Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 21.07.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Nz (Nord zyklonal)

Hoch- oder Tiefrandlage, je nach Gusto. Weiterhin gemäßigte Temperaturen, am
wärmsten dabei der Südwesten. In den Nächten z.T. sehr frisch.


Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC
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Dienstag... sind die Rollen auf der europäischen Wetterkarte weiterhin klar
verteilt: Über dem nahen Atlantik ein fettes marines Hoch mit über 1035 hPa im
Zentrum, von dem aus ein wuchtiger Keil (MORITZ) über Deutschland hinweg bis zum
nördlichen Balkan gerichtet ist. Dem gegen über stehen die "gesammelten Werke"
von CERRY (mittlerweile ist man bei den Tiefkernen #4 und #5 angelangt), seines
Zeichens mehrkerniges Tiefdrucksystem über dem Baltikum bzw. NW-Russland.
Ergänzt wird das illustre Duo durch DEBORAH, einem weiteren Tief, das vor den
Lofoten vor sich hin kreiselt. Also im Prinzip weit weg, aber letztlich doch mit
einem gewissen Impact, wie wir im Verlauf noch sehen werden. Korrespondierend zu
den genannten Druckgebilden lassen sich in der Höhe die entsprechenden
Potenzialsysteme finden: breiter bis sehr breiter Rücken über dem Ostatlantik,
Höhentief mit Trog über dem nahen Osteuropa + Ableger bis hinüber nach
Frankreich sowie ein weiterer Trog über dem Nordteil des Europäischen Nordmeers.
Damit haben wir alle zusammen, wobei noch wichtig zu erwähnen ist, dass bei uns
daraus eine relativ glatte, nach Süden hin leicht zyklonal konturierte nördliche
Höhenströmung resultiert, in der aber zumindest heute keine nennenswerten
dynamischen (Hebungs)Impulse erkennbar sind.

So wird das heutige Dienstagswetter in der frisch eingeflossenen maritimen
Polarluft (mP; T850 heute Mittag 6 bis 10°C) weitgehend durch den Tagesgang
bestimmt. Die Nachtaufstiege zeigen eine Sperrschicht etwa zwischen 800 und 750
hPa, die nach Osten hin bis zum Nachmittag bis zu 600 hPa angehoben wird. Das
reicht aus, um aus der labilen, aber nicht besonders feuchten Grundschicht
heraus ein paar Schauer herauszuquetschen. Prädestiniert dafür vor allem die
östliche Mitte plus BB und Franken. Zwar gehen die Cloud-Tops z.T. bis an -10°C
heran, was aus theoretischen Überlegungen heraus sogar elektrische Schauer ins
Spiel bringt. Praktisch wird´s aber eher schwierig, da in der vertikalen
Wasserdampfbilanz ein paar Prozentpunkte fehlen dürften.

Im großen Rest der Nation steht ein weitgehend, im Westen sowie der westlichen
Mitte sollte man besser sagen ein weiterer trockener Tag auf der Karte, an dem
neben flacher und vielfach hochbasiger Quellbewölkung häufig die Sonne scheint.
Anfänglich aus der Nacht heraus noch vorhandene stratiforme Wolkenfelder (z.B.
Sachsen, Thüringen, Nordbayern, aber auch weiter west-nordwestlich) werden durch
die solare Einstrahlung perforiert respektive in Quellungen überführt. Thermisch
geht´s hoch auf rund 20°C direkt an der See und 22 bis 26°C sonst, wobei die
höchsten Werte im Südwesten zu erwarten sind.

In der Nacht zum Mittwoch nähert sich von der Nordsee ein KW-Trog, quasi ein
Abgesandter des o.e. Nordmeertroges. Mit Hilfe von Überströmungseffekten wird
über Südnorwegen eine Zyklogenese in Gang gesetzt, aus der ein kleines aber
feines Tief resultiert, das via Skagerrak das südschwedische Festland ansteuert
(BWK/FU Berlin hat das Tief DEBORAH genannt, was nicht ganz nachvollziehbar ist.
Die originale DEBORAH von den Lofoten zieht südlich von Spitzbergen zur
Barentssee). Zwischen dem nach Südwesten zur Nordsee gerichteten Bodentrog und
dem sich nicht vom Fleck rührenden Hoch wird das Druckfeld gehörig komprimiert,
was unweigerlich ein Auffrischen des Windes zur Folge hat. Betroffen bis zum
Morgen die Deutsche Bucht inkl. Inseln und Küstenstriche, wo der Nordwestwind in
Böen Stärke 7 Bft, vereinzelt 8 Bft erreicht. An der Ostsee kommt der Wind eher
aus West und ist zunächst auch nicht ganz so flott unterwegs. Gleichwohl können
im Westen gerade auf Fehmarn die ersten steifen Böen 7 Bft auftreten.

Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass über der Nordhälfte leichte WLA in Gang
kommt, die von der Nordsee her fast die gesamte Nordhälfte mit tiefer Bewölkung
(Inversion bei 800 hPa) zupflastert. Gegen Morgen können vor allem in Küstennähe
hier und da ein paar Tropfen Regen oder Nieselregen fallen. Nach Süden hin
dagegen verläuft die Nacht meist gering bewölkt oder klar mit den entsprechend
tiefsten Tiefsttemperaturen. Stellenweise geht´s runter bis auf nahe 5°C,
während unter den Wolken im Norden zweistellige Werte Trumpf sind (Küste um
16°C).

Mittwoch... ändert sich an der Grundkonstellation gar nicht mal so viel. Das
Hoch über dem Ostatlantik bleibt prominent, verjagt sogar die gute DEBORAH von
den Lofoten (kräftiger, nach NO ausgerichteter Keil). Auch Familie CERRY lässt
sich weiterhin auf der Wetterkarte finden, wobei sich nun aber ein neuer
Spießgeselle dazugesellt. Die Rede ist von unserem "Nachttief", das am Mittag
mit etwas über 1005 hPa im Kern über Südschweden Rast macht, um später raus auf
die südöstliche Ostsee zu ziehen. Die zugehörige Kaltfront erreicht gegen Mittag
den äußersten Norden/Nordwesten des Vorhersageraums, wodurch vorgelagerte
Hochkeil (MORITZ) ein Stück weit komprimiert wird.

Allerdings reichen seine Fähigkeiten noch dicke aus, dem Süden das tiefe Gewölk
aus der Nordhälfte vom Leib zu halten und gerade nach Südwesten hin sogar einen
sonnigen Tag mit wenig Gewölk zu generieren. Dabei kann sich die gealterte
Polarluft (xP) auf 24 bis 27, im südlichen Oberrheingraben bis zu 29°C erwärmen.
So warm wird es in den übrigen Landesteilen freilich nicht und ganz im Norden,
vornehmlich an der schönen Nordsee muss man gar ernsthaft um das Erreichen der
20°C-Marke bangen. Darüber hinaus wird etwa bis hinunter zur Mainlinie ´ne Menge
Bewölkung geboten, deren Hang zur Lücke sich in einem überschaubaren Rahmen
abspielt. Stattdessen sollte man bis hinunter an die nördliche
Mittelgebirgsschwelle mit zeitweiligem leichtem Regen/Nieselregen bzw. einzelnen
Schauern rechnen. Nicht ausgeschlossen, dass am Spätnachmittag/Abend im
Nordosten, wenn dort der o.e. KW-Trog durchschwenkt und entsprechend die
Luftmasse labilisiert, sogar vereinzelte Gewitter an den Start gehen. CAPE gibt
es zwar wenig und auch nur skinny, dafür ist die Scherung gut - vielleicht
reicht´s für ein paar (wenige) elektrische Entladungen. Das Warnmittel der Wahl
wäre gelb, gerade an der Küste auch ocker wegen Böen 8 Bft. Hinzu kommt Graupel
respektive eher kleiner Hagel, wohingegen Starkregen ausnahmsweise mal keine
Rolle spielen sollte.

Wer auf alle Fälle eine Rolle spielt ist der Wind, der aus West bis Nordwest
kommend nun auch an der Ostsee sowie allgemein im küstennahen Binnenland Fuß
fasst. Was die Häufigkeit von stürmischen Böen 8 Bft angeht (selbst eine glatte
"9" kann exponiert nicht ausgeschlossen werden), bleibt die Nordsee auf der
Pole. Zwar sind auch an der Ostsee 8er-Böen möglich, jedoch nicht in dem Maße
und in der Häufigkeit wie am westlichen Partnermeer. Zu weit nach Süden sollten
die morgigen Windwarnungen im Binnenland nicht ausgreifen. Zwar deutet sich dort
in Verbindung mit einem Schauer auch mal ´ne steife Böe 7 Bft an, für eine
Warnung ist das aber zu wenig.

In der Nacht zum Donnerstag zeiht das Tief zur südöstlichen Ostsee. Gleichzeitig
macht die zugehörige Kaltfront über Deutschland Boden nach Süden hin gut,
wodurch nun auch in den Süden Wolkenfelder verfrachtet werden. Regen ist dort
allerdings kaum zu erwarten, vielleicht reicht es am östlichen Alpenrand für ein
paar kärgliche Schauer. Deutlich wahrscheinlicher sind Schauer zwischen Ostsee
und Erzgebirge, wo der o.e. KW-Trog deutliche Spuren hinterlässt. Selbst ein
nächtliches Gewitter kann nicht ausgeschlossen werden. Der NW-Wind an der See
lässt zwar langsam nach, rund um Rüden, Usedom und den Darß sowie an der Nordsee
können aber selbst in den Morgenstunden noch einige Böen 7 Bft auftreten. Gerade
auf und an der Nordsee ist ohnehin noch ein kleines Fragezeichen angebracht, das
in Verbindung mit einem weiteren, von Südnorwegen südwärts vorstoßenden flachen
Bodentrog in Verbindung steht (Timing, Geometrie).

Tiefstwerte 16 bis 8°C, direkt an der See am mildesten.

Donnerstag... schwächt sich das Hoch über dem Atlantik in seinem Ostteil ab bzw.
zieht sich etwas nach Westen zurück. Das macht den Vorhersageraum anfälliger für
Störungen von Nordwesten, von denen die nächste in Form eines kompletten
Frontensystems zunächst aber noch außen vor bleibt. Und so verläuft der Tag ein
wenig zwischen den Stühlen: in der Höhe noch ein bisschen was vom inzwischen
über dem östlichen ME angelandeten Trog, am Boden ein bisschen Tief (bei
Kaliningrad), ein bisschen Hochkeil, im Süden letzte Kaltfrontreste und - ganz
wichtig - eine frische Portion maritimer Polarluft (mP), in der T850 in der
Nordhälfte z.T. bis auf 5°C zurückgeht.

Unter dem Strich kommt dabei - sofern man nicht das Mikroskop anlegt - eine
Dreiteilung des Wetter heraus, die folgendes Aussehen hat. Zone #1 befindet sich
ganz im Norden (Teile von SH und Mecklenburg, vielleicht noch ein Stück
südwärts), wo eine durch Skandenföhn abgetrocknete Luftmasse einströmt und für
heiter bis wolkige Verhältnisse sorgt. Es schließt sich Zone #2 an, ein von den
Niederlanden und Teilen der Nordsee bis hinüber zur Oder und Neiße bzw. zum
Erzgebirge reichender Korridor, in dem es wolkig bis stark bewölkt zugeht. Hier
und da fallen ein paar Tropfen Regen, zwischen Vorpommern und Lausitz sind
bedingt durch die Nähe zum Trog und der damit verbundenen Labilität sogar
"richtige" Schauer oder vereinzelte Gewitter möglich. Bliebe noch Zone #3, im
Südwesten und Süden, wo ebenfalls das Label "heiter bis wolkig" greift (im
westlichen Teil mehr Sonne als weiter östlich Richtung ostbayerische
Mittelgebirge). Zone #3 ist es auch, die temperaturmäßig am höchsten abschneidet
mit Spitzen zwischen 23 und 27°C. Ansonsten stehen 18 bis 24°C auf der Karte mit
den tiefsten Werten an der See. Dort weht ebenso wie in Teilen Ostdeutschlands
zunächst noch ein frischer und böiger Nordwestwind, der Im Tagesverlauf aber
nachlässt.

In der Nacht zum Freitag nähert sich von der Nordsee die Warmfront eines Tiefs
unweit von Jan Mayen. Sie bringt dem äußersten Nordwesten dichte Wolken,
voraussichtlich aber noch keinen Regen. Auch im Osten verläuft die Nacht
vielfach wolkig, während es in der Südhälfte häufig aufklart. Mit 14 bis 6°C
wird es abermals ziemlich frisch, nur direkt am vergleichsweise warmen Nord- und
Ostseewasser bleibt es etwas milder.

Modellvergleich und -einschätzung
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Der Fahrplan steht, noch ausstehende Unschärfen wurden im Text angerissen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann