Synoptische Übersicht Kurzfrist

ausgegeben am Montag, den 16.02.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Im Nordosten winterlich mit Dauerfrost und etwas Neuschnee. Sonst wechselhaft
und recht mild, Schneefallgrenze meist zwischen 400 und 800 m, in einigen
Staulagen, vor allem der Allgäuer Alpen, markante Neuschneemengen.
In Gipfellagen von Schwarzwald und Alpen (schwere) Sturmböen.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
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Aktuell ... befinden wir uns im Einflussbereich eines vom Nordmeer über
Südskandinavien bis nach Mitteleuropa reichenden Langwellentroges. Diesem steht
ein blockierendes Hochdruckgebiet über dem Baltikum bzw. dem Westen Russlands
gegenüber, so dass er als Gesamtgebilde kaum mehr Progression nach Osten
aufweist, sondern eher Richtung Südosten amplifiziert, also mit einer mehr und
mehr negativ geneigten Achse ausgestattet ist. Letztendlich vollzieht sich nahe
des linken Ausgangs des inzwischen über Frankreich bis in den westlichen
Mittelmeerraum reichenden Jetstreams im Laufe der Nacht über der Adria ein
Cut-Off-Prozess, der wiederum eine markante Zyklogenese über dem Balkan in Gang
setzt.
Das Trogresiduum über dem östlichen Mitteleuropa wird auch im Laufe der Nacht
immer wieder durch von Westnordwest einlaufende kurzwellige Troganteile
regeneriert, die auch das Vorhersagegebiet überqueren. Letztendlich etabliert
sich bereits in der ersten Nachthälfte ein eigenständiges Höhentief über
Südschweden und bleibt dort erst einmal quasistationär.
Auch im Bodenfeld dauert die Blockade somit weiter an. Dabei reicht ein
Tiefdruckkomplex mit Drehzentren über dem Nordmeer (WALLY II") und der
nördlichen Nordsee ("WALLY III") über Mitteleuropa bis nach Italien. Auch daran
ändert sich im Laufe der Nacht - mit Ausnahme der Zyklogenese über der Adria
bzw. dem Balkan - kaum etwas. Ausgehend vom Nordseetief, das im Laufe der Nacht
geringfügig nach Süden vorankommt, reicht eine Rinne über die Deutsche Bucht und
Nordwestdeutschland bis nach Sachsen. Diese trennt kalte Festlandsluft, die von
Südosten her in den Norden und Osten des Vorhersagegebietes gelangt (T850 hPa
zwischen -5 und -10 Grad) von maritim erwärmter Polarluft im Westen und Süden
(T850 hPa um -3 Grad) und arbeitet sich äußerst langsam vor allem mit ihrem
Ostteil nach Norden vor. Ab der Rinne nordostwärts führen Aufgleiten und eine
schwache Gegenstromlage bei halbwegs stabiler Schichtung bei leichtem, nach
Nordosten zu nachts auch mäßigem Frost zu leichten Schneefällen mit wenigen
Zentimetern Neuschnee, lediglich ganz im Nordosten bleibt es überwiegend
trocken.
Über dem Süden und Westen Deutschlands ist die Luftmasse dagegen hochreichend
indifferent bis leicht labil geschichtet. Gekoppelt an die durchschwenkenden
kurzwelligen Troganteile werden dort aktuell und auch in der kommenden Nacht
Schauerstaffeln ostwärts geführt. Tagsüber reicht es auch für einzelne kurze
Graupelgewitter. Die Schneefallgrenze schwankt bei guter Durchmischung meist
zwischen 300 und 700 m, kann aber in kräftigeren Schauern vor allem nachts auch
kurz mal bis nach ganz unten reichen. An den West- bzw. Nordwesthängen der
Mittelgebirge stauen sich die Niederschläge, in den entsprechenden Höhenlagen
können dort somit auch mehr als 5 cm in kurzer Zeit fallen. Insbesondere im
Schwarzwald und im Bayerischen Wald kommen oberhalb von 800 m durchaus auch mal
mehr als 10 cm zusammen; ähnliches gilt für die Alpen, insbesondere für die
Allgäuer Alpen, die für größere Schneemengen bei Weststaulagen eher
prädestiniert sind als alles weiter östlich. Die Warnungen gelten teilweise auch
schon bis weit in den morgigen Dienstag hinein bzw. sogar bis Mittwoch, da sich
an der Konstellation erst einmal nur wenig ändert.
Im Übergangsbereich zur Kaltluft, also vor allem im Bereich der Tiefdruckrinne,
kann stellenweise auch gefrierender Regen nicht ausgeschlossen werden. Die
Modelle sind diesbezüglich aber eher defensiv aufgestellt werden, eher könnte
dort noch überfrorene Nässe für Glätte sorgen.
In den Niederungen West- und Süddeutschlands spielt Glätte dagegen keine Rolle,
höchstens mal kleinräumig und kurzzeitig bei kräftigeren Graupelschauern. Dort
bleibt es nämlich unterhalb von etwa 400 bis 700 m überwiegend frostfrei.
Anzusprechen bleibt noch der Wind: An der Südwestflanke der Rinne bleibt noch
ein recht veritabler Gradient aufrecht, der zumindest in den Kamm- und
Gipfellagen von Schwarzwald und Alpen für stürmische Böen bzw. Sturmböen, auf
exponierten Gipfeln für schwere Sturmböen aus West sorgt. In tiefen Lagen weist
der Wind nachts dagegen tagesgangbedingt kaum mehr Warnrelevanz auf.

Dienstag ... ändert sich an der großräumigen Konstellation über Mitteleuropa
kaum etwas. Im Tagesverlauf verlagert sich allerdings an der Südwestflanke des
quasistationären Höhentiefs über Südschweden ein recht markanter Kurzwellentrog
von der Nordsee her nach Nordwestdeutschland. Dadurch kommt nun auch das
Bodentief über der mittleren Nordsee etwas rascher nach Süden voran und erreicht
abends die Deutsche Bucht bzw. deren Südteil. Die Tiefdruckrinne bzw.
Luftmassengrenze nimmt somit eine etwas zonalere Ausrichtung an, kommt also über
der Osthälfte geringfügig nach Norden voran und reicht abends etwa von der
Elbmündung bis zum Oderbruch. Nordöstlich davon bleibt es bei leichtem
Dauerfrost, dazu fällt weiterhin auch etwas Schnee (wenige Zentimeter maximal),
lediglich in Ostvorpommern bleibt es wohl weitgehend trocken.
Im Rest des Landes gibt es weitere Schauer, wobei die maritime Polarluft nun auf
etwas direkterem Wege dorthin gelangt, die 850 hPa-Temperatur auf etwa -5 Grad
zurückgeht und die Schneefallgrenze somit etwas sinkt. An den zu erwartenden
neuschneemengen ändert sich gegenüber dem Vortag nur wenig: Meist kommen
oberhalb von 300 bis 600 m nur wenige Zentimeter zusammen, in einigen Staulagen
können es kleinräumig um 5 cm in kurzer Zeit sein, an den Westhängen von
Schwarzwald und Bayerischem Wald auch mehr, in den Allgäuer Alpen kommen bis zum
Abend in Staulagen oberhalb von etwa 800 m teilweise um 15 cm zusammen.
Insgesamt ist die Luftmasse etwas trockener als am Vortag, so dass die
Gewitterwahrscheinlichkeit etwas abnimmt, ganz ausschließen kann man sie aber
nicht. An der Windsituation ändert sich ebenfalls nur wenig; zum Nachmittag und
Abend hin verschärft sich aber auch im Westen bis zur Mitte mit Annäherung des
Nordseetiefs etwas. In den Kamm- und Gipfellagen von Schwarzwald und Alpen,
später eventuell auch einiger westlicher bzw. zentraler Mittelgebirge gibt es
stürmische Böen, exponiert Sturm-, auf dem Feldberg und exponierten Alpengipfeln
eventuell auch schwere Sturmböen aus West. In den Niederungen kann es in
Schauernähe steife Böen geben.
Während es im Nordosten weiterhin Dauerfrost mit Maxima zwischen 0 und -4 Grad
gibt, werden sonst Höchsttemperaturen zwischen 2 und 7 Grad erreicht, im
Südwesten örtlich bis 9 oder gar 10 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch schwenkt der Kurzwellentrog über den Norden und die
Mitte Deutschlands hinweg weiter nach Polen. Das Höhentief über Südschweden
kommt dagegen kaum nach Osten voran, wird aber in weiterer Folge von Nordwesten
her regeneriert. Rückseitig stellt sich zwischen dem Trog und einem zu den
Britischen Inseln schwenkenden Höhenrücken über dem Vorhersagegebiet eine recht
glatte nordwestliche Höhenströmung ein.
Somit dominiert zunehmend Absinken, das kleine Bodentief über der Deutschen
Bucht zieht über Brandenburg rasch nach Polen und füllt sich auf. Übrig bleibt
die flache Tiefdruckrinne, die nun ihrerseits bei deutlichem Auffüllen etwas
rascher nach Süden vorankommt und sich morgens irgendwo im Bereich der mittleren
Landesteile befindet. Rückseitig macht die Kaltluft wieder an Boden Richtung
Süden gut und auch südlich der Rinne verstärkt sich mit Drehung der
niedertroposphärischen Strömung auf Nordwest die Kaltluftadvektion. Bis
Mittwochfrüh sinkt die 850 hPa-Temperatur auf Werte zwischen -12 Grad an der
vorpommerschen Ostseeküste (dorthin gelangt Kaltluft aus dem skandinavischen
Raum) und -4 Grad in Südbaden. Mit der Stabilisierung klingen die konvektiven
Niederschläge aber bereits am Abend von Südwesten her rasch ab und die
Niederschläge konzentrieren sich mehr und mehr auf den Rinnenbereich. Die
Schneefallgrenze sinkt dabei fast überall wieder bis in tiefe Lagen. Vor allem
in den Staulagen der zentralen und östlichen sowie ostbayerischen Mittelgebirge
kommen noch einige Zentimeter Neuschnee zusammen (Harz vielleicht sogar um 10
cm), sonst kommt man vielerorts eventuell auch mit Glättewarnungen aus.
An den Alpen klingen die Schneefälle bereits in der ersten Nachthälfte ab.
Abgesehen von einigen Niederungen im Westen, Südwesten und in der Mitte des
Landes gibt es verbreitet leichten, im Nordosten auch mäßigen Frost und oft muss
mit Glätte durch Überfrieren gerechnet werden.
Der Wind weht in den Gipfellagen einiger Mittelgebirge weiterhin lebhaft aus
West mit stürmischen Böen bzw. Sturmböen. An der Westflanke der südostwärts
schwenkenden Rinne kann es im Laufe der Nacht zunächst im Nordwesten, später in
den mittleren und östlichen Landesteilen auch bis in tiefe Lagen steife Böen aus
Nordwest geben.

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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Mittwoch ... kommt das Höhentief über Südschweden weiterhin nur sehr langsam
Richtung mittlere Ostsee voran, an dessen Südwestflanke streift ein weiterer
kurzwelliger Randtrog den äußersten Norden/Nordosten Deutschlands mit einzelnen,
allerdings unergiebigen Schneeschauern am Nachmittag/Abend insbesondere in
Schleswig-Holstein.
Der folgende Höhenrücken über den Britischen Inseln wird durch Höhentief bzw.
Randtrog blockiert und gleichzeitig durch einen markanten Trogvorstoß Richtung
Südwestengland/Biskaya deutlich in die Zange genommen. Übrig bleibt ein Keil,
der über Frankreich hinweg bis nach Schottland reicht und auf dessen Vorderseite
über dem Vorhersagegebiet der Druck weiter steigt. Die Tiefdruckrinne füllt sich
vollends auf und weicht einer kleinräumigen Hochdruckparzelle, die von
Nordwestdeutschland bis nach Sachsen/Tschechien reicht.
Südwestlich davon verstärkt sich mit Annäherung des Troges die WLA, dazu setzt
dort bereits wieder Druckfall ein und auch im Bodenfeld greift eine Warmfront
mit Niederschlägen auf den Südwesten Deutschlands über. Wie weit diese bis zum
Abend nach Nordosten vorankommen, ist noch unklar, zumindest dürften weite Teile
Baden-Württembergs betroffen sein, eventuell noch das Saarland, die Südpfalz und
das bayerische Schwaben. Dabei fällt zumeist Schnee, lediglich an Ober- und
Hochrhein auch Regen. In der Nacht zum Donnerstag kommen die Niederschläge nur
zögernd nordostwärts voran und mit beginnender Milderung steigt die
Schneefallgrenze im Südwesten an. Der aktuelle ICON-EU-Lauf simuliert in einigen
Regionen (v.a. Schwarzwald/Schwäbische Alb) durchaus markante Neuschneemengen
bis in tiefere Lagen.
Im Rest des Landes bleibt es wettertechnisch recht ruhig. Im Bereich der
abziehenden bzw. sich auflösenden Rinne fällt von den mittleren Landesteilen an
ostwärts vor allem vormittags noch etwas Schnee, am Erzgebirge bis in den
Nachmittag hinein. Sonst wechseln sich Sonne und Wolken ab, es bleibt
überwiegend trocken. Im Norden und Nordosten herrscht leichter Dauerfrost, sonst
liegen die Höchstwerte meist zwischen 0 und 5 Grad, in den Niederungen West- und
Südwestdeutschlands auch noch etwas darüber. In der Nacht zum Donnerstag kann es
im Nordosten bei Aufklaren örtlich strengen Frost geben, während es am Oberrhein
wohl frostfrei bleibt.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs, die Unterschiede sind nur marginal,
eher der Modellauflösung geschuldet und betreffen in erster Linie die räumliche
Verteilung und Intensität der Niederschläge.
Erst zum Mittwoch hin, mit Übergreifen der Warmfront von Frankreich her auf
Südwestdeutschland, werden die Differenzen größer.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff