen (mit in der Folge erhöhten Stundenwerten an
Niederschlag) an. Letztendlich ist dies ein Hinweis auf zumindest lokal
markantes Glatteis, eventuell auch für unwetterartige Entwicklungen - wenn die
feuchte Grundschicht nicht am Ende doch so mächtig ist, dass Schnee fällt.
Im Süden und Westen sorgt geringer Geopotenzialanstieg und ein sehr
gradientarmes Umfeld für eine fortschreitende Abtrocknung von Südwest nach
Nordost und besonders zwischen Niederrhein und Oberschwaben verläuft der
Nachmittag freundlich und trocken. Bereits zum Abend bilden sich aber auch hier
regional dichte Nebelfelder. Die Maxima liegen im Nordosten weiterhin nur knapp
über dem Gefrierpunkt, nach Westen und Südwesten hin steigen sie je nach
Sonnenunterstützung auf 10 bis 13 Grad an. Der Wind weht zumeist schwach aus
unterschiedlichen, im Norden dominant östlichen Richtungen. Besonders auf Rügen,
aber auch allgemein an der Küste frisch er zeitweise böig auf.
In der Nacht zum Sonntag bleibt die Okklusion vor Ort liegen und bringt weiteren
Regen. Allerdings nimmt der Phasenwechsel hin zu gefrierend und Schnee von
Norden/Osten wieder zu, sodass allgemein mit Glätte durch gefrierenden
Niederschlag und etwas Schnee zu rechnen ist (Schleswig-Holstein bis nach
Sachsen sowie nordöstlich davon, nach Nordosten zu dabei insgesamt geringere
Niederschlagsraten). Die Unsicherheiten bezüglich der regionalen Ausdehnung und
Intensität sind allerdings noch sehr groß, nordöstlich der Okklusion (und damit
den Nordosten der Republik betreffend) dauert die Mischphase aus gefrierendem
Sprühregen und etwas Schneegriesel ganztags an, wenngleich der feste Anteil von
Nordosten immer mehr zunehmen sollte. Auch hier wird es im Nowcast sicherlich
noch die eine oder andere Überraschung geben.
Der Norden präsentiert sich insgesamt weniger Nebelaffin, ansonsten muss
verbreitet mit warnrelevantem und dichtem Nebel gerechnet werden. Die Minima
liegen deutschlandweit um den Gefrierpunkt, nur in Richtung Niederrhein bei bis
zu +4 Grad.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... präsentieren sich die Geopotentialgegensätze sehr moderat, ein
Rücken, der von den Alpen zur Nordsee weist stabilisiert die Schichtung ebenso
wie ein Höhenhoch über Südskandinavien. Am Rand des Hochs EMMERAM verläuft der
Tag unter schwachem Hochdruckeinfluss trüb mit (teils ganztags) zähem Nebel, die
größten Chancen auf Sonne gibt es vom Westen über den Südwesten bis zu den
Alpen. Die Niederschläge im Nordosten lassen nach, solange sie aber andauern,
ist wieder alles bezüglich der Phase möglich. An den Küsten kann der Wind mit
ageostrophischer Unterstützung etwas auffrischen, sonst bleibt er schwach, Die
Höchstwerte liegen im Nordosten um 0 Grad und im äußersten Westen bei bis zu +10
Grad, nachts bleiben der Westen und Südwesten frostfrei, im Nordosten geht es
runter bis -4 Grad.
Insofern ergeben sich im Vergleich zur Frühübersicht keine durchgreifenden
Änderungen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die Abläufe recht ähnlich, im Detail ergeben sich aber
(wie immer) Unterschiede in der Niederschlagsverteilung, Intensität und Phase.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas