Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Nachts und am Freitag Gewitterlage. Zunächst im Westen lokale Unwetter. Freitag
im Südosten erhöhtes Unwetterpotential, vor allem im Hinblick auf schweren
Sturm!
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... stellt sich die Wetterlage um und der kurze Hitzepeak wird von einer
Gewitterlage beendet.
Das Hoch über Nordosteuropa ist zwar noch da, hat sich aber schon soweit
zurückgezogen, dass sein Einfluss abklingt und von Frankreich her die
Vorderseite eines Troges über Westeuropa übergreift.
Dazu fällt der Druck am Boden und eine Tiefdruckrinne mit schwülwarmer und
instabiler Luft hat den Westen erreicht und breitet sich ostwärts über
Deutschland aus.
Bei zunehmender Scherung (auch Richtungsscherung) unter einem Jetstreak bringen
Feuchtekonvergenzen abends und nachts PPW Werte 40 mm. Bei leicht diffluenter
Höhenströmung sorgt eine Kaltfront im Laufe der Nacht für die nötige dynamische
Hebung, sodass der Deckel auf der Labilität gesprengt werden dürfte.
Vorlaufend sind in den Abendstunden vereinzelt kräftige Gewitter im Westen
möglich mit lokalen Sturmböen, Starkregen und Hagel.
Im Laufe der ersten Nachthälfte greifen dann vermehrt, teils starke Gewitter auf
den Westen über, wobei vereinzelt (unwetterartiger) Starkregen, Hagel und
schwere Sturmböen möglich sind. Auch organisierte Strukturen, MCS und
Superzellen sind nicht ausgeschlossen.
Im Laufe der Nacht werden Sturm und Hagel unwahrscheinlicher
und das Hauptaugenmerk verschiebt sich auf den Starkregen mit/ohne
Gewitter. Die Gewitter erfassen dann die gesamte Westhälfte.
An den Küsten bleibt es gradientbedingt windig mit starken Böen aus Ost bis
Südost. Zudem kühlt es nicht besonders ab und gebietsweise liegen die Minima um
20°C.
In den Alpen kommt Föhn auf, die exponierten Gipfel sind mit Sturmböen dabei, ob
es bis in Täler runtermischt mit steifen Böen ist unsicher.
Freitag ... verlagert sich das Drehzentrum des Troges, ebenso wie das Bodentief
zur nördlichen Nordsee, während die Trogachse abends Westdeutschland erreicht.
Die vorderseitige Kaltfront überquert den Norden etwas zügiger ostwärts und
hängt über Süddeutschland leicht schleifend zurück.
Im präfrontalen Südosten liegt instabile Warmluft, die tagsüber mit
Einstrahlung aktiviert werden kann. So sind an der Kaltfront ohnehin
schauerartige (Stark)Regenfälle mit vereinzelten Gewittern möglich, im
Tagesverlauf bilden sich dann über Süddeutschland frontal und präfrontal teils
schwere Gewitter mit Unwetterpotential, da dort sehr feuchte Luft (PPW 40 mm),
mit MU Cape >2000 J/kg sowie hochreichende (Richtungs-)Scherung und SRH
überlappen. Entsprechend sind Superzellen möglich.
Vorübergehend wird es am Alpenrand föhnig, wobei mit Abzug eines Föhntiefs eine
starke Druckwelle mit Sturmböen nicht ausgeschlossen werden kann.
Die postfrontal von SW einströmende Luft hat weiter einiges (Gewitter)
Potential. Sie bleibt feucht und labil und gerät unter der Trogvorderseite
schließlich unter Hebung.
Auch dort sind rasch, da ungedeckeltes Cape bis 1000 J/kg, Schauer und teils
kräftige Gewitter zu erwarten mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Ebenso sind
auch dort Unwetter nicht ausgeschlossen, da weiter gut ausgeprägte Scherung mit
der Konvektion überlappt. Die Hodographen sind dabei eher gradlinig, was für
linienhafte Konvektion mit erheblichem Böenpotential spricht.
Der Druckgradient am Rand des Tiefs nimmt über dem Westen und Südwesten zu,
sodass der Wind dort großflächiger auffrischt mit steifen, im Bergland
stürmischen Böen oder Sturmböen. Auch im Südosten sind nicht unbedingt an
Gewitter gebunden nachmittags und abends Sturmböen nicht ausgeschlossen.
In der Osthälfte werden es nochmal 26 bis 31°C, in der Westhälfte 21 bis 25°C.
In der Nacht zum Samstag beruhigt sich das Wetter mit einem Zwischenhoch von
Westen her. Die Kaltfront verlässt uns Richtung Osten, der Trog schwenkt
ebenfalls ostwärts über Deutschland hinweg.
Die Regenfälle und Gewitter über dem Südosten ziehen Richtung Polen, Böhmen und
Österreich ab und auch die Gewitter im Norden verlassen uns zur Ostsee nach
Dänemark hin. Was bleibt sind Schauer, die über die Mitte ostwärts ziehen
können.
Der Südwestwind weht, vor allem an den Küsten und im Bergland, lebhaft mit
einigen starken bis stürmischen Böen, auf exponierten Gipfeln mit Sturmböen.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... zieht ein flacher Rücken über uns nach Osten, der sich vor allem
nach Süden hin mit Absinken und freundlicherem Wetter auswirkt. Der Norden und
teilweise auch die Mitte liegen unter einer westlichen Strömung mit der
Wolkenfelder und schwächere Schauer durchziehen.
Nachmittags und abends nähert sich über Benelux ein Trog mit vorgelagerter
Okklusion. Dabei verdichten sich die Wolken von Westen und nachmittags und
abends kommt im Westen schauerartiger Regen auf.
Die Luftmasse bleibt recht warm, vor allem über Norddeutschland und im Bergland
weht mäßiger bis frischer Wind aus Südwest.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Unsicherheiten fangen fast schon im Nowcasting an. Die Modellvorgaben für
die nächtliche Konvektion, vor allem aber für die Gewitter am Freitag sind sehr
heterogen. Den größten Impact könnte die Windentwicklung am Freitag haben, diese
wird aber besonders stark abweichend simuliert.
Die deutschen Modelle und deren Anschlussverfahren sind defensiv eingestellt.
Sie simulieren am Freitagnachmittag "nur" Sturmböen über Bayern und auch eher
konvektionsgebunden, während externe Lösungen fast schon großflächig über SE
Bayern Sturmböen bis Orkanböen im Programm haben. Von daher wird am Abend eine
Vorabinformation für den SE Bayerns ausgegeben.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner