Kurzfrist
SCHLAGZEILE:
Unbeständiges und windiges Herbstwetter, an der See Gewitter, örtlich
Stark-/Dauerregen
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... stellt sich das Wetter landesweit um. Aus dem Spätsommer driften wir
gen Herbst. Bis Sonntag ist sich auch das IFS-EPS sehr sicher und präsentiert
nur die Wetterlage West zyklonal. Einhergehend stellt sich vorübergehend ein
unbeständiger Wettercharakter ein. Allerdings sind in Deutschland nicht alle
Regionen gleichermaßen und gleichzeitig mit Regenfällen überzogen. Vor allem das
Küstenumfeld liegt bei der Westlage durchgehend in der Frontalzone bzw. im
Bereich durchziehender Tiefs. Am Alpenrand hängen dagegen die Fronten länger
herum und laden daher auch mehr Regen ab. Ansonsten wechseln sich frontale
Niederschläge mit ruhigeren Abschnitten ab. Im Detail gestaltet sich die
Kurzfrist folgendermaßen.
Am heutigen Abend und der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog über Deutschland
hinweg ostwärts und schiebt dabei die vorderseitig liegende Kaltfront des Tiefs
über Südschweden nach Polen. Allenfalls an den Alpen kann sie noch etwas länger
schleifen. Was bedeutet dies für das Wetter und die potentielle Warnlage? An den
Alpen sorgt die schleifende Front für länger anhaltende, schauerartig verstärkte
Regenfälle, sodass dort gebietsweise die Dauerregenschwelle von 25-30 l/qm in
12-24 Stunden erreicht bzw. überschritten wird. Ansonsten hat sich auf der
Rückseite des Troges im Zustrom maritimer Polarluft von der Nordsee her bis weit
ins Binnenland Schauerwetter durchgesetzt. Dabei ist es nicht völlig
ausgeschlossen, dass sich auch ein kurzer Blitz in den Streuselkuchen mogelt.
Aufgrund der Zuggeschwindigkeit ist Starkregen kein Thema, sodass die einzige
Begleiterscheinung einzelner Gewitter die steifen bis stürmische Böen wären. Der
Wind weht aber auch ohne Gewitter spürbar und teils warnwürdig. So sind auch bei
kräftigen Schauern vereinzelte steife Böen zu verzeichnen. An der Nord- und
Ostsee schlägt auch der Gradientwind zu und weht allgemein mit steifen bis
stürmische Böen, örtlich auch mit Sturmböen. Gleiches gilt für das höhere
Bergland, wo ebenfalls steife bis stürmische Böen, auf exponierten Gipfeln auch
Sturmböen auftreten. In der Nacht lässt der Wind im Binnenland mit abnehmender
Schauertätigkeit sowie auch an der Nordsee bei leichter Auffächerung ab. Der
Wetterumschwung ist sonst auch bei den Temperaturen zu merken. Während es heute
Nachmittag in den warmen und anfangs auch sonnigen Regionen vor der Kaltfront
nochmals bis 24 Grad waren, purzelten die Temperaturen hinter der Kaltfront
deutlich. In der Nacht sind dann abseits der Küste landesweit einstellige
Tiefstwerte zwischen 9 und 2 Grad zu erwarten. Vor allem rund um Schwarzwald und
Alb ist auch der Bodenfrost wieder ein Thema.
Freitag ... schwenkt ein schwacher Rücken über Deutschland hinweg, der jedoch
schnell von WLA des nachfolgenden Frontensystems überlaufen wird. Zudem nähert
sich auch in der Höhe ein neuer Kurzwellentrog an. Entsprechend nehmen schon am
Morgen die Hebungsprozesse im Westen und Nordwesten wieder zu. Zunächst
überwiegt Aufgleiten, welches im Verlauf durch PVA verstärkt wird. Zudem kommt
es mit Trogannäherung wieder zu einer Gradientverschärfung und somit Auffrischen
des Windes. Was bedeutet dies wieder für das Wetter und die Warnlage? Mit der
Warmluftadvektion setzt im Westen und Nordwesten Regen ein, der sich bis zum
Abend etwa zur Oder, Neiße und Donau ausbreitet sowie ab dem Nachmittag im
Nordwesten zunehmend konvektiv geprägt ist. Vor allem in den Staulagen der
westlichen und zentralen Mittelgebirge gibt es zarte Hinweise, dass über 6-12
Stunden die stark-/Dauerregenschwelle erreicht bzw. überschritten werden kann.
Aufgrund der bestehenden Unsicherheiten wird bisher aber von einer
entsprechenden Warnung abgesehen. Mit der zunehmenden Konvektion sowie dem
Übergreifen der neuen Kaltfront des Tiefs bei Island sind vor allem im
Nordseeumfeld erneut einzelne Gewitter möglich. Diese können nun neben
stürmischen Böen oder Sturmböen lokal auch mit Starkregen ein- oder mehrstündig
einhergehen. Durch die Gradientverschärfung muss im Nordseeumfeld, Teilen des
Nordwestens sowie im höheren Bergland erneut mit steifen bis stürmische Böen
gerechnet werden. An exponierten Küstenabschnitten sowie einzelnen Hochlagen
sind Sturmböen möglich, auf dem Brocken weht schwerer Sturm, vereinzelt sind
orkanartige Böen möglich. Auch wenn in 850 hPa durch das Frontensystem
vorübergehend wieder etwas höhere Temperaturen ins Land geschoben werden, so
machen sich diese bei den Höchstwerten von 10 bis 16 Grad, südlich der Donau bei
mehr Sonnenschein bis 18 Grad nicht oder kaum bemerkbar. In der Nacht zum
Samstag erreichen die Niederschläge auch wieder die Alpen. Während es im
Küstenumfeld bei Schauern und einzelnen Gewittern unbeständig und windig bleibt,
setzt sich rückseitig der nach Süden vorankommenden Front Wetterberuhigung
durch. Einhergehend können die Wolken etwa von NRW bis in den Norden
Brandenburgs auflockern.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... hängt die Kaltfront mal wieder an den Alpen fest und sorgt dort etwa
südlich der Donau sowie in Südostbayern für weitere schauerartige Regenfälle.
Doch auch der Norden und Nordwesten kommen nicht zur Ruhe, da sich dort erneut
ein Trog annähert und auf Deutschland übergreift. Resultierend setzt tagsüber
von den Niederlanden und Belgien bis nach Mecklenburg-Vorpommern eine rege
Schauertätigkeit ein, die im Küstenumfeld auch mit einzelnen Gewittern samt
stürmischen Böen einhergehen kann. Vor allem mehrstündig in 6 bis 12 Stunden
gibt es auch wieder zarte Hinweise, dass im Nordseeumfeld die Stark- bzw.
Dauerregenschwelle von 20 bis 25 l/qm gerissen werden könnte. Anders sieht es
zwischen der Front an den Alpen und dem Trog aus, wo kompensierendes Absinken
vom Südwesten bis nach Brandenburg bei wechselnder Bewölkung mit teils längeren
sonnigen Abschnitten für überwiegend trockene Verhältnisse sorgt. Mit der
Konvektion weht auch der Wind im Nordwesten und Norden spürbar und kann dort
gebietsweise auch einzelne steife Böen, an der See und in den Hochlagen der
Berge auch stürmische Böen oder Sturmböen bringen. Auch in der Nacht zum Sonntag
bleibt es an der See windig und unbeständig mit schauerartigen, teils
gewittrigen Niederschlägen. Gleichermaßen kann es auch an den Alpen weiter etwas
regnen. Zudem weisen nun die Modelle auch für den Westen bis in die Mitte
einzelne PVA geschuldeten Schauer aus, die in Staulagen der Berge auch kräftiger
ausfallen können. Bei den Temperaturen ändert sich in 850 hPa nur wenig, sodass
auch weiter Höchstwerte zwischen 12 und 19 Grad auf der Agenda stehen. Nachts
rutschen die Werte jedoch deutlich ab und erreichen Tiefstwerte zwischen 9 und 4
Grad.
Modellvergleich und -einschätzung
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Auch die anderen Global- und Regionalmodelle simulieren die Geopotential- und
Luftdruckstrukturen sowie das resultierende Wetter vergleichbar zum ICON.
Geringe Abweichungen gibt es allenfalls bei der Verlagerungsgeschwindigkeit der
Frontensysteme sowie der Intensität der Niederschlagsmaxima.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel