Kurzfrist
GWL und markante Wettererscheinungen:
W a, Übergang zu W z
GEWITTER (UNWETTER):
Heute Nachmittag und am Abend vornehmlich von NRW über Niedersachsen bis nach
Schleswig-Holstein und zur nördlichen Eifel und Nordhessen starke Gewitter mit
Sturmböen (bis 85 km/h, Bft 9), Starkregen (bis 25 l/qm) und Hagel. Im südlichen
Bereich hiervon lokal erhöhte Unwettergefahr aufgrund von schweren Sturmböen
oder orkanartigen Böen (90 bis 110 km/h, Bft 10-11), heftigem Starkregen (um 30
l/qm) und Hagel von 2-4 cm.
In der Nacht zum Samstag südostwärts bis zur Mitte verlagernde Gewitter. Dabei
langsam wieder abnehmende Intensität, allerdings weiterhin Sturmböen (bis 85
km/h, Bft 9), Starkregen (bis 25 l/qm) und Hagel möglich.
Am Samstag in einem Streifen von den westlichen Mittelgebirgen bis zum
Bayerischen Wald und Inn einzelne Gewitter mit Starkregen und Sturmböen,
Unwetter nur wenig wahrscheinlich. Abends alsbald abklingend.
Am Sonntag in der Mitte und im Süden erneut Gewitter, Unwetter durch heftigen
Starkregen und schwere Sturmböen wahrscheinlicher als am Samstag.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Freitag... liegt Deutschland unter einem allmählich ostwärts schwenkenden
Höhenkeil. Dieser wird durch Warmluftadvektion überlaufen und flacht daher
zusehends ab. Ein nachfolgender Trog nähert sich bereits den Britischen Inseln.
Von dem Bodenhoch, das durch diesen Keil gestützt wird, ist nicht mehr viel
übrig; Reste hiervon halten sich über dem Alpenraum.
Mit der Passage der Keilachse stellt sich im Nordwesten und Westen Deutschlands
eine südwestliche Strömung ein, in welche bereits bis zum Abend ein
Kurzwellentrog hereinläuft und auf die Nordsee übergreift. Vorderseitig wird
feuchtlabile Luft angesaugt, die sich im Nordwesten und Westen Deutschlands
durchsetzt. CAPE (MU, KK) erreicht 1000 bis über 2000 J/kg, der Gehalt an
niederschlagbarem Wasser 30 bis knapp 40 mm und der in die Nordsee schwenkende
Kurzwellentrog spendiert die erforderliche Hebung. Somit ist von der Auslösung
hoch reichender Konvektion auszugehen, wobei die Schichtung bis über 200 hPa
sehr labil ist. Zwar ist CAPE noch etwas gedeckelt, aber die Auslösetemperatur,
die bei 28 bis 30 Grad liegt, sollte erreichbar sein. Und wo dies nicht der Fall
ist, hilft die Orografie. Das wäre über der Nordeifel, dem Hochsauerland und
Nordhessen sowie dem südlichen Niedersachsen der Fall. Bei den Gewittern besteht
Unwettergefahr durch heftigen Starkregen um 30 mm innerhalb kurzer Zeit,
größeren Hagel und aufgrund signifikanter, vor allem niedertroposphärischer
Scherung zudem durch (schwere) Sturmböen, auch orkanartige Böen sind nicht
auszuschließen. Immerhin lassen sich bei RUC Signale für Superzellen finden.
Eine entsprechende Unwetter-Vorabinfo ist bereits in Kraft.
Die anderen Gebiete bleiben von diesen Entwicklungen noch verschont.
Antizyklonaler Einfluss und das hieraus resultierende Absinken lässt keine
nennenswerte Wolkenbildung zu, so dass weitgehend ungehinderte Einstrahlung
erfolgt. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 27 bis 33, im Norden in
Abhängigkeit von der Entfernung zur Küste 20 bis 26 Grad.
In der Nacht zum Samstag überquert der von der Nordsee kommende Trog unter
Abflachung den Norden Deutschlands. Mit diesem verlagert sich die Konvektion
über die Mitte Deutschlands hinweg in den Osten und Nordosten. Bis weit in die
erste Nachthälfte hinein sind unwetterartige Entwicklungen vorstellbar, wobei
dann eher Fokus auf mehrstündigen Starkregen zu legen ist. Danach erfolgt eine
merkliche Abschwächung der anfangs noch von Gewittern durchsetzten Konvektion,
wobei ab der zweiten Nachthälfte markante Warnungen hinreichend sein dürften.
In den Nordwesten und Norden Deutschlands gelangt dann trockenere und stabil
geschichtete Luft, so dass dort konvektive Umlagerungen ausbleiben. Im Süden ist
die Schichtung zwar labil, dort fehlt allerdings die Feuchte; auch Hebung bleibt
aus, so dass auch diese Gebiete von hoch reichender Konvektion verschont
bleiben.
Samstag... setzt sich wieder antizyklonaler Einfluss in Form eines Höhenkeils
durch, dessen Achse bis zum Abend den Westen Deutschlands erreicht. Die weiter
oben beschriebene Luftmasse ist nach wie vor in einem breiten Streifen zu
finden, der sich vom westlichen Bergland über die südliche Mitte bis zum
Bayerischen Wald erstreckt. Mit 30 bis 35 mm ist aber nicht mehr so viel
Flüssigwasser vorhanden wie am Vortag, resultierend aus der Feuchteanreicherung
durch die vorherigen Niederschläge und nachfolgender Einstrahlung kann jedoch
mehr CAPE generiert werden als dass dies heute der Fall ist. Allerdings ist,
bedingt durch den nahen Höhenkeil, die Labilität noch etwas gedeckelt. Dennoch
ist in diesem Bereich vor allem über den Mittelgebirgen die Auslösung hoch
reichender Konvektion vorstellbar, die mangels Scherung nicht so organisiert
auftritt wie dies heute der Fall ist. Daher ist Starkregen in den Fokus zu
rücken, wobei durchaus unwetterartige Regenmengen zusammenkommen können.
Im Norden und Nordosten Deutschlands ist die Schichtung stabil, im Südwesten und
Süden der Gehalt an niederschlagbarem Wasser zu gering und der antizyklonale
Einfluss zu sehr ausgeprägt, so dass, abgesehen von Einzelentwicklungen über dem
süddeutschen Bergland, in diesen Gebieten konvektiv nicht viel zu erwarten ist.
Im Westen und Süden Deutschlands sind noch einmal 26 bis 32 Grad und bis 34 Grad
am Oberrhein zu erwarten, im Norden und Nordosten wird es mit 19 bis 25 Grad
nicht mehr so heiß wie bisher.
In der Nacht zum Sonntag fällt in den zuvor genannten Gebieten die Konvektion
mit dem hereinschwenkenden Höhenkeil alsbald in sich zusammen, lebt aber in der
zweiten Nachthälfte, getriggert durch einen in die Nordsee hereinlaufenden
Kurzwellentrog, von Westen auf die Mitte übergreifend erneut auf. Dabei dürfte
es sich im Wesentlichen um abgehobene Entwicklungen handeln, die teils
mehrstündigen und von Gewittern durchsetzten Starkregen zustande bringen können.
Ansonsten ändert sich an der Verteilung der Luftmassen nur wenig.
Dort, wo es zuvor viel geregnet hat, können sich flache Nebelfelder bilden. Dies
ist am ehesten über der südlichen Mitte der Fall.
Sonntag... setzt sich über Mitteleuropa mehr und mehr eine westliche und leicht
flatternde, aber eher zyklonal geprägte Strömung durch. Dabei lässt der nächste
Trog nicht lange auf sich warten, überquert die Nordsee und erreicht bis zum
Abend bereits die Benelux-Staaten. Zwar wird dieser Trog durch Kaltluftadvektion
überlaufen, aber dieser Effekt dürfte durch positive Vorticityadvektion
kompensiert werden.
An der Vorderseite dieses Troges erfolgt erneut ein Einschub feuchtlabiler Luft.
CAPE (MU, KK) erreicht deutlich mehr als 2000 J/kg und ist gegenüber den
Vortagen kaum noch gedeckelt. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser liegt dann
bei 30 bis 35 mm. Trockenere Luft hält sich nur im Norden und Nordosten
Deutschlands, etwa von der Nordsee bis in die Lausitz hinein. Diese Gebiete
bleiben wahrscheinlich von konvektiven Umlagerungen verschont.
Bedingt durch die signifikante niedertroposphärische und auch hoch reichende
Scherung wird das gesamte Spektrum an unwetterträchtigen Parametern
ausgeschöpft, so dass dann auch wieder eine entsprechende
Unwettervorabinformation erforderlich wird. Der Schwerpunkt der hoch reichenden
Konvektion liegt dann wahrscheinlich über den mittleren Regionen, wobei hier
noch Unsicherheiten bestehen.
Gestützt durch Kaltluftadvektion schiebt sich im späteren Tagesverlauf von
Westen ein Bodenhochkeil herein. Mit der Drehung der bodennahen Windkomponente
auf Nordwest dürfte zur tagesgangsbedingt aktivsten Zeit von Westen her die
Konvektion abflachen. Wie rasch dieser Prozess in Gang kommt und wie rasch
dieser nach Osten voranschreitet, ist noch unsicher.
Gegenüber heute und Samstag gehen die Temperaturen etwas zurück. Im Osten und
Süden werden noch einmal 25 bis 29, am südlichen Oberrhein vielleicht 30 Grad
erreicht. Im Norden und Nordwesten sind 19 bis 25 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Montag überquert der Trog unter Abflachung das
Vorhersagegebiet. Der nachfolgende Rücken greift bereits unter weiterer leichter
Aufwölbung auf die Britischen Inseln über. Hierdurch verschiebt sich das
konvektive Geschehen mehr und mehr in die östlichen und südöstlichen
Landesteile, wobei in der ersten Nachthälfte noch Unwetter vorstellbar sind, die
vor allem durch heftigen und zum Teil auch mehrstündigen Starkregen zustande
kommen. Von Westen her setzt sich trockenere und stabilere Luft durch, die bis
Montagfrüh dann auch die mittleren Gebiete erfasst. Entrainmentprozesse
entschärfen die Luftmasse zusehends, so dass, abgesehen vielleicht vom östlichen
Alpenrand, bis Montagfrüh kaum noch die Gefahr von Starkregen besteht.
Im Nordwesten und Westen Deutschlands setzt Entspannung ein; auch der Norden und
Nordosten sollte von konvektiven Umlagerungen weiterhin verschont bleiben.
Aufgrund des dann vorhandenen Gradienten ist die Nebelneigung eher gering.
Modellvergleich und -einschätzung
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Bis etwa Sonntagmittag stützen die verfügbaren Modelle die oben beschriebene
Entwicklung. Prognoserelevante Unterschiede sind bis dahin nicht erkennbar.
Diese ergeben sich dann bei der flachen Druckverteilung am Sonntag und
hinsichtlich der Frage, wie rasch sich von Westen her die trockenere und
stabilere Luft durchsetzt. Allerdings liegen diese Modellunterschiede im Bereich
der Prognosegenauigkeit.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann